In Blau über einem gesenkten goldenen Wellenbalken, ein silberner Windhund, darüber ein schräg gestellter Pfeil. Der heraldisch stilisierte Windhund deutet auf die enge Beziehung, die Hunderdorf bis 1803 zu Windberg hatte. Neben dem Kloster Windberg waren noch die Hofmarken Au und Steinburg in Hunderdorf begütert, daher das Hofmarkszeichen, der Pfeil im Wappen.
Die geographische Lage im Tal des Bogenbaches wird durch das heraldische Wassersymbol, dem Wasserbalken, dargestellt. Das Wappen ist Ausdruck für Eigenständigkeit, Tradition und Heimatsinn.
Impesssum
Verfasserin: Schwester Bonaventura Härtenberger
Druck und Bindung: Buchdruckerei u. Offsetdruckerei Morsak oHG, 8352 Grafenau
Fotos: Fanny Bauer, Bogen; Foto-Studio Conrad, Bogen; Härtenberger, Hunderdorf
Bild der Einbanddecke: Morsak, Grafenau und private Fotos
Inhalt
ZUM GELEIT !
Aus Anlaß der Wappenverleihung wurde mir vom Bürgermeister
der Gemeinde Hunderdorf, Herrn Karl Härtenberger, das Manuskript dieses Werkes übergeben mit der Bitte, ein Grußwort zu schreiben. Ich komme dieser Bitte gerne nach und begrüße die Herausgabe dieses Heimatbuches sehr.
In unserer Zeit sind wir Menschen allzu sehr versucht, nur das zu zeigen, was wir geschaffen haben, und vergessen oft die Vergangenheit, in der die Wurzel unserer Kraft und unserer Gegenwart liegt. Jedes gegenwärtige Geschehen hat aber seinen geschichtlichen Nährboden. In diesem Heimatbuch wird auch ein geschichtlicher Rückblick gegeben und aufgezeigt, daß der Landkreis Bogen als Heimat der bayerischen Rauten eine ruhmreiche geschichtliche Vergangenheit hat. In diesem Buch wird aber auch geschildert, was in den hinter uns liegenden Jahren des Wiederaufbaues geleistet worden ist.
Möge dieses Werk Gefühle der Dankbarkeit gegenüber den Leistungen vergangener Geschlechter und der jetzigen Generation wecken, die Liebe und Treue zu unserer Waldheimat vertiefen und die Bereitschaft zu aktiver Teilnahme an Gemeinschaftsaufgaben stärken.
Ich danke allen, die an der Gestaltung dieses Heimatbuches mitgewirkt haben, insbesondere der Verfasserin, der Ehrwürdigen Schwester A. Härtenberger und dem Bürgermeister der Gemeinde Hunderdorf, Herrn Karl Härtenberger, der der eigentliche Schöpfer des Werkes ist.
Die Liebe zur Heimat wurzelt in ihrer Kenntnis und ihrem Verständnis. Die Herausgeber dieses Heimatbuches haben es verstanden, die Struktur sowie die kulturelle, geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung der zweitgrößten Gemeinde des Landkreises ausführlich darzustellen und ein Band von der Vergangenheit zur Gegenwart zu knüpfen.
Bogen, im August 1969
VORWORT
„Es gibt nichts Vollkommenes unter der Sonne“.
So weist auch das vorliegende Heimatbuch manche Lücken und Mängel auf. Trotz jahrelanger Vorarbeit und gründlicher Einsichtnahme in alle zugänglichen Quellen, wird manches dunkel bleiben.
Da Fußnoten die Übersichtlichkeit stören und beim Lesen oft hinderlich sind, wurde im Textteil weitgehend darauf verzichtet. Der Quellen- und Literaturhinweis findet sich am Schluß des Buches. An manchen Stellen mußte ziemlich weit ausgeholt werden um die Zusammenhänge herzustellen und so dem Leser ein besseres Verständnis zu vermitteln. Einige Stellen mußten der Übersichtlichkeit halber, wiederholt werden.
Dank sei hier gesagt, all denen, die mithelfen zum Entstehen und zur Ausgestaltung dieses Heimatbuches.
Besonderen Dank verdienen die Herren der Staatsarchive München, Landshut und Würzburg, vor allem Herr ORegierungs-Archivrat Dr. Stahleder, weiterhin Herr Pater Norbert aus dem Kloster Windberg für seine Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft, Herr Rektor Ortner vom Heimatmuseum Bogen für sein Entgegenkommen, Herr Rektor Hösl für seine Vorarbeit.
Wenn Hunderdorfer für Hunderdorf dieses Buch zusammengetragen haben, so wollen sie nichts anderes als die Vergangenheit und Gegenwart den späteren Geschlechtern erhalten.
Es soll nicht in erster Linie ein Geschichtsbuch sein, sondern ein Heimatbuch. Darum wurde so manches festgehalten, das über den streng geschichtlichen Rahmen hinausgeht.
Möge das Buch allen, die es lesen, ob daheim oder in der Fremde, etwas von der Ofenwärme unserer kleinen, alten Bauernstuben geben, möge es verschüttete Quellen wieder aufbrechen lassen.
Karl Härtenberger, 1. Bürgermeister
EINLEITENDES

Heimat ist überall,
Wo Wälder im Winde wehen,
Wo auf dem Erdenball
Liebende unter flammenden Sternen stehen.
Heimat ist allerort,
Wo Lebendes schaukelt in Wiegen,
Heimat ist hier, und dort
Wo Tote, geliebte Tote, in Gräbern liegen.
Siegfried von Vegesack

So reich das Fleckchen Erde zwischen Donau und dem Bayer. Wald an Sagen und Legenden ist, so dürftig ist die geschichtliche Überlieferung. Hunderdorf hat in der Geschichte nie eine namhafte Rolle gespielt, hat nie Geschichte gemacht, hatte nie ein Kloster oder einen adeligen Herren, dessen Archivar die Ereignisse der Jahrhunderte festgehalten hätte.
Von Mund zu Mund hat sich vererbt, daß seine Gründung auf den Grafen von Bogen zurückgeht, der auf dem Bogenberg ein Schloß hatte und im Tal seine Hundestallungen und daher der Name Hundedorf — Hunderdorf. Andere wollten wissen, daß auf Schloß Steinburg ein Besitzer Hunthari hieß und seinen Hundezwinger in Hunderdorf hatte.
Nie hat sich jemand die Mühe gemacht, dieses bescheidene Fleckchen Erde, das zwischen Wald und Gäu eingebettet liegt, zu ergründen.
Der Bayerische Wald, ein kristallines Urgebirge, besteht aus den ältesten Stoffen der Erdrinde. Es sind dies Gneise und silbrigglänzende Glimmerschiefer, die als Umwandlungsgesteine vor etwa 540 Millionen Jahren, aus sandigen, tonigen und mergeligen Meeresablagerungen hervorgegangen sind. Die eigentliche Geburtsstunde des Gebirges liegt an der Wende des Erdmittelalters zur Erdneuzeit vor etwa 6o Millionen Jahren. Der gesamte Bayer. Wald entstand, indem sich der alte Gebirgssockel heraushob und zerstückelt wurde.
Die Quarzlager im Bayer. Wald, die den wertvollen Grundstoff zur Glasherstellung liefern, verdanken ihre Entstehung einer starken Bewegung in der Erdrinde, wodurch ein tiefgehender, gradlinig von Nordwesten nach Südosten verlaufender Riß gebildet wurde, der Pfahl. Aus diesem Erdriß, konnte an einzelnen Stellen, heißes Wasser, das gelöste Quarze enthielt, hervortreten. Nach Verdunsten des Wassers setzte sich der weiße oder gelbliche Pfahlquarz ab.

Von Süden her trugen eiszeitliche Winde eine feine Staubschicht, den Löß in das Tal.
So hat Hunderdorf von beiden, vom Wald den rauhen Wind, von der Donauebene die Fruchtbarkeit.
Der rauhe Wind, der „böhmische“ hat die Menschen mehr geprägt, als die Sonne des Gäus. Noch um die Wende des 19. Jahrhunderts beklagt sich der Schulinspektor sehr über die rohen Sitten und das geringe Bildungsbedürfnis der Hunderdorfer.
Die von der Donauebene angewehte Staubschicht hat die Menschen ernährt, hat ihre Felder fruchtbar gemacht. Hunderdorf hat bedeutend mehr Ackerland als Wiesen. Bis um 1950 war die Gegend rein bäuerlich geprägt. Bis zur Säkularisation waren die Höhen ringsum bewaldet. Die Klöster Oberalteich und Windberg besaßen große Waldungen. Nach der Säkularisation 1803 wurden dieselben verkauft und es entstanden 40 kleine Anwesen. Viele solcher Anwesen lassen sich heute noch leicht erkennen, wenn auch die meisten inzwischen ihren Besitz vergrößert haben. Rings auf den Höhen reichen die Waldstreifen oft nahe an die Anwesen heran, ein Zeichen dafür, daß sie in damaliger Zeit entstanden. Auf den Höhen wuchs Wein. Die Ortschaften heißen nicht von ungefähr „Weinberg“, „Weingarten“.
Die Rodung ging von den Urklöstern aus: Pfaffmünster, Metten und Niederalteich. Sie wurden alle in karolingischer Zeit gegründet. Auf dem Hochaltar in Metten steht nicht von ungefähr Karl der Große. Wenn auch die Gegend erst um 800 gerodet wurde, so heißt das nicht, daß sie in den Talgründen nicht vorher schon besiedelt war.
Was uns Bücher verschweigen, sagt uns in dieser Hinsicht der Boden. Zahlreich sind die Funde aus Stein- und Bronzezeit. Der Bogenberg „Grint-loh“, der bewaldete Kopf genannt, zeigt Spuren, die auf ein paar tausend Jahre vor der Zeitrechnung hinweisen. Kilometerlange, von Menschenhand gebaute Wälle umgeben den Berggipfel. Liegt da nicht nahe zu glauben, daß dort eine Fliehburg stand? Und die vielen Funde aus der Bronzezeit (Bronzezeit ungefähr 2000 bis ungefähr 750 v. Christi Geburt). Genaue Zahlen gibt es erst etwa ab dem Jahr 800).
Lassen sie nicht vermuten, daß ein Häuptling der Bronzezeit seinen Sitz dort hatte?
Aus der noch älteren Steinzeit stammen die Funde an Steinäxten, Pfeilspitzen und anderem Gerät. Die Fundorte erstrecken sich von Heuwisch bis Sommersdorf, von Winkling und Welchenberg bis nach Wiespoint und noch weit hinein in den Wald.
Das Mammut lebte hier in der Eiszeit, das bezeugt die Tongrube in Bärndorf.
Haben die frühesten Kulturperioden Steinzeit und Bronzezeit hier menschliche Spuren hinterlassen, so noch mehr die Kelten. Etwa von ungefähr 500 ab breiteten sich die Kelten vom Westen her gegen die Germanen stark aus. Die Funde aus dieser Zeit sind meist aus Ton und Eisen. Als wichtigstes hinterließen die Kelten den Namen Pogana — Bogen. Nur die Römer scheinen den Sprung über die Donau nicht gewagt zu haben. Zu düster schien ihnen der Wald, der sich jenseits der Donau dräuend breitete. Als das Römerreich zerfiel, die Legionen dem Druck germanischer Stämme wichen, waren es im 6. Jahrh. die Bajuwaren, die wieder den Weg über die „Danube“, das schnelle Wasser wagten. Die Bajuwaren (Markomannen) drangen von Böhmen her in Bayern ein. Da siedelten ein Winkolo, ein Pfolo, ein Hugibert mit ihren Sippen. Sie waren ein Bauernvolk, das in Familienverbänden wanderte und ihre Dörfer nach ihren Stammesältesten nannte. Sie waren ursprünglich Heiden und wurden erst allmählich zum Christentum bekehrt. Allerorten entstanden Heiligtümer, oft dort wo früher ein römischer, keltischer oder noch älterer Kultbezirk bestanden hatte.
In einfachen, oft aus Holz gezimmerten Zellen und Klausen wohnten die Verkünder des neuen Glaubens.
GESCHICHTE UNSERER HEIMAT — I. Teil
741 berief Odilo, der vorletzte in Bayern regierende Agilolfinger, Mönche der Reichenau und begründete das Donaukloster Niederalteich. Außer den ausgedehnten Waldungen schenkte er dem Kloster auch Land an der Donau bis herauf zum Hutterhof. Odilo beauftragte die Mönche mit der Rodung und Kolonisation der Gebiete. Bevor sie sich an den unwirtschaftlichen Wald wagten, kultivierten sie im Flachland und gründeten die „dorf“ Orte. Mit Beginn des 10. Jahrhunderts dürften diese Gründungen abgeschlossen gewesen sein.

Niederalteich besaß zu der Zeit den Hutterhof mit seinem ausgedehnten Besitz. Der Historiker und Heimatforscher Pater Fink aus Metten, vertrat in einem Vortrag vor dem Heimattag des Donau-Wald-Gaues 1924, die Ansicht, Hunderdorf wurde vom Hutterhof aus, als eine Mark des Klosters Niederalteich gegründet.
Der Gründungszeit nach gehört Hunderdorf zu den echten „dorf“-Orten. Abweichend von der damaligen Sitte ist der erste Teil des Ortsnamens. Die ältesten bayer. Ortsgründungen tragen alle im ersten Wortteil den Namen eines verdienten Kriegs- oder Lehensmannes. Bei Hunderdorf ist das nicht der Fall. Die Namen Hunthari, Freiherr v. Hundt, lassen sich in keiner Weise in Verbindung mit der Ortsgründung bringen.
„dorf“ war damals „villa“ — Haus mit Grund und Boden. So bleibt nur die Annahme bestehen, daß Hunderdorf bereits vor der eigentlichen Inlandnahme besiedelt war. Hunderdorf war zur Zeit der Gründung eine weitverzweigte Streusiedlung, ungefähr das Gebiet der heutigen Pfarrei. Das liegt umso näher, als die aus der Donauebene bei Feindgefahr Flüchtenden, sich leicht in der „aua“ und in den Wäldern, der ringsum ansteigenden Höhen verbergen konnten. So haben wohl die Begründer das ganze Tal mit den Höhen kurz Hundertdorf, das Dorf mit, für die damalige Zeit, vielen Häusern genannt. Die ältesten Schreibweisen sind verschieden: hunderendorf, hundardorf, hunderdorff. Es gibt aber kaum einen Ortsnamen, der unverändert blieb, teilweise durch die Veränderung der allgemein üblichen Sprache, teilweise durch fehlerhaftes Abschreiben oder nachlässiges Aussprechen.
Das Dorf Hunderdorf blieb durch fast tausend Jahre klein und unscheinbar, während sich die Pfarrei schon sehr früh bis in den Wald erstreckte. Durch die Gründung der Klöster und Dienstmannensitze wurde das ursprüngliche Siedlungsgebiet aufgeteilt. Die Ortsnamen, die rings um das eigentliche Dorf entstanden, kamen teils aus der Lage der Weiler, Weiler von „Villa“, teils vom Anbau oder den dort ausgeübten Berufen. In alten Akten wird Hunderdorf in Oberhunderdorf, Hunderdorf und Unterhunderdorf eingeteilt.
Hofdorf war eine Hofmark und wurde zum Hofdorf. Nach Fink gehört Hofdorf zu den „dorf“-Gründungen von Niederalteich.
Lindfeld- das linde, das weiche Feld (aus der Mundart)
Lintach — Linntuch, es wurde dort viel Flachs gebaut und zu Leinen versponnen und gewebt, Breitfeld — das breite Feld, Lindenbrunn — unter einer Linde standen Brunnen, Appoig — Apoig = abbiegen, der Bach biegt ab, macht einen Bogen, Hoch — die Häuser auf den Höhen, Bauernholz — das Holz des Dorfbauern, Stetten reichte bis an die „Gstett“, Au — aua — fließendes Wasser, das Schloß war ein Wasserschloß.
Andere Ortsnamen entstanden durch Ministerialensitze. Die Ministerialen waren verdiente Kriegsmänner, die vom Landesherrn für ihre Verdienste belohnt wurden. Sie bekamen Land zur Rodung zugewiesen und durften einen Teil als Eigentum behalten. Auch militantes waren verdiente Kriegsmänner, die durch Güter belehnt wurden.
Gezo de salaha — Sollach
Hagano de Gezhusen — Gaishausen
Adelbrecht de Hovedorf — Hofdorf
Würde man sich die Mühe machen, könnte man die Namen jeder Einöde und jedes Weilers ergründen.
Doch vor all diesen Namen ist Hunderdorf bezeugt.
Als um 900 die Hunnen beutegierig die Donau heraufkamen, war der Friede aus dem Bayernland gewichen. Dörfer und Klöster sanken in Schutt und Asche. Die bayerischen Bauern griffen zur Selbsthilfe. Auf unzugängliche Höhen und in tiefen Tälern richteten sie Fliehburgen ein. An das Belagern fester Plätze wagten sich die Ungarn nicht. Vom Bogenberg aus wurden die Geflüchteten durch Leuchtfeuer gewarnt. Der Sieg am Innufer, den Herzog Arnulf 913 erfocht, brachte dem Bayerland vorübergehend Ruhe. Der Friede kehrte aber erst ein nach dem Sieg auf dem Lechfeld 955 durch Bischof Ulrich von Augsburg.
In diese Zeit fällt die Arnulfische Säkularisation. Durch die Kriegszüge verarmt, suchte der Staat nach Land und Besitz und fand es in den Klöstern. Auch das Kloster Niederalteich verlor große Ländereien und damit auch die Gegend um Hunderdorf. Das Gebiet fiel an den Staat zurück und von ihm bekam es ein Graf für besondere Verdienste oder als persönliche Auszeichnung.
Um diese Zeit lag der Bogenberg verödet, die Geschichte schweigt oder ergeht sich in dichterischen Spielereien. Was aber die Geschichte nicht weiß, erzählen uns Sage und Legende. Nach Regensburg war zu dieser Zeit Kaiser Heinrich, der Heilige, gekommen. Er lebte von 973-1024 und residierte mit seiner hl. Gattin Kunigunde in Bamberg. Nach viel Krieg und Streit, wollte er in der Stadt an der Donau eine Fest- und Ruhezeit einlegen. Er ließ ein großes Jagen ansagen, allen erreichbaren Herren mit Rang und Namen, darunter auch dem Grafen Babo von Abensberg. Alte Waidmannsregel war:
„Jedem Herrn folg ein Knecht!“ Doch der Abensberger erschien beinahe mit einem kleinen Heer, mit 32 Söhnen und den dazu gehörigen Knechten. Der Kaiser war ungehalten, als er aber dann den Segen mit prüfendem Auge schaute, staunte er und pries hoch und laut solch reichblühendes Geschlecht. „Der Söhne Sorg, sei mein hinfort“, sprach die Majestät und hielt wacker Wort, indem sie einem der jungen Abensberger die umfangreichen Ländereien des niedergegangenen Klosters Sankt Salvator verlieh, das in ältester Zeit auf dem Berge stand, der heute Bogenberg heißt. Bald entfaltete sich eine neue Grafschaft, die von der Feste Donaustauf bis zum Natternberge, vom Gerkow — Ossertor am Grenzgebirge bis hinab zum Dreisessel reichte. Wie ein Fürstentum erstreckte sich die Grafschaft durch den Wald. Da die Zeit von 800 bis 1100 als die urkundenlose Zeit gilt, muß man sich mit Annahmen und Folgerungen begnügen.
Tatsache ist, daß sich die Grafen nach 1000 im Donaugau ansiedelten. Der damaligen Sitte gemäß ließen sie sich zuerst im Tal (Hunderdorf) nieder und bauten von da aus das Schloß auf dem Winneberg, nachdem sie sich nannten. Die Grafen, die bis dahin keinen festen Wohnsitz hatten, erbauten neben der Kirche d. h. in der Nähe, im heutigen Sternhäusl, eine Klause, in dem ein Mitglied der gräflichen Familie, ein Wilhelm, als Einsiedler lebte. Die Winneberger gründeten von ihrem Sitze auf dem heutigen Windberg aus, das Kloster Oberalteich. Die eigentliche Gründung von Oberalteich dürfte 1100 gewesen sein, als Gründungsjahr gilt 1104. In den Jahren zwischen 1100 und 1103 schenkte die nobilis domina Hazicaha 2 Mansen (Anwesen) bei Hunderdorf an das Kloster Oberalteich. (Monumenta Boica Bd. 12, Seite 21).
Es war damals Sitte, daß an jedem Hof einige Geistliche lebten, die Dienst taten als Pfarrer, Sekretäre und Lehrer; denn der Herr Graf konnte weder lesen noch schreiben. Im Zuge der cluniacensischen Reformbewegung kamen solche Gemeinschaften öfter auf die Idee sich zu einem Kloster zusammenzuschließen und eine Ordensregel anzunehmen.
Manche Abtei hat diesen Ursprung. In Windberg waren es verschiedene Kräfte, die dazu den Anstoß gaben.
Der hl. Norbert hat bei seinem Aufenthalt in Regensburg 1123 oder in Rom 1126 den Grafen Albert, den Winneberger kennengelernt. Norbert nützte gern solche Begegnungen zu Klostergründungen. Der Kaplan des Grafen, Rupert, war wohl immer dabei und bei ihm fielen Norberts Worte auf guten Boden. Der Graf war von Norberts Plänen nicht begeistert. Die gräfliche Familie hatte doch kurz vorher das Kloster Oberalteich gegründet und sich dabei finanziell stark verausgabt. Ein Freund Norberts war Gerhoch von Reichersperg. Er war Augustinerchorherr in Rottenbuch und der Hauptvorkämpfer der Reformideen. Er war mit in Rom dabei und 1127/28 gründete er im Auftrag des Bischofs von Regensburg das Kloster Chammünster. Diese Klostergründung mißlang.
Bischof Kuno, der von 1123-32 den Regensburger Bischofsstuhl inne hatte, war vorher Abt in Siegburg b. Bonn. Norbert machte dort nach seiner Bekehrung Exerzitien. Kuno war ein großer Verehrer Norberts und wie Gerhoch ein Hauptvorkämpfer der Reformbewegung. Kuno war wohl durch Norberts Vermittlung Bischof von Regensburg geworden. Um seine Reformideen durchzuführen, berief Kuno Gerhoch nach Regensburg.
Bischof Otto von Bamberg war um diese Zeit sehr auf Klostergründungen bedacht. Viele derselben hat er veranlaßt und in seiner Lebensbeschreibung heißt es, daß das auch für Windberg der Fall war.
Die kleine Klosterschar lebte also schon vor 1140 im Schloß, ständig betend, daß der Graf ihre Bitten, ein Kloster zu gründen, erhören möge. 1140 kam Herzog Wladislaus von Böhmen mit Gefolge nach Windberg um den Grafen politisch zu beeinflussen. In seiner Begleitung befand sich Bischof Zdik von Ölmütz, der kurz vorher in den Orden der Prämonstratenser eingetreten war, den Norbert in Premontre in Frankreich gegründet hatte. Bischof Zdik hatte inzwischen bereits mehrere Klöster in Böhmen gegründet. Hinter ihn steckten sich nun Rupert und seine Gefährten und sie gewannen ihn für ihre Pläne. Der Herzog war bereit, sich an einer Klostergründung zu beteiligen und Güter in Böhmen zu schenken.
Daraufhin konnte auch Graf Albert nicht mehr nein sagen. Rupert, der wohl der erste Vorsteher war, hatte damit sein Ziel erreicht. Er starb noch im Jahre 1140.
Graf Albert übergab Windberg dem Orden, er selbst zog nach Bogen und nannte sich nun danach.
Die Linie der Grafen von Bogen spaltete sich in eine domvögtische und eine gräfliche Linie. Nachdem sie sich bereits Grafen von Bogen nannten, blieben sie Vögte über die von ihnen gestifteten Hausklöster.
Ihre Macht wuchs und um 1073 war Aswin, einer der Grafen auch Vogt über Niederalteich. Ihre Gründungen bedachten sie weiter mit Schenkungen, so erhielt Windberg den Teil seiner Güter in Hunderdorf von der Domvögtin Livkardis gest. 1150.
Durch die Übersiedlung der Grafen von Bogen wurde die gräfliche Stammburg Kloster und Propstei. Propstei bedeutet hier ein weltliches Amt, das in der Verwaltung der Güter, der Grundherrschaft nach, in der Wahrnehmung der Gerichtsbarkeit, über die Grundholden bestand.
Vor der Gründung des Klosters wurden die gräflichen Güter von Ministerialen verwaltet. Hunderdorf war Sitz der Ministerialen von Windberg. Von 1114-1137 waltete ein Quadalrich de Hunderdorf, ihm folgte ein Heinrich Albert de Hunderdorf und ein marquardus de prepositus de Hunderdorf, der seine Tätigkeit dem Kloster übergab. Die anfangs kirchenfreundliche Haltung der Grafen von Bogen, hat bei den späteren Vertretern des Geschlechts, besonders bei Albert III. stark nachgelassen. Albert war mit Ludmilla, der Tochter des Böhmenkönigs verheiratet. Sie brachte nicht nur ihre Schönheit, sondern auch große Besitzungen in die Ehe. Albert verbündete sich mit seinem Schwager Ottokar und führte Krieg gegen die Grafen von Ortenburg und gegen den Bayer. Herzog. Weite Landstriche bis in die Gegend von Mühldorf wurden verwüstet. Kaiser Heinrich VI. verbannte daraufhin Albert nach Apulien, er wurde aber nach einigen Jahren amnestiert. Die Unruhe trieb ihn an einem Kreuzzugsversuch 1196 teilzunehmen. Nach seiner Rückkehr führte er sogleich wieder einen blutigen Krieg gegen die Ortenburger. Schon im Jahr darauf am 20. Dezember 1198 starb er, erst 33 Jahre alt. Seine beiden Söhne Berthold und Albert hatten das wilde Blut ihres Vaters geerbt.
1204 heiratete die junge Gräfinwitwe Ludmilla den Bayernherzog Ludwig den Kelheimer.

