1896

Todes-Anzeige
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren innigstgeliebten Gatten, Vater, Groß- und Schwiegervater, Bruder und Schwager,
Herr Jakob Hirtreiter,
Privatier und Viehhändler in Hunderdorf,
nach 3wöchentlichem Leiden und Empfang der hl. Sterbsakramente im 66. Lebensjahre in die Ewigkeit abzurufen.
Um stilles Beileid bittet
Hunderdorf, 30. Dezember 1895
Die tieftrauernde Gattin Theres Hirtreiter
Nebst 2 Töchtern und übrigen Verwandten.

Die Beerdigung findet Mittwoch den 1. Januar Vormittags 9 Uhr statt. Der Siebente und Dreißigste werden am Donnerstag 2. Januar Vorm. 10 Uhr in der Pfarrkirche zu Hunderdorf abgehalten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 01.01.1895


Bogen, 30. Dez. Heute morgen wäre Hrn. Dr. Gäch beinahe ein großes Unglück passiert. Er fuhr nämlich nach Bogen, um dort gegen den Hochw. Pfarrer S. Holzner von Schwarzach, welcher wegen sogenannter unerlaubter Sammlung behufs Abhaltung einer Volksmission angeklagt war, als Zeuge aufzutreten. Das Pferd des Dr. wurde mehrmals hintereinander unruhig, Schlug alles zusammen, zerbrach die Deichsel, so daß er sein eigenes Fuhrwerk in Welchenberg einstellen mußte. Die Situation war so ernst, daß ein sonst sehr beherzter Mann, welcher dabei war, sagte: „Wahrhaftig, Männer, da dürft Ihr eine hl. Kesse lesen lassen, weil Ihr glücklich davon gekommen seid.“ Und der Doktor soll gesagt haben: „ich habe doch gar kein Glück, wenn ich gegen den Pfarrer etwas habe; heute ist schon wieder mehr hin, als die ganze Geschichte werth ist.“ Ja, ja, Herr Doktor, wir geben Ihnen den wohlgemeinten Rath, lassen sie den Hrn. Pfarrer endlich in Ruhe. Sie haben wirklich nicht viel Glück mit Ihren Angriffen gegen ihn. Diesmal ist es allerdings gelungen, den Hochw. Hrn. Pfarrer wegen des obigen Reates in Strafe zu bringen, denn Hr. Pfarrer wurde zu 6 Mark Geldstrafe und Herausbezahlung der freiwilligen Beiträge verurtheilt. Aber dem Denunzianten wird dies wohl auch keine Rosen bringen. In der Verhandlung wurde lediglich konstatiert, daß der Hr. Pfarrer freiwillige Beiträge erhielt, die anzunehmen er nicht befugt gewesen sei. Die Leute sind, so viel wir aus dem Munde anwesender Schwarzacher vernehmen konnten, sehr aufgeregt, daß ihre für die Mission gegebenen Geschenke und die bereits zur Deckung der Auslagen gelegentlich der Mission verwendeten freiwilligen Beiträge nun in die Armenkasse fließen sollen, zu der sie ohnehin so viele Umlagen zu zahlen haben. Schöffe war auch der Bauernbündler Buchner von Sandhof. Große Freude herrschte  darum auch unter den zahlreich erschienenen Bauernbündlern, und der Doktor soll gesagt haben: „Heute haben wir den Pfarrer v. S. verurtheilt.“ Hr. Dr.! Große Freud‘ reicht oft nicht weit! Weil wir gerade von Schwarzach reden, können wir es uns nicht versagen, noch ein Stücklein aus dieser Pfarrei mitzutheilen. Begeht da der jetzige Hr. Cooperator v. S. das horrende Verbrechen, bei drei Bauernbündlern der Pfarrei anzufragen, ob sie vielleicht zur Restaurirung des Kirchleins am historisch bekannten Degenberg etwas hergeben wollten. Diese drei Bauernbündler hatten sich nämlich zuvor mit mehreren anderen in einer Bittschrift an das hochw. Bischöfl. Ordinariat und an den hochw. Hrn. Pfarrer gewendet, es möge die Erlaubniß zum Messelesen in jener Kirche ertheilt werden. Die Sache wurde denunciert, und bald darauf hat der Coop. Ein Strafmandat bekommen, worin er zu 3 M. Geldstrafe und zur Herausbezahlung der bereits für die Restaurirung verwendeten Beträge verurtheilt ist. Hr. Cooperator v. S.! wir geben Ihnen den wohlmeinenden Rath, den Staub Schwarzachs möglich bald von Ihren Füßen zu schütteln; denn dieses Vorkommniß ist erfahrungsgemäß nur das erste Glied einer endlosen Kette von Verdrießlichkeiten, welche Ihnen bei fernerem Verbleigen i, S, gleich Ihren h. GG. Vorgängern noch bevorstehen. Die Schwarzacher mögen sich bei den Bauernbündlern bedanken, wenn sie wieder eine Zeit lang keinen Cooperator bekommen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 02.01.1896


