1905

Von Hunderdorf, 7. Jan., berichtet man uns: Beim Standesamte Hunderdorf wurden im Jahre 1904 36 Geburtsfälle gegen 44 im Vorjahre, sodann 8 Heiratsfälle gegen 9 im Vorjahre und 32 Sterbefälle gegen 36 im Jahre 1903 beurkundet.
Quelle: Straubinger Tagblatt 10.01.1905


Von Bogen, 14. Jan., schreibt man dem „Straub. Tagbl.“: Am vergangenen Sonntag hat sich in Apoig ein Dienstbube, namens Joseph Dorner, auf dem Eise durch einen Fall erheblich verletzt. Dessen Zustand verschlimmerte sich in einer Weise, daß Herr Dr. Stegmann zu Hilfe gerufen werden und der Junge mit den Sterbsakramenten versehen werden mußte. Durch die Geschicklichkeit des Arztes und mit der Hilfe Gottes können heute die Angehörigen des Buben getrost sagen: „Für sein Leben besteht keine Gefahr mehr.“ – Ein Mädchen Maria des Gastwirtes Herrn Edbauer von Hunderdorf, erst im 4. Jahre stehend, wollte sich am vergangenen Dienstag Nüsse Aufstecken, wobei das spitze Messer abwich und gerade gegen die Brust in den Leib eindrang. Auch in diesem Falle wurde ärztliche Hilfe von Herrn Dr. Stegmann geholt und geht es mit dem Mädchen schon wieder ganz gut.
Quelle: Straubinger Tagblatt 18.01.1905


Von Konzell und Umgebung, 16. Jan., wird uns berichtet: Die Bahn Konzell-Miltach ist bis Streifenau mit der Schienenlage vollendet und fahrbar. Von Seite der Bausektion verkehren bis Streifenau Materialzüge aus zwei und mehreren Wagen. Ein Interessent erhielt bereits einen Waggon Ziegel bis nach Streifenau mit dem Materialzug befördert. Es erfolgten auf dieses hin sehr große Bestellungen auf Dachziegel etc. und Holzverladungen, da z. Zt. die Wege gut sind und eine sehr günstige Schlittenbahn vorhanden ist, welche den Verkehr von und nach Streifenau sehr erleichtert. Es freuten sich nun Alle, die mit Straubing im Frachtverkehr stehen, daß endlich dieser steile Berg über Konzell nicht mehr mühsam und beschwerlich befahren werden muß. Da kam aber auf einmal Ordre: „Nach Streifenau darf nichts mehr befördert werden!“ Warum, weiß eigentlich niemand! Daß ein solches Verbot in der Tat böses Blut macht, ist leicht erklärlich, und die Meinung aufkommen läßt, diese Bahn sei blos ein Versuchskaninchen für manche Herren. Jahrelang wurde an den paar Kilometern herumgemessen und herumgebaut, und da man nun endlich einmal ein wenig fahren konnte, kommt auf einmal dieses Verbot. Man eröffne die Teilstrecke bis nach Streifenau und lasse die Bahnstation Konzell in Menach endlich einmal auf; nach derselben kräht kein Hahn; das ist das einzig Vernünftige! Solange diese gerechten Forderungen nicht verwirklicht sind, werden auch die Klagen in den Zeitungen nicht verstummen. Möge doch das hohe Verkehrsministerium sich nun uns Waldlern etwas erbarmen, von der Sache Kenntnis nehmen und darnach handeln. Einer im Namen vieler.
Quelle: Straubinger Tagblatt 20.01.1905


Von Apoig, 31. Jan., schreibt man dem „Straub. Tagbl.“: Auf Veranlassung des k. Distriktschulinspektors Herrn Pfarrer Gruber von Hunderdorf und durch Vermittlung des Herrn Professors Dr. Matzinger von Passau wurde unter Gestrigen im Sandbiller’schen Gasthause dahier eine Versammlung anberaumt, behufs Bildung eines christlichen Bauernvereins zum Anschlusse an den von Dr. Heim gegründeten Centralverein. Es wurden seitens des Herrn Vereins-Sekretärs Buhl ein über 1 Stunde dauernder, äußerst eingehender Vortrag erstattet über Zweck, Vorteile, Wohltaten und Ziele des christlichen Bauernvereins und sodann zur Constituierung des Vereins geschritten, dem sodann 25 Mitglieder beitraten. Als Obmann wurde der Viehhändler und Feuerwehrhauptmann Johann Hafner von Hunderdorf und zu dessen Stellvertreter der Oekonom Xaver Hien gewählt. Nach der Wahl hatte Herr Sekretär Buhl die Güte, noch über Düngerverwertung, speziell über Kunstdünger im Zusammenhalte mit der Beschaffenheit und Zusammensetzung des Bodens zu sprechen und wurden dessen Vorträge von der gutbesuchten Versammlung sehr beifällig aufgenommen. In nächster Zeit beabsichtigen die Gemeinden Steinburg, Gaishausen und Au v. Wald – in der Pfarrei Hunderdorf liegend – ebenfalls einen Zweig-Verein zu gründen und für sich ein eigenes Lagerhaus bei der Station Steinburg zu erbauen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 04.02.1905


