Hunderdorf eine geschichtsträchtige Gemeinde

Inhalt

VORWORT

Unsere nähere Heimat, gemeint ist hier das heutige Gebiet der Gemeinde Hunderdorf, war in den vergangenen Jahrhunderten ein dünnbesiedelter Raum mit ländlichem Charakter. Die meisten Bewohner waren Bauern und Landwirte, selbst die wenigen handwerklich arbeitenden Familien hatten auch eine kleine Landwirtschaft, da das Einkommen aus dem Handwerk zum Leben kaum reichte.
Erschwerend kam dazu, dass das Gebiet adeligen oder kirchlichen Herren grundbar war, das heißt, die Herrschaften auf den Schlössern Au vorm Wald und Steinburg und die Klöster Windberg und Oberalteich hatten ihre Hände auf den ländlichen Gütern und verlangten von diesen Abgaben und Handdienste. Nur wenige konnten ihr Gut eigen nennen und waren von diesen Herren unabhängig. Erst nach 1803 und 1848 änderte sich diese Abhängigkeit und die Menschen wurden frei.
Ansonsten änderte sich über weitere 100 Jahre nicht viel. Zwei unheilvolle Kriege im 20.Jahrhundert brachten viel Elend und Leid über das Volk. Erst nach 1950 begann ein wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung. Der Bau der Eisenbahn 1895/96 wirkte sich positiv auf die wirtschaftlichen Verhältnisse aus, aber erst nach dem letzten Krieg blühte durch die Errichtung der Möbelfabrik NOLTE neues Leben in unserem Raum auf.
Durch den Zusammenschluss der Gemeinden Au v. Wald, Gaishausen, Hunderdorf und Steinburg entstand eine Großgemeinde mit 38 Ortschaften, die 1987 rund 3000 Einwohner zählte; in 782 Gebäuden waren 1073 Wohnungen.
Jede dieser Orte hat eine mehr oder weniger interessante Vergangenheit. In Steinburg und Au v. Wald saßen über viele Jahrhunderte adelige Herren; Gaishausen, Hofdorf und Stetten waren Dienstmannensitze mit Ministerialen der Schlösser und Klöster. Ich habe aus verschiedenen Quellen versucht, die Geschichte, also die Vergangenheit der Orte in der Gemeinde Hunderdorf zu ergründen und will diese hier einer breiteren Interessenschicht vorlegen.
Als Quellen dienten:
„Historischer Atlas v. Bayern, Gericht Mitterfels“ 2002
„Hunderdorfer Heimatbuch“ v. B. Härtenberger
„Kunstdenkmäler v. Bayern – BA-Bogen“
Festschrift „900 Jahre Hunderdorf“ 1974
Eigene Forschungsergebnisse
Zusammengetragen im Jahre 2003
K. Klar
Chronist u. Heimatforscher

Reise durch die Vergangenheit – Geschichte der Orte in der Gemeinde Hunderdorf

Nach dem Gemeindeedikt von 1818 wurden die Gemeinden Au v. Wald, Gaishausen, Hunderdorf und Steinburg gebildet. Diese hatten bis 1946 ihren Bestand. Die amerikanische Militärregierung verfügte damals, dass die Kleingemeinden Au v. Wald, Gaishausen und Steinburg zu einer Gemeinde zusammengefasst werden. Als aber die Verwaltung wieder in deutsche Hände zurückgelegt wurde, bemühte sich Gaishausen mit Erfolg um die Eigenständigkeit. Au v. Wald kam zur Gemeinde Steinburg.
Bei der Gemeindereform 1978 wurden die Kleingemeinden Gaishausen und Steinburg der Gemeinde Hunderdorf zugesprochen. Vor 1946 gehörten zur Gemeinde Au v. Wald die Orte Au v. Wald, Neidau, Hasenquanten und Schafberg. In der Gemeinde Gaishausen waren vor dieser Zeit die Orte Gaishausen, Ehren, Röhrnau, Grub und Rammersberg, die Weiler Ellaberg, Ebenthan, Hochholz, Rieglberg, Hagenberg und Hoch und die Einöden Weinberg, Wiespoint und Kögl. – Zur Gemeinde Steinburg gehörten vor 1946 die Orte Steinburg, Öd, Dörnau, Birkhof, Rimbach und Wegern. (die unterstrichenen Orte kamen 1978 zu den Gemeinden Mitterfels bzw. Neukirchen)
Ab 1978 bilden nachstehende Orte die Großgemeinde Hunderdorf: Hunderdorf, Au v. Wald, Bauernholz, Berndorferholz, Brandstatt, Breitfeld, Ebenthan, Egern, Eglsee, Ehren, Ellaberg, Gaishausen, Grabmühl, Grub, Hasenquanten, Hoch, Hochholz, Hofdorf, Irlach, Lindenbrunn, Lindfeld, Lintach, Neidau, Oberhunderdorf, Oberstetten, Öd, Rammersberg, Riglberg, Röhrnau, Schafberg, Sollach, Starzenberg, Steinburg, Stetten, Stockwies, Thananger, Wegern und Weinberg.
1987 lebten in der Gemeinde Hunderdorf 2937 Einwohner; in 782 Häusern waren 1073 Wohnungen.

Hunderdorf, eine alte Siedlung.

Für den umfangreichen Besitz der Grafen von Windberg/Bogen waren die mehrfach belegten praepositi, Güterpröpste‚ zuständig. Nördlich der Donau sind zwei dieser Amtsträger belegt, und zwar in Hunderdorf und Bogen. Die Funktion dieser Ministerialen bestand in erster Linie darin, das Gefolge der Grafen bei ihren Kriegszügen zu stellen und die Herrschaft nach außen hin abzusichern.
Die erste Erwähnung Hunderdorfs erfolgte in einer Schenkungsurkunde des Friedrich von Winneberg und Aschwin von Zeitldorn aus dem Jahre 1065.
Hazacha, Tochter aus der Familie des Aschwin von Zeitldorn, schenkt an der Wende zum 12. Jahrhundert Huben in Hunderdorf an das Kloster Oberalteich.

Schenkungsurkunde aus dem Jahr ca. 1070 mit Erwähnung des Namens „hunderdorf“

Von 1114-37 waltete ein Qualdarich de Hunderdorf, ihm folgte ein Heinrich Albert de Hunderdorf und ein Marquardus de Prepositus de Hunderdorf.
Um 1150 schenkte die Domvögtin Livkardis dem Kloster Windberg einen Teil ihrer Güter in Hunderdorf.
Bereits 1184 wurden drei Höfe in Hunderdorf durch Papst Lucius III. als Besitz des Klosters Oberalteich bestätigt.
1245 schenkte Mathilde von Gmunden einen Hof in Hunderdorf dem Kloster Windberg.
Ein Dietrich von Hunderdorf macht Ende des 13. Jahrhunderts eine Schenkung an das Kloster Windberg.
1274 bestätigte Papst Gregor X. fünf Höfe in Hunderdorf an das Kloster Oberalteich.
Bischof Konrad von Regensburg schenkt 1297 den großen Zehent in Hunderdorf an Windberg.
An der Wende zum 13.Jahrhundert wird Hunderdorf als Ministerialensitz des Klosters Windberg bezeichnet.
Hans von Au einigt sich 1381 in einigen Streitsachen mit dem Kloster Windberg wegen des Erbrechtes am Hof zu Hunderdorf, das er und sein Bruder Berthold gehabt haben, sowie wegen des gemauerten Hauses ebenda.
1383 verkauft Hiltprant der Herrant zu Dachsberg seinem Bruder Jorig dem Herranten, Bürger zu Bogen, seinen Hof zu Hunderdorf.
1474 verkauft Sigmund Herrant die freieigene Sölde zu Hunderdorf an Windberg. Derselbe gibt 1486 seinen eigenen Hof in Niederhunderdorf zum Kauf. Noch im selben Jahr verkauft Elisabeth Herrant ihre eigene Sölde zu Hunderdorf an Windberg.

Die älteste Ansicht Hunderdorfs

Durch die vielen Schenkungen kam ein Großteil des Gebietes um Hunderdorf unter die Grundherrschaft der Klöster Windberg und Oberalteich. Diese Tatsache verhinderte eine weitere Entwicklung des Ortes Hunderdorf.
1619 sah sich das Kloster Windberg gezwungen, die Pfarrei Viechtach gegen die Pfarrei Hunderdorf einzutauschen.
Veit Adam der Kürmreuther vom Schloss Haggn verkauft 1649 zusammen mit seiner Frau Katharina, geborenen Präntin von Irsing, eine Wiese zu Hunderdorf an das Kloster Windberg.
Im Scharwerksbuch 1665 sind die Grundholden verschiedener Grundherren aufgezählt, die an das Pfleggericht Scharwerksgeld zu entrichten hatten. Damals zählte Hunderdorf zum Amt Landasberg.
Der Pfarrhof in Hunderdorf war über drei 1/32 Höfen Grundherr. Von den 12 Anwesen in Hunderdorf hatte 1773 als einschichtige Güter die Hofmarksherrschaft Au v. Wald ein 1/16 Gut.
1811 wurde im Landgericht und Rentamt Mitterfels die Steuerdistriktsbildung abgeschlossen. Darin wird Hunderdorf mit vier Dörfern., 3 Weilern und vier Einöden genannt.
Ende des Jahres 1821 kam die Formation der Gemeinden zum Abschluss. Hunderdorf gehörte mit 5 Dörfern, einem Weiler, 6 Einöden mit zusammen 143 Familien als unmittelbare landgerichtliche Gemeinde zum Unterdonaukreis des Landgerichtes Mitterfels. Hunderdorf kam 1838 zu dem neugebildeten Landgericht 1.Klasse mit dem Sitz in Bogen.
1964 gehörten zur Gemeinde Hunderdorf die Orte Apoig, Bauernholz, Berndorferholz, Breitfeld, Egern, Eglsee, Grabmühl, Hoch, Hofdorf, Lindenbrunn, Lindfeld, Lintach, Oberhunderdorf, Oberstetten, Sollach, Starzenberg, Stetten, Stockwies und Thananger.
1978 kam es zur Bildung der Verwaltungsgemeinschaft mit den Gemeinden Hunderdorf, Neukirchen und Windberg mit dem Sitz in Hunderdorf.

Der Ort Hunderdorf hat in den letzten Jahrzehnten einen großen wirtschaftlichen und politischen Aufschwung erlebt. Mit dem Bau der Autobahn A 3 1984 hat es noch an Bedeutung gewonnen. Die wohl bedeutendste Aufwärtsentwicklung erfuhr der Ort mit dem Bau der Möbelfabrik NOLTE 1950/51. Rund 600 Arbeiter aus nah und fern fanden fast vier Jahrzehnte dort einen festen Arbeitsplatz. Durch die Niederlassung von zwei Ärzten, eines Zahnarztes, durch die Errichtung, der St. Nikolaus-Apotheke und durch den Bau des Sportzentrums hat die Gemeinde bewiesen, dass sie eine aufstrebende Institution ist.
Hunderdorf ist Mittelpunkt einer Verbandsschule geworden, zu der auch die Gemeinden Neukirchen und Windberg ihre Kinder abstellen. Die Aufwertung zum Kleinzentrum war die Folge dieser Aufwärtsentwicklung.
Jede Gemeinde wurde von einem Bürgermeister geführt, der sich früher Gemeindevorsteher nannte. Erster Vorsteher der Gemeinde Hunderdorf war Josef Lerbl. Ein Gemeindehaus war viele Jahrzehnte nicht notwendig, ein Gemeindeschreiber, meistens im Hause des Bürgermeisters beschäftigt, erledigte die schriftlichen Arbeiten. Lange Zeit war es üblich, dass ein Lehrer das Amt des Gemeindeschreibers inne hatte. Soweit man sich in Hunderdorf erinnern kann, befand sich die Gemeindekanzlei im alten unteren Schulhaus, im Hause Max Steckler und im Nebengebäude der Gastwirtschaft Edbauer, heute Josef Baier.
Nach dem Bau der neuen Grundschule in Hunderdorf wurde das obere Schulhaus bei der Kirche frei. Am 5.4.1959 zog die Gemeindeverwaltung in einen Teil des alten Schulhauses ein. Nach gründlicher Renovierung 1976 wurde das ganze Gebäude durch die Gemeinde belegt. Ab 1978 war dort der Sitz der neu gegründeten Verwaltungsgemeinschaft Hunderdorf.

Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister in Hunderdorf

Josef Lerbl (ab 1812), Joseph Rothammer, Joseph Kasper, Joseph Ring, Joseph Bierl, Joseph Rothammer, Josef Wurm (1876), Fellinger (1888), Rothammer (1894), Simon Altschäffl (1900), Rothammer (1906), Josef Diewald (1912), Fruhstorfer (1922), Johann Hornberger (1925), Alois Frankenberger (1933), Max Wittmann sen. (1935), Max Wittmann jun. (1945), Johann Hornberger (1945), Karl Reiner (1948), Karl Härtenberger (1966), Egon Weinzierl (1984), Gerhard Peschke (1992).
Erster Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Hunderdorf war Bürgermeister Karl Härtenberger von Hunderdorf. Ihm folgten die Bürgermeister Heinrich Lobmeier von Neukirchen, Bürgermeister Egon Weinzierl von Hunderdorf und wieder Heinrich Lobmeier von Neukirchen.
Im April 1990 konnte das neue Rathaus in Hunderdorf eingeweiht werden; dort ist auch der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft.

Rätseln um die Herkunft des Namens Hunderdorf

Bisher ist es nicht gelungen, wissenschaftliche Erklärungen über die Herkunft des Namens Hunderdorf zu bekommen. Was wir bisher wissen, sind Vermutungen.
Im Volksmund hat sich vererbt, dass der Name von Hundedorf-Hunderdorf kommt. Andere wollen wissen, dass auf Schloss Steinburg ein Besitzer Hunthari hieß und seinen Hundezwinger in Hunderdorf hatte.
Professor Fink vom Kloster Metten ist der Meinung, dass Hinderendorf, wie der Ort einmal hieß, auch bedeuten könnte der Ort hinter den Hügeln. Landschaftlich gesehen ist das eine mögliche Erklärung, weil Hunderdorf in einem Talkessel, umgeben von Höhen liegt.
Ein gewisser Paul Helmut Hundhausen ist bei der Erforschung seines Namens „Hundhausen“ zu weiteren interessanten Erkenntnissen gekommen:
1. Der Name Hunderdorf kann sehr wohl von Huntari kommen. Verschiedene Orte im süddeutschen Raum führen ihren Namen auf die Hunta = Hundertschaft zurück, z.B. die drei Orte Hundersingen im Gebiet der Schwäbischen Alb. Dort gab es Muntericheshuntare und Goldineshuntare. Diese erhielten ihre Namen von dem Titel Huntari, der eine Übersetzung des lateinischen centenarius war, was die Bezeichnung der Huntaren an der Donau als Centenen bestätigt. Hunno, Hundo oder Hunthari kann als Titel eines Unterbeamten der Gaugrafen gedeutet werden, der für die Gerichtsbarkeit zuständig war, oder der Sitz einer Hundertschaft (Honnschaft) gewesen ist.
2. Der Ort Hundersingen war der Sitz der centena Eritgau; dessen Hochadelsvertreter Dietrich von Hutzingen führte wie Hunderdorf den springenden Hund im Wappen. – Hundsheim führt seinen Namen auf Hunno, Hunne = Zentgraf zurück.
3. Aus der Beschreibung des Namens Hundsfeld erfahren wir, dass der Hund „Sinnbild des niederen Gerichts ist, d. h. jener Centen, die noch keine Halsgerichte waren, sondern kleine Gerichte gewisser Grundherren, besonders von Stiften und Klöstern.
Der Hund im Wappen der Gemeinde hat keine Beziehung zum Ortsnamen. Er wurde vielmehr dem Wappen des Klosters Windberg entnommen, denn nach den Grafen von Windberg/Bogen übte das Kloster die Grundherrschaft über das Gebiet um Hunderdorf aus. Der Hund im Wappen des Klosters findet sich erstmals auf einem Siegel des Jahres 1374, also zu einer Zeit, als der Name von Hunderdorf schon lange bekannt war. Auch die Gemeinden Neukirchen und Obermühlbach haben den Hund in ihrem Wappen.
4. In einem Zeitungsartikel des Straubinger Tagblattes beschäftigt sich Willibald Schmidt mit dem Namen Hunderdorf. Dort lesen wir, dass Mondschein die Herkunft des Namens vom Personennamen Huntard oder huntari nicht für glaubwürdig hält, da die Wissenschaft außerhalb Alemanniens diesen Vorschlag nicht zulässt. Der Name Hunderdorf. bzw. Hundldorf kommt noch in den Gemeinden Amselfing und Mariaposching vor. Gemeinsam ist den drei Orten die Beschaffenheit des Siedlungsbodens in Flussnähe, für die Zeit der Landnahme und des Anbaues zweifellos über nasses, sumpfiges, nur stellenweise siedlungsfreudiges Terrain. Ein altdeutsches Wort hunt mit der Bedeutung Moor, Moos, Sumpf könnte bestimmend für den Namen Hunderdorf gewesen sein. Es gibt also für Hunderdorf die Erklärung: Siedlung am bzw. überm Moos. Herr Notar Höglmeier gibt den Hinweis, dass bei Hunderdorf eine typische Sumpfpflanze wächst, die Iris sibirica.
5. Der Ortsname könnte auch auf die eingedrungenen Bajuwaren hinweisen: hen, hunda = Kriegsbeute; hundari = mit Gewalt besetztes Gebiet.
Zusammenfassung der möglichen Erklärungen:
Hunderdorf:
Der Ort hinter den Höhenzügen
Der Sitz eines Unterbeamten
Der Sitz einer Hundertschaft
Der Ort mit. 100 Wohnplätzen
Siedlung am bzw. überm Moor
Mit Gewalt besetztes Gebiet

Die Hunderdorfer Wappen

1969 erhielt die damalige Gemeinde Hunderdorf ihr erstes Wappen. Wappenbeschreibung: In Blau über einem gesenkten goldenen Wellenbalken ein silberner Windhund, darüber ein schräg gestellter Pfeil.
Der Hund deutet auf die enge Beziehung zu Windberg, der Pfeil ist ein Hofmarkszeichen und der Wellenbalken steht für den Bogenbach.
1984 erhielt Hunderdorf ein neues Wappen, in dem die Symbole der ehemaligen Gemeinden Gaishausen und Steinburg verwendet wurden.
Beschreibung: In der gesenkten Spitze ein rotes Stufenkreuz, gespalten; vorne in Blau ein silberner Windhund, hinten in Blau ein silberner Arm mit einem Pfeil in der Hand.
(Entwurf v. Kornel Klar)

Geschichte der Pfarrei Hunderdorf

Ausgehend von Irland setzte im 6. Jahrhundert durch iroschottische Mönche auch im Raum nördlich der Alpen eine Missionierungswelle ein. Langsam wandelten sich heidnische Feste in christliche, wurden heidnischen Bräuchen christlicher Sinn gegeben.
741 holte der bayerische Herzog Odilo Mönche ins Land, die von Niederalteich aus tief in den Wald zogen, rodeten und das Kreuz errichteten. Sie werden es auch gewesen sein, die dem Christentum in der „bogenaua“ den Weg bereiteten.
Als die Mönche des hl. Norbert in Windberg einzogen, war Hunderdorf bereits ein eigenständiger Seelsorgebereich. Hunderdorf als Gründung des Klosters Niederalteich ist wahrscheinlich von dort seelsorglich betreut worden und hatte möglicherweise schon eine Holzkirche.
Die Kirchenpatrone St. Nikolaus und St. Stephanus weisen nämlich auf ein hohes Alter der Pfarrkirche hin, wohl schon ins 12.Jahrhundert. Der erste nachweisbaue Kirchenbau stammt aus dem Jahre 1359. Der bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein stehen gebliebene Turm mit dem gotischen Treppengiebel stammte von diesem Kirchenbau. Leider wurde mit dem Bau der neuen Kirche 1936 dieser abgerissen und damit verschwand das bedeutendste gotische Bauwerk der Pfarrei.
Nach dem Diözesanregister hat Hunderdorf bereits 1438 einen Pfarrer und einen Pleban, dazu einen Benefiziaten in Steinburg. 1616 erhält das Kloster Windberg im Tausch gegen die Pfarrei Viechtach die bis dahin selbständige Pfarrei Hunderdorf samt der Filiale Neukirchen; Pürgl war der Pfarrei zehentpflichtig, das Schlossbenefizium in Steinburg gehörte ebenfalls Hunderdorf.
Von 1563 war ein Grabstein über der Türe der Seelenkapelle im alten Friedhof erhalten. Aus dem Jahre 1612 datiert das erste Taufbuch der Pfarrei Hunderdorf. Aus dem Jahre 1653 stammt die älteste Glocke mit der Inschrift:“Deo, Dei parae, Se petronis Stephano et Nikolav Hunderdorf“. Sie hängt heute noch als Sterbeglocke im Glockenturm der neue Kirche.

Die alte Pfarrkirche wurde 1936 abgerissen

Wegen Baufälligkeit wird 1698 die Kirche nach langen und Eingaben abgebrochen. Der gotische Turm wird renoviert und angebaut. Bereits am 17.10.1700 wurde die neue Kirche eingeweiht.
Nach der Neueinteilung des Landes nach der Säkularisation verblieben der Pfarrei Hunderdorf die Gemeinden Gaishausen, Steinburg und Au.
Heute gehören zur Pfarrei Hunderdorf außer der Pfarrkirche noch die Nebenkirche in Hofdorf, die beiden Schloßkapellen in Steinburg und Au, sowie die Kapellen in Sollach und Rammersberg.
Pfarrer Peter Blaim betreute bis 1817 die selbständige Pfarrei Hunderdorf. 1835 wurde anstelle des hölzernen Pfarrhofes ein Ziegelbau errichtet, der im Jahre 1963 unter Pfarrer Ruß renoviert und modernisiert wurde. 1866 wurde Hunderdorf königliche Pfarrei. Segensreich wirkte Pfarrer Joseph Luschner von 1843 bis 1870, der bei seinem Tode die Luschner’sche Stiftung hinterließ, deren Zweck es war, dass arme Schulkinder in der Mittagspause eine Schulsuppe bekamen.
1900 wurde der spätgotische Turm erhöht und ein schmiedeeisernes Kreuz aufgesetzt.
1907 trug sich Pfarrer Wolfgang Gruber mit dem Gedanken, die Kirche zu erweitern und Seitenschiffe anzubauen. Das Gesuch wurde von der Abgeordnetenkammer jedoch abgelehnt.

Bau der neuen Kirche

Im Jahre 1931 war es dann Pfarrer Betthausen, der dann ernstlich an einen Kirchenneubau ging. Er gründete den Kirchenbauverein, und schon am Josefstag1935 konnte der erste Spaten stich gemacht werden. Die ganze Gemeinde beteiligte sich an

Hunderdorf Inneres der Pfarrkirche bis 1936

den Hand- und Spanndiensten. Da wurde am 3. Oktober 1935 Pfarrer Betthausen vom Tode ereilt. Sein Nachfolger, Pfarrer Kiermaier, setzte das Werk unverzüglich fort und am Peter. und Paulstag 1936 konnte die Weihe der neuen Kirche durch Bischof Buchberger vorgenommen werden. [Anmerkung: Benediktion 05.07.1936, Weihe durch Bischof Michael Buchberger am 30.05.1937 lt. Urkunde]Unermüdlich war Pfarrer Kiermaier in seiner Pfarrei tätig. 1950 wurde in der Seelenkapelle das Leichenhaus angelegt, 1959 der Kindergarten im alten unteren Schulhaus gegründet und 1961 der neue Friedhof geschaffen. 1962 verschied Geistlicher Rat Kiermaier. Sein Nachfolger, Geistlicher Rat Georg Ruß, widmete sich nach Kräften dem Ausbau des Pfarrzentrums. Neben der inneren und äußeren Renovierung des Gotteshauses verdankt ihm die Pfarrgemeinde auch den Bau der neuen Leichenhalle. Ein besonderes Anliegen war ihm der Ausbau des ehemaligen Pfarrstadels zum Jugendheim St. Wolfgang im Jahre 1966.
Pfarrer Johannes Vilsmeier (1974-76) war ein sehr eigenwilliger Priester, dem es nicht gelang, mit den Pfarrangehörigen ein vertrauenswürdiges Verhältnis herzustellen. So schied er schon nach zwei Jahren von Hunderdorf.
Pfarrer Franz Xaver Reitinger (1976-81) bemühte sich um die Kirchenrenovierung und die Neugestaltung des Altarraumes durch Altar, Ambo und Taufstein. Er besorgte auch die Statue „Maria Immaculata und ließ die Fresken über den Seitenaltären übertünchen.

Pfarrer Anton Högner (1981-89) ließ den Orgelbau vollenden und erbaute den neuen Kindergarten St. Nikolaus an der Stelle, wo vorher der alte Schulhausbau stand.
Pfarrer Herbert Gerstl blieb nur von 1990-93 in Hunderdorf und schied aus gesundheitlichen Gründen aus der Pfarrei.
Pfarrer Pater Wolfgang Vos, der viele Jahre als Kooperator in der Pfarrei tätig war, wurde 1993 neuer Seelsorger der Pfarrei. Er ließ die stark verwahrloste Seelenkapelle im ehemaligen alten Friedhof wieder instand setzen und erweiterte das Pfarrheim.
(Mehr über die Pfarrei und Geistlichkeit im auch „Kirchen, Kapellen und Kreuze Geschichte der Pfarrei Hunderdorf“)

Kirche, Pfarrhof und Jugendheim 1974

Die evangelische Kirchengemeinde

Hunderdorf war bis zum Zweiten Weltkrieg eine rein katholische Ortschaft. Mit den Evakuierten und Heimatvertriebenen kamen angehörige der evangelischen Konfession in unsere Gemeinde. Die kirchliche Betreuung erfolgte zunächst von Straubing und Bogen aus. Die Gottesdienste wurden in der katholische Pfarrkirche, in der Kapelle in Hofdorf und im Saal des Gasthofes Sandbiller gehalten. Diese ungünstigen Umstände veranlaßten die evangelische Kirchengemeinde zum Bau einer eigenen Kirche. Initiator des Kirchenbaues war vor allem Pfarrer Sommer aus Bogen.
Am 9.Sept.1963 wurde mit dem Bau begonnen und bereits am 22. September wurde der Grundstein gelegt. Am 22. Dezember 1963 wurde die Friedenskirche mit einer feierlichen Weihe ihrer Bestimmung übergeben.
Kreisdekan Oberkirchenrat Koller nahm die Grundsteinlegung vor. Im Juni 1964 wurden neben der Kirche im 2. Bauabschnitt der Pfarrsaal und die Mesnerwohnung erstellt. Im 3. Bauabschnitt schließlich erhielt die Kirche einen Glockenturm. Die architektonisch meisterhaft gelungene Kirchenanlage des Architekten Lichtblau aus München paßt sich harmonisch der Landschaft an und zählt zu den baulichen Schmuckstücken der Gemeinde.
Der evangelisch—lutherischen Kirche gehören (1992) 5,3 Prozent an. Konflikte zwischen Katholiken und evangelischen Gläubigen traten in Hunderdorf zu keiner Zeit auf. Neben den 93,4 Prozent Katholiken gibt es 37 Konfessionslose, Personen, die keiner Glaubensrichtung angehören.

Geschichte der Schule

Mit dem Erlaß einer Schulordnung um 1500 in Landshut begann für unseren Raum die Schulgeschichte. Trotz aller Bemühungen auf dem Bildungssektor hetzte sich das Schulwesen nur allmählich durch.
Es dauert immerhin 300 Jahre, bis Michael Fuchssteiner, als erster urkundlich genannt, den Posten eines Lehrers in Hunderdorf übernahm. Bereits zwei Jahre später setzte sein Sohn, Sebastian Fuchssteiner, die Arbeit des verstorbenen Vaters fort. Als Schulhaus diente das damalige Mesnerhaus, das 1808 als baufällig bezeichnet wurde. Als 1819 bereits 196 schulpflichtige Kinder zu unterrichten waren, mußte aufgrund des akuten Platzmangels 1820 ein neues Schulhaus gebaut werden 1824 wurde dem Lehrer ein Schulgehilfe zugewiesen. 1854 wurde mit dem Bau des unteren Knabenschulhauses an der Stelle begonnen, wo heute der Kindergarten steht. Das obere Stockwerk aus Holz des 1. Schulhauses wurde 1855 auf das heutige Amann-Anwesen im Ortsteil Apoig als 1. Stock aufgesetzt. 1884 erbaute man das Mädchenschulhaus, das heute noch bei der Kirche steht, um Knaben und Mädchen getrennt unterrichten zu können.
Die ständig steigende Zahl der Schüler erforderte 1957 den. Neubau der heutigen Grundschule. Am 17.Febr.1959 wurde das neue Schulhaus eingeweiht, das damals als modernstes Schulgebäude Niederbayerns galt. 1. Bürgermeister war zu dieser Zeit Karl Reiner. Besondere Verdienste um den Bau erwarb sich jedoch 2. Bürgermeister Oberlehrer Hermann Maier.
Mit der beginnenden Schulreform in Bayern erfolgte 1968 die Gründung eines Schulverbandes mit dem Ziel einer vollausgebauten Verbandsschule. Ab 1969 wurde der Schulverband erweitert; er umfaßt jetzt die Gemeinden Hunderdorf, Neukirchen und Windberg. Im Jahre 1970 wurde durch entschlossenes Handeln des 1. Bürgermeister Karl Härtenberger mit dem Erweiterungsbau, der heute die Hauptschulklassen beherbergt, begonnen. Nach rund vierjähriger Bauzeit gehören zur neuen Schulanlage neben dem Grundschulgebäude der Hauptschultrakt mit den Fachräumen, eine Turnhalle und ein Lehrschwimmbecken, sowie ein Hartplatz. Bereits 1972 konnte der Unterricht in den neuen Klassenräumen aufgenommen werden. 1973 wurde die Turnhalle fertiggestellt, 1974 konnten das Lehrschwimmbecken und der Hartplatz in Betrieb genommen werden.
Schulleiter seit 1945: Erich Schmid, Carl Wünderlich, Franz Hösl, Alois Czerwenka, Magnus Walden. Konrektoren: Kornel Klar, Anna Kohlbeck, Josef Aigner.

