1947

Wo liegt der Bayerische Wald?
Das ist keine überflüssige, geschweige denn eine dumme Frage. Wer sich als Landfremder mit der Lexikonweisheit genügen will, der greife zum Band 2 „Astübe bis Bismarck“:
„Bayerischer Wald, siehe Böhmerwald.“
Da fängt nun freilich das große Suchen an, denn den ganzen Böhmerwald können wir nicht für die Waldler reklamieren. Wir müssen uns also schon ein bißchen anstrengen, auf die Karte schauen, den politischen Grenzen, den Flußläufen, den Gebirgszügen folgen und in den Jahrbüchern nachblättern. Allmählich kommen wir so zu folgendem Ergebnis:
Der Bayerische Wald ist ein verhältnismäßig geringes Stück des mächtigen Böhmerwaldes, der von Nordwest gegen Südost ziehend, vom Vogtland bis Oberösterreich hinab sich erstreckt. Was davon nach Südwesten abfällt und das linke Ufer der Donau bedeckt, ist der Bayerische Wald. Seine nördliche Grenze bildet die Schwarzach, vom Ursprung bis zur Mündung in die Naab. Dann die Naab südwärts bis Burglengenfeld; von hier eine Gerade ostwärts bis zum Knie des Regens gezogen. Von hier der Lauf des Regens bis zur Mündung ist dann die westliche, die Donau die südliche Grenze. Während die Landesgrenze von Passau bis wieder an die Quelle der Schwarzach – über Waldmünchen hinauf – die östliche Begrenzung des Bayerischen Waldes bildet.
Diese stolze Frucht unseres Fleißes scheint hieb- und stichfest zu sein, vor allem werden uns die zünftigen Geographen zustimmen. Und doch haben wir die Rechnung ohne den Wirt, d. h. ohne den Mann gemacht, den die Sache direkt angeht. Ohne den Waldler nämlich, der sich dagegen wehrt, so ein großes Stück Oberpfalz hinzuzunehmen.
„Die Steinpfalz“, sagt der echte Waldler, „die Hundspfalz“, sagt er noch ein wenig derber, „hat mit dem Bayerischen Wald nichts zu tun! Nicht die Schwarzach, sondern der Hiener ist die nördliche Grenze. Und das am Fuße des Hiener liegende Gleißenberg ist und bleibt das letzte Dorf des Bayerischen Waldes!“
Unter solchen sachverständigen Zurechtweisungen bleibt uns nichts anderes übrig, als die Grenzen enger zu ziehen. Also:
Von Regensburg der Donau entlang bis zum Jochenstein, dann nordwärts bis zum Dreisessel, von hier über Eisenstein bis Furth. Von Furth dem Gewässer der Chamb entlang bis Cham, von wo aus der vielgewundene Regen zum Ausgangspunkt Regensburg zurückführt.
Wer sich aber einbildet, mit dieser Revision sei nun die äußerste Grenze der waldlerischen Bescheidenheit (oder des waldlerischen lokalpatriotischen Stolzes) erreicht, der ist immer noch auf dem Holzweg. Freilich: wer kein Altbayer ist und wer die geheimen Sehnsüchte des Altbayern nicht kennt, der läßt sich nicht einmal davon träumen, wie weit weg dieser Stamm von allen Eroberungsgelüsten ist! Das „Mein Vaterland muß größer sein“ ist nicht von altbayerischen Kehlen gesungen worden . . .
Darum fällt es gar nicht schwer, einen weiteren Waldler zu finden, dem auch dieser reduzierte Bayerische Wald noch viel zu groß ist. Solche radikale Waldler lassen selbst die Donau nicht als südliche Grenzen gelten! Nein, sie sprechen den Bewohnern des unmittelbaren linken Donauufers die waldlerische Stammeszugehörigkeit ab und wollen von Regenstauf nach Donaustauf eine Linie gezogen haben, die also das Mündungsgebiet des Regen ausschließt. Überängstlich sehen solche Waldler darauf, daß keine „Pfälzer“ und keine Leute „vom Land“ sich in ihre waldlerische Gemeinschaft drängen. Und darum hat schon vor über einem halben Jahrhundert ein bekannterer Schilderer des Bayerwaldes (K. v. Reinhardstorttner) folgenden Seufzer getan: „Es ist schwer, die Grenzen des eigentlichen Bayerwaldes, selbst nach wissenschaftlichen Grundlagen, genau zu ziehen.“
Dürfen wir aber den Waldlern glauben? Ist vielleicht nicht etwas Eigensinn im Spiel? Hören wir, was der alte Pater Fortunat Huber im Jahre 1671 über die Waldler geschrieben hat:
„Die Völker, so in der Gegend herumb wohnen, werden jetzt die Wäldler genambste; denn selbige Landschafft im Wald ligt, und dahero fast waldächtig ist. So werden sie doch an erbaren Sitten, höflichen Gebärden und freundseeliger Lebensart nit für wilde Waldbrüder, sondern für burgerliche, wolerzogne, ehrenbietige, glaubenswürdige und an löblichen, wohlanständigkeiten gezierte Leute gehalten.“
Also: – nit wilde Waldbrüder sondern glaubwürdige Leute!
Quelle: (Straubinger Tagblatt) Niederbayerische Nachrichten 24.10.1947


