1927

Hunderdorf, 20. Januar. (Leberegelseuche) Hier und in der allernächsten Umgebung mußten zwei Stück Großvieh infolge Leberegelseuche notgeschlachtet werden. Den Viehbesitzern kann nur empfohlen werden, an Tieren, die seuchenverdächtig sind, bei Zeiten eine Kur vorzunehmen und zwar am besten schon nach Weideabtrieb und bei Beginn des dauernden Stallaufenthaltes. Tritt jedoch die Seuche alljährlich auf, das in den Ueberschwemmungsgebieten regelmäßig der Fall sein wird, so ist es angezeigt, daß vor Beginn des Winters an den Tieren eine vorbeugende Kur vorgenommen wird und man den Ausbruch der Krankheit nicht abwartet.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 23.01.1927


Hunderdorf, 24. Jan. (Die freiw. Feuerwehr) hielt letzten Sonntag im Gasthause des Herrn Johann Baier ihren Jahresball ab, bei welchem die Kapelle H. Klein daselbst ein sehr reichhaltiges Programm zum Vortrage brachte, welches allgemeinen Beifall fand.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 27.01.1927


Hunderdorf, 3. Febr. (Beerdigung.) Am Montag verschied hier nach mehrwöchentlicher Krankheit, versehen mit den Gnadenmitteln der Kirche Frau Karolina Schötz, Schneidermeisters- und Landwirtsgattin im Alter von 58 Jahren. Die sterblichen Ueberreste wurden gestern im hiesigen Gottesacker unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung von nah und fern, zur letzten Ruhe bestattet. Der schmerzgebeugte Gatte, 2 Söhne und Enkelkinder beweinen den Tod dieser treusorgenden Gattin, Mutter u. Großmutter.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 05.02.1927


Hunderdorf, 4. Februar. (Bauernvereinsversammlung). Wohl noch nie hat dahier eine derart gemeinnützige und lehrreiche Versammlung stattgefunden, wie die vom christlichen Bauernverein am vergangenen Mittwoch veranstaltete. Der Besuch war so groß, daß der obere Saal des Baier’schen Gasthauses bis auf den letzten Stehplatz gefüllt war. Vorsitzender Härtenberger begrüßte die zahlreich Erschienenen, insbes. die Herren Referenten und erteilte als erstem Redner Hrn. Bezirkstierarzt Madl von Bogen das Wort. Dieser Redner behandelte in ausführlicher Weise die jetzt auch in unserer Gemeinde in erschreckender Weise auftretende Leberegelseuche. Auf farbigen Bildern und in vielfacher Vergrößerung zeigte er die verschiedenen Entwicklungsstadien des Leberegels, besprach die ungeheure Vermehrungsmöglichkeit desselben und wies auf den Verlust an Volksvermögen hin, der in starkem Auftreten dieser Seuche in seinen Folgen unabsehbar sein wird. Hr. Bezirkstierarzt Madl betonte auch, daß die dargebotenen Heilmittel, nämlich Distol, wenn richtig und rechtzeitig angewandt, auch von Erfolg sein wird. Als zweiter Redner sprach Hr. Bauernvereinssekretär Maschberger von Landshut über Steuer- und Wirtschaftsfragen in sachlicher und ausführlicher Weise. Herr Landwirtschaftsrat Sämann von Straubing behandelte die Frage der rationellen Bewirtschaftung unserer Landwirtschaft und forderte die Bauern auf, besonders der Wiesenkultur mehr Interesse zu schenken. Auch hier sind größere Strecken vollständig versumpfter Wiesen, die dringend der Entwässerung bedürften. Erst wenn dies durchgeführt, kann mit Düngen nachgeholfen werden, um dann allmählich besseres Futter zu bekommen und so die Viehwirtschaft in dieser Gegend mehr zu heben. Herr Lehrer Ortner dahier wünschte als Imker, daß die Landwirte trachten, auch Klee auf den Wiesen zu säen. Einerseits kann dadurch das Viehfutter von bedeutend besserer Qualität sein, andererseits aber wäre den Bienen ein gutes Einsammlungsgebiet ihrer emsigen Tätigkeit eröffnet, besonders wenn Weiß- oder Schwedenklee verwendet würde, wozu er den Samen kostenlos an Interessenten abgibt. H. H. Pfarrer Gebhardt von hier beleuchtete dann die verschiedenen, oft vermeintlichen Gegensätze, die im Volk bestehen und wies darauf hin, daß die Hetze gegen die Beamten nicht immer berechtigt ist. Die Redner, die heute gesprochen haben, meinen es doch nur gut mit dem Bauernstande und das sind auch Beamte. Die Ausführungen des Hr. Pfarrers gipfelten in den Worten: „Bauern! seids g’scheit und halts z’samm! schließts euch zusammen in einer starken Standesorganisation, die wirtschaftliche Ziele verfolgt, un ddiese ist der christl. Bauernverein!“ Als letzter Redner sprach noch H. Direktor Stephan-Straubing über Wirtschafts- und Preispolitik. Nach vierstündiger Versammlungsdauer, bei der die Teilnehmer in mustergültiger Weise den lehrreichen und interessanten Ausführungen folgten, konnte der Vorsitzende die so anregend verlaufene Versammlung schließen. Dabei sprach er den Herren Rednern noch den Dank aus für ihre Bemühungen. Möge diese Saat, die hiebei ausgestreut wurde, reichlich Früchte bringen. Es wäre nur zu wünschen, daß allerorts derart gemeinnützige Versammlungen abgehalten würden zu Nutz und Frommen des gesamten Bauernstandes.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 08.02.1927


