1900

Bogen, 5. Jan. Wie angenehm die Bahn-Fahrt von Straubing nach Konzell ist, hat das „Straubinger Tagblatt“ schon mehrmals nur zu wahr gezeichnet. Man läßt sich ja noch das Hin- und Herstoßen in den Wagen, das Teppichreinigen während der Fahrt gefallen; allein vor den Zudringlichkeiten und schweren Beleidigungen total Betrunkener möchte das anständige Publikum doch geschützt sein. Gestern z. B. war der Skandal derart, daß die Kondukteure eine Dame nur durch Absperren des Wagens II. Klasse vor den Ungezogenheiten eines Besoffenene schützen konnten. Wir bitten um gründliche Abhilfe in dieser Beziehung. (Dem hätten wir noch anzufügen, daß vor einigen Tagen, man sagt uns, es sei am Tage vor den Nachurwahlen gewesen, auf derselben Bahn ein älterer Pfarrer vom Gäuboden in solcher Weise durch Ungezogenheiten von Mitfahrenden belästigt wurde, daß er sich gezwungen sah, noch ehe er seinen Bestimmungsort erreicht, auszusteigen. D. Red.)
Quelle: Straubinger Tagblatt 09.01.1900


Vom Vorwald, 12. Jan. Wenn von Uebelständen auf der Lokalbahn Straubing-Konzell gesprochen wird, so darf wohl nicht unerwähnt bleiben, daß auf einer der frequentesten Stationen, nämlich Steinburg, sich kein Warteraum befindet. Zu gegenwärtiger Jahreszeit wird das von den dort Verkehrenden stark empfunden, zumal wenn sie vorher einen längeren Weg zurückgelegt und dann den Witterungsunbilden ausgesetzt dastehen müssen, nis der Zug kommt. Um Abhilfe wird gebeten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 14.01.1900


Schwarzach, 12. Jan. Die Bauernbündler hiesiger Gegend sind seit dem letzten Wahlsieg über die Massen übermüthig geworden. That da einer kurz nach der Wahl den Ausspruch, sie wollten keinem Wirth mehr eine Halbe Bier und keinem Kaufmann in Schwarzach für einen Pfennig mehr etwas abkaufen, der nicht bündlderisch gewählt habe. Wir bauen, so schire dieser Sprecher, einen Tietzbazar, und diese Kaufleute sollen alle kaput gehen. Kommt ein Fremder in unsere Gegend, der getraut sich beileibe nichts über den Bauernbund und der Bündler Treiben zu sagen, aber wenn solche aus der Gegend draußen sind, dann verkünden sie’s wohl, daß man hier nichts sagen darf, ohne Schläge zu bekommen. Und dann das rohe Geschimpfe auf die Geistlichen, daß man meinen könnte, es gäbe nichts Schlechteres auf der Welt als so einen Schwarzrock. Sollen aber nur so fortwachen, denn werden sie an ihren Nachkommen noch etwas erleben. Traurig ist, daß einzelne – denn nicht alle, die sich von diesen Maulhelden beschwatzen lassen, sind so schlecht – unsere Gegend, die ob ihrer biederen, religiösen Leute weithin den besten Ruf genoß, diesen untergraben.
Quelle: Straubinger Tagblatt 14.01.1900


Todes-Anzeige
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute Früh halb 5 Uhr unseren innigstgeliebten Gatten, Vater, Bruder und Schwager,
Herrn Joseph Edenhofer,
Bauer in Grub,
nach längerer Krankheit und Empfang der hl. Sterbsakramente im 63. Lebensjahr in die Ewigkeit abzurufen.
Um stille Beileid bittet
Grub, 13. Janaur 1900.
Die tieftrauernde Gattin
Maria Edenhofer
Mit ihren 3 unmünd. Kindern nebst übr. Verwandten.
Die Beerdigung findet statt Montag den 15. Januar Vormittags halb 10 Uhr vomHause aus nach Hunderdorf mit darauffolgendem Gottesdienst in der Pfarrkirche Hunderdorf.
Quelle: Straubinger Tagblatt 14.01.1900


