Ortsgemeinde Hofdorf

In Hofdorf, aber auch in Sollach, Apoig und anderen Dörfern hat es in der Vergangenheit über Jahrhunderte hinweg Grundstücke gegeben, die der Ortsgemeinde, allen oder aber auch nur bestimmten Anwesen zur allgemeinen Benutzung zur Verfügung standen. Teilweise gibt es solche Grundstücksrechte auch heute noch, auch wenn sich die Nutzung geändert hat, d. h. dass nicht alle, sondern einzelne die Grundstücke nutzen und dafür der Eigentümergemeinschaft ein Entgelt bezahlen.  In Hofdorf waren es zwei Grundstücke links und rechts des Baches, nördlich des Weges, der über den Bach führt. Möglicherweise waren noch weitere Grundstücke vorhanden. In der historischen Karte aus Anfang des 19. Jahrhunderts (siehe oben; Quelle: https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/) werden diese mit „Gem.“ bezeichnet. Neben der historischen Karte ist derselbe Ausschnitt als Luftbild aus heutigen Tagen dargestellt.

Für die Grundstücke in Hofdorf hat sich ein „Steuer-Quittungs-Büchlein für Ortsgemeinde Hofdorf“ erhalten. Die ersten Einträge beginnen im Jahr 1919 und wurden  von Xaver Kronfeldner geführt. Die Einnahmen leisteten Weishart (4 Mark), Schötz (3 Mark) Geiger (2 Mark), zusammen 9 Mark. Es dürften diese drei Personen die Gemeinflächen in unterschiedlichem Umfang genutzt haben und dafür gezahlt haben. An Ausgaben wurden verzeichnet: „Greisumlag 1 Mark 84 Pfennig, Gemeindeumlag 19.11.19  5 Mark 75 Pfennig“ und „Steuer Quittungs Buch gekauft für Ortsgemeinde Hofdorf 2 Mark, Summe 9 Mark 59 Pfennig“. Die „Gemeindeumlag“ wiederholt sich jedes Jahr in unterschiedlicher Höhe, die Einnahmen sind nicht für jedes Jahr nachweisbar. 1921 führte Rupert Kringschneider buch und übergibt es an Josef Steinbauer und dieser ein Jahr später an Josef Kronfeldner.

Die Seite für 1923

Im Inflationsjahr 1923 ging es turbulent zu. Im Februar zahlten Schötz 100 M, Weishart 100 M und Geiger 80 M, die „Gemeindeumlag“ hat 32 M 40 Pf betragen, die „Bezirksumlag“ 7,20 M, für „Borto“ wurde eine Mark aufgewendet. Im April zahlten Schötz  und Weishart je 3 Millionen und Geiger 2 Millionen. Als Ausgabe sind zu lesen: „Bezirksbauernkammerumlag“ 45 M, „Gemeindeumlag“ 2100 M. Im Oktober war eine „Bezirkskammerumlag“ mit 1.800.000 Mark fällig. Steinbauer stellt die Einnahmen den Ausgaben gegenüber und stellt einen Einnahmeüberschuss von 7.198.108,15 Mark fest und übergibt an Magdalena Hösl. Die zu zahlenden Umlagen wurden jeweils vom Gemeindediener Altmann eingehoben und im Steuer-Quittungsbuch bescheinigt.

1924 zahlten die drei Nutzer jeweils 1,20 Rentenmark; dann war die „Grund-Haussteuer“ in Höhe von 3,56 M und die „Gemeindeumlag“ von 0,90 M fällig. Da die Einnahmen die Ausgaben nicht decken konnten, wurden von Weishart 0,40 M, Schötz 0,30 M und von Geiger 0,20 M erlegt. Für das Wirtschaftsjahr 1924/25 rechnet Ortsführer Johann Weinzierl für Xaver Kronfeldner ab, der Einnahmerest beträgt 5,52 M. 1925/26 steigt das Vermögen auf 8,79 M, die Nutzer der Grundstücke zahlen zusammen 9 M, Schötz 3 M, Weishart 4 M und Geiger 2 M. 1926/27 sind  10,42 M an Ausgaben zu leisten, neben der „Gemeindeumlag, der Grund- u. Haussteuer, der Bezirksumlag und der Bezirksbauernkammerumlag“ ist neu eine Unfallversicherung zu zahlen. Die Grundsteuer 1927 wird beim Finanzamt Mitterfels eingezahlt, Johann Kerscher übergibt ein Guthaben von 7,37 M an Johann Weinzierl. Für den 1928 verstorbenen Gemeindediener Altmann hebt nun der Gemeindediener Eichmeier die Umlagen ein. 1929 übergibt Ludwig Meier einen Barbestand von 6,74 Mark. 1934 rechnet Xaver Groß ab, die Einnahmen betragen nun 8 Mark, die Zahlung von Schötz wurden von 3 auf 2 M reduziert.

