Windberg erleben Sehenswürdigkeiten des Klosterdorfes

Windberg erleben

Rundgang zu den Sehenswürdigkeiten des Klosterdorfes

Wer von Straubing oder Bogen aus eine Fahrt in den Bayerischen Wald unternimmt, wird schon von weitem auf stolzer Höhe Turm und Kirche des Klosterdorfes inmitten der Häuser erblicken. An der Kreuzung beim Gasthof Sandbiller in Hunderdorf zweigt die Straße ab und bringt uns in das Bergdorf.
Windberg ist reich an geschichtlichen Sehenswürdigkeiten und eine Fundgrube für jeden kunsthistorisch interessierten Urlauber und Wanderer. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts erlebte der Ort eine geschichtliche Renaissance und wurde zum Schmuckstück des vorderen Bayerischen Waldes.
Dieses Büchlein soll allen, die Windberg besuchen, ein Wegweiser zu den Sehenswürdigkeiten des alten Klostersdorfes sein. In Wort und Bild werden alle bedeutenden historischen Objekte aufgezeigt. Ein beschriebener Rundgang erleichtert das Auffinden dieser Objekte auf kurzem Wege und in kurzer Zeit.
Am Dorfplatz ist eine gute Möglichkeit gegeben, das Fahrzeug abzustellen; hier beginnt auch der beschriebene Rundgang.

1. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude

des Klosters fallen dadurch auf, dass die einzelnen zusammengebauten Häuser des langen Wohnblocks farbenfroh getüncht sind. Sie sind heute in privatem Besitz. Hier beginnt der Rundgang.
Wenn auch Windberg nie zu den reichen Klöstern gehörte, konnte es in Windberg doch einen Gutskomplex von 243 Tagwerk Wiesen, 132 Tagwerk Felder und 1024 Tagwerk an Wäldern aufweisen. Zu ihm gehörte die Klosterökonomie Windberg und das Pfarrwiddum Hunderdorf. Die „Ehhalten“ waren 1 Hofmeister, 1 Aufseher, 4 Knechte, 4 Baumeister, 2 Mitgeher, 4 Hüter, 1 Kuchlmensch, 1 Hennermensch, 1 Hofmeisterin, 3 Dirnen, 1 Saumensch und 6 Taglöhner.
Bei der Säkularisation 1803 wurde der gesamte Besitz des Klosters zertrümmert und an Private verkauft.

Das ehemalige Wirtschaftsgebäude

2. Das ehemalige Richterwohnhaus

Am Ende des Wohnblocks, links vor dem Klostertor, steht das ehemalige Richterwohnhaus mit dem Giebel zur Straße. Nach 1803 diente es bis 1873 als Schulhaus und bis nach dem letzten Krieg als Lehrerwohnhaus. Darin befand sich auch ein Jugendheim, in dem Stottererkurse abgehalten wurden und Jugendliche aus dem Saarland Erholung fanden. Seit 1974 ist das Gebäude im Privatbesitz und dient als Wohn- und Gasthaus

3. Friedhofskappelle St. Maria

An der Nordseite der Pfarr- und Klosterkirche befindet sich die Friedhofkapelle St. Maria. Sie wurde im Jahre 1451 errichtet und ist durch den berühmten Abt des Klosters Albert von Pärching gegründet worden.
Die Kapelle dient nun als Leichenhaus und ist kunsthistorisch der Spätgotik zuzuordnen. Die ursprünglich kreuzförmig an der Decke, zusammenlaufenden Säulenrippen wurden bei der Renovierung im Jahre 1726 abgeschlagen, um Platz für die Deckenfresken zu schaffen. Im Mittelabschnitt sind die zwei Hauptfresken.
Auf der östlichen sieht man die Heilige Dreifaltigkeit mit Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Auf dem westlichen Fresko wird die Verkündigungsszene dargestellt. Der Erzengel Gabriel grüßt Maria mit den Worten ,“Ave Maria“ und verkündet, dass sie Christus gebären wird. Die Fresken sind kunsthistorisch dem Barock und dem Rokoko zuzuordnen und sind unter Abt Schmidbauer geschaffen worden.
Sehr interessant ist auch der Grabstein des Bernhard Gerstacker, da dieser die Säkularisation miterlebte. Die Kapelle hat Großteile ihrer Ausstattung verloren. Zum Beispiel ist der Hochaltar von 1725, den Bruder Fortunat Simon gemacht hat, im Jahre 1953 nach Breitenhausen bei Loham verkauft worden. Auch stand hier ursprünglich der frühmittelalterliche Grabstein der Irmengard von Allenkofen. Er ist jetzt im Regensburger Stadtmuseum zu besichtigen.

Freidhofskapelle St. Maria
Relief über Ostportal
4. Die Pfarr- und Klosterkirche

Weithin ragt die Kirche von Windberg über die Klostergebäude hinaus. Es ist eine romanische Pfeilerbasilika mit drei Schiffen im sog. Hirsauer Stil, mit östlich gerichtetem Querschiff in der Breite des Mittelschiffes und mit drei Chorabsiden, die halbkreisförmig gebaut wurden und von denen die nördliche abgebrochen worden ist. An und für sich waren zwei Türme vor dem Querschiff geplant, aber nur der nördliche kam zur Ausführung. Die Kirche ist ein wuchtiges Gotteshaus, das aus schweren Granitblöcken aufgeführt ist. Es wirkt von außen für den Betrachter wie eine Festung, in die

Pfarr- und Klosterkirche

sich die Mönche zurückgezogen haben könnten. In ihrer herben Strenge bietet die Kirche aber dem Interessenten eine unerwartete Fülle an Originalität und Urwüchsigkeit. Sieht man über die eben neu erbaute breite Steintreppe zu ihr hinauf, fällt das doppelt gestufte romanische Hauptportal mit einem sehenswerten Kapitäl auf, das mit Ornamenten und Figuren reich verziert ist.
Im Innern führen acht Langhausarkaden zum Chor hin. An der Nordmauer neben der 1804 abgebrochenen Seitenapsis ist ein vermauertes romanisches Portal zu sehen. Der Chor hat sein ursprüngliches Tonnengewölbe und steht etwas höher. Der Kreuzaltar steht jetzt an der Stelle eines mittelalterlichen Lettners.
Darüber ist über den später geschaffenen gotischen Bogen, auf dem Dachboden der ursprüngliche, romanische Bogen erhalten.
Die Vierung wird überdacht von einer hölzernen Flachkuppel, die aus dem 18. Jahrhundert stammt. Querschiff und Mittelschiff zeigen ein Sternengewölbe, wie es im frühen Rokoko üblich war.
Die Fenster sind fast alle mit einer glockenförmigen Ausbuchtung barockisiert worden (um 1750).
Die romanischen Kapitäle der Langhauspfeiler und der Pfeiler in der Vierung sind mit bescheidenem Stuck verziert und im 13. Jahrhundert überkleidet worden.
Der Hochaltar von Fr. Fortunat, eingebaut in die Chorfenster, ist eine beachtenswerte Schöpfung des Frührokoko, bald nach 1735.
Nach H. Kalm

Inneres der Pfarr- und Klosterkirche

Am Hochaltar die um 1600 entstandene Marienfigur: Die Frau mit der Sonne umkleidet. Links steht die Figur des sagenhaften Einsiedlers Winith, rechts die des Grafen Albert von Bogen mit dem Stiftungsbrief. Der Tabernakelaufbau, bekrönt von der hl. Dreifaltigkeit mit den hll. Petrus und Johannes, ist vermutlich von M. Obermayer. An den beiden Kredenzaltären, die vermutlich auch von Fr. Fortunat stammen, sehen wir links St. Veit im Ölkessel, oben St. Andree, rechts die Folter des hl. Nepomuk, oben St. Michael. Im südlichen Querschiff ist eine barocke Altarmensa mit einer Statue des heiligen Ordensstifters Norbert. Im nördlichen Querschiff steht ein kleiner Mariahilf-Altar von  Fr. Fortunat von 1715. Die Durchgänge zu den Ostjochen sind von den Altaraufbauten von Fr. Fortunat eingerahmt, es sind wohl die Vorläufer zusammen mit den erwähnten Kredenzaltären – der 1756 errichteten Obermayerschen Seitenaltäre.
Das Gehäuse der Orgel ist von 1674, es war wie die gleichaltrige Orgel ursprünglich schwarz und gold gehalten, wurde aber wie diese 1755 im Rokokogeschmack neu überholt. Die Orgel selbst wurde 1970 ganz erneuert. Es finde hier regelmäßig gutbesuchte Konzerte statt.

Die Deckenfresken, je über zwei Joche verteilt, stellen im Langhaus die Verkündigung an die Hirten, ihre Anbetung und den Zug der drei Weisen dar. Dazwischen künden Inschriften: Nach Geburt des Herrn 1120. Geburt des Odens: Nach Erscheinung des Herrn 1125: Gründung dieses Klosters.- Nach Christi Geburt 1755: Renovierung dieses Gotteshaues. Das Fresko im südlichen Querschiff: Aufbahrung des hl. Norbert, im nördlichen: seine himmlische Glorie. Die in rot gehaltenen Gemälde an den Arkadenbogen des Langhauses stellen Heilige des Prämonstratenserordens dar. In der Vierung Maria Himmelfahrt, im Chor die staunenden Apostel am leeren Grabe. Per Kreuzweg ist von Obermayer lebendig und originell mit fein getöntem Stuck umrahmt, die Leidenssymbole und Engelsgebärden sind jeweils geistvoll variiert.
Am Ende es südl. Seitenschiffes, beim Durchgang zum Pfarrhof, ist ein Ölberg mit zahlreichen, heute verschwundenen Erdreliquien aus dem Hl. Land. Die Sakristei birgt die berühmten eingelegten Schränke, von Fr. Fortunat (1722-24).