Alte Knabenschule
Neue Grundschule

 

Neue Hauptschule
Der Hunderdorfer Kindergarten

Schon Pfarrer Luschner, der von 1843 bis zu seinem Tode 1870 als Seelsorger in Hunderdorf wirkte, hatte in seiner Stiftung auch die Errichtung eines Kindergartens vorgesehen.
Den Gedanken, einen Kindergarten zu errichten, griff Geistl. Rat Kiermaier wieder auf. Er war von 1936 bis zu seinem Tod 1962 unermüdlich als Seelsorger in Hunderdorf tätig. Er fragte in Sachen Kindergarten schon vor dem Zweiten Weltkrieg bei den Englischen Fräulein in Regensburg an, die ihm jedoch absagen mußten, weil sie alle ihre Schwestern voll eingesetzt hatten.
In der Nazizeit wurde dann von NS-Schwestern im Schötzhaus ein Kindergarten eingerichtet. Die sogenannten „Braunen Schwestern“ waren auch in der ambulanten Krankenpflege tätig. Mit dem Ende des Krieges löste sich alles von selbst wieder auf.
Erst 1957, als mit dem Schulhausneubau begonnen wurde, sah Herr Geistl. Rat Kiermaier eine Möglichkeit für die Errichtung eines Kindergartens, da nun die beiden alten Schulhäuser frei wurden. Das untere Schulhaus sollte nun der neue Kindergarten werden. Nach dem Umbau des alten Schulhauses hatten sich gleich 60 Kinder gemeldet. Zwei Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus in Wien konnten für die Betreuung der Kinder gewonnen werden. Schwester Josefine sorgte für die Küche, und Schwester Adolfine betreute die Kinder.
Bereits im Juli 1959 konnte Domkapitular Grötsch von Regensburg dem Kindergarten die kirchliche Weihe geben. Damals wurden durchschnittlich zwischen 50 und 60 Kinder in zwei Gruppen betreut. Nach dem plötzlichen Tod von Schwester Josefine wurde auch Schwester Adolfine vom Mutterhaus abberufen. Die Kinder wurden in der Folge von weltlichen Kräften betreut.
1976 hat die Kirche den Kindergarten an die Gemeinde abgegeben. Die alten Räumlichkeiten entsprachen schon längst nicht mehr den gewünschten Anforderungen. Deshalb beschloß der Gemeinderat 1981 einen Neubau. Da für den Neubau kein geeignetes Grundstück zur Verfügung stand, wurde im Dezember 1981 der Altbau abgebrochen und an gleicher Stelle mit dem Neubau begonnen. Bereits am 18.3.1982 konnte das Richtfest für den Rohbau gefeiert werden. Am 29. Oktober 1982 fand die Weihe des neuen Kindergartens statt.

Der alte und neue Kindergarten
Chronik der Eisenbahn

Der Mühlhiasl hat zu seiner Zeit prophezeit, daß an Hunderdorf vorbei einmal eine „eiserne Straß“ führen wird. Was er aber nicht vorhersagen konnte, war, daß diese „Straß“ das hundertjährige Jubiläum nicht erleben würde.
Schon 1865 hatten die Bogener unter Hinweis auf die 23 Ziegeleien in und um Bogen erstmals eine Eisenbahn gefordert. Es dauerte noch 30 Jahre, bis dieser Wunsch Wirklichkeit wurde. Am 9. Dezember 1895 wurde die Strecke Straubing-Bogen eröffnet. Ein Jahr später fuhr der Zug bis nach Steinburg. Am 5.12.1918 wurde auch die Strecke Steinburg-Konzell-Süd freigegeben. Die Streckenführung war lange Zeit umstritten. Zur gleichen Zeit wurden Stimmen laut, sobald als möglich auch die Verbindung nach Cham herzustellen. Cham und Kötzting wollten einen direkten Anschluß nach Straubing. Anliegerorte wünschten sich eine Linienführung zwischen Streifenau und Altrandsberg über Kasparzell, Weihermühle und Kothrettenbach. Auch die Streckenführung über Neukirchen und Grün und eine Linie über Stallwang stand im Gespräch.
Die Zeit der Dampflock, die als „Bayerwaldbockel“ im Volksmund genannt wurde endete am 31.5.1981. Seither beförderte ein Triebwagenpaar die Personen zwischen Straubing und Cham. 1978 verkehrten noch 16 Züge auf der Strecke Steinburg-Miltach. Diese Linie wurde am 25.9.1984 ganz stillgelegt.
Die Umstellung des Schienenpersonenverkehrs auf Busbeförderung zwischen Miltach und Straubing wurde 1978 eingeleitet. Zunächst aber galt dies ab 1981 teilweise für die Strecke Miltach-Steinburg.
Mit der Einführung des Winterfahrplanes am 30.9.1984 wurde der Reisezugverkehr zwischen den Bahnhöfen Miltach und Steinburg für dauernd eingestellt. Damit verloren Wiespoint, Mitterfels, Haselbach, Haibach, Konzell-Süd, Konzell-Streifenau, Rattenberg, Altrandsberg und Untervierau die Haltepunkte.
Der Personenverkehr der Teilstrecke Bogen-Straubing konnte nach Meinung der DB mit Bussen, die alle Züge ersetzen sollten, kostengünstiger und kundengerechter bedient werden. Dabei waren die Haltestellen am Bahnhof Steinburg im Ort Steinburg, am Bahnhof in Hunderdorf und in Hofdorf geplant. In Bogen fand ein Umstieg vom Bus in den Zug zur Weiterfahrt nach Straubing statt. Der letzte Schienenzug fuhr zwischen Steinburg und Bogen am Samstag, 29.12.1986.
An diesem für die Geschichte der Eisenbahn denkwürdigen Tag versammelten sich Bürgermeister Egon Weinzierl und einige Gemeinderäte in Straubing, um der letzten Fahrt des „Bogener Bockerls“ teilzunehmen. Im Bogen stiegen viele Bürger in den aus fünf Triebwagen bestehenden Zug ein. Bürgermeister Weinzierl arrangierte hier eine kleine Abschiedsfeier. Der Fahrer des Triebwagens, Hans Binder, und Zugführer Josef Mitterbauer erhielten aus der Hand des Bürgermeisters je ein Wappen der vormaligen Gemeinde Steinburg mit der Inschrift „Letzte Fahrt“. Weinzierl schickte als „Fahrdienstleiter“ pünktlich, wie es sich bei der Bundesbahn gehört, den Zug um 13.56 Uhr auf seine letzte Fahrt.
Damit endete eine 90jährige Geschichte des „Bayerwald-Bockerls. Die Bahnstrecke wurde nach Entfernung der Schienen zu einem Radweg ausgebaut.

Chronik des Hunderdorfer Bahnhofes

An die ehemalige Eisenbahnlinie Bogen-Miltach erinnert noch ein Teil des alten Bahnhofes gegenüber der Gastwirtschaft und Metzgerei Sandbiller in Apoig. Die hölzerne Hälfte, früher Lagerraum, wurde schon in den neunziger Jahren abgerissen.
In Hunderdorf gab es schon beim Bau der Eisenbahnstrecke 1896 Probleme über den Standort des Bahnhofes. Die Hunderdorfer wollten ihn in Dorfnähe haben; dagegen legten aber die Windberger ihren Einspruch ein, weil sie dadurch einen weiten Anmarschweg gehabt hätten. Nachdem sich die Grundstückbesitzer nicht einigen konnten, wurde der Bahnhof schließlich im Ortsteil Apoig errichtet. Ursprünglich sollte er auf der Edbauernwiese gegenüber dem Grundstück Zollner gebaut werden. Für Apoig sprach auch die Tatsache, daß die Post bei Sandbiller untergebracht war und damit näher beim Bahnhof lag.
Der erste Bau war ganz aus Holz, in dem ein 20 qm großer Warteraum untergebracht war. Über 50 Jahre fand man diese Einrichtung als zweckmäßig und für die Strecke ausreichend. Doch nach wachsender Einwohnerzahl nach dem Kriege erwies sich der Warteraum als zu klein. Nicht nur, daß er durch seine dunkle Holzverschalung außen recht primitiv wirkte, auch innen trug er noch Spuren der Nachkriegszeit. 1952 schlug man deshalb vor, das Bahnhofsgebäude nicht mehr zu renovieren, sondern auf der rechten Seite des Geleises, der Ortmitte näher gerückt, ein neues Gebäude zu errichten. Der Weg zur Ortsmitte wäre dadurch wesentlich gekürzt worden.
Fast acht Jahre dauerten die Verhandlungen, ehe sich die Bundesbahn entschloß, den alten Bahnhof umzubauen. Der alte Bau sollte nur noch als Geräteraum für die Bahnmeisterei dienen. Der Neubau umfaßte einen 20 qm großen Betriebsraum, einen 30 qm großen Warteraum und einen überdachten Vorplatz. Am 3.10.60 wurde der Richtbaum von der Firma Dilger aufgesetzt, und Anfang Dezember konnten die Räume in Betrieb genommen werden. Ein Jahr später wurde auch der Vorplatz geschottert und zum Teil geteert, so daß die Bahnbenützer trockenen Fußes das Gelände betreten konnten.
Als dann zu Beginn der achtziger Jahre die Schalterräume des Bahnhofes nicht mehr personell belegt wurden, verpachtete die Bundesbahn das Bahnhofsgelände an eine Baufirma. Die dann vorgenommene Umzäunung beeinträchtigte nicht nur das Ortsbild, sie schmälerte auch das Halte- und Parkplatzangebot und verschlechterte die Sichtverhältnisse an der wichtigen Kreuzung nach Windberg. Die dauernden Einwände der Gemeinde hatten schließlich Erfolg, und der Zaun wurde wieder entfernt.
Das Bahnhofsgelände und das Bahnhofsgebäude ging in den Besitz der Gemeinde über, die dort einen geeigneten Platz für das jährlich stattfindende Hunderdorfer Volksfest fand. Heute dient es auch als Großraumparkplatz.
Nach 1945 waren als Bahnhofsvorsteher in Hunderdorf eingesetzt: Georg Hirtreiter, Johann Mager, Heinrich Sagstetter und Erika Höpfl.
Das Bahnhofsgebäude in Steinburg wurde an Private verkauft, die sich dort niederließen und die Anlage zu Wohnzwecken ausbauten. Das Bahngelände in Ehren wurde in den Bebauungsplan aufgenommen und an Bauwillige verkauft. Dort entstand Ende des 20. Jahrhunderts eine kleine Wohnsiedlung.

Bahnhof Hunderdorf vor und nach dem Umbau

 

Bahnhof Steinburg 1980
Kurze Chronik der Poststelle Hunderdorf

Der erste Postbote von Bogen, Hundsberger, unterhielt von 1821 bis 1851 jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag einen Fuhrdienst nach Obermühlbach und Schwarzach. Seine Ladung verstaute er auf einen kleinen Handwagen, den ihm ein Hund ziehen half. Es ist anzunehmen, daß er dabei auch die Post für Hunderdorf Steinburg und Neukirchen mitgenommen hat.
Ab 1834 wurden von Bogen aus in Richtung Hunderdorf, Straubing, Deggendorf und Schwarzach richtige Straßen gebaut, um einen geregelten Postverkehr zu ermöglichen.
In den neunziger Jahren des 19. Jh. wurde eine Omnibuspostverbindung zwischen Englmar und Bogen über Hunderdorf, Steinburg und Haggn unterhalten.
Der Postagenturdienst wurde 1903 den Lehrer Hermann Mayr übertragen.
1908 entschied das Bayer. Postministerium, daß die Postagentur im Ortsteil Apoig zu verbleiben habe, um den Streit der Gemeinden Windberg und Hunderdorf beizulegen.
Nur sieben Jahre nach der Inbetriebnahme der Eisenbahn, 1903, erhielt Hunderdorf die erste Postagentur. Da die Post auf die Bahn angewiesen war, bestimmte man Apoig zum Ort der Poststelle, weil Apoig in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs lag. Um den Platz des Bahnhofs sowie der Poststelle gab es mit der Gemeinde Windberg langen Streit. Die Windberger hatten natürlich Interesse, den Standort von Bahn und Post so nahe wie möglich bei Windberg zu erhalten, um lange Gehstrecken zu vermeiden. Die Hunderdorfer dagegen wollten Post und Bahn näher beim Dorf haben. In der Gaststätte Sandbiller wurde schließlich die erste Poststelle eingerichtet. Die Familie Sandbiller betrieb jahrzehntelang die Postexpedition in Hunderdorf (1908-1975).
1945 waren kurze Zeit Posthalter Blasini und Frau Anna Schötz Poststelleninhaber, dann Frl. Gall und 1948 schließlich Frau Maria Axinger.
Ab 1975 war Anton Blindzellner Leiter des Postamtes.
1979 wird Josef Breu Betriebsleiter am Postamt Hunderdorf. Ihn löst 1989 Frau Brigitte Lutz ab.
Seit 1956 ist die Poststelle im neuen Gebäude, jetzt Bayerwaldstraße 25 unter gebracht. Sie wurde 1976 erweitert und modernisiert.

Alte Mühlen unserer Heimat

Der Mühlenbau war in früherer Zeit ein Vorrecht des am Ort begüterten Adels. Es bestand ein sog. „Mühlenbann“. Das Mahlrecht erstreckte sich auf gewisse Anwesen, die bei dieser Mühle mahlen lassen mußten. Die Mühlen zahlten eine Art Bodenzins für dieses Recht an die Grundherren. Um die Maut zu sparen, entstanden daher einzelne Hand- und Hausmühlen.
In Gaishausen, im Anwesen des vormaligen Bürgermeisters Gall, wurde einmal Korn gemahlen. Seit dem letzten Krieg stehen die Mahlsteine still. 1960 wurden die Anlagen abgebaut und die Räume in Wohnungen umfunktioniert. Seit 1961 liefert ein E-Werk Strom für den Eigenbedarf und die OBAG. Gall erbte die Mühle von einem Bräuherr, dessen Vater die Anlage gekauft hatte. Da sich in der Nähe einige Fischweiher des Klosters Windberg befanden, kann angenommen werden, daß auch die Mühle früher dem Kloster grundbar gewesen war.
Im Hunderdorfer Raum war die Mühle in Apoig weithin bekannt, war sie doch die Geburtsstätte des bekannten Mühlhiasl. Seine Familie lebte seit 1689 auf der Apoiger Mühle. Nach den Briefprotokollen des Klosters Windberg, wohin die Mühle mit der Grundherrschaft gehörte, hat Matthias Lang die Mühle seinem Vater übernommen. Der Mühlhiasl aber war ein schlechter Wirtschafter, kaufte schlechtes Getreide und verdarb sich das Geschäft. Er machte Schulden und mußte von der. Mühle weichen. Wohl nach der Säkularisation 1803 kam die Mühle in Privatbesitz. Auch in der Mühle, zu Apoig wird kein Korn mehr gemahlen. Nach dem Mühlhiasl vergab Abt Ignaz Mitte 1801 die Mühle an einen Lettl. Letzter Müller jedoch war Josef Hobmeier. Neben der alten Mühle stand auch noch vor dem Kriege ein Sägewerk. Diese Anlage besaß nur ein Sägeblatt wurde 1942 abgerissen. Nur noch einige Mahlsteine am Haus erinnern an die einstige Mühle in Apoig. Das Wasserrad dreht sich noch immer und dient der Erzeugung elektrischen Stromes für die OBAG. Jetziger Besitzer ist Georg Schneider.
Auch in Hofdorf, wo heute die Säge des Konrad Eidenschink kreischt, stand früher eine Mühle: Vormalige Besitzer waren Rupert Marchl und Konrad Eidenschink. Die Mühle muß schon sehr alt sein, denn in den Kirchenbüchern von Windberg findet sich folgender Eintrag: Anno 1649 ist zue Hoffdorff der Müllner Thomas Rackl beim Auß-Eysen des Mühl Rads außgeschliepffert und elendiglich zerstessen worden…
Im Perlbachtal zwischen Neukirchen und Steinburg standen einst auch zwei Mühlen. Die im 85. Jahr verstorbene Maria Sperl und ihre Tochter konnten über die sog. „Ölschlagmühle“ wichtige Angaben machen. Bevor die Mühle den Besitz des Grafen Bray von Steinburg kam, betrieb ein gewisser Josef Laschinger eine Ölstampfmühle, in der in der Hauptsache Leinsamen gestampft wurde. Das so gewonnene Öl diente für den Hausgebrauch und wurde auch verkauft. Die gelbe durchsichtige Flüssigkeit war ein Rohstoff für Ölfirnisse und Speiseöl, wurde zu Schmierseife, Linoleum und Vogelleim verarbeitet, die Rückstände ergaben ein fettreiches Milchviehfutter. 1892 pachtete Mühle und Säge Michael Stelzer, Von ihm erbten die Pacht Max und Maria Sperl. Um 1935 wurde die Mühle und 1960 die Säge geschlossen, da Baron Bray für Reparaturen nicht mehr aufkommen wollte. Frau Sperl hat ab 1915 den Betrieb allein geleitet, da die Männer im Kriege waren. Die Anlage verfiel und wurde abgerissen.
Noch in Betrieb ist die ehemalige Mühle von Xaver Oischinger in Steinburg, doch erzeugt die Anlage nur mehr elektrischen Strom. 1939 wurde die Mühle, in der Roggen, Weizen und Mais gemahlen wurden, wegen Unrentabilität aufgegeben. Seit 1920 wird Strom erzeugt, seit 1960 ist der Betrieb an die OBAG angeschlossen. Der Vater des jetzigen Besitzers hat 1907 die Mühle für 14000 Mark gekauft. Sie ist etwa 170 Jahre alt.
An einem Seitenarm des Bogenbaches in Oberhunderdorf betreibt Josef Drexler eine Kunstmühle, die letzte Mühle in der Gemeinde Hunderdorf. Sein Vater Josef kaufte die Anlage von Franz Pongratz im Jahre 1935. Erbaut wurde die Mühle 1869 von einem Johann Bräuherr jun., dessen Vater die Mühle in Gaishausen betrieb. Johann Bräuherr jun. starb, seine Frau ehelichte einen gewissen Speckner.
Zur Zeit werden nur noch Weizen, seltener Roggen, für die Bauernkundschaft im Lohnverfahren gemahlen. Früher wurden auch Bäckereien mit Mehl beliefert. Da die großen Kunstmühlen heute billiger mahlen können, geht das Müllergeschäft immer mehr zurück. Nebenbei wird auch. Strom für den Eigenbedarf und die OBAG erzeugt. Das Wasser des Bogenbaches treibt mit Hilfe einer Turbine die Mühle und den Generator. Die Mühle ist in drei Stockwerken angelegt und eines Besuches wert.

Wasserzweckverband „Bogenbachtalgruppe“

„Wasserleitn“ gehörte bis 1952 zur alltäglichen Beschäftigung. Man war froh, wenn der Brunnen Wasser gab und hatte große Sorge, wenn er im Sommer eingetrocknet oder im Winter eingefroren war.
1952/53 wurde eine Wasserleitung von Windberg nach Hunderdorf gebaut. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und den Bevölkerungszuwachs zeigte sich die Wasserversorgung jedoch bald als unzureichend.
1959 befaßte sich die Gemeinde mit der Gründung eines Zweckverbandes. 1962 erfolgte die Gründung des Verbandes. Im gleichen Jahr wurde der bereits gebohrte Tiefbrunnen angeschlossen. Ein 2. und 3. Tiefbrunnen wurden gebohrt. 1965 wurden das Maschinenhaus und die Aufbereitungsanlage in Betrieb genommen. 1966 konnte die gesamte Anlage eingeweiht werden. Damit war einer der ersten Wasserzweckverbände im Bayer. Wald ins Leben gerufen.
1973 mußte der 4. Brunnen gebohrt werden. Um den Mangel, der sich durch den Wassermehrverbrauch ergab, auszugleichen, wurde von der Fernwasserversorgung „Bayer. Wald“ Wasser in den Hochbehälter Bonholz eingespeist. Schon ein Jahr später mußte der Wasserpreis von 45 Pfg. pro Kubikmeter auf 55 Pfg. erhöht werden.
Um Mitterfels eine bessere Wasserversorgung zu gewährleisten, wurde der Bau eines Hochbehälters in Hoch ins Auge gefaßt. Mit 350 Kubikmeter Fassungsvermögen hat dieser Hochbehälter zur allgemeinen Verbesserung der Wasserversorgung geführt.
Gleichzeitig fand ein Wechsel in der Geschäftsführung statt. Die Eheleute Walter und Evi Lang kündigten nach 20jähriger Tätigkeit den Dienst beim Zweckverband. Die Geschäftsführung übernahm ab sofort Josef Breu von Hunderdorf.
1983 beschloß die Verbandsversammlung die Anhebung des Wasserbezugspreises auf. 90 Pfg. pro Kubikmeter.
Zu diesem Zeitpunkt gab es in Hunderdorf 559 Anschlußnehmer, in Mitterfels 602 und in Haselbach 363.
Die Leitung des Zweckverbandes
Verbandsvorsitzender : Karl Härtenberger 1962-1985, Werner Lang seit 1986 Stellvertretende Verbandsvorsitzende: Josef Hafner Mitterfels 1962, Paul Stahl Mitterfels 1963-1978, Werner Lang Mitterfels 1978-1985, Egon Weinzierl seit 1986-1992, Gerhard Peschke seit 1992.
Wasserwarte: Alois Beck seit 1962, Konrad Wanninger seit 1977.

NOLTE-Möbel aus Hunderdorf

Der Holzreichtum und das große Reservoir von Arbeitskräften bewogen den Möbelfabrikanten Georg Nolte, in Hunderdorf ein Zweigwerk zu errichten:. So begann man 1951 mit dem Bau von Hallen und Werkräumen. Es dauerte nicht lange, da ratterten die ersten Maschinen und der Betrieb konnte beginnen. Der Großbrand 1954 konnte die Produktion nur für kurze Zeit unterbrechen, nicht aber einstellen. In zwei bis drei Schichten fanden 600 Beschäftigte Arbeit und Brot.
Ende 1960 erweiterte man das Werk. So wurden in einer riesigen Werkhalle auch Sperrholz- und Holzfaserplatten gepreßt , die bei der Herstellung von Möbeln Verwendung fanden. Zum modernen Möbelbau wurden ausschließlich Spanplatten, die im Schwesterwerk Germersheim hergestellt wurden oder von Zulieferfirmen aus dem näheren Bereich kamen, verwendet.
Die Produktion umfaßte ca. 400 verschiedene Ausführungen. Der Versand erfolgte mit einem Container-System über Speditionen. Die Tagesproduktion lag bei etwa 500 Schlafzimmern.
Schon 30 Jahre später kriselte in der Firma NOLTE-. Für 1982 war die Sicherung der Arbeitsplätze Hauptanliegen der Gewerkschaft Holz und Kunststoff. Bald war Kurzarbeit angesagt., die ersten Anzeichen von Entlassungen waren zu spüren. 1986 wurden die ersten Entlassungen angekündigt.
Der Kampf um die Erhaltung der Arbeitsplätze fruchtete trotz Einsatz der Politiker nicht. 1988 wußte man es schließlich, dass Nolte das Werk in Hunderdorf schließen mußte.
Ein Werk, das für 35 Jahre 600 Beschäftigten einen Arbeitsplatz bot, hörte auf zu bestehen.
Durch das entschlossene Handeln der „Dobau-Bauträger GmbH“ wurde ein Jahr später der leerstehende Gebäudekomplex gesichert und vor dem Zerfall gerettet. Als Lager und für Ausstellungsräume aber auch als Produktionsstätten konnte das ehemalige Noltewerk wieder genutzt werden.

Firma Nolte-Möbel KG in Hunderdorf
Die ehemalige Messerschmiede

Im August 1989 verstarb Josef Steckler im Alter von 74 Jahren. Er war der letzte Messerschmied von Hunderdorf. Er gehörte zur traditionsreichen Familie der Messerschmiede, die 1870 aus der CSR nach Bayern auswanderte. Damals machte sich ein Vorfahre namens Josef Steckler in Hunderdorf seßhaft. Seine bald überall bekannten guten Erzeugnisse fanden regen Absatz, und von weither kamen Aufträge und Bestellungen.
Von dem Begründer Josef Steckler vererbte sich der Betrieb an dessen Sohn Anton. Dieser verschied 1949 im Alter von 67 Jahren. Der tüchtige Meister arbeitete bis ins hohe Alter in der Messerschmiede. Sie wurde bis 1905 zuerst von Michael Schwarz und später von dessen Sohn Otto geführt; letzterer ging 1905 nach Amerika. Von den drei Söhnen des Anton Steckler fielen Anton und Karl im Zweiten Weltkrieg, so daß das Geschäft nach des Vaters Tod auf den dritten Sohn Josef überging, der Maria Bielmeier von Steinburg heiratete. Die Hunderdorf er Messerschmiede lieferte ihre Erzeugnisse nach Straubing, Regensburg, München, Konstanz, Bad Canstatt und auch in die Schweiz. Hergestellt wurden in der Hauptsache Messer aller Art für den täglichen Hausgebrauch, verschiedene Messer für Schlächtereien u.a.m.
Bis zum Jahre 1954 lagen Geschäftshaus und Werkstatt am Bogenbach, der die Kraft lieferte. Um diese Zeit verdrängte der Strom die Wasserkraft. Josef Steckler, der letzte Messerschmied, übernahm 1949 das Geschäft und baute sich 1955 ein neues Geschäftshaus mit einer neuzeitlichen Werkstatt innerhalb des Ortsbereiches. 1955 wurde das Wasserrad abgebaut und zertrümmert, das Haus kaufte Willi Hirtreiter von Stockwies.
Von 1930 bis 1939 hatte die Schmiede ihre Blütezeit. Damals arbeiteten sieben Beschäftigte in der Werkstatt. Von morgens sechs Uhr bis 19 Uhr abends war emsiges Treiben in der Schmiede. Obwohl die fabrikmäßige Herstellung der Klingen den größten Teil des Marktes erobert hatte, blieben diesem handwerklichen Unternehmen, das damals zu den wenigen in Bayern gehörte, dank seiner Qualitätsarbeit viele Abnehmer. Selbst Solinger Betriebe wurden aus der Schmiede in Hunderdorf beliefert. Trotz Technisierung in diesem Fabrikationszweig, blieb die Messerschmiede in Hunderdorf lebens- und konkurrenzfähig. Wohl gab es in Bayern etliche Messerschmiede, die sich aber fabrikmäßig hergestellte Einzelteile schicken ließen und dann zusammensetzten.
In den letzten Jahren ruhte die Arbeit in Hunderdorf. Da Josef Steckler keinen Nachfolger in seinem Beruf fand und er gesundheitlich nicht mehr arbeitsfähig war, wurde der Betrieb 1977 für immer geschlossen.
Als der Großvater Steckler Meister war, arbeitete auch ein Geselle namens Josef Rosam, ein Egerländer, bei ihm. Dieser lernte die Schwester der damaligen Lehrerin Theresia Kallner kennen. Nach seiner Verheiratung mit ihr betrieb er viele Jahre selbst eine Messerschmiede in Kronmühle bei Marienbad, bis er zu seinem Sohne in der Nähe übersiedelte. Die blühende Messerschmiede kassierte 1945 der Tscheche.
Josef Steckler war auch von 1956 bis 1978 Mitglied des Hunderdorfer Gemeinderates. In zwei Generationen war die Familie Steckler (Anton und Josef) ehrenamtlich in der Raiffeisenkasse tätig.