Schwarzach, 12. Jan. Zu dem Artikel „Sammeln und Betteln“ in Nr. 6 des „Niederbayer. Anzeiger“ sei Folgendes zur Information gesagt: Im Schlusse des genannten Artikels heißt es: „Aber den Pfarrer bringt Niemand weg.“ Wer will denn denselben fort haben? Wer hat denn das größte Interessen an seinem Bleiben? Es hat wirklich den Anschein, als ob Niemand mehr in Schwarzach existiren würde und dürfte, als nur die Bündler allein. Aber so weit ist es denn noch nicht. Ist es ihnen auch vor der Hand gelungen, den H. H. Pfarrer und Cooperator in Strafe zu bringen für ihre Mühe und Aufopferung, so wird man auch bestrebt sein, seiner Zeit zu zeigen, daß auch noch andere Männer in der Pfarrei da sind, welche ein solches Verfahren mit Abscheu von sich weisen und treu und gewissenhaft zur Seite ihrer Geistlichkeit stehen. Freilich wohl kann Niemanden wundern, daß diese Herrn keinen Cooperator wünschen oder verlangen, ist ihnen ja das Wort „Katholisch“ ein wahrer Ekel; aber wegen dieser Handvoll Bündler kommt der Herr Cooperator nicht weg; denn da hat doch der hochw. Generalvikar auch ein Wort mitzureden. Ja, Bündler schlaft! Da Ihr des Sonntags oder an anderen Tagen keinen zweiten Priester braucht, schlaft des Sonntags über, so lange ihr wollt, denn es ist Euch doch nur darum zu thun, um so manches Wort, das in Euern Gewissen einen Eindruck machen könnte, nicht hören zu müssen, ja schlaft ruhig aus, dann könnt Ihr Montags wieder in eine Bundesversammlung fahren, und Euch neue Lorbeeren holen. Unsere Herren Geistlichen können sich nur damit trösten, daß unser Herr und Heiland vom Judas auch um 30 Silberlinge verrathen wurde, und diese Sorte Menschen ist auch heutzutage noch nicht alle geworden. Mögen die Herrn auch ein andermal schreiden, wir lachen über den reichen Fischfang, es könnte ihnen doch das Netz einmal zu früh zerreißen. Die paar Friedensstörer sollen die übrigen Schwarzacher in Ruhe lassen und lieber Eisenbahn bauen, ob wohl bisher auch nichts weiter geschehen ist, als leeren Worte, denn wenn es einmal ans Zahlen kommt, dann wird so Mancher  der jetzt schon in Gedanken fährt, mit der Hand in die Haare fahren und sagen: „Ja, das wurde uns nicht gesagt!“ Darum singen wir vor der Hand noch a Gsangl;
S‘ Eisenbahn Bau’n, dös war schon recht,
Wenn’s sich’s a rentirt sehr schlecht.
Denn kommt bei oan a mal ‚was aus
Is er doch glei im Narrenhaus.
Quelle: Straubinger Tagblatt 15.01.1896


Steinburg, 21. Febr. Die Arbeiten auf der Bahnstrecke der Lokalbahn Bogen-Steinburg nehmen wieder ihren rührigen Fortgang, so daß sicher zu erwarten steht, daß die Eröffnung dieser Strecke schon bis Mitte April oder 1. Mai l. Js. bethätigt werden könne, was von den Bewohnern des Vorwaldes sehnlichst erwartet wird.
Quelle: Straubinger Tagblatt 22.02.1896


Bogen, 20. März. Von hier schreibt man der Landshuter Zeitung: Mit Eröffnung der neuen Waldbahn Straubing-Konzell ist auc Landshut dem schönen bayr. Walde nähe rgerückt. Das herrlich gelegene Bogen mit seiner 650 Meter langen Eisenbahnbrücke, der längsten in Bayern und mit der lieblichen Wahlfahrt am weltnekannten Bogenberge wird daher gerne besucht werden, zumal wenn es bis 1. Mai auch bis Steinburg die Strecke eröffnet werden wird. Von Steinburg aus lassen sich bereits die schönsten Waldpartien (Hirschenstein-Predigtstuhl, Englmar) machen. Mögen daher Reiselustige aller Art, Studenten, Geschäftsleute, Lehrer, Beamte ec. Das schöne Bayerlandl auch von dieser Seite kennen lernen. Ist ja doch das biedere Waldlervolk sprichwörtlich geworden wegen seiner Treue im kath. Glauben, seiner Verlässigkeit in der Politik, seiner Genügsamkeit und seines Frohsinns. Leider mischt sich die Freude über die neue Bahn auch manche Befürchtung darüber, daß einzelne tüchtige Geschäftssparten bedeutenden Schaden erleiden werden z. B. Wagner, Schmiede und andere Geschäftsleute, die vom Fuhrverkehr großen Nutzen hatten. Besonders zu bedauern wäre der Rückgang der Wagenfabrikation, die in Bogen von der Firma Harlander, dann von den tüchtigen Sattlern Hier, Wührl, Weinzierl bisher in einer Weise betrieben wurde, daß machen größere Stadt auf diesem Gebiete zurückstehen muß. Bei einem Besuche in Bogen mögen daher solche, welche feinere Fahrzeuge, Wägelchen, Chaisen brauchen, nicht versäumen, auch hiesige Fabrikate zu besichtigen und zu prüfen und bei Gutbestand zu kaufen. – …
Quelle: Straubinger Tagblatt 22.03.1896


Mitterfels, 27. April. Auf der hiesigen Bahnstrecke herrscht zur Zeit reges Leben. Seit Ostern nämlich ist eine Menge Arbeiter mit Rasenabheben, Abgraben, Auffüllen, Rohrlegen ec. Beschäftigt. Auch der Brückenbau bei Höllmühle ist bereist in Angriff genommen, und sind Italiener zur Zeit mit der Herausmauerung des mittleren Pfeilers thätig. Die Steine hiezu werden theils von hiesigen, theils von Mettener Steinbrüchen geliefert. Am meisten aber leiden jetzt die Wege Schaden, deren manche in jammervollen Zustande sich befinden, und wäre eine gründliche Reparatur nöthig und sehr erwünscht.
Quelle: Straubinger Tagblatt 29.04.1896


