1840

Schulen in Hunderdorf und Windberg

48. Au,
Kirchdorf und Filial der Pfarrei Hunderdorf, mit 33 Häusern und 212 Einwohnern, 41/2 Stund von der Stadt Straubing entfernt.
Schullehrer: Kajetan Gatter, Prov., geb 1804. I. Kl.
a) Dessen Einkommen: 139 fl. 12 kr. rein.
b) Grundstücke: 1/16 Tagw. Garten.
Anmerk: 82 Schüler. – Zum Ankaufe des Schulbrennholzes bezahlt die Gemeinde jährlich 18 fl.

220. Hunderdorf,
(Unterhunderdorf.)
Pfarrdorf mit 24 Häusern und 150 Einwohnern, 1 St. vom Markte Bogen und 2 ½ St. von Straubing entfernt.
Schullehrer: Seb. Fuchssteiner, geb. 1772. I. Kl.
a) Dessen Einkommen: 554 fl. 33 kr.; rein; 380 fl. 14 kr.
b) Grundstücke: ¼ Tagw. Garten, 3 ¼ Tagw. Ackerland und 1 ¾ Tagw. Wiesengrund.
Anmerk. 130 Schüler. – 4 Klafter Holz zur Beheizung des Schulhauses. – an Getreide von der Gemeinde 1 Schäffel Weizen, 2 Schäffel Roggen, 3 Schäffel Haber, ½ Schäffel Gerste. – 1 ½ Pfund Flachs und 450 St. Eier.
(In der Pfarrei Hunderdorf befinden sich 1806 Seelen.)

568. Windberg,
Pfarrdorf mit 58 Häusern und 290 Einwohnern, 2 ¾ St. von Straubing, links des Bogenbaches.
Schullehrer: Benno Fuchssteiner, gewb. 1785. I. Kl.
a) Dessen Einkommen: 507 fl. 53 kr.; rein: 469 fl. 8 kr.
b) Grundstücke: ¼ Tgw. Garten und 3 Tagw. Wiesengrund.
Anmerk. 76 Schüler. – Zur Beheizung des Schulzimmers von der Gemeinde 4 Kl. Holz. – Als Meßner bezieht der Schullehrer 3 Schäffel Roggen, 3 Schäffel Haber, 3 Vrl. Weizen, 24 Pfd. Flachs und 270 Stück Eier.
(In der Pfarrei Windberg befinden sich 904 Seelen.)

Quelle: Uebersicht der teutschen Schulen und des Lehrer-Personals von Niederbayern, Passau 1840