Vom Vorwald, 21. Jan. Im Straub. Tagbl. Wurde jüngst auf die Nothwendigkeit eines Wartraumes bei der Bahn-Station Steinburg hingewiesen. Wie soll dieser Wartesaal beschaffen sein, wo eingerichtet werden? Außerdem wurde mit dem Besitzer der in nächster Nähe an der Station liegenden Restauration seitens der k. Generaldirektion ohne jede Gegenleistung ein Vertrag abgeschlossen, daß jedem Gast das Gastzimmer vor Ankunft des ersten Zuges geöffnet und bei Bedarf geheizt sein muß, sowie daß jedermann daselbst freien Zutritt hat. Der Wirth ist selbstverständlich befugt, an die Besucher die Frage zu stellen, ob etwas zu essen oder zu trinken gewünscht wird, aber es steht jedermann frei, das zu verneinen, und wird deßwegen niemand aus dem Lokale hinausgeekelt. Auch ist Sorge getragen, daß die Gäste, bezw. Die Wartenden über den Abgang der Züge verständigt werden. Die Frage eines Warteraumes dürfte so in befriedigender Weise schon gelöst sein.
Quelle: Straubinger Tagblatt 23.01.1900


Hunderdorf, 19. Febr. Unlängst wurden dahier bei mehreren besser situierten Bewohnern von einem jungen Buschen in Begleitung eines Frauenzimmers Partien von Leinwand herausgeschwindelt und zwar unter dem Vorbringen, er sei ein armer Student und wäre vom Herrn Pfarrer dahier empfohlen worden. Dieses Betrügerpaar wurde im Amtsbezirke Hemau verhaftet, wo es die gleichen Betrügereien verübte, und als der ledige Maurer Franz Herrndobler von Forsthart Ger. Osterhofen und dessen Conkubine Franziska Leberfinger von Wirtsholz Ger. Vilshofen, agnosciert. Auch in verschiedenen anderen Bezirken sind diese Personen aufgetreten. – Die Lenzsche Restauration dahier in der Nähe des Bahnhofes ging um den Kaufpreis von 18,000 Mk. in den Besitz des Restaurateurs Franz Meyershofer von Konzell über. –
Quelle: Straubinger Tagblatt 21.02.1900


Hunderdorf, 14. März. Der auch im Gäuboden allgemein bekannte Austragsgütler Johann Häusler von Eglsee ist heute Nacht seiner treuen Ehehälfte, There geb. Bugl, welche am 12. März 75 Jahre alt verstarb und heute dahier beerdigt wurde, in einem Alter von 80 Jahren in ein besseres Jenseits gefolgt. Der einzige Sohn, ein Bräubursche, legt in weiter Ferne, und ist dessen Aufenthalt auch seinen verstorbenen Eltern in letzter Zeit unbekannt geblieben.
Quelle: Straubinger Tagblatt 16.03.1900


Todes-Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren innigstgeliebten Vater, Großvater und Schwiegervater,
Herrn Jakob Hafner,
Ausnahmsbauer in Sollach,
nach längerem schweren Leiden und öfteren Empfang der hl. Sterbsakramente im 74. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit abzuberufen.
Um stilles Beileid bitten
Sollach, 27. März 1900.
Die tieftrauernden Kinder
Namens der übrigen Verwandten.
Die Beerdigung findet Donnerstag den 29. März vormittags 9 Uhr vom Hause aus nach Hunderdorf mit darauffolgenden Gottesdienst statt.
Quelle: Straubinger Tagblatt 29.03.1900


Hunderdorf, 13. Mai. Nachdem nunmehr unzweifelhaft festgestellt ist, daß der Hund, welcher am 17.April l. Js. den Hund des Bauern Ulmer von Sollach, Gemeinde Hunderdorf, abgerauft hat, an Tollwut erkrankt war, so mußte seitens des Bezirksamts Bogen die sofortige Tötung des nun erwähnten Hundes verfügt werden. Gleichzeitig wurde die mit Verfügung des erwähnten Amtes bis 25. Juli l. Js. angeordnete Hundesperre mit Entschl. v. 11. Mai c. bis 10. August l. Js. ausgedehnt, da in Waltersdorf, Gemeinde Degernbach, ein auf Grund vorgenommener Sektion als tollwutverdächtiger Hund erschossen wurde.
Quelle: Straubinger Tagblatt 15.05.1900