Ludwig der Kelheimer und Ludmilla von Bogen
Diese Heirat wurde in der Volkssage mit viel Romantik ausgeschmückt. War aber ohne Zweifel vom Herzog gut berechnet; denn sie brachte ihm einen ungeheuren Machtzuwachs.
Hermann Lingg hält die Romantik um Ludmilla und Ludwig in seinem Gedicht fest.
Die Wellen branden und toben, ein Ritter steht im Kahn:
„Wes ist die Burg dort droben, ihr Fährleut sagt mir an?“
„Das Schloß dort über den Wogen, das Schloß dort auf den Höh’n
Gehört Ludmilla von Bogen, der Witwe jung und schön.“
Der Herzog kam geschritten zur Gräfin hold und klug,
Die schwarzumhüllt in Sitten, die Augen niederschlug.
„Wie eure Treu wird selten auf Erden Treue gesehn!
Laßt uns doch nicht entgelten, was Leides euch geschehn!“
„Seid edler Herr willkommen, vergessen sei mein Leid!
Kein Glück ist da genommen, wo ihr zu Gaste seid.“
Sie führt ihn nach dem Saale, die Diener decken den Tisch,
Es funkeln im Pokale, die Weine kühl und frisch.
Es glühn im Abendstrahle der Donau Wogen hold,
Ringsum im Segenstale die reichen Ähren gold.
Der Herzog ganz versunken, blickt selig auf das Land,
Er hält von Freude trunken der Burgfrau weiße Hand.
Er kam von nun zur Feste geritten an manchem Tag,
Der erst und letzte der Gäste bei jedem Fest und Gelag.
„Von euch geliebt zu werden“, so rief er einst, „o sagt,
Das holdeste Glück auf Erden, bleibt mir es ewig versagt?“
„Die Eh gelob ich euch heilig mit Ring und Treupfand hier,
Gewähret, o flieh nicht so eilig, gewähr dich noch heut mir.“
Ich darf“, sprach sie, „nicht hören, was euer Mund verspricht“,
„Was tobende Sinne schwören, der Himmel will es nicht.“
Da rief mit finsterm Grolle: Der Herzog: „Auf! Mein Roß!“
Als ob er zürnen wolle, verläßt er auf lang das Schloß.
In Jagd- und Waffenspielen verbringt er seine Zeit,
Und kann doch nicht erzielen, der Liebe Vergessenheit.
Ludmilla sah indessen gar oft vom Berg ins Tal;
Er blieb ihr unvergessen, das schuf ihr viele Qual.
Sie riet und sann in trüber Verstimmung allerlei
Herüber und hinüber, was wohl das Beste sei.
Was schwimmt dort auf den Wogen? Wer steht im leichten Kahn?
„Er blickt herauf nach Bogen, er ist’s, er landet an!“
Schon schwankt zurück der Nachen, der Ritter reitet in Hast;
Sie wollte weinen und lachen, ihr Plan war schon gefaßt.
Auf einem Teppich oben, sah man vor einem Portal
Drei Ritterbilder gewoben in einem Ahnensaal.
Und drei von ihren Räten rief sie geschwind heran,
Daß sie dahinter träten; sagt ihnen ihren Plan.
„Und ewige Liebe und Treue“, rief schon der Herzog laut,
„Gelob ich heut aufs Neue, ihr werdet meine Braut!“
„Wohlan, könnt ihr auch schwören, bei jenen Rittern dort?
Auch diese sollen es hören als Zeugen eurem Wort.“
Der Herzog sah die Riesen mit Lächeln an der Wand
Und rief: „Und auch vor diesen gelob ichs mit Mund und Hand!“
Da rollt mit einem Male, der Vorhang sich empor,
Drei Ritter im blanken Stahle treten daraus hervor.
Sie stunden pfeilgerade und sprachen: „Wir zeugen des,
So wahr als Gott dir gnade, den nie dein Wort vergeß!“
Der Herzog Ludwig blickte erstaunt um sich empor,
Indem er kaum erstickte, den Zorn, der in ihm gor.
Zu Füßen lag ihm bebend, demütig die schöne Frau,
Da sprach er, ihr vergebend: „Fürwahr, ihr halft euch schlau!
Ihr habt zur Kemenaten gar wohl verwahrt die Tür,
Ihr sollt mir denn auch raten als Hausfrau für und für.
Wie dem auch sei. Mit der Heirat der Gräfinwitwe traten die Wittelsbacher in die Reihe der Grafen von Bogen.
Das Leben der Söhne Alberts bestand aus Kampf und Krieg. Ständig führten sie Fehden. 1226 wieder gegen die Ortenburger. Daneben setzten sie den Bau von Burgen im inneren Bayer. Wald fort. Auf dem Hohen Bogen, in Lichteneck und auf dem Osser errichteten sie ihre Festungen. Ungeheuer war der finanzielle Aufwand. Die Folge war, daß sie den Gotteshäusern und Klöstern immer höhere Summen abpreßten. Sie nahmen Kirchengüter weg, verpfändeten sie und zahlten damit ihre Bauten und ihre Kriege.
Papst Innocenz III. beauftragte den Bischof von Regensburg, seinen Dompropst und den Abt von Karthäus-Prüll, die gräflichen Herren zu ermahnen, er drohte mit Kirchenstrafen für sie, würden sie sich nicht bessern und die Kirchengüter zurückgeben.
Die Mahnungen fruchteten, die beiden Grafen gelobten zur Sühne sich am nächsten Kreuzzug zu beteiligen, zuerst gaben sie noch dem Kloster Oberalteich die geraubten Güter zurück. 1207 Berthold und bald darauf auch Albert. Berthold kehrte aus dem Kreuzzug 1217 nicht mehr zurück. Vor Damiette ertrank er mit 39 anderen bayerischen Rittern im Nil. Im nächsten Jahr kam Albert in seine Heimat zurück. In einer Niederalteicher Urkunde von 1225 erneuerte er seine früher gemachten Schenkungen. Die Klöster wurden nicht mehr bedrückt.
Windberg hatte als Hauskloster nicht unter den Grafen zu leiden. Von 1233-1235 nahm Albert IV. nochmals an einem Kreuzzug teil. Seine Frau Richizia hielt sich während seiner Abwesenheit im Kloster Metten auf. Nach seiner Heimkehr wurde es ruhig um den so wilden Grafen. Meist wohnte er auf dem Natternberg, wohl schon krank und schwach. Am 15. Januar 1242 starb er und mit ihm starb das Geschlecht der Grafen von Bogen aus. Der große Besitz der Grafschaft fiel mit dem Tode Alberts, der wie sein Bruder kinderlos war, an Herzog Otto den Erlauchten, den Sohn Ludmillas aus der Ehe mit Ludwig dem Kelheimer.
Die Erbschaft war für die Wittelsbacher von großer Bedeutung, weil es sich um ein wirtschaftlich und kulturell erschlossenes Gebiet handelte, aus welchem der Landesfürst beträchtliche Einnahmen schöpfen konnte. In Hunderdorf waren die beiden Klöster Oberalteich und Windberg von ihrer Gründung an, begütert.
1184 werden von Papst Lucius III. 3, 1274 von Papst Gregor X. 5 Güter in Hunderdorf als Besitz des Klosters Oberalteich bestätigt. (MB. 12, S. 112 f. und 132 ff.)
Das Kloster Windberg hatte seit 1245 Besitzungen in Hunderdorf von Mathilde von Gmunden. Dieses Gut dürfte der spätere Zöllnerhof sein. Alle anderen Besitzungen Waren verstreut. Dieser Hof bestand als der Hof des Dorfbauern bis zur Säkularisation und heißt heute auch noch „beim Bauern“. Von 1245 stammt die erste Schenkungsurkunde. 1295 und 1297 schenkten die beiden Regensburger Bischöfe Konrad von Roteneck und Heinrich von Lupburg Zehntrechte in Hunderdorf an Windberg. (Th. Ried, Codex chronologico diplomaticus Ratisponsensis Bd. 1, S. 672 f. und MB 14, S. 56 f.)
Durch diese und folgende kleinere Schenkungen kam das größte Gebiet von Hunderdorf unter die Grundherrschaft des Klosters.
Von den 43 fl. 45 kr, die das Kloster Windberg im 18. Jahrhundert einnahm an Scharwerksgelder kamen 30 fl 15 kr. aus der Pfarrei Hunderdorf. Mit der Kolonisierung der Gegend von Niederalteich aus, ging sicher die Christianisierung Hand in Hand, so daß es nicht ausgeschlossen ist, daß Hunderdorf schon im 9. spätestens im 10. Jahrh. eine Kirche hatte. Kirche und Mesnerhaus gelten im Urkataster von 1843 als „Unfürdenklicher Besitz“.
Das Pfarrwiddum betrug 1803 33 Tgw. Grund, dazu kamen 2 Forste mit insgesamt 120 Tgw. Der Pfarrer zu Hunderdorf hatte zusammen mit seiner Filiale Neukirchen, zuletzt 1792 jährlich 7 fl Abgaben an das Seminar in Regensburg zu entrichten. Pürgl war Hunderdorf zehentpflichtig. Die Zehentabgaben sind im Kataster genau festgelegt. Alle Grundholden des Klosters mußten dem Kloster die genau festgesetzten Zehentabgaben leisten. Von den 16 in Hunderdorf vor 1800 erbauten Häuser sind nur 6 als „Eigen“ bezeichnet, die übrigen stehen unter einer Grundherrschaft. Die als „Eigen“ bezeichneten mußten ihre Abgaben an das Landgericht leisten.
Ursprünglich waren alle der Kirche zehentpflichtig. Jede zehnte Ackerfurche, jedes zehnte Neugeborene an Lämmern, Hühnern, Gänsen usw., jede zehnte Garbe gehörte der Kirche. Diese Zehentabgaben sind besonders interessant, da man aus ihnen ersehen kann, was damals gebaut und gepflanzt wurde. Schafzucht und Geflügelzucht waren überwiegend. Korn für das Brot, Flachs für den Lein, aus dem man das Leinen spann und wob, Wolle für die Kleidung, Geflügel für Fleisch und Eier.
Auch Schmalz wird erwähnt, folglich war auch die Rindviehzucht heimisch. Wahrscheinlich waren die meisten Anwesen so klein, daß nur der Eigenbedarf gedeckt werden konnte, die größeren Anwesen waren Lehenshöfe. Güter im heutigen Sinn dürfte es in der Hunderdorfer Gegend überhaupt nicht gegeben haben.
Der Zehent wurde bereits im 6. Jahrh. eingeführt. Der große Zehent bestand in der Abgabe von Geld, Korn, Hafer, Flachs. Der kleine Zehent verpflichtete zur Abgabe von Hackfrüchten, Kraut- und Gartenfrüchten. Außerdem gab es noch den Blutzehent : Geflügel, Eier, Lämmer, Schmalz, Schafwolle und Leinwand fielen darunter. Viele von den Zehentabgaben wurden in der Neuzeit in Geld, in „Steuern“ verwandelt. Ursprünglich gehörte ein Drittel vom Zehent dem Bischof, ein weiteres Drittel der Pfarrei und das letzte Drittel dem Grundherrn. Oft wurden die Zehentanteile verschenkt oder verteilt und so kam es, daß alle möglichen Personen in den Besitz von Zehent kamen. Bis in das vorige Jahrhundert kam bisweilen ein Vertreter des Kapitels zu Regensburg und kontrollierte die Zehentabgabe. Er sorgte auch dafür, daß dem Bischof zehentpflichtige Pfarreien ihren Zehent, das war das Zehentgetreide und der Blutzehent, nach Regensburg ablieferten. Es gab noch um die Jahrhundertwende Leute, die aus alter Gewohnheit die Garben zählten; denn jede zehnte „Goa“ gehört der Kirche.
Gräfin Hedwig von Cilli, Gemahlin Alberts von Bogen, hatte nach dem Tod ihres Mannes, in Windberg neben dem Mönchkloster ein Frauenkloster erbauen lassen. Am 21. April 1152 weihte Bischof Hartwig II. von Regensburg die Kirche St. Blasius, die zu diesem Kloster gehörte. Um 1850 wurde sie samt dem Turm abgebrochen.
In iscercelle, die Mühle, bekam das Windberger Frauenkloster, damit die Töchter in das Kloster aufgenommen werden. Auch eine Schwester Elisabeth de Hunderdorf lebte in dieser Gemeinschaft. Sie brachte große Güter mit, die sie aber nicht in Hunderdorf, sondern auswärts besaß.
Hagen de Geizzehusen gab dem Kloster Windberg ein Gut in iscercelle. Es geschah dies zu der Zeit als Marquardus Propst in Hunderdorf war. Gaisshausen ist im ersten Viertel des 12. Jahrh. als Ministerialensitz bezeugt. Als ehemalige Ministerialenburg hatte es ein Kirchlein, das dem hl. Georg geweiht war. 1126 ist ein Hagano de Gezhusen unter den militantes Zeuge.

Mondschein leitet den Namen Gaishausen von geis — Ziege ab. Diese Annahme ist falsch. „Hausburg eines Gezo“ begegnet uns in den Traditionen des Klosters Windberg nur einmal.
Das 12. Jahrhundert ist die Zeit des ritterlichen Siedlungswerkes. Überall im Lande entstanden Burgen und Schlösser. Die Grafen von Bogen hatten als unverkennbares Ziel ihr Territorium auszubauen und zu einem geschlossenen Bereich zu machen. Sie bedienten sich dabei ihrer Eigenleute und Dienstmannen, die dadurch rasch in den Stand der Ministerialen aufstiegen. Für tapfere Kriegsdienste oder sonstige Leistungen bekamen sie ein Stück Land, das noch unkultiviert war. Ihre Rodungsarbeit brachte sie in den Besitz des Neubruchszehnt, von denen ihnen zwei Drittel zufielen. Wer es verstand, konnte es zu einem kleinen Herrschaftsbereich bringen. So entstanden die Dienstmannensitze und Ministerialenburgen. Es waren dies meist besonders schön angelegte Höfe inmitten des Besitztums.
Der Ministerialensitz Hunderdorf ging mit der Übergabe des Schlosses an das Kloster, ebenfalls an das Kloster über. Wie schon erwähnt, wurde Hunderdorf vor allem durch Schenkungen aufgeteilt.

