1841

Anrede
am Grabe des Schullehrers
Sebastian Fuchssteiner
zu
Hunderdorf, den 9. Juni 1841:
Wir stehen am Grabe eines Mannes, dessen Sarg ich nicht von der Erde bedecken lassen kann, ohne seinem Andenken einige Worte zu widmen. Es ist der ehrengeachtete Herr Sebastian Fuchssteiner, Schullehrer und Meßner zu Hunderdorf, welchen Gott in seinem 68sten Lebensjahre von diesem in das ewige Leben abberufen hat.
Dieser Sarg, den wir so eben eingesegnet haben, kann Wenigen aus dem ganzen Pfarrei gleichgültig sein; die meisten Pfarrkinder richten mit Wehmuth ihre Blicke darauf, denn er umschließt die sterbliche Hülle des Mannes, der durch volle 46 Jahre, also nahe an ein halbes Jahrhundert, Schullehrer dieser Pfarrei gewesen, und auch in anderen Richtungen hin, die mit dem bürgerlichen und familiären Leben, und selbst mit dem kirchlichen Leben innig verzweigt sind, kräftigst gewirkt hat. Unter ihnen ist die jetzige Generation, und zwar schon die ältere, herangewachsen, denn Hausväter und Hausmütter, die in den fünfziger Jahren sind, können sagen: „Ich schon bin zu ihm in die Schule gegangen“, und fraget sie, verehrte auswärtige Leichengäste, fraget sie alle, die Hausväter um Hausmütter dieser Pfarrei, deren Kinder und Kindeskinder selbst schon wieder zu dem Verblichenen in die Schule gegangen sind, welcher Schullehrer Fuchssteiner war – in aller Mund werdet ihr seine Lob hören. „Ja, das ist wahr, das muß man ihm nachsagen,“ hörte ich selbst an seinem Sterbebette Männer im Hausmütter sagen, „er ist ein guter Lehrer gewesen, er hat den Kindern etwas gelernt, und gut ist der mit den Kindern umgegangen.“
Das Amt eine Schullehrers, Geliebte! ist ein schweres, mühevolles Amt; ich gestehe es, oft, wenn ich den alten Schullehrer so im Schulstaube und Schuldampfe sich abmühen sah, auch den talentlosesten Kindern das Nöthige beizubringen, sprach ich zu ihm: „Ich könnte das nicht ertragen, so der gerne und lieb ich die Kinder habe – Schullehrer könnte ich nicht seyn.“ Und wie oft ist doch nur Undank unverständiger Eltern des Lehrers Lohn! Aber selbst Undank, und wie oft in 46 Jahren wird in Schullehrer Fuchssteiner gefühlt haben, konnte ihn keinem Augenblick seiner Pflicht vergessen machen, er konnte seinen Eifer nicht lähmen.
Jetzt, möchte ich sagen, ist leichter Schullehrers seyn, denn das Schulwesen ist vollkommen geregelt, die umfassendsten, und für Alles, auch das Kleinste, sorgende Gesetze stehen ihm zur Seite; aber so war es nicht vor 50 Jahren; damals war der Schullehrer mehr sich selbst überlassen, ohne gehöriges Ansehen, ohne Verordnungen, auf die er sich hätte stützen können – es war größten Theils den Eltern anheimgestellt, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und da kam es ganz vorzüglich auf den eigenen Fleiß und Antrieb des Schullehrers an, auf sein Benehmen mit den Eltern, wie es in seiner Schule aussah. Und damals war Fuchssteiner einer der allereifrigsten Lehrer, dem Alles an seiner Schule lag, wofür er Eltern und Kinder zu gewinnen suchte. Früher schon Gehülfe außer Seite seines Vaters, übernahm der Verblichene im Jahre 1778 als 22 jähriger Jüngling die Schule in Hunderdorf, nachdem er seinen Vater zu seinen Vätern in das Grab gelegt hatte; ich sage zu seinen Vätern, den gegen 200 Jahre weisen die Tauf- und Pfarrbücher die Väter des Verblichenen als Schullehrer in Hunderdorf nach.
Der junge Schullehrer, Sebastian Fuchssteiner, hatte in Straubing seine Prüfung, ohne vorher einen eigenen pädagogischen Cursus gemacht zu haben, „sehr gut befähiget“ bestanden, und daß er nachher zu seiner Fortbildung allen Fleiß verwendet hatte, finde ich in den vorzüglich gelungenen schriftlichen Aufsätzen über die verschiedensten Lehrfächer, welche noch alle bei den Distriktsakten liegen. Ja, der Verblichene war ein guter, so recht kernhafter Schulmeister, der nicht nur auf Verbreitung nützlicher Kenntnisse unter dem Volke, sondern auch auf die Erziehung der Kinder zu guten Menschen und guten Christen gesehen hat. Er war ein Schullehrer, mit dem auch der Pfarrer gut daran war, von dem er nichts zu befürchten hatte, daß er ihm in seinem höheren Wirkungskreise hinderlich wäre. Ich muß hierüber dem Verblichenen das schöne Zeugniß ins Grab legen: Schullehrer Fuchssteiner hat keinen Augenblick die Achtung vergessen, die ein Lehrer seinem Pfarrer und Schulvorstande schuldig ist, er suchte meinen Wünschen zuvorzukommen; er bot freudig seine Hand, wenn ich zur Beförderung der Seelsorge, der Andachten in der Kirche oder des äußeren Gottesdienstes etwas anzuordnen gedachte – Gott lohne ihn seine Bereitwilligkeit, Gott lohne ihm seine thätige Beihilfe.