Arbeit für 250 Flüchtlinge
Der Arbeitseinsatz der Flüchtlinge macht die damit beauftragten Stellen die größten Schwierigkeiten, weil besonders im Bayerischen Wald sehr wenige und sehr wenig geeignete Arbeitsstellen vorhanden sind. Umso erfreulicher ist es, wenn es Unternehmer gibt, die zum Ziel haben, den Vertriebenen Arbeit und Brot zu geben.
In Hunderdorf bei Bogen hat Werner Greiert einen Holzverarbeitungsbetrieb aufgebaut. Er führte uns persönlich durch den Betrieb, dessen Belegschaft von 290 Arbeitern zu 85 Prozent aus Flüchtlingen besteht. Das Stammunternehmen in Bischofsreuth im Kreis Wolfstein konnte durch die widrigen lokalen  Verhältnisse nicht im gewünschten Umfang ausgebaut werden. Dafür war dem Betrieb in Hunderdorf mehr Erfolg beschieden. Wir konnten in die Pläne für eine Werksiedlung Einsicht nehmen, die auf einer Fläche von 24 Tagwerk aufgebaut werden wird. Im kommenden Frühjahr sollen die ersten baulichen Arbeiten beginnen. Neben 60 Häusern in Lehmbauweise ist eine kleine Kirche, ein kleines Krankenhaus und ein Kindergarten vorgesehen.
Trotz Materialschwierigkeiten konnte die Firma den größten Spielwarenumsatz Deutschlands erzielen. Besondere Beachtung verdienen die Arbeiten der achtzehn Kunstmaler. Obwohl nur zwei beruflich ausgebildet wurden, konnten alle erstaunliche Leistungen erreichen. Die von ihnen auf Holz gemalten Bilder werden gerahmt für den Verkauf fertig gemacht. Die Nachfrage in allen Herstellungszweigen ist derart groß, daß der Betrieb auf eineinhalb Jahre mit Arbeiten versorgt ist. In der Schreinerei werden heute hauswirtschaftliche Geräte hergestellt. Bis zum Winter sollen 24 Maschinen, von 34 Motoren angetrieben, voll arbeiten und mit der Herstellung von Küchen- und Wohnmöbeln begonnen werden. Der Strom wird in einer eigenen Anlage erzeugt und bis zum Frühjahr die Möbelherstellung in der bis dahin fertigen Halle gesteigert werden.  Mit sichtlichem Stolz zeigt man uns die neuerbaute Radioanlage, an die in jedem Arbeitsraum ein Lautsprecher angeschlossen ist. Zur Unterhaltung in der Freizeit steht den Betriebsangehörigen heute schon eine Bücherei mit 250 guten Werken zur Verfügung. Neuerdings wurde für jeden einzelnen Mitarbeiter und für die Kinder verwitweter Frauen eine Lebensversicherung abgeschlossen.
Quelle: (Straubinger Tagblatt) Niederbayerische Nachrichten 07.11.1947