Todes-Anzeige.
Nach Gottes unerforschlichen Ratschlusse verschied gestern vormittags 10 Uhr unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Vetter, der ehrengeachtete
Herr Michael Schreiner,
Ausnahmsbauer von Riegelberg
,
nach längerem Leiden versehen mit den hl. Sterbsakramenten in einem Alter von 76 Jahren. Um stilles Beileid bitten
Riegelberg, Hörabach, 22. Februar 1905.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Rohammer,
Joseph Heisinger,
Schwiegersöhne,
Theres Rothammer,
Franziska Heisinger,
Töchter.
Die Beerdigung findet statt am Donnerstag den 23. Februar vormittags 9 Uhr vom Hause aus nach Hunderdorf. Der Siebente und Dreißigste werden am Freitag 24. Februar vormittags 10 Uhr in der Pfarrkirche dortselbst abgehalten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 23.02.1905


Von Bogen, 4. März, geht und folgendes zu: Nicht geringes Aufsehen erregte es, als gestern der kgl. Oberamtsrichter Kümmerl mit dem Herrn Sekretär, Herr Gendarm Bauer und der Sachverständige Herr Konditor Günther sich nach Hunderdorf begaben, um dort bei dem Viktualienhändler R. Laus Kontrole zu üben bezüglich einer von diesem vorgenommenen Verfälschung von Rindschmalz mit Margarine. Die von der Schmalzabsatzstelle München aus durch die Staatsanwaltschaft angeregte Nachschau an Ort und Stelle soll tatsächlich die Fälschung festgestellt haben. Es wird vermutet, daß Laus nicht abgesetztes Margarinefett, um es auch wieder ohne Schaden hinauszubringen, dem reinen Schmalz zugesetzt habe.
Quelle: Straubinger Tagblatt 08.03.1905


Aus Steinburg, 6. März, geht uns folgendes zu: Nach den neuesten Erwerbungen umfaßt das Graf Bray-Steinburg’sche Familienfideikommiß zur Zeit nicht weniger ls ca. 3600 Tagwerk Grundstücke, worunter ca. 600 Tagwerk Wald. Die Grundstücke liegen in 34 Gemeinden, nämlich Aiterhofen, Alburg, Amselfing, Irlbach, Ittling, Kagers, Niederharthausen, Peitzkofen, Reibersdorf, Schambach, Straubing, Straßkirchen, Zeitldorn, Deggendorf, Greising, Steinkirchen, Stephansposching, Bogen, Bogenberg, Degernbach, Hunderdorf, Mariaposching, Perasdorf, Schwarzach, Waltendorf, Windberg, Au, Daxberg, Gaishausen, Neukirchen, Obermühlbach, Steinburg, Bischofsmais und Habischried.  Außer dem gräflichen Schlosse dahier gehören zu dem Fideikommiß die Wirtshäuser in Straßkirchen, Deggendorf, Wischlburg, Schwarzach, Waltendorf, Aiterhofen, Hermannsdorf, Ittling, Paitzkofen, Irlbacherkeller (Straubing); ferner 9 Oekonomie-Anwesen, 1 Wohnhaus in Straubing, eine Mühle in Steinburg und 1 Brennerei in Straßkirchen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 09.03.1905


Steinburg, 10. März. Der uns von geschätzter Seite zugegangene Bericht über das Graf Bray-Steinburg’sche Familien-Fideikommiß muß in einigem ergänzt werden. Dasselbe umfaßt z. Zt. nicht weniger als 8000 Tagwerk (nicht 3600 Tagw.) Grundstücke, darunter 4000 Tagw. Wald (nicht 600 Tagw.) und besitzt 18 Wirtshäuser. U. a. größeren Besitztümern gehört das ca. 1000 Tagw. Umfassende Gut Makofen und die je 500 bezw. 300 Tagw. Großen Güter Irlbach, Haidhof und Hermannsdorf.
Quelle: Straubinger Tagblatt 11.03.1905