Bogen, 1. Juni. Bei dem Besuche der Kanalvereinsmitglieder mit Ihrem hohen Protektor Sr. K. Hoh. Prinzen Ludwig in Bogen hat sich wohl Manchem der Gedanke aufgedrängt, wie schön wäre es, wenn unser lieber Donaustrom wieder dem Passagierverkehre eröffnet würde. Ein kleiner, eigens zu bequemer Landung gebauter Dampfer würde genügen, und könnte auch zur Sommerszeit das auf seine Herstellung verwendete Kapital gut verzinsen, wenn die Fahrzeiten jedesmal günstig eingeteilt würden, und wenn der Dampfer den einzelnen an der Donau liegenden Ortschaften je nach Bedarf zur Verfügung gestellt würde. Der Verein für Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt wäre der geeignetste Herr und Verwalter des zukünftigen Fahrzeuges. – Anläßlich des Besuches Sr. K. Hoh. Des Prinzen Ludwig von Bayern in Bogen kamen auch die geschichtlichen Verhältnisse der Grafschaft Bogen zur Sprache. Interessenten diene daher zur Nachricht, daß die Grafen von Bogen ihr Geschlecht von Babo von Abensberg herleiteten. Dieser Graf Babo (Babonische Spende ist eine Stiftung in Abensberg) hatte 40 Kinder, 32 Söhne und 8 Töchter von 2 Gemahlinnen. Er erschien mit seinen 32 Söhnen und ebensovielen Knechten also mit 64 Mann vor Kaiser Heinrich II. in Regensburg, der nur erlaubt hatte, daß jeder Ritter einen Knecht mitbringe. Einer dieser Söhne Hartwig mit Namen wurde vom Kaiser mit der Grafschaft Bogen belehnt, welche eben dem Reiche zugefallen war. Babo selbst soll ein Bruder Ottos I. Grafen von Scheyern gewesen sein. Hartwig sein Sohn führte deshalb auch anfangs die bayrischen Rauten als Wappen, erst später 3goldene Bögen auf blauem Grunde. Seine beiden Söhne Aswin und Friedrich haben die Wallfahrt Bogenberg (1104) und die Klöster Oberalteich (1102) und Windberg (1125) errichtet. Die Residenz des letzten Grafen von Bogen, Albert IV., war die Burg Hohenbogen. 1242 starb dieser Albert, und die Rechte der Grafschaft fielen an seine Mutter Ludmilla zurück, die sich nach dem Tode ihres Mannes, Alberts III., mit dem Bayernherzog Ludwig dem Kelheimer vermählt hatte und die so dem bayerischen Löwen, wie die Chronik sagt, durch diese Erbschaft noch schöne Locken zuwachsen ließ. – Nachdem die aus Anlaß des höchsten Besuches Sr. K. Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern ausgegebene Kirchenbaukarte mit den historischen Daten bei dem anwesenden Publikum Gefallen fand, so sei darauf aufmerksam gemacht, daß bei den gewöhnlichen Verkaufsstellen noch einige Exemplare vorhanden sind. Auch ist dieselbe Karte mit dem Aufdrucke des Pfingstdatums und der Anzeige des 404. Empfanges der Wallfahrer mit der langen Stange von Holzkirchen angefertigt. Möchten doch die zahlreichen Besucher des Bogenberges echt ausgiebigen Gebrauch von dieser Karte machen. Auch auf andere Ansichtskarten wird, wenn erwünscht, der Aufdruck gemacht im Hause des Hrn. Hartmannsgruber.
Quelle: Straubinger Tagblatt 03.06.1900