Romanischer Taufstein

In der Apsis des rechten Seitenschiffes der Windberger Kirche steht für den Kirchenbesucher etwas versteckt ein Kunstwerk romanischer Bauplastik, ein Taufstein. Er ist ein kunstgeschichtlich überaus wertvolles Denkmal der spätromanischen Plastik des Regensburger Kunstkreises. Das rein künstlerische Niveau wird durch unverkennbare Handwerklichkeit bestimmt. Als Entstehungszeit sieht die neueste Forschung das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts an. Der Taufstein aus Kalkstein war einst bemalt, geringfügige Farbspuren sind noch zu erkennen. Höhe 0,95m.
Auf vier derben Bestien lastet das mächtige Becken, in dessen konische Außenfläche der reiche Reliefschmuck versenkt ist: die sitzenden zwölf Apostel in einer umlaufenden Arkatur. Die gedrückten rundbogigen, mit Dreiblättern ausgezwickten Archivolten ruhen auf verschiedenartig behandelten Säulchen. Diese haben attische Basis mit Eckknollen bzw. Würfelbasis mit Eckfasen und Wulstring. Die Säulenschäfte sind achteckig. Die Kapitelle sind würfelförmig; einfache Formen wechseln in freiem Rhythmus mit Blattkapitellen.
Das Becken umläuft oben ein verschlungenes Wellenband. Die Apostel sitzen in strengster Frontalansicht, Sessel kommen nicht zur Darstellung. Die Figuren tragen lange Röcke, die die Schuhe großenteils überdecken.
Bei der Darstellung der Gewänder geht das Streben auf eine bewegungsvolle Innenzeichnung innerhalb des großformatigen, strengeren Umrisses. Die Hände, mit wenig differenzierten Gesten, zumeist lehrend angehoben bzw. ein Buch tragend bleiben dicht am Körper.
In den ernsten Köpfen waltet das Streben nach Herausarbeitung verschiedentlicher Physiognomien.

Taufstein
Windberger Portale, romanische Kunstwerke

Die Errichtung der beiden Außenportale an der Windberger Kirche, die die West- und Nordseite zieren und zu den interessantesten Stücken romanischer Bauplastik gehören, fällt in die Zeit kurz nach 1220. Das Material ist grobkörniger Granit des Bayerischen Waldes, der schwer zu bearbeiten ist. Mit Ausnahme von Passau und Niedernburg wurde Granit nirgends innerhalb der romanischen Plastik verwendet.
Über die vor Jahren errichtete vielstufige Freitreppe gelangen wir zum mächtigen Hauptportal. Das Bogenfeld enthält drei Relieffiguren. In der Mitte thront auf einem Faltstuhl die Gottesmutter mit dem Kinde, in der rechten Hand eine Kugel haltend und flankiert von Sonne und Mond, während ihr zur Rechten ein Mann in langem Rock und ärmellosem, gegürtetem Wams kniet. Er soll den Stifter Graf Albert IV. von Bogen darstellen. Auf der anderen Seite wird eine Frau in gegürtetem Ärmelrock frontal gezeigt. Es ist wahrscheinlich die Gemahlin des Stifters, Gräfin Hedwig, die spätere Gründerin des Frauenklosters Windberg.
Dieses handwerkliche Relief mit den lebendig dargestellten Figuren und Gewändern deutet auf eine entwickelte Stilstufe und wird der Spätromanik zugeordnet.
Das Portal ist zweimal gestuft. Dazwischen erheben sich schlanke Rundsäulen, ebensolches ist dem Portalgewände vorgestellt. Der obere Abschluß dieser Säulen (die Kapitelle) ist von reicher Gestaltung: ein kosendes Liebespaar,

Westportal
Nordportal

schnäbelnde Vögel und zwei Löwen mit gemeinsamem Kopf. Die vorderen Säulen mit Blätterkehlchen zeigen Eckköpfchen und Blumensterne. Der Türsturz ist mit Ranken und Dreiblattpalmetten geziert. Die schweren Eichentüren sind 3,61m hoch und 1,82m breit, die Gesamthöhe eines Portals beträgt rund 5,70 m.
Der eigentliche Zugang zur Kirche befindet sich im Norden. Das Nordportal ist mit dem Bogen 4,30m, die Tür 2,60m hoch. Es ist einmal gestuft, die Stufe mit einer glatten Rundsäule ausgesetzt. Über den Säulen reich verzierte Ornamente. Im Bogenfeld, über dem mit Schlingornamenten verzierten Sturz, schreitet ein riesiger Löwe gegen einen Mann, der sein Schwert aus der Scheide zieht. Das Relief stellt den Kampf des Guten mit dem Bösen dar. Die Augen des Löwen waren einst mit Glasperlen besetzt.
Die Säulen und die Türpfosten haben attische Basis, bei den ersteren mit Eckknollen. Die Außenkanten des aufgehenden Gewändes sind profiliert: Eine Kehle steht zwischen zwei Stäben. Über den Säulen laufen skulpierte Kapitellzonen durch das ganze Gewände, auch noch ein Stück auf die Mauerflucht übergreifend. Das Ornament wechselt; wie im Regensburger Kunstkreis üblich, bei jedem Einzelglied des Gewändes: Über den Säulen sitzen Kompositkapitelle, über den Außenkanten Blattwerkreihungen mit Ausnahme der Bekrönung der linken Kante, die zwei symmetrisch gestellte Vögel zieren.
Am Westportal befinden sich zwei metallene Türöffner, am Nordportal einer, in Gestalt eines Löwenkopfes mit Halteschlingen im Maul.

Westportal
Nordportal
5. Ehemalige Abtei, jetzt Pfarrhof

Steigen wir die breite Treppe vor dem Hauptportal der Kirche hinunter, so sehen wir linkerhand den heutigen Pfarrhof, der früher die Wohnung des Abtes war.
Der auf die Spätgotik des frühen 16. Jahrhunderts zurückgehende Bau ist eine schlichte, zweigeschossige Anlage. Am nördlichen Teil springt im Obergeschoss ein rechteckiger Erker mit Pultdach und stichbogigen Fenstern aus. An der Unterseite stark vortretende Rippen.
Im Innern barocke Kreuzgewölbe. Nördlich vom Stiegenhaus im einem kleinen Saal die Gedenktafel der Äbte mit Bildnis und Lebensdaten. In der Nordostecke eine interessante Holzstiege der späten Gotik etwa um 1530. Barocke Türen, einige Ölgemälde und Grabplatten sind interessant.

Prälatenstock
Äbttafel
6. Das Kloster in Windberg

Aller Wahrscheinlichkeit nach entstand das Kloster an der zu Ehren des Ensiedlers Wilhelm errichteten Kapelle. Graf Albert I. von Windberg/Bogen und seine Frau Hedwig dürfen als Gründer des Prämonstratenserklosters Windberg angenommen werden. Der Werdegang Windbergs erstreckt sich auf den Zeitraum von 1125 bis 1142. 1146 bekam das junge Kloster die Bestätigung durch Papst Eugen III. Im gleichen Jahr weihte Bischof Heinrich I. von Regensburg Propst Gebhard zum Abt.
Im 30-jährigen Krieg hausten die Schweden wie die Vandalen im Kloster. Sie plünderten den Konvent und ermordeten einige Mönche. Unter Abt Michael Fuchs begann der Aufbau des zerstörten Klosters. Bei der Säkularisation 1803 wurde das Kloster aufgehoben und sollte 120 Jahre ohne mönchisches Leben sein. Der Klosterbesitz wurde zertrümmert und verkauft, Teile des Klosters wurden abgerissen. Der Konventbau wurde zu einer Brauerei und zu einem Gasthaus erniedrigt. Zu den Besitzern zählten Baron Berchem vom Schloss Steinburg, Grab Bray von Irlbach, Baron Schrenk von Haggn und zuletzt ein Josef Hausler.
Dem unermüdlichen Einsatz des Pfarrers Kugler ist es zu danken, dass 1923 das Kloster in die Hände der Prämonstratenserabtei aus Holland kam und somit ein Neuanfang eingeläutet werden konnte. Ein erneuter Wiederaufbau über Jahrzehnte begann. Heute ist das Kloster ein Schmuckstück des Ortes Windberg. Michael van der Hagen wurde zum 1. Prior nach der Wiedergründung. Seit 1976 fungiert Thomas Handgrätinger als Prior und Abt des Klosters.
Die Patres der Prämonstratenserabtei sind im Dienste der Seelsorge im Bistum Regensburg an vielen Orten tätig.

Südansicht
7. Der Samariterbrunnen

Im östlichen Außenhof (Klostergarten) steht einer der drei schönen Brunnen des Klosters Windberg, der Samariterbrunen, auch Kloster- und Jakobsbrunnen genannt. Die aus Granit gefertigte Anlage stammt aus der Übergangszeit zur Renaissance und wurde 1513 vollendet. Abt Paulus ließ diese spätgotische Anlage errichten, erlebte jedoch ihre Fertigstellung nicht, da er vorher starb. Den Brunnen bekrönen die Figuren Christi und in bürgerlicher Zeittracht gekleidete Samariterin. Der weniger schöne Betondeckel entstammt der jüngeren Zeit.


Samariterbrunnen
8. Bettenhaus der Jugendbildungsstätte

Am Samariterbrunnen vorbei gelangen wir durch das hintere Klostertor zu dem Abt-Gebhard-Haus. Es ist dies das neue Bettenhaus der Jugendbildungsstätte des Klosters Windberg. Es wurde 1991 eingeweiht. Bis zu dem Bau wohnten die Jugendlichen und Ordensleute Tür an Tür unter einem Dach im Klostergebäude. Damals hatten sich die Patres auf einen Flügel des Hauses zurückgezogen, um die Idee eines Jugendhauses verwirklichen und die nötigen Räume bereitstellen zu können. Der Nachwuchs im Kloster hatte jedoch bald zu wenig Platz für die eigenen Mitbrüder, so dass man sich zum Bau des Bettenhauses für die Jugendlichen entschloss.
Der Neubau ist ein energietechnisches Pilotprojekt. In den Augen des Betrachters hat das Haus ein fremdartiges und ungewohntes Aussehen. An der Südfront bieten alle Zimmer durch die großen Fenster eine herrliche Aussicht auf die Ausläufer des Bayerischen Waldes und die Donauebene. Vom Erdgeschoss aus erreicht man wegen der Hanglage einfach sowohl das Untergeschoss wie auch das erste Stockwerk. Die darin wohnenden Jugendlichen finden die drei Ebenen des Hauses als ideal für die Unterbringung von drei verschiedenen Gruppen. Das Haus ist behindertengerecht gestaltet und auch für Rollstuhlfahrer bequem befahrbar. Das Kloster hat mit dem Bettenhaus eine gut funktionierende Unterkunft für Jugendliche geschaffen.

Abt-Gebhard-Haus, das neue Bettenhaus der Jugendbildungsstätte
9. Der ehemalige Gaststock des Klosters

Gegenüber vom Pfarrhof, der ehemaligen Abtei, fallen einige niedrige Gebäude auf. Es sind dies Häuschen, die bis 1803 als Gaststock des Klosters bezeichnet wurden. Darin brachte man Besucher und Gäste der Prämonstratenser unter, wenn sie mehrere Tage zu Windberg weilten. Dieser ehemalige Gaststock ist ein langgezogener Barockbau, der nach der Säkularisation in private Hände kam und seither vielfach umgebaut wurde.

