1902

Steinburg, 23. Jan. Die Schützengesellschaft Steinburg hielt gestern ihren Ball mit Preise-Verleihung ab, der trotz schlechten Wetters sehr gut besucht war. Herr Restaurator Michael Laschinger verzapfte vorzüglichen Stoff, wie auch dessen Gemahlin für gute Küche gesorgt hatte. Die Festivität verlief in gemütlicher Weise.
Quelle: Straubinger Tagblatt 25.01.1902


Hunderdorf, 14. März. Die Hausbesitzers- und Viehhändlers-Ehegatten Joseph und Karoline Kittenhofer dahier wurden in große Trauer versetzt. Ihr kleinstes Söhnchen der muntere Wilhelm, 3 ½ Jahre alt, ist heute nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr in einer Jauchegrube ertrunken. Der liebe Knabe wird von seine Eltern recht schwer vermißt.
Quelle: Straubinger Tagblatt 16.03.1902


Hunderdorf, 27. März. Das Gg. Bibergersche Söldner-Anwesen in Oberhunderdorf ist durch Kauf in den Besitz des Austragsbauern Johann Kronfeldner (gen. Steinbauer) in Brandstatt übergegangen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 29.03.1902


Todes-Anzeige.
Nach Gottes hl. Willen verschied heute morgens 6 Uhr unsere heißgeliebte, treubesorgte unvergeßliche Gattin und Mutter
Frau Anna Leiderer,
Gastwirtsgattin in Hofdorf

nach längerem Leiden, jedoch schnell und unerwartet nach Empfang der hl. Sterbsakramente im Alter von 55 Jahren.
Um stilles Beileid in ihrem namenlosen Schmerze bittet
Der tieftrauernde Gatte Jos. Leiderer
nebst Kindern und Verwandten.

Die Beerdigung findet am Sonntag den 13. April vormittags 9 Uhr in Hunderdorf statt. Der Siebente wird am Montag den 14. , der Dreißigste am Dienstag den 15. ds. jedesmal um 9 Uhr in der Pfarrkirche zu Hunderdorf abgehalten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 12.04.1902


Hunderdorf, 3. Mai. Die Leiche des vergangene Montag dahier bestatteten 74jährige. Austrags-Söldners Georg Ecker in Au von Wald wurde gestern nachmittags im beisein des k. Landgerichts-Arztes Dr. Egger, von Straubing, des k. Oberamtsrichters Kimmerle von Bogen und des prakt. Arztes Dr. Stegmann exhumiert und der Sektion unterstellt, nachdem das Gerücht verbreitet war, daß der Pächterssohn Johann Solcher von Steinburg durch Ueberfahren mittels Velociped den Tod des Genannten verursacht habe. Die Erhebung soll keinen Anlaß zur gerichtlichen Einschreitung gegeben haben, da Ecker eines natürlichen Todes, nämlich an Gedärmentzündung (Verwicklung) gestorben ist.
Quelle: Straubinger Tagblatt 06.05.1902


Vom bayer. Vorwald, 17. Mai. Der erste Mai hat nun den Vorwäldlern an der Lokalbahnstrecke Konzell-Straubing eine Kurs-Neuheit gebracht. Es geht nämlich der erste Frühzug ab Konzell ab statt, wie bisher um 4. 40 Min. schon um 4.03 und war damals Alles der Meinung es sei hiemit ein Anschluß an den Straubing-Passauer-Frühzug geschaffen. Dem ist aber leider nicht so, nachdem letzterer Zug von Straubing um 5.08 Min. abgeht, während der Waldbahnzug erst um 47 Minuten später ab Straubing eintrifft. Ein so frühes Eintreffen ohne Anschluß an den Passauerzug, hat für uns gar keinen Wert. Der k. General-Direktion wäre man ui großem Dank verpflichtet, wenn eine Aenderung in der gewünschten Weise eintreten würde.
Quelle: Straubinger Tagblatt 21.05.1902


Apoig, 16. Mai. Dem verheirateten Holzverlader Joseph Bielmeier von Hunderdorf, der für das Peter Zehetmeier’sche Fuhrwerkgeschäft in Geiselhöring sog. Papierholz auf der hiesigen Station zu verladen hatte, wurde der Daumen der linken Hand durch ein fallendes Holzstück vollständig zerquetscht.
Quelle: Straubinger Tagblatt 21.05.1902


