1895

Bogen, 11. Febr. Seit einer Woche sin dahier die Erdarbeiten für den Bahnbau zwischen Ittling und Sand, sowie von Bogen bis Berndorf völlig eingestellt. Die Maurerarbeiten an den Kunstbauten mußten schon früher bei Eintritt des Winterfrostes ausgesetzt werden. Häufig treibt die Donau so viel Eis, daß der Verkehr zwischen den beiden Ufern der Brückenbaustelle bei Sand, der bisher durch kleine Zillen vermittelt wurde, gestört ist. Glücklicherweise konnten die Gründungsarbeiten für die Widerlager und Pfeiler der Eisenbahnbrücke noch im Spätherbst fertig gestellt werden. Die Ueberführung der Lokalbahn Straubing-Konzell war ursprünglich weiter donauaufwärts ganz nahe bei der Seilfähre in Sand gedacht an einer kurzen Einschnürung des Flusses, wo derselbe seine Normalbreite besitzt. Auf diese Weise hätte die Brücke eine mäßige Länge erhalten. Allein bei dem großen Überschwemmungsgebiet der Donau, das sich schon bei gewöhnlichen Verhältnissen über die Oberalteicher Auen erstreckt, erschien es bedenklich, durch Anlage eines hogen Bahndammes von respektabler Länge einen Aufstau des Hochwassers nach Oberalteich hien künstlich zu schaffen. Infolge dieser Befürchtungen, die, obgleich berechtigt, vielleicht zu sehr betont wurden, erfolgte eine Umprojektierung in dem Sinne, daß die Brückenbaustelle weiter abseits von Oberalteich thalabwärts gewählt wurde. Man entschloß sich, die Donau an einer sehr viel breiteren Stelle zu überschreiten, wodurch die Brücke eine erhebliche Verlängerung erfuhr. Freilich tauschte man den kleinen Vortheil mit ein, daß man die Bogener Insel benutzen konnte. In seiner jetzigen Form interessirt der Donauübergang durch seine Länge von 560 Meter, also mehr als ½ Kilometer. Wie verlautet werden 18 Oeffnungen den Hauptarm, die Insel und die Bogenr Rinne überspannen. Die Landpfeiler tragen meist Steingewölbe, die Flußpfeiler eiserne Fachwerke von verschiedenen großen Spannweiten. Im Hauptarme der Donau soll die Schiffahrtsöffnung mit einer größeren Spannung von etwa 60 Metern ausgeführt werden. Auch für die Alteich wird eine geräumige Flutbrücke hergestellt. Die in Norddeutschland so beliebte Manier, die auf der Großhesseloher Brücke bei München berücksichtigt ist, Eisenbahnbrücken auch für Personenverkehr einzurichten, kommt hier nicht zur Anwendung.
Quelle: Straubinger Tagblatt 13.02.1895


Bogen, 6. März. Durch den heuer so lange anhaltenden Schnee und die damit verbundene Unmöglichkeit der Wiederaufnahme der bereits seit Ende Januar eingestellten Eisenbahnarbeiten hat sich die Noth unter den den Winter hier zubringenden Bahnarbeiterfamilien erheblich gesteigert. Seit Wochen schon ohne Verdienst befinden sich besonders Jene in bitterer Armuth, deren Charakter sie vom Bettel zurückhält, worunter natürlich auch so manches unschuldige Kind durch Hunger zu leiden hat. Erst heute wieder war es bei den Knaben einer während des Sommers und Herbstes fleißig beschäftigten Familie das erste Wort Morgens beim Erwachen: „Mutter, muß ich heute wieder ohne Brod in die Schule?“ Von einem warmen Frühstück hatte man in dieser Familie ohnedieß schon Umgang genommen, aber auch das Brod ging zu Ende und der Kleine mußte mit leerem Magen zur Schule. Man möchte daher im Interesse dieser Hausarmen an die bemittelte Einwohnerschaft Bogens, die guten, wohlthätigen Zwecken noch nie ihre Hilfe versagt hat, die Bitte richten, eine Uebereinkommen zu treffen bezüglich einer Suppenanstalt, in der auch den sich des Bettels schämenden armen Arbeitern mit ihren Kindern wenigstens einmal des Tages warme Suppe verabreicht würde. Zur Ehre unserer Einwohnerschaft sei es gesagt, daß die zum Bettel Beherzten hier immer die nöthige Unterstützung gefunden haben. Das den „stillen Armen“ zu gute kommende Unternehmen dürfte ja nur noch einige Wochen bis zum Wiederbeginn des Verdienst bringenden Bahnbaues bestehen und der Segen sich in den eigenen Bewußtsein, eine gute That vollbracht zu haben, finden.
Quelle: Straubinger Tagblatt 08.03.1895