Straubing, 12. Mai. Die Eröffnung der Theilstrecke Bogen-Steinburg findet am 16. Ds. Statt, nachdem selbe seitens einer jüngst abgesandten Commission aus der General-Direktion begutachtet worden.
Quelle: Straubinger Tagblatt 13.05.1896


Mitterfels, 11. Mai. In der Nähe der Ziermühle, 10 Minuten von Haselbach entfernt, ereignete sich heute ein großes Unglück. Dortselbst werden wegen des Bahnbaues Felsen mittels Pulver gesprengt. Was bei dergleichen Fällen so oft vorkommt, geschah auch hier. Da nämlich ein mit Pulver geladener Stein nicht losgehen wollte, so suchte man ihn neuerdings zu laden, aber im selben Augenblick explodirte die erste Ladung, und ein Arbeiter wurde baumhoch in die Höhe geschleudert. Natürlich fiel er todt zu Boden, Er soll, wie erzählt wird, sich auf den nicht reagirenden Stein gesetzt haben, eine beispiellose Unvorsichtigkeit! Derselbe hinterläßt Weib und Kind. Zwei andere bei der Schießerei Betheiligte wurden ebenfalls verletzt, darunter der Sohn einer Witwe, deren Mann erst vor kurzer Zeit gestorben. Beide Verletzte wurden in das Distriktkrankenhaus Mitterfels überführt, und scheint ihr Zustand nicht unbedenklich, denn sie wurden alsbald mit den hl. Sakramenten versehen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 13.05.1896


Apoig, 17. Mai. Gestern wurde in unserer Ortschaft ein Festtag gefeiert, da der erste Personenzug in den sehr schön dekorierten Bahnhof Hunderdorf seinen Einzug hielt. Schon um 5 Uhr Morgen verkündeten Böllerslaven die Bedeutung des Tages. Die ganze Ortschaft war erfreut über den Schmuck des Bahnhofes und des neu erbauten Restaurationsgebäudes, welche mit Kränzen und Fahnen sehr schön dekoriert waren. Besonders betheiligten sich bei dieser Festlichkeit die Bewohner von Windberg. Schon vor 8 Uhr zog die Schuljugend in Begleitung des Hrn. Cooperators, des Hrn. Bürgermeisters und des Hrn. Lehrers von dem Berge herab in das Thal. Die Knaben welche Fähnlein trugen, bildeten am Bahnhofe Spalier. Auch die freiw. Feuerwehr Windberg war mit ihrer sehr schönen Fahne sehr zahlreich erschienen. Sogar der Nachtwächter von dort erschien in schwarzem Anzug und Cylinder. Auch von Hunderdorf hatten sich der HH. Pfarrer, der H. Lehrer und einige Freunde der Bahn eingefunden.
Quelle: Straubinger Tagblatt 19.05.1896


Steinburg, 17. Mai. Gestern  vollzog sich  in feierlicher Weise die Eröffnung der Bahnteilstrecke Bogen-Steinburg. Schon auf der Strecke Apoig waren an der Bahn die Schulkinder von Windberg und Hunderdorf unter Begleitung mit Fähnchen aufgestellt, welche den einfahrenden Zug mit lebhaften Hoch’s begrüßten, ein recht hübsches Bild, das alle Fahrgäste erfreute. Am Bahnhof in Steinburg wurden die mit dem regelmäßigen Zug ankommenden Gäste aus Straubing, Bogen u. s. w. unter Böllersalven und Musik vom anwesenden Comite empfangen; die Schulkinder und die Feuerwehr hatten Aufstellung genommen. Herr Bezirksamtmann Schödtl von Bogen begrüßte die Anwesenden, dankte dem Comite für die freundliche Einladung und wies auf die hoge Gnade hin, durch welche dem bayr. Walde eine so namhafte Wohltat zuteil geworden. In das vom Bezirksamtmann ausgebrachte Hoch auf Se. Kgl. Hoheit den Prinz-Regenten stimmten die Anwesenden mit Begeisterung ein. Nunmehr hielt Herr Bezirkshauptlehrer Limmer von Neukirchen b. Haggn die Festrede. Ausgehend von der Thatsache, daß wichtige Begebenheiten im Leben einzelner sowohl als ganzer Provinzen und Länder gar oft eine vollständige Veränderung der bestehenden Verhältnisse veranlassen, schilderte derselbe in beredten Worten die Mühsale und Beschwerden, unter denen die Bevölkerung des bayer. Vorwaldes seit unvordenklichen Zeiten seine Produkte nach den großen Centren des Handels und Verkehrs schaffen mußte, betonte die kulturelle und merkantile Wichtigkeit der Bahn für den bayer. Wald, drückte die Hoffnung aus, daß die Lokalbahn Straubing-Konzell mit Rücksicht auf den Produkten-Reichtum des Waldes und seiner noch lange nicht erkannten landschaftlichen Schönheit anderen Lokalbahnen an Rentabilität wohl nicht nachstehen werde und gab den Gefühlen des Dankes für jene Männer Ausdruck, welche unentwegt für das Zustandekommen der Bahn gewirkt; Sein Hoch galt den Landtagsabgeordneten. Nachdem noch Herr Pfarrer Gruber von Hunderdorf den erschienenen Festgästen für ihre ehrende Anwesenheit den Dank ausgesprochen, war die offizielle Feier beendet, und es entwickelte sich nun bis zum Abgang des Zuges ein reges Leben in den schön dekorierten Lokalitäten des Herrn Laschinger. Das Festkomite kann auf die gelungene Veranstaltung und Durchführung der Feier mit Recht stolz sein.
Quelle: Straubinger Tagblatt 20.05.1896