Apoig, Heimat des Mühlhiasl

Im Urbarbuch 1555 wird Apoig mit fünf je 1/2 und 1/4 Höfen genannt und zum Amt Landasberg gehörig bezeichnet; zum Amt Schwarzach sind es 2 je 1/2 und 2 je 1/4 Höfe.
Von den 13 Anwesen in Apoig waren 1629 dem Kloster Windberg grundbar; vier je 1/2 Höfe (Trienal, Veldtmayr, Küffner und Stangl), zwei je 1/4 Höfe (Küffnersölden, Lang), 1/16 Hof (Feiertag). Diese werden als Geschenk des Grafen Berthold von Bogen bezeichnet.
Im 19.Jahrhundert und vorher war Apoig bekannter als Hunderdorf, denn auf der dortigen Mühle lebe der bekannte Seher und Prophet Matthias Lang, besser bekannt als Mühlhiasl.
Der Name Apoig bedeutet „abbiegen.“ Hier biegt der Bogenbach ab, er macht einen Bogen. In alten Kirchenbüchern wird der Name verschieden geschrieben: 1612 Appoig, 1638 Apoig, im Volksmund Apoi. Das Ufer des Bogenbaches ist dicht bewachsen mit Erlen und Weiden. Der Grund der sumpfigen Wiesen ist aus Lehm und Ton.
Um das Jahr 1950 wurde Apoig wie folgt beschrieben: 329 m Höhe, liegt östlich von Hunderdorf, nur durch die Bahnlinie von diesem getrennt. Die Häuser liegen rechts und links der Gemeindestraße, die von Hunderdorf nach Hofdorf und von Hunderdorf nach Windberg führt.
Der Bahnhof steht auch in Apoig. Der Ort umfasst 31 Häuser, davon 3 Geschäftshäuser. Im Gasthof Sandbiller ist die Poststelle untergebracht. Der Ort gliedert sich in einen älteren und einen neueren Teil. Ersterer liegt am Fuße des Windberges und besteht aus sehr alten Bauernhäusern, dazu zwei Neubauten. Fünf von diesen Häusern gehören zur Pfarrei Windberg. Es wird vermutet, dass dieser Teil von Apoig vom Kloster Windberg angesiedelt wurde. Der hölzerne Stock des Weinzierl-Anwesens ist das frühere 1856 verkaufte alte Schulhaus. Beide Teile Apoigs werden durch den Bogenbach getrennt, der durch sumpfige Wiesen, dem sog. „Heugraben“, in südlicher Richtung Hofdorf zufließt. Direkt am Bogenbach steht die Mühle von Apoig, eine uralte Wassermühle, in welcher der weit bekannte Mühlhiasl geboren wurde.
Blickt man auf die vergangenen Jahrzehnte zurück, so muss man feststellen, dass der Ortsteil Apoig in der Gemeinde Hunderdorf eine hervorragende Rolle unter den vielen Orten spielte. Dass dort der Mühlhiasl lebte, wurde schon oben genannt. Der letzte Müller auf der Mühle war Josef Hobmeier, der 1969 verstorben ist. Heute ist die Mühle, die nun elektrischen Strom liefert, im Besitz der Familie Schneider. Hinter der Mühle wurde 2003 das Freilichtspiel „Mühlhiasl, die Legende von Apoig“ von Alois Winter mit großem Erfolg aufgeführt.
Schon an der Wende vom 19. zum 20 Jahrhundert spielte Apoig eine bedeutende Rolle. Als nämlich 1896 die Eisenbahnstrecke von Bogen über Hunderdorf und Steinburg in den Wald erbaut wurde, entbrannte ein heftiger Streit um den Standort des Bahnhofes. Hunderdorf hätte diesen gerne beim Anwesen Zollner/Härtenberger gesehen. Dagegen legte besonders Windberg Einspruch ein. So wurde entschieden, den Bahnhof, eine hölzerne Anlage, bei der jetzige Gaststätte Sandbiller zu bauen. Da damals die Post mit der Bahn befördert wurde, errichtete man in Bahnhofsnähe, in der eben genannten Gastwirtschaft eine Poststelle. Josef Sandbiller erbaute für diese Einrichtung 1956 ein eigenes Postgebäude.
Die alte Straße von Hofdorf nach Hunderdorf führte bis 1954 mitten durch Apoig, vorbei an der Schmiede des Josef Zollner und am Cafe Josef Weinzierl. Frau Weinzierl betrieb nebenbei auch einen kleinen Lebensmittelladen. Auch Xaver Anleitner, ein Schuhmachermeister, eröffnete nach dem Krieg in Apoig sein Lebensmittelgeschäft. 1946 entstand durch Werner Greiert im Saale bei Sandbiller und später in einer Baracke in Apoig ein Holzverarbeitungsbetrieb, in dem Geräte aus Holz für den Küchen- und Hausbedarf hergestellt wurden. Dieser Betrieb wurde nach dem Tod des Inhabers 1950 geschlossen.
Im Gartenhäuschen des Biergartens Sandbiller, auf dem heutigen Parkplatz vor der Gaststätte, errichtete Richard Scharrer einen „Friseursalon“, 1958 erbaute er in Apoig ein eigenes Haus und zog dorthin um. Im Mai 1949 erstand die Schreinereiwerkstätte des Otto Schlecht. Am 14.Juni 1952 erwarb die Firma Albin Skoula die Baracke des Werner Greiert, wo sie Haushalts- und Gebrauchsartikel herstellte. Dieser Betrieb wurde zum Maschinenbau- und zur Kunststoffherstellung erweitert und trug den Namen Skoula und Tanne (Askota). Am 16.Juni 1952 eröffnete Walter Myrtek ein Fuhrgeschäft.
1955 errichtete Rupert Betzlbacher eine moderne Tankstelle, zu der auch eine Kfz-Werkstätte gehörte. Im gleichen Jahr haben in den ehem. Werkhallen der Firma Greiert zwei neue Betriebe ihre Arbeit aufgenommen: Herr Henke stellte dort Federmatratzen her, Josef Schötz hatte einen Vulkanisierbetrieb eröffnet; später zog er in ein eigenes Haus um und verkaufte dort auch Fahrräder.
Seit 1956 unterhielt die Sparkasse Bogen im Hause Wurm in Apoig eine Filiale. Das war die erste Sparkasse neben der Raiffeisenkasse in Hunderdorf. Otto Wurm betätigte sich um diese Zeit als Viehhändler.
Mitte der 60er Jahre, als Karl Härtenberger Bürgermeister der Gemeinde Hunderdorf war und Apoig mit Hunderdorf mehr zusammenwuchs, wurde bei der Bürgerversammlung der Ort Apoig um 5 Mass Bier an Hunderdorf abgetreten. Von da an erinnert nur noch die Apoiger Straße und eine Tafel bei der Gastwirtschaft Sandbiller an den Geburtsort des Mühlhiasl.
1966 eröffnete Hans Schönauer beim Sportplatz ein Friseurgeschäft. Bei der Neugründung des Sportvereins 1966 stellte Otto Wurm ein Grundstück als Fußballplatz zur Verfügung. Hier entstand 1980 ein riesiges Sportzentrum mit zwei Fußballplätzen, einem Tennisplatz, einer Asphaltanlage mit Stockbahnen, mit einem Kinderspielplatz und einem Vereinsheim. Inzwischen haben auch die Eisschützen und die Tennisspieler ein eigenes Sportheim.
Als weitere Betriebe konnte Apoig aufweisen: Die Elektrogeschäfte Josef Schlecht und Hans Hieninger, Jakob Hirtreiter stellte Lederwaren her, Hans Hien war als Sattler bekannt, Josef Blasini/Hornberger hatte ein Kohlen- und Heizölgeschäft, Willi Bauer betrieb ein Sägewerk. Wo einst der Sportplatz der Schuljugend war, entstand 1973 ein Eisweiher für die Eisstock-Schützen. Selbst eine Zahnarztpraxis von Hugo Kvech war in Apoig zu finden. Zwei Holzschnitzer, Josef Schleinkofer, ein Original mit nur einer Hand, und Michael Schedlbauer, lebten hier.
Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände in Apoig findet alle Jahre das Hunderdorfer Volksfest statt. Viele der genannten Betriebe haben wieder geschlossen und sind der jüngeren Generation nicht mehr bekannt. Ein Aussiedlerheim im ehem. Apoig dient den Aussiedlern als Übergangsunterkunft, bis sie irgendwo im Land eine neue, feste Heimat finden.

Kreuzung bei Sandbiller 1954
Mühlhiasl, der Seher von Apoig

Die Ortschaft Apoig, Geburtsort des Mühlhiasl, lag bis in die achtziger Jahre in der Gemeinde Hunderdorf. Heute ist sie mit dem Ort Hunderdorf verschmolzen. Nur noch der Apoiger-Weg und eine Tafel vor der Gaststätte Sandbiller erinnern an diesen Namen, der in der Vergangenheit bekannter war als der Hauptort Hunderdorf.
Seine Berühmtheit erlangte der Ort Apoig durch den Seher und Propheten Mühlhiasl, der auf der dortigen Mühle zur Welt gekommen ist. Wann diese Mühle erbaut worden ist, konnte bisher nicht erforscht werden; sicher ist sie schon sehr alt und muß zu den vielen Mühlen gezählt werden, die schon im Mittelalter entstanden sind. Das Wasser der zahlreichen Bäche und kleinen Flüsse des Bayerischen Waldes haben schon sehr früh die Menschen zum Antrieb von Wasserwerken wie Mühlen, Hammerschmieden und in neuerer Zeit zu elektrischen Turbinen angeregt.
Die älteste bekannte Kunde von der Mühle in Apoig stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1676 war ein Kaspar Hagnberger Müller auf der Apoiger Mühle. In diesem Jahr nämlich fand seine Trauung mit seiner Verlobten Maria statt. Kaspar muß bald gestorben sein und hinterließ keine Nachkommen. Unweit von Apoig, in der Ortschaft Höllmühle bei Mitterfels, lebte auf der dortigen Mühle die Müllersfamilie Lang. Von den vielen männlichen Kindern konnten nicht alle auf die Erbschaft der Mühle hoffen. Als nämlich Sohn Joachim Lang vom Tode des Hagnbergers erfuhr, sah er die Möglichkeit, durch die Heirat mit der Witwe Hagnbergers selbständig zu werden. So kam es, daß sein Werben erhört wurde und er 1689 die Witwe Maria vor den Altar führen konnte. Diese Ehe begründete die Linie der Lang auf der Apoiger Mühle, die in der Folge in fünf Generationen in Apoig zu finden waren.
Der Ehe entsprossen sicher mehrere Kinder. Eines davon, Simon Lang, wurde zum Vater des 1722 (oder 1725) geborenen Matthias Lang. Dieser war das einzige Kind des Simon Lang. Er heiratete 1745 die Anna Maria Iglberger vom nahen Orte Grub, mit der er acht Kinder hatte, unter ihnen Mathäus, Johann und Josef.
Daß der Sohn Josef erst 1781 geboren wurde deutet darauf hin, daß Vater Matthias nach dem frühen Tode seiner Frau wieder geheiratet hatte. Josef arbeitete im Hause des Vaters als Mühlknecht. Der bekannteste unter den Kindern war der fünftgeborene Mathäus, der am 16.9.1753 in Apoig das Licht der Welt erblickt hatte. Er wurde unter dem Namen Mühlhiasl weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt. Sein Bruder Johann, geboren am 28.4.1755, war Hüter in Apoig, hat 1789 geheiratet und ist am 6.7.1825 gestorben. Von ihm ist wenig bekannt geworden.

Der Mühlhiasl als Müller

Mathäus wurde im Kloster Windberg von Pater Johann Nepomuk Altmann aus der Taufe gehoben. Sein Taufpate Georg Bayr stammte aus Buchberg. Im Jahre 1788 ehelichte Mühlhiasl die Barbara Lorenz von Recksberg bei Haselbach. Sie schenkte ihm acht Kinder, von denen aber einige früh gestorben sind. Nur ein Jahr nach Mühlhiasls Trauung starb sein Vater Matthias.
Schon im Jahre 1778 hat der Mühlhiasl die Mühle in Apoig von seinem Vater übernommen. Anders als seine Vorfahren, war der Mühlhiasl ein schlechter Wirtschafter. Ob der reiche Kindersegen oder andere Umstände daran schuld waren, wir wissen es nicht. Er kaufte schlechtes Getreide und verdarb somit das Geschäft. In seiner finanziellen Not nahm er vom Kloster Windberg ein Darlehen von 75 Gulden auf. Das war im Jahre 1799. Da er in der Folgezeit die Schulden nicht abzahlen konnte, mußte er 1801 von der Mühle weichen, die im Besitz des Klosters war. In diesem Zusammenhang hat er eine Prophezeiung gemacht, die das Schicksal des Klosters betraf. Als man ihn einmal vor der Klosterpforte stehen ließ und ihn verjagte, weissagte er: „Gut, ich gehe, aber so wie ihr mich jetzt verjagt, so werden euch bald andere aus dem Kloster jagen!“. Schon zwei Jahre später wurden bei der Säkularisation die Patres aus dem Kloster vertrieben.

Das Schicksal des Mühlhiasl

Nun war der Mühlhiasl heimatlos. Manche wollen wissen, daß seine Frau Barbara zu Verwandten nach Straubing zog, wo sie in einer Gärtnerei bis an ihr Lebensende gearbeitet hat.
Der Mühlhiasl fand vorerst bei einem Vetter auf der Klostermühle in Dambach einen Unterschlupf. Sein Bruder Johann, Hüter des Klosters, blieb als Mühlknecht auf der Mühle in Apoig, die von einem Müller Josef Lettl aus Irlbach gekauft wurde. Von seinem Halbbruder Josef verliert sich jede Spur. Mühlhiasls zwölfjähriger Sohn soll bei seinem Onkel das Müllerhandwerk erlernt haben, während zwei seiner Töchter sich als Hausmädchen verdingt und jung geheiratet haben.
Und der Mühlhiasl? Nicht lange blieb er in Dambach. Ihn trieb es in den Wald. Von Mühle zu Mühle zog er als Mühlenrichter und reparierte schadhafte Anlagen. Sogar als Viehhüter und Kohlenbrenner soll er sich verdingt haben, um zu überleben. Über den Ort und die Zeit seines Todes wird viel gerätselt. Genaues ist nicht bekannt. Er soll schon 1809 gestorben sein; andere verlegen seinen Tod auf das Jahr, 1825, in dem auch sein Bruder Johann verstorben ist. Er soll in Rabenstein oder Englmar begraben sein. Ob dieses Rätsel jemals gelöst wird?

Die Prophezeiungen des Mühlhials

In seine Heimat soll er nicht wieder zurückgekommen sein. In den finsteren Stuben der Waldlerhütten hörten ihm jung und alt zu, wenn er seine Weissagungen und Prophezeiungen zum Besten gab. Man staunte über seine Intelligenz und Sprachgewandtheit; viele belächelten ihn, andere bewunderten seine Sehergabe. Vieles von dem, was der Mühlhiasl vorausgesagt hatte, ist inzwischen eingetroffen, manches aber wartet auf eine Verwirklichung.
Über ein Jahrhundert wurden Mühlhiasls Prophezeiungen nur von Mund zu Mund weiter erzählt. Daß manches hinzukam oder weggelassen wurde, was aus dem Mund des Mühlhiasl kam, kann man sich denken.
Pfarrer Georg Mühlbauer, der 1921 im Alter von 93 Jahren starb, erfuhr über Mühlhiasls Prophezeiungen von seinem Vater, der nahezu 97 Jahre alt geworden ist und den Mühlhiasl persönlich gekannt haben soll. Die erste schriftliche Veröffentlichung stammt aus dem Jahre 1923 aus der Feder des Pfarrers Johann Evangelist Landstorfer, gestorben 1949 in Oberalteich.

Der Bruderzwist und das Mühlhiaslkreuz

Ein Ereignis aus dem Leben des Mühlhiasl soll hier noch angeführt werden. Wolfgang Johannes Bekh schreibt in seinem Buch „Mühlhiasl, der Seher des Bayerischen Waldes. Deutung und Geheimnis“:
1935 wurde der Pfarrprovisor Lecker von Hunderdorf zu einer Sterbenden gerufen. Sie lebte. in der Oberen Klostermühle, der Apoigmühle, die früher an Mathäus Lang alias Mühlhiasl verstiftet gewesen war. Nachdem Pfarrer Lecker die Sterbesakramente gespendet hatte, bemerkte er an der Mauer neben dem Kamin ein beschädigtes, völlig verrußtes Kruzifix. Dem hölzernen Christus hingen die Arme herab, an den verschränkt angenagelten Füßen fehlten einige Teile. Der Querbalken war aus dem Lot. Pfarrer Lecker berichtet wörtlich: „Als ich so das Kreuz anschaute, meinte die Tochter der Sterbenden, Herr Pfarrer, wolln’s dös Kreuz? Als ich dies bejahte nahm ich es von der Wand. Während sie es in Zeitungspapier einwickelte, erzählte sie mir, daß dies das Mühlhiasl-Kreuz sei. Einmal hätte der Mühlhiasl hier in der Apoigmühle mit seinem Bruder Streit bekommen. Dieser Bruder war der 1755 geborene, als Hüter des Klosters Windberg beschäftigte Johann Lang. Was der Grund für den Streit war, wissen wir nicht. Im Verlauf des Streites habe der Bruder ein Messer gezogen und sei auf den Mühlhiasl losgegangen. Dieser sprang zur Seite, riß im Herrgottswinkel das Kruzifix herunter und schlug es seinem Bruder über den Kopf. Die Verletzungen des Bruders müssen sehr schwer gewesen sein, denn der Mühlhiasl habe auf der Stelle die Apoigmühle verlassen und sich im Wald versteckt. Sein Bruder überlebte den Streit und starb viele Jahre später in der Pfarrei Hunderdorf. Gelegentlich war auch vermutet worden, der Mühlhiasl sei aus Angst vor gerichtlicher Verfolgung geflohen.“

Einige Weissagungen des Mühlhiasl

„Eine Zeit kommt, wo die Welt abgeräumt wird und die Menschen weniger werden“. Um diese Aussage gruppieren sich viele seiner Weissagungen. „Wenn d‘ Bauern mit gewichsten Stiefeln (Gummistiefeln?) in die Miststatt hineinstehen; wenn sich d‘ Bauernleut g‘wanden wie die Städtischen und die Städtischen wie die Narren; wenn die Mannerleut rote und weiße Hüte aufsetzen – nachher ist nimmer weit hin.“ Denken wir an die Vielfalt der Mode der letzten Jahrzehnte, so ist ein wenig Wahrheit in dieser Aussage.
„Wenn d‘ Leut nichts mehr tun als fressen und saufen, wenn d’Bauernleut lauter Kuchen fressen, wenn Bauernleut d’Hendl und Gäns selber fressen – wenn Bauern alle Awanter (Grenzsteine) umackern und alle Stauern (Hecken) aushauen, wenn Bauern alle politisieren … nachher ist nimmer weit hin.“ Dass es uns allen recht gut geht, was die Ernährung anbelangt, ist nicht zu leugnen. Ob er auf die überall durchgeführte Flurbereinigung hinspielte?
Viele seiner Zukunftsdeutungen zielen auf die Entwicklung des Verkehrs: „Wenn die schwarze Strass von Passau heraufgeht, wenn die schwarze Strass über die Donau herüberkommt und ins Böhm hineinläuft, wenn der eiserne Hund in der Donau heraufbellt, wenn d‘ Leut in der Luft fliegen können, wenn d‘ Wagen ohne Ross und Deichsel fahren, wenn die meisten Leut mit zweiradeligen Karren fahren, so schnell, daß kein Ross und kein Hund mitlaufen kann – nachher steht’s nimmer lang an.“ Zu diesen Aussagen, sollten sie wirklich vom Mühlhiasl stammen, braucht man wohl nichts hinzuzufügen. In Hunderdorf zeigte er genau jene Stelle an, an der später die Eisenbahnlinie erbaut wurde: „Bis hierher und nicht weiter.“
Auch über die Wirtschaft wusste er zu berichten: „s Gold geht zu Eisen und Stahl. Um ein Goldstück kann man noch einen Bauernhof kaufen. ’s Holz wird so teuer wie der Zucker, aber g‘langen tuts.“ Ob hier die Energiekrise herhalten musste? – „Einerlei Geld kommt auf (der Euro?), so viel, dass mans gar nimmer kennen kann, wenns gar lauter Papierflanken sind (Inflation nach dem 1.Weltkrieg), kriegen die Leut nicht genug daran. Auf einmal gibts keins mehr.“
Auch über die Besiedlung unseres Raumes machte er Aussagen: „In der Stadt werden fünf- und sechsstöckige Häuser baut, überall werden Häuser baut, Häuser werden baut wie d’Schlösser und d’Pfarrhöf, Schulhäuser werden baut wie Paläst.“ Wenn wir die moderne Art zu bauen betrachten, könnte der Mühlhiasl gar nicht Unrecht gehabt haben. „In Lintach wird alles voller Häuser und Lehmhütten ang’schlöttet, aber nachher wachsen einmal Brennnesseln und Brombeerndörn zu’n Fenstern außer.“ Am früheren Weiher von Eglsee zeigte er genau die Stelle an: „Da wird ein Haus baut,“ dort steht das Gemeindehaus. Schwer zu deuten ist nachstehende Weissagung; war hier das Haus in Breitfeld oder das lange unverputzte Noltewerk gemeint?“ Da wird ein Haus baut, wird aber zuvor nicht ausbaut, wenn’s gleich schon lange baut is.“
Daß dem Mühlhiasl nachträglich Dinge als geweissagt untergeschoben werden, die er gar nicht gesagt hat, kann angenommen werden, denn wir Menschen werden immer unsere Deutungen, unsere Ängste und Befürchtungen hineinlegen, aber auch unsere Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit.

Auf der Apoiger Mühle

Nach 1803 wird ein Müller Lettl auf der Apoiger Mühle genannt. In der Sterbematrikel sind in der Folge als Müller in Apoig eingetragen: um 1880 die Müllersfamile Seidl, dann um 1887 Baumgartner. 1894 verstarb der Müller Johann Aschenbrenner, 1930 der Austragsmüller Jakob Santl. 1908 kam die Mühle in Apoig an den Müller Josef Hobmeier. 1917 stellte er den Müllersknecht Georg Feldmeier ein, der über fünf Jahrzehnte seinem Herrn diente. In den fünfziger Jahren wurde die Mühle stillgelegt. Nach dem Tod von Josef Hobmeier 1962 erbte die Mühle die Familie Schneider. Heute wird dort elektrischer Strom erzeugt. So war Josef Hobmeier der letzte Müller in Apoig.

Au vorm Wald mit ehemaligen Wasserschloss

Der Name Au, ahd. auwa, mhd. ouwe, spätlateinisch ouia, nennt ursprünglich eine Wiese, ein Grasland. Zu APPIANS Zeiten lagen vier Teiche in der Nähe, das Schloss war von einem mit Wasser gefüllten Ringgraben umschlossen.
Auf WENINGS Stich um 1725 ist das Wasserschloss mit Wassergraben und Brücke deutlich abgebildet. Das Wasser wurde dem Perlbach entnommen, welches in einem Graben zum Schloss geleitet wurde. Der Festungsgraben war 10 m breit und zog sich um das gesamte Schlossgebäude. Spuren dieses Grabens sind noch deutlich sichtbar.

Wening. Rentamt Straubing (1725)

Die Anfänge eines Herrensitzes in Au dürfen vermutlich in engem Zusammenhang mit dem nahe gelegenen und älteren Steinburg gesehen werden. 1297 verkündeten die Herzöge Otto III. und Stephan I. von Niederbayern einen Schiedsspruch in dem Streit ihres Ministerialen, des Steinbergers, mit dem Klöster Windberg wegen einer Rossweide auf der Au (Awe) zwischen Windberg und Steinburg. Das Kloster übernimmt gegen den Verzicht der Steinberger auf ihre beanspruchten Rechte einen Jahrtag für diese Familie.
1325 wird erstmals Berthold der Steinberger auf Au genannt; er stellt für das Kloster Oberalteich eine Urkunde aus, in der er auf den Rat seiner Oheime Konrad von Preysing und Ulrich von Leiblfing diesem Kloster und dessen Siechenhaus 50 Pfd. R. Pf. als Schenkung verspricht. Die Stiftung soll zu Messen für seinen Vetter Berthold und seinen Bruder Heinrich bestimmt sein.
Als Landsassengut ist Au bereits 1331 gesichert. Konrad der Preysinger und Heinrich der Steinberger ab dem Haggn beurkunden 1336 die Seelgerätstiftung des verstorbenen Berthold des Steinbergers von Au, die dieser für das Kloster Windberg errichtet hat. Hieraus wird weiterhin ersichtlich, dass der Stifter in der Pfarrkirche St. Blasius zu Windberg begraben und außerdem der Bruder Heinrichs des Steinbergers von Haggn ist. Als am 6.Januar desselben Jahres, also kaum drei Wochen zuvor, Heinrich der Steinberger auf Haggn eine Urkunde ausstellt, siegelt sein Vetter Berthold der Steinberger von Steinburg und sein Bruder Ulrich der Leiblfinger von Au.
Hartwig und Ulrich die Leiblfinger von Au verkaufen 1375 ihr Gut zu Pühel bei Haibach an das Kloster Windberg; Berthold der Steinberger wird dabei als ihr Oheim bezeichnet. Ein Jahr später geben dieselben ihrem Propst Berthold ein Ewiggeld auf dem Zand im Tausch gegen ein anderes zu Hofdorf. Diese Urkunde enthält zwei wichtige Hinweise; einerseits werden Hartwig und Ulrich als Brüder bezeichnet und andererseits nennen sie den Vertragspartner ihren Propst, was wohl nur mit der sonst üblichen Bezeichnung Pfleger, also .Verwalter zu deuten ist. Dies kann noch ein Vergleich verdeutlichen, den Hans von Au 1381 mit dem Kloster Windberg unter anderem wegen .eines Erbrechtes auf einem Gut zu Hunderdorf schließt, in dem sein verstorbener Bruder Berthold genannt wird.
Die etwas untergeordnete Stellung des Hans von Au kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass nicht er, sondern Hans der Steinberger zu Steinburg siegelt.
Hartwig der Leiblfinger tritt in verschiedenen Funktionen seit 1381 in den Urkunden der Klöster Oberalteich und Windberg auf, vornehmlich als Siegler und Taidinger. 1405 verkauft er seinen Hof zu Waltersdorf, den dann der Käufer – der Straubinger Bürger Peter Eblinger – weiter veräußert. Immer wieder taucht auch weiterhin der Name des Hartwig auf. Eine einschneidende Maßnahme in seinen Besitzverhältnissen, die insbesondere für früher und die weitere Entwicklung in den Hofmarksverhältnissen in diesem engeren Bereich von außergewöhnlicher Wichtigkeit ist, bedeutet eine Urkunde von 1415: Hartwig der Leiblfinger zu Au verkauft unter Wiederkaufsrecht an das Kloster Oberalteich das Dorf Hofdorf unter Windberg als freies lediges Eigen. Der endgültige Verkauf erfolgt sodann erst 1417: wiederum Hartwig verkauft dem Kloster Windberg die freieigene Hofmark und Dorf Hofdorf mit Gericht, Herrschaft, Lehenschaft, Taferne, Mühle und zwei Fischwassern; aufgezählt werden 13 Güter, 1 Sölde, 4 Hofstätten, der Wirt, die Mühle und der Bader. Als Mitsiegler fungieren die Söhne des Ausstellers, Erasem und Jorg Leiblfinger zu Au. Nur noch in den beiden folgenden Jahren ist von Hartwig Leiblfinger die Rede. Bereits in der Landtafel um 1425 werden getrennt Ulrich und Jorg Leiblfinger. zu Au genannt. 1433 fällt eine Entscheidung zwischen Ulrich und Jorg Leiblfinger zu Au einerseits sowie Kloster Windberg andererseits, in dem ein Holz zwischen Windberg und Hofdorf dem Kloster zugesprochen wird. Windberg verpflichtet sich aber, für die Eltern Hartwig und Dorothea Leiblfinger von Au einen ewigen Jahrtag abzuhalten. Nur noch von Ulrich ist in der Folgezeit der Hofmark Au die Rede. 1460 nennt sich erstmals Hartwig Leiblfinger nach Au, womit sich unzweifelhaft die weitere Generation in der Familie abzeichnet, eben der Sohn des Ulrich, der in zumeist üblicher Gewohnheit den Namen des Großvaters trägt.
Schon der Verkauf von Hofdorf dürfte auf wirtschaftliche Schwierigkeiten der Leiblfinger hinweisen. Das geht nunmehr vermehrt weiter. Es beginnt 1471 mit dem Verkauf eines eigenen Gütels zu Ränkam an einen Bürger in Bogen durch Hartwig Leiblfinger und seine Frau Beatrix. Schon ein Jahr darauf erwirbt das Kloster Windberg den Hof in Ränkam. Noch deutlicher wird die Situation aus einer Urkunde von 1473, in der es ausdrücklich von einem Verkauf „aus Not“ heißt, warum ein freieigenes Gütl zu Sollach an das Kloster Windberg übergeht. Hartwig und Beatrix verkaufen 1476 die Breitwiese in Gaishausen an das Spital zu Straubing. 1478 verkauft schließlich das Ehepaar ihre zwei freieigenen Höfe zu Grabmühl an das Kloster Windberg. Darum kommt es noch zu allerlei Verwicklungen. Zuerst wird 1479 durch Landgerichtsurteil den Verkäufern die Grabmühl wegen nicht eingelöster Schuldbriefe abgesprochen. Den genauen Sachverhalt schildert schließlich eine Urkunde von 1480, durch die der Straubinger Bürger Hans Reuter dem Kloster Windberg den Hof zu Grabmühl übergibt, darin heißt es weiter, der Leiblfinger habe ihm gegen einen Schuldschein den Hof zu Grabmühl als Pfand gesetzt, diesen aber trotzdem weiter verkauft.