10. Der Blasiusbrunnen

Vor dem Pfarrhof steht der größte der drei schönen Brunnen Windbergs, der Blasiusbrunnen. Auf zweistufigem Podest ein quadratisches Steinbecken, in dessen Mittelpunkt sich eine kräftige Säule erhebt. Sie wird von einer Steinfigur des hl. Blasius bekrönt. Sie wurde im Jahre 2000 neu aufgestellt, da die alte Figur schon unkenntlich verwittert war.
Die Zwischenfelder des Beckens haben Rechteckblenden mit seitlichen Ausbuchtungen. In einer dieser Blenden die Inschrift SAAW (Sabinus Aigemann Abbas Windbergensis) 1633. Demnach wurde der Brunnen mitten im 30-jährigen Krieg errichtet.

Gaststock
Blasiusbrunnen
11. Ehemalige Kanzlei und Handwerkerhaus

Am Pfarrplatz fallen zwei Gebäude noch besonders auf. Es sind dies die ehemalige Kanzlei und das ehemalige Handwerkerhaus. Beide wurden im Jahre 2000 von der Gemeinde Windberg in das Sanierungsprogramm aufgenommen. Im Rahmen der Dorfsanierungsmaßnahmen sind noch weitere Objekte in Angriff genommen worden. So war die logische Folge, dass Windberg mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet wurde.
Die ehemalige Kanzlei fällt durch ihr hohes Dach auf, deren nördliche noch die spätgotischen Treppen bewahrt hat. Dieser Treppengiebel bestimmt ganz wesentlich das mittelalterlich anmutende Architekturbild mit, das Windberg von Nordwesten her bietet.
Das Handwerkerhaus, einst eine Schmiede, ist ein zweigeschossiger, rechteckiger Bau mit steilem Walmdach aus dem frühen 17. Jahrhundert. In der Südostecke wurden Reste eines romanischen Baues, vielleicht eines Portales, als Eckquadern vermauert.

12. Der Wirtsbrunnen

Unser Rundgang erreicht nun unweit des Blasiusbrunnens den Wirtsbrunnen vor dem Windberger Amtshaus. Es ist ein ehemaliger Ziehbrunnen mit der Jahreszahl 1718 auf dem Holm (wohl Restaurationsdatum). Dieser Brunnen lieferte früher das Wasser für das ganze Dorf. Auch in der Dürrezeit in den 50-ger Jahren des 20. Jahrhunderts haben die Windberger dort ihr Wasser bezogen.

Wirtsbrunnen
13. Das ehemalige Richteramtshaus

Nun stehen wir vor dem Amtshaus (Gemeindehaus) von Windberg, dem ehemaligen Richteramtshaus. Nach einer Steintafel im Hausflur wird das Erbauungsjahr mit 1175 angegeben. Es war ein romanischer Bau, auf dessen Grundmauern 1502 ein Neubau errichtet wurde. Diese Anlage fand 1728 eine Erneuerung. Das im Jahre 1997 sanierte Gebäude wurde schon im 18. Jahrhundert als Gasthaus verwendet.
Der zweistöckige Bau ist gekennzeichnet durch das steile Satteldach zwischen zwei Treppengiebeln. Über dem spitzbogigen Eingang sehen wir in einer rundbogigen Flachnische einen herausgearbeiteten Bildniskopf mit der Jahreszahl 1502. Im oberen Stockwerk befindet sich der ehemalige Gerichtssaal, in dem früher Gericht gehalten wurde.
Im Flur finden wir eine Tafel mit den Anfangsbuchstaben eines Spruches:
W.L.S.D.U.N.N.A.D.E.J.A.D.L.K.M. O.R.R.R.G.I.H.U.D.B.K.W.D.O.R.N.R.R.M.D.S. W.G.R.R.D.
Nach Tradition lautet der Spruch: Wir leben so dahin und nehmens nicht in acht, dass ein jeder Augenblick das Leben kürzer macht.- O Richter, richte recht, Gott ist Herr und du bist Knecht; wenn du o Richter nicht recht richtest mich, so wird Gott recht richten dich.
Nach der Aufhebung des Klosters 1803 wurde der letzte Richter Samuel Zizmann beauftragt, das Kloster zu zertrümmern und zu verkaufen. So kam auch das Richteramtshaus und das Richterwohnhaus an Private. Von den überlieferten Besitzern sind bekannt: Georg Wiesgrill, Peter Hacker, Xaver Greindl, Josef Deschl, Rosina Deschl, die Familie Sandbiller und die Gemeinde Windberg. Bis nach dem letzten Krieg gehörte zur Gastwirtschaft auch eine Landwirtschaft. 1951 wurde an der Westseite des Gebäudes ein Wohntrakt mit drei Wohnungen angebaut.
Nachdem das Haus einige Jahre leer stand und zu verfallen drohte, kaufte die Gemeinde Windberg das Projekt, um darin die Gemeindeverwaltung und einen Kindergarten unter zu bringen. Bei der Sanierung des Gebäudes wurde der westliche Wohntrakt wieder abgebrochen.

Richteramtshaus
14. Ehemaliges Gefängnis

Im Hause Kittenhofer, gegenüber des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes, wurden Straffällige bis zu ihrer Verurteilung durch den Klosterrichter in diesem Gefängnis eingesperrt. Im Keller des Hauses ist noch eine niedrige Nische zu sehen, in der diese bedauernswerten Menschen auf ihr weiteres Schicksal ausharren mussten. In der heutigen Küche stand auch eine Säule, an der die Sünder angekettet wurde.

15. Windberger Klosterladen

Im renovierten ehemaligen Meierhof der Abtei, im Siebauerhaus, hat das Kloster seit dem Jahre 2001 einen Klosterladen eingerichtet.
Angefangen von religiösen Büchern über frauen- und männerspezifische religiöse Literatur, über Windberger Grußkarten sowie spezielle religiöse Gebrauchsgegenstände wie Kreuze und Ikonen bis hin zu handgemachten Kerzen aus der Herstellung von Klöstern und CDs mit dem Schwerpunkt „Musik aus Prämonstratenserklöstern“ und handgearbeiteter Keramik mit dem Windberger Abteiwappen: Verlockende Dinge wie Liköre aus einem französischen Kloster und für Teeliebhaber verlockende Teesorten des österreichischen Kräuterpfarrers und Prämonstratensers Hermann-Josef Weidinger, werden im Laden angeboten.

Kittenhoferhaus
Klosterladen
16. Die Nepomukkapelle

Am Eingang des Dorfes steht an der Kreuzung der Straße nach Hl. Kreuz die St. Nepomukkapelle. Sie ist zweifellos die schönste Kapelle, die aus der Zeit des alten Klosters erhalten geblieben ist. Das im Jahre 1733 erbaute Kunstwerk aus der Zeit des Abtes Norbert Schrank (1732-35) ist die letzte der vielen Kapellen, die einstmals in Windberg zu finden waren.
Die Verehrung des hl. Nepomuk kam aus Böhmen nach Bayern. Als Domherr in Prag prangerte er die Lebensweise König Wenzels IV. an. Weil er als Beichtvater der Königin, sie war eine bayerische Prinzessin, das Beichtgeheimnis nicht brechen wollte, wurde er gefoltert und schließlich in der Moldau ertränkt.
Im Jahre 1880 hatte die Gemeinde die Kapelle restaurieren lassen. Damals hielt man beim Feste des Heiligen am 16. Mai alljährlich einen Monat lang abends an der Kapelle eine Volksandacht, die aber später mehr und mehr durch die Maiandachten verdrängt wurde.
Pater Norbert Backmund war es zu danken, dass die Kuppel, die bis dahin mit Sternen bemalt war, vom Kunstmaler Fabius von Gugel mit einem prächtigen Fresko geschmückt wurde. Es stellt den Heiligen in der Glorie dar und passt sich dem barocken Charakter der Kapelle trefflich an.

St. Nepomuk-Kapelle
17. Kirche Hl. Kreuz

Wer den Weg in den Bayerischen Wald über Hunderdorf nimmt, erblickt schon von weitem auf der Höhe das farbenprächtige Gebäude der Kirche zum Hl. Kreuz.
Die Anlage ist eine unregelmäßige Gruppe von zusammenhängenden Gebäuden. Westlich der Kirche befindet sich gleich beim Eingang die Klausnerwohnung. Links vom Eingang zum Kirchenraum ist die hl. Stiege. An die Westmauer lehnt die Marienkapelle; sie ist nach Norden gerichtet.
Bemerkenswert ist im Innern der Kirche das Holzkruzifix über dem Altar. Der von Strahlen umgebene Korpus ist eine interessante Schnitzarbeit aus dem 14. Jahrhundert. Es ist eine Stiftung von Pfarrer Seidenbusch , dem die Entstehung der Wallfahrt zu verdanken ist. Am Altar noch die Figuren St. Magdalena, St. Maria .und St. Johannes Evangelista. Das zweiteilige Orgelgehäuse ist im Stile um 1700 errichtet. Die ganze Kirche ist reich an Wandmalereien mit Muschelwerkrahmen eingefasst. Hinter dem Altar eine Landschaft der Stadt Jerusalem, seitlich die beiden Schächer am Kreuz. An der nördlichen Chorwand die Beweinung Christi, an der südlichen St. Theresia, welcher der Heiland erscheint.
Die Andachtsstätte zum Hl. Kreuz verdankt ihre Entstehung dem Pfarrer und Dekan von Aufhausen, Johann Georg Seidenbusch, einem Freund des früheren Abtes Franziskus Knott. Im Jahre 1692 ruhte sich Pfarrer Seidenbusch auf einem Felsen in der Nähe von Windberg aus. In Betrachtungen verloren, überfiel ihn ein leichter Schlummer, in welchem ihm träumte, er sähe seinen Pfarrort Aufhausen. Nach dem Erwachen erblickte er tatsächlich den Turm seiner Pfarrkirche. Von dieser Entdeckung überrascht und angezogen von der schönen Aussicht, machte er ein Kreuzlein aus Birkenzweigen und steckte es neben den Stein in die Erde. Nach Windberg zurückgekehrt, gab er seinem Freunde