Als Gatte und Vater verdient er nicht geringes Lob. Den älteren Hausvätern und Hausmüttern wird ja sein stilles und friedliches Leben mit seiner ersten Gattin nicht unbekannt seyn, und uns müssen die wohlerzogenen Kinder aus seiner ersten Ehe Zeugen seines guten, väterlichen, sorgenden Herzens seyn. Der gute Vater unterließ nichts, wodurch er seinen Kindern eine bestmögliche Erziehung und Ausbildung geben konnte, und ich bin namentlich von einem seiner Söhne, dem Sebastian, der aber leider zu früh gestorben ist, ein lebender Zeuge; denn als ich noch Student der vierten Gymnasial-Klasse war, führte der Schullehrer Fuchssteiner zu Hunderdorf seinen Sohn Sebastian zu mir, ihn in Instruktion zu nehmen, und ich erinnere mich noch sehr wohl, wie er ihn mir gelegentlich empfahl, auf ihn aufzusehen, im vor böser Kameradschaft zu warnen, ihn wohl zu unterrichten; er scheue keine Unkosten an seinen Kindern, wenn sie nur einmal wohl erzogen sind. Und nicht nur dieser Sebastian, dessen Tod dem alten Vater, ich möchte sagen den ersten Stoß zu Grabe gegeben, auf sein zweiter Sohn, Peter, gegenwärtiger Schullehrer in Degernbach ist seines Vaters Ehre. Nicht weniger war er für die Kinder aus zweiter Ehe besorgt, sie gut zu erziehen, und diese beiden Mädchen waren seine einzige Sorge – oft bat er mich unter Thränen, mich um sie anzunehmen, da er sie als Waisen hinterlassen müsse. Ich will das den Vater gegebene Wort halten, Kinder! ich will für euch thun, was mein Wirkungskreis für euch zu thun zuläßt, nur ermahne ich euch, machtet euerem guten Vater im Grabe, mache eueren Mitgeschwistern hienieden auch Ehre durch eine beständige gute Aufführung. Noch muß sich Eines gedenken. Schullehrer Fuchssteiner war auch ein guter Christ. Er unterließ nicht der Gemeinde das Beispiel eines religiösen Lehrers zu geben, er empfing die heiligen Sakramente nicht nur zu rechter Zeit, sondern auch allezeit mit großer Andacht; er hatte seine besondere Andachten, und vergaß nie seiner Eltern, für die öfter des Jahres heilige Messopfer entrichten ließ. Sein religiöser Sinn zeigte sich besonders während seiner langwierigen Krankheit. – Oft empfing er die heiligen Sakramente, und war aufs Genaueste bedacht, sein Gewissen auch von den geringsten Flecken zu reinigen. Er wünschte nichts sehnlicher, als eine Reue zu haben, wie Petrus und Magdalena, und was selbst ängstlich besorgt, ob er allen Anforderungen der Religion genüge gethan habe. Seine letzten Tage waren recht Tage des Leidens, aber je schwächer sein Leib wurde, desto stärker ward seine Geduld, desto fester sein Vertrauen auf Jesus, dessen Bildniß er nicht mehr aus den Augen und aus der Hand ließ. Da ich ihm noch am Montag früh 6 Uhr, eine Stunde vor seinem Tode, die Generalabsolution ertheilte, respondirte er nur auf die Versikel der Absolution, schwach aber vernehmbar und sittlich mit einem Glauben, mit einer Hingebung in Gott und mit einer Gemüthsruhe, die mich erbaute – ruhig und unvermerkt hauchte er seine Seele aus.
Geliebte Pfarrkinder! Laßt euern alten Schullehrer den allezeit in einen dankbaren frommen Andenken bleiben, betet für ihn, besuchet öfter sein Grab – danket ihm für das, was er an euch und eueren Kindern gethan hat, durch gute Nachrede und Gebet – danke ihm Pfarrgemeinde, danke ihm Gemeinde Hunderdorf, denn sieh, Schullehrer Fuchssteiner hat seinem Tod noch durch eine besondere Handlung des Edelmuthes bezeichnet, er hat 50 fl. zur Kirche, und 50 fl. zum Armenfonds Hunderdorf bestimmt. Laßt euch dessen Witwe, laßt euch dessen unmündige Kinder empfohlen seyn.