Reibersdorf, 15. Juni. Heute nachmittags fand in dem inmitten fruchtverheißenden Fluren gelegenen Dörfchen Reibersdorf die feierliche Betriebseröffnung der neu erstandenen Dampfmolkerei Reibersdorf statt, zu welcher sich eine stattliche Zahl Interessenten aus nah und fern eingefunden hatte. Wer Gelegenheit hatte, Reibersdorf zu besuchen, und der Eröffnung beizuwohnen, sah schon von weitem einen nahezu vollendeten Bau mit einem eisernen Schlote, einen ganz hübschen Bau, bestimmt für die dort neu errichtete Dampfmolkerei. Die maschinelle Einrichtung, die in demselben untergebracht ist, stammt aus dem Eisenwerk Bergedorfer, und hatten die Besucher dieselbe im Betrieb besichtigen können. Tadellos funktionierte alles, was zur Ehre dieser Firma konstatiert werden muß. Wohl jeder sagte dort, daß die Molkerei sehr schön und interessant gewesen. Bekanntlich hat sich in Reibersdorf unter Anregung des dortigen Herrn Lehrers Weber, der auch die Leitung über die Molkerei versieht, ein Consortium von 10 wackeren Oekonomen gebildet, die mit nicht geringen Opfern an Zeit und Gelddiese Dampfmolkerei begründen, nicht blos zum eigenen, sondern zum gemeinsamen Nutzen und Wohle aller umliegenden Landwirte. Man möchte nun denken, daß von allen Seiten diesem Unternehmen zugejubelt und den unternehmenden Herren der nötige Dank gezollt würde; allein das gerade Gegenteil ist hier der Fall. Statt den Begründern zu danken, bewitzelt man die ganze Sache, Existenzfähigkeit des ganzen Unternehmens. Der Grund hierin mag wohl einerseits in Unwissenheit, anderseits aber auch in dem unter den Menschen so häufigen Vorurteile gegen alle Neue, das von der allgewohnten Sitte abweicht, begründet sein. Allein es wurde schon sehr oft zahlenmäßig nachgewiesen und kann sich jeder daran in einer Molkerei selbst überzeugen, daß sich die Milchproduktion rentiert; man ist jedoch diesen ganz verlässigen Nachweisen gegenüber einfach taub. Darum rafft Euch auf, Ihr Oekonomen, mit Zuversicht und Gottvertrauen. Hinweg mit dem Feldgeschrei: Bei uns geht das „nicht“. Ueberall geht es und alles geht, wenn nur der Wille da ist. Und Ihr, Ihr tapferen Zehn, laßt den Mut nicht sinken. Glück auf zu Eurem Unternehmen zum Wohle aller, immerdar!
Quelle: Straubinger Tagblatt 18.06.1902


Mitterfels, 16. Juni. Für die arbeitslustigen Mädchen und Frauen von Mitterfels und Umgebung wird es angenehm, sein zu hören, daß ab Monatg 16. Juni bei Hrn. Kaufmann Bauer I. Stock von der bekannten Firma Singer Co. Nähmaschinen-Akt.-Ges. Straubingm Fraunhoderstr. 287, ein kostenloser Unterrichtskurs abgehalten wird. Die Teilnahme ist gratis, wie auch die Besichtigung des Unterrichts, den sich hoffentlich Interessentinnen nicht entgehen lassen werden. Es sind in der Auslage des Herrn Kaufmann Bauer in Mitterfels einige Arbeiten ausgestellt, die wir der Besichtigung empfehlen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 18.06.1902


Hunderdorf, 24. Juni. Dem Schneidermeister J. Feldmaier in Wegern b. Steinburg wurden seit einigen Monaten fortwährend Briefe gelegt in welchen er in nicht zu wiedergebener Weise beschimpft und gemein bedroht wurde. In einer der letzten Nächten wurden dem Feldmaier ein Weinstock und einige Obstbäume abgeschnitten, und in einer anderen Nacht der Brunnen derart verunreinigt, daß er total ausgeputzt werden mußte um das Wasser wieder genießbar zu machen. Trotz angeordneter Nachtwache konnte man der Thäter nicht habhaft werden.
Quelle: Straubinger Tagblatt 26.06.1902