Hl. Kreuz

Knott einen Dukaten mit der Bitte, an der besagten Stelle ein großes Kreuz errichten zu lassen. Dies wurde dann auch in feierlicher Weise unter Beteiligung vieler Andächtiger aufgestellt. In eine Öffnung des Kreuzes setzte Pfarrer Seidenbusch einen Partikel vom hl. Kreuz des Erlösers ein.
Von da an wurde der Ort Ziel vieler Christen, die in verschiedenen Anliegen hierher wallfahrteten. Viele fanden auf wunderbare Weise Trost und meistens die gewünschte Hilfe durch ihr andächtiges Gebet, so daß sich Prälat Knott veranlasst sah, statt des bescheidenen Kreuzes ein Kirchlein zu Ehren des hl. Kreuzes zu erbauen.
Im Jahre 1695 wurde dann das heute noch stehende Kirchlein erbaut. Dekan Seidenbusch stiftete ein Bildnis des Gekreuzigten, das über 200 Jahre zu Regensburg unter einem Schutthaufen gelegen sein soll. Abt Augustin Schmidbauer fügte noch drei Statuen hinzu) und Abt Joachim Eckmann ließ 1784 die Kirche mit Freskomalereien versehen. 1803 fiel die Kirche der Säkularisation zum Opfer und kam in Privatbesitz. 1836 kaufte die Gemeinde Windberg die Baulichkeiten zurück. Im Mai des gleichen Jahres gestattete ein königliches Reskript die Wiedereinrichtung zum Gottesdienst. Obwohl in den 30 Jahren der Besitzer Martin Amann das Kirchlein geschont hatte, war die Kirche in einem fürchterlichen Zustand. Durch die große Opferwilligkeit der Gläubigen von Windberg war es dann doch möglich, die Kirche notdürftig instand zu setzen und die Einrichtung zu beschaffen. 1845 kam eine dritte, große Glocke in den Turm, die Fresken wurden erneuert, eine Orgel aufgestellt, fünf neue Meßkleider und sechs zinnerne Leuchter angekauft. Eine Sammlung fiel wider Erwarten so gut aus, daß auch der Turm erhöht und mit Blech beschlagen werden konnte.
Zum Schutze der Gebäude und der kostbaren Einrichtung und zur Besorgung aller Kirchendienste wurde am 31.12.1844 die Aufnahme eines Eremiten genehmigt.

Hl. Kreuz – Altarraum
Die Stiegenkapelle in Hl. Kreuz

Der Kirchenkomplex am Kreuzberg ist eine selten anzutreffende Anlage, bestehend aus drei Kapellen: Kirche zum Hl. Kreuz, Stiegenkapelle und Marienkapelle. Durchstreift man den kleinen Vorraum zur Klause, so kommen wir zunächst in die Stiegenkapelle. Es ist ein rechteckiger Raum mit einer Flachdecke. Die Fenster schließen im eingezogenen Rundbogen. Zwei Portale mit geradem Sturz befinden sich im Süden und Norden des Raumes.
In der südwestlichen Ecke liegt die Stiegenanlage. Längs der Südwand führt eine einfache Stiege westwärts hinab. Parallel mit ihr, durch eine Mauer getrennt, steigt die Nachbildung der hl. Stiege in Rom, nach Osten gerichtet, mit 28 Stufen herauf.
Der untere Stiegenvorplatz und seine Nebenräume liegen bereits im Untergeschoß der Marienkapelle. Der Stiegenvorplatz ist ein kleiner quadratischer Raum mit einem Rechteckfensterchen nach Westen. In der Südwestecke stehen einige Bußkreuze und hölzerne Gliedmaße. Es sind Dankgaben von Pilgern. Nördlich schließt sich ein leerer quadratischer Raum an. Hier waren früher Votivgaben aus Holz und Wachs untergebracht. Durch die Nordwand führt eine niedrige Kriechtüre in eine querrechteckigen Raum mit Tonnengewölbe. Westlich und östlich ein Fensterchen. Vor der Ostwand ist ein Ölberg aufgebaut mit handwerklichen Holzfiguren des 18. Jahrhunderts. Darunter in einer Nische ein lebensgroßer Christus im Grabe.
An den Wänden der Stiegenkapelle Ölgemälde: Christus mit der Dornenkrone und Christus an der Geißelsäule, Bilder nach römischen Vorbildern, überlebensgroß aus dem. 18. Jahrhundert. An der Ostwand Figur der hl. Notburga, tränentrocknend und mit einem Kelch in der rechten Hand, flankiert von gemalten Engeln mit dem Essigschwamm und der Todeslanze Christi. Über dem Nordportal Christus am Boden unter der Last des schweren Kreuzes. Die Westwand schmücken das Bild der hl. Apollonia, hinter ihr Landschaft mit der Kirche Hl. Kreuz, dann das Bild der Muttergottes als Königin mit Krone und rechts ein Kruzifix. An der Südwand entdecken wir ein Bild, Himmel und Hölle darstellend und ein Bild der Muttergottes mit dem Jesuskind am Arm.
An der Wand der hl. Stiege hängen fünf Kreuzwegbilder: Ölbergszene, Geißelung, Dornenkrönung, Jesus begegnet seiner Mutter und Jesus ans Kreuz genagelt. Am oberen Ausgang der hl. Stiege befindet sich eine sehr hübsche, schmiedeeiserne Gittertüre mit reichem Laubwerk des frühen Rokoko.
Die hl. Stiege in Hl. Kreuz wurde nach dem Plane der hl. Stiege in Rom gebaut. Nach der Säkularisation kam sie in die Pfarr- und Klosterkirche nach Windberg und später wieder auf den Kreuzberg zurück.
Die Vorstände des Klosters Windberg haben vor Jahrhunderten nicht nur einen Stiegenablaß, sondern auch die hierzu erforderlichen Reliquien erworben. Dazu gehören ein kostbarer Kreuzpartikel und drei nachgebildete eiserne Nägel, die mit denen vom Kreuze Christi in Berührung kamen.
Papst Pius VII. hat durch ein Schreiben vom 28.6.1822 den heiligen Stiegenablaß neu bestätigt und ihn allen Christgläubigen für ewige Zeiten zum Gewinne verliehen.

Marienkapelle in Hl. Kreuz

Hinter der Stiegenkapelle in Hl .Kreuz befindet sich die sogenannte Marienkapelle. Es ist ein rechteckiger Raum mit Tonnengewölbe über einem Profilgesims. An der West- und Ostseite lassen je ein Rundbogenfenster genügend Licht in den Raum Das südliche Portal wird von einem Beichtstuhl eingenommen, darüber ein kleines Fenster. An der West- und Südwand sind zwei blinde Portale zu sehen. Bei einer Renovierung. Wurde der Innenverputz beseitigt, so daß die blanken Backsteine den Raum beleben.
Der Altar ist eine bescheidene Spätbarockanlage mit zwei Wandpfeilern, vor denen geschnitzte Engel stehen. In der Mittelnische sehen wir die gute Holzfigur der Schmerzhaften Muttergottes aus dem Jahre 1720. Uber der Nische ist ein Baldachin mit bogenförmig gerafftem Vorhang. Den Altar flankieren die Figuren der Hl. Notburga und des hl. Isidor. An der Westwand ist ein Votivbild der „Muttergottes vom guten Rath“. Statt der Zettel sind heute Kerzenlichter im Becken, sie sollen als Opfergaben für die Kirche und Mission dargebracht werden.
An der Ostwand hängt ein hölzerner Schrein mit der Nachbildung der Schwarzen Madonna von Altötting. Auf einem Tischchen steht die weiße Figur der Fatima-Madonna. Früher wurde sie von einem Lichterkranz umrahmt. Die Kreuzwegstationen an den Wänden sind Abbildungen im Nazarener-Stil.

Marienkapelle
Stiegenkapelle
Hl. Stiege
Ölbergszene
Die Einsiedelei bei der Kirche Hl. Kreuz

Schon bei der Einweihung der Kapelle Hl. Kreuz bestand eine Einsiedlerklause. Bei einem Sturm 1753 sei diese hölzerne Unterkunft abgedeckt und schwer beschädigt worden. Nach der Säkularisation 1803 wurde sie als völlig baufällige Klausner-Wohnung bezeichnet. Darin befanden sich ein Flötz, ein Flötzkammerl, eine Stube: und eine Kammer. Der Auflösungskommissär erklärte das Haus als „altes Brennholz“. Diese Klause diente fortan als Wohnhaus und wurde um die Jahrhundertwende abgebrochen. Schon 1845 wurde an den Mittelteil der Kirche eine neue Klause angebaut und mit einem Eremiten besetzt. Heute ist die Einsiedlerwohnung modernisiert.
Armut, Keuschheit und Gehorsam geloben jene Männer, die nur Gott dienen wollen. Die Einsiedler geloben noch mehr: sich ganz allein von dieser Welt zurückzuziehen. Sie fliehen in die Einsamkeit von Bergklausen, ziehen sich Kutten an, lassen sich wallende Bärte wachsen und sagen einer schnöden Welt ade. Es sind Eremiten, Einsiedler, denen selbst ein Klosterleben noch nicht entsagungsvoll ist. Ganz allein wollen sie in der Abgeschiedenheit der Natur Gott dienen.
Zum Schutze der Gebäude, Paramente und hl. Gefäße und zur pünktlichen Besorgung aller Kirchendienste wurde die Aufnahme eines Eremiten von allerhöchster Stelle 1844 genehmigt worden. Die angebaute Klause an die Kirche von Hl. Kreuz konnte am 6. Januar 1845 von Frater Ludwig Maier bezogen werden. So lesen wir im „Stiegenablaß-Büchlein“ aus dem Jahre 1850.
Der letzte Einsiedler in Hl. Kreuz war Frater Michael. Er verstarb im Jahre 2001.

18. Die Töpferei am Kreuzberg

Gleich unterhalb des Kirchleins Hl. Kreuz befindet sich seit einigen Jahren eine Töpferei, die von Gottfried Obermeier betrieben wird. Dort kann man dem Töpfer bei der Arbeit auf die Finger schauen und natürlich auch Erzeugnisse aus seiner Keramikstube erwerben.