Rede am Grabe
der
Magdalena Hafner,
Bäuerin von Hofdorf,
am 30sten September 1840.
Andächtige! Außenwählte!
Wir stehen hier am Grabe einer jungen Ehegattin, der ehr- und tugendsamen Magdalena Hafner, Bäuerin von Hofdorf, einer geborenen Wurm von Berndorf. Sie ist kaum 20 Jahre alt. Noch sind es nicht volle drei Virteljahre, daß sie mit den freudigsten Hoffnungen an den tugendreichen Jüngling, und allenthalben als braven, rechtschaffenen und arbeitsamen, bekannten und gelobten Bauersohn, Michael Hafner vom Hofdorf, eine gute Wahl getroffen zu haben glaubte, und mit ihm auf eine Weise in dem Ehestand, daß es zu wünschen wäre, es möchten alle jungen Leute auf eine so ehrbare und billige Weise in den Ehestand kommen – und kaum hat sie denn Brautkranz als ehrbare Hausfrau abgelegt, liegt schon der Todtenkranz auf ihrem Leichname. Eine zwar nicht unglückliche, aber unzeitige Geburt hat ihr den Tod bereitet.
Wer soll ihren Tod nicht beweinen! Ich komme ich konnte mich der Thränen nicht enthalten, als in ihrem Hofe der Sarg erhoben und ihre Leiche herausgetragen wurde, denn ich mußte nur denken: weder eine gute Hausmutter und um eine christliche Ehegattin weniger in meiner Pfarrei, und wäre doch so nothwendig, daß es lauter gute und christliche Hausfrauen und Ehegattinnen gäbe, weil von ihnen größten Theils die Hoffnung eines künftigen besseren Geschlechtes abhängt; und daß diese Verstorbene eine gute Mutter, eine sorgfältige Hausfrau, ein vortreffliches Eheweib geworden wäre, wer zweifelt daran? Wer weiß nicht, aus welchem christlichen Hause, aus welcher guten Familie sie ist? Mit welche allgemeinem Beifalle wurde es aufgenommen, als man hörte, eine Tochter Wurm‘s von Berndorf werde Hafnerin in Hofdorf werden! Ihre in bester Ehrbarkeit zugebrachte die Jugend, ihre Eingezogenheit, ihre Sittsamkeit, ich sage auch, ihre Frömmigkeit hatten ihren von jeher die Liebe und Achtung ihrer vorigen Pfarrgeistlichkeit in Bogen erworben, und ihre gute Erziehung berechtigte zu den schönsten Erwartungen, daß auch sie wieder eine gute Erzieherin ihrer Kinder werden würde. Mit Recht fallen daher auch die Thränen ihres jetzigen Pfarrers und Seelsorgers – meine Tränen auf ihren Sarg.
Mit Recht die Thränen ihrer Dienstboten, mit denen sie es gut gemeint, die sie gewiß nicht mürrisch, sondern gutmüthig behandelt hat, denen sie reichte, was sie schuldig war, und die sie auch, obgleich selbst noch jung, öfter zu einem sittlichen Betragen und zu einem christlichen Wandel ermahnt hat – mit Recht die Thränen der Nachbarinnen, denen sie eine gutmüthige, gefällige, dienstfertige Nachbarin war, und weit entfernt, selbst eine Veranlassung zur Unzufriedenheit oder zum Zanke zu geben, vielmehr durch bescheidene Nachgiebigkeit den Frieden unter ihnen liebte und bewahrte.
Um wie viel schwerer aber muss ihre Tod ihren Eltern fallen, die ihr beide in das Grab schauen müssen! der Schmerz müsste euch erdrücken, gute Eltern einer so guten Tochter! wenn euch nicht der Glaube an Gott, das Vertrauen auf ihn, und eine gottesfürchtige, fromme Unterwerfung unter seinen heiligen Willen aufrecht erhalten würde. Bringet dem Herrn dieses Opfer, das er nach seinen unerforschlichen Rathschlüssen von euch gefordert hat.
Wie sollte ich aber den trauernden Ehemann trösten! Gerecht ist ein Schmerz – du hast den größten Verlust; aber wie dich Alle bei deiner getroffenen Wahl lobten, so sind nun auch Alle mit dir bestürzt – ich will deine Trauer nicht damit vermehren, daß ich nun alle jene schönen Hoffnungen in Erwägung ziehe, die du auf deine gute Ehegattin gesetzt hast, und die nun alle begraben sind; aber ich kann es nicht unterlassen, zu versichern, wie die ihr die schöne, redliche, ehrbare Weise, mit der du eine verständige Wahl getroffen und in den Ehestand getreten bist, die besten Aussichten auf Gottes Segen und Beistand gegeben haben – allein – der Mensch denkt, Gott lenkt. – Gott hat sie dir gegeben. – Gott hat sie die genommen, der Name des Herrn sei gebenedeit. So fasse dich denn im festen Glauben und Gottes Leitung und der Regierung, ohne besten Willen nicht ein Haar von unserem Haupte fällt, es ist ohne Wissen und Willen Gottes nicht geschehen, und Gottes Wille muß uns Allen heilig seyn.
Nur noch Eeins, ehe wir dieses Grab verlassen! Es muß uns alle an unsere Sterblichkeit erinnern und an das Grab, das man einst auch für uns eröffnen wird; es ist die Furche, in die unser Leib wie ein Samenkorn gesäet wird, das zu einem neuen Leben emporsteigen wird. Wir werden einst die Stimme des Menschensohnes hören, und aus unserem Gräbern in ewiger Jugend hervorgehen, d. i. in Verklärung und Glorie, wenn wir hienieden die Pflichten unseres Standes treu erfüllt und ein frommes Leben geführt haben. – Beherzigen wir also: Was hilft es dem Menschen, wenn er etc. etc. So muss denn doch allzeit unsere erste und größte Sorge das Heil unserer Seele sein.
Sollte die Verstorbene aber wegen was immer für Fehler, die sie aus menschlicher Schwachheit begangen, und noch nicht genug abgebüßt hat, im Fegefeuer noch zu leiden haben, so lasset uns für Sie beten.
Quelle: Fest- und Gelegenheits-Predigten von Xaver Maßl, Stadtpfarrer bei St. Paul in Passau. Dritter Theil. Bruderschafts-, Geschichts- und Predigten vermischten Inhaltes, Trauer- und Grabreden. Schaffhausen. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung. 1847
[Dr. Franz Xaver Maßl war von 1835 bis 1847 Pfarrer in Hunderdorf]