Bogen, 5. Juli. Der hochw. Herr Pfarrer und k. Distriktschulinspektor W. Gruber von Hunderdorf, der mit einem Latein-Schüler von der Aufnahms-Prüfung, welche in Metten am Dienstag den 1. Juli l. Js. stattfand, per Chaise zurückkehrte, stand in großer Gefahr zu verunglücken. Bei Sollach zwischen Bogen und Hunderdorf brach die Asche infolge Heißlaufens, der Wagen stürzte, zum Glücke, ohne irgendwelche Beschädigung der 3 Insassen zu veranlassen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 08.07.1902


Hunderdorf, 8. Juli. Man kann getrost sagen, daß gestern fast die ganze Pfarrgemeinde Hunderdorf – Jung und Alt –  auf den Beinen war, um Teil zu nehmen an dem Feste des 50jährigen Ehejubiläums der Austragsbauerseheleute Xav. Und Walburga Rothammer von Sollach, welche beide zusammen ein Alter von fast 150 Jahren haben. Unter Böllersalven und feierlichem Glockengeläute bewegte sich gestern früh 10 Uhr ein stattlicher Festzug von Sollach nach Hunderdorf zur festlich geschmückten Pfarrkirche unter Begleitung der Musikkapelle Grübl. Weißgekleidete Mädchen mit Widmungskränzen 1852 und 1902 und fahnentragende Knaben verschönerten den Zug. Ehrenpforten, Flaggenschmuck, der das und dort ersichtlich war, gaben Zeugnis von der allgemeinen Beliebtheit des Jubelpaares. Hochw. Herr Pfarrer und Distriktschulinspektor Gruber dahier begrüßte beim Eintritt in das Gotteshaus das altehrwürdige Jubelpaar und es war rührend anzusehen, als die Jubilare nach fünfzigjährigem treuen und ehrenvollen Eheleben an der gleichen Stelle ihr Bund auf’s Neue gesegnet und bekräftigt wurde. Ein feierliches Hochamt mit zwei hl. Beimessen schloß die Kirchenfeier, die durch Aufführung einer Festmesse mit Blechmusikbegleitung durch den Kirchenchor Hunderdorf wesentlich gehoben wurde. Nachmittags wurde unter Teilnahme 11 noch lebender und verheirateter Söhne und Töchter der Gefeierten, die größtenteils mit den sämtlichen Kindern erschienen sind und durch sonst geladene Gäste ein Festmahl im Rothammer’schen Hofe, der feierlich dekoriert und vorher wirklich hübsch renoviert worden war, eingenommen. Herzliche Reden, gesprochen durch hochw. Herrn Pfarrer Gruber von hier und hochw. Herrn Pfarrer Rädlhammer von Haindling würzen das Mahl. Nachdem durch Herrn Photgraph Limbrunner-Straubing ein großes Familiengruppenbild aufgenommen worden war, gaben sich die Gäste der zwanglosen Unterhaltung hin, die nicht wenig gehoben wurde durch Aufführungen von äußerst gewählten Musikstücken. Mögen die Jubilare sich dieses Festes noch viele Jahre in ungetrübter Freude erinnern können – das walte Gott!
Quelle: Straubinger Tagblatt 10.07.1902


Todes-Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute früh 4 Uhr unsere innigstgeliebte Gattin, Mutter, Schwiegertochter und Schwägerin,
Frau Maria Baier,
geb. Kelnhofer von Hofdorf,
Gastwirtin in Hunderdorf,

nach langem Leiden und öfteren Empfang der hl. Sterbsakramente im 24. Lebensjahr in die Ewigkeit abzuberufen.
Um stilles Beileid bittet
Hunderdorf, 11. Juli 1902.
Der tieftrauernde Gatte Johann Baier
mit seinen 3 unmündigen Kindern
nebst übrigen Verwandten.
Die Beerdigung findet statt Sonntag den 13. Juli vormittags halb 10 Uhr, der Siebente wird Montag den 14., der Dreißigste am Dienstag 15. Juli, jedesmal um 9 Uhr in der Pfarrkirche zu Hunderdorf abgehalten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 12.07.1902