Hofdorf gilt als Wirtschaftshof der Grafen von Windberg. Nach Aufgabe der Burg auf dem Windberge oder schon vorher, wurde ein Gefolgsmann damit belehnt oder beschenkt.
1126 Adelbrecht de Hovedorf unter den militantes als Zeuge. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wird der Dienstmannensitz Steinburg bestätigt.
Die „Steinburger“ stammen von Hofdorf.
1148-1160 Albertus de Steinberg, sein Bruder Gozpold de Havedorf.
1162 Albertus de Steinberg it filius eus Heinricus.
Die Ministerialen von Steinberg, der späteren Steinburg, nannten ihren Wirtschaftshof Birkhof.
Birkhof = Birg/Birk von Bürg, Burg ist aus dem Dativ Zederburgi entstanden.
Gaishausen ist die einzige „haus“ Gründung der Gegend. Diese Gründung ist ebenfalls als Sitz eines Ministerialengeschlechtes bezeugt.
1126 Hagano de Gezhusen
1114-1137 Gezo de salaha—Sollach
Auch Stetten war Dienstmannensitz.
Das Herzogtum der Kelheimer erfuhr durch den Anschluß des ausgebauten Grafschaftsterritoriums bereits 60 Jahre nach der Übernahme durch die Wittelsbacher eine gewaltige Erweiterung. Kaiser Friedrich Barbarossa hatte 1180 das Grafengeschlecht der Wittelsbacher für seine Dienste für Volk und Kaiser mit dem Herzogtum Bayern belehnt.
Über 700 Jahre haben die Fürsten aus dem Hause Wittelsbach das Bayernland regiert und zwar als Herzöge, Kurfürsten und Könige.
Waren auch die Grafen von Bogen die eigentlichen Landesherren und nach ihnen die Wittelsbacher, so hatte Hunderdorf in den ersten Jahrhunderten wenig Beziehung zu seinen Regenten.
Windberg war wohl Hauskloster von Bogen, doch das berührte Hunderdorf wenig. Durch die Schenkungen und die Landaufteilung an die Dienstmannensitze war für Hunderdorf wenig geblieben. Die Gemarkungen verliefen damals ganz anders, die Grenzpfähle saßen locker, die Besitzungen griffen ineinander. Windberg hatte nie seine Besitzungen vermessen lassen. Noch Ende des 18. Jahrh. wird immer wieder betont, „daß in Hunderdorf ein blutarmes Volk ist, das fast nur aus Inwohnern und Häuslleut besteht.“ Die Besitzungen lassen sich nach der Lage der Herrensitze mehr vermuten, als feststellen.
Stetten war ein geschlossener Besitz und hatte bis ins 19. Jahrh. nur eine Hausnummer. Die Ausbrüche, die aus dem Gut entstanden, wurden mit Bruchteile an die Nummer angehängt.
Oberalteich hatte seine Besitzungen in Oberstetten, Lintach und Hoch. Auf den Waldgründen dieses Klosters entstanden später die Anwesen. Noch heute haben Oberalteicher Gemeindebürger Waldstreifen mit 1 und 2. Tagw. in Stetten, Sollach und Lintach.
Hofdorf war geschlossenes Gebiet und reichte herauf bis Stetten. Gaishausen war ebenfalls in sich geschlossen. Rammersberg war in Besitz von Oberalteich.


Die um 1530 errichtete Hofmark Au reichte mit ihren Besitzungen bis in das Dorf Hunderdorf hinein.
Steinburg besaß bis Breitfeld Ländereien.
Windberg war von sich aus in Richtung Apoig begütert. Sein Besitz reichte ungefähr bis zum Bach. Die Mühle in Apoig gehörte dem Kloster. Die übrigen Besitzungen in Hunderdorf hatte Windberg über das ganze Gebiet verstreut, so in Bauernholz, Oberhunderdorf, Oberstetten und auch noch in einigen Einöden.
Seiner strategisch unwichtigen Lage hatte es Hunderdorf zu verdanken, daß es vor kriegsführenden Truppen verschont blieb. Durch Hunderdorf führte weder eine Handels- noch eine Verkehrsstraße. Erst im 19. Jahrh. wurde mit dem Straßenbau begonnen.
Wurde auch Hunderdorf nicht direkt betroffen von Krieg und Streit, so wurde es doch immer wieder heimgesucht. Pest und Hungersnot machten nicht halt. Durch die Streuung der Anwesen war jedoch die Ansteckungsgefahr nicht so groß wie in geschlossenen Siedlungen.
Das Wort CVCVLLVM zeigt das überböse Jahr, da Pest und Hungersnot die Peitschen Gottes war, schreibt der Oberalteicher Chronist 1315. Die ältesten von Hunderdorf vorhandenen Akten sind Kaufbriefe. Sie liegen im Staatsarchiv Landshut und stammen aus den Jahren 1497, 1505, 1545, 1548, 1549, 1562 und 1598.
Kaufbrief von 1497 ist eine Fotokopie aus dem Bayer. Staatsarchiv. Ich Ulrich Jordan zu Martinspuech, Richter zu Obernhardthausen und Hänkhoven bekhenn für mich vnnd all mein Erben, vnnd tue khund allermeniglich mit disem lffen brief, das ich aufrecht und redlich, als Khauff Recht ist, verkhaufft vnnd zue khauff geben hab, vnnd gib meinem freundlichen, lieben vettern Wolfgang Jordan, Burger vnnd des Raths zue Dekhendorff, seiner Hausfrauen, allen igen beeden Erben vnnd nachkommen, nemblich meinen hoff zue Hunderdorff mit aller seiner Zuegehörung, wie ich dann denn mit grundt vnnd Poden, weisen Ackherrn selbst innghabt, genuzt und genossen hab, nicht dauen besondert noch außgenommen, welcher hoff zue Lehen viert und gert wo dem Erwürdigen Capitel zu Augspurg umb ein Summa gelts so mir benannter mein lieber vetter biß auf mein völliges unnd eewiges benüegen entricht vnnd bezahlt hat, vor dem ich zue Straubing im Gastenhof dennselben hoff wie sich gebürtt, vermelten meinem Vettern auß meiner in sein vnnd seiner Erben hanndt genöttigt vnnd überantwortt, auch als brieff, so ich darüber gehabt, wo daß sie demselben selbst vnnd mög innhaben, brauchen nuzen müssen, verkhommen, versezen vnnd verkhauffen, auch in all anderen Weeg, damit handlen thuen und lassen, Ires gefallens vnverhindert mein, allwo meiner Erben vnnd menigliches von mein vnnd derselben wegen. Das in allweg gedachtn Capiheln, an ihren Lehen, Lehens gerechtigkeiten vnnd forderung vnvergriffen, dann ich mein für mich und all mein erben, solches Hoffs mit allem Zuegehör sambt allen Brieff darüber lautend, sy sein Ime hiemit übergeben oder nit, zue eewiger verzicht, khain ansprach, noch forderung dartue, noch darnach in ewig zeit nimmermehr zehaben, zesuechen, noch zuegewünnen, begeben und verzigen hab, Ich verzeichne mich auch deß in Crafft deß brieffs, ich soll vnnd will auch, deß oft benennten meines Vettern und seiner Erben rechter treuer gewehren vnnd fürstandt sein. Sy deshalb bis zue völliger gewarschafft an allem schaden halten, wie solches Lehen, auch deß lehen gerichts, recht sitt und gewohnheit ist, alls treulich, ohngeuerde, daß zu wahren vhrkundt, gebe ich offtbemelten meinem lieben Vettern den brieff mit meinem aigen hieranhängendem Insigil besigelt — Geschen am Montag vor Reminiscere in der heiligen Vasten, nach Christi vnsereß lieben Herren Geburt fünfzehnhundert und darnach im fünften Jar.
Concordat zum originale 17 martii 62 (vermutlich 1762) Dr. Scheffler.
Weitere Kaufbriefe sind:
Kaufbrief von Georg Pruner 1545,
von Matheus Vorefil 1549,
von Hans Neumeier 1598,
von Benedikt Schärz 1567.
Die Kaufbriefe geben Zeugnis von der Umständlichkeit und der Willkür der Schreibweise der damaligen Amtssprache.
Der Name Pruner wiederholt sich in den Akten und Matrikelbüchern. Zuerst taucht er als Pruner, dann als Prunner und schließlich als Brunner auf.
Der Brunnerwirt war der Vorgänger des Baierwirt.
Brunner Tafernwirth steht neben seinem Namen.

DIE HOFMARK AU
1530 wird zum ersten Male Au genannt.
Georg Heuraß zu Au war Pfleger und Landrichter zu Mitterfels. Wahrscheinlich durch Heirat kam Au an die Ammon, bei denen Au bis ins frühe 18. Jahrhundert blieb.
Wie schon erwähnt, gehörte ein Teil von Hunderdorf unter die Grundherrschaft von Au.
Au war ein Wasserschloß. Die alte Schötzin von Au erzählt heute noch, daß man mit einer Zuin zum Schloß hinüberfahren mußte. Wening hat auf seinem Stich, der im Besitz des Heimatmuseums Bogen ist, eine Brücke eingezeichnet.
Der Pfeil im Wappen ist das Hofmarkszeichen.
Das Schloß stammt aus der Renaissancezeit. Die Kapelle, deren spätgotische Anlage in der Barockzeit verändert wurde, war eine Wallfahrt zum hl. Valentin. Noch heute hängen neben dem Eingang Votivtafeln aus dem 18. Jahrhundert.



1834 erwarb die Schulgemeinde Hunderdorf einen Teil des Schlosses Au und errichtete dort eine Zweigschule. Der andere Teil des Schlosses ging in bäuerlichen Besitz über. Erhalten blieb das Kirchlein. Es birgt eine wenig bekannte, aber wertvolle Nachbildung der Muttergottes von Neukirchen Hl. Blut aus der Zeit um 1480.
Ein Hussit soll aus Übermut Krone und Haupt, der um 1400 aus Böhmen gekommenen Marienfigur gespalten haben, wobei aus der Wunde Blut gequollen sei, so erzählt die Legende von dem Gnadenbild der Kirche in Neukirchen Hl. Blut, nahe der tschechischen Grenze.
Au wechselte häufig seinen Besitzer. Am längsten lebten die Amon auf Schloß Au.
Erhalten blieben die Namen und ein Teil ihrer Grabtafeln.
Völlig ausgelöscht wurde Au bei dem Brand auf der Burg Trausnitz 1961, dem alle vorhandenen Akten zum Opfer fielen.
Der älteste Grabstein, der in Hunderdorf zu finden ist, ist der Grabstein der Maria Magdalena Ammon, geb. Hoiraus zu Au, gest. am Abend des Maria Himmelfahrtstages 1563. Dieser Gedenkstein ist über der Türe der Seelenkapelle eingemauert. Die Ecken zieren die Wappen der Ammon, Hoiraus, Schmidinger und Gundelsheimer.
Ihr folgte im Tode laut Grabplatte Ferdinand Franz Ammon von und zu Au, Herrnfehlburg und Rattiszell, am 25. März 1665. Die Lücke ist offensichtlich. Nicht nur, daß der Dreißigjährige Krieg dazwischen lag, sondern schon vor ihm fehlt eine Generation.
Die Grabplatte des Ferdinand Franz Ammon von und zu Au hat unten sein Wappen in Rundblende und ist von ihrem ehemaligen
Platz an der alten Kirche an ihren jetzigen Platz an der 1935 erbauten Kirche gebracht worden.
Weitere Grabtafeln erinnern an:
Clara Adelheid Regina von Schrenk und Notzing auf Au, gest. 1706, 17 Tage alt.
Maria Esther Franziska von Schrenk, gest. 1717, 9 Tage alt.
Maria Esther Genoveva Freifrau von Schrenk und Notzing, geb. Arnmon von Au, gest. 5. März 1727.
Johannes Ignatius Freiherr von Schrenk und Notzing, Chorherr zu Berchtesgaden, gest. 10. Mai 1724.
Johann Zacharias Reichsfreiherr von Voith von Voithenberg auf Herzogau und Au, kgl. bayer. Regierungsrat zu Straubing im 50. Jahr Inhaber der Hofmark Au v. Wald, gest. am 13. Juli 1808 im Alter von 86 Jahren. Johann Baptist Freiherr von Schleich, von Schönstatt und Stephanskirchen, quiescierender Oberleutnant beim Leibregiment Pius und vormaliger Gutsbesitzer von Au. Geb. am 5. Mai 1771, gest. im Oktober 1818.
Untenstehende Grabtafel zeigt die beiden schönsten und für die Gegend sinnvollsten Wappen.
Über dem Brunnen, wohl Sinnbild für das Wasserschloß, sitzt zwischen den Jagdhörnern der Hund.
Wendet man sich im Auinger Kirchlein um, so steht man einem alten Hinterglasbild gegenüber.

Die Hinterglasbilder waren durch Jahrhunderte der Schmuck unserer Bauernhäuser. Da Maria darauf noch mit der Spindel spinnt, dürfte es sich um ein Bild vor 1700 handeln.
Im Bayerischen Wald waren es meist Bauern, die diese Bilder schufen. Zur Winterszeit übten sie im Familienbetrieb diese Kunst. Sie schrieben und malten mit schwerer Hand. Ihre Bildsprache war kräftig, ihr Strich derb, ihre Farben einfach und leuchtend. Besonders begehrt waren die Hinterglasbilder von Schönstein im Landkreis Bogen und von Neukirchen HI. Blut. Es liegt nahe, daß das Bild mit der Marienstatue nach Au kam.
Wie ist nun diese Malerei vor sich gegangen? Der Geschickteste, meist der Vater, zeichnete auf die Hinterseite der Glasscheibe mit dunkler Farbe und feinem Pinsel die Umrisse des Bildes, Kopf, Haar, Gewand, Hände und Füße.
Dann wurden von der Mutter mit freier Hand die zarten Stellen aufgetupft. Nachdem das gut getrocknet war, legte vielleicht der Knecht auf den ganzen Mantel die blaue Farbe und die Tochter des Hauses auf die Wange über das rote Bäcklein die braune Farbe.
Und so wurde Schicht um Schicht, Farbe um Farbe aufgetragen und zum Schluß eine Lackschicht darüber gezogen.
Wenn der Frühling kam wurden die in flachgehobelten Rahmen und hinten mit einer Holzwand bedeckten Bilder auf eine Kraxen geladen und der Bildlkramer verhandelte sie im ganzen Land.
Es sind nur noch wenige alte Glasbilder erhalten und noch weniger von solcher Originalität wie das in der Kapelle in Au.
Der Konservator Dr. Hermann Röttger, München, kann in einem 1929 verfaßten Aufsatz die Schönheit und Echtheit dieses Bildes gar nicht genug rühmen. Er schreibt von dem eigenartigen künstlerischen Gehalt echter Volkskunst, die sich hier so klar offenbart.
Es gehört zu den wenigen Werken der Volkskunst im Vorwald. Erstaunlich ist die Gedankentiefe dieses Bildes. Der Vorhang und das Stück Säule geben einen orientalischen Akzent, Maria die fleißige Hausfrau, die dabei ganz Mutter ist und ihr Kind nicht aus dem Auge läßt. Josef, der sorgsam das Kind hält, aber sein Werkzeug in greifbarer Nähe hat. Das ganze Bild atmet Sammlung.

KIRCHE DER HEIMAT
Kirche der Heimat,
ich lieb dich gar sehr,
schaust, wo ich gehe,
treu zu mir her.
Rufst mich am Morgen,
den Abend schenkst du,
und deine Glocken decken mich zu.
Kirche der Heimat,
könnt’s anders denn sein,
bin ja in dir
wie nirgends daheim.
Dort steht der Taufbrunn,
mein ew‘ ger Beginn.
Und zum Altare schreite ich hin.
Seit mich die Mutter
zu dir gebracht,
seit ich um Heil’ges und Großes gefragt. Kirche der Heimat,
ich kenn dich so gut,
kenn‘ jeden Winkel,
dein heiliges Gut,
alle die Bilder und all deine Pracht.
Dank dir, o Kirche,
hast reich mich gemacht.

Original im Staatsarchiv Landshut
DIE PFARREI HUNDERDORF
Da Hunderdorf zu den Gründungen des Klosters Niederalteich gehört, ist anzunehmen, daß es ursprünglich auch von dort aus seelsorglich betreut wurde, möglicherweise eine Holzkirche hatte.
Mit den Grafen von Winneberg kamen wiederum Geistliche in die Gegend. Da Hunderdorf Sitz der Ministerialen von Windberg war, ist naheliegend, daß auch die Seelsorge vom Schloß aus ausgeübt wurde.
Als sich die Geistlichen des Schlosses zu einer Gemeinschaft zusammenschlossen und eine feste Regel annahmen, ist es durchaus denkbar, daß einer der Herren sich nicht zu diesem Leben in der Gemeinschaft entschließen konnte und sich der Seelsorge in den umliegenden Ortschaften annahm.
Es wäre leicht möglich, daß zu dieser Zeit die Pfarrei Hunderdorf entstanden ist, mit den Filialen.
Neukirchen war Filiale von Hunderdorf, Pürgl war der Pfarrei Hunderdorf zehentpflichtig, Steinburg, das Schloßbenefizium gehörte zu Hunderdorf. Von 1359 stammte der erste nachweisbare Kirchenbau.
Der bis in die dreißiger Jahre hinein stehende Turm, stammte noch von diesem Kirchenbau. Er wurde später nur renoviert und unter Pfarrer Gruber um 4 m erhöht.
Die ursprünglichen Treppengiebeln wie sie noch an den Windberger Häusern zu sehen sind, wurden wieder nachgebildet.
Nach dem Diözesanregister hatte Hunderdorf bereits 1438 einen Pfarrer und einen Pleban, dazu einen Benefiziaten in Steinburg.
Am 13. Mai 1598 hat „der Pfarrherr zu Hunderdorff, Magister Hainricus Sutorn, die Schuldt der Natur mit dem zeitlichen Todt bezahlt.“

„ Wir geben die Pfarrei an Herrn Michael Slicetus, Priester der Diözese Eichstätt“. Regensburg, 10.6.1598.
1611 schreibt Pfarrer Schäffel von Hunderdorf an den Freiherrn Dül in Pürgl wegen Einbringung des Flachszehent. Pürgl gehörte dem Schloß Hacken.