Au vorm Wald

Letztmals ist Hartwig der Leiblfinger zu Au 1486 als Siegler einer Urkunde eingetragen.
Man kann davon ausgehen, dass die Steinberger von ihrem ursprünglichen Sitz Steinberg aus einen neuen Herrensitz Au geschaffen haben, der um 1336 an die nahen verwandten bzw. verschwägerten Leiblfinger überging. Noch im Jahr 1486 muss in der Hofmark Au der Besitzwechsel eingetreten sein, dessen genauer Hergang nicht überliefert ist; in einer Urkunde von 1486 nennt sich erstmals Wilhelm Heuraus, Landrichter in Mitterfels, nach Au. Er war Kastner zu Viechtach und hatte die Schwester Elsbeth, die den Hans Hofer zu Lobenstein heiratete. Wenn dieser 1488 einen Hof zu Traumarch und drei Sölden zu Auggenbach an das Kloster Windberg verkauft, kann man davon ausgehen, dass es Ihm um die wirtschaftliche Konsolidierung der eben erworbenen Hofmark geht. Wilhelm Heuraus, der auch in der Landtafel aus der Zeit um 1490 und 1500 als Inhaber von Au vermerkt ist, kann man in seiner Tätigkeit als Landrichter von Mitterfels in zahlreichen Urkunden bis 1501 feststellen. Es folgt dann Georg Heuraus, wohl der Sohn, seit 1507 bis 1537 in einer Vielzahl Oberalteicher und Windberger Urkunden als Landrichter und Pfleger von Mitterfels überliefert. Auch die Landtafeln von 1510 und um 1525 verzeichnen ihn als Hofmarksherrn von Au.
Der Ingolstädter Bürger Hans Mair verkauft 1550 dem Propst von Pfaffmünster 19 fl. Ewigzins auf dem Schloss Au, das jetzt Jakob Heuraus besitzt, um 320 fl. in der Landtafel von 1542 ist Georg Heuraus als Inhaber der Hofmark verzeichnet, während 1549 Jakob Heuraus und die Erben seines Bruders Stephan genannt sind. 1558 und 1560 werden nur noch die Erben des Stephan allein aufgeführt. Diese Verhältnisse bleiben weiterhin unverändert, bis Wolf Ammon durch Heirat die Besitznachfolge antritt. Hach einem Grabstein bei der Seelenkapelle in Hunderdorf ist Maria Magdalena Ammonin, geborene Heuraus zu Au, 1563 gestorben. 1567 ist Wolf Ammon Hofmarksherr von Au, 1597 Hans Georg Ammon.- Nur einige Nennungen dieser Familie in den Urkunden seien angefügt: Wolf Ammon zu Au 1581, Hans Georg Ammon zu Au und Rattiszell 1590 und 1591, Georg Viktor Ammon auf Au und Rattiszell 1614. 1593 übertrug er dem Abt von Windberg die Vollmacht für den Landtag. Er kaufte die oben genannte Breitwiese vom Spital in Straubing zurück Er hatte die Kinder Ferdinand, Ignaz Victor und Maria Katharina. Von Ferdinand Franz Ammon kaufte das Straubinger Jesuitenkolleg ein Haus in der Bürg zu Straubing für ein Schulhaus, das beim Straubinger Stadtbrand 1780 unterging. Er starb 1665.
1669 ist Johann Wilhelm Ammon in der Landtafel vorgetragen. Hoch bevor dieser 1709 gestorben war, hatte Johann Joseph von Schrenk-Notzing durch Heirat mit Maria Esther Genoveva Ammonin (+1727) die Nachfolge angetreten. 1737 wird Maximilian Kaspar Valentin Freiherr von Schrenk-Notzing in der Landtafel als Hofmarksinhaber geführt; hier findet sich auch noch der interessante Vermerk, die ursprüngliche Rittersteuer sei gemindert worden, nachdem 9 Untertanen an Baron Tuernitz von Rattiszell verkauft wurden.
Der Grundherr der Hofmark hatte 1760 35 Anwesen, davon drei je 3/4, 3 je 3/8, 1 je 1/4, 2 je 1/8, 9 je 1/12, 4 je 1/16, 13 je 1/32 Anwesen.
Von 1763 bis 1808 ist Baron Johann Zacharias Voith von Voithenberg Hofmarksherr von Au. Ihm folgt Johann Baptist Freiherr von Schleich, gestorben 1818. Au gehörte 1811 zum Steuerdistrikt Windberg und 1821 zur Pfarrei Hunderdorf. 1841 wird ein Apotheker Vogt als Besitzer einer Hälfte des Schlosses genannt.
In der Hofmarksbeschreibung von 1606 wird Au, wo ein gemauerter Edelmannsitz vorhanden ist, als geschlossene Hofmark bezeichnet, in der keine anderen Güter vorhanden sind und die an die Hofmark Steinburg grenzt. In der Beschreibung des Rentamtes Straubing um 1795 wird die Hofmark Au im Landgericht Mitterfels unter dem Inhaber Zacharias Freiherrn von Voith von Voithenberg aufgeführt. Die Bildung eines Ortsgerichtes durch Baron von Schleich kommt 1814 nicht zustande. 1820 wird seiner Witwe, einer geborenen Voith von Voithenberg, die Bildung eines Patrimonialgerichtes II. Klasse genehmigt. Es umfasst 40 grundbare und gerichtsgesessene Familien; der Amtssitz befindet sich in Steinburg. – Zu den mittelbaren, patrimonialgerichtlichen Gemeinden des Landgerichts Mitterfels zählte 1821 Au vorm Wald mit 2 Dörfern und 31 Familien.

Westansicht des Schlosses in Au

Der Westflügel des kleinen Wasserschlosses aus der Spätrenaissance diente ab 1834 als Schule und Lehrerwohnung, der Ostflügel kam in bäuerlichen Besitz. An den südlichen Teil des Schlosses lehnt sich die östlich ausspringenden Kapelle St. Valentin an, ein ursprünglich spätgotischer Bau mit Veränderung in der Barockzeit.
Bei der Neueinteilung Bayerns durch den Minister Montgelas wurde auch die Kleingemeinde Au vorm Wald gegründet und bestand bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Dann wurde sie aufgelöst und kam zur Gemeinde Steinburg und schließlich bei der Gemeindereform 1978 mit Steinburg und Gaishausen zu Großgemeinde Hunderdorf.

Wening schreibt um 1725:
„9. Au vorm Wald. Dieses Schloß wird darum Au vorm Wald genannt, weilen auch in dem Wald ein Schloß gleichen Namens zu finden, so den Baron Donnerspergischen gehörig und zum Unterschied des hier beschriebnen Au im Wald genennt wird. Dieses Au vorm Wald ist nur drei Stund von Straubing entlegen, hat wegen lustig, ganz ebner, sowohl an Getreid als Heuwachs sehr fruchtbarer Gegend, auch ringsum bergigem Umfang und schönen Fischteichen besondere Schatzung, ist auf dem vorbeirinnenden Perlbach des Fischens berechtigt, ansonst ein uraltes Gobäu, darinnen haben vor unvordenklichen Jahren jederzeit bis anhero die alten Besitzer, gewohnet. Benanntlich hat von diesem Au sich das alte Geschlecht der Ammon von Au geschrieben, welches Geschlecht bis auf einen abgestorben. Dieses Gut verblieb bei gedacht Ammonischer Familie über zweihundert Jahr. Auf Absterben des vorletzten Ammons namens Johann Wilhelm ist es durch Heirat an Herrn Johann Joseph Freiherrn von Schrenck und Notzing auf Adlhausen von und zu Au gebracht worden.
Au v. W. besaß 1464 Hartmann von Leiblfing, 1500 Wilhelm Heraus, 1530 Georg Heuraus. -Bei Primbs stehen „Stephan Heuraus und danach Wolf  Ammon. Ferdinand Franz Ammon von und zu Au, Herrnfehlburg und Rattiszell starb 1605.“

Grabsteine der früheren Besitzer auf Schloß Au v. Wald

Ein Grabstein an der ehemaligen Seelenkapelle und andere an der Außenwand der 1936 erbauten Pfarrkirche erinnern an.. die früheren Herrn und Besitzer des Schlosses Au vorm Wald:
1. Johann Baptist Freiherr von Schleich, von Schönstett und Stephanskirchen quieszierender Oberlieutnant beim Leibregiment Pius und vormaliger Gutsbesitzer von Au, geb.5.Mai 1771, gest. im Okt. 1818. – Oben ein graviertes Wappen.
2. Johannes Ignatius Freiherr von Schrenck-Notzing, Chorherr zu Berchtesgaden, gest. 10.Mai 1724. – Unten sein Wappen.
3. Ferdinand Franz Ammon von und zu Au, Herrnfehlburg und Rattiszell, gest. 25.März 1665. – Unten Reliefwappen und Rundblende.
4. Clara Adelheid Regina von Schrenck und Notzing auf Au, gest.1706 – Unten das Wappen.
5. Maria Esther Genoveva Freifrau von Schrenck-Notzing, geb. Ammon von Au, gest.5. März 1727. – Unten Ehewappen.
6. Johann Wilhelm Ammon von und zu Au, gest. 29.11.1709, 69 Jahre alt. – Unten sein Wappen.
7. Johann Zacharias Reichsfreiherr von Voith von Voithenberg auf Herzogau und Au, kgl. bayer. Regierungsrat zu Straubing im 50.Jahr, Inhaber der Hofmark Au vorm Wald im 46. Jahr, seines Alters im 86. Jahr, gest. 13.7.1808. – In den Ecken Rosetten. Oben das Reliefwappen des Verstorbenen in Rundblende.
8. Maria Magdalena Ammon, geb. Hoiraus zu Au, gest. am Abend Mariä Himmelfahrt 1563. – Seitlich gravierte Renaissanceornamente mit Blumenvasen. In den Ecken die Wappen der Ammon, Hoiraus, Schmidinger und Gundelsheim.

Ferdinand Franz Ammon v. u. z. Au

 

Maria Anna Theresia Mässin

 


Clara Adelheid Regina v. Schrenck u. Notzing
Johann Wilhelm Ammon v. u. z. Au

 

Maria Esther Genoveva Freifr. v. Schrenck u. Notzing geb. Ammon v. Au

 

Johann Baptist Freiherr v. Schleich
Die Schloßkapelle Au vorm Wald

Inmitten der Häuser des Ortes Au vorm Wald, angelehnt an das alte Schloß, steht die Schloßkapelle St. Valentin, eine Filialkirche von Hunderdorf. Der ursprünglich spätgotische Bau wurde in der Barockzeit verändert.
Wenn auch die Innenausstattung nicht allzu üppig ist, so ist das Kirchlein doch sehenswert. Der spätgotische Altar aus- dem 17. Jahrhundert hat einen Aufsatz im Spätrenaissancestil. Das Altarbild in chinesisch-rot gehaltenem Farbgrund ist dreiteilig und zeigt in der Mitte St. Maria mit dem – Kind und den hl. Valentin, den Schutzpatron des Kirchleins. In den Seitenstreifen links St. Katharina und. St. Dorothea übereinander geordnet, rechts ebenso St. Margareta und St. Barbara.
Neben einfachen Kreuzwegstationen finden wir die Figuren St. Valentin mit Buch und Bischofstab, spätgotische Arbeit um 1500 und St. Maria mit dem Kind, Krone und Schädeldecke der Muttergottes sind gespalten von einem Säbel, der noch in der Wunde steckt. Es handelt sich um eine Nachbildung des Gnadenbildes von Neukirchen beim hl. Blut, spätgotische Arbeit um 1480. Sockel und rechte Hand sind später erneuert worden.
Im Vorraum sind einige ländliche Votivtafeln angebracht. Die ehemaligen Spitzbogenfensterchen im Chorhaupt wurden vermauert. Die zwei Rundbogenfenster stammen aus der Barockzeit.
Über dem Vorraum erreicht man auf einer Treppe einen Raum, der früher als Oratorium diente.

St. Valentin, Patron der Schlosskapelle in Au v. W.

St. Valentin ist der Schutzheilige der Schlosskapelle in Au v. W. Links neben dem Altar erblicken wir seine Statue mit Buch und Stab in den Händen. Es ist eine gute, spätgotische Arbeit um 1500. Das Altarbild zeigt S. Maria mit Kind und dem hl. Valentin.
Seinen Namenstag begeht die katholische Kirche am 14.Februar. Valentin bedeutet „der Gesunde“. Er lebte im 3. Jahrhundert und war nach der Legende römischer Priester oder Bischof von Terni in Umbrien, Mittelitalien. Zur Zeit der Christenverfolgungen wurde er nach Rom verschleppt und dort wegen seiner Standhaftigkeit im Glauben zu Tode gemartert.
Als Freund der Natur pflegte Valentin in seinem Klostergarten viele Blumen, die er an Vorübergehende, gerne verteilte. Er gilt als Patron der Epileptiker, weil er ein besonderes Herz für notleidende Menschen hatte. Am Valentinstag verschenken Menschen, die sich nahestehen, Blumen zum Zeichen der Zuneigung und Liebe.
Der Brauch des Blumenschenkens soll aus England stammen. Auswanderer brachten im 18. und 19. Jahrhundert diesen Brauch nach Nordamerika. Nach dem letzten Krieg gelangte er durch die Besatzungsmächte nach Deutschland. Mit einem Blumenstrauß wollen am Valentinstag Liebende sich gegenseitig eine Freude bereiten.

Bauernholz, ein Dorf

war im Besitz des Klosters Windberg und ist ein Dorf jüngster Entstehung. Wird zum ersten Mal im Steuerdistriktsverzeichnis von 1811 aufgeführt.
1955 Dorf mit 14 Anwesen, liegt 340 m hoch, sehr zerstreut, etwa 1 km westlich von Hunderdorf, weites, hügeliges Wiesen- und Ackerland. Das Bächlein „Lintacher Graben“ läuft von Lintach über Bauernholz und Hunderdorf zum Bogenbach. Etwa in der Mitte der Ortsfläche ein kleiner Wald, genannt „Bauernholz“, wohl der Rest des einst völlig bewaldeten Gebietes. Am Westende von Hunderdorf liegt ein großes Bauernanwesen mit Namen „Bauer“, dessen Besitz dieses Wäldchen ist. Vielleicht ist davon der Name abzuleiten.
1978 wird Bauernholz als Dorf mit 72 Einwohnern angegeben. 1988 87 Einwohner.

Berndorferholz, eine Einöde

liegt an der südlichen Gemeindegrenze, wird 1981 als Einöde mit 13 Einwohnern bezeichnet. Ist erst 1877 nachweisbar. Der Name kommt von einem Bauernhof inmitten eines Waldes.

Brandstatt, ein Weiler

1484 Pranstatt, Gehöfte an durch Feuer gerodeten Waldstelle; liegt nordöstlich von Hunderdorf, war 1981 ein Weiler mit 19 Einwohnern.
Der Weiler Brandstatt mit einem 1/4 Hof (Michl) gehörte 1629 zum Kloster Windberg, hieß damals Pranndstatt und wurde von Johann und Georg Gewolf zum Degenberg 1396 gekauft. Hans der Pranstetter verkauft das Gut um 14 Pfd. R. Pf. Die Degenberger verkaufen es um den gleichen Betrag an das Kloster Windberg. Um das Erbrecht auf diesem geht es 1510.

Breitfeld, ein Weiler

ist erst 1867 nachweisbar und wird als Weiler mit 54 Einwohnern bezeichnet.
1955: Breitfeld liegt 342 m hoch etwa 500 m nordöstlich von Hunderdorf, 5 Häuser, liegt eben ohne landschaftliche Besonderheiten am Fuße des Starzenberges. Der Name kommt von „Breitenfeld“ oder „Breites Feld“, gehörte vermutlich dem Kloster Windberg. Lehmiger Grund, aber gute Humuserde.
1845 Breitfeld, Volksmund Broadfeid; 1981 mit 54 Einwohnern.

Ebenthan, ein Weiler

musste 1665 Scharwerksgeld an das Pfleggericht des Amtes Landasberg entrichten. Liegt in einer Ebene eines früheren Tannenwaldes.
Ebenthan in der Obmannschaft Hunderdorf war mit 2 Anwesen 1629 dem Kloster Windberg als Grundherrn verpflichtet: das Anwesen Hainz mit 1/1 Hof und Kellner mit 1/4 Hof. 1955: Weiler, 5 Anwesen zerstreut, 3 km von Hunderdorf, liegt eben im Tal, zum Teil hügelig, hart an der Bahnlinie, 332 m Höhe, ohne landschaftliche Besonderheit.
1820 Ebnen Thann, 1837 Ebenthan, im Volksmund Emdann, 1981 mit 18 Einwohnern. – Früher in der Gemeinde Gaishausen, wird 1978 Hunderdorf eingemeindet; hatte damals 18 Einwohner.

Egern, eine Einöde

wird nach dem Steuerdistriktsverzeichnis von 1811 als Teil der Gemeinde Hunderdorf genannt. Der Name kommt vom mhd.“egerde“, was soviel wie Brach- oder Weideland bedeutet.
1955: liegt 500 m westlich von Hunderdorf auf einem leichten Höhenrücken, lehmiger Ackerboden. 1627 Ehr, 1830 Ehren, 1837 Egern, 1981 mit 3 Einwohnern.

Eglsee, ein Weiler

wird 1811 erstmals im Steuerdistriktsverzeichnis mit einem uneingehöften Häusl erwähnt. Der Name leitet sich vom ahd. „egal“ ab = Blutegel. Früher war hier ein kleiner See. Der Ort gehörte 1821 zur Gemeinde und Pfarrei Hunderdorf.
1955: Weiler mit zerstreuten 6 Anwesen, 342 m hoch, 1 km südlich von Hunderdorf, an der Straße nach Bogen. Eglsee soll seinen Namen von dem „Hunderdorfer See“ haben, in dem Blutegel zu finden waren. Der Name kommt in Bayern 19 mal vor. 1823 Ecklseeweiher, 1832 Ecklsee, 1981 mit 50 Einwohnern.

Ehren bei Steinburg

Die Siedlung Ehren musste 1665 mit 1/2 Hof Scharwerksgeld an das Pfleggericht des Amtes Landasberg entrichten.
Das Anwesen Hilmer mit 1/2 Hof war 1629 dem Kloster Windberg grundbar. Im Salbuch von 1629 lesen wir, dass Ehren eine Schenkung des Herrn Hagonis von Gaishausen vor 1305 an das Kloster Windberg ist. Mit der Gde. Gaishausen kam Ehren 1978 mit 50 Einwohnern zur Gemeinde Hunderdorf. In Ehren war seit 1896 der Bahnhof Steinburg.

Ellaberg, ein Weiler

musste mit 3/4 und 1/4 Höfen Scharwerksgeld an das Pfleggericht des Amtes Landasberg entrichten, war in der Obmannschaft Hunderdorf 1629 mit 2 Anwesen dem Kloster Windberg verpflichtet; Weinzierl mit 3/4 und Wagner mit 1/4 Höfen.
1821 gehörte der Ort zur Gde. Gaishausen und zur Pfarrei Hunderdorf.
1955: Der Weiler liegt 4 km nordwestlich von Hunderdorf mit 8 Anwesen, sehr zerstreut, 374 m Höhe, liegt z. T. in einem Talkessel, z. T. an den Hängen des Weinberges, der zum Lintacher Höhenzug gehört. Im Talkessel ein kleiner Wassergraben ohne Namen. Die linke Seite des Tales ist bewaldet und trägt den Flurnamen „Wolfersgrub“. Nördlich des Weinberges fließt ein Bächlein nach Grub, das den Namen „Ellaberger Bach“ trägt. Früher Elinberg, Elchenberch, Elchenperge, 1484 Elenberg, 1640 Ellnberg; entweder vom Personennamen Alb, Elle oder vom ahd. elaho, mhd. elch = Elch.

Blick auf Ehren 1955: 1. Gasthaus Solcher, 2. Bahnhof Steinburg, 3. Lagerhaus und Konservenfabrik, 4. Poststelle Steinburg, 5. Sägewerk Dilger
Geschichte des ehem. Ministerialensitzes Gaishausen

Gaishausen bedeutet „Haus eines Gezo“, dessen Name in den Traditionen des Klosters Oberalteich 1114-37 bei Gezo de salaha (Sollach) begegnet. Man könnte versucht sein in ihm den Ortsgründer von Gaishausen zu sehen. Im gleichen Zeitraum erscheint Etich de Gezhusen, 1126 Hagano de Gezhusen. Ein Hagen de Geizzehusen gab dem Kloster Windberg ein Gut. Diese aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammenden Personen dürfen als Ritter bezeichnet werden.
Zu den gräflichen und den vögtischen Ministerialenburgen gehörte auch Gaishausen. Der genannte Etich dürfte bereits 1180 als Ministeriale des Grafen Berthold, des Bruders Adalberts I., belegt sein. Die genannten Ministerialenburgen dürfte eher als ein befestigter Sitz verstanden werden.
Zur Grundausstattung des Klosters Windberg haben im 12./13.Jahhundert eine Vielzahl von Ministerialensitzen Schenkungen gemacht haben, unter ihnen auch der Sitz Gaishausen.
Wilhelm Zenger zu Haggn verkauft 1427 (1439?) eine Sölde zu Gaishausen an den Hans Poxauer als freies Eigen. Andre Ruedland gibt 1436 Windberg einen Verzichtsbrief auf die Sölde in Unterbucha, auf die er vor der Landschranne in Mitterfels erhoben hatte. Georg Egloffstein zu Steinburg bestätigt 1502 dem Kloster Windberg den Empfang einer Summe Geldes als Entschädigung für Beeinträchtigung durch Anlegung eines Weihers bei Gaishausen. Von 1574-81 urkundet Balthasar Kürmreuth zu Haggn als Lehensherr einer Wiese zu Gaishausen.
1665 wurden an das Pfleggericht Mitterfels im Amt Landasberg Scharwerksgelder entrichtet: von Gaishausen 3 zu 1/2 Höfen und 5 zu je 1/4 Höfen. Gaishausen gehörte nach dem Salbuch des Klosters Windberg von 1629 zur Obmannschaft Hunderdorf mit 3 je 1/2 Höfen (Holmer, Schütz, Sturm), 3 je 1/4 Höfen (Kern, Lang, Mühle), 2 je 1/8 Höfen (Steger, Bayr) und dem Hüthaus. Diese Höfe waren Schenkungen an das Kloster Windberg durch Hartmann den Tunegen und Hagonis von Gaishausen. Diese sind bereits im Ankunftsbuch des Klosters erhalten. Einzelne Höfe wurden von Berthold von Steinburg sowie Zacharias Santingen gekauft oder getauscht; Aufschlüsse darüber geben Urkunden zwischen 1407 bis 1564.
Die Hofmarksherrschaft von Steinburg hatte 1760 in Gaishausen 2 je 1/4 Höfe (Duschl, Schlesinger), 4 je 1/8 Höfe (Stadler, Kestlbeck, Predl u. Waibunger) in Besitz.
Zu den 1811 gebildeten Steuerdistrikten gehörte auch Gaishausen mit 2 Dörfern, 5 Weilern und 6 Sölden. Zum Landgericht Mitterfels im Unterdonaukreis zählte 1821 die Gemeinde Gaishausen (als unmittelbare Gemeinde) mit 2 Dörfern, 2 Weilern und 9 Einöden mit zusammen 65 Familien. Die Gemeinde Gaishausen entstand 1811 aus dem gleichnamigen Steuerdistrikt, anstelle von abgegliederten Teilen (Uttendorf, Hinterbuchberg, Vorderbuchberg) unter Einbeziehung von Orten der Steuerdistrikte Landasberg und Neukirchen (Wiespoint, Irlach).
Zur Gemeinde Gaishausen gehörten demnach 1821: Gaishausen, Ebenthan, Ehren, Ellaberg, Grub, Hagnberg, Hoch, Hochholz, Irlach, Kögl, Rammersberg, Riglberg, Röhrnau, Weinberg und Wiespoint.
Der ursprüngliche Steuerdistrikt wurde aus Parzellen von 5 Obmannschaften und Teilen der Patrimonialgerichte Steinburg und Scheibelsgrub gebildet. Der Gemeindeteil Weinberg ist 1831/32 zum erstenmal aufgeführt. Die Gemeinde Gaishausen wurde am 1.5.78 zur Gemeinde Hunderdorf eingegliedert, ausgenommen die Gemeindeteile Hagnberg, Kögl und Wiespoint, die zur Gemeinde Mitterfels kamen.
Nach dem Gemeindeedikt von 1818 wurden die Gemeinden Au, Gaishausen, Hunderdorf und Steinburg gebildet. Diese hatten bis. zum Jahre 1946 ihren Bestand. Die amerikanische Militärregierung verfügte damals, daß die Kleingemeinden Au, Gaishausen und Steinburg mit weit über 1000 Einwohnern zu einer Gemeinde zusammengefaßt werden. Als aber die Verwaltung wieder in deutsche Hände zurückgelegt wurde, bemühte sich Gaishausen mit Erfolg um die Eigenständigkeit. Au wurde Steinburg angegliedert.
Als besonderes Ereignis werteten die Bürger der Gemeinde Gaishausen die Verleihung eines Gemeindewappens durch Landrat Franz Xaver Hafner, der ein Sohn der Gemeinde war. Das rote Stufenkreuz wurde dem Wappen des Geschlechts der Steinberger entnommen, die lange Zeit Grundherren des Gebietes waren. Der blaue Wellenbalken kennzeichnet die Lage des Gebiets am Bogenbachs, das war im Jahre 1969.

Die Bodenfläche der damaligen Gemeinde Gaishausen betrug 771 ha, davon waren 400 ha Felder, 221 ha Wiesen und nur 150 ha Wald. Die Nutzfläche der nach wie vor landwirtschaftlich orientierten Gemeinde bot nur noch 20 Prozent der Bevölkerung ein angemessenes Einkommen. Das Gros der Bürger machten die Arbeitnehmer aus. Sie standen mit 75 % weitaus an der Spitze. 5% waren Gewerbetreibende. Vor dem Krieg zählte Gaishausen 69 Hausnummern, um 1970 waren es bereits 92. Zur Gemeinde gehörten die Ortschaften Gaishausen, Ehren, Röhrnau, Grub und Rammersberg, die Weiler Ellaberg, Ebenthan, Hochholz, Riglberg, Hagenberg und Hoch und die Einöden Weinberg, Wiespoint und Kögl.
Zwar hatte lange Zeit der Ort eine Kirche, für eine Schule reichte die Zahl der Kinder nicht aus. Sie besuchten die Schulen in Au und später in Steinburg und Hunderdorf.
Der einzige Ort im ehemaligen Landkreis Bogen, dessen Namensbezeichnung als eine Hausgründung im Sinne einer Ministerialenburg zurückzuführen ist, dürfte Gaishausen sein. Dort läßt auch das Vorhandensein eines Kirchleins mit dem sehr alten St. Georg-Patrozinium auf eine Ministerialenburg schließen, da die Kirchen meist im Zusammenhang mit solchen Dienstmannenburgen entstanden sind.

Ehemalige Kirche St. Georg (Phantasiezeichnung), 1792 abgebrochen

Lange vor der großen Gebietsreform Ende der 70er Jahre schloß sich die Gemeinde Gaishausen 1958 freiwillig mit den Gemeinden Neukirchen und Obermühlbach zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammen, die einen gemeinsamen Gemeindesekretär, Herrn Michl, beschäftigte. Dieses Gemeindetriumvirat war damals beispielgebend im Landkreis Bogen.
Der günstigen Lage zur Gemeinde Hunderdorf war es dann zuzuschreiben, daß 1978 bei der Gebietsreform die Gemeinde Gaishausen zusammen mit der Gemeinde Steinburg an Hunderdorf angegliedert wurde. Seither bilden drei Gemeinden, Hunderdorf, Neukirchen und Windberg, eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Sitz in Hunderdorf.
Auch geschichtlich konnte sich Gaishausen sehenlassen. Aus dem 12. und 13. Jh. sind die Ritter von Gaishausen, wie oben erwähnt, belegt. In über 160 Jahre lange Geschichte hat die Gemeinde Gaishausen den Beweis erbracht, daß sie nicht nur lebens-, sondern auch entwicklungsfähig war. Als Beweis seien der nahe Bahnhof, die Post, das Lagerhaus und die Konservenfabrik genannt. Wenn auch die frühere Gemeinde Gaishausen aufgelöst wurde, so sind ihre Bürger stolz auf die geschichtliche Vergangenheit.

Blick durch die ehemalige Bahnunterführung auf Gaishausen
Volksvertreter der Gemeinde Gaishausen

1.Bürgermeister: Karl Hastreiter, Albert Gall, Egon Weinzierl
2.u.3.Bürgermeister: Alois Fuchs, Alois Höcherl, Egon Weinzierl, Johann Dietl, Josef Schedlbauer
Gemeinderäte: Xaver Baumgartner, Xaver Bugl, Johann Dietl, Max Fendl, Albert Gall, Josef Gütlhuber, Xaver Hanner, Alois Höcherl, Max Höcherl, Georg Höcherl Rupert Höpfl, Johann Lehner, Heinz Leifter, Meier, Michael Reitberger, Willi Solcher, Johann Schedlbauer, Josef Schedlbauer, Karl Schneider, Erwin Theimer, Josef Venus, Egon Weinzierl, Brunno Weithaler.

Ehrenbürger der Gemeinde Gaishausen

An 22.Juni 1968 beschließt der Gemeinderat der damaligen Gemeinde Gaishausen, den Landrat Franz Xaver Hafner zum Ehrenbürger zu ernennen. Zur Begründung heißt es in der Niederschrift: Der Gemeinderat beschließt einstimmig: Xaver Hafner, derzeit Landrat in Bogen, gebürtig zu Ebenthann, Gemeinde Gaishausen, wird das Ehrenbürgerrecht verliehen. Die Aushändigung der Urkunde erfolgt anläßlich der Einweihung der Gemeindestraße Ehren-Hunderdorf am 25.Juni 1968. Die Ernennung zum Ehrenbürger ist Dank und die Anerkennung der Heimatgemeinde an den Landrat Hafner für seine Unterstützung beim Straßenbau, für sein Bemühen um die Erhaltung von Betrieben, für sein Kämpfen um die Erhaltung der Bahnlinie Straubing-Cham mit dem für die Gemeinde Gaishausen so wichtigen Bahnhof Steinburg, für sein Eintreten um die Belange des Landkreises im Grenzland Bayerischer Wald; die Früchte dieser Bemühungen strahlen auf die Gemeinde aus.
Die Ehrenurkunde trägt den Text:
Herr Landrat Xaver Hafner wird auf einstimmigen Beschluß des Gemeinderates anläßlich der Einweihung der Gemeindeverbindungsstraße Gaishausen-Hunderdorf zum Ehrenbürger der Gemeinde Gaishausen ernannt; Gaishausen, den 22.Juni 1968, Gemeinderat Gaishausen, Gall, 1.Bürgermeister.
Franz Xaver Hafner wurde am 15.April 1912 in Ebenthann, Gemeinde Gaishausen, geboren und ist am 15.Mai 1993 gestorben. 30 Jahre lang hat er als Landrat des Altlandkreises Bogen und dann des Landkreises Straubing-Bogen die Geschicke dieser Region mitbestimmt.

Xaver Hafner

 

Das Gemeindegebiet Gaishausen

Gaishausen 1955: Dorf mit 13 Anwesen, 10 geschlossen zusammen, ein Anwesen an der ehemaligen Bahnlinie vor der Ortschaft, ein Anwesen nach der Ortschaft dem Walde zu, ein Anwesen im Wald, 3 km nördlich von Hunderdorf. An der Nordseite führte die Bahnlinie vorbei, an der Ostseite läuft der Bogenbach der Ortschaft entlang. Der Ort liegt 336 m hoch ganz eben im weiten Talkessel. Früher gaizhusen, geizhusen, gaizzehusen, 1120 Gezhusen, 1120 Gayshawsen, 1627 Gaishausen, 1639 Gayshausen; im Volksmund Goaßhausn; vom mhd. geiz=Ziege; 1981 78 Einw.