Aus dem Perlbachthal b. Steinburg, 22. Juli teilt man uns folgendes mit: Unlieb verspätet! Als am vergangenen Sonntag 20. ds. Mts. die Gunst des Wetters entscheidend für zu unternehmende Ausflüge der Stadter auf das Land ausschlug, hat auch die Mitgliedschaft der Wald-Vereins-Sektion Straubing ihren bereits angekündigten Ausflug in unser herrliches Perlbachthal mittels Extrazuges unternommen. Schon lange vor der Ankunft der mit dem Zug beförderten ca. 300 Personen besetzte eine stattliche Anzahl von Nichtmitgliedern die in der Waldung des Herrn Grafen v. Bray gewählte Walstatt, ein reizend gelegener Punkt in der Nähe der romantisch gelegenen Oelschlagmühle, hart am Perlbach. Gruppenweise bereit gestellte Tische und Bänke, von der Vereinsleitung den Mitgliedern und ihren Familiengliedern bereit gehalten, wurden irrtümlich von unberufenen Gästen mit Beschlag belegt und mußten diese wohl oder übel bei Ankunft des Vereins den Teppich der Natur mit den Sitzbänken vertauschen. Die Reber’sche Stadtkapelle, guter Stoff aus der Neumayer’schen Bierbrauerei von Straubing trugen dazu bei, daß gar bald die animierteste Stimmung eintrat, obwohl herrschende Waldkühle diese nicht recht aufkommen zu lassen schien. Kaum hatte eine muntere Sängerschar zwei herrliche Lieder hinausgeschallt, so machte Jupiter Pluvius von seinem Rechte Gebrauch und gar bald lichteten sich die allerliebst im Waldesgrün- und Tannenduft hingelagerten Menschengruppen, die ein geradezu herrliches, buntes Farbenbild boten. Es mochten bei 400 Personen sich des Festes gefreut haben, das leider durch den Regen in seinem Verlaufe so unlieb gestört worden ist. Schon um 7 Uhr zog alles ab und dem von Steinburg zu, um schon um 8 Uhr wieder heim nach Straubing zu kehren. Der schönste Teil des so umsichtig bereiteten Festes, die Beleuchtung des Waldes und das projektierte Feuerwerk unterblieb und mit ganz gedrückter Stimmung hörte ich den Wirt äußern: „Möchte doch der Verein wiederkommen und gar bald, damit ich doch für meine gebrachten Opfer schadlos gehalten würde!“
Quelle: Straubinger Tagblatt 24.07.1902


Steinburg, 27. Juli. Es wird uns geschrieben: Unter sehr großer Anteilnahme wurde heute im Pfarrorte Hunderdorf der verheiratete Schirmmacher Johann Baumann von hier beerdigt. Der Verlebte stand erst im 53. Lebensjahr, er erlag einem Lungenschlag, der ihn in der Nacht vom 25. auf 26. ds. Mts. getroffen. Baumann hinterläßt eine trostlose Witwe mit unversorgten Kindern in den denkbar ärmlichsten Verhältnissen. Nachdem der Verstorbene Veteran des Siebziger-Feldzuges war, gab man ihm das Musik-Ehrengeleite und eine Böller-Salve beim Senken des Sarges.
Quelle: Straubinger Tagblatt 29.07.1902


Aus Apoig, 28. Juli geht uns folgende Nachricht zu: Nachdem gestern Nachmittags eine fast unleidliche Schwüle herrschte, trafen abends schon schwere Gewitter von allen Seiten ein mit Regen und Hagelschauer. Ein Blitzstrahl zündete abends 8 ¼ Uhr im Stadel des Bauern Anton Sterr, vis a vis der Bahnhofrestauration des Herrn Sandbiller. Wäre nicht sofort ergibige Hilfe durch 2 Zimmerleute Hösl und Loibl zur Stelle gewesen, so wäre sicher das ganze Anwesen niedergebrannt. Die beiden Männer verdienen ob ihrer mutigen und umsichtigen Handlung öffentliche Anerkennung.
Quelle: Straubinger Tagblatt 30.07.1902