Straubing, 26. Mai. Die neue Bahnlinie Straubing-Bogen-Steinburg hat ihre erste Kraftprobe nicht glänzend bestanden. Am Pfingstsonntag war der Andrang ein derartiger, daß weder das vorhandene Material noch das Personal ausreichte. Zu allem Ueberfluß erlitt der letzte in Steinburg und Straubing abgehende Zug noch, wie es heißt, in Folge eines Wechsel-Defektes eine besondere Behinderung, und so kam es, daß die Ausflügler anstatt um 9 Uhr erst gegen 12 Uhr hier eintrafen. Ein Mittags abgelassener Sonderzug war nicht einmal annoncirt worden, weil man, vermuthlich nach dem Grundsatze handelte: „Sind Leute da, geht er, wenn nicht, unterbleibt er.“ Wir wollen darob weder der hiesigen Betriebsleitung, noch weniger der in Bogen Vorwürfe machen, sondern nur wünschen, das kgl. Oberbahnamt Regensburg möge aus solchen Vorkommnissen den Schluß ziehen, daß eben der Stadt Straubing mit der Zeit auch ein wenig die Flügel gewachsen sind und hoffentlich noch immer mehr wachsen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 27.05.1896


Hunderdorf, 24. Mai. In der Nacht zum Sonntag gelang es der Gendarmerie Bogen, den berüchtigten Einbrecher Karl Hunger von Blaibach in bzw. nächst der Behausung des Gütlers Jos. Plötz von Bauernholz habhaft zu werden. Hunger führte bei seiner Verhaftung noch über 70 M. Baargeld, der das er erst jüngst mittelst Einbruchs bei dem Wirth in Prackenbach erworben hatte und außerdem noch einen mit 4 scharfen Patronen geladenen Revolver bei sich, den er bei der Festnahme den Gendarmen bezw. Unserem Gemeindediener entgegenhielt. Hunger wurde vorderhand in das Amtsgerichtsgefängniß Bogen eingeliefert.
Quelle: Straubinger Tagblatt 27.05.1896


Straubing, 3. Juni. Die Lokalbahn Straubing-Konzell dürfte, wenn einmal ganz fertig, eine ganz gut rentirliche werden. Schon jetzt sind besonders an Sonn- und Feiertagen die Züge vollständig besetzt. Am letzten Sonntag war aber auch Vorsorge getroffen, daß keine Stockung mehr vorkam. Sowohl die fahrplanmäßigen wie die Sonderzüge waren besetzt und ging auch alles wie am „Schnürle“. Die Ausflügler vertheilten sich von Steinburg aus auf die verschiedenen im Thale wie auf den Bergen so schön gelegenen Orte, wobei namentlich Windberg und das in nächster Nähe befindliche Wallfahrtskirchlein Heilig Kreuz hauptsächlich besucht wurde. Eine sehr schöne Partie ist von Hunderdorf weg auf den Hirschenstein, allerdings etwas beschwerlich, aber sehr lohnend, da auch die Labung bei Herrn Förster in Oedwies eine vorzügliche ist, so daß man gestärkt an Leib und Seele den Rückweg mit Leichtigkeit antritt. Man freit sich dann wieder, in den schönen luftigen Eisenbahnwaggons ausruhen zu können bis es heißt: Straubing! Aussteigen! Wo wir den alten Bahnhof erblicken wie er steht seit seiner Erbauung vor 34 Jahren. Wie lange noch wird es dauern, bis auch er einem größeren Platz macht?
Quelle: Straubinger Tagblatt 04.06.1896


Mitterfels, 2. Juni. Der bei der Felsensprengung in Ziermühl verunglückte ledige Wiesinger ist mit dem Leben davon gekommen und befindet sich auf dem Wege der Genesung. In seiner landesväterlichen Güte hat Se. Kgl. Hoheit der Prinzregent demselben, ohne daß dahin petitionirt worden, eine Unterstützung von 80 M. anweisen lassen. Gott segne den geliebten Regenten dafür tausendmal!
Quelle: Straubinger Tagblatt 04.06.1896


Straubing, 8. Mai. Die Einwohnerschaft Straubings benützt die freien Stunden, bezw. Nachmittage, größtentheils dazu, einen Abstecher mit der Waldbahn nach Hunderdorf oder Steinburg zu machen, um sodann die nette Partie Steinburg-Hl. Kreuz und Windberg zu gewinnen. Windberg, als hübschester Punkt in dieser Gegend bekannt, bietet dem Touristen eine gastliche Stätte, und gesundes, frisches herrschaftliches Bier (Klostergold) labt den erschöpften Wanderer. Doch wurde bisher geklagt, daß die Sorge um entsprechende warme Küche noch zu wünschen übrig läßt, und wird in diesem Punkte die Verwaltung der herrschaftl. Bräuerei den gewünschten Wandel schaffen. Sehr nothwendig wäre auch von Apoig weg schon eine recht durchgreifende Reparatur der nach Windberg führenden Pfade und Wege! Der verehrl. Waldverein könnte hier seine verdienstvolle Wirksamkeit erhalten!
Quelle: Straubinger Tagblatt 09.06.1896