Hunderdorf, 8. Februar. (Obstbauverein.) Am 8. Februar fand im Gasthaus Greindl in Irensfelden eine Wanderversammlung des im Herbst 1926 neugegründeten Obstbauvereins statt, zu der die Mitglieder der Ortsgruppe Windberg zahlreich erschienen waren. Herr Oberlehrer Oischinger, der Vorstand des Obstbauvereins, sprach in klaren, leichtverständlichen Worten über das Pflanzen der Obstbäume und die Behandlung derselben, wofür er reichen Beifall erntete. Der Verein zählt gegenwärtig 110 Mitglieder, sodaß derselbe im ganzen Bezirk als der größte gelten kann. Nicht weniger als 650 Obstbäume sind allein schon für das Frühjahr bestellt, hiezu kommen noch die vom Verein gelieferten Obstbäume, sodaß die Zahl 750 jetzt schon erreicht ist, ein Resultat, mit dem man sich sehen lassen kann.
Quelle: Straubinger Tagblatt 10.02.1927


Hunderdorf, 14. Febr. (Meisterprüfung.) Herr Ludwig Stettmeier in Lindach hat die Meisterprüfung im Baugewerbe mit gutem Erfolg (Note 2) abgelegt und sich in Lindach als selbständiger Bauunternehmer niedergelassen. Es wäre zu wünschen, daß demselben recht viele Aufträge, welche preiswert und pünktlich ausgeführt werden, zufließen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 17.02.1927


Todes-Anzeige.
Nach Gottes heil. Willen verschied heute nacht unsere gute Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Tante und Base
Frau Anna Zistler
im 62. Lebensjahre.
Lintach, Großlintach, Heidlfing, München, Wallersdorf, Plattling, den 17.2.1927
Die tieftr. Kinder Georg und Alma Zistler
Die Beerdigung findet am Samstag vorm. halb 10 Uhr in Hunderdorf statt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 18.02.1927


Hunderdorf, 17. Febr. (Todesfall.) Der verheiratete Anwesensbesitzer Herr Jakob Kiefl vom benachbarten Bauernholz ist am Mittwoch nach nur dreitätiger Krankheit, im Alter von 65 Jahren verschieden. Da der Verdacht besteht, daß Genannter keines natürlichen Todes gestorben, traf am Donnerstag eine Gerichtskommission an Ort und Stelle ein, um die Leiche zu sezieren.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 19.02.1927


Hunderdorf, 18. Febr. (Beerdigung.) Wie bereits gestern berichtet, interessierte sich eine Gerichtskommission für die Leiche des verstorbenen Anwesensbesitzers Herrn Jakob Kiefl von Bauernholz. Die Untersuchung ergab nun, daß Genannter eines natürlichen Todes gestorben ist. Die sterblichen Ueberreste wurden am Freitag, unter zahlreicher Beteiligung von nah und fern der geweihten Erde übergeben. Frau und Kinder trauern um den so rasch Verblichenen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 20.02.1927


Hunderdorf, 19. Febr. (Besitzwechsel.) Der Landwirt Otto Reiner in Lindfeld verkaufte dieser Tage sein Oekonomieanwesen an Herrn Anton Wurm von Gaishausen. Als Kaufpreis werden RM 5000.– genannt. Die notarielle Verbriefung hat bereits stattgefunden.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 22.02.1927


Hunderdorf, 28. Febr. (Hochzeitsfeier.) Am vergangenen Mittwoch feierten der Landwirt Herr Xaver Barth von Hunderdorf und Frl. Marie Zeller, Hofbesitzerstochter von Paiting Hochzeit. Der kirchliche Akt vollzog sich in der hiesigen Pfarrkirche. Ein ansehnlicher Kirchenzug bewegte sich sodann in das Baiersche Gasthaus, wo die weltliche Feier stattfand, welche in vollster Harmonie verlief.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 02.03.1927


Hunderdorf, 11. März. (Besitzwechsel.) Das Dampfsägewerk am Bahnhofe in Steinburg, bisher der Kirchenlamnitzer Steinindustrie gehörig, ging dieser Tage durch Kauf in den Besitz des Herrn Bielmeier über. Als Kaufpreis werden 1700 RM genannt. Notarielle Verbriefung soll bereits stattgefunden haben.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 02.03.1927


Todes-Anzege.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen heute Nacht 8 Uhr unsere innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter und Großmutter, die ehrengeachtete
Frau Maria Kalm,
geb. Hausladen von Pfelling
nach längerer Krankheit, öfters versehen mit den heiligen Sterbsakramenten im Alter von 87 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen.   Um stilles Beileid bittet:
Steinburg, München, den 12. März 1927.
In tiefster Trauer:
Josef un. Magdalena Kalm, Bahnagentenseheleute
nebst übriger Verwandtschaft.
Die Beerdigung findet am Dienstag, den 15. März 1927 vorm. 9 Uhr vom Hause aus mit darauffolgenden Gottesdiensten in Hunderdorf statt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 15.03.1927


Hunderdorf, 4. April. (Besitzwechsel.) Das Anwesen der Geschwister Trum in Apoig, welches 24 Tagwerk Wiesen und Felder und 10 Tagwerk Wald umfaßt wurde von den Gütlerseheleuten Zitzelsberger v. Taussersdorf um 19 600 M erworben. Letztere verkauften ihr Anwesen, 10 Tagwerk umfassend um 6000 M an die Bauerstochter Theres Weber. Notarielle Verbriefung hat bereits stattgefunden.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 07.04.1927