Das älteste Taufbuch stammt von 1612
1616 erhält das Prämonstratenserstift Windberg gegen die Pfarrei Viechtach, die bis dahin selbständige Pfarrei Hunderdorf.
In Viechtach hatte es Differenzen mit dem Kloster gegeben und die Viechtacher wandten sich an den Bischof zu Regensburg. So kam es zu dem Tausch.
Der Abt schrieb damals an das Ordinariat: ,,Jetzt da in den traurigen Khriegsleifften so vill Patres drauff gangen sind, weiß ich oft nicht, wen ich auf die Pfarreien hinaus schicken soll.“
Von 1616 bis 1817 wurde die Pfarrei von Patres des Klosters Windberg betreut. P. Sebastian Aicher 1616-20. Sein Grabstein ist in Heiligkreuz in der Sakristei.
Pater Johann Zänckl 1621-28
P. Georg Grabmeier 1628-30
P. Hyronymus Rieck 1630-35.
Die Aufgabe der Grundherren war nicht nur die Gerichtsbarkeit auszuüben, sie mußten auch in Kriegsfällen Mann und Wagen in entsprechender Zahl zum Kampf abstellen. So kam es, daß am 16. Oktober 1631 reitende Boten von der Straubinger Regierung nach Oberalteich und auch nach Windberg kamen. Sie berichteten, daß sich die Schweden bereits in Bamberg eingenistet haben und gegen Nürnberg ziehen. Die Pfleger wurden angewiesen zu rüsten und Wägen bereitzustellen. Die Klöster sollten ihre wertvollen Paramente in Sicherheit bringen.
2 Jahre vergingen bis die Schweden kamen. Sie suchten vor allem den Abt von Oberalteich, Vitus Höser. Er hielt sich zuerst in Freundorf und später in Elisabethszell versteckt. Auf der Flucht hätten ihn in Haibach beinahe schwedische Truppen gefangen genommen. Als Bauer und Viehtreiber schlug er sich durch die Schweden durch bis Landshut. Täglich sah man Feuerschein über dem Wald. Ein großer Teil von Bogen wurde verbrannt, der Bogenberg erstürmt, die Kirche beschädigt, das Wallfahrtsbild über die Felsen gestürzt.
Zu aller Feindgefahr kam im Winter 1633 die große Kälte. Zu allem Unheil noch die Pest. Was noch laufen konnte, flüchtete in die Wälder. In der ganzen Gegend gab es Pesttote. Das Dorfleben zerfiel.
Zwetschgenrummel und die bayerischen Geschichtsbücher verschwiegen ihn 1633 kamen die weimarischen Truppen in das Kloster Windberg, nachdem sie in Hunderdorf den Pfarrhof geplündert hatten. Abt und Konvent waren vorher schon nach Englmar geflüchtet. Sie plünderten und verwüsteten was sie fanden. Nochmals am 9. und 13. Dezember kamen die Schweden nach Windberg. Sogar die Gräber durchsuchten sie nach verborgenen Schätzen. Zwei Mönche wurden vor den Augen des Abtes Michael Fuchs getötet. Der Abt wurde gefangen weggeführt. In Englmar wurden Dorf und Kirche abgebrannt.
Die Notzeit dauerte 15 Jahre.
Pater Philipp Schotterer, 1635-44
P. Norbert Flieger, 1644-46
P. Hugo Singer, 1646-48.
Auf der Höhe von Rammersberg soll die letzte Reiterschlacht des 30jährigen Krieges getobt haben. In Richtung Mitterfels liegt ein 2 Tagw. großer Acker des Fuchsbauern, der heute noch Marteracker heißt. Auf diesem Acker stand einst eine Marterkapelle, sie soll kurz nach 1648 errichtet worden sein. Wiederholt fand man auf diesem Acker beim Pflügen kleine Hufeisen, die an diese Schlacht rührten.
In den Alteicher Chroniken wird besonders ausführlich über die Schrecken dieses Krieges berichtet, ,,der so fürchterlich zwischen Alteich und Espenzell tobte“.
Nach dem furchtbaren Krieg suchte eine „erschröckliche Pestilenz“ die Gegend heim.
P. Gregor Kirchmayer, 1648-52
P. Max Schlager um 1651/52, desgl. Pater Hermann Schiele
P. Sebastian Fuchs, 1652-54
P. Simon Limpach, 1654-56
P. Norbert Böhm, 1656-59
P. Gregor Kirchmayer, 1659-73. ,,Ein heldenmütiger Seelsorger in den Zeiten der Pest“, steht von ihm zu lesen.
P. Jakob Gahr, 1673-82
P. Augustin Schmidtbauer, 1682-83. War später Abt von 1717-32
P. Wolfgang Dachauer, 1683-86
P. Wilhelm Seiler, 1686-96
P. Petrus Winger, 1696-1700. Er erbaute die Kirche von Grund auf.
P. Wilhelm Seiler, 1700-01
P. Petrus Winger, 1701-1708
P. Sabinus Auer von Winkl zu Röhrnbach und Dürnthenning, 1708-22. Viel Not ging in diesen Jahren durch das Land. Krieg und Pestilenzen hatten die Bevölkerung teilweise so geschwächt, daß manche Dörfer nur noch ein Zwanzigstel ihrer Einwohner hatten. Das Brot war nach dem großen Krieg so karg, daß man es mit Kleie, Kletzen, Heublumen und Sägspänen streckte.
Doch nicht mit Grauen, sondern mit einer ergötzlichen Geschichte, soll dieses Kapitel abgeschlossen werden.
Es gab einen Krieg, der im Volksmund der Kartoffelkrieg hieß. Als solcher ging er auch in die preußische Geschichte ein, die Osterreicher nannten ihn gern.
Wer wollte es dem rhein- und weinfrohen Kurfürsten Karl Theodor übel nehmen, daß ihm seine Heimat, die fröhliche Pfalz, besser gefiel als das erbte Bayernland, insbesondere der damals noch recht unwirtliche Wald. So kam es, daß er unter anderem auch das Straubingerland und mit ihm unser Gebiet an den Österreicher Franz II. verhandelte. Aber er hatte die Rechnung ohne den Wirt, in dem Fall ohne den Preußenkönig Friedrich II. gemacht. Dieser protestierte gegen den Machtzuwachs der Österreicher, setzte seine Soldaten nach Böhmen in Marsch zu dem schon genannten Krieg, in dem kein Schuß fiel und kein Landser getötet wurde. Karl Theodor gab nach und Franz mit ihm und flugs wurden die schon schwarz-gelb gestrichenen Fensterläden der Mitterfelser Pflegburg und des Bogener Rathauses wieder weiß-blau übermalt.
So verdanken wir den Preußen, daß wir bayrisch geblieben sind.
1653 wurde für Hunderdorf die alte Glocke gegossen: ,,Deo, Dei parae, Se patronis Stephano et Nicolav Hunderdorf.
Nach dem Matrikel von 1665, das handschriftlich im Diözesanarchiv vorhanden ist, hatte Hunderdorf 3 Altäre: Hauptaltar mit Stephan und Nikolaus, einen Hl. Kreuz-Altar und einen mit der Darstellung Maria Verkündigung. Das Schloßbenefizium in Steinburg bestand noch 1508, 1665 nicht mehr. In diesem Jahr hatte es in der ganzen Pfarrei mit den Filialkirchen 900 Kommunikanten.
Die Kirche in Steinburg hatte zu dieser Zeit 3 Altäre, die Kirche in Hofdorf St. Thomas als Patron.
Von 1688-1703 prozessierte die Pfarrei Hunderdorf mit dem Kloster Windberg. Hunderdorf wollte wieder selbständig werden.
Das alte Gotteshaus war so baufällig geworden, Hunderdorf so arm, daß man sich von 1690-99 in ständigen Bittgesuchen an Seine Königliche Hoheit Maximilian Emanuel wandte, wegen Erbauung eines Gotteshauses. Der Landesfürst antwortete zwar stets huldvoll, aber der erbetene Zuschuß ließ auf sich warten.
Inzwischen war Hunderdorf dem Dechant von Deggendorf zugeteilt worden. Er fühlte sich verpflichtet, 1695 beim Landrichter für die Hunderdorfer einzutreten und wies in einem Schreiben an denselben darauf hin, daß das 1359 errichtete Gotteshaus zu Hunderdorf so baufällig sei, daß zu befürchten sei, es stürze ein. ,,Curatus Religoso getraute sich nicht mehr die Kanzel zu besteigen und kann auch vor dem Altare das Wort Gottes nicht ohne Lebensgefahr vortragen. Es wird gebeten ohne längeren Verschub Hand anzulegen, wenn die Kirche nicht erst augenscheinlich einfallen soll.“ Neun Jahre verstand Seine königliche Hoheit den Bau hinauszuzögern. Mannshohe Aktenstöße hatten sich inzwischen angehäuft.
1698 wurde die Kirche wegen Baufälligkeit abgebrochen. Den Grundstein zur neuen Kirche legte am 13. 7. 98 der Hofrichter Gabriel Erdl von Mitterfels. 1699, 1700 und 1701 kam der so dringend benötigte Zuschuß. Am 17.10. 1700 wurde die Kirche von Abt Franz Knod geweiht.
P. Felix Viechter, 1722-27
P. Paul Dachauer, 1727-33
P. Wilhelm Miller, 1733-36
P. Paul Dachauer, 1726-42
P. Augustin Diez, 1742-43
P. Paul Dachauer, 1743-51
P. Norbert von Barth zu Harmating und Pasenbach, 1751-64
P. Sabinus Leitner, 1754-67
P. Joseph b. Planck, 1767-73
P. Anton Schweizer, 1773-83
P. Hermann J. Häring, 1783-84
P. Florian Schönhofer, 1784-86
P. Franz Rausch, 1786-90
P. Jakob Pecker, 1790-1801
P. Sabinus Blaim, 1801-1817 war der letzte Pfarrer, den das Kloster nach Hunderdorf sandte. Er blieb nach der Säkularisation des Klosters in seiner Pfarrei.

Wappen von Windberg nach dem Chur-Bayerisch-Geistlichen Kalender 1757. In diesem Kalender steht über Hunderdorf zu lesen:
Der Gerichtischen Administration inclavirte Pfarr- und Filial-Gottshäuser Hunderdorf.
S. Stephani Pfarr-Gottshaus gehört in das Dekanat Viechtach, Camery Podenmais.
Wird von einem Windbergischen Capitularn R. P. Norberto Bard versehen. Gaishausen eine zu obiger Pfarr gehörige Capelln S. Geogrii.
Neukirchen S. Martinii Filial, wird ebenfalls von einem Herrn Capitulaen R. P. Sabino Leithner versehen.
Hoffmarksche Gotts-Häuser.
In der Baron Schrenkischen Hoffmark Au, befind sich eine Capelln dem hl. Valentino zu Ehren gewidmet, und der Pfarr Hunderdorf incorporiert.
Baron Aschische Hoffmarchen Pürgl und Haggen.
SS. Pauli & Johanni – Filial. Gotteshaus Pürgl ist der Pfarr Hunderdorf incorporiert.
Separ 5. Barbara Filial-Kirchen zu obiger Pfarr gehörig.
Baron Schusische Hoffmarch Stainburg.
Ein Capelln denen Hl. Joanni Bapt. & Evang. dediciert, der Pfarr Hunderdorf incorporiert.
Die Kirche in Pürgl gehörte schon zu Hunderdorf, als die Pfarrei noch selbständig war. 1612 schreibt Pfarrer Georg Schäffel einen Brief an den Freiherrn Dül von Pürgl wegen des kleinen Zehent. In späteren Jahren wird mit Pürgl wiederholt verhandelt wegen des Flachszehent.
Die Kirche in Hofdorf gehörte ebenfalls zu Hunderdorf, von der Säkularisation an, galt sie als Nebenkirche, vorher wurde sie direkt von Windberg aus betreut, da Hofdorf eine Hofmark von Windberg war. Der ursprüngliche Patron war St. Thomas. Erst ab 1765 St. Edigna.

Die Verehrung der hl. Edigna kam mit einem Abt nach Hofdorf. Edigna war nach der Legende eine französische Königstochter. In Puch bei Fürstenfeldbruck, hat sie in einem Baum, der Edignalinde, gelebt. Dort ist sie auch gestorben, nachdem viele bei ihr Hilfe und Heilung gesucht und gefunden haben. Im Schatten der Edignalinde ruht der Rembrandtdeutsche Julius Langbehn, von seinem unruhigen Leben aus.
Hofdorf hatte auch einen eigenen Friedhof. Bei den Ausschachtungen für die Wasserversorgung kamen die verschollenen Gebeine zum Vorschein.
DIE GESCHICHTE UNSERER HEIMAT – II. Teil
Die Säkularisation
Ihre Vorgeschichte
Viele wissen von ihr nicht mehr, als daß Säkularisation -Verweltlichung heißt oder daß in dieser Epoche die Klöster enteignet und dem Staat ggeben oder besser gesagt, vom Staat genommen wurden.
Wo aber liegt der tiefere Kern?
,,Durch die vielen Feldzüge, das wahrhaft fürstliche Leben an den Höfen, der oft zu ausgeprägte Kunstsinn der Landesherren, hatte das Staatssäckel leer gemacht. Der Staat erhoffte sich durch die Beschlagnahme der Kirchen und Klostergüter große Reichtümer. Die Enttäuschung auf Seiten des Staates war groß, als er in den Klöstern den erhofften Reichtum vermißte, statt der Kostbarkeiten oft Schulden fand und obendrein den vertriebenen Mönchen und Nonnen noch eine Leibrente zahlen mußte, die zwar zu klein zum Leben, aber zu groß zum Sterben war.
Anderseits kamen die Klöster dem Staat durch ihre damalige Lebensweise weitgehend entgegen. Die Gegenreformation hatte im 17. Jahrh. der Kirche und den Klöstern einen erfreulichen Aufschwung gebracht. Bis Ende des Jahrhunderts war dieser weitgehend erstarrt. Die höhere Geistlichkeit bestand meist aus adeligen Herren, die ihre fürstliche Lebensweise nicht aufgeben wollten. Das Ordenswesen schleppte aus dem Mittelalter noch manch verknöcherten Ballast mit. Die Aufklärung setzte das Ordenswesen mit diesem Ballast identisch und gab ihm keine Zukunft mehr. In den Orden war die Reform aus Traditionalismus weitgehend auf halbem Wege stehen geblieben. Da die Kirche von sich aus keine durchgreifende Reform fertigbrachte, mußte eben der Lenker der Geschicke negative Kräfte benützen. Sie taten es freilich im Geiste des Hasses und der Zerstörung.
Bischof Sailer von Regensburg, die Äbte Kornmann von Prüfenning und Aschenbrenner von Oberalteich suchten zwischen beiden Richtungen zu vermitteln, aber umsonst. Das 18. Jahrh. hatte den Klöstern wohl eine rege Bautätigkeit gebracht, aber gleichzeitig einen geistigen Leerlauf. Die Mönche lebten nicht üppiger als andere „von Stand“, nach heutigem Maß gemessen, war es noch primitiv genug. Moralische Entgleisungen waren in den Klöstern selten. Der Wurm saß wo anders. Es gab für die damaligen Bauernsöhne eigentlich nur zwei Möglichkeiten, entweder Hoferbe oder Bauernknecht zu werden.
So kam es, daß mancher in einen Orden eintrat um dort ein „Herr“ zu werden. Nun konnten aber nicht alle mit Klosterämtern betraut werden, es gab oft bei den Tüchtigeren eine Ämterhäufung, bei den anderen einen Leerlauf. Seelsorgliche Probleme im heutigen Sinn gab es nicht, man lebte gemächlich in ausgefahrenen Geleisen. Schulen im heutigen Sinn gab es in den Klöstern nur selten, intensives wissenschaftliches Studium nur einzeln, es steckte noch im zaghaften Anfang. So kam es, daß der Spott der Aufklärer über das müßige Leben der Mönche nicht immer ganz unberechtigt war. Das Volk sah in den Mönchen weniger eine Schar Heiliger als den Grundherren, dem man Abgaben, Zehnten, Gilten, Scharwerk und Fron zu leisten hatte. Das Feudalsystem hatte damals seine innere Berechtigung verloren, es war in geistlichen Händen auch bei mildester Handhabung irgendwie odios. Die Kirche hätte von sich aus darauf verzichten müssen. So wie sich heute das Leben alter Orden mit zeitnahem Denken und Arbeiten vereinen läßt, so wäre das auch damals möglich gewesen. In Windberg hatten noch andere Ursachen einen Tiefstand herbeigeführt. Mit Abt Strelin 1777 wurde die Blütezeit des Klosters zu Grabe getragen. Sein Nachfolger war ein frommer Mönch, hatte aber nicht die Voraussetzungen, die ein Abt in damaliger Zeit brauchte. Als der Abtstab 1799 in andere Hände überging, war nicht mehr viel zu retten.
Unter den Besitzungen des Klosters war auch das Pfarrwiddum Hunderdorf. Zum Kloster gehörten 7 geschlossene Hofmarken, darunter auch Hofdorf. Das Pfarrwiddum hatte seine eigenen Stallungen und Dienstboten, wurde aber vom Kloster aus verwaltet, zusammen mit dem Klostergut. Für die langen, im Orden üblichen fasten hatte das Kloster eigene Fischweiher. Die größten waren der Gaishauser Weiher, den sogar Apian auf seiner Landkarte vermerkte, und der Eglseer, auf dem traditionsgemäß der Mühlhiasl so gern mit den Kindern Kahn fuhr. Von den vielen Weihern wurden die meisten trocken gelegt, auch die eben erwähnten. Ein kleinerer Weiher war in Hunderdorf der Pfarrerweiher, anschließend an den Pfarrergarten.
Der Geist der Aufklärung, der die Ursache aller Verweltlichung war, zog immer weitere Kreise, doch hoffte man, der Staat werde vor den letzten und härtesten Konsequenzen noch in letzter Minute zurückschrecken. Auch in Windberg wechselten Angst und Hoffnung. Im Frühjahr 1802 hatten noch 2 Novizen Profeß abgelegt und 2 Kleriker die Priesterweihe empfangen. Als das „Säkularisationsministerium“, die Generallandesdirektion für ständige Klostersachen errichtet wurde, war man sich klar, daß die Säkularisation eine vollständige werde. Es ging dann auch Schlag auf Schlag. Im Sommer 1802 wurden bereits Profeßablegung und Abtwahl verboten. Es kamen ein Franziskanerbruder und ein Kapuzinerbruder zur Versorgung nach Windberg. Das gab dem Abt neue Hoffnung. Er steckte sie gleich in Prämonstratenserhabite und war froh nach 30 Jahren wieder Brüder aufnehmen zu können. Im Oktober 1802 hatte Abt Ignaz in Straubing eine Zusammenkunft mit Abt Rupert Kornmann von Prüfenning, einen Mann, der überall hin Beziehungen hatte und über den Stand der Dinge bestens informiert war. Ganz verändert kam der Abt nach Windberg zurück. Der Novize wurde sofort entlassen, für das Haus und die Ökonomie nur noch die notwendigsten Anschaffungen gemacht.
Am 6. Nov. erschien ganz unvermutet in Windberg Landrichter Rüdt von Schwarzach als Vorbote der Säkularisation. Er war ein Speichellecker nach oben und ein Tyrann nach unten. Mit seinem Einzug begann für den Abt die Leidenszeit.
Am 18. März 1803 bekam der Landrichter von Straubing, Frh. v. Limpöck aus München den Befehl sich nach Windberg zu begeben und das Kloster aufzuheben.
Im Herbst 1803 wurden die bisher exkurrierenden Pfarrer von Hunderdorf, Perasdorf und Neukirchen angewiesen, auf ihre Pfarreien überzusiedeln unter der Voraussetzung, daß sie „bei den Gemeinden im Geiste der Regierung wirken und Sittlichkeit und Aufklärung verbreiten“. Limböck hat die Generallandesdirektion in dieser Hinsicht beruhigt und die genannten Pfarrer als „ordentliche“ Männer bezeichnet. Zum Pfarrwiddumshof Hunderdorf gehörten zu dieser Zeit: 33 Tagw. Grund und 2 Forste mit zusammen 120 Tagw.
Angstvoll sahen viele Klosterbedienstete das Stift als ihren bisherigen Brotsherrn untergehen. Unter diesen war auch der Lehrer von Hunderdorf Sebastian Fuchssteiner. Da die Hunderdorfer „blutarm“ waren und nicht imstande dem Lehrer Schulgeld zu bezahlen, hatte dieser vom Kloster jährlich in Naturalien erhalten:
4 Schäffl Korn
2½ Schäffl Weizen
4 Schäffl Hafer
2 Schäffl Gerste
2 Schäffl Linsen
1 ½ Metz Erbsen
3 Schöber Stroh
63 Laiblen Brot,
außerdem Burz-und Schnittholz.
Alle Betroffenen erhofften sich Entschädigung vom Staat, aber da gab es viel Enttäuschung. Dieser zeigte sich äußerst kleinlich gegenüber allen, die vom Kloster gelebt hatten.
Hatte das Kloster kaum Abgaben verlangt, so trieb der Staat umso strenger alles ein. Nur elende Hütten und Ödland durften die Grunduntertanen behalten, alles andere mußten sie vom Kloster kaufen. Hatte das Kloster nie seine Besitzungen vermessen lassen, so wurde das umso genauer nachgeholt. In Windberg selbst wurde alles veräußert was zum Kloster gehörte. Der Konventbau, das Bräuhaus und das Refektorium wurden vom Greindlwirt von Irenzfelden und 2 anderen um 25 000 Gulden ersteigert.
In Hunderdorf war Pater Sabinus Blaim Pfarrer. Er war ein gebürtiger Straubinger und hatte 1793 im Kloster Profeß abgelegt. 1796 wurde er zum Priester geweiht und 1801 als Pfarrer von Neukirchen bestimmt. Noch im selben Jahr wurde er Pfarrer von Hunderdorf. Nach der Aufhebung des Klosters blieb er bis 1817 in seiner Pfarrei und wurde dann Pfarrer von Ruhmannsfelden, wo er am 21.4.1821 starb.
Ein letztes Mal kamen noch die Windberger Konventualen, voran Abt Ignaz in Windberg zusammen. Es war 1827, als sie die Gebeine der verstorbenen Mitglieder aus der zum Stall entweihten Klostergruft in den Friedhof überführten, wo noch heute die Gedenktafel zu sehen ist. Das De profundis, das sie damals sangen, mag für sie wohl der endgültige Grabgesang ihrer Kommunität gewesen sein. Daß diese knapp 100 Jahre später wieder auferstehen sollte, konnten sie nicht ahnen.