Ehrn, 7. Juni. Von den Gemeinden Neukirchen, Steinburg, Au v. W., Gaishausen und Hunderdorf ist an die k. Generaldirektion München ein gemeinschaftliches Bittgesuch ergangen, zwecks Einstellung des Zuges (5 46 M.) früh ab Steinburg nach Straubing und zwar nur vorerst für die usuellen Konkurstage, wie am Feste der mariansichen Kongregation, am Feste zu Sossau. Die Motive gipfeln darin, daß für die Private nur dieser Zug dem Bedürfniß entspricht, nachdem bei Wahrnehmung von Gerichtsterminen in Straubing nur ein Frühzug zu benützen ist, die z. Z. abgehenden Züge dem Bedürfnisse aber weniger entsprechen. Auch in geschäftlicher Beziehung ist einzig und allein ein Verkehrsmittel um die genannte Zeit nothwendig. Möchte die hohe Verkehrsstelle den Wünschen der Waldbewohner entgegenkommen und dies ohne Verzögerung – die Frequenz wird nicht ausbleiben!
Quelle: Straubinger Tagblatt 09.06.1896


Straubing, 11. Juni. Die k. Generaldirektion hat erfreulicher Weise den Wünschen der über Bogen hinausliegenden Interessenten an der Lokalbahn Straubing-Steinburg Rechnung getragen, indem sie für bestimmte Tage zwischen Bogen und Steinburg einen Frühzug eingelegt. Es geht nämlich jeden Mittwoch und Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen morgens 5 Uhr in Bogen ein Zug nach Steinburg und dort um 5.45 wieder retour nach Bogen, von wo der bisher fahrplanmäßige Zug um 6.50 nach Straubing abgeht. Abgang und Ankunfz sind festgesetzt, wie folgt: Bogen ab 5.00, Berndorf an 5.10, ab 5.11, Hunderdorf an 5.24 ab 5.25, Steinburg an 5.37, sodann Steinburg ab 5.45, Hunderdorf an 5.55, ab 5.56, Berndorf an 6.07, ab 6.08, Bogen 6.18.
Quelle: Straubinger Tagblatt 12.06.1896


Bogen, 12. Juni. Die Biellmeier’sche Brauerei dahier ist durch Tausch an Hrn. Sagstetter in Straubing, früher Bierbrauer in Steinburg, um 70,000 Mark übergegangen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 14.06.1896


Mitterfels, 12. Juni. Auf der Waldbahnstrecke von Mitterfels nach Konzell ist ein neuer Unfall zu verzeichnen. Soeben verbreitet sich hier (Mitterfels) das Gerücht, daß bei Weiherhof, Pf. Haybach, ein Arbeiter heute verunglückte, indem ein Gerüst brach, worauf er arbeitete, sodaß er zwischen Gerüst und Mauer eingeklemmt und elend zerquetscht wurde, so zwar, daß die Eingeweide am Gerüste klebten. Derselbe war augenblicklich todt, erst seit ein paar Tagen bei dem Bahnbau beschäftigt und soll von Eschlkam zu Hause sein.
Quelle: Straubinger Tagblatt 14.06.1896


Hunderdorf, 19. Juni. Herr Müllermeister Santl in Apoig, nächst der Bahnhaltestelle Hunderdorf, hat bei seinem Besitzthum auf Anregung hin ein längst gehegten Wünschen entsprechendes Badehaus herstellen lassen, welches 2 Abtheilungen (Cabinen) besitzt. Dasselbe ist, obwohl in einfacher Ausführung angelegt, seinem Zwecke vollauf dienlich, und ist solches auch für badelustige Touristen, welche auf der erwähnten Haltestelle absteigen, in 2-3 Minuten erreichbar. Die Richtung dorthin wird in den nächsten Tagen durch eine Tafel markiert werden. Das Baden in diesem Waldbache, der eine Fortsetzung des Perlbaches bildet, wirkt äußerst erfrischend und belebend auf den Körper ein, und kann sich Jedermann bei Gelegenheit selbst von der kräftigenden Wirkung eines derartigen Bades überzeugen. Gutem Benehmen nach wird der jüngst eingestellte Frühzuge dem Einzuge unterstellt, da die Frequenz zu gering ist. Die Frühzüge an Sonntagen und Samstagen indes sollen vorerst ihr Verbleiben haben, was auch sehr wünschenswert ist!
Quelle: Straubinger Tagblatt 21.06.1896


Mitterfels, 22. Juni. Bei Eisenbahnbauarbeiten geht es bekanntlich überall ziemlich turbulent und so wurde am vergangenen Samstag 20. ds. in der ¼ Stunde von hier entfernten Marketender-Hütte bei Höllmühl ein arger Kravall aufgeführt.  Die dortige Kellnerin, so erzählt man, soll einigen Eisenbahnarbeitern zu wenig eingeschenkt haben, darob entstand ein Lärmen, vom Lärmen kam es zum Schimpfen, vom Schimpfen zu Taufen und Schlagen. Zwei Blessirte liegen im Krankenhaus zu Mitterfels; der eine hat eine bedeutende Handwunde erhalten, der andere ist mit einem Halbliterglase etwas unsanft traktiert worden. Auch wurden mehrere blinde Revolverschüsse abgegeben. Gestern Sonntag entwickelte sich vor einem Gasthause dahier aus Anlaß eines vorenthaltenes Fünferl beim Kegelspiele eine regelrechte Keilerei, wobei Biergläser und Stöcke hübsch ausgiebig in Verwendung kamen. Ja, ja, es wird immer schöner!!
Quelle: Straubinger Tagblatt 24.06.1896


