1909

Hunderdorf, 19. Jan. (Gnadengeschenk.) Die Witwe des am 18. Dezember 1908 in Meidendorf durch ein Fuhrwerk tötlich verunglückten Häuslers Joseph Frammelsberger von Lintach, im Dienst als Hausknecht bei Hrn. Günther in Bogen, erhielt aus der Privatkasse des Prinz-Regenten ein Gnadengeschenk von 100 Mk.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 21. 01.1909


Von der Donau, 31. Jan. (Landwirtschaftliches Projekt.) Seitdem die Regulierung der Donau immer weiter fortschreitet, sind die Ueberschwemmungen im Gebiet derselben eine Seltenheit geworden. Die an den beiden Ufern der Donau gelegenen Wiesen haben aber dadurch viel eingebüßt, weil die durch die Ueberschwemmungen herbeigeführten Schmutzablagerungen unterbleiben und so den Wiesengräsereien viel Nahrung entzogen wird. Die Zusammensetzung der Grasnarbe auf den Donauwiesen ist ja eine vorzüglich gute, aber die zu geringe Wassermenge und namentlich das massenhafte Auftreten verschiedener Wiesenschädlinge habe einen erfreulichen Graswuchs und somit einen reichlichen Heuertrag oftmals schon sehr in Frage gestellt. Daß die Donauwiesen bei einer zeitweisen richtigen Bewässerung durchwegs als sehr ertragfähig sich erweisen würden, dürfte außer Zweifel sein. Es muß daher alle Wiesenbesitzer an der Donau mit Befriedigung erfüllen, daß nun ein Projekt  von Herrn Kulturingenieur Obermüller in Landshut ausgearbeitet worden ist, welches mit der Zuführung von Wasser auf den Donauwiesen auf der Insel bei Hermannstorf einsetzen will. Die Tagfahrt war auf Freitag, den 22. Januar vormittags 9 Uhr im Saale des Bezirksamtsgebäude in Bogen anberaumt. Der in Betracht kommende Wiesenkomplex hat eine Fläche von 99 Tagwerk. Die Bewässerungsanlage erfordert einen Kostenaufwand von etwa 7000 Mark. Es soll nämlich in die Donau ein Motor gestellt werden, welcher mittelst eines Schiffes seinen Standort ändern kann. Mit der Kraftleistung dieser 3-pferdigen Maschine soll nach der Berechnung in 9 Tagen so viel Wasser geschöpft werden können, daß die Oberfläche der Wiese 10 Zentimeter hoch mit Wasser bedeckt werden könnte. Beteiligt sind 39 Wiesenbesitzer von denen 30 dafür und 9 dagegen ihre Stimme abgeben, Im Mai l. J. schon soll die Anlage zur Ausführung kommen. Vorläufig wurde ein Komitee behufs weiterer Fühlungnahme mit den behördlichen Organen gewählt, welches sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Franz Maier junior, Tuchhändler, Bogen 1. Und Jakob Ackermann, Gutspächter, Hermannstorf 2. Vorsitzender, Günther Joseph, Realitätenbesitzer, Bogen, Kassier und Hiendl Ignaz, Gastwirt in Bogen Schriftführer.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 02.02.1909


Hunderdorf, 5. Febr. (Der Veteranen- und Kriegerverein) hielt am Lichtmeßtag seine statutengemäße Jahresversammlung ab, welche trotz des schlechten Wetters zahlreich besucht war und einen ruhigen Verlauf nahm. Nach Erstattung des Jahres- und Kassaberichtes durch den Vereinsektretär Hrn. Jos. Krebl wurde noch über die abzuhaltende Fahnenweihe Beratung gepflogen. Als Tag des Festes ist der 6. Juni in Aussicht genommen, an dem auch das 25jährige Gründungsjubiläum gefeiert wird. Zu diesem Doppelfeste werden nur jene Vereine, geladen, an deren Fahnenweihen der Veteranen- und Kirgerverein Hunderdorf auf ergangene Einladung hin sich beteiligt hat.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 07.02.1909


Auf nach Bogen!
Volksfest im Markte Bogen

am Faschingssonntag, -Montag und -Dienstag.
Programm:
Faschingssonntag:
Früh 8 Uhr Zapfenstreich, nachmittags 1 Uhr großartiger Festzug, hierauf Eröffnung des Glückshafens und der verschiedenen Schaubuden, unter Anderm große Menagerie und chinesischer Cirkus.
Faschingsmontag: Nachmittags 1 Uhr Volksbelustigung auf dem Festplatze.
Faschingsdienstag: Nachmittags 4 Uhr Pferderennen, abens 7 Uhr brillantes Feuerwerk.
Die Schaubuden sind während der drei Festtage geöffnet. Alles Nähere durch Plakate.
Das Festkomitee.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 18.02.1909