Hunderdorf, 6. April. (Besitzwechsel.) Das Zistelberger’sche Oekonomieanwesen in Hoch ging gestern durch Kauf um den Preis von 4300 Mk. an Herrn Xaver Kronfeldner in Oberalteich über und zwar samt lebenden und toten Inventar und 14 Tagwerk Feldern und Wiesen. Notarielle Verbriefung hat bereits stattgefunden.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 08.04.1927


Hunderdorf, 10. April. (Endschießen). Heute fand im Gasthause der Fr. Deschl in Hofdorf das Endschießen der Zimmerstutzenschützen-Gesellschaft Hofdorf mit Preisverteilung statt. Den ersten Preis hat sich erworben Hr. Johann Reichart, Privatier in Hofdorf; den 2. Preis Herr Josef Schmiedt, Bauschlosser in Hunderdorf; den 3. Preis Hr. Ludwig Deschl, Gastwirtssohn in Hofdorf; den 4. Preis Hr. Josef Weindl, Kaufmann in Hofdorf; den 5. Preis Hr. Josef Deschl, Gastwirtssohn und Metzger in Hofdorf; den 6. Preis Hr. Johann Poiger, Hofbesitzerssohn in Stetten.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 14.04.1927


Hunderdorf, 21. April. (Theateraufführung.) Das am vergangenen Osterfeiertag vom kath. Burschenverein aufgeführte Theaterstück „Der Dorflump“, ein Volksstück in vier Akten, hat seitens aller Besucher großen Beifall gefunden. Sämtliche Rollen waren gut einstudiert und wurden auch von allen Mitspielern flott wiedergegeben, was dem Vorstand des Vereins, Hochw. Herrn Präses alle Ehre macht.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 24.04.1927


Hunderdorf, 21. April. (Beerdigung.) Einen braven edeln Mann hat man heute hier zu Grabe getragen, nämlich Herrn August Kiefl sen., Bäckermeister von Steinburg. Zahlreich war die Teilnahme am Leichenbegängnis aus allen Schichten der Bevölkerung der ganzen Umgebung. Den Leichenzug eröffnete die Musikkapelle Leopold Klein-Hunderdorf, welcher sich die freiw. Feuerwehr Steinburg und der Krieger- und Veteranenverein Hunderdorf anschlossen. Als der Sarg der geweihten Erde übergeben war, gedachte Hochw. Herr Pater Prior aus dem Kloster Windberg der großen Verdienste des Verstorbenen. Anschließend daran widmete der Vorstand des Krieger- und Veteranenvereins, Herr Josef Kraus, im Namen des Vereins dem Verstorbenen einen überaus ehrenden Nachruf und legte einen Kranz am offenen Grabe nieder. In gleicher Weise ehrte auch die freiw. Feuerwehr den Dahingeschiedenen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 24.04.1927


Hunderdorf, 24. April. (Besitzwechsel.) Gestern ging durch Kauf das schöne Trum-Anwesen in Apoig samt lebendem und toten Inventar an Herrn Maurermeister Zistelsberger in Buchaberg bei Neukirchen b. Haggn über. Als Kaufpreis werden 17 000 M genannt. Notarielle Verbriefung ist bereist erfolgt. Das Anwesen umfaßt 39 Tagwerk, darunter 9 Tagwerk Waldung.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 27.04.1927


Hunderdorf, 4. Mai. (Besitzwechsel.) Das schöne, neuerbaute Landanwesen des Herrn Rackl in Lindfeld ging durch Kauf samt lebendem und toten Inventar an den Landwirt Hrn. Bräu aus Plattling über. Zu dem Anwesen gehören 12 Tagwerk Felder und Wiesen. Als Kaufpreis werden 11 000 Mark genannt. Notarielle Verbriefung ist bereist erfolgt. —
(Ankauf) Herr Möbelbauschreiner Hermann Härtenberger dahier und Fräulein Mathilde Radlbeck, Oekonomenstochter in Waltersdorf b. Degernbach erwarben sich durch Kauf ein Landanwesen in Perkam um den Preis von 3 000 Mark. Herr Herman Härtenberger wird dort sein Geschäft weiterführen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 07.05.1927


Hunderdorf, 19.Mai. (Neue Glocken.) Während des Krieges mußte auch unsere Pfarrkirche 2 Glocken abgeben, ohne daß es bisher möglich gewesen wäre, Ersatz dafür zu schaffen. Jetzt aber hat sich ein Gönner gefunden, der einen so hohen Betrag gestiftet hat, daß nicht allein das Geläute voll ergänzt wird, sondern daß sogar auch der sehr verwitterte Kirchturm in nächster Zeit einneues Aussehen bekommen wird. Dieser edle Spender ist ein Sohn unserer Pfarrei, nämlich Herr Josef Wittmann, Hotelbesitzer in New-York. Die Glocken liefert die bekannte Glockengießerei Hahn-Landshut. Mit den Renovierungsarbeiten des Turmes wird in allernächster Zeit begonnen werden. Und soe ist auch die Zeit nicht mehr ferne, daß das Hunderdorfer Geläute in seiner früheren Vollendung wieder erklingen wird.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 24.05.1927