Bogen, 9. Aug. Folgendes wird uns geschrieben: Die Donauzeitung schreibt aus Landshut, daß eine Reihe neue Postagenturen und Postverbindungen in Niederbayern eingerichtet werden und zwar: Alburg, Berndorf, Dietersburg, Dornwang, Feldkirchen, Gottsdorf, Haberskirchen, Kirn, Metting, Münchham, Nesselbach, Neuschönau, Obertrennbach, Perastorf, Rabenstein, Rogglfing, Ulgering, Untereiglbach, Unterrohrbach. Von den Interessenten wird hiebei Hunderdorf vermißt, welcher Ort seit mehr als 3 Jahren eine Posthilfstelle besitzt, die aber für die Verhältnisse nicht ausreichend ist. Möchte das k. Oberpostamt Regensburg in Rücksicht auf die so sehr verkürzten Postverkehrsverhältnisse des weithin rühmlichst bekannten Pfarrortes Windberg, der im Sommer so stark von Touristen  besucht wird, auch für Hunderdorf das bereits gegebene Versprechen einlösen, und eine Postagentur mit Telephonsnschluß einrichten, gewiß der allseitigste Dank für diese Rücksichtnahme wird zweifellos dieser Wohlthat gesichert sein!
Quelle: Straubinger Tagblatt 10.08.1902


Todes-Anzeige.
Gott dem allmächtigen hat es gefallen, unsere innigstgeliebte Gattin, Mutter und Schwester,
Frau Katharina Huber,
geborene Schötz,
gräfl. v. Bray-Steinburg’sche Waldaufsehersgattin,

nach längerem schweren Leiden und öfteren Empfnag der hl. Sterbsakramente im 39. Lebensjahr in ein besseres Jenseits abzuberufen.
Hunderdorf, 29. August 1902.
Der tieftrauernde Gatte
Xaver Huber
nebst Tochter und übrigen Verwandten.
Die Beerdigung findet Freitag 29. August vormittags 10 Uhr in Hunderdorf statt.
Quelle: Straubinger Tagblatt 29.08.1902


Bogen, 3. Sept. Dem „Strb. Tgbl.“ Wird geschrieben: In dieser und in der vorigen Woche sind in unserer Nähe 2 wenn auch nicht sehr schwere, so doch gefährliche Blutvergiftungsfälle vorgekommen. Die Zimmermannsfrau Loibl von Hoch hat sich mit einem Nagel an der Innenfläche der Hand verletzt. Bald nach der Verletzung trat Geschwulst auf, die sich bedenklich verbreitete, daß die Frau mit den hl. Sakramenten versehen werden mußte. Nur ärztliche Hilfe konnte dieselbe vor dem Tode retten. – Frau Gastwirt Edbauer in Hunderdorf hat sich bei der Oeffnung einer Kiste ebenfalls mit einem Nagel verletzt und traten ebenfalls Erscheinungen auf, die auf Blutvergiftung schließen ließen. Also Vorsicht in dieser Beziehung und bei derlei Verletzung sofortige Beiziehung eines Arztes!
Quelle: Straubinger Tagblatt 06.09.1902


Englmar, 3. Sept. Es wird uns geschrieben: Zufolge Entschließung der Generaldirektion der k. Posten und Telegraphen wird von Englmar nach Bärndorf eine neue und zugleich 2. Postverbindung hergestellt. In Berndorf und Perasdorf werden Postagenturen errichtet. Die Eröffnung wird wahrscheinlich am 1. Oktober stattfinden. Durch diese Postverbindung wird eine ortschaftenreiche Gegend erschlossen und wird für das reisende Publikum und für Ausflügler, welche die hiesige Gegend nunmehr so gerne besuchen, von großer Wohltat sein, da man mit jedem Eisenbahnzuge entweder in Steinburg oder Berndorf Anschluß hat.
Quelle: Straubinger Tagblatt 06.09.1902


Gaishausen, 4. Sept. Man berichtet uns: Heute verstarb in Hoch die Häuslersehefrau Maire Magerl schnell und unerwartet infolge eines Schlagflusses – vermutlich an Lungenschlag – im 50. Jahre ihres Lebens. Die Frau war seit Langem etwas geisteszerrüttet, ohne aber für die Umgebung störend gewesen zu sein.
Quelle: Straubinger Tagblatt 06.09.1902