Hunderdorf, 18. Febr. (Diebesbande.) In unserer Gegend treibt seit kurzer Zeit eine scheinbar gut organisierte Diebes- und Einbrecherbande ihr Unwesen. Hauptsächlich scheint es derselben um Eßwaren und Geld zu tun zu sein. Die Sandbillersche Restauration war ihr erstes Ziel. Durch Wegsprengung des massiven eisernen Fenstergitters gelangten die Diebe – es warenihrer drei – in das Speiseaufbewahrungslokal, wo sie sich diverse Eßwaren aneigneten. Die Getränke, hiezu holten sie einige Tage später aus dem Nebenzimmer des Deschlschen Gasthauses in Hofdorf wo sie ebenfalls einbrachen und gefüllte Bier- und Kracherlflaschen mitgehen ließen. Am besten ist aber Herr Kaufmann Joseph Baier heimgesucht worden. Bei abendlicher Dunkelheit hatten sich der oder die Diebe in das Haus eingeschlichen; sperrten im ersten Stock mittels Dietrich die Kästen auf und stahlen über 300 Mark zumeist Gold und Silbergeld, während sie das Nickelgeld liegen ließen. Von den Einbrechern hat man bisher keine Spur.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 20.02.1909


Bauer und Zeitung. Aus Hofdorf bei Hunderdorf im bayerischen Walde schreibt uns ein Korrespondent über das obige Thema so viel Ungereimtheiten, daß wir uns veranlaßt sehen, einmal dazu Stellung zu nehmen. „Die politischen Provinzzeitungen, so meint der Hofdorfer „Sachverständige“, werden für die Bauern – nicht für politisierende – immer inhaltsloser, indem sie der Parteipolitik allzuviel Raum zur Verfügung stellen und alles Uebrige von Bedeutung in einer Weise schreiben, als vermuten sie auch bei den Bauern hochschulmäßige Kenntnisse. Allerdings gibt es auf dem Lande sog. Halbgebildete, – fährt der wackere Kritijus fort, – die der Ansicht sind, die Bauern verstünden heutzutage alles; wenn aber das der Fall wäre, dann wären unsere ganzen Bildungsanstalten umsonst. Und, wollen wir ergänzend hinzusetzen, auch die Zeitungen. Doch weil der Bauer nicht alles versteht und nicht Gelegenheit hat, viel Zeit beanspruchende Bildungsanstalten, die auch nicht alle Kenntnisse vermitteln, zu besuchen, weil er andrerseits seine Fortbildung genau so wenig vernachlässigen darf, wie andere Stände, so ist und bleibt für ihn das beste Fortbildungsmittel die Zeitung, und zwar die ernste, politische Zeitung, nicht die sog. parteilose Presse mit ihrer Waschkübelpolitik und den diversen Kehrichthaufen. Die Zeitung hat in erster Linie heutzutage den Beruf, zu bilden, und zwar zu bilden nach ernsten soliden Grundsätzen, sie soll Charaktere schaffen helfen, Charaktermenschen und keine Waschlappen, sie soll eine feste Weltanschauung geben und Kulturarbeit leisten, nicht aber das Gegenteil. Ihrem idealen Zweck und dem damit verbundenen inneren Werte wird die Zeitung nur gerecht, wenn sie ein festes Parteiprogramm vertritt, und einer bestimmten Weltanschauung das Wort redet. Freilich ist auch der Wert der Parteien und der Wert der Weltanschauungen nicht derselbe, aber immerhin stehen sie alle himmelhoch über der Konfusion der sog. Parteilosigkeit. Die Zentrumspresse, in großen Städten wie in der Provinz, steht in der Fortbildungsfrage (kulturell) auf rein christlichem Standpunkte; sie sieht im Christentum den Kern einer gesunden Staats- und Weltordnung. Wirtschaftlich steht sie gemäß dem Namen und dem Programm des Zentrums auf dem Boden des möglichen und vernünftigen Ausgleichs, d. h. sie befolgt in wirtschaftlichen und in politischen Fragen den Satz: Leben und leben lasse, ohne diesen Satz auch auf die Schädlinge des öffentlichen Lebens auszudehnen. Auch die parteilose Presse nimmt diesen Satz für sich in Anspruch einerseits als Reklame, um jene anzulocken, die niemals zu einer festen Grundanschauung kommen, die