Hunderdorf, 1. Juni. (Unfug). Gestern Abend gegen halb 9 Uhr stiegen über der Ortschaft Thannanger dichte Rauchwolken auf  und mächtig loderten die Feuergarben empor. Die Glocken von hier und Windberg läuteten Sturm, die Löschgeräte wurden fertiggemacht und Alt und Jung eilte dem Brandplatze zu. Inzwischen erfuhr man, daß das Brandobjekt weder Haus noch Stadel, sondern ein mächtiger Reisighaufen war, der am Waldesrand verbrannt wurde. Es muß schon als gewaltiger Unfug bezeichnet werden, bei eintretender Dunkelheit derartige Reisighaufen in Brand zu setzen, so daß die ganze Bewohnerschaft dadurch in Aufruhr kommt. Derartiges Zeug kann man auch bei Tag und in kleinen Abteilungen verbrennen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 03.06.1927


Hunderdorf, 7. Juni. (Vom Bauernverein.) Nachdem der bisherige Obmann Rackl nach Vilsbiburg verzogen ist, war die Wahl eines anderen Obmannes notwendig geworden. In der hierzu einberufenen Generalversammlung wurde der Landwirt Johann Bräuherr dahier gewählt. Anschließend hielt der Direktor der niederbayerischen Bauernvereine Herr Dr. Schlögl ein vortreffliches Referat über Wirtschaftsfragen und erntete dafür ungeteilten Beifall. Nach anschließender Diskussion gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Es ist festzustellen, daß im Waldbezirk der größte Teil der rückständigen Steuerzahler zahlungsunfähig ist. Das Jahr 1926 gehört wohl zu den schlechtesten seit Menschengedenken. Die Spätfröste im Mai und Juni brachten einen enormen Ernteausfall. Neben dem Frost war die andauernde Regenperiode für die Landwirtschaft ungemein schädlich. Roggen und Weizen hatten eine ungemein  schlechte Blütezeit. Das Ernteergebnis schwankte zwischen 20 und 50 Proz. gegen normal. Besonders schlecht war die Kartoffelernte. Oft konnte nicht einmal die Hälfte des Samens geerntet werden. Infolgedessen waren die Bauern gezwungen, Saatgetreide und Kartoffel zu kaufen. Bei der großen Anzahl von kleinen Landwirten im Bayer. Walde ist es verständlich, daß die Getreideernte zur Selbstversorgung nicht ausreichte. Unter diesen Verhältnissen sind die vielen Steuerrückstände sehr wohl erklärlich, welche gewiß nicht auf Steuerunwilligkeit, sondern auf Zahlungsunfähigkeit zurückzuführen sind. An die maßgebenden Stellen sei das dringende Ersuchen gerichtet, den zahlungsunfähigen Steuerpflichtigen des Waldgebietes weitgehendste Schonung zu gewähren.“
Quelle: Straubinger Tagblatt, 09.06.1927


Hunderdorf, 6. Juni. (Waldfest.) Gestern und heute fand auf der Spitze des Rammersberges das altherkömmliche Waldfest des Waldvereins Straubing statt. Der Besuch war an beiden Tagen ein ungemein reger. Aus allen Gauen der Umgebung nahmen Gäste an dem schönen Bergfeste teil. Herr Musikmeister Leopold Klein-Hunderdorf stellte sich in anerkennenswerter Weise in den Dienst der Sache und brachte mit seiner Kapelle vortreffliche Weisen zum Vortrag. Die Herren Hofbesitzer Joh. Fuchs, Oekonom Maier und Gastwirt Schiederer in Rammersberg boten alles auf, um das Fest zu verschönern. Nur zu bald entschwanden die schönen Stunden und das letzte Lied, „Wenn die Rosen wieder blühen, werden wir uns wiedersehen“, galt als Versprechen, nächstes Jahr sich auf der Spitze des Rammersberg wieder treffen zu wollen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 10.06.1927


Hunderdorf, 10. Juni. (Besitzwechsel.) Das 17 Tagwerk umfassende Oekonomie-Anwesen des Herrn Georg Eidenschink in Au vorm Wald ging durch Kauf samt lebendem und toten Inventar an die Siedlungsgesellschaft in Bogen über. Als Kaufpreis werden 13 000 Mark genannt. Notarielle Verbriefung ist bereits erfolgt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 14.06.1927


Hunderdorf, 13. Juni. (Richtigstellung.) Zu der Notiz betr. Verkauf des Oekonomie-Anwesens des Herrn G. Eidenschink in Au wird uns berichtigend mitgeteilt, daß hier eine Vertrümmerung des Anwesens durch den Besitzer selbst vorliegt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 16.06.1927


Hunderdorf, 16. Juni. (Neue Glocken.) Am vergangenen Sonntag wurden 2 neue Glocken, die von der Fa. Johann Hahn und Sohn in Landshut geliefert wurden, im festlichen Zuge vom hiesigen Bahnhof zum Dorfe überführt. Auf herrlich geschmückten Wagen mit vier ebenfalls schön dekorierten Pferden bespannt prangten die 2 Glocken. Vor und hinter dem Wagen ritten mehrere Reiter. Kanonenschläge verkündeten auch über die Gemarkung hinaus das freudige Ereignis. Die Ministranten und mehrere Mädchen brachten sinnige Gedichte zum Vortrag. Unter den Klängen der Musikkapelle Klein setzte sich der Zug, an dem fast die ganze Pfarrgemeinde teilnahm, eröffnet von Gemeinde- und Kirchenverwaltung, in Bewegung. Im Dorfe angekommen ergriff H. H. Pfarrer Gebhart das Wort, um auf dieses frohe Ereignis hinzuweisen und anschließend allen den Dank auszusprechen, die in dieser Angelegenheit Dienste geleistet haben. Ganz besonderen Dank aber sprach er dem edlen Spender dieser beiden Glocken aus, nämlich Herrn Josef Wittmann-Lindfeld-Newyork. Dieser Tage wurden nun die beiden Glocken einmontiert und gestern konnte bereits das ganze Geläute in seiner wundervollen Harmonie ertönen. Hunderdorf kann nun auf sein Geläute stolz sein, denn wenige Dörfer wird es geben, die ein annähernd so schönes Geläute besitzen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 19.06.1927