Für den Verblichenen aber wollen wir beten ein Vaterunser, Ave Maria.
Quelle: Fest- und Gelegenheits-Predigten von Xaver Maßl, Stadtpfarrer bei St. Paul in Passau. Dritter Theil. Bruderschafts-, Geschichts- und Predigten vermischten Inhaltes, Trauer- und Grabreden. Schaffhausen. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung. 1847
[Dr. Franz Xaver Maßl war von 1835 bis 1847 Pfarrer in Hunderdorf]


Offene Stelle

5297. Bei dem Unterzeichneten kann sogleich ein Handelslehrer eintreten, welcher verpflichtet ist, einige Kinder in den nöthigen deutschen Elemantar-Gegenständen sowohl, als insbesondere im Gesange, Klavier- und Violinspiele zu unterrichten. Der Gehalt desselben besteht aus 104 fl. – dann ganz dreier Verpflegung nebst Bier.
Allenfällige Bewerber hierum haben ihre Gesuche in frankirten Briefen, sowie beglaubigte Zeugnisse über vorzügliche Befähigung in der Musik binnen 4 Wochen hierorts einzureichen, wobei noch bemerkt wird, daß diese Stelle bei Wohlverhalten von langer Dauer ist, da die zu unterrichtenden Kinder noch ganz klein sind.
Welchenberg, den 12. Juli 1841
G. Schmauß
Gutsbesitzer zu Welchenberg, k. Landgerichts Bogen in Niederbayern
Quelle: Die Bayerische Landbötin, 22. Juli 1841


Rede am Grabe
der
Anna Hilmer,
Halbbäuerin in Ramersberg, am 25. August 1841.

Der heil. Apostel Paulus hat er unter seinem so schönen Lehren auch die schönsten für christliche Ehefrauen und Mütter, und sagt unter andern: „Eine Ehefrau wird selig werden durch Kindergebären, wenn sie in Glauben und Liebe, in einem tugendhaften und sittsamen Wandel beharret.“ 1Tim. 2, 15. Wie nennt denn der Apostel eine Ehefrau selig durch Kindergebären, da diese Pflicht, im Ehestande Mutter zu werden, eine so schwere Pflicht ist, nach der Anordnung Gottes allezeit verbunden mit Schmerzen, und oft auch mit den Tode? Selig nennt er die Ehefrau darum, weil sie der Erde Bewohner, der Kirche Glieder, Gott Anbeter, dem Himmel Bürger gibt, und weil sie dadurch den Willen dessen erfüllt, von dem der Segen der ehelichen Fruchtbarkeit herkommt, um welcher der Vater ist der ganzen großen Haushaltung im Himmel und auf Erden. Ist aber eben darum der Tod eines so jungen Eheweibes, wie wir soeben eines zu Grabe gelegt haben, nicht zu beweinen? Ja gerecht sind die Thränen, die an diesem Grabe fließen, denn es bedeckt den Leichnam der ehr- und tugendreichen Anna Hilmer, Bäuerin von Ramersberg, die schon mit der ersten Frucht des Ehesegens und die erst im 24sten Jahre ihres Lebens dahinschied. Ich sage nichts von den blos natürlichen Ursachen, die den Tod eines so jungen Eheweibes beweinenswerth machen. Oder ist es nicht hart für eine so junge Mutter, sich von ihrem Kinde zu trennen – ist es nicht hart für ein so junges Eheweib, sich von ihrem Ehemann zu trennen, mit dem sie erst in der glücklichsten Verbindung, in der friedlichsten Eintracht zu leben angefangen hat? Und das kostete der Verstorbenen gerade den bittersten Kampf, denn sie sagte es mit innigster Rührung: „Wir haben wie Kinder mit einander gehaust, und Eines hat das Andere so aufrichtig geliebt, daß wir uns noch mit keinem Worte einander beleidigt haben.“ Ein harter Kampf, wenn bei solchen jungen Eheleuten der Tod dazwischen tritt. Sage nicht, weil sie eben erst Ein Jahr verheirathet war, dürfe ihr auch der bisher erhaltene Friede zu keinem so großen Verdienste angerechnet werden – o es gibt leider junge Eheleute, bei denen es schon im ersten Jahre ihres Ehestandes nicht schön hergeht, und wovon der eine oder der andere Theil wünscht, wieder geschieden zu werden. – Unglückliche Ehe – wehe dem Ehetheile – wehe ihm hier und dort, von dem der Unfriede ausgeht – aber da, Geliebte! bei diesen zwei jungen nun aber durch den Tod geschiedenen Eheleuten ließ sich ein dauerhafter Friede, eine beständige zufriedene Ehe erwarten; denn wer kennt nicht das gute Gemüth des um sein gutes Weib nun trauernden Ehegatten, und sie, die die da im Grabe liegt, sie war die gute Stunde selbst. Wenn Sie im Glauben und in der Liebe verharrt, und in einem tugendhaften sittsamen Wandel, wird sie selig im Kindergebären, sagt der Apostel, und wahrlich daran hat es an der Verstorbenen nicht gefehlt, und würde auch nie daran gefehlt haben. In ihrem ledigen Stande, sie war eine Bauerntochter von der Hohentan, eine Jungfrau wie sie seyn soll, brachte sie ihre Jungfrauschaft mit in den Ehestand und mit ihrer Jungfrauschaft einen tiefen christlichen Glauben, eine ächte Frömmigkeit, Liebe zum Gebete und den aufrichtigen festen Entschluß, als christliches Eheweib, als christliche Mutter Alles zu seyn, was in den Pflichten eines christlichen Eheweibes, einer christlichen Mutter liegt.