Der Windberger Sagenkranz:
Herkunft des Namens Windberg

Um die Entstehung des Namens Windberg gibt es viele Spekulationen.
1. Nach VIEERLING könnte der Name vom Personennamen WINID, also Winidberg abgeleitet werden.
2. Andere sind der Ansicht, dass Angehörige des slawischen Volksstammes der WENDEN dem Ort den Namen gegeben haben: VENTIDUNUM = WENDENBERG.
3. In das Reich der Fabel muss die Deutung verwiesen werden, wonach der Name auf zwei sächsische Brüder zurückzuführen sei, die den Namen WINITH führten und sich hier angesiedelt haben sollen; also WINITHBERG.
Hermann Lickleder hat in seinem Vortrag „850 Jahre Prämonstratenserabtei Windberg“ am 22.Mai 1992 eine neue Erklärung ins Gespräch gebracht. Er sagte: „Graf Albert I. von Windberg/Bogen ließ zusammen mit seiner Frau Hedwig am Grab Wilhelms eine Niederlassung des Prämonstratenserordens gründen. Hedwig war in erster Ehe mit einem Windberger verheiratet und brachte den Namen Windberg mit“. Soviel Lickleder.
Demnach musste es damals schon ein Windberg gegeben haben. Diese Vermutung bewog mich in diese Richtung zu forschen. Und ich wurde in der Gemeinde Windorf bei Vilshofen fündig.
Um 1005 soll ein Graf Timo I. von Vornbach dort eine Burg erbaut haben. Sein Sohn Meginhard hatte seinen Wohnsitz in dieser Burg, die den Namen Windberg erhielt und begründete die Linie der Grafen von Windberg. Sein Sohn Hermann I. war mit einer Hedwig verheiratet. Er starb früh 1122. Seine Witwe Hedwig heiratete in zweiter Ehe den Grafen Albert I. und brachte den Namen WINDBERG hierher.
Graf Albert I. war Schutzvogt des Klosters Niederalteich. Als solcher war er nicht weit von der Burg Windberg entfernt und muss dort seine Frau Hedwig kennengelernt haben. Aber schon Alberts Vater Aswin war mit der Windbergerin Luitgard vermählt. Sie war die Schwester Hermanns I.
Diese Erkenntnisse dürften als die stichhaltigste Erklärung für die Herkunft des Namens Windberg angesehen werden.
Von der Burg Windberg sollen noch 1850 Ruinenreste vorhanden gewesen sein. Heute sind die Burg und der Name Windberg verschwunden.
Quellen: 850 Jahre Prämonstratenserabtei Windberg von Hermann Lickleder
Der ehemalige Schweinach- und Quinzinggau von Joseph Krämpfl

Die Sage von der Entstehung Windbergs

Vor mehr als einem Jahrtausend trug es sich zu, daß ein einsamer Wanderer aus dem Sachsenlande auf den Ausläufer des Donaugebirges kam, auf welchem heute Windberg steht. Das Gebiet war damals mit dichtem, undurchdringlichen Wald bewachsen. Der Wanderer hörte auf den Namen Winith und war auf der Suche nach seinem Bruder, der von einem fremden Kriegsvolke entführt worden war. Auf dem Ausläufer legte er sich nieder, um von den großen Anstrengungen seiner Wanderschaft auszuruhen. Kaum hatte er sich niedergelegt, so schlief er auch schon ein.
Da hatte er einen wunderbaren Traum. Er sah im Traum, wie ein großer Adler durch die Luft zu ihm niederschwebte. Das Fluggeräusch dieses großen Vogels erschütterte die Luft. Der Adler ließ sich neben Winith nieder, berührte ihn mit seinen Schwingen und sprach: „Stehe auf und gehe an den großen Fluß, dort werden die Wanderer begegnen. Forsche unter ihnen nach dem, der auch Winith heißt. Dieser Namensgenosse wird dein Bruder und dein Mitarbeiter sein.“
Als Winith erwachte, begab er sich sofort an den großen Fluß, die Donau. Es dauerte nicht lange, da kamen Wanderer des Weges. Winith fragte, ob einer unter ihnen sei, der Winith hieße. Wie der Adler vorausgesagt hatte, fand sich unter den Wanderern tatsächlich ein Winith. Nun forschte der Winith, der den sonderbaren Traum hatte den Wanderer aus. Er fragte ihn, aus welchem Lande, welcher Gegend und welchem Geschlechte er stammte. Zu seiner Verwunderung erhielt er die Antwort: „Ich stamme aus dem Sachsenlande und wurde als kleiner Knabe von fremden Kriegern meiner Mutter entrissen und fortgeschleppt.“ Da wurde er wieder gefragt, wer seine Mutter gewesen sei. „Meine Mutter hieß Sophia“, gab der Fremde zur Antwort. Als Winith dies hörte, fiel er dem Fremden um den Hals und beide weinten vor Freude, denn sie waren leibliche Brüder. Man wunderte sich, daß zwei Brüder den gleichen Namen trugen. Die Mutter konnte das geraubte Kind nicht vergessen und ließ ihren zweiten Jungen auch auf den Namen Winith taufen.
Nun erzählte Winith seinem Bruder seinen sonderbaren Traum, der ihn zu seinem Bruder führte. Er sagte ihm auch noch daß er zur Ehre und Verherrlichung Gottes auf jenem Platze, wo er den Traum hatte, ein Gotteshaus zu errichten gedenke. Der Bruder stimmte diesem Plan zu. Die beiden zogen an den Ort zurück, wo sie im Laufe der Jahre eine Kirche erbauten. Sie erwarben auch Reliquien, die unter dem Beistande des Priesters Azelinus in den Altar eingebaut wurden. Um die Kirche herum siedelten sich auch andere Menschen an und so entstand Winithberg, das heutige Windberg.
(Aufgeschrieben von OL M. Engelhart)

Die Sage vom Engelsberg

Die Kirche in Windberg ist die älteste im Altlandkreis Bogen. Bald nach der Gründung des Klosters begann der erste Abt Gebhard von Bedenburg im Jahre 1142 mit dem Bau der Kirche. Von weither wurden die Steine mit Ochsenwagen nach Windberg gebracht. Hier wurden sie zurechtgehauen und zum Bau verwendet. Die Bauarbeiten kosteten viel Geld. Die Sage erzählt, daß die Chorherren einmal kein Geld mehr hatten, um weiter bauen zu können. Da schickte der liebe Gott einen Engel mit einem Wagen, auf welchem ein Sack mit Geld lag. Als der Engel in die Nähe von Irensfelden kam, konnte er vor Müdigkeit nicht mehr weiter; er legte sich auf einen Stein und schlief ein. Im Schlaf wurde der Stein weich, und sein Kopf bildete sich ab. Seit dieser Zeit heißt der Berg, auf dem der Stein liegt, Engelsberg.
(Quelle: wie oben)

Der Ochsentritt in der Kirche zu Windberg

An einem blinden Fenster des südlichen Querschiffes, nahe der Sakristei der jetzigen Pfarrkirche und ehemaligen Klosterkirche zu Windberg befindet sich ein alter rostiger Nagel, unter welchem sich folgende Inschrift befindet:“Sack worinnen ein Ochs den Leib des hl. Sabinus überbracht“. Der Sack, ehemals aus Leder, der einst an diesem Nagel hing, fiel dem Zeitlaufe zum Opfer, während der Nagel und die Inschrift allen Unbilden der Zeit erhalten geblieben sind bis zur Gegenwart. Die Schrift weist deutlich darauf hin, daß in einem Sacke die Reliquien des hl. Sabinus nach Windberg überbracht wurden.
Der hl. Sabinus, der zweite Patron der ehemaligen Klosterkirche, war zur Zeit des römischen Kaisers Diokletian Bischof von Assisi. Als Bischof und Christ wurde er vom Statthalter Venustianus in den Kerker geworfen. Bei der gegen ihn geführten Gerichtsverhandlung zertrümmerte er ein heidnisches Götterbild, worauf ihm beide Hände abgehackt wurden. Im Kerker wirkte der gemarterte Bischof Wunder. Einem Enkel der hl. Serena gab er mit Gottes Hilfe das Augenlicht wieder. Als der Statthalter, der auch ein Augenleiden hatte und furchtbare Schmerzen erdulden mußte, dies hörte, bat er, den Heiligen, auch ihm zu helfen. Bischof Sabinus erteilte ihm Unterricht im Glauben und befreite ihn vom Augenleiden. Daraufhin ließ sich der Statthalter taufen. Als Kaiser Diokletian dies hörte, ließ er den Statthalter mit seiner gesamten Familie enthaupten und den heiligen Bischof Sabinus zu Tode geißeln.
Viele Jahrhunderte später, im Jahre 1197, überbrachte Graf Albert III. von Bogen die Gebeine des hl. Sabinus nach Windberg. Graf Albert hatte in seiner bewegten Jugend nichts von der Frömmigkeit des Grafen Albert I., seines Großvaters, aufzuweisen. Er war ein streitsüchtiger, kriegsliebender Mann, der zu seinen Kriegen viel Geld benötigte, er hieß deshalb auch Albert der Wilde. Neben seinen Untertanen mußten auch die Stifte Windberg und Oberalteich immer wieder ihre Kassen leeren und das Geld dem Grafen übergeben. Wegen seines dauernden Unfriedens wurde der Graf durch Kaiser Heinrich VI. nach Apulien in Unteritalien verbannt.
In der Verbannung diente er dem römischen Kaiser. Nach langen Wochen des Trotzes versuchte der Bogener, dem Kaiser Beweise seiner Loyalität zu liefern. Aber dieser übersah ihn. So wartete er auf eine günstige Gelegenheit, um den Kaiser für sich milde zu stimmen. Dies sollte sich bald bieten. Kaiserin Konstanze, eine ehemalige Nonne, war nach neun Jahren Ehe endlich guter Hoffnung. Im Herbst des Jahres 1194 brach der Kaiser nach Sizilien auf, um sich zum Nachfolger der „Könige von Afrika“ krönen zu lassen. Gerade in dieser Zeit brachte die Kaiserin Konstanze einen gesunden Jungen zur Welt. Dies schien Albert die günstige Gelegenheit zu sein.
Unter den größten Strapazen brachte er von Ascona aus reitend die Nachricht auf den Hof von Palermo. Die Freude des Kaisers war übergroß und er sprach zu dem Grafen: „Geh zurück in deinen Grafengau im Nordwald, zur böhmischen Ludmilla und deinen drei Söhnen; und wähl dir nach südländischem Muster ein Wappen für deinen Schild“. Albert nahm helle und dunkle Schiefecke für all die Tage und Nächte, die er als Verfemter durchleben mußte. Dann zog er nordwärts.
Um dem Kloster Windberg für die an ihm verübten Ungerechtigkeiten eine Entschädigung zu bieten, stahl er in der vom Kaiser Barbarossa niedergeworfenen Stadt Spolet in einer Seitenkapelle des Doms die vollständig erhaltenen Gebeine des Märtyrers Sabinus. Er erbrach den kostbaren, mit Edelsteinen besetzten Schrein und brachte die Reliquien des hl. Sabinus in einem Ledersack nach Windberg und schenkte sie dem Kloster.
Der Sage nach beförderte ein Ochse auf seinem Rücken den kostbaren Schatz. Der Ochse blieb in Windberg auf einem Felsstein stehen und hinterließ in diesem den Abdruck seiner Klauen, denn der Stein war wachsweich geworden. Der Stein wird heute noch der „Ochsentritt“ genannt und ist neben dem Sabinusaltar eingemauert. Hier ist er heute noch zu sehen.
(Verfasser unbekannt)