Steinburg bei Mitterfels, 21. Juni. (Dreißig Jahre im Eisenbahndienst.) Dieser Tage feiert der langjährige Vorstand der Eisenbahnstation Steinburg, Herr Josef Kalm, seinen Abschied vom Dienste. Mit ihm scheidet ein tüchtiger und geschätzter Beamter aus seiner Dienststelle, ein Mann, der sich das Vertrauen der Bevölkerung in seltenem Maße zu erwerben wußte. Mit Erbauung des Lagerhauses Steinburg wuchs das Arbeitsgebiet dieses rührigen und liebenswürdigen Beamten noch bedeutend. Herr Kalm ist einer den wenigen Eisenbahner der Umgegend die den Bau der bestrentierenden Lokalbahn Niederbayerns Straubing-Miltach-Cham mitmachten, die mit und dabei waren, als der gewaltige Viadukt bei Mitterfels erbaut wurde. Vor einiger Zeit erbaute er sich in der nähe der Station ein schönes Haus, eine Heimstatt fürs Alter. Möge ihm ein langer und sonniger Lebensabend beschieden sein!
Quelle: Straubinger Tagblatt, 23.06.1927


Hunderdorf, 24. Juni. (Die Auswirkungen des Spätfrostes) lassen sich nun allenthalben übersehen. So ist die Obsternte teilweise vollständig vernichtet. Der Roggen hat stellenweise so schwer gelitten, daß mit einem Ausfall von 50-60 Prozent zu rechnen ist. Wohl selten noch hat der Heuertrag eine derartige Einbuße zu verzeichnen, wie in diesem Jahre. Wenn auch die Qualität als gut zu bezeichnen ist, so bleibt die Quantität gegen normale Jahrgänge um ein Bedeutendes zurück, was für die betreffenden Landwirte einen nicht zu unterschätzenden Verlust bedeutet.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 26.06.1927


Hunderdorf, 28. Juni. (Ehrlicher Finder.) Die Bauerswitwe Pielmeier von Lindfeld besuchte vergangenen Freitag den Ferkelmarkt in Bogen. Damit ihr Diebe nicht über das ersparte Geld kamen, nahm sie ihre Barschaft in Gestalt eines Tausenders mit. Auf dem Heimwege gewahrte sie den Verlust des Geldes. Schnell ging es wieder Bogen zu. Zum Glück fand ein 5jähriger Junge in einem Kanalroste mitten im Markte die verlorene Börse. Glückstrahlend gab ihm die Frau eine schöne Summe Finderlohn und eilte frohen Herzens nach Hause.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 02.07.1927


Hunderdorf, 3. Juli. (Besitzwechsel.) Die Villa der Witwe Frau Fransziska Obermeier in Thananger ging gestern durch Kauf samt lebendem und toten Inventar mit 4 Tagwerk Feldern und Wiesen an Hrn. Hilmer aus Waltersdorf über. Als Kaufpreis werden 2200 M genannt. Notarielle Verbriefung ist bereits erfolgt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 07.07.1927


Steinburg b. Hunderdorf, 6. Juli. (Hochzeitsjubiläum.) Am kommenden Samstag den 9, Juli feiert der Bahnvorstand und Anwesensbesitzer Herr Josef Kalm mit seiner Gemahlin Magdalena das 30jährige Hochzeitsjubiläum.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 08.07.1927


Hunderdorf, 6. Juli. (Beerdigung.) Heute trug man das letzte Gründungsmitglied des hiesigen Krieger- und Veteranenvereins, Herrn Josef Niemeier, Austragsbauer in Gaishausen zu Grabe. Der über 85 Jahre alte Greis war in seinen jüngeren Jahren ein überaus eifriges Mitglied des Vereins. Er machte auch die Feldzüge 1866 und 1870/71 mit und war weit über die Grenzen unseres Bezirkes hinaus ob seines derben Humors bekannt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 08.07.1927


Steinburg, 11. Juli. (Ein seltenes Fest) fand am Samstag, 9. Juli dahier statt. Herr Josef Kalm feierte nämlich …[Zeile fehlt]… 30jährigem Wirken daselbst in der Solcherschen Bahnhofsrestauration seinen Abschied und zugleich sein 30jähriges Hochzeitsjubiläum. Bei dieser Feier waren soviel Gäste anwesend, daß der große obere Saal des genannten Gasthofes die Erschienenen nicht alle fassen konnte und ein Teil des nebenan liegenden Tanzsaales sowie das untere Gastlokal in Anspruch genommen werden mußten. Nicht weniger als 10 Bürgermeister der Umgebung und sonstige Freunde und Kameraden des Jubilars hatten sich eingefunden, darunter auch Söhne seiner früheren Dienstherrschaft, bei welcher er vor 30 Jahren 15 Jahre als Knecht in Arbeit stand. Die erste Rede hielt Herr Bürgermeister Fuchs der Gemeinde Neukirchen. Er hob das 50jährige Wirken des Herrn Kalm (vom 15.-65. Lebensjahr) hervor als Knecht, als Bahnarbeiter und zuletzt als Bahnagent bei der Staats- bezw. Reichsbahn. Nach einem humoristischen Vortrage nahm Herr Hauptlehrer Kramminger das Wort, um unter Hinweis auf as 30jährige Hochzeitjubiläum, die Mildtätigkeit des Jubelpaares besonders hervorzuheben. Weiterhin sprachen noch Herr Huber als Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr und Herr Joh. Hiendl, Vereinsdiener des Krieger- und Veteranenvereins Neukirchen b. Haggn. Stimmungsvolle Liedervorträge und die flotten Weisen der Musikkapelle Klein.Grimm verschönten die Feier.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 14.07.1927