Wer kann zweifeln, daß sie demnach ihre Kinder, wie sie dieselben aus der heiligen Taufe in ihre Hände zurückerhalten, als Gott in Christo Geheiligte, auch mit Liebe gepflegt hätte? Das sind die mehr als natürlichen Ursachen, das sind die sittlichen Gründe, aus welchen hier mit Recht den Tod der Verblichenen beweinen. Aber sie starb in Erfüllung ihrer Pflicht, sie starb in ihrem Berufe. Tröstet euch, ihr Eltern der Verstorbenen! ist der Schmerz auch noch so groß, daß euerer Tochter schon in das Grab sehen müsset, da ihr kaum ihr zeitliches Glück begründet sahet, euere erziehende Hand ist an ihr doch gesegnet geblieben, und euern Verdiensten im Himmel, euerer Vergeltung, die ihr für eine so gute Erziehung zu erwarten habt, ist dadurch nichts genommen, vielmehr vermehrt sich euer Verdienst, da ihr nun euere Tochter unter solchen Umständen Gott zum Opfer bringet. Tröstet euch, ihr Brüder und Schwestern, ihr Verwandte und Freunde der Verstorbenen! denn so jung auch ihre Schwester gestorben ist, so ist sie doch nicht leer an Verdiensten von Gott abgerufen worden, und ihre Geschwisterliebe ist jetzt ein Edelstein in ihrer ewigen Krone. Tröste dich tieftrauernder Ehemann, denn sie ist nicht ganz verloren für dich, wieder wirst du sie finden, wieder mit ihr verbunden werden und kein Tod wird euch mehr scheiden; hat sie es mir als ihren Seelsorger auf ihrem Sterbebette versprochen, für mich bei Gott bitten zu wollen, um wie viel mehr wird sie für dich im Himmel eine Fürbitten seyn. Möchte sie bald dahin kommen. Sollte sie je noch nicht ganz abgebüßte Unvollkommenheiten im Fegefeuer zurückhalten, so lasset uns jetzt Alle für sie beten ein andächtiges Vater unser und Ave Maria.
Quelle: Fest- und Gelegenheits-Predigten von Xaver Maßl, Stadtpfarrer bei St. Paul in Passau. Dritter Theil. Bruderschafts-, Geschichts- und Predigten vermischten Inhaltes, Trauer- und Grabreden. Schaffhausen. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung. 1847


Anrede am Grabe
der tugendreichen
Theresia Senft,
Hausbesitzerin und Schuhmacherin in Hunderdorf,

den 5. Sept. 1841.
„Niemand kann zwei Herren dienen“, sagt Jesus im heutigen Evangelio, und, nachdem er in mehreren Gleichnissen die Nichtigkeit und Eitelkeit aller zeitlichen Sorgen gezeigt hatte, setzte er diese immer wohlzubeherzigenden Worte bei: „Suchet also vor Allem das Reich Gottes und dessen Gerechtigkeit, um dies Alles wird euch als Zugabe beigelegt werden.“ An einem offenen Grabe, glaube ich, soll uns dieser Ausspruch doch wohl zu Herzen gehen; zwei offene Gräber aber dringen heute an uns, dieser Wahrheit unsere Ohren zu öffnen, möchten sich doch unsere eigenen Gräber nicht eher öffnen, als wir für unser Heil gesorgt haben. Sehet hier das eine Grab – es hat seine Beute schon verschlungen, die Erde bedeckt den Leichnam der tugendreichen Theresia Senft, Söldnerin und Schumacherin in Hunderdorf. Geboren zu Ramersberg, wuchs sie im elterlichen Hause unter der sorgsamen Pflege ihrer Aeltern heran, und die edle Gottesfurcht wurde in ihr nicht weniger gepflegt, als die Arbeitsliebe und die Häuslichkeit. Man weiß nicht von ihr, daß sie in ihrem ledigen Stande mit jener ungebundenen Freiheit, welche so oft auf die traurigsten Abwege der Ausschweifung führt, den lärmenden Vergnügungen nachgegangen wäre, unter welchen so Viele Gott und die Unschuld vergessen, und in ihren 26sten Jahre, in welchem sie ihren Beruf in der Verehelichung mit ihrem nun trauernde Gatten zu erkennen glaubte, sahen wir am Brautaltare noch den unverwelkten Jungfrauenkranz auf ihrem Haupte. An Arbeit gewöhnt, wollte sie ihren Aeltern nicht in eine neue Heimath folgen, in der sie weniger Beschäftigung zu finden glaubte, als ihre rüstigen Kräfte auf sich nehmen konnten. Immerhin ein schönes Beispiel einer Tugend, die wenigere Aeltern und wenigere Töchter haben, als sie dieselbe haben sollten; denn es gibt