Anrede
auf den Grabe der
Anna Maria Grill,
den 7. November 1840.
Andächtige! Auserwählte!
Es ist gerade ein Jahr und drei Wochen, als der trauernde Gatte, der heute zum zweiten Male als Wittwer am offenen Grabe seiner zweiten Gatten steht, seiner ersten Gatten in das Grab weinte. Seine häuslichen Verhältnisse machten es nothwendig, bald zur zweiten Ehe zu schreiten und nach fünf Wochen hatte ihn das Band der Ehe mit der tugendsamen Jungfrau verbunden, die wir jetzt nach einen noch nicht vollen Jahre als seine treue Gattin und als Mutter zur Erde bestattet haben, nämlich due tugensame Anna Maria Grill, Hausbesitzerin und Zimmermannin von hier, eine geborene Schötz von Thananger: da heißt es wohl, auf Leiden folgt Freuden, auf Freuden von Leiden; denn so groß und gerecht auch der Schmerz war, den der trauernde Gatte am Grabe seines ersten Weibes hatte, so groß konnte auch mit Recht die Freude seyn, als er bald an der tugendsamen Jungfrau Anna Maria Schötz eine zweite Gattin fand, die Tugenden in ihr vereinigte, welche ihm eine ebenso glückliche Ehe versprachen, als die erste war, und die durch viele Jahre hin glücklich zu bleiben in den vorzüglichen Eigenschaften der Gattin ihre Bürgschaft hatte. Es war auch der Tag der Verehelichung in zeitlichen Freuden durch eine Hochzeit feierlich gefeiert – und nun – wieder Leiden – der Brauttanz wird zum Todtentanze, der Brautkranz welkte schon in weniger als einem Jahre zum Todtenkranze. Sie liegt nun in kühler Erde – wer sagt nicht – Schade – Schade für ein so braves, gutes, und christliches Weib! Ja, Geliebte! mit Recht bedauern wir alle den zu frühen Tod dieser Verblichenen.
Wer hat sie in ihre ledigen Stande nicht als eine Jungfrau geschätzt, dergleichen es wenige gibt? Sie wusste nichts, sie wollten nichts wissen von jenem eitlen Gepränge, von jenen eitlen Tande der Welt, welcher das Herz mit sündhafter Eitelkeit, Hoffart und Stolz anfüllt, und zu sündhaften Begehrlichkeiten verführet, sie wusste nichts, sie wollten nichts wissen, von jenen sündhaften Bekanntschaften und Schwärmereien, bei Musik und Tanz in Wirtshäusern – Vergnügungsplätzen, wobei die Unschuld wie unangetastet bleiben kann – fern blieb sie davon, indem sie die Würde eine Jungfrau höher schätzte, als alle Freuden der Welt, die allzeit eben so viele Feinde der Jungfrauschaft sind, deßhalb trug sie ihren Jungfrauenkranz auch noch mit vollen Rechte und mit allgemeiner Hochschätzung am Brautaltare, wie sie ihn viele Jahre hindurch als Trägerin bei der Frauenfigur am Fronleichnamsfeste als prangende Jungfrau getragen hat.
Wer hat sie nicht als einen Magd in Diensten gekannt und gaachtet, dergleichen es wieder nur wenige gibt. Neun Jahre stand sie ununterbrochen in Diensten des hiesigen Schullehrers und nahm alles Lob, alle Segen mit sich, als sie als Braut aus dem Hause trat, indem sie so treu gedient hatte. Ja, sie vereinigte alle Eigenschaften in sich, die eine treue Magd haben soll: Fleiß und Arbeitsamkeit, Treue und Aufmerksamkeit auf ihr Geschäft, Hochachtung gegen ihre Herrschaft und Liebe zu der