Hunderdorf, 4. Sept. (Brand.) Vergangene Nacht um halb 11 Uhr brannte der neuerbaute Stadel des Herrn Anton Wurm [evtl. Sturm] i. Au vorm Wald sammt allen Fahrnissen und Getreidevorräten nieder. Durch rasches Eingreifen der freiw. Feuerwehren Hunderdorf, Windberg, Steinburg und Neukirchen b. Haggn konnte das Wohnhaus und die benachbarten Gebäude gerettet werden. Brandstiftung wird vermutet.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 06.09.1927


Todes-Anzeige.
Nach Gottes heil. Willen verscheid gestern vormittags 1/2 9 Uhr mein innigsgeliebter Mann, Sohn, Bruder Schwager und Onkel
Herr Josef Schmidt
Schlossermeister in Hunderdorf

nach längerem schweren Leiden jedoch schnell und unerwartet nach Empfang der heil. Sterbsakramente im 52. Lebensjahre.
Um stilles Beileid bittet:
Hunderdorf, Regensburg, Friedberg, Schönheid, Neumarkt (Oberpfalz), 7. Oktober 1927.
Die tieftr. Gattin Kreszenz Schmid
nebst Mutter und Geschwistern.

Die Beerdigung findet am Montag vorm. 1/2 10 Uhr mit darauffolgendem Gottesdienst in Hunderdorf statt.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 09.10.1927


Hunderdorf, 11. Okt. (Beerdigung.) Unter ungemein zahlreicher Anteilnahme aus näherer und weiterer Umgebung wurde gestern der verstorbene Schlossermeister Josef Schmidt zu Grabe getragen. Derselbe war wohl einer der populärsten Persönlichkeiten unseres Ortes. Seine Dienste stellte er auch der Allgemeinheit zur Verfügung. So bekleidete er seit 1919 die Stelle des Waisenrates in der Gemeinde. Acht Jahre war er Kommandant der freiw. Feuerwehr und ebensolange gehörte er auch dem Bezirksfeuerwehrausschuß an. Deshalb beteiligte sich auch der Bezirksfeuerwehrausschuß mit Herrn Brandinspektor Wenninger von Bogen an der Spitze an der Leichenfeier. Ferner beteiligten sich die freiw. Feuerwehren Englmar, Rettenbach, Klinglbach, Neukirchen, Windberg, Steinburg und Gaishausen neben der Ortsfeuerwehr mit Fahnen am Leichenzuge. H. H. Pfarrer Gebhart schilderte die Verdienste des Verstorbenen in seiner Grabrede. Herr Schmidt war auch einer von denen, die den Weltkrieg mitgemacht haben, weshalb auch die üblichen Ehrensalven gelöst wurden. Anschließend legte Herr Brandinspektor Wenninger namens des Bezirksverbandes unter ehrenden Worten einen Kranz am Grabe nieder. Nach der Leichenfeier fand Generalversammlung der Ortsfeuerwehr mit Kommandenatenwahl statt und wurde dabei Schreinermeister Härtenberger einstimmig gewählt. Härtenberger gedachte dann nich der Verdienste des Verstorbenen mit ehrenden Worten und sprach allen auswärtigen Feuerwehrkameraden für ihre ehrende Teilnahme an der Beerdigungsfeier den herzlichen Dank aus.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 13.10.1927


Steinburg, 11. Novbr. (eine gemeindliche öffentliche Sprechstelle) wird im Anschluß an die Vermittlungsstelle Mitterfels und zu deren Ortsbereich gehörig im Ort Steinburg in Betrieb genommen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 13.11.1927


Steinburg, 23. Nov. (Besitzwechsel.) Das weit und breit bekannte Gasthofanwesen Echinger mit ausgedehnten Grundbesitz, größtenteils Waldgrundstücke, wurde dieser Tage versteigert. Bei verschiedenen Angeboten blieb die Bayerische Ansiedlungs-Gesellschaft mit einem Steigerungspreis von 72 000 M Meistbietende.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 25.11.1927


Hunderdorf, 21. Nov. (Die älteste Person gestorben.) Heute wurde die älteste Person dahier, nämlich Frau Kreszenz Kalm, Austragsbauerswitwe von Breitenberg zu Grabe getragen. Da der Hof in fremde Hände übergegangen war, verzog Frau Kalm zu ihren noch lebenden Töchtern, die in Stetten bei Hunderdorf ein kleines Oekonomieanwesen besitzen. Frau Kalm scheute aber nicht den weiten Weg in dem hohen Alter bei Regen, Wind, Schnee und Kälte, gestützt auf zwei Stöcken in der Hand alle Tage der hl. Messe beizuwohnen. —
Der Schumacherlehrling Josef Altmann, ein Sohn des hiesigen Gemeindedieners und Oekonomen Josef Altmann dahier, hat im Schuhmacherhandwerk die Prüfung mit einer sehr guten Note bestanden.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 25.11.1927