Die Windberger Schwedenmärtyrer

Im Kapitelsaal des Klosters Windberg befinden sich zwei eichene Truhen mit schönen Zinnbeschlägen. Eigentlich sind es Reliquienschreine, aber der uneingeweihte Besucher möchte beim Hineinschauen den Inhalt für altes Gerümpel halten. Wir stehen hier bei den Überresten von zwei Chorherren des Klosters, die im Dreißigjährigen Kriege um ihres Glaubens willen ihr Leben gelassen haben. Windberg hat in diesem Kriege, der so viele Klöster samt ihren Kirchen und Archivschätzen völlig verwüstete, eigentlich wenig gelitten. Die Schweden erschienen zweimal, 1634 und 1644, beide Male floh der Konvent mit seinen Wertsachen. Das Kloster wurde nicht zerstört, nur geplündert, aber jedesmal ermordeten die Schweden einen Pater. Dies geschah damals oft. Der ganze Krieg ging ja damals um den Glauben. Dia Schweden betrachteten sich als die Verfechter des protestantischen Glaubens, die Klöster galten als die „Hochburgen der Päpstler“, und Toleranz kannte man damals nicht.
Der erste der beiden Märtyrer war Pater Norbert Höcht. Er war Ende des 16. Jahrhunderts in Regensburg geboren und jung in das Kloster eingetreten. In dem neuen Reformgeist, den Andreas Vögele seit 1598 ins erschlaffte Kloster gebracht hatte, war er erzogen worden. Damals kam auch der Brauch der Klosternamen auf; der junge Thomas Höcht war der erste, der im Kloster Windberg bei der Einkleidung den Namen des Ordensstifters Norbert bekam. Er studierte Theologie in Ingolstadt, wurde 1618 zum Priester geweiht und machte im folgendem Jahr zusammen mit dem späteren Abt Sabinus Algenmann in Regensburg die Pfarrkura. Er blieb in den folgenden Jahren im Kloster, wo er das Amt des Novizenmeisters verwaltete und nach Kräften in der Seelsorge aushalf. Für ein Pfarramt hielt man ihn wegen seiner schwächlichen Gesundheit wohl nicht für geeignet. Zuletzt war er auch nebenbei Kooperator von Windberg.
Am 25. November 1634 kamen die Schweden das erste Mal nach Windberg. Alles war geflohen, nur Pater Norbert hatte sich freiwillig erboten, zur Wahrnehmung der Seelsorge zurückzubleiben. Schonungslos und beutegierig trieb die Soldateska ihr Unwesen, und die Enttäuschung, da sie in dem ansehnlichen Kloster nicht die gleichen Schätze vorfanden wie in Oberalteich, steigerte ihre Wut. Sie suchten nach den Chorherren und nach deren „Reichtümern“, plünderten alles, fanden aber nicht viel und wollten schon abziehen. Da kamen zwei Schweden zufällig am Haus des Lehrers vorbei. Durchs Fenster sahen sie den weißen Mönch, der gerade den Kindern Katechese gab. Sie stürmten hinein und bedrohten ihn mit dem Schwerte. Pater Norbert griff nach einem vor ihm stehenden Kruzifix, um sich zu verteidigen. Da traf ihn ein Soldat mit dem Schwerte so wuchtig auf den Kopf, daß er blutüberströmt zusammensank. Die Schulkinder schrien und weinten. So starb Pater Norbert Höcht. „In odium fidel occius“, aus Haß gegen den Glauben ermordet – so steht auf seinem Grabstein, der 1932 zufällig in einem Kuhstall eines Anwesens in Staudach entdeckt wurde. Im Kreuzgang wurde der Märtyrer begraben.
Erst zehn Jahre später, am 23. März 1644, kamen die Schweden wieder. Auch dieses Mal floh der ganze Konvent mit allen Wertsachen, man ließ aber zur Vorsicht niemand zurück. Die Wut und die Beutegier der Soldatenhorden war diesmal noch größer, und so suchten sie in der ganzen Umgebung nach den Chorherren, um wenigstens einen zu erwischen, aus dem sie durch Folter das Versteck der vermeintlichen Schätze erfahren könnten. Das Opfer war diesmal Pater Urban Mittermayer. Pater Urban stammte aus einer achtbaren Straubinger Familie, er selbst scheint nicht dort geboren zu sein. Ein Verwandter von ihm, Ulrich Mittermayer, war jedenfalls 1616 Straubinger Ratsherr. Nach der Tradition war Pater Urban Pfarrer in einer dem Kloster einverleibten Pfarrei, und zwar soll es Englmar gewesen sein. Doch in jeder Klosterpfarrei, auch in Englmar, war 1644 nachweislich ein anderer Pfarrer. Das Todesjahr ist sicher richtig, und so müssen wir annehmen, daß Pater Urban als Kooperator oder Hilfspriester sich in Englmar aufhielt. Der eigentliche Pfarrer, Pater Anton Kiendl, war wohl gleichfalls geflohen, und so fanden die Schweden ihn allein vor. Sie wollten von ihm den Aufenthalt des Abtes und der Konventualen erpressen, und als Pater Urban standhaft die Aussage verweigerte, verabreichten sie ihm den sogenannten Schwedentrunk. Das war eine gräßliche Marter. Das Opfer wurde gebunden auf den Boden gelegt, dann flößte man ihm mit einem großen Trichter so viel Jauche ein, bis der Bauch voll und prall war. Dann trampelte einer solange auf dem Bauch herum, bis der Ärmste die Jauche mit viel Blut vermischt wieder von sich gab. Die meisten starben unter dieser Qual, und so ging es auch Pater Urban. Er wurde wie sein Leidensgenosse zehn Jahre vorher, im Kreuzgang begraben. Als Dieser 1720 wegen des Klosterneubaues fast völlig abgebrochen wurde, wurden die Gebeine der beiden Märtyrer mit besonderer Ehrfurcht erhoben. Man fand dieselben noch ganz unvermodert. Im Schädel des Paters Norbert war ein großes Loch. Wir können heute noch feststellen, daß dieser eine hünenhafte Figur und ein sehr gesundes Gebiß hatte.
Die Gebeine wurden zunächst in der Kapelle des hl. Laurentius bestattet, die heute nicht mehr existiert. Dann wollte man nach dem damaligen Gebrauch dieselben verzieren und ausstellen, und zu diesem Zweck wurden sie den Nonnen des Benediktinerinnenklosters St. Georg in Prag anvertraut. Daß Abt Augustin Schmidbauer sie so weit fortschickte, hing wohl damit zusammen, daß er mit dem Abt des Klosters Strahov in Prag eng befreundet war. Dort ruhten die Gebeine des hl. Ordensstifters Norbert, und die Benediktinerinnen von St. Georg waren mit der Ausschmückung derselben beauftragt worden. Die kahlen Schädel wurden mit goldenen Kronen versehen, alles wurde mit Brokat und Flitter aller Art überzogen, mit falschen Perlen und Edelsteinen wurde nicht gespart, wir würden heute so etwas nicht mehr tun. Aber man war eben in der Barockzeit. Die Gebeine unserer Märtyrer wurden zunächst nach Strahov geschickt, und es fügte sich, daß ein Chorherr des böhmischen Stiftes Seelau, Pater Daniel Schindler, der gerade dort weilte, dieselben nach St. Georg überbrachte. Bei dieser Gelegenheit ereignete sich etwas Auffallendes. Im Sprechzimmer des Klosters war gerade eine Frau anwesend, die einen Säugling auf dem Arm trug. Als Pater Daniel den Schädel Pater Urbans aus der Kiste nahm, um einer Nonne den Hergang des Martyriums zu schildern, begann der Säugling zu schreien, streckte seine Händchen nach dem Totenschädel aus und gab mit allen Mitteln zu erkennen, daß er denselben haben wollte. Man suchte ihn zu beruhigen, in der berechtigten Annahme, daß so ein Schädel kein geeignetes Spielzeug sei. Doch das Kind hörte nicht auf zu schreien und zu weinen und gab erst Ruhe, als man ihm das Haupt in die Ärmchen legte. Nun schien er überglücklich, streichelte und umarmte es, und als man ihm es mit Mühe wieder entriß, gab es wieder viele Tränen. Die Anwesenden waren erstaunt und ergriffen zugleich und sahen in dem Vorgang einen übernatürlichen Eingriff.
Das Kloster Windberg ist natürlich stolz auf seine beiden Blutzeugen. Es steht jedoch in keinem der beiden Fälle fest, ob es sich um ein Märtyrium im eigentlichen Sinne handelt. Ein solches liegt nämlich vor, wenn der Betreffende auf wiederholte Aufforderung und Gewaltandrohung sich weigert, den Glauben zu verleugnen, beziehungsweise eine schwere Sünde zutun. Wir wissen aber nicht, ob und wieweit dies hier der Fall war. Wer aus Haß gegen den Glauben getötet wird, kann nur im uneigentlichen Sinne als Märtyrer bezeichnet werden.
Bei der Säkularisation 1803 wurden die Gebeine durcheinander geworfen und ihres Zierrats beraubt. Die Kisten, die noch das Siegel des Abtes Bernhard Strelin (1734-77) tragen, standen dann in einer Rumpelkammer des Pfarrhofes, bis sie in neuerer Zeit wieder in das Kloster übertragen wurden. Die Spitze des Schwertes, mit der Pater Norbert ermordet wurde, das Kruzifix, das er den Schweden entgegenhielt, sowie einige Brokatfetzen finden sich noch in einer Kiste.
(Nach Pater Norbert Backmund)

Sage von der Entstehung der Kirche Hl. Kreuz

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war Franziskus Knodt Abt des Klosters Windberg. Eng befreundet zu ihm war der Dekan von Aufhausen Georg Seidenbusch. Der Dekan verbrachte alljährlich seinen Urlaub in der klösterlichen Einsamkeit in Windberg. Auch im Jahre 1692 kam er wieder nach Windberg. Er liebte es, in den frühen Morgenstunden das Kloster zu verlassen und sich in der nahen Umgebung zu ergehen, Betrachtungen über Gott und die Welt anzustellen.
Eines Morgens ging er bereits um die dritte Stunde aus dem Kloster. Auf der Kuppe des Berges, auf dem heute die Wallfahrtskirche steht, setzte er sich auf einen Stein, um auszuruhen. In der Morgenstille überfiel ihn ein leichter Schlummer mit einem wunderbaren Traum. Ihm träumte, er könne von seinem Ruheplatz seine Gemeinde, die Pfarrei Aufhausen erblicken. Vom Schlaf erwacht, blickte er in die Richtung seiner Pfarrei und war ehrlich verwundert, tatsächlich den Turm seiner geliebten Pfarrkirche zu sehen. Sofort schnitt er ein Birkenzweiglein ab und formte daraus ein Kreuzchen, das er neben seinem Ruheplatz in die Erde steckte.
In das Kloster zurückgekehrt, erzählte er seinem Freunde, dem Abte Knodt, seinen wunderbaren Traum und fügte hinzu, Aufhausen wahrlich erblickt zu haben. Dekan Seidenbusch überreichte dem Abte einen Dukaten und bat ihn, anstelle des Birkenkreuzes ein hohes Holzkreuz aufstellen zu lassen. Nach der Errichtung des „hohen Kreuzes“, wie es im Volksmunde geheißen wurde, kämen fromme Christen zu dem Kreuze und fanden auf wunderbare Weise Trost und Erhörung ihrer Bitten.