Familie, der sie als Glied angehörte, Verschwiegenheit und Ernst, Stille, Eingezogenheit und Häuslichkeit, hätte sie aus einem Heller einen Thaler machen können, sie hätte es gerne getan, so eifrig sah sie auf das, was ihrer Herrschaft war – nie versäumte sie etwas in ihrem Dienste, und wir Alle müssen ihren Eifer loben, den Sie als Dienstmagd in Hinsicht des Geschäftes hatte, das ihr oblag, zu dreimalen das „der Engel des Herrn“ zu läuten – so hat sie uns in neun Jahren täglich den anbrechenden Tag mit dem frommen Geläute verkündet, und uns zum Gebete und frühen Lobe Gottes geweckt, und Abends mit dem kleinen Glöcklein ermahnt, für die Verstorbenen zu beten, und den armen Seelen die ewige Ruhe zu wünschen – nun mahnt dieses Glöcklein, auch für sie zu beten.
Ihr Lob verkünden auch hier die beiden trauernden Eltern. Ich habe es nicht überhört, gute Mutter, da du in den letzten Zügen deiner Tochter unter Thränen, Schluchzen gerufen: O meine Tochter! O meine Anna Maria! nie, nie hast du mir einen Verdruß, einen Kummer gemacht, und jetzt soll ich dich verlieren! Schönes Lob, das die Eltern ihren Kindern noch in ihrer letzten Stunde geben können; schönes Lob, das gewiß als die kräftigste Fürbitte für sie bis zum Throne des Vaters in den Himmel dringt – möchten doch alle Töchter ein solches Lob in Wahrheit von ihren Müttern verdienen – tröste dich Mutter! denn der fromme Gehorsam deiner Tochter wird ein nicht geringes Gewicht in der Wagschale seyn, in die ihre guten Werke nun vor dem Gericht die Gottes gewogen werden. –
Als Gattin endlich lasse ich die Thränen ihres Gatten reden – sie bezeugen uns seinen unersetzlichen Verlust – an Arbeitsamkeit gewöhnt, war sie die fleißigste Hauswirthin, unter deren Händen sich der Wohlstand der Familien mehrte – an Stille und Schweigsamkeit gewöhnt, ließ sie den Frieden stören, sondern hielt ihn im Hause und außer dem Hause. Und seht, was sie für eine christliche Mutter geworden wäre! Nichts lag er mehr am Herzen als die christliche Erziehung ihres Kindes. Sie betete, nicht nur selbst recht andächtig, sondern ermahnte auch ihren Mann dazu, und sprach noch in den letzten Tagen: Wenn mich Gott wieder aufkommen läßt, so will ich mein Kind gewiss recht christliche erziehen. Das schönste Gelübde, das eine Mutter ablegen kann. Aber Gott gefiel es anders – er nahm sie zu sich – dir, mein trauernde Gatte! läßt sie mit ihrem Kinde die Erfüllung ihres Gelübdes zurück – du wirst deine verstorbene Gattin am besten ehren, wenn du dein – ihr Kind nun auch recht christlich auferziehtest.
Wie oben, meine Lieben! wollen wir die Verstorbene der Gnade und Barmherzigkeit Gottes empfehlen, und noch zum Troste ihrer arme Seele beten, ein andächtiges Vaterunser und Ave Maria.
Quelle: Fest- und Gelegenheits-Predigten von Xaver Maßl, Stadtpfarrer bei St. Paul in Passau. Dritter Theil. Bruderschafts-, Geschichts- und Predigten vermischten Inhaltes, Trauer- und Grabreden. Schaffhausen. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung. 1847

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