1937 sind die Zahler auf der Einnahmeseite Weishart 2 M, Schötz 1,50 M, Geiger Karl 1 M, Höpfl 2 M, Kronfeldner Franziska 0,50 M und 23 Beiträge [der Ortsgemeindeberechtigten] a‘ 30Pfennig = 6,90 M. Damit konnte der Kassenführer Josef Deschl den Einnahmen von 13,40 M Ausgaben von 13,09 M gegenüberstellen. Der Guthabenrest beträgt 0,81 M. Deschl übergibt an Georg Seitz, der für 1938 wieder eine erfreuliche Abrechnung vorlegen kann: Es fallen an Ausgaben nur die Bezirksumlage von 0,63 M und die Gemeindeumlage von 2 M an, zusammen 2,63 M; Die Einnahmen betragen 7 M, es bleibt ein Rest von 5,18 M. 1939 gehen offenbar keine Zahlungen ein, das Guthaben fällt nach Zahlung der Gemeindesteuer von 2,80 M auf 2,38 M. Deschl übergibt an Georg Seitz, dieser an Rupert Marchl. Marchl übergibt an Anton Bugl 1941 ein Guthaben von 11,02 M. Bugl  übergibt 1942 an Kronfeldner Franziska 18,02 M.

1939 ist zuletzt eine Gemeindesteuer von 2,80 M, 1941 zuletzt die Unfallversicherung von 2,70 M angefallen, danach werden ausschließlich nur Einnahmen abgerechnet.. Die Einnahmen bilden die Zahlungen von Bornschlegl Josef 1,50 M, Weishart Martin 2 M, Geiger Karl 1 M, Höpfl Nax 2 M, zusammen 6,50 M. Franziska Kronfeldner übergibt am 16.01.1943 an Johann Feldmeier ein Guthaben von 24,52 M. Dieser ein Jahr später an Rosa Neumeier 31,02 M. 1945 übergibt Rosa Neumaier an Josef Steinbauer 37,72 M, dieser 1946 an Lina Zitzelsberger 44,52 M. 1946 rechnet erhält Josef Steinbauer die Kasse und erhält 51,52 M. 1947 rechnet Lina Zitzelsberger ab. Maria Gstettenbauer übernimmt von Zitzelsberger am 24.12.1947 ein Guthaben von 58,52 M.

Die Währungsreform am 21.06.1948 vernichtet das vorhandene Guthaben, es gibt die Deutsche Mark. Es werden eingenommen: Bornschlegl Jos. 1,50 DM, Weishart 2 DM, Geiger Karl 1 DM, Kronfeldner 0,50 DM, Höpfl Max 2 DM, zusammen 7 DM. Diese werden am 9.1.1949 an Xaver Müller übergeben. Xaver Müller übergibt ein Jahr später 14 DM an Johann Kerscher, dieser ein Jahr später 21 DM an Ottilie Weinzierl. Ottilie Weinzierl übergibt am 31.12.1951 28 DM an Johann Meier. 1952/53 verbucht Meier für zwei Jahre den Betrag von 14 DM als Einnahme. Das Guthaben beträgt 42 DM. 1954 kommen wieder 7 DM dazu, das Guthaben beträgt 49 DM. Dieses Guthaben wird am 11.06.1955 von der Gemeindekasse Hunderdorf vereinnahmt. Die Einnahmen für 1955 von 7 DM wurden am 4.11.1955 an die Gemeindekasse abgeführt. Für welchen Vorteil die Ortsgemeinde das Geld an die Gemeinde abgeliefert hat, erschließt sich aus den Aufzeichnungen nicht.

1956 erhält Georg Deschl die Einnahmen von 7 DM für Auslagen unserer Kirche. Die Einnahmen von 1957 werden von Xaver Groß an Xaver Baier übergeben. Von diesem zusammen mit den Einnahmen 1958 an Max Höpfl (14 DM). 1959 beträgt das Guthaben 21 DM und wird an Xaver Karmann weitergereicht. Am 27.02.1961 übergibt Georg Seitz an Georg Deschl 27 DM. Am 15.1.1962 schließen die Eintragungen mit den regelmäßigen Einnahmen von 1961 von 7 DM mit einem Guthaben von 34 DM und dem Vermerk „Am 1.12.68 hat Xaver Groß dieses Büchlein mit einem Geldbetrag von 24.- DM übernommen. Kronfeldner Max, Jos. Weinzierl“

Das Jahr 1968 weist Einnahmen von 80 M „von der Ortssammlung“ und „v. d. Wirtin übernommen 24.- DM“ und 71 M für Ausgaben aus. Diese sind für „24 m Glockenseil 23 M, für 2 Ämter u 1 Messe 32 M, fürs Kirchenputzen 3 mal 16 M“, „Restbetrag 33.- DM“. 1969 kommen wieder von der Ortssammlung 65,50 DM, 1 Amt und 2 x Kirchenputzen reduzieren die Aktiva um 38 .- DM, so dass 60,50 DM ins neue Jahr übergehen. Auch für 1970 kommen von der Ortssammlung 72,50 DM, die für Ämter, 2 x Kirchputzen und 2 Vasen, zusammen 43 DM ausgegeben werden.  Hier enden die Eintragungen.

Ortsgemeindeberechtigte

Interessant sind die Eintragungen auf der 3. Umschlagseite, wohl von 1919, die die Ortsgemeindeberechtigten auflisten: „Kronfeldner 1 mal, Feldmeier H 1 mal, Kringschneider 1 mal, Steinbauer 2 mal, Zitzelsberger 1 mal, Gstettenbauer 1 mal, Müller 1 mal, Kerscher 1 mal, Weinzierl 1 mal, Meier Ludwig 2 mal, Meier Andreas 1 mal, Groß 2 mal, Baier Xav 1 mal, Höpfl 1 mal, Karmann 1 mal, Deschl 2 mal, Seitz 1 mal, Marchl 1 mal, Bugl 1 mal“.

Aus alten Zeitungen und Druckwerken