eine Meinung haben und doch wieder keine, die hin- und herschwanken und sich drehen wie die Wetterfahnen und die dahinleben ohne andere Interessen als die des leiblichen Wohlbefindens und des momentanen Vergnügtseins, andrerseits weil sie wirklich jedem Standpunkt anzugeben sucht, auch dem schädlichsten der schädlichen, und weder kalt noch warm ist, sondern lau und geschmacklos. Waschlappenstandpunkt ist der Kern der parteilosen Presse und dem edelsten Zweck der Zeitung. Charaktermenschen zu bilden, steht sie so fern wie möglich. Die parteilose Presse ist darum auch stets von den besten Männern unseres Volkes in Grund und Boden hinein verurteilt worden. Sonderbar muß es uns anmuten, wenn der Hofdorfer „Sachverständige“ für die Bayerische Zeitung eine Lanze bricht und die Kühnheit hat, für dieses Blatt unsere besondere Empfehlung zu ergattern. Sollte er noch nicht wissen, daß es trotz aller aufdringlichen Sendlinge, die das Unternehmertum der parteilosen Zeitung ins Land sendet und die den Leuten die Türen einrennen, der Bayerischen Zeitung nicht gelungen ist, ihren Rückgang gerade im Verbreitungsgebiet unseres Blattes auch nur einigermaßen wett zu machen! Und dann sucht der Hofdorfer „Sachverständige“ die Hunderdorfer Bauern zu Sozialdemokraten zu stempeln, indem er schreibt: „Bemerkenswert ist, daß im vergangenen Winter von den Bauern mit Vorliebe die Münchenr Post bestellt wurde, obwohl sie für die Bauern fast gar nichts bringt … aber sie führt eine kräftige (? Red.) Sprache.“ – Wir können nicht glauben, daß dieses Geschwätz auf Wahrheit beruht, sind vielmehr der nicht unbegründeten Ansicht, daß der Mann in Hofdorf bei Hunderdorf der Münchener Post und der Bayerischen Zeitung Zutreiberdienste leistet. Ihm mißfällt – und das ist recht feinfühlig – nur das Politische an den Provinzzeitungen; – die Politik der Münchener Post aber tut seinem Herzen wohl. Er sagt, die politischen Provinzblätter werden immer inhaltsloser (übrigens eine blanke Lüge) und darum bestellen sie die Bauern im Sommer ab, gibt dann aber wieder zu verstehen, daß die Münchener Post mit Vorliebe bestellt wurde, obwohl sie für die Bauern nichts bringt, also auch inhaltslos ist. Die Schreibweise der Münchener Post und der Bayerischen Zeitung ist schließlich weniger hochschulgemäß als die des Tagblattes. So siehts mit der Beständigkeit des Hofdorfer Salomon aus. Wir könnten ihm nur raten, seine Sprüchlein, die den Agenten der Bayerischen Zeitung nachgeplappert sind, für sich zu behalten, im übrigen erst Erfahrungen zu sammeln und dann – vielleicht einmal dann – die seltene Weisheit zu offenbaren. Vorläufig aber konstatieren war, daß unser Blatt an Abonnenten ständig wächst, daß zumal viele Bauern, trotzdem sie im Sommer mit Arbeit überhäuft sind, das Tagblatt fortbestellen und in vielen Zuschriften versichern, daß sie dem Tagblatt vielfache Kenntnisse verdanken. Weiterhin können wir sagen, daß an unserm Blatte selbst Bauern mitarbeiten und daß ihre Mitarbeit uns jederzeit willkommen ist. Für den Bauernstand ist das Tagblatt jederzeit eingetreten, für seine politischen Interessen wie für seine hauswirtschaftlichen. Für letztere legen wir eigens unserer Zeitung allwöchentlich eine landwirtschaftliche Fachzeitung, den Bayerischen Bauernhof, bei. Auch in Hunderdorf wird unser Blatt geschätzt, daran ist kein Zweifel, und auch im kommenden Sommer werden es dort viele Bauern fortbestellen, genauso wie es sonst auf dem Lande auch fortbestellt wird. Bürgert sich doch immer mehr das Bedürfnis ein, in allen Fragen des öffentlichen Lebens auf dem Laufenden zu belieben und zwar im Sommer so gut wie im Winter.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 09.03.1909