Hunderdorf. SPD-Versammlung mit Abg. Laumer. Am vorgestrigen Sonntag sprach in Hunderdorf und Degernbach im Landkreis Bogen der SPD-Landtagsabgeordnete Josef Laumer, Straubing. Zu Beginn seiner Ausführungen stellte er fest, die deutsche Sozialdemokratie sei die politische Richtung, in die die Welt das größte Vertrauen zur Errichtung eines neuen demokratischen Deutschlands setzt. Zur Frage des deutschen Wiederaufbaus äußerte Laumer, daß nur unermüdlicher Fleiß eines jeden einzelnen die beste Garantie zur Lösung dieses gewaltigen Problemes bilde. Im weiteren Verlauf seines Referates setzte sich der Redner mit politischen Themen auseinander, die Deutschland und insbesondere Bayern betreffen. Dabei griff er die Hundhammerische Kulturpolitik an und bezeichnete die Wiedereinführung der Prügelstrafe und die Errichtung von Konfessionsschulen als rückschrittliche Maßnahmen, die in der Zukunft spürbare Folgen zeigen würden. Mit scharfen Worten wandte sich Landtagsabgeordneter Laumer gegen die völlig unzureichende Unterstützung der Kriegsversehrten. In diesem Zusammenhang traf er die Feststellung, daß Bayern jährlich 250 Millionen Reichsmark zur Unterstützung seiner Kriegsversehrten ausgibt. Dies stehe im kläglichen Gegensatz zu den Kriegskosten der Nazis, die täglich einen Betrag von 276 Millionen Reichsmark erreicht hatten. Zum Abschluß seiner Ausführungen sagte Laumer: „Wer christlich ist, der ist auch sozial. Alle Menschen aber, ganz gleich welcher Partei und Religion sie angehören, müssen sich das biblische Wort zu eigen machen: Friede den Menschen auf Erden!“
Quelle: (Straubinger Tagblatt) Niederbayerische Nachrichten 25.11.1947


Theaterbrief aus Bogen
Die Marktgemeinde Bogen besitzt eine große und treue Theatergemeinde. Das beweist nicht nur der stets bei Gastspielen der verschiedensten Wander-Ensembles vollbesetzte Saal, das haben auch die bewiesen, die während des vergangenen Winters allmonatlich 2-3 mal mit dem Personenomnibus von hier nach Straubing zu den Vorstellungen des Stadttheaters gefahren sind. Dies ist nun für die jetzige Spielzeit durch die Treibstoffverknappung unmöglich geworden. Ist es verwunderlich, daß die Theatergemeinde Bogen hofft, daß das Stadttheater Straubing Treue mit Treue vergilt und wenigstens monatlich einmal den Markt Bogen bespielt? Bogen besitzt ja in dem „Post“-Saal einen sehr ansprechenden und geräumigen Theatersaal. Die Intendanz der Straubinger Stadttheaters dürfte der Anerkennung und des Dankes der Bogener Bevölkerung gewiß sein.
Quelle: (Straubinger Tagblatt) Niederbayerische Nachrichten 25.11.1947