Bogen, 21. März. Man schreibt uns: Das Alte stürzt … Mit dem Verkauf der Brauerei Bielmeier ist in unserem Markt der Brauereibetrieb eingeschlummert. Vor 40 Jahren hatte Bogen 12 angesehene und meist wohlhabende Bräuer, selbst vor 15 Jahren wurden in 6 Brauereien noch hübsche Quantitäten Malz versotten. Als die Bahnen noch nicht so ausgebreitet waren, kamen aus weiter Ferne täglich Hunderte von Wallfahrern, welche in Bogen übernachteten und sich an Bogener Bier labten. Die ungemein große Konurrenz der Großbräuer und nicht zuletzt die Eröffnung der Eisenbahn hieher haben den hiesigen Brauereien den Todesstoß gegeben. Nicht nur die hiesige Geschäftswelt, sondern auch die umliegenden Landleute haben mit dem Verschwinden des Brauereibetriebes viel verloren, denn während früher jeder umliegende Bauer viele seiner Erzeugnisse an die hiesigen Brauer absetzen konnte, ist ihm heute die Gelegenheit entzogen. Eine Menge Ladenbesitzer und zahlreiche Wirte klagen über flauen Geschäftsgang.
Quelle: Straubinger Tagblatt 24.03.1905


Von Bogen, 25. März, berichtet man uns: Die Gütlerseheleute Andreas und Maria Bornschlegl von Großlintach hatten von ihrer, nun verheirateten Tochter Karolina, ein 1 ½ Jahre altes Mädchen vorübergehend in Wart und Pflege. Am Donnerstag verließ nun Frau Bornschlegl, welche mit dem Kinde alleine zuhause war, auf einige Minuten das Wohnzimmer, um Wasser zu holen. Als sie wieder zurückkam, mußte sie zu ihrem größten Schrecken wahrnehmen, daß die Kleider des Kindes am ganzen Körper brannten und bis das Feuer gelöscht werden konnte, hatte sich das Mädchen derartige Brandwunden zugezogen, daß es anderen Tags unter qualvollen Schmerzen starb. Wie das Mädchen in Brand geriet, ist noch nicht aufgeklärt. Man nimmt an, daß ein aus dem Zugloch geflogener Funken das Unheil anrichtete.
Quelle: Straubinger Tagblatt 29.03.1905


Von Bogen, 2. April, teilt man uns mit: Die erst kurz geistig erkrankte Frau Theres Diewald, Söldnersehefrau von Stetten wurde auf aufsichtlich veranlaßte Anordnung hin gestern mittels Droschke nach Deggendorf in die Heil- und Pflegeanstalt verbracht. Möchte deren Heilung recht bald herbeigeführt werden, was im Interesse ihrer 2 kleinen Kinder nur zu wünschen wäre.
Quelle: Straubinger Tagblatt 05.04.1905


Aus Steinburg, 2. April, berichtet amn uns: Der Tod hat den jungen Söldner Albert Bielmeier aus der Chamauer-Gegend, welcher kaum ein Jahr verheiratet ist, und der sich das Schötz’sche Anwesen in Steinburg angekauft hatte, schwer heimgesucht. Seine 29 Jahre alte Ehefrau, die vor einigen Tagen entbunden hatte, und deren Kind vollkommen gesund ist, ist heute Nacht, ohne daß man eine Ahnung hatte, daß irgend eine Erkrankung vorlag, schnell und unerwartet verstorben. Ein schwerer Schlag für diesen jungen Mann!
Quelle: Straubinger Tagblatt 05.04.1905


Von Geishausen, 2. April, berichtet man uns: Heute hat man unsern seit 6 Jahren leidenden und seit 3 Jahren ununterbrochen im Bette liegenden braven Mitbürger Franz Fuchs von Hoch, Kriegsveteran aus dem deutsch-französischen Feldzuge unter großer Anteilnahme in Hunderdorf zu Grabe getragen. Die Musikkapelle von Thannanger spielte Trauerchöre, während beid er Senkung des Sarges die übliche Ehrensalve abgegeben wurde. Herr Cooperator Hauer hielt eine ergreifende Trauerrede am Grabe. Friede seiner Asche!
Quelle: Straubinger Tagblatt 05.04.1905