Grabmühl, eine Einöde

1955: Liegt 325 m hoch, 600 m südöstlich von Hofdorf auf der weiten Ebene zwischen Hofdorf und Waltersdorf, guter ertragreicher Ackerboden. Grabmühl muß wohl einmal eine Mühle gewesen sein, obwohl es heute gut 100 m vom Bach entferntliegt. 1638 Grabmiel, Volksmund Grabmui, 1978 mit 16 Einwohnern.
1478 verkauft das Ehepaar Hartwig und Beatrix von Leiblfing zu Au ihre zwei freieigenen Höfe zu Grabmühl an das Kloster Windberg. Darum kommt es noch zu allerlei Verwicklungen. Zuerst wird 1469 durch Landgerichtsurteil den Verkäufern die Grabmühl wegen nicht eingelöster Schuldbriefe abgesprochen. Den genauen Sachverhalt schildert schließlich eine Urkunde von 1480, durch die der Straubinger Bürger Hans Reuter dem Kloster Windberg den Hof zu Grabmühl übergibt. (Wenn einerseits von 2 Höfen, dann aber von einem Hof gesprochen wird, so darf es nicht zu Missverständnissen führen. Bereits aus der Verkaufsurkunde von 1478 ist ersichtlich, dass die 2 Höfe nur an einen Beständer zu Erbrecht ausgegeben waren, die Höfe also dadurch zusammengewachsen sind).
Darin heißt es weiter, der Leiblfinger habe ihm gegen einen Schuldschein den Hof Grabmühl als Pfand gesetzt, diesen aber trotzdem weiter verkauft.
Grabmühl wird 1760 als einschichtiges Gut der Hofmarksherrschaft des Klosters Oberalteich bezeichnet mit einem 1/1 Hof. Der gleiche Hof wird aber auch als einschichtiges Gut der Hofmarksherrschaft Hofdorf und damit im Besitz des Klosters Windberg genannt.

Grub, ein Weiler

1955: Weiler mit 4 Anwesen, eines etwas abseits, 342 m Höhe, 3,8 km nordwestlich von Hunderdorf, am Fuße des Weinberges, am Ausgang des Ellaberger Talkessels, planierter Feuerweiher. Südlich Ortsgrenze ein Waldstück (Wolfersgrub), nördliche Grenze Hochholz. 1632 Grurb, 1819 Grub, Volksmund Gruab.
1978 16 Einwohner.
Eberhard der Ursenbeck zu Irschenbach verkauft 1404 seinem Vetter Peter Ernczfelder zu Irensfelden die beiden Güter zu Grub. 1629 gehörte Grub mit 3 Anwesen zum Kloster Windberg: 1/1 Veldtmayr, 1/2 Pichmayr, 1/16 Pichler.
1665 wurden in Grub 1/1 und 1/2 Höfe genannt, die an das Pfleggericht Mitterfels, Amt Landasberg, Scharwerksgelder entrichten mussten.

Hasenquanten, ein Weiler

Der Ort ist erstmals 1811 im Steuerdistriktsverzeichnis als Weiler in der Gemeinde Steinburg genannt. Die Zugehörigkeit der Ortschaft Hasenquanten zur Hofmark Au lässt sich nur im Haus- und Rustikalsteuerkataster des Steuerprovisoriums von 1808 erschließen. Das 1/32 Anwesen gehörte zur Hofmarksherrschaft Früher auch Haselquanten, Felder von Haselsträuchern umfriedet. Der Weiler hatte 1978 16 Einwohner.

Hoch, ein Dorf

Der Ort gehört zu den späten Gründungen und ist im Steuerdistriktsverzeichnis von 1811 noch nicht erwähnt. Hier hatte das Kloster Oberalteich Besitzungen.
1821 gehörte Hoch zu Gemeinde Gaishausen, Pfarrei Hunderdorf. 1955: Dorf mit 17 Anwesen und Weiler mit 7 Anwesen, liegt 2 km westlich von Hunderdorf, am Osthang des Lintacher Höhenzuges. Die Anwesen liegen z.T. in den eingeschnittenen Tälern, z. T. auf den Höhen der Talränder, sandiger armer Boden, wasserarm. Drei Quellbäche vereinigen sich zu einem Bach ohne Namen, der über Hunderdorf in den Bogenbach fließt. 440 m Höhenlage. An den Nordhängen der Talseiten Föhrenwald. Der Name kommt von der hohen Lage über der Talweitung des Bogenbaches.
1638 Chogl, 1821 Koegel, 1825 Von der Hoch. Volksmund d’Hau. 1987 84/41 Einwohner.

Hochholz, eine Einöde

Hochholz gehört zu den späten Gründungen und ist im Steuerdistriktsverzeichnis von 1811 noch nicht erwähnt. Hochholz gehörte 1821 zur Gemeinde Gaishausen, Pfarrei Hunderdorf.
1955: Einöde mit 2 Anwesen, liegt 598 m hoch und 4 km nördlich von Hunderdorf auf einer ebenen Höhe, die zum Lintacher Höhenzug führt, kein Gewässer. 1835 Hochholz, Volksmund Hauhoiz. 1987 12 Einwohner.

Irlach, eine Einöde

Im Urbar von 1564 wird Irlach mit einer Sölde angegeben mit einem 1/4 Hof im Kastenamt Mitterfels unter dem Inhaber Plez.
Irlach gehörte 1811 zu Steuerdistrikt Neukirchen, 1821 zu Gemeinde Gaishausen. Der Name bedeutet Ort mit vielen Erlen oder bei einem Erlengehölz. Liegt 365 m hoch rechts der Straße von Ehren nach Mitterfels. 1987 lebten dort 7 Einwohner.

Hofdorf, einst Hofmark des Klosters Windberg

Hofdorf gehörte zu den gräflichen wie domvögtischen Ministerialensitzen. In der unmittelbaren Nähe der ursprünglichen Stammburg Windberg dürfte Hofdorf verhältnismäßig früh als Ministerialensitz entstanden sein. Darüber kann sicherlich nicht die Tatsache hinwegtäuschen, dass erst gegen Mitte des 12. Jahrhunderts Ministerialen mit der Ortsbezeichnung Hofdorf laufend überliefert werden.
In einer Oberalteicher Traditionsnotiz, in der von einer Schenkung eines Ritters anlässlich seines Aufbruches zum Kreuzzug König Konrads III. berichtet wird, also Mai 1147, tritt Albertus de Hovedorf als Zeuge auf. Aus demselben Anlass schenkt Domvogt Friedrich IV. gleichzeitig Güter zu Pareszell und Lederdorn an Oberalteich, wobei Graf Hartwig zum Salmann bestellt und unter den Zeugen Switker de Hovedorf als Zeuge genannt wird. Aber auch dieser Switker von Hofdorf selbst nimmt das Kreuz und schenkt zuvor einen Hof zu Gewand an das Kloster Windberg. Er dürfte vermutlich mit einem Switker identisch sein, der zusammen mit einem Bruder Werinth 1140-1145 als Zeuge erwähnt ist. Ebenfalls hierher möchte wegen des seltenen Namens, nur einer Generation vorher zugehörig, jenen Switker beziehen, der vor 1094 zu den prepositi gehört, die anlässlich der großen Waldschenkung durch Domvogt Friedrich III. und seiner Brüder Hartwig sowie Ulrich, dazu durch Berthold, Sohn der Luitgard, an Oberalteich, dem Kloster die Grenzen dieses Waldes jenseits von Heimprehtisperg zuweisen soll. Prepositi waren Verwaltungsbeauftragte mit richterlichen Befugnissen.
Angehörige der Ministerialenfamilie von Hofdorf sind nun seit der Jahrhundertmitte sehr häufig genannt, besonders natürlich in Quellen der nahen Klöster Oberalteich und Windberg, voran der Name Albert, beispielsweise um 1150. So verwundert es auch nicht, wenn in der gefälschten Urkunde von 1125, worin aber die vorkommenden Personen dieser Zeit entnommen sind, ein Adelbreht der Hovedorf unter den Zeugen erwähnt wird; dass er unter der Reihe der Krieger (militantes) erscheint, zeigt zugleich die Rangstellung der Hofdorfer, die demnach nicht unter die ranghöheren Edlen (nobiles) des Ministerialenstandes eingereiht werden. Albert von Hofdorf tritt dann noch in wenigen Fällen allein als Zeuge auf. Weiter kennen Wir ihn zusammen Mit einem Bruder Gozpold als Zeugen.
In dem Gütertausch zwischen dem Kloster Windberg und dem Herzog Heinrich von Österreich von 1158, den Kaiser Friedrich I. 1160 bestätigt, werden Adalbert und Gozpold von Hofdorf als Afterlehensinhaber dieses Herzogs von zwei Huben auf der Westseite von Windberg genannt.
Doch sehr schnell tritt eine wichtige Änderung ein. Fast gleichzeitig sind im Oberalteicher Traditionsbuch Albert der Steinberger und sein Vater Gozpold von Hofdorf als Zeugen aufgeführt. Diese neue Benennung Alberts nach Steinberg (Steinburg) hängt mit seiner Errichtung und Übersiedlung an diesen neuen Ministeralensitz zusammen, was um 1160 geschehen sein muss. Der Umzug und die damit verbundene Umbenennung Alberts muss innerhalb kürzester Zeit erfolgt sein. Das ergibt sich aus drei Notizen, die zeitlich ganz nahe liegen müssen. Hier nennt sich nämlich Albert zuerst nach Hofdorf, dann aber sehr schnell nach Steinburg, Gozpold von Hofdorf ist in den folgenden Jahren noch öfter genannt, dabei in zwei Fällen mit dem Titel Herr (dominus). Auch von zwei Söhnen, Gozpold und Albert, ist die Rede. Dann erscheinen weiterhin noch Gozpoldus, Wikmannus und Chunradus von Hofdorf. Dem ausgehenden Jahrhundert gehört bereits Alram von Hofdorf an. Zur Jahrhundertwende wird sodann ein Berthold von Hofdorf in einer Urkunde des Grafen Berthold von Bogen genannt. Ein Herr Rudolfus von Hofdorf, der in Windberger Quellen an zwei Stellen vorkommt, könnte in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zu datieren sein.
Schließlich dürfte ein Chuno von Hofdorf, der 1247 als Zeuge auftritt und 1259, hier als Soldat bezeichnet, einen Acker in Hofdorf an Oberalteich schenkt, hierher zu beziehen sein. Das gesamte weitere Jahrhundert liegt über Hofdorf keinerlei Überlieferung vor. Erst 1359 und 1366 taucht erstmals Albrecht der Hofdorfer als Siegler von Urkunden auf. 1363 verkaufen Albrecht der Hofdorfer und seine Mutter Margret ihrem Schwager Hermann Freundorfer und dessen Hausfrau ihr Haus und Hofstatt zu Hofweinzier.
Hofdorf selbst kann er aber schon nicht mehr besessen haben, denn 1369 nennt sich Rudolf von Nussberger nach Hofdorf, der bei dieser Gelegenheit Hermann Freundorfer als Schwager nennt. Hans der Nussberger zu Hofdorf ist 1397 beglaubigt.
Albrecht der Hofdorfer, er nennt sich jetzt Pfleger von Lichtenwald, verkauft 1383 auch noch sein Gut Dörfling in der Gemeinde Bogenberg, wobei sein Oheim Eberhard der Nussberger mitsiegelt. Während es hier nach Ausverkauf des letzten Besitzes aussieht, bahnen sich in Hofdorf selbst Besitzverhältnisse an, die beinahe ein chaotisches Bild bieten. In den Jahren 1393 und 1394 ist der Mitterfelser Richter Hans der Ramsberger zu Hofdorf überliefert.
Hartwig der Leiblfinger zu Hofdorf besiegelt 1408 eine Urkunde. Schon 1376 haben die Brüder Hartwig und Ulrich die Leiblfinger zu Au Besitzrechte auf einem Gut zu Hofdorf erworben. 1415 verkauft Hartwig unter Wiederkaufsrecht an das Kloster Oberalteich das Dorf Hofdorf unter Windberg als freies lediges Eigen mit Scharwerk, Lehenschaft und Herrschaft, wobei sein Onkel Erasem Wartter, Pfleger zu Mitterfels, mitsiegelt. Aber 1417 verkauft derselbe dem Kloster Windberg die freieigene Hofmark und das Dorf Hofdorf mit Gericht, Herrschaft, Lehenschaft, Taferne, Mühle und zwei Fischwasser, wobei seine Söhne Erasem und Jorg die Leiblfinger Mitsiegler sind; aufgezählt werden 13 Güter, 1 Sölde, 4 Hofstätten, der Wirt, die Mühle und der Bader. Aus der Streitsache vor dem Hofgericht Straubing zwischen Ulrich Leiblfinger und dem Kloster Windberg von 1433 geht übrigens hervor, dass der Vater des Ulrich, Hartwig der Leiblfinger, das Dorf Hofdorf an das Kloster verkauft hat. Daneben waren auch Streugüter in Hofdorf in anderen Händen, was sich aus dem Ankauf einer Sölde 1417 und eines Gutes 1419 durch dieses Kloster ergibt. 1424 verkauft Windberg sogar Dorf und Hofmark Hofdorf auf Wiederkauf innerhalb von drei Jahren an Gilg den Nothaft, Pfleger zu Hengersberg.
Zwischen Ulrich und Jorg Leiblfinger zu Au einerseits und dem Kloster andererseits kommt es 1433 wegen eines Waldes zwischen Windberg und Hofdorf zu einem Streit, wobei aber dann dieses Holz als Zugehörung zum Dorf Hofdorf und damit zum Kloster bestimmt wird; das Kloster Windberg muss allerdings für die Eltern Hartwig und Dorothe Leiblfinger zu Au einen ewigen Jahrtag abhalten. 1475 gab es zwischen dem Kloster Windberg und dem Pfarrer von Hunderdorf Streit wegen der Kirche zu Hofdorf, der aber durch Hans Poxauer auf Steinburg geschlichtet wurde.
Auch später scheinen sich im Hofmarksbereich einige Streugrundstücke in anderen Händen erhalten Zu haben. So verkauft Veith Adam zu Haggn, Höllgrub und Machtenhofen 1614 seine freieigenen Grundstücke, Lehenstücke und Lehensgerechtigkeiten in dieser Klosterhofmark an Windberg. Wohl mit den Folgen des 30jährigen Krieges dürfte es zusammenhängen, wenn 1639 der Marktkammerer Georg Khauttner zu Zwiesel Güter und Brandstätten in der Klosterhofmark Hofdorf an das Kloster Windberg verkauft, darunter die Taferne, dazu ein Gut, ein Lehen und eine Sölde.
Hartwig der Leiblfinger zu Au und seine Frau Beatrix verkaufen 1478 ihren freieigenen Hof zu Grabmühl an das Kloster Windberg. Wie sich dann herausstellt, hatten die Leiblfinger Grabmühl dem Straubinger Bürger Hans Reuter gegen einen Schuldschein als Pfand gesetzt. das Kloster konnte 1480 mit dem Reuter eine Einigung erzielen.
In den Landtafeln wird Hofdorf als Hofmark im Besitz des Klosters Windberg 1500, 1734 und 1759 bezeichnet.
In Hofdorf gab es 22 Anwesen der Hofmarksherrschaft: 1/1 Schreiber, 1/4 Erndl , 8 je 1/4 Ortbauer, Wagendamer, Mayr, Lohmayr, Märchl, Kießl, Döschl und Weinzierl, 5 je 1/8 Poschinger, Aschenbrenner, Wirt, Staudinger, Mühle, 7 je 1/16.
„Der bäuerliche Grund und Boden gehörte früher nicht wie heute dem einzelnen Bauern. Er war im Laufe des Mittelalters in das Eigentum von Edelgeschlechtern und von Klöstern gelangt. Die adeligen und kirchlichen »Grundherren« bewirtschafteten ihre vielen Höfe meist nicht selbst. Sie gaben ihre Gründe an Bauern, an ihre »Grundholden«, zur Bewirtschaftung aus, behielten aber das »Obereigentum « über dieses ausgeliehene Land. Die Grundholden mußten ihrer Grundherrschaft Abgaben entrichten und ihr Dienste leisten. Die Grundherren übernahmen dafür den Rechtsschutz für ihre Grundholden.
Mit dieser Federzeichnung hat der Verfasser eines Rechnungsbuches des Klosters Windberg aus dem Jahr 1541 den Augenblick festgehalten, in dem ein Grundholde des Klosters (vorne, stehend) dem Abt Johannes Thalmaier (1541 bis 1570; links sitzend) den Geldzehnten abliefert. Der Klosterschreiber, der sich mit dieser Zeichnung wohl selbst porträtiert hat, verzeichnet die Einkünfte im Rechnungsbuch; ein weiterer Helfer bei diesem wichtigen Geschäft, vielleicht der Klosterrichter, zählt das Geld nach.“

Kath. Kirche St. Edigna in Hofdorf

Über allen Häusern und Bauernhöfen thront die Kirche von Hofdorf, deren Schutzpatronin St. Edigna ist. Bis zur Säkularisation 1803 war sie eine Nebenkirche des Klosters Windberg. Als man dieses aufgelöst hatte und viele Kirchen exekriert wurden, so in Gaishausen und Sparr, blieb sie erhalten und kam zur Pfarrei Hunderdorf.

Im Jahre 1929 wurde die Kirche in den Kunstdenkmälern von Bayern, Band XX, für das Bezirksamt Bogen wie folgt beschrieben:
„Im 16.Jahrhundert wird eine Kirche erwähnt. Die bestehende Anlage stammt von 1701 (Jahreszahl außen am Chor). ZIMMERMANN zufolge war die Kirche den 14 Nothelfern geweiht. 1897 Restauration.
Der ganz wenig eingezogene Chor ist rechteckig, mit abgeschrägten Ostecken. Tonnengewölbe mit Stichkappen. Chrorbogen rund, mit schlichten Pilastern besetzt Langhaus zu .zwei Fensterachsen. Flachdecke. Wetsempore über zwei hölzernen Binnensäulen. Die Chorfenster, in den beiden Schrägseiten, und die seitlichen Langhausfenster schließen mit wenig eingezogenem Rundbogen. Westportal in der Mittelachse, mit geradem Sturz. Darüber ein kleines Rechteckfenster mit seitlichen Ausbuchtungen und stark geschrägtem Gewände. Ein ebensolches Fenster, unten südlich neben dem Portal, gestattet Einblick in die Kirche. An Chor und Langhaus ein einfacher, rechtwinkelig vorspringender Sockel. Der Chor ist nur um die Stärke des Sockelvorsprunges eingezogen. Am Chorhaupt, an der Südöstecke, findet sich oben die Jahreszahl 1701 eingemeißelt. Der ganze Bau ist in schönem Granitquaderwerk ausgeführt und demzufolge unverputzt. Westdachreiter mit Zwiebelkuppel.
Am Scheitel des Chorgewölbes ist das Wappen des Klosters Windberg aufgemalt. Hochaltar modern, mit Verwendung von Teilen aus der Erbauungszeit der Kirche. Altarblatt St. Edigna mit Totenkopf und Geißel, in Schnitzrahmen mit Akanthus. Oberbild St. Maria mit Kind, in ähnlichem Rahmen. Seitenfiguren zwei weibliche Heilige, eine mit Schwert; wohl St. Katharina und Barbara. Im Aufzug seitlich zwei Statuetten von weiblichen Heiligen ohne Attribut.
Vierzehn Kreuzwegstationen in guter Hinterglasmalerei des 18.Jhs. (Diese wurden in den sechziger Jahren entfernt und mit neuen ersetzt). Chorbogenkruzifix um 1700, ländlich. Am Westportal Türschloß aus der Erbauungszeit mit hübschen, rankenverzierten Beschlägen.
Glocken. Schwer zugänglich. Etwa um 1700. 1.Am Hals zwei einfache Friese. Am Mantel Reliefs: Kruzufix und zwei Heilige mit Schwertern, offenbar die Wetterheiligen St. Johannes und Paulus, Dchm. 0,39 m.- 2. Am Hals ein Rankenfries. Eingeritzte Inschrift: 36 (Gewicht in Pfunden) Dchm.0,32 m. Beide Glocken kamen 1884 aus der Pfarrkirche zu Hunderdorf hierher. – Eine kleine, schlichte eiserne Glocke, die früher in Hofdorf war, wird seit 1910 im Bogener Bezirksmuseum aufbewahrt.“

Schwester Bonaventura Härtenberger schreibt im „Heimatbuch von Hunderdorf“, daß die Kirche in Hofdorf 1665 St. Thomas als Patron hatte.

St. Edigna, Schutzheilige der Kirche

Eine gerahmte Urkunde in der Kirche klärt uns auf, wie St. Edigna zur Schutzpatronin der Hofdorfer Kirche wurde. Die Übersetzung aus dem Lateinischen lautet:
Daß ich dem Hochwürdigsten und illustren Herrn Bernhard, des weißen und exemplen Prämonstratenserordens, des erhabenen Klosters Windberg überaus wachsamen Abt, eine beachtliche Partikel des Schädels der seligen Jungfrau EDIGNA geschenkt habe – der Tochter des Königs Heinrich von Frankreich, deren heilige Gebeine im Dorf und der Kirche von Puch ruhen, die dem Kloster Fürstenfeld unmittelbar inkorporiert ist, und die von den Gläubigen sehr verehrt werden, sei dies zur Urkund. Auf den frommen Wunsch desselben Hochwürdigsten Herrn Abtes versehen wir diese Urkunde mit unserer authentischen Unterschrift und mit unserem Abteisiegel. Gegeben zu Fürstenfeld den 13.März 1765. Fr. Martinus Abt von Fürstenfeld.

Aus dem Leben der St. Edigna

St. Edigna ist eine in unserem Raum sehr seltene Kirchenpatronin. Aus diesem Grunde wissen auch nur wenige etwas über ihr Leben.
Die Lebensgeschichte der St. Edigna, wie sie uns überliefert wird, beruht zwar nicht auf historischen Unterlagen und Akten aus der damaligen Zeit, doch reichen die Quellen der Überlieferung in das 16.Jh. zurück.
So berichten Johannes Aventinus in „Annales Ducum Boiariare“ 1521, der Jesuit Matthäus Rader in seinem vier Teile umfassenden Werk „Bavaria Sankta“ 1624 und ein davon unabhängiges französisches „Martyroloquium“, Paris 1637, über das Leben und die Geschichte der Edigna von Puch in einer Weise, daß man diesen Zeugnissen nur Glauben schenken kann. Einzelheiten allerdings, welche sie und manch spätere Darsteller bieten, enthalten – wie ja auch Lebensbeschreibungen großer Gestalten der Kirche – manch Legendäres, das auf seinen geschichtlichen Wert nicht kontrolliert werden kann.

Edigna war die Tochter König Heinrichs I. von Frankreich aus dem Hause der Campantinger, der seit 1051 mit Anna, der Tochter Jarislav d. Gr. von Kiew, verheiratet war. Der spätere König Philipp I. war ihr Bruder. Im jugendlichen Alter hatte Edigna ständige Jungfraulichkeit gelobt uns ist, als man sie zu einer Heirat zwingen wollte, aus der Heimat entflohen.
Auf ihrer Pilgerschaft durch Bayern traf sie müde und ermattet ein Bauersmann, der mit seinem Ochsengespann, darauf eine Glocke und ein Gockel, des Weges kam. Er nahm Edigna mit, bis unterhalb des Dorfes Pouche die Zugtiere stehen blieben, der Hahn zu krähen und das Glöcklein zu läuten anfing. Edigna sah darin ein Zeichen Gottes, daß sie hier bleiben solle. Sie nahm als Behausung eine hohle Linde an der Kirche. Es tut der Verehrung der Einsiedlerin Edigna sicher keinen Abbruch, wenn man als Unterkunft einen kleinen Holzverschlag als Klause annimmt! Hier lebte Edigna 35 Jahre, Gott dienend im Gebet und Fasten, versammelte wohl häufig die Bewohner des Dorfes und auch der Umgegend um sich, unterwies sie im Glauben und die Kinder wohl auch im Lesen und Schreiben.
Vor allem in den gesundheitlichen Nöten und Sorgen war sie, die höfisch gebildete Königstochter, den Besuchern eine teure und geliebte Helferin und Beraterin, so daß sie sehr bald in den Ruf einer Wundertäterin gelangte. Ihr greiser Vater soll – so die Überlieferung – den Ort ihres Aufenthaltes erfahren und sie zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen versucht haben, aber vergebens. Am 26.Februar 1109 verstarb sie eines seligen Todes.
Ihr Leichnam scheint bis Ende des 16. Jhs. im Grab gelegen zu haben. War es das Grab, das im Sommer 1978 anläßlich der Innenrestaurierung bei Ausschachtungsarbeiten im jetzigen Altarraum der Kirche zu Puch bei Fürtenfeldbruck unter dem Mörtelstampfboden einer früheren romanischen Apsis zum Vorschein kam?
Daß Edigna schon früh verehrt wurde, zeigt die Tatsache, das AVENTIN in seinem Bericht über den Tod Kaiser Ludwig des Bayern in Puch 1347 es für wichtig genug hält zu vermerken, daß an diesem Ort die selige Edigna beerdigt ist und viel verehrt wird!
Um 1600 müssen ihre Gebeine erhoben und in einem hölzernen mit Glas versehenen Schrein im linken Seitenaltar bzw. in der dortigen Wandnische beigesetzt worden sein.
Elisabeth von Lothringen, die erste Gemahlin des bayerischen Kurfürsten Maximilian I., wallfahrtete alljährlich nach Puch und hat auch einen kostbaren mit Silber beschlagenen Schrein gestiftet, der allerdings 1632 bei der Plünderung Puchs durch die Schweden geraubt wurde.
Die Kaiserin Eleonora, gestorben 1655, Gemahlin Ferdinand II, Stiefmutter der zweiten Gemahlin des erwähnten Kurfürsten, hat sich nach Verlust eines kostbaren Kleinods zur seligen Edigna nach Puch verlobt und nach Auffindung desselben einen silbernen Kelch und zwei Meßkännchen mit Teller am 5.2.1654 hierher bringen lassen. Eine durch Schrift und Bild bemerkenswerte Votivtafel bezeugt noch heute dieses Vertrauen auf die Hilfe des seligen Edigna, die nicht nur bei Unglücksfällen, bei Krankheiten von Mensch und Tier angerufen wurde. Sie galt auch als Helferin zur Wiedererlangung gestohlener und verlorener Sachen. Noch mehrere alte Votivtafeln – die älteste stammt aus dem Jahre 1639 – legen Zeugnis ab von der Verehrung der Seligen, die seit Jahrhunderten ohne Unterbrechung fortdauert.
(Auszug aus „Die selige Edigna von Puch“ von Pfarrer Hans Mösenlechner)
Hofdorf 1955: Dorf, 600 m lang mit 28 Anwesen, liegt 332 m hoch, 1,5 km südlich von Hunderdorf am Fuße des Hofdorfer Waldes, dem der Bogenbach entlangfließt. Die Anwesen stehen heute links der Straße Hofdorf-Bärndorf. An der Westseite des Dorfes führte die Bahnlinie vorbei, heute Radweg. Am Bogenbach die ehemalige Mühle, heute Sägewerk. Der Ort war früher Hofmark des Klosters Windberg und besitzt eine schöne Kapelle. 1126 hovedorf, 1638 Hoffdorff, 1819 Hofdorf, 1981 115 Einwohner. In den Windberger Traditionen tritt wiederholt ein Geschlecht auf, das sich nach Hofdorf nannte: ein Hiro, Adelbrecht, Gozbolt, Cuno von Hovedorf.

Friedhof in Hofdorf

Hofdorf muß früher einen Friedhof gehabt haben, denn bei Ausschachtungsarbeiten für die Wasserversorgung kamen wiederholt menschliche Knochen zum Vorschein. Da früher Hofdorf zum Kloster Windberg gehörte und der dortige Friedhof weit und für die damalige Zeit als Begräbnisstätte schwer zu erreichen war, ist diese Tatsache leicht zu bekräftigen. Andererseits könnte es auch ein Pestfriedhof aus der Zeit des 30jährigen Krieges gewesen sein. Schriftliche Zeugnisse für beide Erklärungen fehlen.

Bildstöcke

Bei Rudi Höpfl, westlich und etwas abseits vom eigentlichen Dorfe, steht an der Wegabbiegung ein Bildstock, der in letzter Zeit mehrmals, bedingt durch durch Straßenbaumaßnahmen seinen Standort wechselte. Hinter der vergitterten Nische entdecken wir eine einfache Engelsfigur. Schon 1929 wurde er in den Kunstdenkmälern von Bayern beschrieben: Mit Jahreszahl 1710. Schaft vierseitig gefaßt. Gehäuse querrechteckig, mittels Hohlkehle etwas ausladend, mit vier Giebeln geschlossen. Die im eingezogenen Rundbogen schließende Frontnische weist primitiv gemaltes Vesperbild auf. Granit, H. 1,50 in. Auf dem früheren Kirchweg nach Windberg steht noch heute ein zweiter Bildstock, der 1929 wie folgt beschrieben wurde: Wohl aus dem 18. Jahrhundert. Auf schlichter Säule ein querrechteckiges, hohes Gehäuse mit flacher, rundbogiger Frontnische. Oben dachartige Abschrägungen, Granit, 11.1,70 m.

Dorfgasthaus Deschl in Hofdorf

Früher gehörte zu jedem größeren Dorf neben dem Schmied und Wagner ein Wirtshaus. Da Hofdorf weit von Hunderdorf entfernt ist, entstand dort schon vor vielen Jahren auch ein Gasthaus, das seit einigen Generationen im Besitz der Familie Deschl ist. Der jetzige Inhaber, Georg Deschl, ein Junggeselle, verpachtete 1981 die Gaststätte an Brigitte Artmann, der 1986 ihre Mutter Elisabeth folgte. Früher hatte das Gasthaus auch eine Kegelbahn, auf der die Burschen und Männer gerne die Kugel rollen ließen. Auch die Lehrer der Umgebung trafen sich dort in den Sommermonaten zu einem geselligen Treffen bei Sport und Spiel. Schon 1417 ist von einer Taferne die Rede.