Hl Kreuz

Dies bewog den Abt Franziskus Knodt, statt des Kreuzes ein Kirchlein zu erbauen. Es wurde 1695 fertiggestellt, Dekan Seidenbusch spendete hierzu ein hölzernes Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert, das über 200 Jahre in Regensburg unter Schutt und Trümmern gelegen war. Dieses Kreuz wurde in feierlicher Prozession nach Windberg gebracht und ziert heute noch die Wallfahrtskirche.
(Nach Pater Norbert Backmund)

Die zertrümmerten Monstranzen

Als man das Kloster Windberg um 1803 seiner Schätze beraubte, wurden die Kelche und Monstranzen zum Klosterschmied Plager gebracht, damit er sie auf dem Amboß zertrümmere. So konnte das Gold besser transportiert werden. Dabei war es unvermeidlich, daß einzelne Goldsplitter in der ganzen Schmiede zerstreut herumlagen, Plager soll etwas kräftiger zugeschlagen haben, als es notwendig war, denn auch ihn ärgerte die mutwillige Vernichtung des Klostergutes. Aus vielen kleinen Überresten, die der Schmied nachher eingesammelt hatte, ließ man später schöne Schließspangen für Rauchmäntel anfertigen. So konnte der Schmied den goldgierigen Zertrümmerungskommissaren noch ein kleines Schnippchen drehen.
Mitgeteilt vom ehemaligen Bürgermeister Anton Kittenhofer.

Der Teufel in der Lederhose

Der Bruder des früheren Bürgermeisters Josef Kittenhofer von Windberg (1851- 1929), Hans Kittenhofer von Wachsenberg, war in seiner Jugend in Mitterfels in der Lehre. Nach verbrachtem Wochenende im elterlichen Haus begleitete ihn am Sonntagabend seine Mutter durch den finsteren Wald bis kurz vor Mitterfels. Der Junge trug einen Laib Brot unter dem Arm, da die Verpflegung beim Lehrherrn den Hunger des Jungen nicht immer stillen konnte. Damals gab es noch keine Eisenbahn in unserer Heimat. An der Stelle, wo später der Bahnhof von Mitterfels stand, bemerkten sie eine seltsame Gestalt in Lederhosen, die auf einem Baumstumpf saß und sich recht merkwürdig gebärdete. Beiden war es nicht geheuer, und sie machten einen weiten Bogen um die seltsame Erscheinung. Bald erfuhr auch der Ortsgeistliche davon, und da sich kaum mehr jemand der Stelle zu nähern wagte, beschloß er, mit seinen Ministranten, ausgerüstet mit Weihrauch und Weihwasser, dem Unwesen ein Ende zu bereiten.
Doch wie groß war das Entsetzen, als die genannte Gestalt dem Pfarrer alle seine Fehler und Sünden entgegen schleuderte. So kehrte der Geistliche unverrichteter Dinge in den Ort zurück. Erst als in Mitterfels ein neuer, unschuldiger Kooperator in sein Amt eingeführt wurde, gelang es ihm, unter Donner und Blitz den Ort von diesem Unwesen zu befreien.
Mitgeteilt vom ehemaligen Bürgermeister Anton Kittenhofer.

Die rätselhafte Inschrift

Das mit hohen Treppengiebeln versehene Amtshaus in Windberg war früher ein Gasthaus und vor langer Zeit das Richteramtshaus. Im Hausflur befindet sich eine kleine Steintafel mit der Inschrift: Erbauet von Fundament Ao. 1175 erneuert 1728. Das Richteramtshaus ist ein wohl auf romanischer Grundlage errichteter Neubau von 1502 mit spätbarocken Veränderungen.
Im Hausflur des Erdgeschosses hängt eine einfache Inschrifttafel aus Holz mit geheimnisvollen Großbuchstaben:
W.L.S.D.U.N.N.I.A.D.E.J.A.D.L.K.M.-0.R.R.R.G.I.H.U.D.B.K.-W.D.O.R.N.R.R.M.S.d.R.R.D -1866. – Nach der Tradition lautet die Auflösung: Wir leben so dahin und nehmens nicht in acht, daß ein jeder Augenblick das Leben kürzer macht.- O Richter, richte recht, Gott ist Herr und du bist Knecht; wenn du, o Richter nicht recht richtest mich, so wird Gott recht richten dich.

Das nächtliche Kegelspiel auf dem Buchaberg

Mündlicher Überlieferung nach soll einst auf dem 600 Meter hohen Buchaberg zwischen Neukirchen und Windberg ein Raubritterschloß gewesen sein. Geschichtlich läßt sich dies jedoch nicht nachweisen. Auf dem Buchaberg sind außer einigen Mauerresten in der Nähe der dortigen „Girglbauenkapelle“ keine weiteren Anzeichen vorhanden, die auf ein Schloß schließen ließen. Woher aber diese Mauerreste stammen, weiß niemand.
Im Volksmunde lebt die Sage, daß die Raubritter des Schlosses gar arge Gesellen waren. Sie haben das Volk unterdrückt und ausgeplündert. Vom christlichen Glauben und den Geboten Gottes wollten sie nichts wissen. Mit besonderer Vorliebe haben sie den Sonntag entheiligt. Statt in der Kirche des naheliegenden Prämonstratenserklosters der Messe beizuwohnen, haben die Ritter mit großem Krach und gräßlichem Lärm ein tolles Kegelspiel betrieben. Dieses gotteslästerliche Treiben wurde aber furchtbar bestraft. Bei einem Unwetter fuhr der Blitz in die Burg und vernichtete sie mit allen Insassen.
Den Rittern selbst wurde aber noch eine weitere Strafe auferlegt. Sie mußten in gewissen Zeitabständen zur mitternächtlichen Geisterstunde ihr Kegelspiel fortsetzen.Oft hörten Einwohner dem Buchaberg naheliegender Höfe ein dumpfes, schauerliches Rollen der Kegelkugeln, die ihnen Schrecken und Angst einflößte. So haben die Ritter selbst nach ihrem Tode keine Ruhe gefunden und mußten für ihre Sündenn büßen.
Man erblickte noch lange in der Nähe der Kapelle manchmal gespenstische Wesen, das Grauen verursachte. Auch die Ritterfrauen mußten nach ihrem Tode büßen. Auf dem Spielberge jenseits des Buchaberges sah man öfters weibliche Gestalten umherwandeln.
1929 von Pfarrer Peter Poiger.

Die Ritterburg auf dem Buchaberg

Hoch auf des Buchbergs Gipfel
Dort stand in alter Zeit
Die Burg von stolzen Rittern
Schaut trutzig in die Weit‘.

Puchberger war ihr Name,
War ein gar stolz Geschlecht;
Sie dünkten sich erhaben
Hoch über alles Recht.

Der Raub und Jagdgelüste
Erfüllte ganz ihr Herz,
Am Tag und auch bei Nacht
Trieb man nur Spiel und Scherz.

Die Ritter und die Rappen
in ihrem Übermut,
Sie taten arg viel Unrecht
Dem Volk an Hab und Gut.

Und wenn die Glock- im Tale
Sie lud in Gottes Haus,
Verbrachten sie den Sonntag
Zu Spiel in Saus und Braus.

Der Herrgott in dem Himmel
Sah dieses gottlos‘ Spiel;
Er macht bald ein Ende,
Der Frevel war zu viel.

Es war zu Sommerszeiten
Gewitterchwere Nacht:
Da zuckt ein Blitz vom Himmel,
Fuhr in die Burg mit Macht.
Bald loderts hell in Flammen
hinauf zu des Himmelshöh’n.

Die ganze Burg in Flammen
Wie war das wild und schön!

Von all der stolzen Größ‘
findst du jetzt nur die Spur:
Die Mauern und die Steine
sind Überreste nur.

Die Strafe war gerecht,
Die diese Ritter traf;
Denn allzeit hat!s geheißen,
daß Übermut heischt Straf!

Selbst nach ihrem Tode
die Ruh sie fanden nicht;
zu groß war ja ihr Frevel,
zu schwer der Sünd‘ Gewicht.

Noch vor nicht langen Zeiten
zur mitternächtiger Stund,
tat sich im Tal ein Lärmen
vom Berg herunter kund.

Wenn andre Menschen ruhten
von ihren Sünden aus
die Ritter mußten geistern
dort, wo einst stand ihr Haus.

Als ob die Kugel rollet
auf einer Kegelbahn,
so hört sich das Getöse
im Tal herunten an.

Jenseits vom Bergesgipfel
Spielberg vom Volk benannt,
sah man oft Fräuleins wandeln
im ritterlich Gewand.