Die neue Lokalbahn Konzell-Miltach
Mit Beginn der Sommerfahrordnung am 1. Mai dieses Jahres erhält der Kreis Niederbayern durch die Eröffnung der Lokalbahn Konzell-Miltach im Anschluß an die bereits im Betriebe stehenden Linien Straubing-Konzell und Cham-Kötzting die längste Lokalbahnstrecke in Bayern. Die Entfernung Straubing-Cham beträgt nämlich 64 Kilometer. Durch Eröffnung des Betriebes wird die seit Jahren ersehnte direkte Verbindung von Straubing mit dem bayer. Walde und der Oberpfalz verwirklicht, das sowohl seitens der vielen Interessenten der Industrie als auch des Fremdenverkehrs freudigst begrüßt wird. Bestem Vernehmen nach werden die direkten Züge von Straubing-Cham und zurück mit erhöhter Geschwindigkeit durchgeführt, was den Personenverkehr, vornehmlich jenen der Touristen nach dem bayer. Wald, nur heben kann und wird. Der im Herbste des Jahres 1903 begonnene Bau der Verbindungbahn Konzell-Miltach hatte mit vielen Terminschwierigkeiten zu kämpfen. Nicht weniger als 18 größere und kleinere Brücken waren zu erbauen, über 93 000 Cubikmeter Felsen zu sprengen, so daß die Vollendung der 14 Kilometer langen Bahnstrecke Konzell-Miltach die verhältnismäßig lange Zeit von fast 20 Monaten in Anspruch nahm.
Die nachfolgende Detailbeschreibung der neuen Linie dürfte demnach von großem Interesse sein. Die von Konzell nach Miltach erbaute Lokalbahn bildet die Verbindungsstrecke der bestehenden Lokalbahnen Straubing-Konzell und Cham-Kötzting-Lam. Sie verläßt die Station Konzell in nördlicher Richtung, überschreitet die Menach und erreicht sodann, am östlichen, stark gefalteten Talabhange dieses Baches mit 25 Proz. stetig emporsteigend, kurz vor dem Halteplatz Streifenau die Wasserscheide zwischen Donau und Regen. Der Abstieg zum Regentale erfolgt im Tale des Rettenbaches und des Klingelbaches. Entgegen des allgemeineinen Entwurfes wurde die Linie zwischen Kilometer 4 und 7 zur Vermeidung des außergewöhnlich hohen (16 Meter) und rund 300 Meter langen Talüberhanges über den Klingelbach neben einer hiebei notwendigen größeren Bahnbrücke für die gleichzeitige Ueberführung des Klingelbaches und der Distriktstraße aus dem Klongelbachtale, zunächst auf der nordwestlichen Höhe an der Ortschaft Wies vorbeigeführt und erst bei Kilometer 6,76 der Klingelbach mittels einer nur 12,25 Meter weiten gewölbten Bahnbrücke auf 8 Mtr. Hohem Damme überschritten.
Im einzelnen folgt die Linie ab Kilometer 4,5 bei der Kumpfmühle den Kasparzellerbach überschreitend, dem westlichen Hang dieses Baches und gelangt in scharfen Krümmungen und mit einem Gefälle von 25 Proz. zur Haltestelle Wies, hinter welcher sie sich weiter zum Klingelbach absenkt und diesen dann bei Kilometer 6,76 überschreitet.
Die Staatsregierung von den beiden Kammern zur Würdigung hinübergegebene Variante über Kasparzell durch das Weihermühltal fand eine eingehende Untersuchung und ergab sich, daß die Baukosten dieser Variante allerdings sich niedriger stellen würden, daß dagegen eine mehrlänge von 1,36 Kilometer und eine verlorene Steigung von 28,50 Meter hätte in Kauf genommen werden müssen. Abgesehen davon, daß für eine durchgehende Linie die verlorene Steigung von 28,50 Meter unzulässig erschien und eine ganz wesentliche Erschwerung und Verteuerung des Betriebes verursacht haben würde, so mußte schon die Rücksicht auf die Stellungnahme der Lokalbahninteressenten, die eine Beteiligung an den Grunderwerbskosten rundweg ablehnten, dazu führen, die Variante fallen zu lassen.
Vom Kilometer 6,76 ab folgt die Linie dem Perlbachtale mit mäßigem Gefälle zunächst auf der rechten Talseite unter Beibehaltung einer im wesentlichen nördlichen Richtung, berührt Altrandsberg an der Ostseite und überschreitet nach Verlasen dieser Haltestelle den Perlbach, tritt sodann auf der linken Talseite über und verläuft auf derselben bis zum Halteplatz Untervierau, unterhalb welcher Ortschaft der Perlbach wiederum überschritten wird. Nach Uebersetzung des Schnabelbaches passiert die Linie, an der Ostseite der Ortschaft Obervierau vorüber, den Halteplatz Oberndorf, umfährt hierauf die Ortschaft Miltach auf der Ostseite und tritt nunmehr in das Regental ein. Der Regen selbst wird senkrecht zum Stromstrich mittels horizontaler Blechbalkenbrücke von 4 Oeffnungen zu 20 Meter Lichtweite überschritten, worauf die Linie in die Haltestelle Miltach einmündet.