Aeltern, die ihre Töchter lieber zu Hause in Müßiggange behalten, und sie den Folgen des Müßigganges – dem Laster preisgeben, als daß sie dieselben zum Dienen anhalten, und es gibt Töchter, die lieber zu Hause in der Noth und ohne Brod sitzen bleiben, als daß sie dienen, und der Menschheit einen Nutzen geben. Die Verstorbene aber wollte nicht ohne Arbeit und Beschäftigung seyn, und ihre Dienstherrschaft wird ihr das Zeugniß einer treuen und fleißigen Magd geben.Wer konnte zweifeln, daß sie eine ebenso gute Hausmutter werden würde, und sich mit derselben Sorgsamkeit um ihr eigenes Haus annehmen werde, als sie das für fremde Wohlfahrt that? Sie that es, und ließ sich durch keine Beschwerde, die sie bei ihrer Häuslichkeit und hausmütterlichen Sorgfalt fand, an der Erfüllung ihrer Pflichten hindern. Mit Recht beklagt daher ihr Ehemann einen großen Verlust; denn er konnte in dem zwar einzigen Jahre, in welchen er das Glück hatte, seinen ersten Verlust ersetzt zu sehen, wohl bemerken, daß er an seiner Ehegattin eine Lebensgefährtin habe, die die Beschwerden dieses Lebens ihm getreulich tragen helfe. Allein – Gott ist der Herr des Lebens und des Todes – er rief sie zu sich. Ein trauriger Anblick für ihre beiden Aeltern, die ihr ins Grab nachweinen müssen; aber tröstet euch, liebe Aeltern! euere Tochter hat hienieden ihr Tagewerk nur eingestellt, um jenseits ihren Lohn zu empfangen – ihr werdet sie wieder finden – tröstet euch mit den Worten Jesu im heutigen Evangelio: „Mit all euern Sorgen könnet ihr auch nicht einen Zoll zu euerer Größe setzen“, d. i.: All euere Sorge werfet auf den Herrn“, wie der Apostel sagt. Tröste dich, getrübter Gatte, denn die Rathschlüsse Gottes sind unerforschlich, und es ist kein Zweifel, daß, was geschehen, zu deinem und ihrem heile geschehen sey.
Wir Alle aber, die an ihrem Grabe stehen, beherzigen wir die Worte des Herrn: „Suche zuvor das Reich Gottes.“ O, um wie Vieles wird sich auch die Verstorbene noch besorgt, bekümmert haben, was wird sie sich noch für Entwürfe und Pläne gemacht haben – hier, hier hat all das irdische Sorgen und Kümmern um dies und jenes ein Ende – hier, hier, Geliebteste! ruft uns das Grab zu: „Warum kümmerst du dich um so Vieles und machest dir Sorgen für deinen Leib, und glaubst was Großes zu versäumen, wenn du diesen oder jenen Augenblick für Gott und die Ewigkeit verwenden würdest – und doch – und doch mußt di einst Alles daheim liegen und stehen lassen – und dich da herein legen, um einem gerechten Richter Rechenschaft über deine Werke zu geben.“ „Wo sind sie dann, wenn du die zeitlichen Dinge für die Hauptsache, die ewigen aber nur für Nebensache angesehen hast?“ Diese Lehre, Geliebte! wollen wir uns heute von diesen Grabe mit heimnehmen: „Suche vor Allem das Reich Gottes und dessen Gerechtigkeit – das ist das Erste und Notwendigste. – Versäumen wir keinen Augenblick an unserem Heile zu arbeiten, setzen wir alle übrigen Geschäfte dem Geschäfte des Heiles nach, das Geschäft des Heiles aber soll unsere erste und vorzüglichste Sorge sein. Sollte die Verstorbene aber noch einige Fehler im Fegefeuer abzubüßen haben, so lasset uns ihr durch unser Gebiet zu Hülfe kommen, und nun mit gebogenen Knieen für sie entrichten ein andächtiges Vater unser – Ave Maria.
Quelle: Fest- und Gelegenheits-Predigten von Xaver Maßl, Stadtpfarrer bei St. Paul in Passau. Dritter Theil. Bruderschafts-, Geschichts- und Predigten vermischten Inhaltes, Trauer- und Grabreden. Schaffhausen. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung. 1847


Verzeichniß der männlichen Dienstboten, welche eine Reihe von Jahren ununterbrochen bei einem Oekonomen redlich, fleißig und treu gedient haben, und daher mit der Vereins-Denkmünze belohnt werden: … M. Haßenhammer, 41 Jahre bei K. Haßenhammer, Hofbesitzer in Ellaberg; …
Quelle: Münchener Tagblatt, 07.10.1841


Anrede
am
Grabe einer Gefallenen.