Ein romanisches Bauwerk Hirsauer Prägung.
DIE PFARREI HUNDERDORF -II. Teil
1806 wurde die Pfarrei umorganisiert. 1815 ist unter Pater Blaim der ihm nachfolgende Pfarrer Lehr, Kaplan. Kaplan Lehr verläßt die Pfarrei zwischendurch für ein Jahr und kehrt nach dem Weggang Pater Blaims aus der Pfarrei nach Hunderdorf als Pfarrer zurück.
Pfarrer Theodor Lehr wirkte bis 1834 und übergab dann die Pfarrei dem späteren Dompfarrer von Passau Dr. Franz Xaver Maßl. An der Seelenkapelle erinnert eine Gedenktafel an den ehemaligen Seelsorger. Der originellste Pfarrer, der in Hunderdorf wirkte, war Pfarrer Luschner. 1835 hatte Pfarrer Maßl den hölzernen Pfarrhof abreißen und an der gleichen Stelle den heutigen Pfarrhof erbauen lassen. Von Anfang an war ihm auch die Renovierung der Pfarrkirche ein Anliegen. Bereits 1834 richtete er an die zuständige Behörde ein Gesuch um Zuschuß.
„Das äußerst schlechte Aussehen der Pfarrkirche zu Hunderdorf, die der Würde und Erhabenheit nicht mehr entspricht und der dort selbst zu verwaltenden Religionsgeheimnisse sind folgende Reparaturen dringend notwendig: Die Herstellung eines neuen Kirchenuhrschildes, die Herstellung der durch Hagel zerschmetterten Fenster an der Pfarrkirche und an der Seelenkapelle, die Herstellung der ganz in Verfall geratenen Kirchenstühle, die Reparatur der allernotwendigsten Meßgewänder, deren äußerst schlechter Zustand, sie nach den Diözesanstatuten längst unbrauchbar gemacht hätte. Obwohl ein doppeltes Stuhlgeld von 12 kr. (1 kr. = 4 Pf.) erhoben wurde, können die obigen Kosten nicht gedeckt werden.“
Seinem Nachfolger Pfarrer Luschner war es 1856 gegönnt die Kirche zu verlängern und 1859 eine neue Glocke anzuschaffen.
Von Pfarrer Luschner kursiert heute noch manches originelle Wort. Wenn man von Hunderdorfer Originalen sprechen wollte, so müßte man an ihre Spitze diesen Pfarrherrn setzen.
1843 wurde ihm unter 13 Bewerbern die Pfarrei Hunderdorf zugesprochen. Tabellarischer Conspekt von 1843
Seelenzahl 1765
Ortschaften und Einöden 46
Filiale 1
Hilfspriesterschaft 1
Erträgnisse 1187 fl 57 1/8 kr
Lasten 345 fl 58 5/8 kr
rein 841 fl 58 4/8 kr
Luschner wird vom Ordinariat besonders empfohlen wegen seines Eifers gegen die Sittenlosigkeit.
Die damals königliche Pfarrei wurde vom König an den neuen Pfarrer vergeben.
Ludwig von Gottes Gnaden König von Bayern, Pfalzgraf bey Rhein, Herzog von Bayern, Franken und Schwaben unterzeichnet das Dekret.
Originell wie seine Redensart waren auch seine Schriftstücke. Gesuche unterzeichnete er „In tiefster Ehrfurcht erstirbt“.
In den Matrikelbüchern findet man ihn ebenso verewigt, so schreibt er 1848: Johann Evangelist Zistler, Bäcker von Hunderdorf, 45 Jahre alt, ist am 16. Dez. 1848 mit Pferd und Wagen von Straubing nach Hause gefahren und nächst dem Thurnhof an der gefährlichen und engen Passage in die Donau gestürzt. Wahrscheinlich hat er infolge des Bieres und Branntweines, den er ohne solide Nahrung nahm, eingeschlafen. Ein Schiff, das eben vorbeifuhr, hörte ihn dreimal schreien, hatte aber keinen Kahn ihn zu retten. Bald darauf zog heftige Kälte und Eis über die Donau und er kam nicht mehr zum Vorschein. Am Tage der Unschuldigen Kinder wurden 2 Gottesdienste für ihn gehalten.
1862 gedenkt er einer großen Wohltäterin Jungfrau Anna Greindl, Ausnahmbäuerin von Brandstatt.
Wohltäterin der Kirche und Armen, ließ den Hochaltar machen, ließ die Mission 1854 halten, schaffte ein graues Bahrtuch für Jungfrauen an, eine neue Nikolausfahne um 90 fl., sorgte oft für Missionsprediger, testierte 200 fl für Orgel, 100 fl für Knabenseminar, 100 fl für die Mission in Niederachdorf Hl. Blut, trug viel bei zur Errichtung der Hl. Kreuzkirche b. Windberg, unterstützte die Armen zur Nachtzeit reichlich, ist in besten Andenken bei Wohltätern, der Pfarrer legt noch eine Träne des Dankes auf ihr Grab, das in Blumen prangt.
Im Laufe der Jahre hatte die Pfarrei einige Veränderungen erfahren. 1823 war Rammersberg aus Oberalteich nach Hunderdorf umgepfarrt, Buchberg von Hunderdorf nach Mitterfels und Ried von Hunderdorf nach Windberg. Nach Mitterfels wurden damals auch Hagnberg, Kogl und Wiespoint umgepfarrt.
1870 starb Pfarrer Luschner in Hunderdorf. Er hinterließ die Luschnersche Stiftung, deren Zweck es vor allem war, daß arme Kinder in der Mittagspause ein „Schulbrot“ bekommen sollten. Eine alte Hofdorferin erinnert sich noch daran wie sie vor dem 1. Weltkrieg von der Luschnerschen Stiftung aß.
Im alten Friedhof, in dem bereits die 1359 erbaute Kirche stand, liegt der originelle Seelenhirte begraben.
Von 1870-1885 wirkte Pfarrer und Kammerer Joh. Nep. Zeindl in Hunderdorf, ihm folgte Josef Rädlhammer. 1892 ließ er die Kirche ausmalen. Die Kosten 1200 fl trug H. H. Augustin Leibl, geb. in Au und 1895 in Straubing gestorben. 1895 übernahm Pfarrer Gruber Hunderdorf. Bis 1916 war er den Hunderdorfern ein eifriger Seelenhirte und viele der älteren Generation erinnern sich noch gerne an ihn.
1897 schenkte Gott der Pfarrei einen Neupriester. H. Josef Plendl von Gaishausen erhielt am 29. Juni die Priesterweihe, zog noch am gleichen Tag in seiner Heimatpfarrei ein und feierte mit ihr am 7. Juli das erste hl. Meßopfer.
1906 empfing Pfarrer Häusler von Haslquanten die Weihen, ging später nach Amerika und verunglückte 1945 tödlich auf dem Flughafen Kansas City. 1915 zog wieder ein Neupriester in die Pfarrei ein. Josef Radlbeck von Oberhunderdorf. Am 22. 12. 1929 starb er, erst 39 Jahre alt. Er wurde in seine Heimat überführt, im Pfarrhof in vollem Ornat aufgebahrt und neben dem Missionskreuz bestattet.
Im Sommer 1900 wurde der Kirchturm um 4 m erhöht und bekam als Zierde ein schmiedeeisernes Kreuz.
1904 bekam Hunderdorf nach 20 Jahren wieder einen Kooperator, H. Max Bauer. Eine besondere Freude war die Weihe der 43 Ztr. schweren Glocke mit dem Ton H. Reiter und 11 Chaisen holten sie ein.
Noch gehörte Hunderdorf zum Dekanat Deggendorf. Pfarrer Gruber wurde 1905 Kammerer desselben.
1907 trug sich Pfarrer Gruber mit dem Gedanken die Kirche zu erweitern und Seitenschiffe anzubauen. Er reichte ein Gesuch an die Abgeordnetenkammer ein, das abgelehnt wurde.
Am 15. Juni 1913 hielt Seine Exzellenz Antonius von Henle kanonische Visitation der Pfarrei und der 3 Nebenkirchen: Steinburg, Au und Hofdorf. Im Febr. 1916 verließ Pfarrer Gruber die Pfarrei und am 11. Juni übernahm sie Pfarrer Leonhard Hirtl, der 1900 zum Priester geweiht, zuletzt in Amberg gewirkt hatte.
Pfarrer Hirtl teilte Not und Leid der Kriegsjahre mit seiner Pfarrei. Am Stefanitag 1918 zogen die heimgekehrten Krieger zu einem feierlichen Dankgottesdienst in die Kirche ein.
Am 21. Februar 1919 wurde das Attentat auf den Vater der Revolution Kurt Eisner verübt. Bei dessen Beerdigung sollte auf Anordnung der Regierung geläutet werden. Der Arbeiterrat erschien beim Pfarrer, dieser weigerte sich. Als der Arbeiterrat mit 4 Soldaten läuten wollte, verhinderte es der Pfarrer persönlich. Er berief sich auf den kirchlichen Standpunkt. Eisner war Jude. Der Pfarrer drohte mit Anzeige wegen gewalttätigen Eindringens. Die Leute wichen und drohten mit Verklagen beim Arbeiterrat.
Am 3. August wurde das Kriegerdenkmal feierlich enthüllt. Bei der Feldmesse waren 36 Vereine anwesend. Der „Militärgeistliche“ wurde im geschmückten Landauer abgeholt.

Ende des Jahres 1919 kam es zu Spannungen zwischen Pfarrer und Lehrer. Hauptlehrer Scheininger wollte den Kirchendienst sofort vom Schuldienst getrennt haben. Das ehemalige Mesnerhaus, das zum Schulhaus umgebaut worden war und noch zur Hälfte der Pfarrei gehörte, sollte von der Kirche abgetreten werden. Ein Herzschlag, dem Lehrer Scheininger mit 60¾ Jahren, plötzlich erlag, machte dem Streit ein jähes Ende. Pfarrer Hirtl starb am 2. Nov.1920 erst 45 Jahre alt.
Vom 9. April 1922-21. Juni 1931 war Michael Gebhard Pfarrer von Hunderdorf. Sein Nachfolger Friedrich Betthausen, der am 10. Nov. 1931 die Pfarrei übernahm, erkannte sehr bald, daß die Kirche für die Pfarrei viel zu klein ist.


Die alte Kirche barg wenig Kostbarkeiten.
Die von den Schloßherrn von Steinburg gestiftete Monstranz ist Kupfer vergoldet, eine originelle Spätrokokoschöpfung. Am Fuße zieren sie getriebene Rocaillen und aufgelegte Muschelwerkkartuschen. Vorne trägt sie das Wappen der Freiherren von Schuß, rückseits in Kartusche die Jahreszahl 1773. Die Sonne um die herzförmige Schauöffnung ist mit Gitter, Muschelwerk und bunten Glaspiasten geschmückt. Dazwischen befinden sich getriebene Silberreliefs: Christus am Ölberg, der Judaskuß, die Geißelung, die Dornenkrönung und die Begegnung mit Veronika. Oben thront Gottvater unter einem Baldachin, über ihm die Taube.
Auch der Kreuzpartikel ist Kupfer vergoldet. Er stammt aus der Zeit um 1720. An ihm sind als Schmuckwerk getriebene Blumensträußchen, die Sonne zeigt Muschelwerkdekor.
Die wertvollste Statue ist eine umstrittene Heiligenfigur. Einige wollen in ihr die hl. Dorothea erkennen, andere glauben in ihr die hl. Margareta zu sehen. Der schön stilisierte Mantel legt sich um das zu ihrer Linken stehende Knäblein. Die geschnitzte Figur ist spätgotisch und dürfte aus der Zeit um 1500 stammen.
An der Südseite des Friedhofs steht die Seelenkapelle. Sie stammt aus dem 18. Jahrh.
Der Altar ist eine schöne Barockschöpfung. Er ist aus dem Beginn des 18. Jahrh. Zwei übereck gestellte, korinthische Säulen flankieren eine Muschelnische, die im frühen Rokoko eingebaut wurde, sie ist von zierlicher Laub- und Blattwerkschnitzerei eingefaßt. Seitlich der Säulen spätbarockes Akanthusschnitzwerk. Der Aufzug zwischen Giebelschenkeln wiederholt die Säulenstellung des Hauptgeschosses. Oberbild St. Anna mit der kleinen Maria und einer weiteren Heiligen. Den Aufzug bekrönt ein geschnitztes Monogramm Mariä. Der Altar ist in schwarz gefaßt, die Zieraten vergoldet. Die Marienstatue ist aus neuerer Zeit.
Die umstrittene kostbare Heiligenfigur war zeitweise in der Seelenkapelle.

Es gibt Dinge, die in unser Leben gehören und es zu gegebener Zeit schön machen, dazu gehören die Glocken.
Sie entstehen heute noch wie in Schillers berühmten Lied.
„Festgemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt, heute muß die Glocke werden …

Nach dem Errechnen des Glockenprofils folgt das Aufmauern des Kerns aus Lehmsteinen.
Der mit einer drehbaren Schablone geglättete Kern wird mit Asche isoliert und darüber die falsche Glocke modelliert.
Die Krone, das Glockenhaupt und Inschriften werden in Wachs aufgelegt und im Ausschmelzverfahren gegossen.
Das Ummanteln der falschen Glocke erfordert viel Sorgfalt. Das ringsum eingezogene Hanfseil wird aus dem getrockneten Mantel herausgehoben, der getrocknete Mantel angehoben und die „falsche“ herausgeschlagen.
Die Hohlformen der Glocken werden dann in den Boden gestampft und … soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben.
Herr Dekan Gruber schrieb 1912 nachfolgenden Artikel über die Glocken von Hunderdorf.
DIE GLOCKEN DER PFARREI HUNDERDORF
Der Glockenturm in Hunderdorf stammt aus dem 15. Jahrhundert, die Kirche wurde 1699 neu gebaut, 1859 verlängert. Der alte Sattelturm wurde 1899 um 4 Meter erhöht, wobei die Form des Sattels beibehalten blieb; der Turm bietet sich jetzt dem Blicke sehr gefällig dar.
Die große Glocke wurde von Wohltätern beschafft (1904) und ist geweiht den Herzen Jesu und Mariä. Inschrift: Meine Liebe – meine Rettung! Gegossen ist sie von Max Gugg in Straubing: Nr. 229; sie hat eine Höhe von 160 cm mit Krone und einen Durchmesser von 158 cm, Ton: h. Gewicht 43 Zentner. Sie wird geläutet an den höchsten Festtagen, Donnerstag abends und Freitag um 11 Uhr, bei besonderen Anlässen und bei einem Brande innerhalb der Pfarrei. Man hört sie bis in die Gegend von Englmar und Schwarzach. Sie ist die zweitgrößte Glocke, die aus der Firma Gugg hervorging – die noch größere ist für die neue Stadtpfarrkirche in Weiden gegossen worden und hat 62 Zentner.
Die zweite Glocke heißt St. Wolfgang-St. Joseph, mit deren Bildern als Schmuck. Inschrift: Si Deus pro nobis, quis contra nos? (= Wenn Gott für uns (ist), wer (ist dann) gegen uns??) Nr. 167, ebenfalls ein Werk des Herrn Max Gugg in Straubing (1896). Gewicht 20 Zentner; Durchmesser 121 cm, Höhe 110 cm, Ton: dis. Sie wird geläutet an gewöhnlichen Sonntagen. Eiserner Stuhl und gleiche Armatur.
Die dritte Glocke, Ton: fis, gegossen 1859 von Xaver Gugg in Straubing. Durchmesser 110 cm, Höhe 1 m, 13 Ztr. Sie schmücken die Bilder: Maria mit dem Kinde und 1 Kreuz. Amt-und Aveglocke an Werktagen.
Die vierte Glocke ist gegossen 1653 von Horido in Passau. Ton a, 8 Zentner, 90 cm hoch und 90 cm Durchmesser. Inschrift: Deo, Deiparae, Ss. Stephano et Nicolao, Patronis de Hvnderdorf – ohne Bild; sie wurde 1813 umgehängt und ist jetzt die Meßglocke.
Die fünfte Glocke, mit Ton c und im Gewichte von 4 Zentnern, ist dem hl. Joseph als Sterbpatron geweiht; deshalb Provisur- und Sterbglocke; 1884 gegossen von Max Gugg in Straubing.
Das Gesamtgewicht aller Glocken ist 88 Zentner. Die drei kleineren hängen in einem hölzernen Stuhle über den zwei großen.
Zwei alte Glöcklein wurden 1884 in die Ortschaftskirche von Hofdorf übergeführt, eine alte eiserne Glocke von dort kam 1910 in das neue Bezirksmuseum in Bogen. Ebenso hängen in den Schloßkapellen zu Au und Steinburg je zwei kleine Glöcklein, welche zum Aveläuten verwendet werden und als Meßglöckchen dienen sowie bei Aussegnung von Leichen aus diesen Orten geläutet werden.
Das Hunderdorfer Geläute wird nur vom Bogenberger übertroffen. Die großen Glocken in Oberalteich und Windberg haben nur 38 bzw. 37 Zentner mit Ton c. Die in Mitterfels, Oberwinkling und Neukirchen b. Haggn haben Ton cis, die in Schwarzach und Haselbach Ton d. Alle diese erwähnten Glocken stammen, mit Ausnahme derer von Winkling und Neukirchen, aus der Firma Gugg in Straubing, ebenso sind zwei Glocken in Degernbach mit Ton e und h und zwei in Bernried e und a von dieser Firma. Herr Gugg ließ vor mehreren Jahren den Ofen neu aufbauen, so daß die Geläute einen vorzüglichen Guß und einen reinen und wohlklingenden Ton erhalten.
Dekan Gruber, Hunderdorf
Entnommen aus „Der Bayerwald“, Heft 4, 1912, 10. Jahrgang
Diese Glocken waren vielen Hunderdorfern täglicher Weckruf zu Arbeit und Gebet, sie begleiteten Generationen Hunderdorfer und ließen ihre ehernen Stimmen ertönen bei Freud und Leid. Unter ihren Klängen zogen unsere Ahnen an den Traualtar und dieselbe Stimmen erdröhnten leidererfüllt, wenn sie zu Grabe getragen wurden. Nicht viel ist von diesen Glocken geblieben. Zwei Kriege haben die meisten abgefordert und an der Stelle der großen alten Glocken hängen schon ein zweites Mal neue. Auch ihre Stimmen verkünden das Gleiche. Zwischen dem „Tag anläuten“ und dem ,,Gebetläuten“ liegt wie eh und je ein arbeitsreicher Tag.
Rufer und Mahner sind unsere Glocken!, aber auch Boten und Tröster. Pfarrer Betthausen gründete einen „Kirchenbauverein“ und schon am Josefstag 1935 konnte der erste Spatenstich zur neuen Kirche gemacht werden. Sie sollte nicht an der ehrwürdigen Stätte ihrer Vorgängerinnen erstehen, sondern auf freier Anhöhe gegenüber dem Pfarrhof.
Die ganze Pfarrei wurde zu Hand- und Spanndiensten aufgerufen und die meisten halfen wacker mit. Für die damalige Zeit ging der Bau überraschend schnell vonstatten. Schon am Abend des 28. Juni konnte das Kreuz an der Stelle errichtet werden, an der dann der Hochaltar stehen sollte. Am 29. Juni wurde im Rahmen eines Festgottesdienstes der Grundstein eingemauert. Zuerst wurde er in feierlicher Prozession durch das Dorf getragen. Die Sorge um den Kirchenbau schwächte das ohnehin kranke Herz des Pfarrherrn noch mehr. Ende September begab er sich nach Bad Reichenhall zu einer heilbringenden Kur, aus der er aber nicht mehr in seine Pfarrei zurückkehrte. Am Nachmittag des 3. Oktober traf die Todesbotschaft ein. In seine Heimatpfarrei Reinhausen b. Regensburg wurde der tote Seelenhirte überführt. Ein eigener Sonderzug fuhr zu seiner Beerdigung. Auf dem Rückweg vom Friedhof begegnete das bischöfliche Auto den Angehörigen. Bischof Buchberger ließ halten, kondulierte den Angehörigen und fügte hinzu: ,,Wir haben einen Heiligen begraben.“ Auf der Gedenktafel in der Kirche steht: ,,Er gab für den Bau der Kirche seine Gesundheit, sein Vermögen, ja sein Leben.“
Der Rohbau war inzwischen gewachsen. Das Dach war ungedeckt, der Turm vor der Vollendung. Auf Anordnung der bischöflichen Behörde sollte der Bau ruhen bis ein neuer Pfarrer ernannt ist. H. Kooperator Lecker, der mit dem Tode des Pfarrers Provisor geworden war, ließ auf eigene Verantwortung das Dach decken und den Turm vollenden.
Am 1. Februar 1936 zog Herr Pfarrer Kiermaier ein. Sofort machte er sich überall bekannt, nahm Verbindung mit den Firmen auf und schon am Peter- und Paulstag,·konnte die Kirche die Weihe durch den Hochw. Herrn Bischof Michael Buchberger empfangen.
Unter festlichem Geläute zog der Oberhirte am 28. Juni in die Pfarrei ein. Noch am Abend begannen die Zeremonien. Der Altarstein mit den Reliquien wurde die Nacht hindurch in der Seelenkapelle zur Verehrung ausgestellt. Die Weihefeierlichkeiten fanden am 29. Juni statt und am darauffolgenden Tag wurde zum ersten Mal in Hunderdorf das Sakrament der Firmung gespendet.
Von der alten Kirche waren die Glocken, die Orgel, verschiedene Heiligenstatuen, so Nikolaus und Stephanus, die beiden Patrone, Herz Jesu und Herz Mariä, die umstrittene Heiligenfigur und die Einrichtung der Sakristei in die neue Kirche übernommen worden.