Die Länge der Bahnlinie zwischen den Stationen Konzell und Miltach beträgt 14,99 Kilometer, nach der Luftlinie gemessen rund 12,70 Kilometer. Da die Station Konzell 446,60 Meter und die Station Miltach 382,500 Mtr. über dem Meeresspiegel sich befindet, so liegt letztere um 63 Meter tiefer als die Station Konzell. Der höchste Punkt der Wasserscheide liegt 521,00 Meter Meereshöhe.
Der kleinste Krümmungshalbmesser mit 200 Meter mußte wie im allgemeinen Entwurfe beibehalten werden, doch konnte eine Vergrößerung einer großen Anzahl von Krümmungshalbmessern ohne wesentliche Kostenerhöhung durchgeführt werden. Die größte Steigerung in der Richtung gegen Miltach beträgt 26 Proz., in der Richtung gegen Konzell 25 Proz. Vor dem Uebergang über das Regental war die Einschaltung einer geringen Gegensteigung erforderlich. Die verlorenen Steigungen betragen zusammen 71 Meter.
Als Haltestellen kamen zur Ausführung: Wies und Altrandsberg, als Halteplätze mit Ladestellen: Streifenau und Oberndorf, ferner lediglich als Personenhaltestelle: Untervierau.
Die zu bewegenden Erdmassen beliefen sich auf 193 862 Cubikmeter oder 12,9 Cubikmeter für das Meter Bahnlänge; hievon bestanden 93 036 Cubikmeter aus gebundenem Material. An größeren Kunstbauten waren auszuführen: eine gewölbte Brücke über die Menach bei Klm. 0,63 mit 7,40 Meter Lichtweite; eine offene schiefe Brücke über den Rettenbach bei Klm. 4,47 mit 5,92 Mtr. senkrechter Lichtweite; eine gewölbte Brücke über den Perlbach bei Klm. 6,76 mit 12,25 Mtr. Lichtweite, eine gewölbte Brücke bei Klm. 8,73 nächst der Irlmühle, gleichzeitig als Wegunterführung dienend, mit 10 Mtr. Lichtweite; eine gewölbte Brücke über den Perlbach bei Klm. 10,16 mit 7,3 Mtr. Lichtweite; eine Hochwasser-Flutbrücke mit eisernem Ueberbau bei Klm. 10,22 mit 3 Oeffnungen, 2 mit je 7,32 Mtr. und 1 mit 7,23 Mtr. Lichtweite, bei Haltestelle Altrandsberg; ferner zwei Brücken mit eisernem Ueberbau nächst Untervierau über den Mühlbach bei Klm. 11,33 mit 3,66 Mtr. Lichtweite und über den Perlbach bei Klm. 12,37 mit 8,36 Mtr. Lichtweite; zwei Brücken mit eisernem Ueberbau unterhalb Untervierau bei Klm. 12,50 bei Klm. 6,76 mit 12,25 Mtr. Lichtweite; eine gewölbte den Schnabelbach bei Klm. 13,13 mit 5,3 Mtr. Lichtweite; eine gewölbte Wegunterführung bei Klm. 13,91 nächst Miltach mit 7,3 Mtr. Lichtweite; eine Wegunterführung mit Betoneisenüberbau bei Klm. 14,01 nächst Miltach; eine gewölbte Flutbrücke im Regentale bei Klm. 14,52 mit 9,20 Mtr. Lichtweite und endlich die Regenbrücke von Klm. 14,63 – 14,72 mit Blechträgerüberbau und 4 Oeffnungen von je 20 Mtr. Lichtweite.
Außer diesen vorstehend aufgeführten Kunstbauten kamen nach 2 Wegbrücken (Eisenbeton) mit 3 Mtr. Lichtweite und eine Brücke mit eisernen Ueberbau von 2 Mtr. Lichtweite, sowie eine große Anzahl von Rohrdurchlässen zur Ausführung.
Die Gleisbettung besteht aus einer 10 Centimeter hohen Rollierung von Gneisbruchsteinen und darüber Gneisschotter bis zur Schwellenunterkante. Die Einfüllung erfolgte mit Quarzschotter aus dem Bruche Altrandsberg, woselbst ein Dampfschotterwerk errichtet wurde. Teilweise besteht die Bettung auch aus Kies aus dem Regenflusse. Für den Oberbau kam Altmaterial der Schienenform I und II auf imprägnierten Föhrenholzschwellen mit Unterlagsplatten zur Verwendung.
Der Betrieb auf der Lokalbahn Straubing-Cham gestaltet sich so, daß die Züge in der Station Cham endigen bezw. ausgehen. Es mußte zu diesem Zwecke in Station Cham ein Lokomotivschuppen erbaut werden.
Quelle: Straubinger Tagblatt 12.04.1905