„Wenn die Lust empfangen hat, so gebiert sie die Sünde, die Sünde aber, wenn Sie vollbracht ist, gebiert den Tod.“ Jak. 1, 14.
Andächtige! Auserwählte!
Das sind die Worte des heiligen Apostels Jakobus, und wie nachdrücklich predigen sie uns die Wahrheit an diesem offenen Grabe der Anna Maria Mauthner, die gerade in der Blüthe ihres Lebens, im 28sten Jahre ihres Alters, den Tode unterlag, von dem der heilige Apostel Paulus sagt, er sey der Sold der Sünde, die nach des heiligen Jakobus Ausspruch vollbracht, den Tod gebiert. Nicht ich, dieses Grab prediget es: diese Person hatte ihren Tod in der Sünde gefunden; ihre Sünde, die nun nach dem bekannten Folge für uns kein Geheimnis mehr ist, hat in den Tod geboren. Jene beiden heiligen Apostel reden zwar von dem ewigen Tode, dem Verlust der heiligmachen Gnade und der daraus folgenden ewigen Verdammniß, wenn der Sünder sich nicht bekehret und Buße thut, ein Tod, der ohne Vergleich viel schrecklicher ist, als der zeitliche Tod des Leibes, aber auch diesen, den zeitlichen Tod zieht die Sünde öfters nach sich; denn die Zahl derer, die wegen der Sünde und durch die Sünde ein früheres Grab finden, als sie sonst gefunden haben würden, und dadurch auf eine gewisse Weise zu Selbstmördern werden, ist nicht geringe, ach! wie Viele wird dieses Erdreich bedecken! und auch diese Unglückliche, die wir soeben in ihr selbst bereitetes Grab gelegt haben, fiel der Anzahl derer anheim, welche durch ihren Tod die traurige Wahrheit bestätigen, daß die Sünde auch am Leben des Leibes Schaden anrichte.
Wie, wir sollen am Grabe dieser Unglücklichen Anna Maria stehen, und nicht ergriffen, erschüttert und zu den ernsthaften Gedanken bewegt werden? Wo sind die Leichtsinnigen, wo die Frevler, wo die Unsinnigen, die mit der Sünde nur Scherz und mit der Unschuld und der Tugend der Keuschheit Spott treiben, die hiebei dem offenen Grabe eines Opfers der Sünde nicht ernsthafter, nicht nachdenkender würden? Unglückliche A. Maria! wie lehrreich ist dieses dein Grab; hast du durch dein Leben und durch deinen wiederholten Fall auch manches Aergerniß gegeben, dein Tod und dein Grab können den Eindruck desselben jetzt schwächen. Könntest du aufstehen aus deinem Grabe, könntest du nur auf einige Augenblicke zu denen reden, die jetzt um dein Grab stehen, und uns sagen, was den nur in den wenigen Stunden schon jenseits erfahren hast. Aber ich will an einer Statt reden, ich will für dich das Wort führen! Höret, was sie euch zuruft: „Ihr Alle, die ihr die Wege gehet, die ich gegangen bin, nehmet euch an mir ein Beispiel, laßt euch meinem Tod und mein Grab zu einer abschreckenden Lehre seyn, daß ihr keinen Schritt mehr weiter setzet auf der breiten Straße, die zum Verderben führt. Ich habe mit euch gelebt und bin mit euch lustig gewesen, ich habe mit euch getanzt und gelacht, gesungen und die Gott geheiligten Tage in Leichtsinn zugebracht, ich habe dies sündhaften Freuden der Welt mit euch genossen und sie für das einzige Vergnügen gehalten, darüber aber habe ich die Tugend und Unschuld verloren, meine Ohren gegen alle guten Ermahnungen und Lehren verstopfet, und Alles, nur nicht an die Ewigkeit gedacht, sehet aber jetzt auf mein Ende; was sind nun alle mit euch und unter euch genossenen Freuden, was jene Stunden, die ich mit euch auf dem Tanzboden verscherzte, was jenes sündhafte Lust, von der ich mir die Fessel der Sünde habe anschlagen, von der ich mich habe bethören lassen? Das, das macht nun meinen Jammer, mein Elend, mein Gericht, meine Strafe aus, unter der ich unaussprechlich leide. Kommet nun, und helfet mir in meiner Noth, kommt und rettet mich aus der Hand des ewigen Richters. Ach! ihr habt mich nun verlassen, ich sehe nun zu spät ein, daß es besser gewesen wäre, ich hätte nie mit euch gehalten, ich wäre nie in euerer Gesellschaft gewesen, ich hätte eher Buße gethan, und ein frommes Leben geführt, das ihr zwar verachtet, das aber hier in der Ewigkeit allein der größte Trost ist, und die ewige Krone erlangt. Höret meine Stimme nun auch aus dem Grabe, die ihr sie so