Zum Gasthaus gehört auch dieses schöne Wegkreuz im neugotischen Stil, das nordwestlich vom Wirtshaus am Rande des Radweges nach Hunderdorf steht.

Lindenbrunn, eine Einöde

Der Ort wird im Steuerdistriktsverzeichnis von 1811 noch nicht erwähnt. Er gehört also zu den späteren Neugründungen und Ortsbenennungen.
1955: Einöde mit 2 Anwesen, 1 km südwestlich von Hunderdorf in einem engen Tal, das sich in die Lintacher Höhe zieht und durch das der Stettener Bach läuft, dessen Quellen im Lintacher Höhenzug liegen. Am linken Südhang dieses Tales liegen die beiden Anwesen. Name: 50 m unterhalb des ersten Anwesens steht eine große Linde, unter der eine Quelle fließt. Das Windberger Kloster holte dort Trinkwasser. Gehörte einmal zum Kloster (Sage vom vergrabenen Klosterschatz in Lindenbrunn z. Zeit des 30jährigen Krieges, den drei Burschen während der Fronleichnamsprozession heben wollten).
1831 Lindtbrun, 1837 Lindtenbron. – 1987 6 Einwohner.

Lindfeld, ein Dorf

Auch Lindfeld wird 1811 noch nicht erwähnt und gehört zu den späteren Neugründungen.
Im Ort hatte lange ein Holzschuhschuster gearbeitet.
1955: Ein Dorf mit 6 Anwesen, liegt 357 m hoch, 500 m südlich von Hunderdorf. Kein Gewässer, wenig Brunnenwasser, lehmiger Humusboden, fruchtbare Obstgärten und Felder. 1987 53 Einwohner.

Lintach, ein Dorf

In Lintach hatte das Kloster Oberalteich Besitzungen. Der Ort ist erstmals im Steuerdistriktsverzeichnis von 1811 als Dorf mit zwei uneingehöften Häusern genannt.
Lintach hatte 1987 117 Einwohner, im Ort waren früher die Weber zu Hause.
1955: Dorf mit 28 Anwesen, liegt 2 km westlich von Hunderdorf, 433 m hoch, sehr zerstreut am Osthang des Lintacher Höhenzuges. Die Häuser liegen meist entlang der. eingeschnittenen Mulden. Sehr wasserarm, sandiger, armer Boden. Gehörte ehem. zum Rotthammer Hof (Heute Schöfer Sollach), bei dessen Zertrümmerung die kleinen Grundstücke billig erworben wurden.
Der Name kommt von Linde; die Linden waren früher sehr kultiviert, besonders von den Klöstern als Bienenweide zur Honig- und Wachsgewinnung bevorzugt.

Neidau, eine Einöde

Der Ort ist erst nach 1811 nachweisbar und wird als Einöde in der Gemeinde Steinburg genannt. 1987 lebten dort 7 Einwohner. Liegt 2 km nördlich von Hunderdorf nahe am Bogenbach.
Das Bild von 1988 zeigt das Haus der Familie Breu.

Oberhunderdorf, ein Weiler

Im Scharwerksbuch des Gerichts Mitterfels, Amt Landasberg, wird Oberhunderdorf mit drei je 1/4 Höfen angegeben, die zum Kloster Windberg grundbar waren, und zwar Scherzer, Pelkover und Deschl.
1955: Der Weiler liegt 328 m hoch, 500 m nördlich von Hunderdorf, 5 Häuser, zerstreut längs des Fußweges nach Gaishausen, hart am Bogenbach. Ein Mühlgraben, von Erlen flankiert, führt zur Kunstmühle Drexler. Unerklärlicherweise gehört das kleine Gstettenbauer-Anwesen, das am Hang des Hocher Fußweges liegt, zu Oberhunderdorf.
1640 Obers Hunderdorf, 1825 Oberhunderdorf, Volksmund Owahunnadorf, 1987 27 Einwohner.

Oberstetten, ein Weiler

Der Ort wurde erst 1811 erstmals genannt als Einöde in der Gemeinde Hunderdorf.
1955: Weiler mit zwei Anwesen, liegt 373 m hoch, 3 km südwestlich von Hunderdorf entfernt, westlich der Straße Hunderdorf-Bogen, am Wege von Stetten nach Lintach, auf der Höhe des Lintacher Höhenzuges, 1987 14 Einwohner.

Öd, ein Weiler

Öd war 1760 1/16 Anwesen der Hofmark Steinburg und wurde als Edt geschrieben. 1811 gehörte der Weiler zum Steuerdistrikt Windberg, 1821 zur Pfarrei Neukirchen und zur Gemeinde Steinburg. 1987 lebten dort 16 Einwohner.

Rammersberg, ein Dorf

Früher Rämblperg genannt, war mit 1/2 Gut (Kellner) dem Kloster Windberg grundbar . 1367 war es Lehen des Dietrich Nussberger, Bürger zu Viechtach.
Die Edle Hazacha, vermutlich Tochter Aschwins von Zeitldorn, schenkt 1080-1090 Besitz in Rammersberg an das Kloster Oberalteich. Die Gräfin Luitgard gibt kurz nach der Jahrhundertwende eine 1/2 Hube in Rammersberg und eine Hörige an das Kloster. 1396 geht der von Oberalteich zu Lehen gehende Zehnt aus dem Ort durch Verkauf an dieses Kloster.
Die Hofmarksherrschaft des Klosters besaß 7 Anwesen je 1/2 (Ödhof, Feldmaier, Holzberger, Seigenhof, Schnaitter, Weggut, Risel) und 1/4 Gut (Reisach) in Rammersberg.
1823 war Rammersberg aus Oberalteich nach Hunderdorf eingepfarrt worden.
Auf der Höhe bei Rammersberg soll die letzte Reiterschlacht des 30jährigen Krieges getobt haben. In Richtung Mitterfels liegt ein 2 Tagwerk großer Acker des Fuchsbauern, der heute noch Marteracker heißt. Auf diesem stand eine Marterkapelle, sie soll kurz nach 1648 errichtet worden sein. Wiederholt fand man dort beim Pflügen Hufeisen, die an diese Schlacht erinnerten.
1955: Dorf mit 15 Anwesen, davon geschlossen am westl. Höhenrücken der Lintacher Höhe, 3 weitab zerstreut. Der Hauptort liegt hinter dem Kernschopf in 469 m Höhe, sandiger, steiniger Boden. Die fruchtbaren Äcker der großen Bauern liegen am Westhang in der Gemeinde Oberalteich. Rammersberg liegt 3 km nordwestlich von Hunderdorf und ist wasserarm.
Früher Radmansperge, Rademannesperge, 1247 Radmansperg – APIAN Ramelsberg, vom Personennamen Redman, 1987 66 Einwohner.

Riglberg, eine Einöde

1760 waren in Riglberg 2 je 1/2 Anwesen, als einschichtige Güter (Hans, Schwarzensteiner) der Hofmarksherrschaft Steinburg grundpflichtig. 1811 gehörte der Ort zum Steuerdistrikt und zur Gde. Gaishausen, 1921 in der Pfarrei Hunderdorf. 1987 8 Einwohner.
1305 Regelperig. Von Riegel = langer, steiler Bergrücken, links der Straße von Ehren nach Mitterfels.

Röhrnau, ein Weiler

Von den 5 Anwesen in Röhrnau (früher Schermau geheißen) gehörte 1/2 Kern-Anwesen zum Kastenamt Schwarzach.
Wilhelm Zenger zum Haggn beurkundet 1439 mit seiner Frau den Verkauf zweier Wiesen in Röhrnau an Hansen den Lotter zu Taussersdorf. Von Hans Poxauer geht 1441 durch Verkauf und Tausch an das Kloster Windberg sein Hof in Autsdorf gegen 2 Güter in Röhrnau und Edersberg über.
1760 besitzt die Hofmarksherrschaft Steinburg im Weiler Röhrnau von den 5 Anwesen 4 je 1/4 (Feldmaier, Vogl, Haas, Greindl). Der Ort gehört 1811 zum Steuerdistrikt Neukirchen, 1921 zur Gde. Gaishausen und Pfarrei Hunderdorf.
Früher Rorinouwe, Roerinawe, Roerenaw. M. B. In der Roeraeinuaw = an der sumpfigen mit Schilf bewachsenen Au. Zu APPIANS Zeiten bedeckte die Niederung, in dem das Dörfchen liegt, ein stattlicher Weiher. 1987 mit 23 Einwohnern, 359 m hoch.

Schafberg, ein Dorf

1773 waren in Schafberg 11 Anwesen, 2 je 1/16 und 9 je 1/32, gehörten zur Hofmarksherrschaft Steinburg. 1811 gehörte der Ort zum Steuerdistrikt Windberg, 1821 zur Gemeinde Steinburg und Pfarrei Hunderdorf. 1987 hatte Schafberg 117 Einwohner.

Sollach, ein Weiler

Jakob der Hagenzeller verkauft 1377 seinen Eigenhof in Sollach an Chunrad Pokchlein zu Bogen.
Die Brüder Wilhelm und Caspar die Zenger zu Steinburg verkaufen 1424 zwei Höfe und eine Sölde zu Sollach an Conrad de Pilgreinsperg. Hans Puechlaer (Püchler), Bürger zu Straubing und seine Ehefrau verkaufen 1468 an Oberalteich ihren freieigenen Hof mit einer Sölde zu Sollach.
Hartwig Leiblfinger und seine Frau Beatrix verkaufen „aus Not“ ein freieigenes Gütl in Sollach an das Kloster Windberg.
1602 kommen zwei Gütel in Sollach von Andreas Georg und Sebastian Kürmreuther zu Pürgl als Mannlehen an Oberalteich.
Zur Obmannschaft Sollach gehörte 1629:
1. der Weiler Sollach mit 7 Anwesen, von denen der ganze Hof Bründl, 1/2 Hof Niemayr und das Gmain Hüthaus dem Kloster Windberg grundbar waren;
2. das Dorf Stetten mit einem Anwesen des Pachl, zum Kloster Windberg zinsbar, zur Pfarrei Bogenberg gehörig;
3. das Dorf Bärndorf mit 6 Anwesen, davon 1/4 Hof des Fruhstorffer, zur Kirche am Bogenberg und 1/1 Hof des Wurm zum Kloster Windberg zinsbar;
4. die Einöde Edt (Ödhof) mit dem kurfürstl. Lehen des Wallner.
Veit Adam von Kürmreuth zum Haggn verkauft 1633 neben anderem Besitz 2 Güter an das Kloster Oberalteich. Sollach war im Scharwerksbuch von 1665 dem Amt Landasberg zugehörig und hatte dorthin für 2 je 1/1 und 4 je 1/4 Höfen Scharwerksgeld zu entrichten.
Sollach 1955: Weiler mit 7 Anwesen, liegt 373 m hoch, 3 km südwestlich von Hunderdorf entfernt, rechts der Straße Hunderdorf-Bogen, ein Bauernhof etwas abseits links der Straße. Am Ortseingang steht eine alte Kapelle, erbaut von der Fam. Bogner. Der Ort liegt auf dem Höhenrücken mit Südlage, besondere Kennzeichen: Eine Reihe von hohen Pappeln. Etwa 500 m in Richtung Bogen liegt links der Straße ein Wald, genannt „Im Sollinger Loch“, ehem. Besitz der Grafen von Bogen. Lehmiger Untergrund, fruchtbares Ackerland.
1274 Solaha, 1476 Solach, 1824 Sollach, Volksmund Soia. Das Wort bedeutet Weidengebüsch, ahd. Salaha, mhd. salhe, neuhd. Salche. Salche, Salweide, Ort wo viele Salweiden wachsen. 1981 35 Einw.

Starzenberg, ein Weiler

Die Hofmarksherrschaft Steinburg hatte 1760 in Starzenberg 2 je 1/2 Anwesen (Holmer, Weber).
Starzenberg gehörte 1811 zum Steuerdistrikt Windberg, 1821 zur Pfarrei und Gemeinde Hunderdorf.
1987 27 Einwohner.

Aus Steinburgs Vergangenheit

Die Landschaft um Steinburg wird vor allem durch das Bogenbachtal als, einem Ausläufer der weiten Donauebene und den Bergen des Vorwaldes bestimmt. Der Ort selbst ist umgeben von tiefen Misch- und Nadelwäldern, die sich bis über die 800-Meter-Grenze hinausziehen. Der Höhenunterschied vom Dorf zur Donau beträgt allerdings nur 35 Meter. Die Randlage zum Donauraum hat Geschichte und Entwicklung der ehem. Gemeinde den entscheidenden Stempel aufgedrückt.
Eine besondere Note gibt der Ortschaft Steinburg das über dem Dorf gelegene Schloß, das in früherer Zeit eine stolze Ritterburg war. Seine Geschichte läßt sich fast acht Jahrhunderte zurückverfolgen. Erstmals ist der Adelssitz 1221 erwähnt. Das bekannteste Geschlecht, das auf der Burg, die im Laufe der Zeit häufig den Besitzer wechselte, saß, waren die Steinberger. Sie waren es aber auch, die den Anlaß zur Entstehung des Dorfes gaben, das sich aus der am Fuße des Burgberges entstandenen Hintersassensiedlung entwickelte.
Zur Burg Steinburg wie zum Wasserschloß Au vorm Wald gehörten früher umfangreiche Ländereien. Um Steinburg hatten sich im Laufe der Jahrhunderte kleine Ansiedlungen entwickelt. Als im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts unter dem, großen Reformer Montgelas die bayerischen Gemeinden gebildet wurden, entstanden mit Steinburg, Au und Gaishausen Miniaturgemeinden. Nach 1946 wurde durch die Militärregierung aus den drei Gemeinden mit einem Federstrich eine Gemeinde mit weit über tausend Einwohnern gebildet. Als die Verwaltung wieder in deutsche Hände zurückgelegt wurde, entstanden die Gemeinden Steinburg und Gaishausen. Au wehrte sich verzweifelt gegen die Eingemeindung nach Steinburg, mußte jedoch schließlich klein beigeben. Bei der großen Gebietsreform Ende der siebziger Jahre wurden dann die neugebildeten Gemeinden Steinburg und Gaishausen nach Hunderdorf eingemeindet. Beide gehörten schon seit altersher zur Pfarrgemeinde Hunderdorf.

Das Schloß Steinburg, etwa um 1900 in dieser Form umgebaut.

Zur Gemeinde Steinburg gehörten die Ortschaften Au und Schafberg, die Weiler Wegern, Oed, Rimbach und Haselquanten sowie die Einöden Neidau, Birkhof und Dörnau. Auf der 390 Hektar großen Grundfläche lebten rund 660 Menschen. 133 ha des Gemeindegebietes waren von Wäldern bedeckt, 130 ha waren Wiesen und nur 80 ha Felder. .Die Gewässer machten 5,5 ha aus. Vor der Eingemeindung nach Hunderdorf waren 60% der Gemeindebürger Arbeitnehmer und nur 30% in der Landwirtschaft tätig. Davon aber waren wiederum der weitaus größte Teil als Nebenerwerbslandwirte tätig. 10% der Bevölkerung waren Gewerbetreibende.
Die bauliche Entwicklung der Gemeinde Steinburg war in den sechziger Jahren mit Siebenmeilenstiefeln vorangegangen. Vor dem Krieg waren es 100 Wohnhäuser, 1966 137. Die vorher mangelhafte Wasserversorgung hatte 1967 ein Ende. Durch den Bau einer Wasserversorgungsanlage floß ausreichend Wasser in die Haushalte. Die Stromversorgung der Gemeinde wurde erst 1962 von der OBAG übernommen. Vorher war Steinburg durch ein privates E-Werk versorgt worden.
Die günstige Verkehrslage machte nach dem Kriege Steinburg in zunehmenden Maße für die Ansiedlung von Industrie attraktiv. Der Ort lag an der Bahnstrecke Straubing-Miltach und an der Kreuzung der Staatsstraßen Bogen-Viechtach und Ascha-Deggendorf. 1951 erwarb die Firma NOLTE an der Gemeindegrenze Steinburg-Hunderdorf ein großes Gelände und, erstellte hier weitläufige Fabrikanlagen. Für das Steueraufkommen der Gemeinde war es wichtig, daß das Noltewerk zu 50% auf Steinburger Gebiet lag.
Besonders stälz waren die Steinburger, als sie 1958/59 ein neues Schulgebäude erhielten, nachdem ihre Kinder über ein Jahrhundert die Schule im Schloß Au besuchen mußten. Aber nur zehn Jahre währte diese Freude; durch die Errichtung der Verbandsschule in Hunderdorf wurde das Schulgebäude in Steinburg überflüssig, denn Kinder wurden in die Schule nach Hunderdorf mit Bussen transportiert. Auf Grund der relativ kleinen Gemeindefläche war das Straßennetz mit 5,5 km nicht lang. Trotzdem wurde der Straßenbau groß geschrieben. Eng mit dem Aufstieg der Gemeinde Steinburg muß der Name des Bürgermeisters Alfons Berger genannt werden. Ihm hatte die Gemeinde viel zu verdanken.

Steinburg 1960

 

Gebiet der ehemaligen Gemeinde Steinburg
Steinburg, einst Hofmark, mit Schloss

Schon zur Zeit der Grafen von Windberg/Bogen wurden die sehr angesehenen Ritter von Steinburg genannt, die dem Geschlechtder Hofdorfer abstammten.
In einer Oberalteicher Traditionsnotiz, die um 1159 bis 1161 zu datieren ist, werden Albertus de Steinberc und sein Bruder Gozpoldus des Hovedorf als Zeugen genannt. Hier sei bereits darauf hingewiesen, dass der ursprüngliche Name des Ministerialen und späteren Hofmarksitzes Steinberg gelautet hat; erst im Laufe des 17. Jahrhunderts ist die Ortsbezeichnung Steinburg langsam üblich geworden ist.
Mit Albert von Steinberg besitzen wir die erste Nennung von Steinburg als Ministerialensitz. Gozpolds Bruder Albert benannte sich zunächst selbst nach Hofdorf. Schließlich tritt Albert von Steinberg noch zusammen mit einem Heinrich in zwei Windberger Überlieferungen als Zeuge auf. So 1162. Die zahlreichen Quellenstellen führen in ihrem Gesamtzusammenhang ganz eindeutig zu der Schlussfolgerung, dass Steinberg um 1160 vom Ministerialensitz Hofdorf als neuer Dienstmannensitz errichtet worden sein muss.
Als wichtigster Inhaber auf diesem neuen Ministerialensitz ist in der Folgezeit Berthtoldus de Steinberg anzusehen, der in der Zeit um 1184-1188 überliefert wird, sicherlich ein Sohn des oft genannten Albert und damit Bruder des Heinrich, mit dem er auch um 1190 Zeugendienst leistet. Vor allem ist er dann in der Nähe der Grafen von Bogen anzutreffen, zu deren angesehenen Ministerialen er zählt, wie sein Auftreten als Zeuge in verschiedenen Urkunden zeigt. Das Windberger Ankunftsbuch verzeichnet von ihm sogar die Schenkung eines Gutes in Böhmersried bei Viechtach. Das Salbuch dieses Klosters von 1400 spricht sogar von Güterschenkungen nicht nur in Böhmersried sondern auch in Baumgarten und Haberbühl (Gemeinde Kirchaitnach). Dieser Besitz wie auch die im Bereich Steinburg gelegenen Güter lassen auf eine starke Rodungstätigkeit der Familie schließen.
Eine Urkunde des Stiftes Osterhofen von 1243 gibt gute Aufschlüsse über die Familie der Steinberger zu diese Zeit. Sie wurde anlässlich der Beilegung eines Streites zwischen diesem Stift und den Ministerialen von Steinberg ausgefertigt. Um die Mitte des 13. Jahrhundert erscheinen Berthold, Wernhard, Albrecht und Konrad von Steinberg.
Am 16.März 1297 geben die Herzöge Otto und Stephan von Niederbayern dem Kloster Windberg den Schiedsspruch im Streit ihres Ministerialen Steinberger mit dem Kloster wegen der Rossweide auf der Au bekannt; wodurch diesem durch seinen Verzicht ein Jahrtag zugesichert wird. Zu dieser Zeit und im beginnenden 14. Jahrhundert ist Berchtold von Steinberg in verschiedenen Funktionen überliefert. Sein Name findet sich auch mehrfach im Zusammenhang mit Besitz und Lehengütern im dritten Herzogsurbar mit Anhängen, also hauptsächlich im beginnenden 14. Jahrhundert diese Güter liegen aber nicht nur im engeren Bereich des Gerichtes Mitterfels, darüber hinaus sogar in Landau, Natternberg und Straubing.
Unter diesen Voraussetzungen darf es nicht verwundern, wenn Steinburg in der Landtafel von 1331 bereits als Landsassengut geführt wird. Für die große Machtentfaltung der Steinberger spricht weiterhin die Tatsache, dass in der Nähe der Stammburg die Edelsitze Au und Haggn sich in gewissem Sinne als Ableger entwickeln, die sich längere Zeit im Besitz der Steinberger halten.
1336 besiegelt Berthold der Steinberger von Steinburg eine Urkunde seines Vaters Heinrich Steinberger in dem Haggn. Noch im selben Jahr verkauft er an das Kloster Windberg einen Weinberg zu Zinzendorf. Nähere Aufschlüsse über die Familie zu dieser Zeit vermittelt die Schenkung eines Hörigen 1343 durch Berthold und seinen Söhnen Ulrich, Berthold sowie Johann an das Kloster Windberg. Auf diesen Vater Berthold kann man nur den Herrn Perthold von Steinburg beziehen, den 1346 der Ritter Dietrich der Haibeck, Viztum in Straubing, als seinen schweher [Schwiegervater] zu einem der Zeugen bei seiner Schenkung von Atzenzell an das Kloster Oberalteich für die Propstei Elisabethszell bestellt.
Von den Söhnen scheint der wohl ältere Ulrich nicht sehr alt geworden zu sein, da er 1354 letztmals festzustellen ist. Die Stammburg Steinberg befindet sich anschließend viele Jahre fast ausschließlich in den Händen des Bruders Berthold, der seit 1366 meistenteils als Ritter bezeichnet wird und in sehr vielen Urkunden bei verschiedenen Gelegenheiten hervortritt.
Der jüngere Bruder Johann ist in etwas geringerem Umfang in den Urkunden überliefert, so mit seinem Bruder Berthold oder auch allein. Von besonderem Interesse mag hauptsächlich die Urkunde von 1375 sein, in der Johann der Steinberger zu Steinberg zusammen mit seiner Frau das Gut Breitenweinzier, das Wölfellehen genannt, an das Kloster Windberg verkauft.
Von der folgenden Generation kennen wir nur Dietrich den Steinberger. Dieser verkauft 1401 seine zwei Güter zu Absetz bei dem Degenberg an Seitz den Ramsperger zu Ramsperg, wobei der Mitsiegler Heinrich der Ramsperger als Oheim des Steinbergers bezeichnet wird. Wegen dieser zwei Güter, die Seitz der Ramsberger als Seelgerät für den verstorbenen Ritter, Hartprecht den Ramsperger an das Kloster Windberg gegeben hat, finden nochmals 1402 Urkundenausfertigungen statt, wobei sich wiederum Dietrich der Steinberger ausdrücklich nach Steinberg nennt, dabei als Vetter von Seitz und Heinrich Ramsperger bezeichnet. In einer Schuldauseinandersetzung von Herzog Johann einerseits und Wilhelm von Puchberg sowie dessen Sohn Wilhelm andererseits erhält Dietrich von Steinberg 50 Pfd. Pf.
Peter der Rainer von Rain wird als Oheim Dietrich Steinbergers bezeichnet, als dieser ihm 1399 seinen sechsten Teil von Rain versetzt, wobei schon HUND vermerkt, wie dieser Teil von Rain an die Steinberger gekommen sei. 1407 .und 1409 nennt sich Dietrich der Steinberger sogar direkt nach Rain, während eine Nennung nach Steinburg überhaupt nicht mehr auftaucht. Mit seinem Tod am 24.Juni 1414 erlischt das Geschlecht der Steinberger; im Erbbegräbnis beim Kloster Oberalteich wird er beigesetzt, wo auch sein Grabstein noch erhalten ist.

Epitaph des Dietrich Steinberger

 

Das Siegel des Perchtoldus do Steinberg Steinburger (1361). (Zeichnung: Scheidhammer)

Bereits 1406 und 1409, also noch zu Lebzeiten des Dietrich Steinberger, nennt sich Konrad der Nussberger nach Steinburg. Dagegen übergeben 1415 Wilhelm der Zenger zu Steinburg und sein Bruder Caspar dem Kloster Windberg den Hof zu Dießenbach, wie es ihr verstorbener Vetter Dietrich Steinberger angeordnet hat. 1417 erhält Wilhelm Zenger zu Steinburg von St. Johann in Regensburg den Zehnt in Kreuzkirchen auf Leibrecht. Wiederum Wilhelm und Caspar die Zenger verkaufen 1424 zwei Höfe und eine Sölde zu Sollach an Conrad den Pilgreinsperger. Nach HUND verkaufen Kasper und Achaz die Nussberger Gwerschaft und die Veste Steinburg an Wilhelm und Caspar die Zenger zum Haggn. Bald darauf sei Steinburg von Achaz dem Nussberger durch Kauf an Hans Poxauer von Marklkofen übergegangen. 1420 nennt sich sogar Korel Paulsdorfer als derzeit zu Steinburg. Achaz Nussberger lässt sich freilich noch einige Jahre auf Steinburg nachweisen; 1430 reversiert er sich sogar gegenüber den Herzögen Ludwig VII. und Ludwig VIII., ihnen mit der Feste Steinburg sowie sechs Gewappneten und sechs Pferden, im Kriegsfall mit der doppelten Zahl zu, dienen. In der Landtafel aus der Zeit um 1425 ist anfangs Achaz Nussberger als Inhaber von Steinburg eingetragen, später aber mit Hans Poxauer ergänzt.
In den Urkunden wird Hans Poxauer zu Steinburg erstmals 1436 genannt. 1439 verkauft ihm Wilhelm der Zenger zum Haggn unter anderem den Hof zu Obernebling und die Sölde zu Gaishausen als freies Eigen. Umgekehrt geht von ihm 1441 durch Verkauf und Tausch an das Kloster Windberg sein Hof zu Autsdorf bei Neukirchen gegen zwei Güter in Röhrnau und Edersberg sowie einem Aufgeld über. Ein Generationswechsel der Familie zeichnet sich ab, wenn in Urkunden der Jahre 1446 und 1447 von Hans Poxauer dem Älteren die Rede ist. Die Landtafeln von 1464 und 1470 nennen Hans Poxauer als Inhaber der Hofmark Steinburg. Erstere verzeichnet an entrichteter Steuer in Gold 25 fl. und an Münze 18 Pfd. 13 Pf., was auf eine stattliche Hofmarksgröße hinweist. Weiterhin heißt es, diesen Betrag habe der Pfleger des Hans Poxauer entrichtet. Pfleger haben also die Hofmark verwaltet, von denen sogar einige Namen bekannt sind: 1440-43 Wolfhard Herwolfstorfer, 1470 Hans Uttendorfer, 1487 Hans Wetzeller, 1490 und 1497 Andre Dörffler, als Propst bezeichnet.
Der Name Hans Poxauer taucht in der Folgezeit häufig in den Urkunden auf, zumeist als Siegler. Von etwas größerem Interesse sind zwei Urkunden. 1475 entscheidet Hans Poxauer als Schiedsmann die Streitigkeiten zwischen dem Kloster Windberg und dem Pfarrer von Hunderdorf wegen der Kirche zu Hofdorf, 1469 bringt Veit Egloffstein einen Teil der Hofmark durch seine Heirat mit der Witwe des Christoph Auer von Brennberg, geborene