3000 Paar Schuhe im Monat
Ein vorbildlicher Flüchtlingsbetrieb in Steinburg

Die Firma Marianne Weber in Steinburg befaßt sich seit ihrer Lizenzierung am 1. Spetmber 1945 mit der Fabrikation von Schuhen aus Stoffresten, Stroh, Seegras und anderen, an sich nicht mehr verwendbaren Materialien.
Der Betrieb beschäftigte in der ersten Zeit lediglich sechs Arbeitskräfte, die sich allerdings bis ende des Jahres 1945 auf 36 erhöhten. Als sich im Juni dieses Jahres das Staatskommissariat für das Flüchtlingswesen für die Produktion interessierte und der Firma einen großen Auftrag erteilte, erfuhr der Betrieb schlagartig einen gewaltigen Aufschwung. Der erwähnte Staatsauftrag machte eine bedeutende Erhöhung der Zahl der Beschäftigten unbedingt erforderlich. So ist es zu verstehen, daß die Arbeiterzahl zunächst auf 115 und dann im Laufe der Zeit bis auf über 200 anstieg. Davon entfallen allein 90 v. H. auf Flüchtlinge, so daß man hier von einem ausgesprochenen Flüchtlingsbetrieb sprechen kann. Die Herstellung der Schuhe erfolgt in Heimarbeit in erster Linie durch auf Verdienst angeweisene Frauen mit Kindern. Die Möglichkeit der Heimarbeit erspart den Beschäftigten verständlicherweise zeitbedingte Schwierigkeiten. Da laut Informationen die Entlohnung außerordentlich befriedigend ist, fällt dieser Personenkreis nicht mehr wie bisher der öffentlichen Fürsorge zur Last. Gerade dieser Umstand hat Anrecht auf besondere Würdigung. Erwähnenswert ist an dieser Stelle ferner, daß der Radius der Firma Weber, deren Sitz sich in Steinburg befindet, ein ausgedehntes Gebiet umfaßt. Arbeitsplätze sind beispielsweise in Schwarzach, Perkam, sowie in Bezirken der Landkreise Straubing und Bogen anzutreffen.
In welch erstaunlichem Maße die Firma Weber ihre Produktion zu steigern vermochte, geht daraus hervor, daß im Monat Januar 1947 vierhundert Paar Schuhe angefertigt wurden, im Gegensatz zum gegenwärtigen Stand von 3000 im Zeitraum eines Monats.
Eine noch erheblichere Steigerung Schuhproduktion ist das Ziel der Firma für die unmittelbare Zukunft durch die Errichtung eines geschlossenen Betriebes. Zu diesem Zweck liegen 12 000 Paar Gummisohlen bereit, außerdem wird mit einer Lieferung von 12 000 Paar Schuhsohlen aus Werkstoff gerechnet. Da das Staatskommissariat für das Flüchtlingswesen, wie bereits erwähnt, reges Interesse an diesem in jeder Weise vorbildlich zu nennenden Flüchtlingsbetrieb erkennen läßt, ist zu hoffen und zu erwarten, daß die Firma Weber aus dieser Richtung weitere Unterstützung nicht versagt bleibt, zumal eine Verbesserung und Erweiterung der Schuhproduktion das Augenmerk aller maßgeblichen Stellen auf sich ziehen müßte.
Unter dem Motto „Aufwärts – vorwärts“ sind Unternehmer und Arbeitnehmer bemüht, auf ihre Art nach besten Kräften an der Lösung des bedrückenden Wirtschaftsproblems unseres Volkes mitzuarbeiten.
Anläßlich der am Samstag im Kolpingsaal in Straubing stattgefundenen Weihnachtsfeier des Betriebes konnte man sich von der Qualität der fertigen Schuhe, die im Rahmen einer kleinen Modellschau dargeboten wurden, überzeugen. Besonders die Damenschuhe sind durch ihre aparte, ansprechende Form in der Lage, auch dem verwöhntesten Geschmack entgegenzukommen.
Die Weihnachtsfeier selbst, zu der Betriebsangehörige aus der gesamten Umgebung eintrafen, verlief in überaus herzlicher Weise und erhielt durch Darbietungen künstlerischer Natur eine besondere Note. Dabei sei namentlich der Kinder des Straubinger Waisenhauses gedacht, die mit ihren Weihnachtsspielen und Liedern den Abend ein festliches Gewand verleihen.
Die ausgesprochen weihnachtliche Stimmung wurde dann nach und nach von schmissigen Melodien abgelöst. An der Tombola beteiligte sich fast jeder, insbesondere als bekannt wurde, daß der Reinerlös dem Waisenhaus zufließt.
Quelle: (Straubinger Tagblatt) Niederbayerische Nachrichten Weihnachten1947


Bogen. Betriebsfeier bei Fa. Hummel. Der Holzverarbeitungsbetrieb Hummel in Bogen hatte seine fast 160 Arbeiter und Angestellte am Samstag abend in die Werkhalle zu einer weihnachtlichen Betriebsfeier versammelt, deren reichhaltiger unterhaltender Teil musikalisch von der Werkkappelle umrahmt wurde. Große Freude löste das Erscheinen des Knecht Ruprecht aus, der alle Betriebsangehörigen mit Gaben, zumeist eigene Betriebserzeugnisse, bedachte.
Quelle: (Straubinger Tagblatt) Niederbayerische Nachrichten Weihnachten1947


Bogen. Die Kreisgruppe Bogen der SPD veranstaltete am Sonntag nachmittag im überfüllten Staudingersaal eine Weihnachtsfeier, zu deren Beginn Vorsitzender Knittel bei der Begrüßung der Erschienenen auch Landtagsabgeordneten Muhr und Bürgermeister Wutz willkommen heißten konnte. Das reichhaltige Programm brachte neben musikalischen Darbietungen der Werner-Greiert-Kapelle Hunderdorf theatralische Vorträge. Sehr viel trug die Hunderdorfer Jugend zur Bereicherung des Programms bei, die sauber einstudierte Reigen und Lieder zur Darbietung brachten.
Quelle: (Straubinger Tagblatt) Niederbayerische Nachrichten Weihnachten1947

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