Bogen, 11. Sept. Es wird uns gemeldet: Gestern wurde die Bauersfrau Bründl von Anning gelegentlich des Fütterns der Schweine von einem Mutterschweine derart in die rechte Hand gebissen, daß sie eine ca. 3 Centimeter lange stark blutende Wunde erhielt. Um das Blut zu stillen, legte man zuerst Pferdemist auf die Wunde und als das nichts half wurde Kuhdünger benutzt. Da aber auch mit diesem die nötige Wirkung nicht erzielt wurde so ließ man endlich den appr. Bader Merthen von Bogen zur Behandlung holen. Dieser Fall zeigt wiederum, welche „Hausmittel“ auf dem Lande oft zum Blutstillen verwendet werden. Hiezu werden mit Vorliebe auch Spinnengewebe genommen. Die Leute bedenken dabei nicht, daß sie durch die Anwendung solcher Mittel die Wunde verunreinigen und Stoffe in dieselbe einführen, durch welche zum Mindesten der Heilungsprozess erschwert wird wenn nicht schlimmere Folgen eintreten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 14.09.1902


Bogen, 22. Sept. Dem „Strb. Tgbl.“ Schreibt man: In Apoig – Bahnstation Hunderdorf – wurde gestern Nachts ein Raufexzeß verübt, wobei der Schmiedgeselle Jos. Finger von Waltendorf von einem verheirateten Maurer mit einem im Griffe feststehenden Messer eine Hand durchschnitten worden ist. Ueble Trunkenheit wird wohl wieder die Schuld hieran tragen! – Bei dieser Gelegenheit dürfte es angebracht erscheinen, zu erwähnen, daß der § 827 des Bürgerlichen Gesetzbuches die Bestimmung enthällt, daß, wer sich durch geistige Getränke in einen vorübergehenden Zustand der Bewußtlosigkeit oder in einen die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustand versetzt hat, für einen Schaden, welchen er in diesem Zustand widerrechtlich verursacht hat, in gleicher Weise verantwortlich ist, wie wenn ihm Fahrlässigkeit zur Last fiele und daß diese Verantwortlichkeit nur dann nicht eintritt, wenn er ohne sein Verschulden in den Zustand geraten ist. – Die Trunkenheit führt häufig zur Beschädigung Anderer und bildet eine beständige Quelle Gefahren für Andere. Es ist demnach notwendig, daß die selbstverschuldete Trunkenheit, soweit sich wenigstens in gemeingefährlicher Weise äußert, eine kriminelle Ahndung erfährt, denn gegenüber der Thatsache, daß die Trunkenheit „Eine beständige Quelle von Gefahren für Andere bildet“, sowie der weiteren Thatsache, daß jedermann sich dessen bewußt ist, läßt sich nicht einsehen, weshalb derjenige, welcher sich schuldhaft in einem solchen, seine Mitmenschen gefährdenden Zustand versetzt, straffrei ausgehen soll.“
Quelle: Straubinger Tagblatt 25.09.1902


Aus Steinburg, 31. Okt. Teilt man uns mit, daß gestern Abends im schönen Alter von 36 Jahren die allseits geachtete Söldnersehefrau Anna Gstettenbauer von Hoch bei Gaishausen verschied, nach dem sie vor einigen Tagen einem Kinde das Leben geschenkt hat, welches noch lebt. Die Frau litt an Lungenleiden und war nur einige Jahre glücklich verehelicht!
Quelle: Straubinger Tagblatt 04.11.1902


Von Steinburg, 31. Okt. Wird uns berichtet: Mit Bedauern haben wir die Nachricht erhalten, daß unser allseits geachteter und beliebter Herr Lehrer Karl Heilingmeier, der bereits 8 Jahre der Schule Au v. W. vorsteht und die Gemeindeschreiberei von Au-Gaishausen und Steinburg führt, mittelst hoher Regierungsentschließung auf Ansuchen wegen körperlichen Leidens in den verdienten Ruhestand ab 1. Dez. l. Js. versetzt wird. Herr Heilingmeier, eine schlichte, gerade und offene Persönlichkeit, hat stets seine Aufgabe als Jugendlehrer und Kindererzieher ehrlich erfüllt und die Liebe der Kinder und Achtung der Schuljugend und deren Angehörigen erworben. Möge er noch viele viele Jahre glücklich sich des besten Wohlseins erfreuen im fernen Landau a. Is., wohin er sich begeben wird, dies walte Gott!
Quelle: Straubinger Tagblatt 04.11.1902