Hunderdorf, 1. Juni. (Veteranendoppelfest.) Am Sonntag, den 6. Juni, feiert der Veteranen- und Kriegerverein das 25jährige Jubiläum seines Bestehens. Schon viele Krieger und Veteranen, von der Schwere des Alters gebeugt, wie auch in blühenden Lebensjahren, hat der Verein zu Grabe geleitet. Stark zusammengeschmolzen ist das Häuflein patriotischer Männer, welche vor einem Vierteljahrhundert den Verein ins Leben gerufen. Nur mehr fünfundzwanzig von diesen Braven ist es gegönnt, das schöne Fest mitzufeiern. Wird doch zugleich auch eine neue Fahne geweiht, ein Umstand, der beredtes Zeugnis ablegt für den patriotischen Sinn unserer Veteranen. Dieses Doppelfest ist geeignet, die Ereignisse der vergangenen Zeit wieder aufleben zu lassen; die Krieger wieder zurückzuerinnern an jene sturmbewegten Tage, an welchen sie für das Vaterland ihr Gut und Blut einsetzten. Geschäftige Hände sind daran, dem Dorfe ein festliches Gepräge zu geben. Auch die Einwohnerschaft wird durch Dekoration der Häuser das Fest mit verschönern zu helfen. Ist es doch geradezu ihre Pflicht, auf diese Weise den Kriegern und Veteranen der geladenen Vereine die schuldige Ehre zu erweisen. Auch der festgebende Verein wird nicht verfehlen, seine ankommenden Gäste in würdiger Weise zu empfangen, ihnen den Tag des Festes so angenehm wie möglich zu machen. Darum ist es auch zu hoffen, daß sich die Mitglieder der geladenen Vereine möglichst zahlreich einfinden, um dieses Fest der Erinnerung an längst entschwundene Zeiten mitzufeiern. Jenen, welche nicht das Glück hatten, fürs Vaterland zu kämpfen, wird dieses Fest Gelegenheit geben, in gemütlicher Gesellschaft Militäreröebnisse zu hören. Wenn der Himmel nur ein einigermaßen freundliches Gesicht macht, ist ein schöner, würdiger Verlauf dieses Veteranen-Doppelfestes zu erwarten.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 03.06.1909


Hunderdorf, 6. Juni. (Fahnenweihe.) Böllersalven und Trompetenklang verkündeten heute in aller Frühe den Einwohnern unseres Pfarrdorfes, daß der Tag des Festes, auf das man sich schon längst gefreut, angebrochen ist. Manches alte Veteranenherz hat in letzter Zeit, in freudiger Erregung, höher geschlagen. Leider sollten die Erwartungen zum Teil zu Wasserwerden. In Strömen floß der Regen auf die durstige Erde nieder und ließ die notwendige Festesstimmung nicht aufkommen. Trotz des furchtbar schlechten Wetters sind die Krieger und Veteranen der geladenen Vereine zahlreich herbeigeeilt, um auch hier den Bruderbund zu schließen. Die mit den Vormittagszügen eingetroffenen Vereine wurden am Bahnhofe empfangen und in das Vereinslokal geleitet. Punkt ½ 10 Uhrbewegte sich der Festzug in die Kirche, wo hochw. Herr Dekan Wolfgang Gruber die Festpredigt hielt. Nach dem Festgottesdienste hatte der Himmel derart die Schleusen geöffnet, daß an die Aufstellung eines Festzuges nicht mehr gedacht werden konnte, da alles, um sich von den unliebsamen Naß zu schützen, in die Gasthäuser flüchtete. Im Vereinslokal, Gasthof Baier, fand gemeinsames Mahl statt, während dessen die verstärkte Kapelle Klein konzertierte. Mittlerweile hörte es zu regnen auf, sodaß der Festakt abgehalten werden konnte. Derselbe wurde eingeleitet durch einen von patriotischen Geiste durchdrungenen Prolog, gesprochen von Fräulein Krebl. Hierauf bestieg der offizielle Festredner, Herr Joseph Karl, Wimpassing bei Schwarzach, die Festbühne, um eine schöne, wohldurchdachte Ansprache zu halten. Der Festredner streifte in kurzen Zügen die Kriege vom 15. Jahrhundert bis zur jetzigen Zeit, an welchen Deutsche teilgenommen haben. Mit besonderer Betonung sprach er von den Jahren 1870/71; schilderte die Schrecknisse eines Krieges, erwähnte, erwähnte, daß die Siege teuer erkauft werden mußten und viele unserer Kameraden auf französischem Boden ruhen. Ansprachen hielten ferner noch Herr Joseph Radlbeck, Windberg und Herr Joseph Altmann, Hunderdorf. Beide Redner sprachen im allgemeinen über das 25jährige Jubiläum des festgebenden Vereins, gedachten in schönen Worten ihrer lieben Freunde in stiller Grabesruhe, forderten die Jungmannschaften auf, dem Vereine beizutreten, ihm treu zu bleiben und ihn fortzuführen, damit auch die kommenden Generationen in der von uns begonnenen Weise ihren patriotischen Sinn kund geben. Nun kam die schönste Szene des Festaktes. Herr Joseph Krebl, Hunderdorf, überreichte nach einer kurzen Ansprache den Gründungsmitgliedern das Jubiläumsdenkkreuz. Sodann wurden von der Fahnenmutter, Frau Maria Baier, Oekonomensgattin in Hofdorf den Vereinen die Bänder übergeben, womit der offizielle Festakt beendet war. An diesem schönen Feste beteiligten sich in corpore 18 Vereine mit ihren Fahnen. Im Vereinslokale, wie auch in der Restauration gab es Konzerte. Das Fest hatte sich trotz des schlechten Wetters eines zahlreichen Besuches zu erfreuen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 06.06.1909