Englmar, 1. Juli. Durch Eröffnung der Bahn Straubing-Steinburg hat der Fremdenverkehr bedeutend zugenommen, und zahlreich wandeln fidele Touristen heiteren Gemüthes herein in unsere Berge, um zu genießen die herrlichen Rundschauen, die sich beispielsweise vom Predigtstuhl, vom Hirschenstein, von der Käsplatte, auf den hohen Steinen bieten, um zu betrachten die Naturschönheiten des bayerischen Waldes und um ihre in staubgeschwängerter Athmosphäre erschlafften Lungen der reinsten und würzigen Gebirgsluft zu öffnen. Nachdem vielfach beklagt wird, daß sich schon viele Touristen verirrt haben, so diene nachstehende Aufklärung zur gefälligen Darnachrichtung. Vom Bahnhof Steinburg führen 3 Wege hierher, die gleiche Länge haben, nämlich die Wege: 1. Bahnhof-Haggn-Obermühlbach-Meinstorf-Englmar. 2. Bahnhof-Haggn-Obermühlbach-Kager-weiße Marter-Englmar. Bemerkt sei jedoch, daß sich diese 2 Wege nur Bergsteigern empfehlen lassen; wohl aber lohnen sie die Mühe steiler Berganstiege durch herrliche Aussichtspunkte. 3. Bahnhof-Haggn-Kreuzhaus, wo ein Wegweiser angebracht ist mit der Aufschrift: Distriktstraße über Klinglbach-Rattenberg nach Konzell. Auf dieser neuen, sehr schönen Straße wandert man bis zur Ortschaft Hof (die erste Schneidsäge, die man auf dieser Straße trifft), wo dann rechts abzweigend ein Gangsteig über einen Berg nach Englmar führt. Dieser Weg nächst dem unten beschriebenen der bequemste, und kann man auf demselben auch das schöne Klinglbach-Thal erreichen. Naturfreunde, die diesen Weg einschlagen, sollen aber eine neben der Straße angebrachte Tafel nicht übersehen, auf welcher die Aufschrift angebracht ist: „Zum Nagerlstein,“ Etwa 3 Min. von der Straße entfernt entfaltet sich nämlich eine wildromantische Schlucht, die diesen Namen führt. Noch ein vierter Weg, der zugleich der bequemste ist, aber etwa ½ Stunde länger als die übrigen, führt über Haggn-Obermühlbach-Mühlbogen-Haigrub nach Englmar. Dieser Weg ist zugleich Poststraße und nicht verfehlbar wegen der Telephonleitung. Von Mühlbogen aus entfaltet sich an diesem Wege ein fesselndes Naturbild nach dem andern. In einem engen Thale windet sich die Straße allmählig empor. Zu beiden Seiten erheben sich mächtige, fast senkrecht ansteigende Berge. Jetzt wird unser Blick gefesselt durch senkrechte, ja überhängende Felsen, jetzt müssen wir die kühnen, tollen Sprünge des wilden schwarzen Gebirgsbaches anstaunen, der sich bald links, bald rechts von der Straße zeigt, dann wieder ist es ein entwurzelter Baumriese, den der Sturm quer über den Waldbach gelegt hat, der unsere Aufmerksamkeit beansprucht, dann erinnert uns wieder ein zischendes Gekreisch, das aus einer primitiv gebauten Bretterhütte dringt, an Müllers schwermuthvolles Gedicht: „Der Wanderer und die Sägmühle.“ Durch solche liebliche Bilder, durch das Plätschern des eilig dahinfließenden Baches, durch die munteren Sprünge der wetterlaunischen Mückenfänger, durch den lieblichen Gesang befiedeter Waldbewohner, durch den melodischen Schellenklang, der von den Bergen dringt, durch das Jodeln der Hirten wird dem Wanderer der Weg bis Englmar kurz und angenehm. Ist Englmar erreicht, so kann sich der Wanderer dort wohl sein lassen. Wenn er nicht allzugroße Ansprüche macht, wird er sich wohl erquicken und laben können. Gutes Faß- oder ausgezeichnetes Export-Bier, reine Naturweine, Brauselimonaden und alle möglichen Mineralwasser sind bereit, den Durst zu löschen; Braten, Schinken, Wurst und beste Gebirgsbutter mögen den hungrigen Magen des willkommenen Touristen erlaben. Zur weiteren Erquickung hat Herr Posthalter Echinger eine Badehütte errichtet. Es können nach Belieben kalte und warme Stahl-, Fichtennadel- und Ameisenbäder gebraucht werden. – Und bist Du gelabt und gestärkt, mein lieber Tourist, so steige hinauf auf den Predigtstuhl und beherrsche mit Deinem Auge ein halbes Königreich. Angefangen von den mächtigen Alpen bis hinüber zu Arber und Ossa, von Vilshofen bis Regensburg, diese ganze große Landschaft muß ich Dir zeigen! Richtest Du den Blick gegen Süden, so hast Du die weite Hochebene mit den großartigen Alpen im Hintergrunde vor Dir, schaust Du nordwärts, so blickst Du in ein herrliches Gebirgspanorama. Es ist das Regentahl, das zu Deinen Füßen liegt, und Dir gegenüber erheben sich die mächtigen Berge des Böhmerwaldes: Hoher Bogen, Keiterswand, Ossa, Arber ec. Und Dir ganz nahe steht der Hirschenstein, den Du in einer kleinen Stunde vom Predigtstuhl aus erreichen kannst. Schließlich sei noch erwähnt, daß man allenthalben freudig der Ausführung des von der Waldvereinssektion Bogen angeregten Projektes: Erbauung eines Aussichtsturmes auf dem Predigtstuhl entgegensieht. Man ist wohl zu der Hoffnung berechtigt, daß unter der umsichtigen Leitung der Sektion durch den jetzigen Herrn Vorstand dieses Projekt bald seine Verwirklichung finden wird.
Quelle: Straubinger Tagblatt 03.07.1896