Vom Bayer. Wald, 21. Nov., schreibt man uns: Eine interessante Familie durchzieht z. Zt. den Bayer. Vorwald, nämlich sogen. Albinos. Die Eltern sind normal: Johann Fesl, von Schallnach beheimatet und dessen Frau Anna, geb. Dorfner, vormals in Neukirchen bei Haggn beheimatet. Fünf Kinder, von denen 2 erwachsen, sind mit Albinismus behaftet. Nachdem viele Menschen derartige Abnormitäten nicht gesehen haben, dürfte es nicht uninteressant sein, einiges von denselben zu erfahren. Albinos, vom portugisischen „Albino“ weiße Kakerlaken, weiße Neger, Dondos, weißsichtige, besondere „Varietät“ der Menschen, welche sich durch eine milchweiße Haut, seidenartige weiße Kopf- und Barthaare, eine blaßrosenrote Iris und tiefrote Pupille charakterisiert. Der Augenapfel dieser Albinos ist in steter, zitternder Bewegung und sind alle kurzsichtig. Sie sehen am besten in der Dämmerung und besser beim Mondlicht, als beim Sonnenlicht.
Quelle: Straubinger Tagblatt 23.11.1902


Au v. Wald, 2. Dez. Großes Aufsehen erregte heute die Verhaftung der beiden Gütler Wagner und Pflügl von Wegern. Beide sollen als sehr verdächtig erscheinen, im Sommer des heurigen Jahres einen Brunnen durch hineinschütten von Menschenkot und anderer der Gesundheit gefährlichen Stoffe wie Petroleum, Tinte u. s. f. verunreinigt zu haben. Auch sollen sie nicht weniger als 32 Schmäh- und Drohbriefe gegen Beamte, Gerichte u. Privatpersonen mit der Unterzeichnung „Der Kneißl und sein Schreiber“ geschrieben haben. Während Pflügl sich ruhig seinem Schicksal ergab, setzte Wagner unter Fluch- und Lästerworten der Gendarmerie heftigen Widerstand entgegen. Durch Beihilfe benachbarter Leute gelang es alsbald, auch diesen festzunehmen und zur Bahnstation zu befördern.
Quelle: Straubinger Tagblatt 06.12.1902 


Todes-Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere innigstgeliebte Schwester und Base,
Jungfrau Anna Weinzierl,
Bauerstochter von Röhrnau,
zuletzt Privatiere in Hunderdorf,

schnell und unerwartet im Alter von 82 Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen.
Um stilles Beileid bitten
Hunderdorf, Rhörnau, Regensburg, Neuburg a. D., Amberg, 14. Dezember 1902.
Die tieftrauernden Schwestern nebst übrigen Verwandten.
Die Beerdigung findet statt Dienstag den 16. Dezember vormittags 9 Uhr mit darauffolgenden Gottesdienst in Hunderdorf.
Quelle: Straubinger Tagblatt 16.12.1902


Aus Bogen, 28. Dezember, teilt man uns mit: Sicherem Vernehmen nach soll demnächst die bisherige Posthilfsstelle in Hunderdorf in eine Postagentur umgewandelt werden. Es ist diese Einführung freudigst zu begrüßen und wäre, soviel sich die Gemeindebewohner Hunderdorfs äußern, nur mehr der eine Wunsch vorhanden, daß seitens der hohen kgl. Ober-Postbehörden auch dortselbst eine Telephon-Station gleichzeitig errichtet werde, welche dringend notwendig wäre. Nachdem sich der Zustellungsbezirk auch auf die Gemeinde Windberg erstrecken wird, werden vermutlich zwei Postboten nach Hunderdorf zum Bestellungs-Vollzuge notwendig werden.
Quelle: Straubinger Tagblatt 30.12.1902

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