Hunderdorf, 17. Juni. (Wallfahrt.) Dank der günstigen Witterung konnten die Bewohner von Windberg das durch ihren hochw. Herrn Pfarrer angeregte Vorhaben zur Ausführung bringen und wollten am Mittwoch in ganz erfreulicher Anzahl zum ersten Mal nach Heiligenblut in Niederachdorf. Das Unternehmen erforderte frühes Aufstehen: denn um 6 Uhr mußte bereits die Station Hunderdorf erreicht sein. Von da ab wurde bis Straubing die Bahn benützt und dann die noch übrigen Wegstunden bis ans Ziel, bloß durch eine kurze Haltepause bei U. L. Frau in Sossau unterbrochen, wurden in frischem Marschtempo zurückgelegt. Bereits um 10 ¼ Uhr tönten die Wallfahrtsglocken den neuen Ankömmlingen ihren freudigen Willkommensgruß entgegen. Nach dem Segen mit der Reliquienmonstranz und einer kurzen Andacht zerstreuten sich die müden Gäste um sich einige wohlverdiente Ruhe zu gönnen und den Mittags-Imbiß einzunehmen. Gegen 12 ½ Uhr gab die jüngste Turmglocke wieder ihr gewohntes Sammelsignal zur Abschiedsandacht, bei welcher Andachtsgegenstände geweiht und das hl. Blut zum Kusse dargereicht wurde. Bis 1 ¾ Uhr war alles wieder reisefertig und wohlgeordnet; wie man gekommen, wurde wieder der lieben Heimat zugesteuert. Wie verlautete, soll das bloß ein guter Anfang zu einer löblichen Tradition gewesen sein.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 19.06.1909


Hunderdorf, 30. Juni. (Endschießen der Zimmerschützen.) Der Burschenverein Hunderdorf besitzt auch eine eigene Zimmerstutzengesellschaft, welche am letzten Sonntag im Baierschen Gasthause dahier ihr Endschießen abhielt. Es nahmen daran alle Mitglieder teil, denn jeder wollte in den Besitz eines schönen Halbekrügleins kommen. (Es wurde nämlich der erste behandelt wie der letzte.) Außerdem waren noch vier Trostpreise auszuschießen. Eine ländliche Musikkapelle sorgte für den unterhaltlichen Teil. Preise erhielten nachfolgende hiesige Burschen: 1. Rupert Härtenberger, 2. Johann Feldmeier, 3. Karl Härtenberger, 4. Leopold Klein, 5. Jakob Hien, 6. Xaver Kronfeldner, 7. Josef Obermeier, 8. Xaver Klein, 9. Xaver Fruhstorfer, 10. Xaver Schröttinger, 11. Joseph Fruhstorfer, 12. Johann Schreiner, 13. Johann Staudinger, 14. Xaver Blasini, 15. Joh. Bornschlegl, 16. Xaver Barth, 17. Josef Baier, (Ehrenpreis). Im Freipreisschießen: 1. Xaver Klein, 2. Englberger, 3. Rupert Härtenberger, 4. Feldmeier Johann.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 02.07.1909