St. Englmar, 6. März. Mehr und mehr scheint die Mode zurückgreifen zu wollen zu den alten Trachten. Um nun eine im modernen Leben gewöhnlich verachtetes Kleidungsstück der guten alten Zeit wieder zu Ehren zu bringen, hat sich hier ein Verein von jungen und alten, von verheiratheten und unverheiratheten Männern gebildet, denen am Wiederaufblühen jenes drollogen Dinges gelegen ist. Wer kennte sie nicht, jene schwarzwollene oder seidene Tütenform mit der unvermeidlichen Quaste, die liebe Zipfelhaube? Wer wüßte nicht, wie wohltuend es ist, wenn man an kalten Wintertagen, wo eisige Winde dahinstreichen, über die Ohren und das oft leider zu früh kahl gewordene Haupt die Zipfelhaube schiebt! Gleich dem kostbaren Pelze hält sie warm und macht dem Wandersmann das Reisen leichter. Möge daher keiner den Mund zum Lachen öffnen, wenn er die Zipfelhaube auf einem jungen oder greisen Haupte thronen sieht; er würde nur beweisen, daß er den Werth derselben noch nicht erkannt hat. Darum vivat, Vereinsbrüder, die Zipfelhaube soll leben! – Noch nicht genug! Die Zipfelhaube gehört dem Winter, was aber im Sommer? Das war die Frage. Schnell war der Entschluß gereift, der zur Einführung eines nur für Englmar und Umgebung bestimmten Hutes führte. Gleich den Bewohnern des bayerischen Oberlandes, die ja so schmuck sich präsentieren mit ihren grünen, spitzverlaufenden Hüten, geziert mit Spielhahnfeder oder Gamsbart, gleich ihnen möchten auch wir für ein Ding sorgen, daß den Bewohner der Berge kennzeichnet. Lassen wir sie freidlich neben einander bestehen, den Zipfel und den Hut, auf den Bergen lebt sich’s gut! Freilich jetzt gerade weniger; Was aber der böse Winter an uns verbrochen, der liebe Sommer wird es schon wieder bessern. – Weiter! Wer in die Berge kommt will etwas sehen. Um nun keinen der schönen Punkte des bayer. Waldes, speziell unseres Theiles zu übersehen, wurde allhier ein Fremdenführer aufgestellt, der um ein ganz geringes Honorar den Naturfreund dahin zu geleiten hat, wohin sein Herz verlangt. Bei diesem Führer sind auch Bergstöcke leihweise und käuflich zu verlangen. Die rührige Waldvereinssektion Bogen ist in jeder Weise bereit, unser begonnenes Werk vervollständigen zu helfen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 08.03.1895


Bogen, 4. April. Seit dem Zurücktrtetn des Hochwassers beginnt sich der Bahnbau wieder zu regen. Während bei Ittling und Sand die Arbeit mäßig voranschreitet, herrscht auf dem lonken Donauufer am Einschnitte des sog. Eichenberges ein eifriges Leben, Gegen 100 Arbeiter sind hier beschäftigt, die Erdmassen des etwa 7 m tiefen Einschnittes auf einer stark geneigten Rollbahn in den sich anschließenden Damm zu befördern. Auch gegen Berndorf zu werden jetzt die Erdarbeiten wieder aufgenommen. Vor einigen Tagen traf hier ein Trupp italienischer Maurer ein, um alsbald mit dem Mauerwerk der Brücken und Durchlässe auf der Strecke Berndorf-Steinburg zu beginnen. Dem Benehmen nach werden auch diesem Sommer die Stationsgebäude noch errichtet, so daß Hoffnung besteht, die Bahn könne im Spätherbst oder Winter bis Steinburg provisorisch eröffnet werden, dabei vorausgesetzt, daß die Vollendung der Donaubrücken keinen Schwierigkeiten begegnet.
Quelle: Straubinger Tagblatt 06.04.1895