oft in euerer Gesellschaft gehöret habt. Nun rede ich anders, da mir die Augen in der Ewigkeit aufgegangen sind; höret mich, ihre Freundinnen, die ihr, wie ich gethan habe, Unschuld und Keuschheit schon verloren haubt. Ich bitte, ich beschwöre euch bei dem Gerichte Gottes, das über mich ergangen ist, kehret zurück, thut Buße und bekehret euch, gehet in euch, beichtet aufrichtig euere Sünden, und brechet Verbindungen und Bekanntschaften ab, die euch zeitlich und ewig unglücklich machen. Ihr aber, ihr Glücklichen, die ihr noch euere Unschuld und Keuschheit besitzet, sehet nur hinein in mein Grab, und laßt es euch zu einer Ermunterung seyn, euere Tugend und Unschuld zu erhalten, fliehet die Gefahren, in denen ich meinen Untergang gefunden habe, gebet jenen Lehren und Ermahnungen euerer Eltern, euerer Seelsorger Gehör, die ich leichtsinnig in den Wind geschlagen haben. Es ist wahr, es ist alles wahr, daß der Tanz das Grab der Unschuld ist, die Unkeuschheit die aller abscheulichste Sünde, die Keuschheit aber und die Jungfrauschaft, Tugenden, mit welchen ich jene angethan sehe, die in Gesellschaft der Engel ewige Glorie und Glückseligkeit geniessen. – Aeltern! die ihr Töchter habet, aus meinem Grabe hinauf rufe ich euch zu: Bewahret ihre Unschuld! Laßt sie nicht zu Vergnügungen, welche ihre Unschuld verpesten, gestattet ihnen keine Bekanntschaft, keine Zusammenkünfte, halte sie von Kindheit auf in Zucht!
Höret aber, Geliebte! was A. Maria noch aus ihrem Grabe ruft, sie will das Aergerniß gut machen, so viel sie kann; sie hat darum noch zeitlich nach dem Priester verlangt, sie hat die aufrichtige Zeichen der Buße und Bekehrung gegeben, sie hat reumüthig eine Generalbeicht abgelegt, sie hat ihre Sünden bereut und beweint, verflucht und verabscheut, und aus dem Drabe läßt sie euch Alle um Verzeihung bitten. Liebe Aeltern! ruft sie: Vater, Mutter! verzeihet mir den Ungehorsam, wodurch ich so großen Schmerz, solche Schmach, solches Leiden auf euch gebracht habe, und erbarmet euch meines Kindes, das Gott nun euern Händen übergeben hat, da die meinigen zu unwürdig waren, es zu erziehen. Gute Brüder, liebe Schwestern! verzeihet mir das Uebel, das ich euch angethan habe, das Leidwesen, welches ich in unsere Familie gebracht, verstoßet mich nicht aus eueren Andenken, sondern schließt mich täglich in euer Gebet. Liebet und achtet euren Vater um eure Mutter, gehorsamet ihnen mehr als ich, und machen ihnen Ehre durch eine christliche Aufführung. Christliche Pfarrgemeinde! verzeihe mir das Aergerniß, das ich in dir gegeben habe, die Unehre, die ich dir gemacht, und verachtet, vorabscheuet die Sünde, die mich unter die Erde gebracht, aber verachtete nicht mich, die Sünderin, sondern erbarmet euch meiner aus Liebe Jesu, der auch der reumüthigen Sünderin Barmherzigkeit widerfahren ließ.“ Ja, A. Maria! Ja, wir verzeihen dir Alle, auch ich, dem du als dem geistlichen Vater dieser Gemeinde, als Hirten dieser christlichen Heerde durch deinem Fall eine tiefe Wunde ins Herz geschlagen hast, auch nicht verzeihe dir um der Reue und Bußfertigkeit wegen, mit der du einen Geist in die Hände Gottes übergeben hast. – Wie gerne wollte ich dich zum Leben erwecken, wenn ich könnte, wie gerne wollte ich rufen: Stehe auf, und rufe den ausgelassenen Burschen zu, welches schreckliche Gericht über sich ergehe, die durch die abscheulichen Worte und schändlichen Handlungen der Keuschheit nur spotten, die Unschuld verführen; stehe auf, und schreie den ausgelassenen Dirnen ins Ohr, welche Ausschließung von der ewigen Seligkeit, welche feurige Ruthe, welche Jammer in den Flammen des Feuers, das Gottes Gerechtigkeit für solche Sünden angezündet hat, auf sie warten; stehe auf erzähle nun deinen Kameradinnen, (die selbst bei deiner Leiche mit ihrer Schande noch prangen, und da sie vor deinem Grabe gedemüthiget und beschämt, voller Reue und Zerknirschung erscheinen sollten, in der Schamlosigkeit bis zum Entsetzen gehen wollen, indem sie sichs herausnehmen wollten, selbst die gottesdienstliche Handlung der Begräbniß durch ein