Steinburg, 6. Juli. (Bezirksbienenzuchtvereinsgründung.) Im Bergerschen Bräuhause hier war heute eine gut besuchte Versammlung des hiesigen Bienenzuchtvereins, zu welcher auch der K. Bezirksamtmann Herr Niebler aus Bogen erschienen war. Herr Bezirksamtmann eröffnete die Versammlung und gab dann das Wort Herrn Landwirtschaftswanderlehrer Bergmann aus Kötzting, welcher sich in einem längeren Vortrag über den Nutzen der zweckmäßigen Bienenzucht verbreitete. Schließlich empfahl der Redner den Zusammenschluß einzelner Vereine in einen Bezirksverein. Es wurde nun ein Bezirksbienenzuchtverein Bogen gegründet und Herr Bezirksamtmann Niebler als 1. Vorstand gewählt. Möge der junge Verein blühen und gedeihen!
Quelle: Straubinger Tagblatt, 08.07.1909


Neukirchen b. Haggn, 6. Juli. (Einbrechergesellschaft.) Obwohl schon einige von der in hiesiger Gegend herumschleichenden Diebsbande hinter Schloß und Riegel sitzen, scheint man die wirklichen Rädelsführer noch nicht erwischt zu haben, immer noch hört man von Einbrüchen oder Einbruchsversuchen. Heute früh ist in der Nähe von Buchaberg eine aus zirka 20 Köpfen bestehende Gesellschaft beobachtet worden. In Haggn ist gestern der Hund des dortigen Krämers Schötz und ein Hund des Jägers Kainz plötzlich verendet, man glaubt nun, daß beide Hunde durch diese Bande vergiftet wurden. In welcher Angst die Einwohner hiesiger Gegend sind, läßt sich leicht denken. Es wäre der Wunsch aller, daß es recht bald gelingen möge, diese Gesellschaft unschädlich zu machen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 08.07.1909


Hunderdorf, 7. Juli. (Abschiedsfeier.) Der kath. Burschenverein hielt im Baierschen Gasthause zu Ehren seines scheidenden Herrn Präses eine kleine Abschiedsfeier ab, bei der der Vorstand Karl Härtenberger gegenüber den Herrn Präses Worte des Dankes erstattete und versicherte, daß der Verein dem Scheidenden ein dauerndes Andenken bewahren werde. Unter dem Präsidium des hochw. Herrn Kooperators Alois Wiesner ist die Mitgliederzahl von 18 auf 50 gestiegen, ein Umstand, der beredtes Zeugnis ablegt für die rührige Tätigkeit des Präses. In einer humorvollen Rede erklärte dann der Herr Präses, daß er den Verein nicht vergessen werde, sondern geneigt sei, ihn bei Gelegenheit zu besuchen. Dann erwähnte er auch, daß der neue Herr Kooperator ein sehr freundlicher, musikliebender Herr sei, von dem man annehmen könne, daß er das Präsidium mit Freuden übernehmen werde. – In dem scheidenden Vereinspräses verliert der Verein den eifrigsten Förderer seiner Sache, dem kein Ofer zu groß war.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 09.07.1909

Hunderdorf, 3. Aug. (Abschiedsfeier.) Wie beliebt ein Postbote ist, der mit Eifer seinen Dienst besorgt, bewies die schön verlaufene Abschiedsfeier des Postboten Gruber, der ab 1. August von Hunderdorf nach Metten versetzt wurde. Mitten in der Erntezeit, wo unsere Bevölkerung, die ausschließlich Landwirtschaft betreibt und bis zur Dämmerung auf dem Felde arbeiten muß, kamen von nah und fern die Bekannten des Scheidenden in die Sandbillersche Bahnhofsrestauration, wo die Sommerhalle bis zum letzten Plätzchen gefüllt war und beim Klange der Musikkapelle Klein die letzten Abschiedsstunden fröhlich dahinflossen. Sehr ungern sah man Herrn Gruber von hier scheiden. Das K. Postamt Metten gewinnt in ihm einen sehr eifrigen zuverlässigen Postboten.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 05.08.1909


Todes-Anzeige.
Nach Gottes hl. Willen verschied heute früh 8 Uhr unsere innigsgeliebte Schwester und Tante
die tugendsame Jungfrau
Barbara Weinzierl,
Bauerstochter von Röhrnau, zuletzt Privatiere in Hunderdorf,

nach kurzem Leiden und Empfang der hl. Sterbsakramente im 78. Lebensjahre.
Um stilles Beileid bitten
Hunderdorf, Röhrnau, Regensburg, Zwickau, Neuburg a. D., Lausanne, 10. August 1909.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen
Xaver Weinzierl,
Bauer in Röhrnau
.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, vormittags ½ 10 Uhr mit darauffolgendem Gottesdienst in Hunderdorf statt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 11.08.1909