Haindling, 15. Juni. Der neugeweihte Priester Herr Leonhard Hirtl traf am 11. Juni nachmittags 4 Uhr in Geiselhöring ein und wurde daselbst in feierlichster Weise von seiner Heimatgemeinde Haindling, der Pfarrgemeinde Hainsbach, den Gemeinden Haindlingerberg, Helmbrchting, Groß, Tuffing und Geishauben am Bahnhof empfangen. Am Perron hatten sich zur Begrüßung eingefunden der hochw. Pfarrklerus von Haindling und Geiselhöring, Kooperator von Sallach, sowie die Herren Lehrer. Nach dem Verlassen des Perrons wurde der Herr Primiziant am Bahnhofsplatze von 3 weißgekleideten Mädchen (Maria Röckl, Maria Raith und Anna Raith) mit einem Willkommensgedicht und Ueberreichung eines prächtigen Blumenbouquets geehrt, worauf derselbe den Anwesenden den Primizsegen erteilte. Nun setzte sich der imposante Zug in Bewegung, 21 Reiter, 27 Chaisen und 4 prächtig geschmückte Wägen mit den Kindern, ein Schauspiel für alle, die sich teils am Bahnhofe selbst, teils in den Straßen von Geiselhöring, durch welche der Zug ging, aufgestellt hatten. Die letzten Wägen hatten noch kaum Geiselhöring verlassen, als die Vorreiter schon Haindling erreicht hatten. Nun stellten sich die Reiter in musterhafter Ordnung in Spalier auf, und die Chaisen und Wägen fuhren hindurch. Beim Aufgang zur Kirche wurde der Primiziant von einem weißgekleideten Mädchen, Ther. Richter von Groß, mit einem Gedichte begrüßt, worauf er sich zwischen dem Spalier bildenden Knaben und Mädchen hindurch zur Kirche begab. Unter den Klängen des Tu es Sacerdos betrat er die Kirche, woselbst er nach einer kurzen Adoration am Frauen-Altar in herzlichen Worten für den so schönen Empfnag seinen Dank zum Ausdruck brachte. Ein Marienlied und der sakramentale Segen schlossen die kirchliche Feier. Sodann begab sich der Primiziant noch an das Grab seiner Eltern, worauf ihn die Geistlichkeit und Herr Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Röckl unter Vorantritt der Schuljugend ins Vaterhaus geleiteten, wo ihn seine jüngste Schwester im Namen der übrigen Geschwister herzlichst willkommen hieß. Dieser Empfang sowie die vielen Opfer, welche sich die Leute durch Schmücken der Pferde, Chaisen und Wägen, Errichtung der Triumphbögen, Häuserzierde, auferlegten, sind gewiß ein schöner Beweis, wie man hier zu Lande den Priester ehrt!
Quelle: Straubinger Tagblatt 17.06.1900

[Anm: Leonhard Hirtl war Pfarrer von 11.06.1916 bis 02.10.1920 (Tod) in Hunderdorf]