Jetzt scheint die Straf geendet,
gebüßt ihr böses Tun;
man hört nicht mehr das Lärmen;
die Ritter dürfen ruhn.
Pfarrer P. Poiger

Bei meinen heimatgeschichtlichen Nachforschungen habe ich herausgefunden, daß es in der Nähe von Cham einen Buchberg gibt, .auf dem früher tatsächlich eine Burg stand. Sie war im Besitz des mächtigen Geschlechts der Buchberger (auch Puchberger).
Da Pfarrer Peter Poiger, von 1910 bis 1934 Seelsorger der Pfarrei Neukirchen, vorher in Chammünster Geistlicher war, hat er sein Gedicht dem Buchberg bei Cham und nicht dem Buchaberg zwischen Neukirchen und Windberg gewidmet.
Kornel Klar

Windberger Hexentisch

Als der Aufhebungskommissar Baron Limpöck, Landrichter von Straubing, 1803 im Kloster Windberg tätig war, fand er einen Hexentisch vor, auf dem die „Hexenleuth hl. Hostien grausam mißhandelt mit einer Schuech-Aal und einem Hammer“. Limpöck ging der Sache nach und kam zum folgendem Ergebnis: Eine Häuslerfamilie namens Grueber zu Geißling im Gericht Pfatter wollte 1689 bei einer Nachbarsfamilie unbedingt etwas durchsetzen. Sie wollte zugunsten der Gruebers eine Aussage machen. Aber die Leute waren nicht dazu zu bewegen. Da griffen die Gruebers zu anderen Mitteln. Zuerst gaben sie vor, eine arme Seele sei ihnen erschienen, die sich für ihre Sache einsetzte, und als das auch nicht half, suchten sie durch eine Hostienschändung sich die Hilfe Satans zu verschaffen. Sie entwendeten eine hl. Hostie und mißhandelten sie auf einem Tisch durch Stechen und Hämmern.
Ob es etwas nützte, ist zweifelhaft. Die Sache kam auf, sie beschäftigte die Regierungskommission, die ihre Siegel auf dem Tisch anbrachte. Die Gruebers kamen vor Gericht, das die ganze Angelegenheit „malefizisch“ behandelte. Hans Grueber und seine Frau Gertraudt, sein Bruder Benedikt Egger und dessen Weib Elspet wurden nun „an einer saul ertroßlet“ wegen Beleidigung der göttlichen Majestät und deren Ableugnung, sowie Anbetung des Teufels, erschrökhliche Verunehrung des hochw. Guettes“ und anderer Schandthaten der Hexerey. Katherina und Balthasar, weitere Geschwister Hans Gruebers wurden mit dem Schwert hingerichtet und die Körper sodann verbrannt. Die Grueberschen Kinder – die sicher an der ganzen Sache unschuldig waren – mußten auf der Richtstatt der Exekution zusehen und wurden dann „im Amtshaus empfindlich mit Ruthen gezüchtiget.“
Das Kloster Windberg erwarb 1770 diesen Tisch, und hätte ihn gern zu einem Wallfahrtsziel gemacht. Es wäre eine Konkurrenz zur Deggendorfer „Gnad“ geworden. Aber die fortschreitende Aufklärung ließ es nicht mehr so weit kommen. Für den Aufhebungskommissär war der Tisch jedenfalls 1801 ein großes Ärgernis. Er schickte ihn auf Wunsch der General-Landesdirektion am 24.7.1803 nach München, wo er vernichtet wurde. Das 19. Jahrhundert hatte für dergleichen Dinge – die Schandtaten der Gruebers und die dafür verhängten Strafen – nicht mehr viel übrig.
P. Dr. Norbert Backmund

Der Schustergeselle und der Tod

In der niedrigen Werkstatt des Schuhmachermeisters Lickleder sitzen mit dem Meister die drei Gesellen und der Lehrling an ihren niedrigen Tischen bei zuckendem Licht der Petroleumlampe und arbeiten schweigsam. Es ist bereits nach zehn Uhr, aber für den nächsten Markt in Schwarzach müssen noch etliche Paar Schuhe fertig werden. Deshalb arbeiten sie so spät in die Nacht hinein. Sepp, der mittlere Geselle, ist ein sehr ernster Bursche, der sein Fach versteht. Für ein Alter von 22 Jahren ist er eigentlich zu ernst. Man sieht ihn auf keinem Tanzboden, auf keiner Unterhaltung. Sonntags sitzt er über alten Büchern und liest.
Heute ist er etwas wunderlich. Immer wieder setzt er die Arbeit aus und lauscht etwas. Jetzt legt er den halbfertigen Schuh nieder und geht hinaus. Nach kurzer Zeit kommt er wieder schweigsam in die Werkstatt. Der Meister bemerkt sofort, daß Sepp etwas zugestoßen sein muß, denn er ist kreideweiß im Gesicht. Er fragt ihn daher: „Sepp, bist du krank? Du bist ja käseweiß im Gesicht.“ „Nein“ antwortet der Sepp einsilbig. „Ist dir etwas zugestoßen?“ fragt der Meister weiter. Als der Meister mit seinen Fragen nicht aufhört, sagt der Geselle schließlich: „Wenn der Meister mir gar keine Ruhe läßt, so muß ich es ihm doch sagen. Als ich vorhin draußen war, da schaute ich zufällig zu unserem Fenster. Ich sah eine weiße Gestalt, die bereits mit dem Kopfe in unserer Schlafstube war und dann ganz hineingestiegen ist. Diese Gestalt war nur der Tod. Ich meine, Meister, wir sollten uns alle gut zusammennehmen, denn der Besuch des Todes hat sicherlich nichts Gutes zu bedeuten.“ Der Meister und die Gesellen, die eigentlich richtige Raufbolden waren, lachten über Sepp. Vierzehn Tage nachher erkrankte der Lehrling und einige Tage darauf starb er auch. So hat der Sepp tatsächlich die Voranmeldung des Todes gesehen, wie er stets fest und entschieden behauptete.
Niedergeschrieben von OLin. Englhart

Die Girglbauern-Kapelle

Auf dem Waldweg von Unterbucha nach Neukirchen steht seit unverdenklichen Zeiten eine einfache Waldkapelle. Früher soll sie weiter unten gestanden haben. Dorthin kamen oft aus weiter Ferne fromme Pilger. Manche schleppten sogar ein schweres hölzernes Kreuz – vor 100 Jahren lehnten noch solche an der Kapelle. In der Kapelle ist ein Opferstock, die eingelegten Gelder dienten zur Zelebration von hl. Messen in Neukirchen. Die Kapelle heißt auch Girglbauern-Kapelle. Früher befand sich ein schwarzes Kruzifix in der Kapelle, das bei einem Brande im Kloster Windberg auf mirakulöse Weise gerettet und hierher verbracht worden sei. Es wurde aber geraubt und durch ein angeschwärztes ersetzt. In der Kapelle befindet sich die Holzfigur der Hl. Apollonia, der Helferin gegen Halsschmerzen.
Unterhalb der Kapelle befindet sich eine Wolfsgrube zum Abfangen des Bauernschreckens in früherer Zeit.
Niedergeschrieben von OLin. Maria Englhart.

Maria hat geholfen

Es war im Jahre 1670; da sah der Knabe Matthias Schmoll aus Windberg einen roten Adamsapfel an einem Nußbaum prangen. Er stieg sofort auf den Baum, um den Apfel zu holen. In seinem kindlichen Übermut wagte er sich weit auf die dünnen Ästchen, die seine Last nicht aushalten konnten. Die Zweiglein brachen und Matthias stürzte in die Tiefe. In dem unteren Gezweige bleib er wieder hängen und schrie um Hilfe. Er selbst durfte sich nicht rühren, denn sonst wäre er sicherlich abgestürzt.
Es liefen Menschen herbei, doch sie konnten ihm nicht helfen, da keine entsprechend lange Leiter zu finden war. In seiner großen Not erblickte der Junge vor sich die Gnadenkirche auf dem Bogenberg. Er wußte auch, daß das Gnadenbild schon unzähligen Menschen geholfen hatte, die inbrünstig um Hilfe flehten. Da bat er innigst, die Gottesmutter möchte ihn in ihrem Schoße auffangen. Als er die Bitte geäußert hatte, schloß er die Augen und ließ sich vom Baume herunterfallen. Zur Verwunderung aller Umstehenden ist Matthias von einer vielklafterigen Höhe wohlbehütet auf dem Erdboden gelandet.
Die Gottesmutter Maria hatte unsichtbar ihren Schoß ausgebreitet und das Kind aufgefangen.
Niedergeschrieben von OLin. Englhart

Der Bogner -Jackl von Windberg

Der verstorbene Bogner Jackl und sein Weib, Fanny, Gott hab sie selig, waren noch Leute vom alten Schlag, an denen alle Errungenschaften der modernen Zivilisation und Kultur abprallten. Sie wohnten in der ehemaligen Klosterziegelei und bewirtschafteten etwa acht Tagwerk Grund. Obwohl sie Kühe hatten, so trugen oder radelten sie mit dem Schubkarren die gesamte Ernte nach Hause. Sie wollten die Kühe schonen, damit sie mehr Milch geben. Es ist selbstverständlich, daß der Jackl und sein Weib den anderen in der Arbeit stets nachhinkten. Eines Sommers hatten die anderen ihr Getreide bereits zu Hause im Stadel, als Regenwetter einfiel. Der Hafer lag noch ruhig und ungestört auf dem Felde. Es regnete in Strömen und es schien, als würde es nie mehr aufhören. Die Burschen im Dorfe wußten wohl, daß Jackls Hafer noch auf dem Felde ungeschnitten war und nahmen sich vor, dem Jackl den Fleiß auf lustige Weise beibringen. Jackl selbst war auch ein ganz fideler Kerl, der so manchen Spaß verstand. Es war in Meidendorf eine Hochzeitsfeier und die Burschen kehrten spät in der Nacht nach Windberg zurück. Ihr Weg führte sie an Jackls Haus vorbei. Sie klopften an das Fenster und riefen: „Wohnt hier der Bogner Jackl?“ „Ja, der wohnt hier“ kam die Antwort zurück.“ Hier ist die Gendamerie aus Bogen“, sagten die Burschen mit verstellter Stimme. „Wenn sie bis morgen Abend ihren Hafer nicht eingebracht haben, werden wir sie verhaften, verstanden!“ Jackl schwieg und fand keinen richtigen Schlaf mehr, als die Burschen weggegangen waren. Am nächsten Morgen hingen die Wolken noch immer tief und es regnete. Doch der Regen konnte Jackl und seine Fanny nicht abhalten, den Hafer zu schneiden und auf ihrem Rücken einzubringen. Den ganzen Tag arbeiteten sie unermüdlich und brachten die Ernte heim.
Als es Abend wurde, hatte die „Gendamerie“ keinen Grund mehr, ihre Drohung auszuführen. Jackl und Fanny legten sich todmüde in die Federn. Die Burschen aber freuten sich an dem gelungenen Streich.
Niedergeschrieben von OLin. Englhart

Ehemalige Klosteranlagen

Benutzte Quellen:
Kunstdenkmäler Bayerns Band 20 / Windberger Schriftenreihen / Berichte im Straubinger Tagblatt / Die letzten Jahre des Klosters v. Norbert Backmund Kranz von Sagen v. K. Klar / Wegweiser durch die Geschichte Windbergs v. K. Klar/ Windberg im 2. Jahrtausend v. K. Klar.

Aus alten Zeitungen und Druckwerken