Todes-Anzeige.
Nach Gottes hl. Willen verschied heute morgens 3 Uhr unser herzensguter, treubesorgter Gatte, Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Vetter
der ehrengeachtete Herr
Xaver Baier
Oekonom von Sollach,

nach langjährigem, mit größter Geduld ertragenem Leiden, jedoch schnell und unerwartet, versehen mit den hl. Sterbsakramenten in einem Alter von 58 Jahren.
Um stilles Beileid in ihrem großen Schmerze bittet
Sollach, Furth, Schambach, Aiterhofen, 11. August 1909.
Die tieftrauernde Gattin
Creszens Baier
nebst ihren 4 Kindern u. übr. Verwandtschaft.
Die Beerdigung findet am Freitag, 13. Aug. vorm. 9 Uhr vom Hause aus mit darauff. Gottesdienst in Hunderdorf statt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 12.08.1909


Bogen, 17. Dez. Unter dem Stichwort „Kampf gegen die Bayerische Zeitung“ hat die Bayerische Zeitung einen Artikel gebracht: der erste Brief „aus einem bekannten niederbayerischen Marktflecken“, worin es heißt: „An die Verlesung eines Hirtenbriefes hat unser Herr Kaplan auch eine Kritik über die „Bayerische Zeitung“ geknüpft und das Lesen dieses Blattes verboten“ …. „überhaupt kann man jetzt bald nicht mehr in eine Kirche gehen, um Erbauung zu finden, denn sobald der Geistliche auf die Kanzel steigt, geht das Aergernis los. Die Herren schimpfen über alles, was nicht Zentrum ist.“ In einem 2. Artikel wird der Brief „aus einem niederbayer. Marktflecken – zur Diözese Regensburg gehörig“ – ein „kleiner Kommentar“ gegeben: „Der Briefschreiber hatte natürlich nicht die Gesamtgeistlichkeit im Auge, sondern nur den Herrn Kaplan der eigenen Pfarrei ….“. In einem 3. Artikel heißt es: „Aus Bogen wird uns geschrieben: „Jeder Abonnent Ihrer Zeitung sagt, daß die Angriffe vom Zaune gebrochen sind … Wir sind Leser der „Bayerischen Zeitung“ seit mehr als 10 Jahren und sind alle christliche Hausväter geblieben.“ – Im 3. Artikel, dem Briefe heißt es: „Ich halte die „Bayerische Zeitung“ schon an die 10 Jahre …“ Wer aufmerksam diese drei Artikel liest, muß annehmen, daß sie im Zusammenhang stehen und daß mit dem „niederbayerischen Marktflecken“ des 1. Briefes ebenfalls Bogen gemeint ist. Solche Angriffe aber: „wenn der Geistliche die Kanzel besteige, gehe das Aergernis los.“ Daß er also Aergernis in der Kirche und auf der Kanzel stifte, glaubte der H. Kooperator von Bogen, die Angriffe auf seine Person beziehend, Kaplan = Kooperator, sich nicht gefallen lassen zu dürfen und sandte an die „Bayerische Zeitung“ folgende Erklärung: „Ist also der Kooperator von Bogen gemeint, so erkläre ich hiermit: 1. Es ist ganz und gar unwahr, daß ich auf der Kanzel „an die Verlesung des Hirtenbriefes eine Kritik über die „Bayerische Zeitung“ geknüpft habe; ich habe den Hirtenbrief, wie es meine Pflicht war, wörtlich verlesen und kein einziges weiteres Wort daran geknüpft. 2. Ich erkläre hiermit auf das allerbestimmteste, daß ich noch nie auf der Kanzel auch nur ein Wort gegen die „Bayerische Zeitung“ gesprochen habe.“ Was tut nun die Bayerische Zeitung? Sie bringt folgende Erklärung: „Wir konstatieren mit Vergnügen, daß die Artikel, die sich mit dem Kampfe gegen die „Bayerische Zeitung“ in einem niederbayerischen Marktflecken beschäftigen, nicht gegen H. Kooperator Thomas Kaiser in Bogenberg gerichtet waren. Es ist wohl bekannt, daß der H. Kooperator nur den Hirtenbrief verlesen hat, ohne daran Bemerkungen über die „Bayerische Zeitung“ zu knüpfen: ja, daß er noch nie ein Wort über die „Bayerische Zeitung“ gesprochen hat.