Im Winter 1935/36 wurde die alte Kirche abgebrochen.
Ein gotischer Stein, der über dem Eingang des Läuthäusl eingemauert war, wurde von Herrn Pater Norbert gerettet und wird in der Steinsammlung des Klosters aufbewahrt.
Unermüdlich arbeitete Pfarrer Kiermaier in seiner Pfarrei. Er war einer der Pfarrer, der der Pfarrei treu blieb bis zum Tod. Wohl hatte er Pläne für seinen wohlverdienten Ruhestand geschmiedet, aber der Herr über Leben und Tod, der ihm alle seine Pläne innerhalb der Pfarrei verwirklichen half, nahm ihm den letzten Plan aus der Hand. Der Pfarrer der fast 27 Jahre für das Seelenheil der Hunderdorfer gesorgt hatte, der 1936 ihre Kirche vollendet, 1950 ein Leichenhaus angelegt, 1959 den Kindergarten gegründet, 1961 die Anlage des neuen Friedhofes geschaffen, der Orgel, Turmuhr und Geläute angeschafft hatte, sollte auch den Hunderdorfern als Toter treu bleiben. Er ruht an dem von ihm selbst ausgesuchten Platz im Friedhof.
Am Fronleichnamsfest 1962 hatte H. Geistlicher Rat trotz angegriffener

Gesundheit noch selbst das Allerheiligste durch die Straßen getragen. Den gleichen Weg trug man ihn dann als Toten. Als am 1. August früh die große Glocke ertönte, wußten alle: H. Geistlicher Rat ist tot. Über das ganze Dorf legte sich lähmende Stille. Die letzten Leidenstage hatte er im Krankenhaus Bogen verbracht. Noch am Abend des Todestages kehrte er heim in seine Pfarrei. Am 4. August wurde der nimmermüde Seelsorger unter Beteiligung der ganzen Pfarrei zur wohlverdienten Ruhe gebettet.
H. Geistlicher Rat hatte so viel gebaut und gerichtet, aber dabei das Haus in dem er wohnte, ganz vergessen. Der über 130 Jahre alte Bau, hatte seit seines Bestehens kaum eine Änderung erfahren. Damit der neu ernannte Pfarrherr Georg Ruß einziehen konnte, mußte erst gründlich Hand angelegt werden.
Die feierliche Installation von Pfarrer Ruß fand am 17. Febr. 1963 statt. Nach fast 30 Jahren bedurfte die Kirche einer Renovierung. Sie konnte gerade noch vor der Firmung im Juli 1964 abgeschlossen werden. Bildhauer Mauermann schuf einen eindrucksvollen Kreuzweg. Die 60 x 30 cm großen Tafeln sind als Halbrelief aus englischem Zement gearbeitet. Der Grundton der Tafeln ist ein helles Grau, das durch eine weitere Überarbeitung seine Schattierungen erhielt. Die Figuren treten stark plastisch hervor, sind aber ohne jegliches schmückendes Beiwerk. Die figurale Wirkung kommt so voll zum Ausdruck.
Schon H. Geistlicher Rat Kiermaier trug sich mit dem Gedanken, der Jugend ein Heim zu schenken. Dieser Plan wurde von seinem Nachfolger aufgegriffen. Wenn die Jugendarbeit in einer Pfarrei Erfolg haben soll, muß die Jugend eine feste Stätte haben, außerdem braucht die Pfarrei ein Zentrum, in dem sie sich zu außergottesdienstlichen Anlässen treffen kann.
Noch stand im Pfarrergarten der Pfarrerstadel, aus der Zeit, in der der


Pfarrer von seiner Pfründe leben mußte (1803-1875 Tgw. 72 Dez.) Die Pfarrpfründe waren die Gründe, die der Staat der Pfarrei nach der Säkularisation vom Pfarrwiddum überließ. Inzwischen waren noch einige Tagw. aus Stiftungen dazu gekommen. Der Staat hatte bei der Umorganisierung die Verpflichtung zur Erhaltung der Ökonomiegebäude übernommen, so ließ er 1884 den Stall für 3 Kühe und Stadl neu erbauen.
Für den Bau des oberen Schulhauses hatte die Pfarrei den Baugrund gegeben. Die Stiftungsgründe sind vor allem von der Pfarrer-Luschnerschen Stiftung.
Bis 1966 erinnerten Pfarrerstadel und Pfarrerweiher an die Zeit, da der Pfarrer auch Bauer war.
Am 6. November 1966 wurde das Jugendheim St. Wolfgang eingeweiht, das am Platz des Ökonomiegebäudes erbaut worden war.
Heute hat Hunderdorf neben der innen renovierten Kirche, einen modernisierten Pfarrhof und im Jugendheim alle Räumlichkeiten, die für eine moderne Seelsorge notwendig sind.
Den liturgischen Forderungen der Zeit entsprechend wurde 1964 ein freistehender Altar im Chorraum der Kirche errichtet, damit der Priester das hl. Opfer dem Volke zugewandt, feiern kann.
Im Herbst 1968 wurde die beim Kirchenbau bereits eingeplante Heizung eingerichtet und mit Einbruch der Kälte in Betrieb genommen.
GESCHICHTE UNSERER HEIMAT — III. Teil
Die Streitigkeiten, die durch die Glaubensspaltung in Deutschland entstanden, führten zum unseligen Dreißigjährigen Krieg. Das kath. Süddeutschland unter dem bayer. Kurfürsten Maximilian stand dem protestantischen Norden gegenüber. Bald mischten sich fremde Mächte ein und benutzten die Gelegenheit, auf der Seite der protestantischen Fürsten Deutschland zu schwächen. Man nennt den Dreißigjährigen Krieg auch den Glaubenskrieg. Man darf sich nicht vorstellen, daß 30 Jahre ununterbrochen gekämpft wurde. Einige Jahre wurde aber auch Niederbayern schwer heimgesucht, so daß die Greuel noch heute im Volksmunde weiterleben. Von den Schandtaten, die um Hunderdorf geschahen, wurde an anderer Stelle schon berichtet.
Obwohl die Schweden den Kirchen und Klöstern am meisten geschadet und sie geschändet hatten, so waren doch die Mönche die ersten, die nach den Kriegsgreuel das verödete Land wieder aufbauten. Hatte man bis dahin im gotischen Stil gebaut, so wollte man nach überstandener Not in hellen, lichten Gotteshäusern beten. Die Innenräume wurden reich ausgestattet und manch einfache und schlichte Dorfkirche bekam neben großen Heiligenfiguren kleine Engel, Putten genannt, die aus allen Ecken und Winkeln das Lob Gottes sangen. Um 1700 wurden die wuchtigen Formen des Barock vom Rokoko abgelöst. Auch das basilikale Bauwerk Hirsauer Prägung der Windberger Klosterkirche erhielt damals seine reiche Ausstattung, seine wertvollen Altäre und seinen barocken Stuck.
Erst gegen Ende des 18. Jahrh. trat eine Ermattung in der Baufreudigkeit auf. it der französischen Revolution 1789 beginnt ein neues Blatt auch in der Geschichte unserer Heimat, das Zeitalter Napoleons.
Man wandte sich zuerst in Frankreich, dann auch in Deutschland immer mehr von Gott ab. Das Aufkommen der Naturwissenschaften führte zu dem Trugschluß, daß es keinen Gott äbe. In Frankreich wurden während der Revolution viele Kirchen und Klöster zerstört, zu uns strömte von dort her der Geist der Aufklärung. Die Aufklärung war eine „religionsfeindliche“ Zeitströmung. Sie sah in den Mönchen nur Müßiggänger und glaubte hinter den Klostermauern große Schätze verborgen. Daß die Klöster ungewollt dieser Einstellung entgegenkamen, steht schon vermerkt. Inzwischen war Napoleon Herrscher von Frankreich geworden. 1800 drang sein General Moreau in Süddeutschland ein und was blieb Bayern übrig, als sich auf die Seite Napoleons zu stellen.
Nach dem Tode des Kurfürsten von Bayern Max Theodor wurde 1799 Max Joseph Kurfürst von Bayern. Im gleichen Jahr noch ernannte er den Freiherrn Maximilian von Montgelas zu seinem leitenden Minister. Dieser war ein kluger, aber kirchenfeindlich gesinnter Mann. Als der Reichstagsausschuß in Regensburg auf die Anregung Napoleons hin am 25. Febr. die Aufhebung aller deutschen Klöster bestimmte, führte Montgelas diesen Befehl zu gern aus.
Die Säkularisation war eine Barbarei ohnegleichen. Es ging weniger darum was man den Mönchen antat, sondern ihren Kirchen und Klöstern. Jeder Klosterbesitz kam unter den Hammer, von den Gründen bis zum letzten Kelch. Dem Staat blieb bei dieser Maßnahme wenig. Die damit Beauftragten aber füllten sich meist ihre Taschen. Unersetzliche Werte wurden in dieser Zeit sinnlos vernichtet. Mit Schubkarren fuhr man die wertvollen Schriften zum Einstampfen oder Verbrennen.
Das alte Bayern vor 1803 war viel kleiner als das heutige. Man nennt dieses Siedelland heute noch „Altbayern“, es ist das Land, in dem sich die bajuvarischen Volksstämme niederließen.
Es mutet komisch an, daß das Kurfürstentum Bayern 1796 und 1800 in den ersten beiden Kriegen auf der Seite Napoleons gegen Osterreich kämpfte. Um selbständig kämpfen zu können, war Bayern nicht groß genug. An der Seite Osterreichs hatte es zweimal schwere Verluste erlitten, zudem zeigten die Osterreicher immer mehr Gelüste sich Bayern einzuverleiben. Außerdem hatte Napoleon Bayern großen Ländergewinn versprochen. Er hielt sein Wort. Kaum hatten ihm die Bayern geholfen, Osterreich zu besiegen, 1805 bei Ulm, schlug er die restlichen Teile von Franken und Schwaben zu Bayern und 1806 erhob er Bayern zum Königreich.
Aus dem Kurfürst Max Josef wurde König Max I.
Die Bayern hielten daraufhin auch zu Napoleon als die Osterreicher 1809 in Süddeutschland einfielen. Dreimal hintereinander wurden die Osterreicher auf niederbayerischem Boden geschlagen.
Am 22. April 1809 erstürmte man Regensburg und zwang die Osterreicher zum Abzug.
Unsere Gegend war zur Zeit Napoleons von den Kriegen ziemlich unbehelligt geblieben, doch viele Familien hatten einen Vater oder Sohn zu beklagen, als Napoleon im Winter 1812 die furchtbare Niederlage erlitt, die seinen Untergang einleitete. Nur ganz ungern hatte Bayern die von Napoleon geforderten 33 000 Mann gestellt. Bayern war kriegsmüde und wollte Ruhe und Frieden. Nur der zehnte Teil der ausgezogenen Krieger kehrte zurück. Kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig im Okt. 1813 schwenkte Bayern auf die Seite der Verbündeten über und half Napoleon besiegen.
Im Napoleonischen Zeitalter änderten sich nicht nur die Grenzen nach außen, das ganze Land wurde auch innerlich umorganisiert und aufgeteilt.
DIE GEMEINDE HUNDERDORF
War ursprünglich das ganze Tal der „bogenaua“ mit den ansteigenden Höhen als Hunderdorf nicht als Ort, sondern als Siedlungsgebiet zu verstehen, so wurden die Grenzen im Laufe der Jahrhunderte immer enger gesteckt. Durch die Gründung des Klosters Windberg kamen Schenkungen von Hunderdorfer Ländereien an dasselbe, so daß Hunderdorf immer mehr unter die Grundherrschaft des Klosters kam. Nach der Jahrtausendwende kam noch dazu, daß Dienstmannen mit Gütern beschenkt oder belehnt wurden aus denen sich die Dienstmannensitze und Hofmarken entwickelten. So kam es, daß 3 auswärtige Hofmarken in Hunderdorf einzelne Höfe mit der Grundherrschaft besaßen. Geistige Mitte blieb das Pfarrdorf trotz