Von Steinburg, 17. April, wird uns berichtet: (Ein Jubilar.) Am Ostermontag, den 24. April ist es dem gräfl. Jäger Herrn Georg Huber vergönnt, sein 80 Geburtstagsfest feiern zu können im Kreise seiner Familie, umgeben von sechs Kindern und 20 lebenden Enkeln. Am gleichen Tage sind es 40 Jahre, daß der Grünrock in den Dienst Sr. Exz. Des Herrn Grafen von Bray-Steinburg eintrat. Darum auch unsererseits dem wackeren Jubilar: Einen grünen Bruch!
Quelle: Straubinger Tagblatt 21.04.1905

Von Bogen, 23. April, geht uns folgendes zu: Heute am Ostertag hätte sich unter der Kirchenzeit vormittags im nahen Bauernholz bald ein großes Unglück zugetragen. Die junge Ehefrau des Gütlers Georg Renner fand in einer Nebenkammer ihres Mannes einen Revolver, den sie sich im Vereine mit ihrem Vater Gstettenbauer besehen wollte. Durch falsche Manipulation ging indes der Revolver los und die Kugel in die linke Hand, so daß ein Arzt von hier telephonisch zur Hilfeleistung berufen werden mußte.
Quelle: Straubinger Tagblatt 26.04.1905


Aus dem Bezirke Bogen geht uns folgendes zu: Die heißersehnte, herrliche Bahn Straubing-Miltach ist nun endlich dem Verkehr übergeben und das schwarze Dampfroß eilt schnaubend und pfeifend durch unsere schönen Täler. Für diese allgemeine Wohltat, wovon auch die Ebene ihren Nutzen zieht, sind wir dem Landtage und der königlichen Staatsregierung sehr vielen Dsank schuldig. Auch danken wir allen jenen, die dazu beigeholfen sowohl in finanzieller oder auf eine andere Art. Wir dürfen aber bei dieser Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne der Männer besonders zu gedenken, die zur „Grundsteinlegung“ dieser Bahn am besten mitgeholfen haben und ihre bewährte Kräfte zur Verwendung stellten. Es sind dies die seinerzeitigen Abgeordneten unseres Wahlkreises, nämlich der Hochw. Herr Domdechant Michael Huber in Regensburg und Herr Landrat und Posthalter Echinger in Englmar. Mit unterschiedlichem Eifer verwendeten diese Herren ihren Einfrluß zum Zustandekommen dieses nützlichen Werkes. Erst jetzt erkennen wir noch besser, was wir an diesen Männern für richtige, arbeitsfreudigen Abgeordnete hatten. Und Herr Echinger ist immer noch mit rastlosem Eifer in unserer Gegend tätig, immer, wo er kann, bemüht er sich, Zuschüsse zu erlangen usw., die Verkehrsverhältnisse zu bessern; die Umlegung der Staatstraße Stallwang-Ascha ist auch seinem Arbeitseifer zuzurechnen und noch andere Straßenstrecken im Distrikte sind durch Echingers Eifer und Einfluß zustande gekommen. Echingers Tätigkeit verbreitet sich auch über den ganzen Wahlkreis, denn soviel wir uns noch erinnern können, hat ihm vor 6 Jahren sogar der Magistrat Straubing seine Anerkennung und seinen Dank für sein Wirken öffentlich ausgesprochen. Es freut uns deshalb ungemein, daß sich Echinger auf besonderes Zureden wieder als Kandidat aufstellen ließ und in der Tat  heißt es allgemein, bis auf wenige Verhetzte, Echinger muß wieder in den Landtag. Also helfen wir zusammen, daß wir diesen erfahrenen, nicht so marktschreierisch auftretenden Mann wieder in den Landtag bringen.
Quelle: Straubinger Tagblatt 07.06.1905