Mitterfels, 3. Juli. Die Unglücksfälle bei dem Bahnbaue wollen nicht aufhören. Heute ereilte das Schicksal einen italienischen Arbeiter. Unweit der Höllmühle werden bekanntlich 4 mächtige Quaderpfeiler gebaut. Nachmittags 2 Uhr stürzte der Obengenannte aus einer Höhe von 20 Metern auf den Aufzug herab, brach sich den Arm zweimal, ebenso einige Rippen. Daß auch innere Verletzungen vorgekommen, dürfte das aus Mund und Nase strömende Blut anzeigen. Der Betroffene ist ein großer, baumstarker Bursche, und ereignete sich das Unglück wahrscheinlich in Folge großer Unvorsichtigkeit des Betreffenden.
Quelle: Straubinger Tagblatt 05.07.1896


Hunderdorf, 23. Juli. Ein großer Freudentag ist gestern für unsere Pfarrgemeinde hereingebrochen, nämlich der Tag, an dem die durch den regen Opfersinn einzelner Pfarrangehörigen neu angeschaffte und durch den Glockengießer Herrn Max Gugg aus Straubing gelieferte 20 Zentner schwere neue Glocke, nachdem dieselbe am Montag durch hochw. Stadtpfarrer Scheubeck geweiht worden war, in feierlichem Zuge an ihren Bestimmungsort Hunderdorf überführt werden konnte. Während am Dienstag früh der Himmel ohne Unterlaß seine nassen Gaben spendete, hellte es sich nachmittags aus, und im milden Lichte strahlte die Sonne, die Festfreude erhöhend, auf die harrende Pfarrgemeinde hernieder. Herr Kaufmann Jos. Baier, ein reger Förderer um das Zustandekommen des nun herrlichen Geläutes, traf mit der Glocke, welche auf einem sinnig dekorirten Bruckwagen mit Vierergespann geladen war, in Bogen um r Uhr ein und wurde er dort von 24 Reitern und 12 Chaisen empfangen; in Sollach schlossen sich dann dem Festzuge an die zahlreiche Schuljugend von Au und Hunderdorf, sowie die Feuerwehren von Steinburg, Windberg und Hunderdorf, auch der hiesige Kriegerverein war mit Fahne dem Zuge einverleibt. Es war ein stattlicher Zug, wie er sich durch das festlich geschmückte Dorf der Kirche zu bewegte, wo hochw. Herr Pfarrer Fruber nach vorausgeschickten Bitt- und Dankgebeten den feierlichen Segen spendete. Die Aufzugsarbeiten waren gar bald ohne jeglichen Unfall beendet, und um 7 Uhr schon erfolgte das Probegeläute, welches alle Anwesenden entzückte; man konnte Freude und Rührung zugleich von den Gesichtern lesen, als uns mit ehernem Munde die dem hl. Wolfgang und Joseph geweihte Glocke zum ersten Male begrüßte. Nun ist das Werk vollbracht und all jene, welche zum Gelingen beigetragen haben, können mit Befriedigung auf dasselbe blicken. Das Hauptverdienst gebührt den wohltätigen Spendern insgesammt, besonders aber dem eifrigen Förderer desselben Herrn Pfarrer Gruber, neben dem genannten Herrn Baier, der den gewiß nicht zu unterschätzenden Beitrag von 1000 M. leistete und dem Meister des Werkes, Herrn Glockengießer Gugg aus Straubing, der mit großer Geschicklichkeit das Werk verwirklichte und der namentlich durch die Montirung des aus Eisen konstruierten Glockenstuhles ein wesentlich leichtes Läuten der Glocken ermöglichte. Allen diesen sei an dieser Stelle Dank gesagt!
Quelle: Straubinger Tagblatt 05.07.1896


Todes-Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, Samstag Mittag 12 Uhr unsern innigsgeliebten Gatten, Vater, Schwiegervater, Großvater und Vetter
Herrn Johann Baier,
Tafernwirt in Hunderdorf,
nach längeren Leiden versehen mit den hl. Sterbsakramenten im Alter von 60 Jahren in die Ewigkeit abzurufen.
Um stilles Beileid bitten
Hunderdorf, Hofdorf und München, 25. Juli 1896
Die tieftrauernde Gattin Maria Baier
nebst 4 Söhnen
Joseph Baier, Kaufmann
Xaver Baier, Oekonom
Johann Baier, Brauer,
Georg Baier, Tafernwirth.
Die Beerdigung findet Montag 27. Juli Vormittags halb 10 Uhr mit darauffolgendem Gottesdienst statt. Der Siebente und Dreißigste werden Dienstag Vorm. 9 Uhr in der Pfarrkirche zu Hunderdorf abgehalten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 28.07.1896


Straubing, 21. Sept. Die Lokalbahn Straubing-Konzell wird voraussichtlich im November ds. Jrs. dem Betriebe vollständig übergeben werden. Dieselbe ist 35 Kilometer lang, und treffen von Straubing bis Ittling 5, bis Sand 8, bis Bogen 10, bis Berndorf 13, bis Hunderdorf 17, bis Steinburg 20, bis Wiespoint 23, bis Mitterfels 25, bis Haselbach 28, bis Haibach 32, bis Konzell 35 Kilometer. Der Güterverkehr der Theilstrecke Steinburg-Konzell mit den Bayerischen Privatbahnen, dann mit den sämmtlichen außerbayerischen Bahnen und bis auf Weiters nicht direkt abgefertigt, sondern in Straubing nach den für diese Stationen geltenden direkten Frachtsätzen und Transitfrachtsätzen umkartirt, wobei für die Lokalbahnstrecke Mindestfrachten nicht berechnet werden. Für die Ausnahmetarifgüter werden die Transitfrachtsätze derjenigen allgemeinen Gütertarifklassen berechnet, welcher jene angehören.
Quelle: Straubinger Tagblatt 22.09.1896