Die Chirurgenpraxis im bayerischen Walde.
Es war zweifelsohne einen vielfach gehegten Wunsche entgegengekommen, wenn unsere Parlamentarier, namentlich Abgeordneter Pichler, im Landtage eine Frage in Erörterung gezogen haben, die speziell im bayr. Walde mit regem Interesse verfolgt wird, und deren befriedigende Lösung man mit lebhafter Spannung erwartet.
Es ist der Antrag in der Debatte, es möchten an Aerzte staatlicherseits Zuschüsse gewährt werden, um ihnen unter den jeweiligen Verhältnissen vorzugsweise auch die Ansiedlung auf dem Lande zu ermöglichen, wo ihr Mangel so schmerzlich empfunden werden muß. Und es wäre auch in der That keineswegs ein unberechtigter Wunsch noch weniger eine unbillige Forderung, wenn diese Frage von höherer maßgebender Seite eine volle Beachtung und Würdigung fände, denn man muß wohl mit freudiger Anerkennung zugeben, daß auch sonst fast im Uebermaße für die Hygiene des Volkes gesorgt ist, indem man von höherer Seite aus mit peinlicher Gewissenhaftigkeit jede Schädigung der Gesundheit oder des Lebens in öffentlichen Lehranstalten, in Spitälern, in Irrenanstalten, Privatgebäuden usw. vorbeugt und eigene erfahrene Berufsmänner zur Ueberwachung  der Beobachtung resp. Nichtbeachtung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen aufgestellt hat; man hat endlich auch sonst für alle gerechten Forderungen der Bedürfnisse des Volkes ein offenes Auge und eine bereitwillige Hand. Es dürfte demnach auch der Wunsch nicht unbillig und zu anspruchsvoll erscheinen, daß von höherer Stelle auch dieser Frage zu einem für das Landvolk befriedigenden Resultate verhelfen möchte.
Ein Mißstand nämlich, wie er sich greller nicht denken läßt, herrscht vorzugsweise in einem großen Teile des bayer. Waldes: Es ist die Kurpfuscherei, die ihre kräftige Unterstützung im Mangel der Aerzte findet. Mit Genugthuung zwar las man seinerzeit die in Einvernehmen mit der hohen Staatsregierung neuerdings eingeschärften gesetzlichen Bestimmungen der Aezte über die Medikamente, welche die Bader ihren Patienten verabreichen dürfen: Borax, Salicilsäure, Karbols usw.
Angesichts dieser anerkennenswerten Bestrebungen von hohen und fachmännischen Kreisen, jede Gefährdung des Menschenlebens durch unbefugte Eingriffe ferne zu halten, muß es jeden Beobachter der thatsächliche bestehenden Verhältnisse doppelt unangenehm berühren, wenn man sieht, mit welcher Anmassung und Selbstüberschätzung Bader ohne irgendwelche medizinische Fachkenntnisse in die einzig und allein den geprüften und erfahrenen Aerzten rechtmäßig zustehenden Berufsarbeiten eingreifen und Krankheitsfälle behandeln, von denen sich doch jeder denkende Mensch sagen muß, daß ein Bader als solcher diese oder jene Krankheit weder diagnosieren, geschweige denn heilen kann; es efehlt im das erforderliche Studium, die notwendige Praxis in Kliniken, es fehlt da alles, was zu einem Berufe gehört, in dem das höchste Gut des Menschen, seine Gesundheit oder mitunter selbst das Leben in Frage oder auf dem Spiele steht.
Man erinnert sich dann willkürlich an ein Bild der fliegenden Blätter, das einen korpulenten Schweinmetzger darstellt, der vor einem Kunstgemälde sachverständig anerkannt: „muß auch gelernt sein.“ Die Ansicht des Schweineschlächters ist komisch, aber zutreffend wahr: es muß gelernt und geübt sein. Folgerichtig ist und bleibt es wahr, daß niemand einen Beruf ausüben kann und darf, zu dem er sich nicht durch genaues und gewissenhaftes Studium vorbereitet hat, also kann und darf ein Bader ohne Verletzung der Gerechtigkeit und Billigkeit keine medizinischen Experimente machen.
Um zunächst die Diagnose, die doch bei jeder Krankheit das Wichtigste und vielfach das Entscheidenste zu einem günstigen Resultate der ärztlichen Behandlung ist, ins auge zu fassen, so bleibt es doch wohl über allen Zweifel wahr, daß ein Bader bei Erkrankung rein innerer Organe und zumal bei complizierten Fällen gar keine sichere sachliche Diagnose stellen kann. Mit einem bloßen Raten und Versuchen, mit einem verzweifelten Kopfschütteln und mit dem Aufwarten mit medizinischen Fremdwörtern aus dem Universallexikon oder aus dem Buche Dr. Bock’s über den gesunden und kranken Menschen ist dem Patienten wenig gedient, und das umso weniger, weil durch das Verstreichen der Zeit die Krankheit, die weder erkannt noch gehoben, in der Regel einen ernsten Charakter annimmt. Aber auch gesetzt den Fall, ein Bader würde aus verschiedenen Symptomen die Krankheit erkennen z. B. eine akute Lungenentzündung, eine Brustfellentzündung usw., so muß er doch bei der Behandlung des Patienten wiederum insoferne in eine fatale Klemme geraten, wenn bei vorgenannten akuten Krankheiten der Patient noch obendrein mit einem Herzfehler belastet wäre. Vilefach haben Bader ein Stethoskop gar nicht im Besitze, um die Herztöne resp. Herzgeräusche hören und daraus das Vorhandensein eines größeren oder kleineren Herzfehlers ergründen zu können, so fehlt ihm das Mittel, welches das Herz beruhigt, z. B. Digitalis u. dgl. Wäre die Sache nicht so ernst, weil es sich um Menschenleben handelt, so könnte man sich eine gewissen Lachens nicht erwehren, wenn man sich von den verschiedenen Fällen an den einen erinnert, wie si ein „Landarzt“ (Bader) bei einem Kranken, der an Brustfellentzündung erkrankt und dann in baderlicher Behandlung das Zeitliche mitsamt der Baderpraxis gesegnet hat, bei der einen Diagnose ein Kopfleiden (natürlich!), dann ein Halsleiden und zuletzt die für alles verantwortliche böse Influenza herausgeklügelt hat. Und nichts weniger als bescheiden will es dünken, wenn in einem anderen Falle das Recept eines berufstüchtigen Arztes benörgelt wir und die baderliche Spitzfindigkeit einem schlichten Bauern gegenüber daraus groben Anstoß nimmt, daß der Arzt dem Patienten zur Linderung der Schmerzen eine Dosis Morphium in die Arznei credenzt hat. Difficile es satyram non scribere.
Auf Grund dieser und ähnlicher Thatsachen muß sich einem die Frage aufdrängen: Wie kann das vorkommen, daß Bader ärztliche Praxis ausüben? – Es liegt dem Schreiber dieses ganz ferne, für diese Dinge die fachmännischen Aufsichtsorgane verantwortlich zu machen; denn eine genaue Ueberwachung der Beachtung der gesetzlichen Normen ist für dieselben geradezu ins Bereich der Unmöglichkeit gesetzt; zudem wird die Baderpraxis im Stillen und mit Spekulation auf die Unerfahrenheit der Leute geübt. Und wer wollte es dem Volke verargen, wenn es in Krankheistfällen den kürzesten Weg vorzieht und zum Bader geht; denn um einen Arzt zu consultieren, muß hier unter den ungünstigen Verhältnissen eine Wegstrecke von 2 ½ Stunden zurückgelegt werden; in den besseren Jahreszeiten geht es an, aber im Winter – und gerade da treten Krankheiten häufiger auf – und beim tiefsten Schnee erfordert es für Mann und Pferd eine keineswegs zu unterschätzende Anstrengung. Und handelt es sich unter solchen Umständen noch dazu z. B. um eine schwere Entbindung und tritt dazu noch die Calamität, daß ein 2 ½ Stunden entfernter Arzt beruflicher Thätigkeit halber gar nicht zu Hause ist – was schon zu peinlicher Wirklichkeit geworden ist – dann ist die Not der sich nach Hilfe sehnenden Person geradezu unbeschreiblich groß. Es möge bemerkt sein, daß vorangehende Auseinandersetzungen nicht etwa Phantasiegebilde sind; die Verhältnisse liegen thatsächlich so und nicht anders vor. Würden diese Mißstände, wie sie eine Stimme aus den Bergen  des bayerischen Waldes schildert, bei höheren Stellen eine geneigte Würdigung finden, so wäre für das Wohl und die Gesundheit der hiesigen Bevölkerung ein schönes, Dank erntendes Stück Arbeit geschehen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 29.06.1900