“ – Jedermann sieht, daß die Bayerische Zeitung den 2. Satz der Erklärung vollkommen mißverständlich, ja verdreht und falsch berichtet hat, indem sie das Wort, das die ganze Erklärung veranlaßt hat – auf der Kanzel – unterdrückt hat. Damit hat sie die Erklärung gefälscht. Der H. Kooperator erklärt, er habe auf der Kanzel gegen die Zeitung nichts gesagt; – die Bayerische Zeitung erklärt, der H. Kooperator habe noch nie ein Wort über die Bayerische Zeitung gesagt. Die Wirkung einer solch zugeschnittenen Erklärung läßt sich denken. – „Der Herr Kooperator, hieß es, hat ja in der Zeitung ausdrücklich erklärt, daß er noch nie gegen diese Zeitung etwas gesagt, also er hat nichts dagegen, er ist einverstanden damit; die Bayerische Zeitung ist ja recht, die anderen sind Lügner, die gegen die „Bayerische Zeitung“ gesprochen haben.“ – Und doch wollte sich der Geistliche nur wehren gegen den gemeinen Vorwurf, daß er die Kanzel zum „Aergernis“ der Gemeinde mache. Ist das eine objektive Berichterstattung, eine Wahrheitsliebe eines Blattes? Kann man in ein solches Blatt gegen solchen Bericht einer (ernstgemeinten) Erklärung eine abermalige berichtigende Erklärung geben, ohne fürchten zu müssen, daß sie abermals verdreht wird? Wenn ein Blatt mit solchen Mitteln kämpft, so richtet es sich von selbst. Die „Bayerische Zeitung“ ist ein farbloses Blatt, das in seinem Inseratenteile teilweise Annoncen enthält – jetzt freilich beim Quartalswechsel und auf den Hirtenbrief hinauf nicht mehr so offen und zahlreich, um Sand in die Augen zu streuen – Annoncen, die nach unserem christlich-katholischen Begriffen, nach der katholischen Sittenlehre, ja nach der Sittenlehre des positiv-gläubigen Protestantismus als unsittlich bezeichnet werden müssen, wenn vielleicht auch nicht nach dem Standpunkte einer farblosen Presse. Damit hat jeder, der auf positiv-christlichem Standpunkte steht, das Recht und die Pflicht, das christliche Volk zu warnen vor solchen Erzeugnissen, wie es der Hochwürdigste Herr Bischof getan hat, damit in unserem christlichen Volke nicht Zustände einreißen, wie sie in Frankreich das Krebsübel des Volkes sind. Nicht „Kampf“ gegen die farblose Presse ist es, sondern berechtigte Abwehr, ja Notwehr, Abwehr von Angriffen auf die Sittlichkeit unseres Volkes, Warnung vor Inseraten, die nach christlicher Auffassung besonders zur Herabwürdigung und Entehrung der Frauenwürde anleiten, die in Kalendern und Zeitungen unserer Jugendbücher der sinnlichen, fleischlichen Liebe. „geheime Liebesmacht“, „geheimnisvolle Macht der Liebe“, „geheime Mittel“, unserer Jugend das „große ägyptische Traumbuch“, „Sibille, die berühmte Kartenlegerin“, „Geheimnis der Wahrsagekunst“, „astrologische Wahrsagekarten mit Zauberzeichen“, das „große Panentenbuch zum Kartenschlagen“ empfehlen und die Jugend zum Aberglauben anleiten: alle möglichen „hygienischen Artikel und Bedarfsartikel“ anpreisen, „vom denen die meisten unsittlichen Zwecken und zur Verhinderung der Folgen von Sünden dienen! (Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn Bischofs). Preßeerzeugnisse, die derartige Inserate annehmen, dürfen sich wahrlich nicht rühmen, als Freund des Volkes, als Wächter der Sittlichkeit, dürfen nicht fabeln, daß die Kirche finsteren Aberglauben verbreite! Wann werden einmal unserem Volke die Augen aufgehen und wird es seine versteckten Feinde erkennen, die unter der Flagge der sogen. „farblosen“ Presse im geheimen Giftsamen säen und großes Verderben stiften!
Quelle: Straubinger Tagblatt, 21.12.1909


Todes-Anzeige.
Nach Gottes hl. Willen verschied heute nachmittag 2 Uhr unsere innigstgeliebte, treubesorgte Mutter und Großmutter
die ehrengeachtete Frau
Kreszenz Baier,
Bäuerin in Sollach,
nach kurzem schweren Leiden, jedoch schnell und unerwartet in einem Alter von 56 Jahren.
Um stilles Beileid in ihrem großen Schmerze bitten
Sollach, Hofdorf, den 19. Dezember 1909
Die tieftrauernden 4 Kinder
Die Beerdigung findet statt am Dienstag den 21. Dezember vormittags 9 Uhr mit darauffolgendem Gottesdienst in Hunderdorf.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 21.12.1909

Aus alten Zeitungen und Druckwerken

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