Englmar, 4. April. Gemäß Entschließung der k. Generaldirektion der Posten und Telegraphen wird im kommenden Frühjahr eine Telegraphenverbindung zwischen Bogen über Steinburg nach Englmar hergestellt, was von der ganzen Umgegend freudig begrüßt wird.
Quelle: Straubinger Tagblatt 06.04.1895


Bogen, 10. April. Gestern Nachmittags wurde ein Arbeiter beim Bahnbaue von einer Erdmasse theilweise verschüttet und ihm eine Fuß abgedrückt; auch Seitenquetschungen erlitt er. Ob er mit dem Leben davon kommen wird, ist zweifelhaft.
Quelle: Straubinger Tagblatt 11.04.1895


Hunderdorf, 21. April. Ein großartiger Leichenzug bewegte sich gestern dem hiesigen Friedhofe zu: es galt, die irdischen Ueberreste des plötzlich verstorbenen Herrn Lehrers Adalbert Rüby von hier dem Grabe zu übergeben. Inmitten seiner Thätigkeit warf ihn eine tückische Influenza aufs Lager und nach 5tägigem Leiden war die eiserne Natur vernichtet. Von den Leidtragenden sind besonders zu erwähnen die H. H. Geistlichen, der in stattlicher Zahl vertretene Veteranen- und Krieger-Verein Hunderdorf, sowie 25 Lehrer, welche ihrem treuen Kollegen die letzten Klänge weihten. Namens der Lehrerschaft legte Hr. Bez.-Hauptlehrer Brandner von Bogen einen prachtvollen Kranz auf das Grab. Die Schule verliert einen sehr pflichtgetreuen Lehrer, die Gemeinde einen stets hilfsbereiten Berather, die Lehrer einen liebenswürdigen Kollegen. Möge er in Frieden ruhen!
Quelle: Straubinger Tagblatt 24.04.1895


Aus dem Bezirke Bogen, 17. Juni. Die Eisenbahnarbeiten gehen nunmehrrasch vorwärts, die Herren Ingenieure laufen mit ihren Meßinstrumenten hastig den Bahnkörper auf und ab und suchen die Bahnlinie Mitterfels näher zu führen, die Rollwägen lassen ihr Getöse weithin vernehmen, die Wurm’sche Fabrik zu Berndorf und die umliegenden Ziegelöfen arbeiten aus allen Kräften, um Fracht für die Bahn zu schaffen. Mancher Spekulant hält bereist Umfrage nach Lagerplätzen in Steinburg und Berndorf, auf die schönsten Steinbrüche bei Haibach wird spekulirt. Der Markt Bogen erfreut sich jetzt schon einer regen Frequenz und alles ersehnt den Tag der Eröffnung dieser Bahn herbei, da voraussichtlich der ganze Verkehr eine erfreuliche Umgestaltung erhalten wird. Die Telegraphenwärter sind vollauf thätig mit Herstellung der Telegraphenlinie Bogen-Haggn- und Englmar. Sobald die se Linie hergestellt ist, soll mit jener Straubing-Saulburg-Wiesenfelden begonnen werden. Alle diese zweckmäßigen Einrichtungen haben wir unserm Landtagsabgeordneten Hrn. Posthalten Echinger von Englmar zu verdanken.
Quelle: Straubinger Tagblatt 19.06.1895


Neukirchen b. Haggn, 21. Juni. Gegenüber dem Artikel in Nr. 115 des „Tagbl.“ Aus Neukirchen, das 4. Arbeitslos der Bahn Straubing-Konzell betr., ist Folgendes zu berichtigen: die betr. Grundbesitzer können das nicht als eine Grundablösung erkennen, wenn nicht vorher ausgesprochen wird, was, wo und wann sie Entschädigung bekommen. Eine Grundablösung verweigert Niemand, aber bisher wurde ihnen auf ihre Frage, was sie denn für ihren Grund bekämen, nur gesagt: das wissen wir selber nicht! Unter solchen Umständen braucht man auch keinen Winkeladvokaten, denn das versteht sich ja von selbst, daß man ohne Entschädigung nichts hergibt.
Quelle: Straubinger Tagblatt 23.06.1895