Aergerniß zu beflecken, das jedes ehrbare Gemüth empören muß.) Erzähle ihnen, was du jetzt schon gesehen und erfahren hast, zeige ihnen deine Seele, daß sie endlich einsehen lernen, was es heiße, sie, die Jesus um sein kostbares Blut erkauft hat, durch Sünden der Unreinigkeit und der Hurerei zu beflecken; stehe auf – doch du wirst nicht mehr aufstehen, bis dich und uns Alle die Stimme des Menschensohnes aus den Gräbern aufwecken wird; wolltest du auch gerne kommen, und uns sagen, in welchen Zustande du dich befindest, der Herr sagt dir, wie im Evangelio steht: „Sie haben ihre Propheten und Lehrer, und wenn sie ihnen nicht glauben, so würden sie selbst meinen Engeln nicht glauben, wenn ich sie senden würde.“
O daß nun das Wort, die Lehre, die Ermahnung des Priesters, den Jesus zu euch sendet, so wenig Glaube findet, o daß bei allen Lehren und Predigten die Unsittlichkeit doch immer mehr überhand nimmt; o daß die Unkeuschheit, dieses allerabscheulichste Laster, zu einem so furchtbaren Strome anwächst, in welchem Tausende ihren Untergang finden, und daß die große Anzahl der Verführer und der Verführten gerade wieder Hunderte Anderen zum Falle wird, so daß es scheint, die Welt dürfe fortan nichts anderes mehr seyn, als ein großes Hurenhaus, in welchen nur Unzüchtige zu leben, alle Keuschen aber kein Recht mehr haben, keusch auf der Erde zu leben. Oder will und dieses Laster nicht selbst zur Ehre kommen? Schämen sich denn auch die Gefallenen noch? Haben Sie nicht alle Scham und Scheu mit Füßen getreten? Erheben sie sich frech ihre ausgeschämte Stirne, auf der ihnen ihre Laster der Finsterniß geschrieben stehen? Setzen sie sich nicht den Unschuldigen gleich? Was sage ich? Sie erheben sich noch über diese, sie beschimpfen und spotten sie, als wenn jetzt das nun mehr eine Ehre wäre, seine Ehre zu verlieren. Ich muß mit Jesu ausrufen: „O du ausgelassenes und ehebrecherisches Geschlecht, Sodoma und Gomorrha werden am Tage des Gerichtes wider dich aufstehen.“ Ja, wehe denen, von welchen gesagt werden muß, was der heilige Geist über die Unkeuschen ausgesprochen hat: „Das Laster ihrer Jugend hat ihre Gebeine durchdrungen, und schläft mit ihnen in der Grube.“ Job. 10, 11. Wohlan! die ihr dem Evangelio nicht glaubet, die ihr alle Ohren vor jeder Ermahnung verstopfet, die er einmal dahinleben wollet, als wäre ein Tod, kein Grab, keine Ewigkeit, kein Richter, keine Hölle, keine Verdammniß, lebet fort, wie ihr wollet, lachet, scherzet, spottet, höhnet über Unschuld und Keuschheit, machet euch noch groß in eueren Sünden, und rühmet euch euerer Laster, sehet – da ist euer Ende, lasset es ankommen, wenn ihr wollet, bis auf das Grab – sieh, was du bist, – eine Handvoll Staub – sieh diesen Todtenschädel, das wird auch dein Haupt werden – dann, dann wird dir offenbar werden was du nicht geglaubt hast, dann ist dein Leichtsinn, dein Hochmuth, dein Unglaube, deine Wollust zu Ende, du wirst dem ewigen Richter anheim fallen. Wer sollte aber so verhärtet seyn, der am Grabe dieser Wahrheiten nicht erschüttert würde! So lasset uns denn alle in unser Inneres schauen, die Sünde verabscheuen und den festen Entschluß fassen, unser Leben zu bessern. Schieben wir Buße und Bekehrung nicht bis zum letzten Augenblicke hinaus, die Buße und Bekehrung am Sterbebette ist selten eine wahre, allzeit aber eine zweifelhafte. Wie Gott die Buße und Bekehrung dieser verstorbenen A. Maria angenommen habe, ist ein Geheimniß seiner Rathschlüsse, – lassen wir sie aber, das Bessere hoffend, allzeit unserm Gebete empfohlen seyn, und beten wir, ihrer Seele zum Troste, wenn sie etwa ihre Sünden nicht genug abgebüßt hätte, ein andächtiges Vater unser und den englischen Gruß.
Quelle: Fest- und Gelegenheits-Predigten von Xaver Maßl, Stadtpfarrer bei St. Paul in Passau. Dritter Theil. Bruderschafts-, Geschichts- und Predigten vermischten Inhaltes, Trauer- und Grabreden. Schaffhausen. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung. 1847

Aus alten Zeitungen und Druckwerken

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