Schloß Steinburg um 1700

Margaretha von Poxau, an sich, den Rest kauft er vom Schwager. Sein Sohn Gregor von Egloffstein ist in den Landtafeln von 1500, 1510 und 1542 als Inhaber gesichert. Da er unverheiratet war, vermacht er Steinberg an seine Vettern Georg und Hans v. Murach, die in der Landtafel von 1549 erstmals eingetragen sind. 1558 werden Georg von Murach und die Erben seines Vetters Hans von Murach als Hofmarksinhaber geführt. 1578 ist noch Georg von Murach als Hofmarksherr genannt, 1579 folgt aber bereits Hans Christoph Fux der Jüngere mit der näheren Bezeichnung zu Steinburg und Prünstfehlburg, von dem der Besitz 1597 durch Kauf an Hieronymus von Seyboltsdorf übergeht. Wenn auch nähere Anhaltspunkte fehlen, so entsteht doch der Eindruck, als sei Prünstfehlburg durch den Fuchs als Zuwachs zu Steinburg gekommen. Hieronymus von Seyboltsdorf stirbt bereits 1599 kinderlos. Sein Grabstein ist in der Schlosskapelle zu Steinburg erhalten.
Seine Witwe Euphrosina, geborene Freiin von Thurn, verkauft die Hofmark vor ihrem Ableben 1602 an Albrecht von Preysing zu Kronwinkl, dem 1606 Hans Arnold von Preysing folgt. 1637 wird berichtet, Eberhard Adolf Freiherr von Muggenthal habe die Hofmark nach Ableben seiner Schwiegermutter Concordia von Preysing von deren Verwandten übernommen. Concordia Freifrau von Preysing, geborene Freiin von Alten- und Neuen-Frauenhofen, ist 1630 im Alter von 62 Jahren verstorben, wie ihr Grabstein in der Schlosskapelle Steinburg zeigt. Eberhard Adolf von Muggenthal starb 1668 im Alter von 65 Jahren, seine Frau Margaretha, geb. von Preysing, starb 1664 im Alter von 55 Jahren.
Die Besitznachfolge treten die Freiherren von Lerchenfeld, 1671 Carl Franz, 1675 Franz Benno und 1701 dessen Erben – WENING und Dr. KEIM berichten, unter den Erben sei eine Gräfin v. Salis gewesen. 1710 kommt Steinburg an Joseph Oswald Freiherr von Schuss. – Franz Benno Freiherr von Lerchenfeld war übrigens mit Maria Elisabeth, Tochter des Eberhard Freiherrn von Muggenthal verheiratet. 1726 schließt Joseph Oswald Freiherr von Schuss mit dem Kloster Oberalteich wegen des väterlichen und mütterlichen Erbes seines Sohnes erster Ehe, P. Maximilian von Oberalteich, einen Vergleich, in dem er sich zur Zahlung von 10.000 Fl. in bestimmten Raten verpflichtet.
Nach dem Ableben von Joseph Oswald 1729 führt seine Frau Maximiliana Charlotte, geborene Gräfin Nothaft, zunächst die Gesamtgeschäfte für den noch unmündigen Sohn Franz Joseph (1721-1786). Dessen Sohn Joseph wiederum, der in der Beschreibung des Rentamtes Straubing von 1795 unter dem Landgericht Mitterfels als Inhaber der Hofmark Steinburg eingetragen ist, vermacht diese durch Testament 1805 an seinen Vetter Joh. Nep. Wenzeslaus Freiherrn von Schönbrunn beziehungsweise dessen jüngeren Sohn, Maximilian Freiherrn von Schönbrunn genannt Schuss. Diese Erbschaft tritt Maximilian 1807 an.
Von den Schönbrunn geht der Besitz 1816 an den nachmaligen General Wilhelm Freiherrn von Berchem auf Niedertraubling über. Der bekannte bayerische Diplomat und Minister, Otto Graf von Bray, erwirbt das Schlossgut durch Kauf im Jahre 1845. Seitdem verbleibt Steinburg Eigentum der Familie Grafen von Bray, die seit dem Jahre 1848 den Namen Grafen von Bray-Steinburg führen. Otto Graf von Bray-Steinburg (1807-1899) war mehrfach bayerischer Minister, Vorsitzender im Ministerrat und Gesandter. Heute gehört Steinburg durch Heirat zu den Freiherren von Poschinger-Bray in Irlbach.
Nach der Hofmarksbeschreibung von 1606 besitzt Steinburg ein schön erbautes Schloss, gilt als geschlossene Hofmark, die mit keinen landgerichtlichen Gütern vermischt ist. Sie grenzt an die Hofmarken Au und Haggn. Der Hofmarksinhaber besitzt außerdem die Jurisdiktion über die einschichtigen Güter. In der Landtafel von 1737 hat Steinburg die folgende Beschreibung: Gemauertes Schloss oder Edelmannssitz auf einem Berg mit einem trockenen Graben um und um, beschlossene Hofmark. Einen guten Aufschluss über die Schlossgebäude gibt die Beschreibung bei WENING von 1726: Steinberg, dermahlen aber insgemain Steinburg benambset, hat anfangs nur ein altes Gebäu zur Wohnung gehabt, ist aber ungefähr vor hundert Jahren ein neuer großer Stock durch eine Frau Wittib von Preising, gebohrne von Alt- und Neuenfraunhofen dazu gerichtet worden.
Im 19. Jahrhundert (1824 und 1857) erfolgen durch Neubauten bedeutende Erweiterungen. In neuester Zeit ließ Baron Poschinger-Bray sehr umfassende und begrüßungswerte Restaurierungen durchführen.
Bei Prünstfehlburg spricht die Hofmarksbeschreibung 1606 von einem Ort mit eingefallenen Sitz oder Schloss, zur Zeit nicht bewohnbar; diese beschlossene Hofmark, die Arnold von Preysing gehöre, liege im Landgericht, stoße an die Hofmarksgründe von Irschenbach und Haibach und sei mit landgerichtlichen oder anderen Gütern nicht vermengt. Die Landtafel aus derselben Zeit verzeichnet nur die Jahre 1579 mit Hans Christoph Fux dem Jüngeren, 1597 mit dem Kauf durch Hieronymus von Seyboltsdorf und 1604 mit Arnold von Preysing. Wenn weiter keine Einträge mehr vorhanden sind und in der Landtafel 1737 sich nur der Vermerk „kommt mit keiner Rittersteuer einfindet“, kann kein Zweifel mehr darüber bestehen, dass seit dem beginnenden 17. Jahrhundert Prünstfehlburg nicht mehr als selbständige Hofmark, vielmehr als integrierter Ort in der Hofmark Steinburg zu betrachten ist.
Wilhelm Freiherr von Berchem erhält 1820 die Genehmigung zur Bildung eines Patrimonialgerichtes II. Klasse. Diese umfasst 104 Hintersassen mit dem Sitz in Steinburg.

Die Steinberger Ritter auf Steinburg

Mit zu den an meisten in Dienste der Regensburger Hochstiftvögte überlieferten Ministerialen im vorderen Bayerischen Wald und zwar in Bereich der Stammburgen Windberg und Bogen zählt jener von Hofdorf bei Hunderdorf. Hofdorf hatte eine vom Kloster Windberg verliehene niedere Gerichtsbarkeit.
Nach dem Tode des letzten Hochstiftvogtes Friedrich II. in Regensburg, gestorben vor 1160, sind die Dienstmannen von Hofdorf in Dienste der Bogenschen Grafenfamilie sehr häufig festzustellen.
Um 1128 zeugt ein Adalbrecht de Hofdorf unter den Rittern der Oberalteicher Stiftungsurkunde und 1130-1142 schenkte Hartwig de Hofdorf ein Cut in Piering Lkr. Straubing, an Prüfening. Um 1147 hatte ein kriegserfahrener Soldat, Gotspertus genannt, ein Grundstück in Reute den Klosterbrüdern in Oberalteich übergeben. Zeugen waren Albertus de Hofdorf, ein Bruder des Gozpold von Hofdorf wird später noch mehr interessieren. Gozpold von Hofdorf war zu dieser Zeit wahrscheinlich der Herr auf dem Dienstmannensitz in Hofdorf. Aus dieser Hofdorfer Ministerialienfamilie ging das Steinberger Rittergeschlecht hervor.
Die Steinburg dürfte um die Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden sein. Sie wurde zum Sitz eines der vielen Ministerialen der Grafschaft Bogen. In der Zeit .1147-1149, als der Kirchenprediger Bernhard von Clairvaux zum zweiten Kreuzzug aufrief, tauchte ab 1148 der Name Albertus, de Stainberge zum erstenmal auf. Er saß zu dieser Zeit noch auf dem Dienstmannensitz Hofdorf. In den Jahren zwischen 1150-1190 wurde ein Landgut dem Albertus de Stainberge übergeben, für das Benefizum „in dem Riede“. Zeugen sind: Albertus de Stainberge, sein Sohn Heinrich und andere mehr. Hier tritt Albert von Steinberg mit seinem Sohn zum erstenmal bei Haus- und Grundstücksgeschäften auf. Auch eine Elisabeth von Stainberg findet in diesem Zeitraum eine einmalige Erwähnung. Die Annahme ist berechtigt daß sie die Frau des Albert von Stainberg war.
Der Regensburger Bürger Wernhard, Schwager des Ulscalus von Straßkirchen, kaufte sich für 2 1/2 Talente um 1170 von den Stainbergern frei, um sich dem Kloster Windberg als freier Ministeriale übergeben zu können. Zwischen 1170-1185 hat Adalbert von Runding der Oberalteicher Kirche als Heilmittel seiner Seele und die seiner Eltern ein Kirche in Griesenkirchen vermacht. Mitsiegler war u. a. Bertold von Steinburg.
Durch die Rodungstätigkeit der Steinberger im Raume Viechtach kamen sie zu einem ganz ansehnlichen Vermögen. Wie in anderen Fällen sind auch hier Ministerialensitze zum Ausgangspunkt von Kirchengründungen geworden. Etwa 1180 beteiligte sich Albert von Steinberg, ebenso wie andere Bogner Ministerialen an der Ausstattung des Klosters Windberg, indem er einen Hof in Böhmersried bei Viechtach schenkte. Außerdem stiftete er noch ein Gut in Baumgarten und Haberbühl bei Kirchaitnach. Zwischen 1182-1200 lautet eine Niederschrift im historischen Atlas-Bayern: Von der Ministerialienburg Schwarach aus läßt sich auf eine Siedlungstätigkeit im Innern des Waldes schließen u. a. in Habermühl und Baumgarten durch Bertold von Steinberg.
1221 siegelte Pertoldus de Stainberg im Kloster Oberalteich. Er genoß innerhalb der Bogner Dienstmannschaft großes Ansehen. Seine Söhne hießen: Albrecht, Bertold, Wernher und Konrad. Diese vier benennt ein Brief zu Osterhofen im Jahre 1243. Sie werden als Ritter tituliert. Im selben Jahr wird ein Streit zwischen den Steinbergern und dem Probst von Osterhofen so geregelt, daß die Kirche von Osterhofen zahlen mußte und die Steinberger ein Landgut in Posching abgeben.
Zwischen dem Abt von Windberg und dem Steinberger hat 1297 ein Streit stattgefunden wegen einer Roßweide. Die Steinberger bestanden darauf, daß sie auf der Aue zwischen Windberg und Steinburg ihre Tiere hüten dürfen. Die Herzöge von Bayern, Otto und Stephan, betrauten ihre Stellvertreter Albrecht, Vizedom zu Straubing damit, diese Angelegenheit zu regeln.
Albrecht brachte diese Sache durch Schiedsspruch in Ordnung und zwar so, daß die Steinberger, die allzu beharrlichen Ansprüche erhoben, als sie vor dem Streit gestanden, künftig keine Forderungen mehr erheben durften. 1326 hat Bertold von Steinberg das Zeitliche mit dem Ewigen vertauscht. Er liegt in seinem Stift Oberalteich. Dort ruht auch sein ganzes Geschlecht, wie es ihr Wappenschild an der Wand erkennen läßt: „Die Herren von Steinburg führten

Das Wappen der Steinburger

oberhalb des Helmes einen hochgezogenen, spitzen, weißen Hut mit fünf weißen Straußenfedern an der Spitze und einer schwarzen Stulpe. Das untere Feld war in sechs Quadrate aufgeteilt.“
1334 verkaufen der Steinberger und seine Hausfrau der Äbtissin Agnes zu Seligenthal in Landshut ihren Hof zu Saulbach . Im Zeitraum von 1200-1350 tauchen die Frauennamen Osanna und Patrissa de Steinberg auf und ein Pertoldus de Steinberg von Au.
Haggn entstand wohl im 14. Jahrhundert als Nebensitz des uradeligen Geschlechts der Ritter von Steinburg. In einer Urkunde kommt 1336 ein Heinrich der Steinberger vor. Dieser gibt mit seiner Frau Ofmey und den Kindern Heinrich, Konrad, Friedrich, Johann, Klara, Margarete u. Marzz bekannt, daß sie ihr herzogliches Lehen Straßkirchen dem Kloster Oberalteich verkauft haben. Als Zeugen fungierten der Vetter Bertold der Steinberger und der Schwager Ulrich der Leubelfinger von Au. 1339 entsagten Heinrich der Steinberger von Haggn und seine Söhne Friedrich, Konrad, Johann gegenüber dem Kloster Windberg allen Ansprüchen auf den Hof Inderbogen. Ulrich der Steinberger ist im Gedenkbuch von Windberg mit dem Todesjahr 1363 verzeichnet.
Wegen ihrer ritterlichen Aufrichtigkeit wurden die Steinberger gerne als Ratgeber oder Zeugen bestellt. Auch bei der Gründung der Kirche und dem Kloster Elisabethszell 1346, war ein Steinberger beteiligt. Friedrich der Steinberger soll früh gestorben sein. Seine Frau war Guta, Tochter des Hermann Schambecken zu Schambach. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Micheln, Hermann, Haymeran und Ursula. Guta die Steinbergerin ging nach dem Tod ihres Mannes Friedrich 1357 mit ihren Kindern nach Schambach zurück. Die Vettern des Friedrich: Ulrich, Bertold und Hansen die Steinberger bezogen die Steinburg. Sie haben ein anderes Wappen.
Einige Zeit später kam Erhard zu Rain nach Schambach. Er heiratete die Witwe Guta, die zuerst Friedrich den Steinberger zur Ehe hatte und nahm ihre vier Kinder mit in die zweite Ehe. Diese vier Kinder erbten von ihren Ahnherrn den Sitz Schambach, den sie ihrem Stiefvater, Erhard dem Rainer und ihrer Mutter Guta wegen ihrer heiratlichen Einrichtung um 100 Pfd. Reg. Pf. auf 10 Jahre versetzten. 1380 sollen die Kinder dieser Guta, zur Zeit auf Schambach, das Schloss an ihren Stiefvater verkauft haben.
Um 1336 tritt zum erstenmal der Name Hansen der Steinberger auf. Wir finden 1362 den Namen Hansen der Steinberger noch öfter, z. B. bei einem weiteren Geschäft um Kollnburg bei Viechtach. Diese Burg hat seinen besonderen Adel gehabt. Bertold von Kollnburg verkaufte die Veste an Peter den Chamerauer von Naidstein. Redner vor Gericht, Zeuge und Mitsiegler war Hansen der Steinberger
1366 war eine Lokalinspektion am Damm zwischen Oberalteich und Reibersdorf, um die Frage der Aufschüttung zwischen dem Kloster und den Fischern und Viehzüchtern von Reibersdorf zu klären. An dieser Ortsbesichtigung nahm auch Hansen der Steinberger teil.
Hansen der Steinberger verkaufte 1375 ein Gut zu Breitenweinzier an das Kloster Windberg unter Mitsiegelung seines Bruders Bertold, der Richter zu Hengersberg um 1376 war und 1380 starb. Etwa um das Jahr 1375 hatten Hansen der Steinberger zu Steinburg, sowie die Brüder Heinrich und Albrecht die Sattelboger, sie schrieben sich zu Leybenstein, eine Hube in Ast von dem Paul der Utz erworben. Auf einem Original-Pergament mit drei anhängenden Siegeln von 1376 lautet ein Text:“Hansen der Steinberger gab der ehrsamen Frau Elspeden, Geschirrerin zu Straubing, die ihm gehörende Hub zu Ast, die er von Paul dem Utzen von Straubing gekauft hatte“.
1377 war ein Michael Steinberger, Mönch von St. Emmeram in Regensburg, gestorben.
Als es 1378 um den Anspruch an dem Braurecht des Mayerhofes zu Gunthering ging, der zu dem Frauenkloster Landshut gehört, waren die Ritter Hans der Sattelboger, Richter zu Straubing, Hansen der Steinberger u. a. als Schiedsrichter und Siegler beteiligt. Im Totenbuch von Oberalteich. sind 1383 eine Katharina und 1388 eine Ottilia die Steinbergerinnen benannt.
Hansen der Steinberger verkaufte selbst noch ein Gut zu Hinterholzen 1385. Ab diesem Zeitpunkt ist von einem Hansen Steinberger nichts mehr zu lesen. Wann er starb ist unbekannt.
1387 taucht zum erstenmal der Name Dietrich der Steinberger auf. Er wird im Zusammenhang folgenden Berichtes benannt: Der Pfleger wurde in Anbetracht der Wichtigkeit des ihm übertragenen militärischen Schutzes im Gerichtsbezirk der eigentliche Vorsteher, auch der Gerichtsbarkeit und übte daneben in erster Linie Polizeiverwaltung aus. Die Ämter des Richters und Pflegers standen, bis sie endgültig zusammengelegt wurden, nur selten in Personalunion. Lediglich Dietrich der Steinberger und Jakob von Degenberg vereinigten sie in einer Hand. 1401 verkaufte Dietrich der Steinberger seine zwei Güter zu Absatz beim Degenberg an Seitz Ramsberger. Mitsiegler war Heinrich der Ramsperger, Oheim des Dietrich Steinberger.
Die Steinburg muß 1406 an die Nußberger gekommen sein, denn 1406 vermachte der Ritter Konrad Nußberger, derzeit gesessen zu Steinburg, dem Kloster zu Straubing den Maierhof zu Allersdorf bei Viechtach. Die Straubinger Bürger Haimeran der Lerchenfelder und seine Hausfrau verkauften 1407 ihren Hof zu Irlbach, den sie von Dietrich dem Steinberger (er schrieb sich zu dieser Zeit nach Rain) als Lehen gehabt hatten, an Niederalteich. 1408 siegelte Dietrich der Steinberger noch zu Rain. Um 1410 verkaufte er, wahrscheinlich der Letzte seines Stammes, sämtliche Besitzungen an die Brüder Wilhelm und Kasper Zenger zum Haggn.
Emil Hemauer schreibt in seinem historischen Entwurf von Oberalteich: Im Jahr 1414 in Christo, dem Herren verschied am Festtag St. Johannis Baptista der edle und tapfere Ritter Dietrich der Steinberger und ist in unserem Münster an der Seite seiner Ahnen in ihrer Erbbegrabstätte Oberalteich beerdigt worden. Er bekam einen schönen figürlichen Grabstein an der Friedhofmauer, der heute noch in sehr gutem Zustand ist. Gut zweieinhalb Jahrhunderte lang finden wir die Steinberger als altes und ehrenhaftes Rittergeschlecht in den Annalen der Geschichte unserer engsten Heimat. Möge dieses ehrenwerte und tapfere Rittergeschlecht nun im ewigen Kapitelsaal der Walhall ruhen.
Gekürzt nach A. Scheidhammer

Schloß Steinburg im Wandel der Zeiten

Über der Ortschaft Steinburg liegt hübsch auf einer Anhöhe das Schloß Steinburg, das auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Urkundlich nachweisbar ist das Geschlecht der Steinberger im Jahre 1221. Seither sind also gut 780 Jahre vergangen. In den fast acht Jahrhunderten wechselte das Schloß mehrmals seine Besitzer. Am bekanntesten waren neben den Steinberger die Freiherrn von Schuß zu Sattelpeilnstein, die fast 100 Jahre als Schloßherren auf Steinburg geblieben sind.
Die vielen Besitzer haben immer wieder durch Neubauten, Gebäudeveränderungen und durch Niederreißungen von Schloßteilen das äußere Bild der „Stainburg“ verändert, was durch einige Ansichten des Schlosses zu beweisen ist. Im Herrenhaus des jetzigen Schlosses befanden sich früher einige Bilder der Schloßanlage, die ich hier vorstellen möchte. Es muß angenommen werden daß sich die Maler dieser Ansichten nicht immer genau an die vorhandenen Tatsachen gehalten haben, sondern anhand flüchtiger Skizzen ihre Kunstwerke angefertigt haben. Auffallend ist, daß alle Ansichten das Schloßtor an gleicher Stelle darstellen, während sich die anderen Gebäude in Form und Größe und am Standort doch wesentlich unterscheiden. Eine Parallele zu der heutigen Anlage läßt sich kaum ziehen, da das gegenwärtige Schloß aus dem Jahre 1824 eine Veränderung erfuhr, die kaum mehr an die stolze Bauten seiner Vorgänger erinnert. Wir wissen zwar, wo früher Teile des Schlosses ihren Standpunkt hatten, übriggeblieben sind nur noch wenige Grund- und Futtermauern. Die hier gezeigten Bilder entnehmen wir den Kunstdenkmälern Bayerns, Band XX, BA Bogen.

Das Bild zeigt die wohl älteste bekannte Ansicht um 1700, als die Freiherrn von Schuß zu Peilnstein Besitzer des Schlosses waren. Auf diesem Bild präsentiert sich die Anlage als stolzer imposanter Bau. Auffallend sind die vielen Häuser, die sich um den Schloßberg reihen. Das Bild ist eine Federzeichnung in brauner Tusche, aquarelliert, Größe 39 x 56 cm. Es hing früher im Schloß.
Das Bild zeigt einen Kupferstich von Wening, der in der 1.Hälfte des 18.Jahrhundens seine Stiche von Burgen und Schlössern, Klöstern und Städten angefertigt hatte. Somit stammt dieser Stich aus der gleichen Zeit wie das vorherige Bild. Beim genauen Hinsehen sind Ähnlichkeiten an den Gebäuden und Türmen feststellbar. Nur der gewaltige Zwiebelturm über dem Eingangstor bei Wening fehlt beim vorigen Bild. Auch hier ist das Wappen der Freiherrn von Schuß gut abgebildet.
Dieses Bild zeigt eine bisher unbekannte Ansicht des Schlosses, vermutlich aus der Zeit gegen Ende des 18.Jahrhunderts.
Zu diesem Bild steht in den Kunstdenkmälern: Schloß und Hofmark von Süden. Kopie eines Ölgemäldes um die Mitte des 19.Jahrhunderts. Leinwand 44 x 53 cm. Im Schloß Steinburg. – Auf diesem Bild steht das mächtige Herrschaftsgebäude als Ruine, während links neben dem Tor das heute noch stehende Wohngebäude in Form und Größe zu sehen sind. Dieser wurde in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts gebaut oder umgebaut. In den Kunstdenkmälern heißt es wieder: „Bau Plan von Hochgräfl. guts herrschafts gericht Steinburg, unterschrieben Franz Mayr bürgerlicher und landgerichts Mauerermeister in Bogen, den 29.Nov.1824.- Mayr dürfte der Erbauer dieses Hauses sein, zu einer Zeit, als die Anlage dem Freiherrn von Berchem gehörte.
Die jetzige Anlage wird, in den Kunstdenkmälern 1929 wie folgt beschrieben: Vom östl. ansteigenden Hange war es durch einen breiten und tiefen, teilweise erhaltenen Halsgraben abgetrennt. Auch vor der Südfront lag ein Graben. Der Bering ist ungefähr rechteckig. Der Zugang erfolgt an der Südwestsecke. Die hier und an der Nordwestecke teilweise erhaltene Ringmauer ist im 19.Jahrhundert verändert worden durch Zinnenaufbau usw., ebenso das Tor, zu dem man früher über eine Zugbrücke gelangte. Nördlich vom Tor befindet sich ein kleiner Raum, der für die Verbüßung der vom einstigen Patrimonialgericht bis 1848 verhängten Haftstrafen bestimmt war. Die ehemalige innere Burg lag an der Südostecke, durch Futtermauern erhöht. Diese Futtermauer ist ca. 1 m stark; Füllmauerwerk zwischen Granitbruchsteinschichten. An der Südostseite drei Stützpfeiler von 1926. An der Südostecke steht die jetzige Schloßkapelle, einst Stallung.
Vor der Schloßkapelle steht das ehemalige Jägerhaus, links das Gesindehaus, und die Stallungen mit den Wirtschaftsgebäuden, über dem Tor war bis vor wenigen Jahren das Wappen der Grafen Bray von Irlbach. Unter der Schloßkapelle sind gut erhaltene ca . 4 m hohe Gewölbe . Dies weist darauf hin, daß sich an dieser Stelle die großräumigen Herrschaftsgebäude befunden und die Gewölbe als Kellerräume gedient haben .
Schloß Steinburg um 1930
Steinburger Schloßkapelle

In der alten Burganlage der Steinberger befand sich eine herrliche Kapelle. In ihr waren die Grabsteine von verstorbenen Burgbewohnern, auf denen ihr Todesjahr angegeben war. Unter den Freiherrn von Schönbrunn wurde sie vernachlässigt und stürzte schließlich ein.
Erst der nächste Besitzer, Freiherr von Berchem, ließ aus dem früheren Pferdestall eine neue Kapelle errichten. Der Grundriß des nach Süden gerichteten Gotteshauses hat die Form einer Raute. Durch sechs Binnensäulen ist der Raum in drei Schiffe von je vier Jochen unterteilt. Der Altar ist ein einfacher Aufbau aus dem Rokoko. Bemerkenswert sind die 14 Kreuzwegstationen in Hinterglasmalerei und eine Tonfigur, Maria mit dem Kind darstellend, aus der Zeit um 1460 stammend. Die Einweihung geschah durch Pfarrer Theodor Lehr von Hunderdorf am 21.0ktober 1821. Sie wurde Johannes dem Täufer gewidmet.
Bis zur Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts diente die Schloßkapelle den Einwohnern Steinburgs als Kirche. 1974 fiel ein großer Baum auf das Dach der Kapelle und zerschlug es. Als sogar der Altar in den daruntergelegenen Keller absank, wurde die Kirche geräumt. Trotz einer Außenrenovierung blieb das Kirchlein ungenutzt und wartet auf eine Instandsetzung.

Steinburg: Früher Steinberge, 1305 Stainberch. Im 12.-14. Jh. Sitz eines Edelgeschlechts der Steinberger, früher Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit Schule und Schloß, Dorf mit 213 Einw. 1981.

Steinburg. Schloßkapelle. Innenansicht.

 

Steinburg. Schloßkapelle. Tonfigur.

 

Steinburg. Schloßkapelle. Grundriß.
Grabsteine in der Schlosskapelle

Viele Grabsteine erinnern an die früheren adeligen Bewohner des Schlosses Steinburg.
Früher im Pflaster, 1928 an den Wänden, nach dem Absturz des Altars z. T. entfernt.
Hieronymus von Seiboltsdorf zu Schenkenau auf Steinburg (+1599) und seine Frau Euphrosina, geb. Freiin zum Thurn, Reliefwappen der Verstorbenen nebeneinander.
Ferdinand Ignatius Freiherr von Muggenthal auf Pondorf, Breitenhill und Steinburg , Herr zu Haimburg, Aiterbach, Ampertshausen usw., kurfürstl. Layer. und hochfstl. Kämmerer, + 8.12.1665, 31 Jahre alt, mit Reliefwappen des Verstorbenen.
Fräulein Maria Anna Maximiliana Reichsfreiin von Schuss auf Sattelpeilstein und Steinburg, + 17. Heumonats 1771 im 20 .Lebensjahr.
Fräulein Maria Katharina Anna Josepha Kotlinskin , Freiin von der Jeltsch, + 16.9.1700, 16 Wochen alt.
Fräulein Maria Johanna Freiin von Muggenthal auf Steinburg, +1647, ½ Jahr alt.
Johann Albrecht von Preysing, Freiherr zu Altenpreysing auf Steinburg, + 28.10.1620 in der Hauptstadt Linz, Preysingwappen.
Maria Margareta Freifrau von Muggenthal auf Steinburg, geb. von Preysing zu Altenpreysing, + 12.2.1664, 55 Jahre alt, Gemahlin des Eberhard Adolf von Muggenthal, mit Ehewappen.
Concordia Freifrau von Preysing zu Altenpreysing, , geb. Freiin von Alten- und Neuenfrauenhofen, + 17.12.1630, 62 Jahre alt, mit Ehewappen.
Franz Borgias Joseph Heinrich Oswald Maximilian Dionysius Reichsfreiherr von Schuss und Sattelpeilstein und Steinburg, kurfürstl. bayer. und kölnischer Kämmerer, + 5. Hornung 1786 im 64. Lebensjahre, Reliefwappen des Verstorbenen.
Eberhard Adolph Freiherr von Muggenthal auf Pondorf und Breitenhill, Herr zu Steinburg, bayerischer und kölnischer Kämmerer, Hauptpfleger zu Kirchberg, + 6.April 1668, 65 Jahre alt; mit Reliefwappen.

Ehemaliges Jägerhaus

Auf der Anlage des Schlosses Steinburg stand früher das „Jägerhaus“, in dem der hochherrschaftliche Jäger seine Unterkunft hatte. Ab 1925 diente das Gebäude als Wohnung für die Steinburger Kindergärtnerinnen; in den Jahren 1941/42 war sogar der Kindergarten dort untergebracht.
Während des Zweiten Weltkrieges kamen gefangene englische Offiziere in das Schloß, das Jägerhäuschen wurde zur Unterkunft für die deutsche Wachmannschaft. Das Haus diente nach dem Kriege Flüchtlingen als Wohnung. Zuletzt pachtete ein gewisser Lehrer Eiglmeier das Gebäude, der sich dort ein Wochenendhaus einrichtete.
Im Rahmen der Großsanierung der Schloßanlage wurde1985 das Gebäude abgerissen, nachdem es vorher schon einige Zeit leer stand.

Steinburgs Schulgeschichte

Die früheren Gemeinden Steinburg und Au bildeten seit dem Jahre 1835 einen Schulverband. Als Schulgebäude diente das alte Wasserschloß in Au. Die einklassige Schule bestand bis 1949, dann mußte ein Behelfsraum ausgebaut werden, um eine zweite Klasse· unterbringen zu können. Die Schulräume waren dunkel und klein, die Gänge eng und zügig, auch das Treppenhaus ließ viele Wünsche offen. Es war daher kein Wunder, daß der Plan, eine neue Schule zu bauen, bereits in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts gefaßt wurde. Finanzschwäche, Krieg und Nachkriegszeit waren daran schuld, daß diese Planung erst Ende der fünfziger Jahre wieder aufgegriffen und realisiert wurde. Die Initiatoren waren Bürgermeister Alfons Berger und Schulleiter Alfred Müller.
Der von Architekten Schnierle aus München geplante Bau konnte im Juli 1958 mit dem ersten Spatenstich begonnen werden . Gut ein Jahr später war er vollendet. Das architektonisch eigenwillige Schulgebäude am Eingang zum Perlbachtal fand nicht bei allen Bürgern einhellige Zustimmung. Zur Straße hin zeigte der Bau die große Fläche eines Pultdaches, das nur von einem viereckigen Lichthof unterbrochen wurde. Diese Ansicht verleitete zu einem Vergleich mit einer übermäßig breiten Sprungschanze. Nach Osten hin befanden sich die beiden Schulzimmer mit Ausblick zum Wald und ins Perlbachtal. Im Schulhaus waren noch einige Nebenräume, die Amtsräume der Gemeinde und ein großer Sitzungssaal. Das Haus war nicht unterkellert. Die örtliche Bauleitung lag in den Händen des Architekten Johannes Hirsch von Hunderdorf.
Am Dienstag, 6.10.1959, wurde das neue Schulhaus durch Weihbischof Josef Hiltl eingeweiht. Das Werk, das etwa 200 000 DM gekostet hat, galt damals als das schönste Schulhaus Niederbayerns. Die Leistung der Gemeinde würdigte Landrat Franz Xaver Hafner umso höher, als neben dem Schulgebäude auch das Lehrerwohnhaus, die Wasserversorgung und mehrere Straßenbauten eine enorme Last für die kleine Gemeinde Steinburg bedeuteten.