Bogen, 20. Juli. Heute Vormittags 10 ½ Uhr wurde der Schlußstein der Donaubrücke unter donnernden Böllersalven gelegt. Der eigentliche Brückenbau wurde begonnen in der zweiten Hälfte des Juni 1894, und aber durch ungünstige Wasserstände wurde der Bau äußerst verzögert. Die Führung dieses genialen Werkes, welches aus 21 Pfeilern und 4 Widerlagern besteht, war in den erprobten Händen des Herrn Oberbauführers Kappler. Die Eisenarbeiten sind nun in der größten Entfaltung, und auch binnen ca. 4 Monaten dieses Prachtobjekt der Brückenbautechnik vollendet sein. Die Granitgesellschaft Regensburg gab heute den betheiligten Arbeitern bei Kain ein festliches Mahl. Es verdient auch gesagt zu werden, daß im Widerlager links der Donau eine durch Herrn Max Färber von hier verfaßte Urkunde über die Geschichte Bogens sich befindet, welche in Wort und Bild einer kommenden Zeit erhalten bleiben möge!
Quelle: Straubinger Tagblatt 23.07.1895


Bogen, 18. Sept. An unserer Eisenbahnbrücke schreite die Arbeit in rüstiger Weise dahin. Die bewegte Zeit des Arbeitslebens liegt aber längst hinter uns, und gleich den Zugvögeln verlassen jetzt Arbeiter wie auch technisches Personal den Ort. So vergeht denn fast kein Tag ohne Abschiedsfeier. Jene des Oberbauführers Kappler zeichnete sich durch große Betheiligung seitens der Bürgerschaft besonders aus. Durch das Scheiden dieses Herrn, welcher allseitig durch sein freundliches Wesen beliebt war, tritt nun auf unserer Strecke die Vollendung der Linie in ihr letztes Stadium. Wir rufen dem Scheidenden noch nach: Lebe wohl und Glück auf zu fernerem Wirken!
Quelle: Straubinger Tagblatt 20.09.1895


Straubing, 27. Sept. Die Bahnlinie Straubing-Konzell wird in diesem Jahre noch bis Steinburg fahrbar, und ist die Abfahrt und Ankunft der Züge wie folgt festgesetzt:

Straubing                    ab 7,40 Früh  –  12,20 Mittag  –  6,26 Abd.

Ittling                          ab 7,54   „      –  12,34    „        –  6,40    „

Sand                           ab 8,–   „       –  12,40    „        –  6,46    „

Bogen                         ab 8,09   „       –  12,49    „        –  6,55    „

Berndorf                     ab 8,20   „      –    1,–    „          –  7,06    „

Hunderdorf                ab 8,34   „      –    1,14    „          –  7,20    „

Steinburg                    an 8,46   „      –    1,26    „          –  7,32    „

Retourfahrt:

Steinburg                    ab 5,47 Früh     –   10,27 Mittag       –  4,– Abd.

Hunderdorf                „  5,58   „         –   10,38    „             –  4,11    „

Berndorf                     „   6,10   „         –   10,50    „             –  4,23    „

Bogen                         „   6,21   „         –   11,01    „             –  4,34    „

Sand                           „   6,29   „         –   11,09    „             –  4,42    „

Ittling                          „   6,36   „         –   11,16    „             –  4,49    „

Straubing                    an 6,50   „         –   11,30    „             –  5,03    „
Quelle: Straubinger Tagblatt 28.09.1895


Vom Degenberg, 9. Okt. Was ein ziemlich großer Theil der Pfarrei Schwarzach schon längst sehnlichst gewünscht hat, ist heute in Erfüllung gegangen. Auf dem Degenberge stand einst ein Kirchlein, in welchem bis zum Jahre 1803 das heilige Opfer dargebracht wurde. Das Kirchlein wurde aber im Jahre 1810 verkauft und dann abgebrochen, und von da an haben die guten Degenberger in ihrer Mitte kein Kirchlein mehr gehabt und keinen Gottesdienst. Vor ca. 20 Jahren nun ist am Abgang des Degenberges wieder ein Kirchlein erstanden. Aber widrige Verhältnisse verzögerten die Feier des hl. Opfers, zudem haben Frost und Feuchtigkeit in letzter Zeit das Kirchlein in einen für diesen Zweck unwürdigen Zustand versetzt. Der Rührigkeit des hochw. Hrn. Pfarrer S. Holzner ist es endlich gelungen, dieses schöngelegene Kirchlein für den Gottesdienst einzurichten. Hr. Kunstmaler Hann von Regensburg hat um verhältnismäßig geringen Preis das Innere der Kapelle in einer Weise renoviert, daß man seine helle Freude daran haben kann. Heute nun, nachdem die Renovation von Innern und Außen in gleich würdiger Weise vollendet ist, konnte die Kapelle dem gottesdienstlichen Gebrauch wieder übergeben werden. Der hochw. Herr Pfarrer S. Holzner nahm kraft bischöfl. Erlaubniß die Benediktion vor und hielt dann selbst unter außerordentlicher großer Betheiligung der Pfarrangehörigen seit 72 Jahren zum Erstenmale wieder auf dem Degenberg Amt und Predigt. Wer die Leute bei dieser Feier beobachtet hat und zugleich bedenkt, daß diese Kirche schon die dritte ist, welche in kurzer Zeit gebaut, resp. Würdig restauriert wurde, der muß gestehen, daß im Schwarzacher Pfarrsprengel noch ein ausgezeichneter kath. Kern steckt. Den gesanglichen Theil bei dieser schönen Feier führte der wegen seiner guten Leistungen schon bekannte Schwarzacher-Chor zur größten Zufriedenheit durch.
Quelle: Straubinger Tagblatt 13.10.1895