aller grundherrlichen Zersplitterung. Mit der Gründung der Schule 1793 wurde das Pfarrdorf auch zur kulturellen Mitte. Soweit die Pfarrgrenze reichte, reichte auch der Schulbezirk. Für Lehrer und Kinder wahrhaft eine schwierige Situation. Hatten bis um die Wende des 19. Jahrh. nur die Klöster und die Adelsgeschlechter, die meist auf den Hofmarken saßen, gezählt, so bahnte sich allmählich eine Änderung an. Die Grenzpfähle waren bis dahin locker gesessen, was nicht zur Grundherrschaft eines Klosters, eines Grafen oder einer Hofmark gehörte, wurde frei und leicht eingeordnet. Mit der Säkularisation kam eine gewaltige Änderung. Die Klöster verloren ihre Grundherrschaftsrechte, der Staat zog die ehemaligen Kloster- und Kirchengüter an sich und es mußte eine Neueinteilung und Umorganisierung erfolgen. So kam es zu den Gemeindeedikten.
Ursprünglich war eine Einteilung nach den Schul- und Pfarrsprengeln vorgesehen. Die Einteilung und Organisierung hatten die Landrichter vorzunehmen. Hunderdorf gehörte zum Landgericht Mitterfels, das eines der größten bayerischen Landgerichte war und bereits seit 1300 bezeugt ist. In dem kurz nach 1300 abgefaßten niederbayer. Urbar sind die durch Satzung festgelegten Rechte und Pflichten der Bürger von Bogen unter dem Gericht Mitterfels verzeichnet. (Monumenta boica). Nach dem 15. Jahrh. waren die unmittelbaren Gerichtsuntertanen, die weder zur Grundherrschaft eines Klosters oder Hofmark gehörten, in Hauptmannschaften eingeteilt. Hatte der Landrichter über alle Gerichtsuntertanen nur das Hochgerichtsrecht auszuüben, so hatte er über diese auch die niedere Gerichtsbarkeit. Die Einteilung in Hauptmannschaften geschah der Hussitengefahr wegen. 10-20 Höfe wurden zu einer Hauptmannschaft zusammengeschlossen für die ein Hauptmann oder Obmann bestellt wurde. Bei Gefahr hatte dieser die Leute zu alarmieren und sie dem Pfleger zuzuführen. Ende des 18. Jahrh. zählte das Gericht Mitterfels rund 80 Obmannschaften.
Diesen unmittelbaren Gerichtsuntertanen standen ebenso viele Herrschafts- und Hofmarksuntertanen gegenüber. Unter diesen waren auch:
Die Klosterhofmark Oberalteich,
die Klosterhofmark Windberg
die Freiherr v. Schußsche Hofmark Steinburg
und die Voithenbergische Hofmark Au vorm Wald.
Zu den Hofmarken gehörten auch noch eine Reihe von Sedelhöfen und einschichtigen Bauerngütern, so zum Kloster Windberg die Hofmark Hofdorf und der Zöllnerhof in Hunderdorf.
Die vielen Hofmarken der Klöster und des Adels im Gerichtsbezirk schränkten den Aufgabenbereich des Landrichters bedeutend ein. Die Güter der beiden Bogener Linien, der domvögtischen und der gräflichen griffen oft ineinander und gehörten vielfach verschiedenen Schergenämtern an, nicht selten innnerhalb eines Dorfes. 1779 versuchte man die Schergenämter abzuschaffen, man mußte sie aber 1783 aufs Neue einführen, da die Obleute ihre Aufgabe nicht übernehmen konnten und wollten. Bei der Wiedereinführung der Schergenämter wurden die Bezirke hierfür genau getrennt und festgelegt. Aus den 8 Schergenämtern des Landgerichtes Mitterfels wurden 4. Die Gerichtsbarkeit war nicht nur im Siedlungsgebiet Hunderdorf vollkommen zersplittert, sondern schon innerhalb des eigentlichen Dorfes, das vor 1800 ca. 16 Häuser hatte.
Als Haus Nr. 1 galt das Gotteshaus zu Hunderdorf. Es ist als „Unfürdenklicher Besitz“ bezeichnet und im Jahre 1699 neu erbaut.
Ebenso galt als „Unfürdenklicher Besitz“ das Mesnergütl, das wahrscheinlich im heutigen Kindergarten stand.
Der Pfarrhof und das heutige Gasthaus Edbauer gehörten zum Pfarrwiddum und somit zum Kloster Windberg. Der Zöllnerhof, heute Hornberger-Bauer und der Stanglhof in Apoig waren Gutshöfe des Klosters Windberg. Zur Grundherrschaft des Klosters gehörten der heutige Baierwirt und das Anwesen 16 Aumer.
Als „Eigen“ sind bezeichnet die Anwesen 5 = Wanninger Peter, Wohnhaus Stall unter einem Dach, darangebauten Stadel, Backofen, Hofraum und Wiedenbrunnen. Gras- und Baumgärtl mit 0,37 Tagw.
Anwesen 6 heute Knott Willi. Ein Haus mit einem unbedeutenden Grund. Wassergenuß und Wiedenbrunnen. Gartl am Hause. Grundbesitz 0,15 Tagw.
Anwesen 7 = Wanninger Edmund. Es gehörte dem Backer Zistler, der in der Donau ertrank. Ein uneingehöftetes Haus samt unbedeutenden Gärtchen. Wohnhaus und Stall unter einem Dach.
Anwesen 10 = Schötz Anna. Wohnhaus, Stall und Stadl unter einem Dach, Backofen, Hofraum und Pumpbrunnen.
Anwesen 18 ist bezeichnet als „Hälfte des Metzgerhäusl mit realer Krämergerechtigkeit. Gebäude Wohnhaus, Stadl und Viehstall unter einem Dach, dazu Dunglege (heute Baier Josef) daneben Anwesen 18½ Metzgerhaus mit realer Metzgergerechtigkeit. Wohnhaus. Grund 0.02 Tagw. Die Gebäude des Pfarrwiddums standen an Stelle des heutigen Stalles.
Anwesen 20 auf Plannr. 15 konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Wohnhaus, Stall und Stadl unter einem Dach, dazu Hofraum.
Zu den 6 als „Eigen“ bezeichneten Anwesen gehörte eine Grundfläche von insgesamt 0,71 Tagw., 3 der Anwesen hatten ein Gärtl mit 1,32, 1,37 und 1,32 Dez. Daraus geht klar hervor, daß im Dorf selbst kaum Eigenbesitz an Grund und Boden vorhanden war.
Allein zum Zöllnerhof gehörten 79,03 Tagw.
Die Sporersölde und Rangsölde gehörten ebenfalls dem Kloster. Die Gründe der Sölden- oder Seldenhöfe wurden später aufgeteilt, die Gebäude standen: Sporer – Sölde = Steckler, Max, Rangsölde = Mandlinger. Das Englberghäusl war das spätere Altmannanwesen, das in den dreißiger Jahren abbrannte.
Das Anwesen auf Plannr. 50 (Högerl Alois) gehörte ebenfalls dem Kloster. Der Hartlhof = Englmeier Karl war Klosterbesitz. Auch das Ertlhäusl Helmbrecht Josef, gehörte dem Kloster.
Zur Hofmark Au gehörte das Wintermaiergütl, heute Stern Xaver. Die klösterlichen Hofmarken wurden mit den Klöstern 1803 aufgehoben. Ihre Untertanen wurden in die Obmannschaften eingereiht und somit direkte Gerichtsuntertanen. Die adeligen Hofmarken blieben noch bis 1848 bestehen. 1808 wurde das Königreich Bayern neu eingeteilt und zwar nach französischem Vorbild wurden die Kreise nach Flüssen benannt. Mitterfels kam zunächst zum Regenkreis. Es wurde das erste Gemeindeedikt erlassen, dessen Durchführung sich unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg stellten. War in dem damals so kleinen Ort Hunderdorf die Gerichtsbarkeit gemischt, so erst recht in dem umliegenden Siedlungsgebiet. Hatten doch in Richtung Steinburg die beiden Hofmarken ihre Ländereien, die schon in Breitfeld ineinander griffen. Nach einem Übergabsbrief von 1837 hatte ein Übernehmer den einen Acker in Breitfeld von der Hofmark Au zu verbriefen, den anschließenden von der Hofmark Steinburg.
1810 wurde das Gericht Mitterfels dem Unterdonaukreis zugeteilt. Seit 1837 ist der Unterdonaukreis in Niederbayern umbenannt. Nachdem das Land in Kreise eingeteilt war, ging man daran die Landgerichte in Gemeinden zu unterteilen und an ihre Spitze, wie schon beim ersten Gemeindeedikt angeregt worden war, Vorsteher zu stellen. Der 1. Vorsteher in Hunderdorf war Joseph Lerbl. 1808 unterzeichnete er bereits mit Namen, während viele seiner Zeitgenossen damals noch mit einem Kreuz unterzeichneten.
Die Bildung der Gemeinden sollte Hand in Hand mit der Einteilung in Steuerdistrikte vor sich gehen. Diese war eine vorbereitende Maßnahme der Landesvermessung. Hatten doch die Klöster nie ihre Besitzungen vermessen lassen, so holte der Staat nach der Landnahme dies um so gründlicher nach. Die Gemeinden sollten zugleich die Schul- und Pfarrbezirke einschließen, die Hofmarken wurden vorerst als in sich geschlossene Gebiete betrachtet. So kommt es, daß unter den 38 Steuerdistrikten, in die das Landgericht 1812 eingeteilt wurde 8 Gaishausen und 16 Hunderdorf ist.
Den 38 Steuerdistrikten standen 36 Schulen und nur 28 Pfarreien gegenüber. Am 17 Mai 1818 wurde das 2. Gemeindeedikt erlassen. Innerhalb eines Monats sollten die neuen Gemeinden so formiert werden, daß alle bäuerlichen Wirtschaftsgemeinden mit mindestens 20 Familien eine politische Gemeinde ergeben, die Weiler und
Einöden zu einer Gemeinde zusammengefaßt oder einer anderen Gemeinde angeschlossen werden. Das war für den Bezirk des Landgerichtes Mitterfels besonders schwierig. Der Bezirk umfaßte 14 Quadratmeilen, mehrere Hundert Ortschaften, größtenteils Einöden und Weiler, dazwischen die Untertanen der Patrimonialgerichte verstreut, kaum eine ungemischte Gemeinde, viele erst seit 1803 dem Landgericht unterstehend und dazu der Landrichter Maier erst ½ Jahr in seinem Amt. Er kannte die Gegend kaum und bei den damaligen Verkehrsmöglichkeiten war es schwer sie rasch kennen zu lernen. Am 25. Juli 1818 reichte er einen Vorschlag mit folgender Formulierung ein:
1 Marktgemeinde (Bogen)
32 landgerichtliche Gemeinden (Gaishausen-Hunderdorf)
49 patrimonialgerichtliche Gemeinden (Steinburg-Au)
insgesamt 82 Gemeinden.
Die Regierung tauchte die Feder in die rote Tinte.
Die Gemeinden unter 20 Familien sollten aufgelöst werden. Bei der Neubildung wurde eine Anlehnung an die Steuerdistrikte verlangt, die Patrimonialgerichte wurden angewiesen größere Gemeinden zu bilden.
Am 29. November wurde ein neuer Entwurf vorgelegt, dazu die Liste der gewählten Vorsteher – in Hunderdorf Joseph Lerbl.
Von den ursprünglich 82 Gemeinden blieben noch 60. 1831 nach einer Umlegung im Landgericht noch 42.
Mit Rücksicht auf die große Bevölkerungszahl geruhte Seine Majestät der König am 25. 4. 1838 ein neues Landgericht erster Klasse in Bogen zu errichten. Zu diesem kamen 10 Gemeinden des Landgerichtes Mitterfels darunter auch Hunderdorf und 7 Gemeinden des Landgerichtes Deggendorf. Die Gemeindebildung innerhalb der beiden Ämter kam erst zum Abschluß, nachdem 1848 die Gerichtsrechte der Adeligen in ihren Patrimonialgerichten aufgehoben wurden.
Nach dem Gemeindeedikt von 1818 gehörten zur Pfarrei Hunderdorf 4 Gemeinden: Hunderdorf, Steinburg, Au und Gaishausen.
Die 4 politischen Gemeinden waren zu einer Schulgemeinde zusammengeschlossen mit dem Schulsitz in Hunderdorf und einer Lokalschule ab 1834 in Au.
Als Zeichen der seelsorglichen Verbundenheit der 4 Gemeinden trugen bis zum 2. Weltkrieg bei der Fronleichnamsprozession die 4 Bürgermeister den Traghimmel.
Die Gegend um und in Hunderdorf wurde nach der Säkularisation aufgeteilt. Der Staat verkaufte die Holzgründe der Klöster Oberalteich und Windberg. Auf ihnen entstanden 40 kleine Anwesen mit ½, 1, 2 und 3 Tagw. In Hunderdorf entstanden neue Anwesen aus dem Pfarrwiddum (120 Tagw.) aus dem Zöllnerhof 8 Anwesen als Ausbrüche: Nach dem Urkataster von 1843 verblieben beim Zöllnerhof 25,37 Tagwerk. Zum restlichen Zöllnerhof, der 1827 in den Besitz des Matthias Holmer kam, gehörte das Wohnhaus und Stall unter einem Dach, Lege, Stadl, Kastl, Hofraum und Brunnen.
Das Ausnahmshaus des Zöllnerhofes wurde ein eigenes Anwesen mit 8 1/8 Tagw. Grund. 1823 kaufte es Franz Caspar von Peter Zöllner. 1830 erbaute Joseph Mautner ein Häusl auf einem Ausbruch aus dem Zöllnergut. Den Rest des ½ Zöllnerhofes erstand Michael Schötz (Weber) und erbaute Wohnhaus und Stall unter einem Dach.
Ein Haus im Jahre 1827 auf Ausbrüche zu 1 Tagw. Holz und 1½ Tagw. Acker aus dem Zöllnerhof zu Hunderdorf neu erbaut. (Pollmann) Wohnhaus Stall und Stadl unter einem Dach, Acker und 2 Wiesen auf der Egern. Ein auf einer Parzelle des Zöllnerhofes neu erbautes Haus 1830. (Wagner Maria) Wohnhaus, Stall und Stadl unter einem Dach, Backofen und Hofraum.
Rupert Preiß erbaute 1820 auf einem Ausbruch des Zöllnerhofes Wohnhaus und Wagenremise unter einem Dach. Hornberger Paul.
Ebenso als Ausbruch aus dem Zöllnerhof entstand das Anwesen des Michael Riedl (Poiger Josef) und das Anwesen des Lorenz Hausinger. Auch die heutige Bäckerei Hastreiter steht auf einem Ausbruch des Zöllnerhofes, der von dem Wagner Joseph Edenhofer gekauft wurde. Nach 1800 wurden erbaut „Auf ein unbedeutendes Plätzl“ das Steinbauer-Anwesen (Schmid Ludwig), das Schulhaus 1820 auf dem Gelände des Kindergartens. 1837 erbaute sich Lehrer Fuchssteiner das heutige Drexler Haus, der Schreiner Joseph Kaspar erbaute 1837 Wohnhaus, Stall und Stadl unter einem Dach, auf einem Wiesgrund.
Nach den Katasterunterlagen des Staatsarchives hatte der Ort Hunderdorf vor 1800 ca. 15 bis 20 Anwesen, im Urkataster von 1843 sind es bereits über 40.
Nach einem Bericht von Pfarrer Luschner:
Hunderdorf zählt 16 neue Familien und Häuser welche aus dem Pfarrwiddum und dem Bauernhofe (Zöllnerhof) hervorgegangen sind, sämtliche in großer Not. Mithin hat die Gemeinde Hunderdorf 63 und wohl noch mehr neue Häuser, in denen meist noch eine Inwohnerfamilie lebt. Nach einer Statistik von 1833 hat die Pfarrei 1142 Seelen.
Einwohner
Hunderdorf 191 Dorf
Apoig 76 Einöd
Eglseerweiher 7 Einöd
Grabmühl 9 Einöd
Hofdorf 164 Dorf
Lintach 187 Dorf
Oberhunderdorf 19 Weiler
Sollach 52 Weiler
Stetten 39 Einöd
Stockwies 14 Einöd
Thananger 51 Weiler
Bauernholz 28 Weiler
Berndorferholz 2 Weiler
Breitfeld 4 Einöd
Hoch 31 zerstreute Häuser
Lindfeld 37 Weiler
Insgesamt 921
dazu kommen noch die Einwohner von Starzenberg. Da es sich um eine Aufstellung für die Schule handelte, sind sie hier nicht aufgeführt.
Nach dem Sterberegister ist die Kindersterblichkeit erschreckend groß, so stehen 1832 74 Kindstaufen 46 Kindsleichen gegenüber und 33 Leichen Erwachsener. Die große Sterblichkeitsziffer ist eine Folge der Armut. Immer wieder ist als Todesursache Auszehrung, Entkräftung genannt. Eine weitere Folge war, das auf die Ganth kommen. Pfarrer Luschner berichtet auch davon: Durch diesen häufigen Besitzerwechsel ist kaum eine Geschlechterfolge auf einem Anwesen.
Die soziale Lage der Hunderdorfer vermag am besten Pfarrer Luschner zu schildern.
Seine Berichte an die Regierung und andere Behörden sind oft herzerweichend.
Im Sommer müssen schon die Kinder überall mitarbeiten, im Herbst müssen sie das Vieh hüten und im Winter sogar beim Dreschen helfen. Wenn sie auch oft kein Körndl Getreide herausschlagen konnten, daß wenigstens, wie man so sagt, der Takt gehalten werden konnte und dadurch die Eltern eine große Erleichterung hätten.“
Aus der Fassion von 1824 geht weiter hervor:
Daß viele 1/8, 1/10, ¼, ½ und ganze Bauern so schlecht daran sind, da ihre Anwesen auf kargem Holzgrund stehen, sie selbst eines anderen Hanthierungs- und Nahrungszweigs unkundig, für ihre kleinen Äcker aus Mangel an Vorspann ihr Weib und ihre Kinder benützen und so ihre Acker bearbeiten. So läßt sich ohne viel Mühe erachten, wie karg bei ihnen das Einkommen oder vielmehr wie groß bei ihnen die Not und Armut ist.“
Weiter heißt es: ,,Der Boden auf den Höhen ist kein Getreideboden, er gibt nur sparsam die nötige Speis und oft die nicht. Zwei Jahre nacheinander wurden sie vom Hagelschlag getroffen. Gar alle Artikel, die der Bauer zum Verkauf anbieten kann, stehen zu den niedrigsten Preisen, während die Ausgaben auf Handwerksleut, Wagner, Schmied, die Dienstbotenlöhne, die nämlichen sind. Aus diesem Vergleich werden sich wirklich keine Spuren des Wohlhabens, sondern nur der Notdurft zeigen.“
1826 wird die Gemeinde vom Landgericht angeklagt wegen Gleichgültigkeit gegenüber des Schulbesuches. Wieder begründet sie dieselbe mit der Armut. Für jedes Kind sollten 36 kr. bezahlt werden.
„Da die Gegend mit Armsind und Taglöhnerfamilien übersät ist, in hoher Dürftigkeit lebt und meistens der tägliche Erwerb kaum hinreichen mag.“ Die ganze Not tritt erst klar zutage, wenn man die Kreuzer auf unsere heutige Währung umrechnet.
1 Kreuzer kr. = 4 Pf.
1 kr = 1/60 Gulden oder 1/90 Reichstaler.
1 kr = 4 Pf.
1 fl = 2,40 DM
1 T. = 3,60DM
Der Gulden war ursprünglich eine Goldmünze, dann auch eine Silbermünze. Bis 1870 wurde er in Süddeutschland als Münzgeld in Umlauf gebracht.
Der Kreuzer wurde 1871 abgeschafft.
Am längsten hielt sich der Taler. Er wurde 1908 durch das 3 Markstück ersetzt.
Als Maß für Getreide und dergleichen galt der Schäffel.
1 bayer. Schäffel = 6 Metzen = 12 Viertel,
12 Viertel = 48 Massel = 192 Dreißiger = 159,417 l.
Die Zehentabgaben wurden meist mit Schäffel, Metzen und Viertel gemessen. Neben den Gütlersleuten, das waren jene, die ein kleines Gütl hatten, gab es die vielen ½ Bauern. Auch in den Pfarrmatrikeln sind sie als solche eingetragen, daneben gab es im 19. Jahrhundert in der Gemeinde folgende Berufe: Wagner, Schmied, Strohflechter, Hadernsammler, Mühlenarzt, Schleifer, Glaser, Ziegler, Weber, Hammerschmied, Sägfeiler. 1837 wird das Schreiner-Casparische Anwesen genannt, bei dessen Übergabe ein Hafner und ein Tafernwirt Bausenberger. Kerbezäuner und Binder gehören zu den alten Berufen, Bürstenmacher erst zu den neueren. Wie genau alles festgelegt war innerhalb der Berufsgruppen zeigt folgende Bekanntmachung.
Bekanntmachung
durch die Churpfalz-Baierische Ober-Bundes-Regierungsanordnung vom 4.ten März 1788 wurden da wechselseitig an Gewerbsbefugnisse des Schreiner- und Zimmergewerbes, wie folgt festgestellt und aus Veranlassung erhobener Beschwerden von der königl. Regierung des vormaligen Pfarrkreises unterm 18.ten September 1835 bestätigt.
Kirchen Arbeiten.