Neukirchen bei Haggn, 19. Sept. Es wurde im Laufe dieses Sommers in diesem Blatte schon zweimal ein seltener Mißstand gerügt, der in unserer Postzustellung sich äußert. Eine Viertelsunde südwestlich unserer Ortschaft liegt die Eisenbahnstation Steinburg mit Postablage und einen kleinen Katzensprung östlich der Ortschaft Haggn, ebenfalls mit Postablage, und der Ort Neukirchen sowie die umliegenden Ortschaften haben von diesen Postablagen keinen Genuß, indem täglich die Postboten nahezu 3 Stunden hereingehen müssen und die ganze Gegend zu besorgen haben. Obwohl schon von den interessierten Gemeinden Eingaben an die zuständige Behörde gemacht wurden, ist bis jetzt noch nichts geschehen. Es wäre diesem Mißstand so leicht abzuhelfen dadurch, daß in Bogen statt 4 Postboten nur 3 den Dienst versähen und ein solche rin Steinburg stationirt würde. Es wäre dieß eine große Erleichterung für die Postboten einerseits, dann aber auch ein großer Vortheil für die hiesigen Einwohner und Umwohner, die ihre Briefe und Zeitungen um einen Tag früher erhalten würden. Möchte von zuständiger Behörde diesem unseren sehnlichsten Wunsche bald stattgegeben werden. Wir ruhen nicht, bis in Steinburg oder Haggn ein Postbote stationirt wird.
Quelle: Straubinger Tagblatt 22.09.1896


Mitterfels, 22. Sept. Bei dem Waldbahnbau ist bereits ein Trupp Italiener vor ungefähr 14 Tagen abgereist, auch einheimische Arbeiter haben die Bahnarbeit aufgegeben, indem sie früher zur Ernte nach dem Gäuboden oder in das Hopfenland gezogen sind, so daß eine verhältnismäßige Ruhe eingetreten zu sein schien. Gestern (Montag) kam aber wieder einiges Leben in die Bude. In Haselbach, eine kleine Stunde von Mitterfels, wurde eine kleine Rauferei in Scene gesetzt mit obligater Zustecherei. Es erhielt nämlich ein lediger, sonst ordentlicher Mensch einige Schnitte oder Stiche in den Arm, so daß dieser fast halb abgeschnitten wurde, wie man sagt: auch die Brust wurde ihm mit Messern bearbeitet. Auf dieses hin fielen die Freunde des Verwundeten über den Thäter her und klopften ihn meisterlich durch; Das Leben aber wird es hoffentlich keinem kosten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 24.09.1896


Konzell, 14.Nov. Gegenwärtig sind bis zur hiesigen Station auf der neuen Bahn die Schienen eingelegt, und stehen der Eröffnung der Strecke nur mehr wenige Hindernisse entgegen. Auf der Zufahrtstraße herrscht reges Treiben, da die Herstellung derselben bis zum äußersten Termin verschoben wurde und, statt dieselbe in Submission zu vergeben, jedem Umlagepflichtigen seine Strecke vermessen wurde; es ist das umso origineller, da auch die übrigen Gemeindewege nicht vertheilt sind und diejenigen, die nicht selbst fahren können, sehr schwer betroffen werden.
Quelle: Straubinger Tagblatt 17.11.1896


Neukirchen bei Haggn, 8. Dez. Nachdem nunmehr die ganze Lokalbahnstrecke Straubing-Konzell dem Verkehr übergeben ist, wurde auch eine Telephon-Verbindung zwischen Steinburg, Bogen und Englmar hergestellt. Unsere einst so abgelegene Gegend ist also dem großen Weltverkehr einverleibt. Es zeigt sich auch reger Verkehr auf sämmtlichen Stationen dieser Bahn. Leider aber bleiben unser Neukirchen und die umliegenden Ortschaften nach wie vor ausgeschlossen von einem den jetzigen Verhältnissen angemessenen Postverkehr. Zu beklagen sind in erster Linie die Postboten von Bogen, welche trotz der Bahn und den beiden in unmittelbarer Nähe gelegenen Postablagen (Haggn und Steinburg) täglich bei jetziger Jahreszeit mit beladenen Schultern einen Weg von nahezu 3 Stunden zu machen haben. Anderseits ist es auch recht bequem für das Publikum. Kommt da z. B. eine Sendung auf der Bahn nach Steinburg, so wird von dort aus das Aviso per Post nach Bogen geschickt, des anderen Tags nachmittags bringt der Postbote die Sendung herein. Ebenso ist es auch mit Geldsendungen. Bringt da der Postbote eine Postanweisung, so kann entweder der Adressat selbst einen Weg von 2 bis 3 Stunden machen und das Geld in der Expedition Bogen in Empfang nehmen oder er muß extra bezahlen, damit es der Postbote ihm an einem der nächsten Tage mitnimmt. Die Sonntagsnummer des „Straub. Tagbl.“ Erhalten die in loco Haggn und Steinburg wohnenden schon am Samstag nachmittags 3 Uhr, während die 5 oder 10 Minuten Entfernteren es erst am Montag Nachmittag erhalten, weil eben Sonntags kein Postbote geht. Unter solchen Umständen ist es also uns nicht zu verargen, wenn unser sehnlichster Wunsch der ist, daß diesem Mißstand endlich einmal abgeholfen würde, was ja so leicht thunlich wäre, wenn entweder in Steinburg oder Haggn ein Postbote stationirt wäre. Es hätte derselbe einen Dienstgang, welcher anstrengend genug wäre, wenn man die Berge ansieht, die bei seiner tägliche Tour unvermeidbar sind.
Quelle: Straubinger Tagblatt 11.12.1896

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