Bogen, 16. Okt. …. Heute Mittag wurde die letzte Niete zur Eisenbahnbrücke geschlagen; somit wäre die Brücke nun fertig.
Quelle: Straubinger Tagblatt 18.10.1895


Deggendorf, 15. Okt. Von dem Umfange und der Leistungsfähigkeit der Dampfziegelei von Wurm und Cie. in Bärndorf bei Bogen kann man sich einen kleinen Begriff machen, wenn man die zur Zeit an der Donau dahier liegenden riesigen Mengen von Falz-Dachziegeln betrachtet. In einer mehr als 50 Meter langen Zeile sind Tausende und Abertausende solcher Ziegel aufgeschichtet. Die billige Wasserfracht hieher – die Fabrik verfügt selbst über eine Anzahl Plätten – erhöht die Conkurrenzfähigkeit der Firma. Bekanntlich befindet sich auch in Holzberg bei Hengersberg eine bedeutende Dampfziegelei, deren Erzeugnisse sich ebenfalss des besten Rufes erfreuen. Sollte – was zu wünschen – das Kohlebergwerk bei Schwanenkirchen prosperiren und eine Lokalbahn Hengersberg-Deggendorf je zustande kommen, dann erstünde der obengenannten Bärndorfer Firma durch das Holzberger Etablissement eine gefährliche Conkurrenz, welche übrigens auch den jetzigen Verkehrsverhältnissen nicht unterschätzt werden darf.
Quelle: Straubinger Tagblatt 18.10.1895 