Steinburg, 13. Sept. Heute wurde an hiesiger Bahnstation die neue Fahne des Veteranen-Vereins Neukirchen durch den Vorstand Hrn. Bäckermeister Faistl von Haggn und freiherrl. Förster Hrn. Buchwald, auf dessen Anregung der Verein ins Leben gerufen worden, mit Musik eingeholt. Am nächsten Sonntag hält der Verein, der jetzt schon 93 Mitglieder zählt, seine Fahnenweihe. Möge schönes Wetter die Festesfreude erhöhen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 15.09.1900


Neukirchen b. Haggn, 17. Sept. Unter Teilnahme von 11 auswärtigen Vereinen, begünstigt von schönstem Wetter, fand gestern dahier die Fahnenweihe des neugegründeten Veteranen- und Krieger-Vereins statt. Die Fahne, ein herrliches Meisterstück, ging aus dem v. Fröhlich’schen Atelier in München hervor. Die beiden Festjungfrauen Frl. Maria Haimerl und Magdalena Bründl brachten in gelungener Deklamation Festgedichte zum Vortrag. Verschiedene Redner hielten patriotische Ansprachen. Kurz das Fest verlief in schönster Ordnung.
Quelle: Straubinger Tagblatt 19.09.1900


Hunderdorf, 23. Sept. In verflossener Nacht gegen halb 11 Uhr entstand in dem Anwesen des Schuhmachermeisters Xaver Barth dahier Feuer und wurde in einer sehr kurzen Zeit das ganze Anwesen, bestehend aus Stadel und Wohnhaus, ein Raub der Flammen. Sämtliche Gegenstände verbrannten, und konnte nur das Vieh, mit Ausnahme 2er Schweine, gerettet werden. Die Bewohner des Hauses, welche sich im Schlafe befanden, konnten sich mit harter Mühe den Flammen entziehen und konnten nicht mehr retten, als sie am Leibe trugen. Der Schaden ist enorm, da auch ein großer Leder- und Schuhwaarenvorrat mitverbrannten. Die Entstehungsursache ist noch nicht aufgeklärt, und wird Brandstiftung vermutet.
Quelle: Straubinger Tagblatt 25.09.1900