Hunderdorf, 25. Nov. (Geschäftsübernahme.) Der Huf-Beschlagschmied Herr Alois Beck, ein Sohn des Herrn Ludwig Beck in Parkstetten, ein sehr tüchtiger Schmied, hat pachtweise die Huf-Beschlagschmiede der Gastwirtsehefrau Fanny Edbauer übernommen.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 30.11.1927


Hunderdorf, 8. Dezbr. (Kirchenwahlen.) Gestern fand dahier die Wahl der Kirchenmitlgieder statt. Es ergab folgendes Resultat: Herr Josef Groß, Anwesensbesitzer in Hunderdorf; Herr Josef Altschäffl, Maurermeister in Gaishausen; Herr Xaver Kartmann, Landwirt in Stetten; Hr. Josef Ecker, Bienenzüchter in Schafberg; Hr. Michael Fuchs, Landwirt in Lindach; Herr Papp, Oekonom in Gaishausen; Hr. Rupert Grünschneider, Landwirt in Hofdorf; Hr. Johann Bräucher, Großökonom in Hunderdorf.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 11.12.1927


Hunderdorf, 9. Dezbr. (Verkauf.) Die schön neben der Straße gelegenee Villa mit Grasgarten des Herrn Xaver Dachs, Handelsmann in Bauernholz, ging hestern durch Kauf an Herrn Schießl, Schuhmachermeister aus Cham über. Als Kaufpreis werden 2200 M genannt. Notarielle Verbriefung ist bereist erfolgt. —
(Operation.) Der Oekonom und Gemeindediener Herr Josef Altmann dahier, verspürte heftige Schmerzen am rechten Fuß, der Arzt konstatierte eine Blutvergiftung und mußte gestern eine Operation sofort vorgenommen werden.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 11.12.1927


Hunderdorf, 9. Dez. (Bauernvereinsversammlung) fand am vergangenen Mittwoch in der Deschl’schen Gastwirtschaft in Hofdorf statt. Nach Eröffnung und Begrüßung durch Obmann Bräuherr erstattete Herr Sekretär Maier von Straubing ein vorzügliches Referat. In treffenden Worten führte der Redner die Zuhörer hin zur idealen Geistesrichtung, die allein uns retten kann aus dem Sumpfe der Verworrenheit und nackten Egoismus und Materialismus bannen kann. Wir müssen wieder zurückkehren zum alten Väterglauben und reinen Sitten. Auf den Boden der Einigung stehend glaubt Redner eine Annäherung nicht nur auf wirtschafts-, sondern auch auf kulturpolitischen Gebiete als erstrebenswert. Der Mensch soll nicht blos in der Masse, sondern auch wieder als Mensch zur Geltung kommen. Im 2. Teil seiner Rede streifte er dann sämtliche Reichs- und Landessteuern und gab ausführliche Erläuterungen dazu. Bezirksobmann Härtenberger verbreitete sich über den Wert der Buchführung, besonders auch in den bäuerlichen Betrieben, sowie über den Wert der Weiterbildung der ländlichen Bevölkerung. Er forderte die Landwirte auf, sich zu einer straffen Organisation zusammenzuschließen. Nur so könne sie zu der Achtung gelangen, die ihnen als erster Stand im Lande eigentlich zukäme. Auch bei den Wahlen im nächsten Jahre solle jeder restlos zur Wahl gehen, damit das Landvolk nicht so sehr ins Hintertreffen kommt. Herr Kellermeier von Grabmühl kam au die Uneinigkeit im Bauernstand zu sprechen. Ausgehend von den Revolutionstagen tadelte er scharf das Vorgehen gewisser Elemente, die das Volk nicht einen, sondern entzweien wollen. Herr Direktor Stephan von Straubing behandelte wirtschaftliche Probleme, die zur weiteren Diskussion Anlaß gaben. Landwirt Höcherl von Grub streifte die jetzige Lage in der Landwirtschaft. Wir können aus unseren mageren Waldböden, so führte er aus, nur magere Erträge herauswirtschaften und die Preise stehen dann nicht im Einklang mit unseren Produktionskosten. Wir können deshalb mit den überseeischen  Produktionsländern mit ihren guten klimatischen  und Bodenverhältnissen nicht konkurrieren und brauchen deshalb einen wirksamen Zollschutz. H. H. Pfarrer Gebhard dahier zog dann die Schlußfolgerung aus den Ausführungen der Redner. Restlose Weiterbildung jedes einzelnen, Rückkehr zur christlichen Weltanschauung und einfachen Lebensweise, zur Arbeitsfreudigkeit und Sparsamkeit und gegenseitigen Unterstützung. Nicht das Nachäffen jeder städt. Mode und Gebräuche kann den Bauernstand hochbringen, sondern einfache Lebensweise und zielbewußte Arbeit. Nachdem Herr Sekretär Maier noch verschiedene Aufklärungen gegeben hatte, schloß der allseitsrührige Obmann nach dreistündiger Dauer die sehr anregend verlaufene Versammlung.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 13.12.1927


Hunderdorf, 9. Dez. (Der Kriegerbund) hielt gestern in der Sandbiller’schen Restauration eine außerordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand die Wahl eines zweiten Vorstandes. Dieses war dadurch notwendig, weil der bisherige 2. Vorstand Georg Zistler nach auswärts verzogen ist. Die Neuwahl wurde durch Stimmzettel vorgenommen. Mit Mehrheit wurde dann als 2. Vorstand gewählt Herr Bürgermeister Johann Hornberger von hier, der sich zur Annahme auch bereit erklärte.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 14.12.1927