Von Hunderdorf, 22. Aug. wird uns geschrieben: Während der Zeit v. 3. Bis 10. Sept. l. J. wird in der Pfarrei Hunderdorf auf Anregung des Hochw. Herrn Pfarrers, Kammerers und Distriktschulinspektors Wolfgang Gruber durch 4 Herren Patres Kapuziner eine Volksmission angehalten. Nachdem für die große Pfarrei die Räumlichkeiten der Kirche beschränkt sein werden, werden die Predigten bei gutem Wetter vor dem Mädchenschulhause im Freien abgehalten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 24.08.1905

Von Hunderdorf bei Bogen, 11. Sept., wird dem „Straub. Tagbl.“ Geschrieben: Sonnatg den 3. September wurde dahier die hl. Mission eröffnet mit Einzug der 4 Herren Patres Kapuziner aus den Klöstern München, Rosenheim und Altötting in Begleitung des Herrn Kammerers und Pfarrers Gruber zum Gotteshause St. Nikolaus, wo der Pfarrvorstand herzliche Worte an seine Pfarrgemeinde richtete, das Glück betonte, eine Mission zu feiern, und aufforderte, großes Vertrauen den hochw. Herren entgegenzubringen. Schon bei der ersten Predigt gingen die Worte des Herrn Superiors Oswald den Zuhörern tief zu Herzen und mit hl. Begeisterung lauschte das Volk den Vorträgen über die ewigen Wahrheiten; besonders erhebend waren die Ansprachen vor der Generalkommunion, der einzelnen Stände, die sich in der hl. Andacht dem Tische des Herrnnäherten; sichtbar war die Rührung der Gläubigen, die das hohe Glück wohl zu schätzen wußten; mache Versöhnung wurde zustande gebracht: Verzeihung wurde erbeten und gewährt, friedlich sind viele Dorfnachbarn heimgekehrt mit dem Vorsatze, die Gnade Gottes zu bewahren. Das Gotteshaus konnte die Zuhörer nicht fassen, so daß die Abendpredigten im Freien gehalten wurden beim neuen Schulhause, von wo die Worte der Prediger fast durch das ganze Dorf drangen. Eine hier noch nie gesehene Volksschar fand sich am Schlußsonntage ein aus allen Richtungen und nächst gelegenen Pfarreien zur Prozession mit Musik; hochw. Hr. Pfarrer Rädlhammer von Aiterhofen erschien zum Schlusse der Predigt mit dem Allerheiligsten, begleitet von vielen Priester, vor der Kanzel, wo das Tedeum gesungen wurde. Hierauf ging die Prozession durch das Dorf zur Kirche, dann zum neu errichteten Missionskreuze zum Friedhofe, wo Herr Superior Oswald ergreifende Worte sprach und die Wiehe vornahm, der sich Gebete und Verehrung des Kreuzes anschlossen. Zum Schlusse wurden 150 Mitglieder in den fritten Orden aufgenommen und eingekleidet. Allgemein herrscht Freude über den glänzenden Verlauf der 8tägigen Feier in Gebet und Anhörung des göttlichen Wortes, in Empfang der hl. Sakramente und zahlreicher Beteiligung beim Gottesdienste; eine Freude für Priester und Volk, Freude für die Zeit und gewiß für Ewigkeit. Nachdem die neue große Glocke als Bußglocke für die Lebenden mächtig ertönt hatte, betrauerte sie heute die Toten bei der Prozession im Friedhofe, wo die ersteren ihre Gebete nach Predigt, hl. Seelengottesdienste und Communion ihrer liebe Dahingeschiedenen gedachten.
Quelle: Straubinger Tagblatt 14.09.1905

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