Straubing, 9. Dez. Gestern fand die Eröffnung der Lokalbahn Straubing-Bogen statt. Ein rauher Wind fegte über die Donauebene, als mittags nach 12 Uhr der von der kgl. Generaldirektion der Verkehrsanstalten in liebenswürdigster Weise den Festtheilnehmern zur Verfügung gestellte, durchweg aus funkelnagelneuen Wagen bestehende Zug mit bekränzter Lokomotive zum Straubinger Bahnhof hinausfuhr.  Das aus den beiden städtischen Collegien gebildete Festkomite hatte zahlreiche Einladungen an die kgl. Behörden, die Geistlichkeit, das Offiezierscorps, die Herren Aerzte und sonstige im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten ergehen lassen, und war von dieser Einladung ausgiebig Gebrauch gemacht wurden. Das Geleiese der neuen Bahn läuft bis zum Friedhof St. Michael neben der Passauerstraße her, wendet sich dann in mäßigem Bogen über das Moos hin nach Nordost. Die erste Station ist Ittling, wo die Bevölkerung den langsam durchfahrenden Zug freudig begrüßt. Weiter geht es an dem Dorfe Sand vorbei, wo eine einfache Tafel zur Zeit die Haltestelle bezeichnet. Noch eine kurze Strecke und der Zug donnert über das Ueberschwemmungsgebiet und die Donau in kühnen Bogen übersoannende Brücke. Böllerschüße krachen, die den Zug begleitende Musikkapelle intonirt einen flotten Marsch, und unter den jubelnden Hochrufen des längs des Perrons aufgestellten Schuljugend und der recht zahlreich erschienenen Bevölkerung Bogens fährt der Zug in die Station ein. Nachdem die Waggons sich entleert, Trat alsbald Hr. kgl. Bezirksamtmann Schödtl in Begleitung der kgl. Beamten und des Hrn. Bürgermeisters Halser vor und begrüßte in seiner Ansprache die Festgäste. Bedauernd, daß die kurze gegebene Frist zur Vorbereitung einen festlichen Empfang in größerem Maßstabe nicht ermöglichte, versicherte er, daß nichtsdestoweniger die ganze Einwohnerschaft Bogens hoch erfreut sei über das Erscheinen der hochverehrten Festgäste. Hr. Bezirksamtmann dankte insbesonders dem Vertreter der k. Staatsregierung, Hrn. Regierungsrath Frhrn. V. Aretin, für dessen Erscheinen, nicht minder aber für die den Markt Bogen so ehrende Beteiligung der Stadt Straubing. Er gab den Gefühlen des Dankes gegen die k. Staatsregierung für die durch deren Fürsorge gewährte Eisenbahn Ausdruck, von welcher sich Markt und Distrikt neuen wirtschaftlichen Aufschwung erhofften und drückte zum Schluße den Wunsch aus, die Herren von Straubing recht oft in Bogen begrüßen zu können, wo sie stets willkommen seien. Namens der Stadt Straubing erwiderte sodann dankend Hr. Bürgermeister v. Leistner die freundliche Begrüßung. Der heutige Tag sei von den Bewohnern Straubings längst ersehnt worden. Auch er erwarte sich gute nachbarschaftliche Beziehungen und wünsche, daß die Bahn Allen zum Segen gereiche, daß Gott walten möge. Herr Bezirksmatmann Schödtl ergriff sodann noch einmal das Wort. Es sei Pflciht diese Feier nicht ohne loyale Kundgebeung für das königliche Haus vorübergehen zu lassen. In das von ihm auf Se. Kgl. Hoheit den Prinz-Regenten ausgebrachte Hoch wurde lebhaft eingestimmt. Dann ging es in festlichem Zuge, welchen die Kränze und Fähnlein tragende Schuljugend eröffnete, mit klingendem Spiele in den beflaggten Markt hinein. Dort vertheilten sich die Festgäste in verschiedene Lokale, wo bei ungezwungener Unterhaltung die wenigen gewährten Stunden rasch verflogen. Um 4 Uhr wurde seitens der Straubinger Gäste die Rückfahrt angetreten. Bemerkt sei hier, daß auch Hr. Generaldirektions-Assesor Abt die Eröffnungsfahrt mitmachte. Auch Hr. Abg. Echinger war Theilnehmer an der Feier. Abends beging die Einwohnerschaft Straubings das freudige Ereigniß durch die Reunion im Colisseumsaale, wobei die Kapelle des kgl. Infanterie-Regiments aus Regensburg in exquisiter Weise concertierte und in mehren Reden seitens der Herrn Bürgermeister v. Leistner, Regierungsrath Frhr. v. Aretin, Magistratsrath Schenk und Justizrath Börger der Freude über die neue Errungenschaft Ausdruck gegeben wurde. Und am gleichen Tage fuhr zum Letztenmale der Postomnibus nach Bogen hinein in den nebeligen feuchtkalten Winterabend. Tempora mutantur! Die Bogener aber freuen sich, daß es so gekommen und daß auch ihr schöner Markt miteinbezogen ist in das Eisenbahn-Netz, das in Tausenden von Zweigen den Continent überspannt. Nicht minder freuen sich die Straubinger der Bahn, die ihnen eine neue kleine, aber schöne Welt erschloßen. Und zieht erst der Lenz wieder ins Land, da werden sie nicht säumen, sich derselben zu erfreuen. Wir aber schließen mit den schlichten aber schönen Worten, in denen die Begrüßung des Hrn. Bürgermeisters von Leistner gipfelte: „Möge die neue Bahn Allen zum Segen gereichen. Das walte Gott!“
Quelle: Straubinger Tagblatt 10.12.1895


Straubing, 10. Dez. Der Verkehr auf der neuen Linie Straubing-Bogen erfolgt, wie nachstehend angegeben,

Straubing-Bogen

Straubing                    ab 7,40 Früh  –  12,20 Mittag  –  6,26 Abd.