Steinburg, 11. Oktbr. Die neue Straße Ort Steinburg bis Bahnhof Steinburg wurde vergangene Woche dem Verkehr übergeben, und mithin ist einem großen Bedürfnisse abgeholfen; denn der Verkehr auf dieser Strecke ist ein ungewöhnlich reger. Dem Distrikte Mitterfels sei hiemit für die dargebrachten Opfer der gebührende Dank dargebracht. Volle Anerkennung muß aber auch dem Akkordanten Klarl von Bogen ausgesprochen werden; denn der Bau ist wirklich gut und nobel ausgeführt.
Quelle: Straubinger Tagblatt 13.10.1900


Hunderdorf, 12. Dez. Bei der Volkszählung wurden in der Gemeinde Hunderdorf 1118 Personen gezählt, d. i. um 4 mehr als gegen 1895. Außerdem wurden gezählt: 80 Pferde, 800 Stück Rindvieh, 4 Schafe, 306 Schweine, 19 Ziegen, 80 Gänse, 9 Enten, 3023 Hühner, 27 Bienenstöcke, 1123 Apfel-, 746 Birn-, 3409 Zwetschgen-, und 691 Kirschbäume. Die schwache Zunahme der Bevölkerung rechtfertigt sich in der Thatsache, daß im Jahre 1895 bereits die Bahn im Bau begriffen und viel Arbeitspersonal damals im Gemeindebereich wohnte.
Quelle: Straubinger Tagblatt 14.12.1900


Steinburg, 13. Dez. In hiesiger Bahnstation herrscht reger Verkehr mit Holztransport. Aus den nahen Wäldern werden täglich viele Fuhren Lang- und Scheitholz zur Verladung hiehergefahren. Fast täglich kann man Händler sehen, welche hinaus zu den Bauern gehen, um Einkäufe zu machen. Wenn das noch einige Jahre so fort geht, so wird es um die Privatwaldungen bald schlimm stehen. Auch anderes Nutzholz, insbesondere Nußbäume, werden zusammengekauft, und fallen nicht selten um einen geringen Preis noch ganz gesunde Bäume der Axt zum Opfer. So hatte letzthin erste in Bauer 45 Stück schöne gesunde Nußbäume für 800 M. an einen Händler verkauft. Zu 4 Prozent ergibt sich eine Verzinsung von 32 M., während sein Vorfahrer von diesen Bäumen nicht selten 100 – 180 Zwanzigerliter geerntet hat, was bei einem Durchschnittspreis von 3 Mark pro 20 Liter 300 resp. 540 M. ergibt. Wenn auch nicht alle Jahre dieser hohe Ertrag geerntet wird, so wäre der Gewinn doch ein 3 – 4 fach höherer als der aus dem Verkauf der Bäume erzielte. – Dank dem liberalen Entgegenkommen der Generaldirektion besitzt jetzt unsere Station auch einen Warteraum, was bei gegenwärtiger Jahreszeit für das reisende Publikum eine große Wohlthat ist.
Quelle: Straubinger Tagblatt 15.12.1900


Bogen 28. Dez. Am 27. ds. wurden durch den Herrn k. Bezirksamtmann Matt in Bogen an nachstehende Feuerwehrmänner der hiesigen Gemeinde, welche 25 Jahre aktiv dienten, das gestiftete Ehrenzeichen überreicht: F. Wurm, Viehhändler in Gaishausen; X. Seitz, Maurer in Hofdorf und A. Poiger, Bauer in Stetten z. Z. Commandant der Feuerwehr Hunderdorf.
Quelle: Straubinger Tagblatt 30.12.1900


Hunderdorf, 28. Dez. Nachstehende Grabinschrift ist im hiesigen Friedhof zu lesen, welche 3 verstorbenen Jungfrauen gewidmet ist: Hier ruhen – folgen die Namen der 3 Schwestern – Sie konnte nicht der Bräutigam überraschen, Sie sorgten ja für’n Oel in ihren Flaschen.
R.I. P.
Quelle: Straubinger Tagblatt 30.12.1900

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