Hunderdorf, 28. Dezember. (Der kath. Burschenverein) erfreute am Weihnachtstag mit einem gut besuchten Heimatabend in der Gastwirtschaft Baier dahier Mitglieder und Gäste. Es wäre vergeblich, mit Worten zu schildern, wie die Darstellungen des Engels von Frl. Adele Weinzierl und des Josef von Josef Weinzierl, Kaufmannssohn dahier, des Hirtes v. Xaver Baier, Gastwirtssohn, in lebendigster Schilderung erfolgten. Zum Schluß wurde noch ein Lichtbildervortrag aufgeführt über die Städte Jerusalem-Betlehem.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 29.12.1927


Hunderdorf, 26. Dez. (Kirchenpatroziniumsfest.) Zu den erhebendsten kirchlichen Feiern zählt hier das Kirchenpatroziniumsfest. Unsere altehrwürdige Pfarrkirche, die ihr Entstehen den Benediktinerklöstern Windberg, Oberalteich und Niederalteich verdankt, hat den hl. Stephanus zum Kirchenpatron. Große Scharen strömten am heutigen Tage des heil. Stephanus in unser Gotteshaus.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 29.12.1927


Hunderdorf, 26. Dez. (Bauernversammlung.) Die junge Obmannschaft Hunderdorf hatte am 26. ds. Mts. eine Bauernversammlung in der Baierschen Gastwirtschaft dahier einberufen. Bald war das Lokal gefüllt, auch die Nachbarvereine waren vertreten. Nach 3 Uhr eröffnete Vorsitzender Herr Ludwig Poiger die Versammlung und erteilte das Wort den Herrn Bäckermeister Schefback aus Straubing. Der Herr Redner verstand es nun in fast 2stündigem Vortrag, die Aufmerksamkeit der Anwesenden zu spannen, so daß sie lautlos auf die interessanten Ausführungen lauschten und von Zeit zu Zeit ihren Beifall zollten. Der Herr Redner legte zunächst die Gründe dar, weshalb sich endlich auch die Bauern zusammenscharen müssen, was ja vor ihnen schon alle Stände getan haben, um sich Recht – Geltung zu verschaffen. Auf die Steuerfrage eingehend, meinte er, daß es bisher an der nötigen Aufklärung und an der gerechten Behandlung durch den Steuerausschuß fehlte. Vor allem regte er an, daß die Bauern doch Aufschreibungen über ihre Einnahmen u. Ausgaben machen sollten. Da sich niemand zur Diskussion meldete, schloß der Vorsteher die schön verlaufene Versammlung.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 29.12.1927


Bier, Schnaps, Wein und Limonade in Niederbayern.
Nachstehend das Neueste über den Stand des Gast- und Schankwirtsgewerbes in unserem Kreise Niederbayern! – Wie allgemein in ganz Bayern ist auch in Niederbayern im letzten Berichtsjahre gegenüber dem Jahre 1955 eine kleine Steigerung der Zahl der Gast- und Schankwirtschaften eingetreten. Gar mancher ehemalige Brauer mag jetzt bitter bereuen, daß er in den Inflationsjahren um ein Butterbrot sozusagen sein Braukontingent an eine Großbrauerei verkaufte und jetzt als kleiner Wirt sein Fortkommen suchen muß. – Ende 1925 gab es in Niederbayern 3989 Gast- und Schankwirtschaften, neu errichte wurden 43, eingegangen sind 10 Wirtschaften, sodaß am Schlusse des Jahres 1926 insgesamt 3972 Betriebe gezählt wurden; auf 10 000 Einwohnertreffen durchschnittlich 52,3 Gastwirtschaften, resp. auf 190 Einwohner eine solche. In erster Instanz wurden 24, in zweiter 8 Gesuche um Wirtschaftskonzessionen abgewiesen.
Wir kommen zu den Gastwirtschaften, solche gibt es bei uns in Niederbayern 2890, darunter 1789 mit Realrechten; davon waren 871 einfache und 918 radizierte. –
Branntweinschänken existieren 466, davon besitzen 166 Realrechte und zwar 92 einfache und 74 radizierte; diese Branntweinschänken sind mit Gastwirtschaften vereinigt. – Es gibt nämlich 457 Schankwirtschaften, die kein Recht zum Ausschank von Branntwein haben. Branntweinschänken allein besitzt Niederbayern 69, d. i. die kleinste Zahl unter den 8 Kreisen Bayerns, ein Beweis, daß der Niederbayer kein rechter Freund des „Branntweins“ ist. Von diesen 69 Branntweinschänken besaßen 14 einfaches, 6 radiziertes Realrecht. – Auch die Zahl der Kleinhandlungen mit Branntwein oder Spiritus ist bei uns in Niederbayern gering: 24. – Was die Zahl der in unserem Kreise bestehenden Realrechte überhaupt betrifft, so gibt es solche 2140, davon 1086 einfache und 1054 radizierte. –
Limonade! Ausschankstellen nichtgeistiger Getränke gibt es bei uns 131. Auf 5769 Einwohner trifft durchschnittlich eine kohlensaure Jungfrau! – Nun die Bierbrauereine selbst mit eigenem Ausschank. Es sind solche 214 angemeldet, die dritthöchste Zahl unter den 8 Kreisen Bayerns; in Bayern selbst gibt es 1976 Braustätten. – Schließlich noch kurz einiges über den Flaschenbierhandel. Die Zahl dieser Betriebe ist im Laufe des Berichtsjahres durch Neuzugang von 170 auf 710 gestiegen, das die zweitniedrigste unter den 8 Kreisen Bayerns.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 29.12.1927

 

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