Die neuerbaute Volksschule in Steinburg

Mit Recht waren die Steinburger stolz auf ihr neues Schulhaus. In dem Glauben, daß im schulischen Bereich für dieses Jahrhundert ausgesorgt sei, waren der Gemeinde die 105 000 DM Eigenleistung nicht zu viel. Der Staat gab 20 000 DM und ein Darlehen von 90 000 DM.
Die Schulreform aber verdarb den Steinburgern die Freude an der neuen Schule gründlich. Am 27.2.1966 waren bei einer Elternversammlung die Hunderdorfer zu 59% gegen eine Verbandsschule mit Steinburg. Erst am 11.10.1967 trafen sich Bürgermeister, Gemeinderäte, Elternbeiräte und Schulleiter der Gemeinden Hunderdorf und Steinburg und Pfarrer Ruhs zusammen, um die Gründung einer Verbandsschule Hunderdorf-Steinburg zu beschließen. Es wurde ausgemacht, zwei bis drei Grundschulklassen in Steinburg zu belassen, die restlichen Schüler sollten die Schule in Hunderdorf besuchen. Bereits im Schuljahr 1968/69 wurden die Schüler des 3.und 4.Schülerjahrganges in drei Klassen in Steinburg unterrichtet, den Rest beförderte man mit Bussen nach Hunderdorf.
Doch mit Beginn des Schuljahres 1973/74, inzwischen war das neue Hauptschulgebäude in Hunderdorf erstellt, mußten alle Kinder aus Steinburg zur Schule nach Hunderdorf. Nur 13 Jahre konnten die Steinburger ihre Kinder in das eigene Schulhaus schicken. Was mit dem ausgedienten Schulgebäude werden sollte, wußte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Bis 1979 stand das Schulhaus leer und verfiel allmählich. Dann pachtete Ludwig Berger jun. die Räume und richtete dort bis 1982 ein Möbelgeschäft ein. Nachdem sich die Firma Mauritz aus Ittling in Steinburg niedergelassen hatte, wurden einige Räumlichkeiten der ehem. Schule als Verkaufs- und Lagerraum angemietet. In den neunziger Jahren wurde das Gebäude zum Verkauf ausgeschrieben.

Kriegerdenkmal in Steinburg

Die Gemeinde Hunderdorf errichtete schon 1919 für die Gefallenen der Pfarrgemeinde aus beiden Weltkriegen ein Kriegerdenkmal in Hunderdorf. Die frühere Gemeinde Steinburg und die Freiwillige Feuerwehr stellten darüber hinausb an der Straße beim Bergerbräu in Steinburg einen weiteren Gedenkstein auf. Bei der Weihe 1966 durch Pfarrer Georg Ruß hielt der Vorsitzende des Krieger- und Veteranenvereins Hunderdorf, Leo Gaschler, die Festrede. Bürgermeister Alfons Berger und Kommandant Anton Häusler legten Kränze nieder. Auf dem Ehrenmal steht: „Unseren gefallenen und vermißten Kameraden beider Weltkriege, in dankbarer Erinnerung Gemeinde und FFW Steinburg“. Darunter befand sich früher eine Gedenktafel für den gefallenen Herrn Otto-Franz Graf Bray, Steinburg. Diese Tafel wurde später ersetzt durch eine andere mit den Namen der Gefallenen und Vermißten der ehemaligen Gemeinde Steinburg.

Das Bild zeigt den Festakt mit dem 2. Landrat Schäffer aus Niederwinkling.
Bürgermeister Alfons Berger

Zu den markantesten Persönlichkeiten der früheren Gemeinde Steinburg gehörte ohne Zweifel der ehemalige Bürgermeister Alfons Berger, von allen Bräu-Alfons genannt. Er war Brauerei- und Gasthofbesitzer und 22 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Steinburg.
Zuvor gehörte er bereits 15 Jahre dem Gemeinderat an. Als Kommunalpolitiker erwarb er sich unschätzbare Verdienste für die Gemeinde. Mit ganzer Kraft und Umsicht hat er sich für alle Belange seines Heimatortes eingesetzt. Ihm verdanken die Steinburger den Wasserleitungs- und Tiefbrunnenbau, den Schulhausbau, den Ausbau der Straßen, den FFW-Gerätehausbau von Steinburg und Au vorm Wald, die Anschaffung der Feuerwehrfahrzeuge, die fortschrittliche Einstellung auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs und die Unterstützung aller örtlicher Vereine.
Er war Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, des Roten Kreuzes und des Heimat- und Fremdenverkehrsvereins, ebenso war er an der Gründung der Sportvereins Neukirchen-Steinburg beteiligt.
Alfons Berger war ein Mensch, der sich im Grunde seines Herzens ohne Umschweife um das Wesentliche bemühte. Er war eine Persönlichkeit, ein Stück Steinburger Geschichte. Seine freundliche Art und das gewinnende Wesen waren Eigenschaften, die dem Gastronom viele Gäste zuführte und Steinburg über die Grenzen der Heimat bekannt machten.
Unvergeßlich ist auch sein Humor und sein herzhaftes Lachen; seine engsten Freunde wissen so manche Anekdote über ihn zu erzählen. Am 14.März 1981 verstarb er nach längerer Krankheit im Alter von 68 Jahren, betrauert von allen Mitbürgern seiner Gemeinde und seiner Freunde.

Alfons Berger
Bürgermeister und Gemeinderäte in der ehemaligen Gemeinde Steinburg

1. Bürgermeister: Karl Hastreiter, Karl Hanner, Xaver Stumhofer, Alfons Berger
2. Bürgermeister: Jakob Petzendorfer, Josef Stoiber, Johann Feldmeier
Gemeinderäte: Johann Altschäffl sen., Alfons Berger, Josef Bielmeier, Johann Feldmeier, Josef Feldmeier, Anton Grüneisl, Josef Hacker sen. u. jun., Anton Häusler, Josef Haimerl, Karl Haimerl, Johann Hornberger, Jakob Kerbl, Johann Kronfeldner, Rupert Kronfeldner, Josef Lipp, Walter Margelski, Alfred Müller, Xaver Oischinger, Jakob Petzendorfer, Josef Retzer, Josef Schlosser, Alois Schötz jun. u. sen. Max Schötz, Josef Stoiber, Karl Thumbs, Max Wagner
Bürgermeister der Gemeinde Au: 1918-42 Johann Schötz, Ludwig Kronfeldner, Xaver Stumhofer

Lehrer an der Schule Au/Steinburg

Bis Ende des 2.Weltkrieges unterrichteten an der Schule in Au:1847 bis 1854 Voglsammer, 1854-65 Dirrigl, 1867-75 Niedermayer, 1875-78 Franz Huber, 1878-87 Bremauer, 1887-95 Bernhard Weber,1895-1902 Heilingmeier, 1902-05 Haas, 1905-08 Wolfgang Wagner, 1908/09 Leitner, 1909-11 Barth, 1911-34 Gramminger, 1934-37 Adolf Neumeier, 1937-53 Hermann Maier, 1941-49 Ilse Dorr
Ab 1945 unterrichteten an der Schule Au/Steinburg: Franziska Schedlbauer, Hermann Maier, Pauline Pätzold-Müller, Emma Schwarzmüller, Ilse Dorr, Gertrud Brunhuber, Martha Lippert, Ursula Faulhaber, Alfred Müller, Wilhelm Sagstetter, Sophie Primbs, Josefine Blöser, Cäcilia Naimer, Gertrud Beck, Waldfride Holzapfel, Karl Hieber, Helmut Kalm, E. Cramer, Elisabeth Neueder, Reinhard und Marianne Knockl und Ulrich Pannermayr.
Ihr Landschulpraktikum absolvierten an der Schule in Steinburg: Hartwig Mager, Aranka Bresznay, Georg Pongratz, Eleonore Bauer, Alois Bernkopf, Elisabeth Neueder, Irmgard Falck, Karl Hammes, Otmar Schießl, Gertrud Rauscher, Annemarie Wittmann, Anita Bogner, Ilse Maurer, Elisabeth Müller, Anita Maurer, Wilhelm Bugl, Helmut Kalm und Margit Hartmann.

Ehrenbürger der Gemeinde Steinburg

Johann Petzendorfer, geb. 27.10.1891, gestorben 23.02.1975, Forstwart der Graf-Bray’schen-Forstverwaltung, war von 1963 bis zu seinem Tode Ehrenbürger der Gemeinde Steinburg. Als Forstwart konnte er die Belange der Gemeinde und seiner Bürger in den Kriegs- und Nachkriegsjahren vertreten und durch günstige Holzlieferungen die Not der Flüchtlinge lindern helfen.
Auf der Ehrenurkunde stand: Herrn Johann Petzendorfer, Oberforstwart a. D., wird als Anerkennung für seine stete Hilfsbereitschaft zum Wohle der Allgemeinheit vom Gemeinderat Steinburg das Ehrenbürgerrecht verliehen. Steinburg, den 26.Oktober 1963, Berger, 1.Bürgermeister.

Johann Petzendorfer
Das Wappen von Steinburg
Die ehemalige Gemeinde Steinburg erhielt Ende der sechziger Jahre ein Wappen. Beschreibung: Geteilt; oben in Silber ein aus der linken unteren Ecke wachsender, rot gekleideter Arm mit einem roten Pfeil in der Hand, unten dreimal schräglinks geteilt von Blau und Silber.
100 Jahre waren die Freiherrn von Schuß auf Sattelpeilnstein Besitzer des Schlosses in Steinburg. Ihrem Familienwappen wurde der rote Arm mit dem Pfeil, der ein Hofmarkszeichen darstellt, entnommen. Dia Farben Blau und Silber sind die Farben der Grafen von Bogen, deren Dienstmannen die Stainberger waren.

Wappen auf der Nepomukstatue

In Steinburg, bei der Brücke über den Bogenbach, steht die unten abgebildete Statue des hl. Nepomuk. Früher stand das Denkmal auf der gegenüberliegenden Seite des Baches. Das steinerne Bild des Heiligen ist ein selten schönes Beispiel der Bildhauerkunst. An seinem Sockel entdecken wir ein herrliches Wappen. Es stammt von den im 18. Jahrhundert auf Schloß Steinburg lebenden Freiherrn Schuß von Peilnstein. Diesem Wappen wurde der Arm mit dem Pfeil für das Gemeindewappen der früheren Gemeinde Steinburg entnommen. Der Pfeil deutet darauf hin, daß Steinburg einst Hofmark mit niederer Gerichtsbarkeit war. Die Jahreszeit 1740 dürfte neueren Datums sein und ist im Zusammenhang mit dem Wappen zu sehen.

Brauereien in der engeren Heimat

Das Bier, das Volksgetränk Bayerns, hat schon immer eine bedeutende Rolle unter den Getränken unserer Mitbürger gespielt. So ist es nicht verwunderlich, daß es in unserer engeren Heimat viele Bierbrauereien gab.
Wohl zu den ältesten Brauereien muß das Kloster Windberg gezählt werden. In Sparr und bis zuletzt in Obermühlbach wurde der beliebte Gerstensaft gebraut.
Aber auch auf dem Gebiet der jetzigen Gemeinde Hunderdorf gab es einige Brauereien. In der Brauerei in Steinburg, die als Berger-Bräu im weiten Umkreis einen guten Namen hatte, wurde bis in die siebziger Jahre Bier gebraut nach dem Wahlspruch „Bleib heimattreu, trink Bergerbräu“. Das Bier wurde an viele Gasthäuser und Familien ausgeliefert.
Um 1840 soll die Brauerei gegründet worden sein. 1891 pachtete Johann Berger, der Vater von 15 Kindern war, den Betrieb, den er wenige Jahre später erwarb. Bürgermeister Alfons Berger war der letzte Besitzer der Brauerei, die wegen Unrentabilität schließlich aufgegeben wurde. Heute noch erinnert der Landgasthof „Zum Bergerbräu“ an eine vergangene Brautradition.
In unmittelbarer Nähe; „Auf der Rutschn“, soll nach Aussage einiger Steiburger Bürger auch eine Brauerei gewesen sein. Diese soll Brauereibesitzer Berger aufgekauft haben. Er schenkte das Haus seiner Tochter Anni. Seither wurde kein Gerstensaft mehr dort gebraut.
In Gaishausen gab es auf dem jetzigen Anwesen Josef Bugl sen. eine kleine Brauerei, in der die Einwohner des Ortes in Krügen ihr Bier holten. Beim Bau der inzwischen abgerissenen Eisenbahnbrücke in Gaishausen haben um 1895 auch die Bahnarbeiter dort ihr Bier geholt. Besitzer sollen die Familien Greindl und Fischer gewesen sein. Um die Jahrhundertwende muß die Brauerei aufgegeben worden sein.

Wie bei vielen Wassermühlen unserer Heimat, so hat auch bei den kleinen Brauereien die Konkurrenz der Großbetriebe die Aufgabe des Braubetriebs bewirkt. Kleine Brauereien wurden unrentabel und mußten geschlossen werden.

Hotel und „Landgasthof zum Bergerbräu“

 

Landgasthof „Zur Rutschn“
Industrieansiedlungen – Betriebe

1. Bekleidungsfirma Walker
Im Herbst 1959 wurde die Kleiderfabrik Walker in Steinburg gegründet. Nach vielen Verhandlungen zwischen Betriebsinhaber, Gemeindeverwaltung und Betriebsleitung konnte eine Einigung erzielt werden. Im November 1959 konnte im Saal der Brauerei Berger, der vom damaligen Bürgermeister Alfons Berger freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, die Produktion anlaufen. Bald jedoch ging der Betrieb daran, einen Neubau bei der Brücke über den Bogenbach zu errichten. Im Juni 1962 wurde der erste Spatenstich zum Fabrikbau getätigt, und im Herbst 1963 erfolgte der Umzug aus dem Tanzsaal in das neue Gebäude. In den Anfangsjahren beschäftigte der Betrieb zwischen 70 und 90 Näherinnen. Zeitweise wurden bis zu acht Lehrlinge ausgebildet. Die Firma stellte hauptsächlich Herren- und Damen-Popelinmäntel her.
Anfangs der 70er Jahre verzeichnete die Bekleidungsfirma Auftragsengpässe. Die Situation auf dem Bekleidungsmarkt verschlechterte sich dermaßen, daß die Firma im August 1977 den Betrieb einstellen mußte und das Gebäude verkaufte. Nächster Besitzer war Herr Kienitz aus München, der weiterhin in dem Gebäude eine Näherei betrieb. Auch er hatte laufend mit Schwierigkeiten zu kämpfen und mußte im September 1978 Konkurs anmelden. Das Gebäude mit dem Grundstück ging an die Raiffeisenbank Hunderdorf über, die es 1978 an Hermann Dolzer veräußerte. Von April 1980 bis Oktober 1981 wurde das Gebäude vom Kleidergroßhandel Berger gemietet. Der Verkauf aber wurde wegen vieler Schwierigkeiten wieder eingestellt.
2. Drechslerei Mauritz
1982 wurde das Gebäude von der Firma Mauritz aus Ittling erworben und seither als Drechslerei verwendet. Geschenkartikel aus Holz, aber auch industriemäßige Drechslerarbeiten werden dort hergestellt. Im gegenüberliegenden ehemaligen Schulgebäude wurde ein Geschäft für Geschenkartikel eröffnet, in dem neben selbst hergestellten Produkten auch Keramik- und Wachsgeschenke Angeboten werden. Das Familienunternehmen beliefert Kunden in der ganzen Bundesrepublik. Das Gründungswerk Mauritz stand vor der Vertreibung in Böhmen.
3. Holzschnitzerei Pernsteiner
Seit vielen Jahren ist Steinburg auch Sitz einer Holzschnitzerei, deren Besitzer der Künstler und Bildhauer Richard Pernsteiner ist. Aus seiner Werkstatt kommen Kreuze, Madonnen, Heiligenfiguren, profane Darstellungen, die ausschließlich handgeschnitzt sind. Auch Sonderanfertigungen werden entgegengenommen.

Geschäfte und Betriebe früher und heute

Alteingesessene und neue Betriebe und Geschäfte gehörten in der Vergangenheit und gehören in der Gegenwart zum Ortsbild der früheren Gemeinden Steinburg, Au und Gaishausen.
Der in den letzten Jahrzehnten aufblühende Fremdenverkehr forderte die örtliche Gastronomie auf, neue Wege zu beschreiten. Das Hotel „Landgasthof zum Bergerbräu““, zunächst ein Familienbetrieb mit Brautradition, kam über die Familie Berger an den Schwiegersohn Gottfried Höfelsauer und 1987 an die Familie Rüdiger Bahr. Letztere baute die Gaststätte zu einem modernen Landgasthof um. Johann Berger kaufte 1896 die Gastwirtschaft mit der Brauerei, in der bis 1979 Bier gebraut wurde.
Als weitere beliebte Gasthöfe sind die Gastwirtschaft Wagner-Freudenstein in Au vorm Wald, die Gaststätte Karl Solcher in Ehren und das Gasthaus Johann Gierl in Gaishausen zu nennen. Das Landgasthaus „Zur Rutschn“, ehemals im Besitz der Brauerei Berger und dann des Josef Solcher, ist heute Übergangsquartier für Asylsuchende aus verschiedenen. Ländern. Das Gasthaus Gierl kann auf ein traditionelles Bestehen zurückblicken, denn es ist seit 120 Jahren im Familienbesitz. – Das Gasthaus in Ehren verdankt sein Entstehen dem Bau der Eisenbahnstrecke Bogen-Miltach. Es wurde 1894 von Michael Laschinger erbaut und kam 1910 durch Kauf an Xaver Solcher. Bei dieser Familie ist es nun seit 85 Jahren. Um die Jahrhundertwende kehrten dort viele Arbeiter ein, die den Ziegelbaustoff für eine Straubinger Ziegelei aus dem Tegelweiher in Loren zum Verladen zum Bahnhof Steinburg brachten. – Einen Getränkemarkt betreiben zur Zeit Rudi Obermeier in Au und Heinrich Berger in Wegern.
Die Bäckerei Schötz in Schafberg, ebenfalls ein altes Familienunternehmen, versorgte von 1929 bis Ende der 80er Jahre die Umgebung mit Brot und Lebensmitteln. Vorher soll die Bäckerei einem Bäckermeister Michael Buhl und einem Gustl Kiefl gehört haben.
Im Haus an der Brücke über den Bogenbach in Steinburg betrieb vor dem 2.Weltkrieg die Familie Weinzierl eine Krämerei. Vorher war es ein Wirtshaus der Familie Brunner. Über einen Georg Feldmeier kam das Haus an die Familie Alfons Berger. Während des Krieges führte Monika Bielmeier das Lebensmittelgeschäft. Dann richtete der Kaufmann Wilhelm Schroll aus Neukirchen dort eine Filiale ein, die später von Georg Hastreiter aus Hunderdorf übernommen wurde. Ein weiteres Lebensmittelgeschäft und eine Schneiderei betrieb die Familie des Josef Bielmeier in unmittelbarer Nähe des Gasthauses Berger. Ein noch bestehendes Lebensmittelgeschäft finden wir in Wegern. Als Besitzer werden genannt: Anna Solcher, Rita Schötz und Albert Diet1 aus Elisabethszell. In der Nachbarschaft der ehem. Fuchs-Schmiede war ein Lebensmittelgeschäft, geführt von Anna Lipp und bis Anfang der 70er Jahre von Hermine Michel.
In Steinburg (Gasthaus Berger), auf der Rutschn (Josef Solcher) und in Ehren (Gasthaus Solcher) versorgten früher drei Metzgereien die Einwohner mit Wurst- und Fleischwaren.
Früher gehörte zu jedem Bauerndorf auch ein Schmied. Soweit wir zurückforschen können, arbeitete ein Wolfgang Pfeffer als Schmied in Steinburg. Ihm folgte ein Josef Bachmeier, dessen Tochter Maria den Schmied Johann Fuchs heiratete, der die Schmiede übernahm. Mit seinem Tode 1988 starb der letzte Schmied von Steinburg. Eine weitere Schmiede finden wir in Gaishausen. Dort gründete 1939 Johann Dietl eine Schmiedewerkstatt, die nun sein Sohn Johann weiterführt und der eine Landmaschinen-Reparaturwerkstatt angeschlossen hat. Auch Alfons Pflügl betrieb in Wegern früher eine Schmiede, hat sich aber in den letzten Jahren auf einen Kfz-Meisterbetrieb umgestellt. Sein Vater hatte vor ihm dort eine Wagnerei. In Schafberg unterhielt Josef Bugl ab 1948 bis in die 80er Jahre eine Spenglerei mit Wasserinstallation.
Durch die Ansiedlung der Möbelfabrik NOLTE 1952 kam auch ein großer holzverarbeitender Betrieb auf das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Steinburg. Bis zu 650 Arbeiter wurden dort beschäftigt! Entlassungen ab 1986 und die Schließung 1989 beendeten die Produktion. Auf dem Gelände haben sich nun verschiedene Unternehmen niedergelassen. Als Zuliefererbetrieb für die Firma NOLTE wurde 1969 die Schreinerei Hornberger in Haselquanten gegründet. Heute werden von Josef Hornberger jun. und den 16 Mitarbeitern Schreinereiarbeiten für den Bau und Innenausbau sowie Restaurierungen ausgeführt. Josef Schießl unterhält in Au vorm Wald eine Bau- und Möbelschreinerei, in der Fenster und Türen, Holzdecken und Parkettböden entstehen. Einen ähnlichen Betrieb führen Toni Schindlmeier und Franz Xaver Häusler in Steinburg. Noch vor wenigen Jahrzehnten war auch die Schreinerei Huber in Steinburg weithin bekannt. Ein Sägewerk und eine Zimmerei finden wir in Ehren, die von der Familie Dilger betrieben werden.
Der Bruder des Brauereibesitzers Alfons Berger, Ludwig Berger sen., errichtete nach dem Kriege 1945 in Wegern eine Kfz-Werkstätte, in der er 1948 einen Bus aus verschiedenen Fahrzeugteilen zusammenbastelte und damit den Grundstein für ein großes Busunternehmen legte. Jahrzehntelang befuhr er mit seinen Bussen verschiedene Linien. Zu Ausflügen, Urlaubs- und Schulfahrten wurden seine Fahrzeuge gerne in Anspruch genommen. Sohn Ludwig Berger führt das Unternehmen weiter. Eine Tankstelle, die einzige in Steinburg, wurde schon vor vielen Jahren abgebaut. Ludwig Berger sen. war erster „Lloyd-Vertragshändler“ im Landkreis Bogen.
Auch einige Schuhmachermeister waren in diesem Raum zuhause. In Wegern übte Josef Stelzl und in Schafberg Jakob Petzendorfer diesen Beruf aus. Josef Stelzl jun. nimmt heute noch Schuhreperaturarbeiten entgegen. Ein gewisser Josef Breu hatte in Neidau bis in die 30er Jahre eine Schuhmacherwerkstatt. Einige Fuhrunternehmer haben sich in Steinburg niedergelassen. Es sind die die Unternehmer Franz Solcher, Josef Lipp und Franz Höfl mit Reinhard Dorfner. In Gaishausen unterhält Franz Diewald einen Lader-Raupenbetrieb.
Auf Grund landwirtschaftlicher Struktur des Gebietes gibt es in diesem Raum einige Viehhandlungen; die Viehhandlung Max Wagner in Au, die von Willi Wagner in Schafberg und die von Josef Kronfeldner in Grub. Früher waren Willi Solcher und Josef Bugl aus Gaishausen als Viehhändler tätig.
Ein Original besonderer Art war einst der Obst- und Eierhändler Alois Bäumer aus Weinberg.
Den seltenen Beruf eines Faßbinders übte bis in die 60er Jahre Martin Wühr in Au vorm Wald aus.
Die gräfliche Forstdienststelle in Wegern leiteten viele Jahre Georg Huber und nach ihm Johann Petzendorfer Vater und Sohn bis Anfang der 90er Jahre.

1960

 

1961
Stetten, ein Dorf

Nach dem Salbuch des Klosters Windberg von 1629 wird Stetten als Kauf und Schenkung genannt. Nach dem Ankunftsbuch erwirbt das Kloster von Rudolf v. Degernbach in Stetten einen Acker, außerdem von Heinrich ebenda ein Lehen, das er von diesem Rudolf hatte.
Bischof Konrad von Regensburg schenkt 1297 an Windberg ein kleines Gut. 1811 gehörte Stetten zum Steuerdistrikt Hunderdorf, 1921 zu Pfarrei Bogenberg und zur Gemeinde Hunderdorf. Stetten ist 1987 ein Dorf mit 47 Einwohnern.
Im Heimatbuch von Hunderdorf lesen wir: „Der Stettnerhof war ein alter Dienstmannensitz. Seine Anlage ganz die eines reichen niederbayerischen Vierseithofes. Seine Äcker und Wiesen breiteten sich ringsum und alles was heute Stetten heißt, war einst im Besitz dieses Hofes, das bezeugte bis vor kurzem die einzige Hausnummer für ganz Stetten, an die lauter Bruchteile angehängt waren. Als Hoferben des stolzen Besitzers blieben drei stattliche Söhne, aber alle 3 liebten das Bier und eine gute Brotzeit mehr, als ein Mädchen. So blieben sie frei und ledig, und um sich nicht mit dem Kochen plagen zu müssen, holten sie sich beim Brunnerwirt die Brittsuppn mit dem Kesselfleisch und der Suppnwurst. Der Wirt schrieb auf ‚und um die Rechnung rasch zu begleichen, bezahlten sie von Zeit zu Zeit mit Tagwerken. Der Hof wurde kleiner, die Arbeit weniger, sie bekamen es schöner. Die Äcker des Brunnenwirt vermehrten sich und einer davon trägt heute noch den Namen Brittsuppenacker. Sie selbst begriffen erst als es zu spät war, dann gingen sie zum Brunnenwirt um den Türstock zu messen; denn sie konnten es nicht glauben, dass der ganze Hof durchgegangen war. Um 1860 kaufte ein Boiger den restlichen Hof, der noch heute in Familienbesitz ist.“
Stetten 1955: Dorf mit 11 sehr zerstreuten Anwesen, liegt 360 m hoch an der Straße Hunderdorf-Bogen, 2 km südwestlich von Hunderdorf, z. T. in der Senke des ehem. „Hunderdorfer Sees“, z. T. auf einer Anhöhe. Die Quelle des Stettener Baches befindet sich am Fuße des Lintacher Höhenzuges. Gute Humuserde auf lehmigem Untergrund, nasse Wiesen. Name: Plural von Statt = Stelle, wo etwas steht oder Ort schlechthin, 1646 Stetten,

Stockwies, eine Einöde

Nach dem Hofanlagebuch wurde die Einöde Stockwies erst 1811 genannt und hatte zwei uneingehöfte Häusl und gehörte zum Steuerdistrikt Hunderdorf.
1987 hatte Stockwies 10 Einwohner.
1955: 329 m Höhe, 2 Häuser, 500 m nördlich von Hunderdorf, an Oberhunderdorf anschließend, am Fußweg nach Gaishausen, am Bogenbach. Name: Wiese mit Baumstrunken, 1824 Stockwies, Volksmund Stogwies.

Thananger, ein Dorf

wurde erstmals 1811 im Steuerdistriktsverzeichnis erwähnt. Das Dorf hatte 11 uneingehöfte Häusl. Es gehörte zum Steuerdistrikt Hunderdorf, 1821 zur Pfarrei und Gemeinde Hunderdorf. Thananger hatte 1987 77 Einwohner.
Bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts lieferte Hafnermeister Johann Feldmeier und dann sein Nachfolger Paul Feldmeier Blumentöpfe an den Einzelhandel und die Gärtnereien.
1150 tanegen, tanin, 1305 tünin, 1484 Tunigen. Diese alten Formen erscheinen durchaus rätselhaft, vielleicht von tan, Tannach, Tanne, Tanich = Ort mit viel Tannen.
Thananger 1955: Das Dorf Thananger liegt 1 km nordwestlich von Hunderdorf, längs des Gemeindeweges nach Gaishausen, 15 Häuser. Die 5 ersten Häuser wurden 1938 als Siedlungshäuser gebaut. Im alten Thananger befand sich eine Töpferei, in der aus dem Lehm der Umgebung Blumentöpfe hergestellt wurden. Die Trockenräume faßten 20.000 Töpfe. Fast alle Gärtner Niederbayerns bezogen hier ihre Gartentöpfe.

Wegern, ein Dorf

In Wegern waren 1760 6 Anwesen, von denen 2 je 1/4 (Wagner, Zislberger) und 4 je 1/16 der Hofmarksherrschaft Steinburg grundbar waren. 1811 gehörte der Ort zum Steuerdistrikt Windberg.
Wegern: Dorf südlich an Steinburg anschließend, 1981 mit 158 Einwohnern, Gelände nach Nordosten ansteigend.

Weinberg, eine Einöde

Diese Einöde gehört zu den späten Gründungen in der Gemeinde Gaishausen. Der Ort ist 1831/32 zum ersten Male aufgeführt
Weinberg 1955: Die Einöde liegt 466 m hoch am Südhang des Weinberges (Lintacher Höhenzug), 4 km nordwestlich von Hunderdorf, Gipfel und Nordhang des Weinberges sind bewaldet. Am Nordfuße des Weinberges läuft der Ellaberger Bach. Vermutlich wurde an der sonnigen Südseite des Berges einmal Wein gebaut. 1841 Einberg,Volksmund Weiber, 1981 8 Einwohner.

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