Ittling                          „  7,54   „      –  12,34    „        –  6,40    „

Sand                           „  8,–   „       –  12,40    „        –  6,46    „

Bogen                         an 8,09   „       –  12,49    „        –  6,55    „

Bogen-Straubing

Bogen                         ab 6,21   „         –   11,01    „             –  4,34    „

Sand                           „   6,29   „         –   11,09    „             –  4,42    „

Ittling                          „   6,36   „         –   11,16    „             –  4,49    „

Straubing                    an 6,50   „         –   11,30    „             –  5,03    „
Quelle: Straubinger Tagblatt 10.12.1895


Bekanntmachung

Jagdverpachtung betr.
Die Jagd der Gemeinde Steinburg, ca. 174 ha umfassend wird in einem Jagdbogen am
Montag den 16. Dezember l. Js. Nachm. 2 Uhr
Im Gasthause des Herrn Bierbrauers Georg Götz in Steinburg auf 6 Jahre an den Meistbietenden öffentlich verpachtet.
Die Bedingungen werden am Versteigerungstermine bekannt gegeben.
Am 7. Dezember 1895.
Gemeindeverwaltung Steinburg
Kraus, Bürgermeister.
Quelle: Straubinger Tagblatt 10.12.1895


Straubing, 12. Dez. Die ersten Fahrten auf der Bahnlinie Straubing-Bogen waren von den Stürmen begleitet, möge das keine schlimme Vorbedeutung sein. An eine solche glauben wir hier auch nicht. Bogen, in anmuthiger Gegend gelegen, ist ein berühmter Wallfahrtsort und ist auch als Vergnügungsort häufig und gerne besucht. Die neue Bahn rückt diesen Marktflecken dem allgemeinen Verkehr näher und erschließt zudem eine waldreiche Gegend. Früher strömten die Wallfahrerin großen Massen nach Bogen, und hat dieser Umstand die Zahl der Gasthäuser im Laufe der Zeit bedeutend erhöht. Das Bier hatte einen guten Ruf, den es nicht im mindesten seinen vorzüglichen Felsenkellern dankte. Es hat eine Zeit gegeben, zu welcher das Bogener Bier auf Schiffen und Flössen sogar nach der Kaiserstadt an der Donau ausgeführt wurde. Da sich mit der Bahn in Bogen der Fremden- und Wallfahrerverkehr voraussichtlich bedeutend heben wird, so werden die Herren Bierbrauer wohl nicht verfehlen, ihren Bieren den guten Ruf zu erhalten und eventuell wieder zu gewinnen. Wie heißt es doch? Das Gute bricht sich Bahn, aber die Bahn bringt auch das Gute. Nebenbei bemerkt war der Verkehr der neuen Bahn bis jetzt ein sehr guter.
Quelle: Straubinger Tagblatt 13.12.1895


Steinburg, 16. Dez. Einer Falschmünzer-Gesellschaft ist man auf die Spur gekommen. Der abgehauste „Birklbauer“ und nachmalige Krämer Mich. Odermaier in Wegern bei Steinburg wurde am vergangenen Donnerstag in Regensburg verhaftet, nachdem er in einem dortigen Gasthause für eine Halbe Bier ein falsches 10 Pfg.-Stück verausgabt hatte. Bald darauf wurde auch der ehemalige Viktualienhändler Josef Weinzierl, Inwohner in Seethal bei Pürgl, in Haft genommen, welcher die Münzen angefertigt haben soll.
Quelle: Straubinger Tagblatt 18.12.1895


Bogen, 27. Nov. Gegenüber der von mehreren Blättern gebrachten Nachricht, daß die Güterhalle in der Haltestelle Bogen sich jetzt schon als zu klein gezeigt hätte und daß der dortige Betriebsleiter gezwungen gewesen sei, an einem Tage wegen Mangel an Platz mehrere Güter zurückzuweisen, wird mitgetheilt, daß die Bogener Güterhalle nur an einem einzigen Tage, unmittelbar nach der Eröffnung der Theilstrecke Straubig-Bogen wegen der Bahneröffnungen in der Regel stattfindenden außergewöhnlichen Anhäufung von Sendungen überfüllt war, daß aber auch an diesem Tage Güter nicht zurückgewiesen worden sind. Uebrigens wird sich die Bogener Güterhalle, in welcher zur Zeit nicht bloß der Lokalgüterverkehr, sondern auch jener des Hinterlandes anstandslos bewältigt wird, auch für die Zukunft um so mehr als genügend groß erweisen, als nach der in wenigen Monaten stattfindenden weiteren Theileröffnung der Lokalbahn Straubing-Konzell ein großer Theil des Verkehres von Bogen auf die entfernteren Haltestellen übergehen wird.
Quelle: Straubinger Tagblatt 29.12.1895

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