Die Schreiner machen allein alle Altäre und was dazu gehört, Kanzeln, Beichtstühle, Kirchenstühle, u. Oratoria; die Zimmerleute haben hierbei nur die nötigen Gerüste, Balken, Fundamente und Traghölzer zu verfertigen. Die Gitter mit ausgeschweiften Verzierungen und ohne solchen, sowie die Gänge mit Ober- und Untergesümpfe, dan die Fertigung der Kästen und andern Erfordernisse in den Sakristeien, Todtengerüste, Grabdeckeln und Grabkreuze steht ausschließend den Schreinern zu, den Zimmerleuten steht durchaus nichts zu.
Die Fertigung der Kirchtüren mit Einschubleisten, so andere feine Arbeiten gehören den Schreinern zu, die Zimmerleute dürfen hingegen alle anderen derlei Thüren, die nur zusammen gedippelt, und anstaat Einschubleisten mit eisernen Nägeln aufgenagelt werden, verfertigen.
Hausgeräte und andere verschiedene Arbeiten.
Alle feine Arbeit von Holz-Häng u. Komode, Registratur, sowie Kasten, Kanapee, Sesseln, Betstätten, und Schämeln sollen die Schreiner allein zu machen befugt sein; die Zimmerleute sind zur Ausfertigung von Dachstühlen mit Zugehör befugt und dürfen nur von den Hausgeräthen Waschbänken, Fleischstöcke, Hühnersteigen, Selchtelstangen, Nirsche und dergleichen geringe Arbeit machen.
Zur Verfertigung der Fensterstöcke mit Rahmen sind auch die Zimmerleute befugt, sowie diesen auch die Fertigung voraus und inwendiger Bänder zusteht, die Fensterstöcke auf den Böden und an den Stallungen zu verfertigen sind diese nur allein berechtigt.
Tische, Bänke und Stühle mit Lehnen zu fertigen, steht den Schreinern ausschließend zu, ebenso die Verfertigung von Bilderrahmen, Schreibpulten ect. Die Zimmerleute sind ausschließend zur Herstellung der Thürstöcke befugt.
Die Thüren mit Einschubleisten an dickem Orte oder andere Einfassungen nebst dem Thürfenster machen allein die Schreiner; die Zimmerleute hingegen sind nur befugt, glatte Thüren mit stengler Kladung zu machen, zusammengedippelte Thore zu verfertigen ist ausschließend Befugniß dieser. Die Schreiner machen die geleimten Fußböden, die Zimmerleute sind ebenfalls zur Herstellung von geleimten Fußböden berechtigt, und haben diese das ausschließende Recht zur Verfertigung von überfalten Böden.
Den Schreinern gebührt die allein Verfertigung, der von ganze geschlossenen Stiegen der sogenannten Schrankenstiegen, den Zimmerleuten steht zu das herzustellen, und diese dürfen nur offen bloß eingeschoben werden und alle Stiegen fertigen.
Bei den Getreideböden, Stallungen und Mühlenstehlen alle vorkommenden Arbeiten nur ausschließend den Zimmerleuten zu.
Werkzeuge.
Die Zimmerleute dürfen die zu feinen Schreinerarbeiten erforderlichen Höbel und Holleisen durchaus nicht führen.
Indem man aus Veranlassung vorgekommener Beschwerde, diese Bestimmungen zur Wissenschaft u. Darnachachtung öffentlich bekannt gibt, werden zugleich die Schreiner und Zimmerleute zur genauer Einhaltung der festgestellten Schranken der beiderseitigen Gewerbsbefugnisse bei Vermeidung einer Strafe von 5 Reichsthalern rechtlich ermahnt, den Zimmer- sowie Schreinergesellen aber beides auf eigene Faust u. daher aus besonderer Unterhalt von eigenen Hobel- und Drehbänken als die vorzüglichste Quelle von Gewerbsbeeinträchtigungen, bei dießfallsigen Betretten außer empfindlicher Geld od. Arreststraffe die selbstige u. nachsichtigen Confiskation von derlei Hobel- und Drehbänken in ihre Wohnungen zu gewährtigen haben werden.
Landshut am 31 ten August 1821
Magistrat der kl. Kreis = und Hauptstadt Landshut
als Lokal = Polizeibehörde Rechtskundiger
Bürgermeister Lorber
Bachmaier
Genau so ins Detail gehend waren die Kaufbriefe, Übergabsbriefe, Heiratsbriefe.
Ein Heiratsbrief von 1837 hat folgenden Wortlaut:
2 Kaufbriefe zu 1302 fl 42 kr
I.
Bringt Braut ihrem angehenden Ehemann zum wahren und rechtmäßigen Heirathgut nebst einer Ausfertigung zu 200 fl im Anschlage in die Ehe ein elterliches Vermögen von 900 fl welches Bräutigam bereits bar zu erhalten haben bekennt.
II.
Dieses Heirathgut widerlegt Hochzeiter der Braut
a) mit dem Mitgenuße seiner zu erlangenden Schreinerkonzession während seines Lebens und
b) mit seinem theils ledeigenem theils kornboden zinsigen hab kod. um 1302 fl kr käuflich erworbenen Anwesen mit Ein- und Zugehör, Schulden und Gegenschulden in der Art, daß sie während seines Lebens mit und nebst ihm gleiche, nach seinem Tode aber alleinige rechtmäßige Besitzerin und Eigenthümerin seyn und verbleiben soll;
III.
Auf kinderloses Vorabsterben der Braut hat Bräutigam einer Jahr und Tag als Rückfall an deren nächste Anverwandte hinauszuzahlen, 500 fl sie dagegen hat keinen Rückfall auszuhändigen.
Allenfalls vorhandenen Kindern ist jederzeit das Vater = wie Muttergut gerichtlich auszueignen.
Womit geschloßen vorgelesen und zur Bestätigung unterzeichnet wurde.
den 6 ten April 1837
Peter Trum, Maria Seitz
Nepomuk Pausenberger
Königl. Landgericht Mitterfels
Maier
Nicht weniger interessant ist ein Übergabebrief von 1866.
Nachstehend nur zwei Auszüge.
. . . übernimmt das Anwesen mit einem Flächeninhalte von vier Tagwerk und siebzig Dezimalen, belastet zum k. Rentamt mit vier und fünfzig Kreuzer Grundsteuersinztum, vier und zwanzig Kreuzer Haussteuersinztum, vier und zwanzig Kreuzer Gefällsbodenzins, einem Kreuzer vier Heller Handlohnsbodenzins, einem Gulden fünfzehn Kreuzer Kornbodenzins,
… laut Kaufbrief vom 12. Febr. 1855 erworbenen Acker und belastet mit neun Kreuzer sechs Heller Grundsteuersinglum, elf Kreuzer fünf Heller Gefällsbodenzins zur Ablösungskasse, vorher Gutsherrschaft Au zwei und vierzig Kreuzer zwei Heller Gefällsbodenzins, vorher Gutsherrschaft Steinburg zwei Kreuzer fünf Heller Gefällsbodenzins …
Die Verkäufer bedingen sich auf ihre Lebensdauer nachstehenden, ihnen vom Gute aus alljährlich und unentgeltlich zu verreichenden Naturalausnahm. Zur Wohnung die zwei Zimmer im Hause oder der Stiege und zur Benützung den über diesen zwei Zimmern befindlichen Boden, allenfalsige Baufälle in dieser Wohnung sind vom Gute aus wenden zu lassen; zur Lebsucht jährlich vier Vierling Korn, vier Vierling Weizen, vier Vierling Kartoffel, zwei Vierling weiße Rüben, vier Schilling Eier, zwei Vierling Birnen, zwölf Köpfl Schmalz, vier und zwanzig Maß Herstmilch, vier Pfund Seifen, zwei Pfund Kerzen, vier Schütt Roggenstroh, auch jährlich zu Weihnachten vier Pfund Schweinefleisch, täglich und zwar das ganze Jahr hindurch eine Maß süße Milch.
Zum heutigen Wohlstand kann man sich kaum die geringen Einkünfte und die damit notwendig verbundene Anspruchslosigkeit unserer Bevölkerung vor 100 und 150 Jahren vorstellen. Die Lebensbedingungen änderten sich kaum bis zum ersten Weltkrieg.
Durch Jahrzehnte war der Lehrer auch Mesner und Organist. Für eine Hochzeit erhielt er 51 kr, für eine Kindstaufe 9 kr, für eine Kindsleich 57 kr, für Leichen Erwachsener 3 fl 30 kr, für Hoch- und bestellte Ämter 30 kr, für verkündte Messen 6 kr.
| Jahr | Hoch- zeiten |
Kinds- taufen |
Leichen | Kinder- leichen |
| 1823 | 4 | 60 | 19 | 20 |
| 1824 | 8 | 64 | 18 | 18 |
| 1825 | 14 | 62 | 14 | 19 |
| 1826 | 12 | 55 | 18 | 34 |
| 1827 | 12 | 62 | 17 | 19 |
| 1828 | 11 | 72 | 22 | 25 |
| 1829 | 18 | 61 | 29 | 28 |
| 1830 | 12 | 57 | 20 | 25 |
| 1831 | 9 | 77 | 23 | 36 |
| 1832 | 9 | 74 | 33 | 46 |
| Hunderdorf vor 1800 nach dem Urkataster | |||
| 1 | 1 Pfarrkirche | Unfürdenklicher Besitz | |
| 2 | Pfarrhof | Kloster Windberg | aus Holz erbaut |
| 2a | Ökonomiegebäude | Kloster Windberg | |
| 2b | Ökonomiegebäude | Pfarrwiddum Kl. W. | Edbauer – Baier Josef |
| 3 | Mesnerhäusl | Unfürdenklicher Besitz | Kindergarten |
| 3a | Stadl v. Zöllnerhof | Kloster Windberg | Bauer Garten |
| 4 | |||
| 5 | Anna Weinzierl | Eigen | Wanninger Peter |
| 6 | Simon Erndl | Eigen | Knott Will |
| 7 | Max Brunner | Eigen | Wanninger Edmund |
| 8 | Johann Steinbauer | Eigen | Schmid Ludwig |
| 9 | Anna Beindl | Eigen | Altmann (abgebrannt) |
| 10 | Joseph Alexander | Kloster Windberg | Schötz Anna |
| 11 | Realitätengebäude | Michael Englmaier | Baier Josef |
| 12 | Metzgerhäusl | Pfarrwiddum | Hornberger Sofie |
| 13 | Martin Six | Kloster Windberg | Steckler Max |
| 14 | Wolfgang Dorfner | Kloster Windberg | Baier Sofie |
| 15 | Johann Fuchssteiner | Kloster Windberg | Lehner Joh. (Mandlinger) |
| 16 | Georg Senft | Kloster Windberg | Aumer Josef |
| 17 | |||
| 18 | Georg Warten | Kloster Windberg | Högerl Alois |
| 22 | Afra Lohmeier | Hofmark Au | Stern Xaver |
| Michael Englmeier | Realitätengerechtigkeit | ||
| Martin Ertl | Metzgergerechtigkeit | ||
| Wolfgang Dorf ner | Taferngerechtigkeit | ||
1839 angeführte Berufe:
Wagner, Josef Edenhofer
Bäcker, Johann Bapt. Zistler
Sattler, Johann Preiß
Metzger, Martin Ertl
Wirt, Georg Brunner
Mühlrichter, Johann Lang
Schreiner, Peter Trum
Krämer, Franz Messerschmid
Landkramer, Rupert Preiß.
Von den Inwohnern wurden folgende Berufe ausgeübt: Strohflechter, Hadernsammler, Mühlenarzt, Schleifer, Glaser, Weber, Ziegler, Hammerschmied, Sägfeiler, Lumpensammler.
Ziegler war der erste Arbeiter, der in einem Fremdbetrieb arbeitete. Die Tongrube und die Ziegelbrennerei in Sollach beschäftigten bereits damals Arbeiter.
Von der Tongrube in Sollach wurde der Ton nach Straubing gefahren. Zuerst mit den Pferden direkt bis zur Ziegelei, später mit 8 Pferden zum Bahnhof Hunderdorf. Tageslohn für einen Tonarbeiter war 1,50 DM.
Bis um 1800 war jedes Anwesen mit Grund und Boden ein Hof. Der Besitzer je nach Größe des Hofes 1/4, 1/2 oder ganz Bauer.
Zu jedem Hof gehörte außer dem Wohnhaus mit eingebautem Stall und Stadl das Leibtum oder Austraghaus. In ihm verbrachte der alte Bauer mit seinem Weib und seinen unverheirateten Kindern seinen Lebensabend. Nicht selten waren dort auch noch ledige Geschwister des Bauern oder andere ältere Verwandte untergebracht. Alle, die im Leibtum wohnten, hatten den „Austrag“ vom Hof entweder in Naturalien oder sie hatten ein Stück Land vom Hof zur Nutznießung.
Zu jedem Hof gehörte auch das Inhäusl. In ihm wohnte der Inmann mit seiner Familie. Er war mit seinem Weib verpflichtet im Sommer auf dem Hof zu arbeiten und erhielt an diesen Tagen vom Hof das Essen und einen kleinen Taglohn. Im Winter mußten sich die Inwohner selbst versorgen. Das war nicht schwer, da sie vom Hofe so viel Grund hatten, daß sie 2 Kühe füttern, ein Schwein, Gänse und Hühner halten konnten. Auch ein Holzteil war ihnen zugewiesen. Im Winter stand beim Inmann meist der Webstuhl in der Stube und mit den Nebenberufen verdiente er sich noch ein paar Pfennige. Die Inwohner hatten meist die Stube voller Kinder. Oft vererbte sich der Inmannsposten vom Vater auf den Sohn.
Ortschaft Hunderdorf 1839 nach dem Urkataster von 1843
1 Pfarrkirche — Unfürdenklicher Besitz
2 Wohnhaus, Pfarrhof, Stadl — Staat
3 Mesnergütl — Unfürdenklicher Besitz
3b Schulhaus — Freieigen — neben Kindergarten
3 ½ Fuchssteiner — Eigen — Drexler Wolfgang
4 Ausbruch aus dem Zöllnergut
Wagner, Joseph Edenhofer — Hastreiter Georg
5 Altschäffl Johann (Sporlhaus) — Wanninger Peter
6 Georg Schwarz — Wiedenbrunnen — Knott Willi
7 Bäcker Johann Bapt. Zistler — Wanninger Edmund
7 ½ Müller, Johann Rothmayer — Ausbruch Zölln. — Wagner Maria
7 ½ Landkramer, Rupert Preiß — Ausbr. Zöllnerh. — Hornberger Paul
8 Johann Steinbauer — Schmid Ludwig
9 Lorenz Haimerl — 1/32 Englbergerhäusl — Altmann (abgebrannt)
10 Andreas Bauer — 1/32 Barthhäusl — Schötz Anna
10 ½ Sattler, Johann Preiß — 25/8 Tagw. Pfarrwiddum — Baier Josef
10 ½ Metzger Martin Ertl — Hornberger Sofie
11 ½ Michael Riedl Ausbruch — Zöllnerh. — Poiger Josef
12 Martin Six — 1/8 Sporersölde — Steckler Max
13 Wirth, Georg Brunner — Rest des 1/4 Hartlh. — Baier Sofie
13 ½ alter Wirt, Wolfg. Dorfner — Ausbruch Hartlhof — Hornberger Paul
15 Georg uFchssteiner — 1/8 Rangsölde — Lehner Johann (Mandlinger)
16 Georg Senft — Rest des ½ Sixtengütls — Aumer Josef
17 Michael Schötz — Rest des ½ Zöllnerhofes — Weber Josef
17 ½ Georg Baumgartner — Ausbruch-Zöllnerh. — Pollmann Johann
18 Franz Kaspar — Ausnahmhaus Zöllnerh.
18 Jakob Hirtreiter — 1/16 Amskengerngütl — Högerl Alois
19 Georg Ertl — v. Zöllnerhof — Helmbrecht Josef
20 Matthias Holmer — restl. Zöllnerhof — Hornberger Franz
20 Peter Gugeis
20 ½ Joseph Mautner v. Zöllnerhof — Diewald
22 Mühlrichter, Johann Lang — Hofmark Au — Stern Xaver
23 Schreiner, Peter Trumm — Härtenberger Karl
24 Lorenz Hausinger — Ausbruch Zöllnerhof — Englmeier
25 ½ Jakob Staimer — Ausbruch Stanglhof — Maier Sofie
28 Krämer, Franz Messerschmid
Hunderdorf 1939
Gütlhuber Josef — Gütlhuber
Steinbauer Johann — letzte Besitzerin Schwarzensteiner Franziska — leer
Plötz Josef — Niedermeier Ludwig
Steckler Anton — Hirtreiter Willi
Baier Johann — Reisinger
Meier Georg, Schuster — Meier
Huber Theres — Zitzelsberger Kreszenz
Zollner Karl — Zollner
Härtenberger Maria; Härtenberger
Härtenberger Karl, Schreiner — Härtenberger Karl
Schedlbauer Johann — Englmeier
Baier Johann, Gastwirt — Baier
Hornberger Johann — Hornberger Paul
Lehner Johann — Lehner Johann
Hien Xaver — Aumer — Aumer Josef
Klein Xaver, Schlosser — Klein
Heinz Xaver — Baierl
Hirtreiter Xaver — Schreiner
Kronfeldner, Totengräber — Kronfeldner
Glöckl Sebastian — Glöckl
Hagn Xaver — Hagn
Eidenschink — Paukner
Knott — Knott
Feldbauer Ludwig, Schneider — Feldbauer
Weber Josef — Weber
Hornberger Ludwig — Hornberger Franz
Bräuherr Johann — Högerl Alois
Mauthner — Diewald
Beck Alois, Schmied— Beck
Poiger, Ludwig, Schuster — Poiger Josef
Wagner Maria — Wagner Maria
Frankenberger Alois — Schmid Ludwig
Altmann Theres — Hornberger Paul
Hastreiter Georg, Bäcker — Hastreiter Albert
Hornberger Sofie, Krämerei — Hornberger
Edbauer Otto, Gastwirt — Baier Josef
Sträußl Jakob, Krämerei — Schwarz
Groß Josef — Drexler Wolfgang
Edenhofer — Kuffner
Blasini Johann— Drahynicz
Schötz Josef, Schneider — Schötz
Kötterl Philomena — Baier Rosina
Buhl Martin — Helmbrecht Josef
Weinzierl Johann, Krämer — Stern Xaver
Steckler Alfons, Sattler — Krämerei Steckler
Kalm, Bäcker — Schmiedbauer
vor 1800 hatte das Dorf Hunderdorf ungefähr 16 Anwesen
1839 zählte es 32 Anwesen
1939 also 100 Jahre später 46 Anwesen.
1939 hatten sowohl Dorf und Gemeinde rein bäuerlichen Charakter.
An gewerblichen Betrieben waren 1939 vorhanden:
2 Gastwirtschaften, Baier Johann — Edbauer Otto
5 Krämereien — Steckler, Weinzierl, Sträußl, Hornberger, Frankenberger
2 Bäcker — Hastreiter — Kalm
2 Schuster — Maier Georg, Poiger Ludwig
1 Schlosser — Klein Johann
Schmied — Beck Alois
Sattler — Steckler Alfons
1 Schreiner — Härtenberger Karl
1 Messerschmiede — Steckler Anton
Hunderdorf 1969
Außer der Betriebssiedlung der Firma Nolte, die seit 1952 bezogen ist, wurden 3 weitere Siedlungsgebiete erschlossen, die schon weitgehend bebaut sind: die Hochfeldsiedlung Richtung Lindfeld, vorläufig abgeschlossen. Die Eichenfeldsiedlung — Richtung Windberg bis zur Gemeindegrenze.
Die Bahnhofssiedlung.
Derzeitige Betriebe in Hunderdorf:
Baier Georg, Metzgerei
Baier Josef, Gastwirtschaft und Metzgerei
Bauer Willi, Maschinenschlosserei
Anleitner Fr. Xaver, Schuhmacher
Poiger Josef, Mineralwasser und Getränke
Hornberger Paul, Bauarbeiten und Möbel
Beck Alois, Huf- und Wagenschmied
Betzelbacher Fanny; Lagerhaus u. Kohlenhandel, Tankstelle
Betzelbacher Rupert, Fahrzeughandel und Pflege
Hornberger Max, Fuhrunternehmen und Kohlenhandel
Drahynecz Nikolaus, Kfz.-Reparatur
Drexler Josef, Mühle
Feldbauer Ludwig, Schneiderei
Glöckl Heinrich, Gastwirtschaft
Hastreiter Albert, Bäckerei und Konditorei
Härtenberger Karl, Schreinerei und Möbelhandel
Henke Edgar, Matratzenfabrikation
Häusler Helene, Kunstgewerbe
Hieninger Johann, Elektro-Installation
Hofmann Martha, Damen- und Herrenfriseurgeschäft
Kvech Hugo, Zahn-Dentist
Myrtek Walter, Fuhrunternehmen
Nolte Möbel GmbH, Produktenwerk
Sandbiller Adolf, Metzgerei
Sandbiller Josef, Gastwirtschaft
Scharrer Richard, Friseurgeschäft
Schlecht Josef, Elektroeinrichtung
Schmidbauer Ludwig, Bäckerei
Schönauer Hans, Friseursalon
Schötz Josef, Mechaniker und Vulkaniseur
Schlecht Otto, Schreinerei
Skoula Albin, Haushalt- und Gebrauchtartikelherstellung
Stahl Franz, Dampf- und Feinbäckerei
Steckler Josef, Messerschmiede und Reparatur
Steckler Max, Schlosserei
Watzl Arnold, Radio- und Fernsehtechnik
Weinzierl Josef, Cafe-Restaurant
Hirtreiter Jakob, Lederwarenherstellung
Hirtreiter Otto, Bürstenmacher
Zwgst. Hunderdorf [Sparkasse?]Alfred Schaleske, Malerarbeiten
Rothammer Alois & Sohn, Baugeschäft
Hofdorf
Baumann Ludwig, Sägewerk
Deschl Katharina, Gastwirtschaft
Breitfeld
Elbinger Max, Tankstelle
Bauernholz
Reiner Fr. Xaver, Elektro-Installation
Hoch
Lehner Josef, Gastwirtschaft
Schuhbauer Xaver, Schlosserei
Thananger
Feldmeier Paul, Keramik-Tonwarenherstellung
Handelsgeschäfte
Wurm Otto, Viehhandlung
Anleitner Maria, Gemischtwaren und Flaschenbier
Baier Rosina, Textilien und Wandergewerbe
Betzelbacher Rupert, Autohandel, Kohlenhandel
Hornberger Max, Kohlenhandel
Elbinger Frieda, Gemischtwaren
Geiger Johann, Möbelhandel
Häusler Helene, Verkauf von Waren aller Art, ausg. Lebensmittel und Arzneimittel
Hastreiter Ingeborg, Kolonialwaren und Flaschenbierverkauf
Hieninger Johann, Elektrohandel
Kapfenberger Ludwig, Möbelhandel
Lauschner Elli, Versandvertretung
Scharrer Richard, Handel mit Tabakwaren
Schlecht Josef, Elektrohändler
Schmidbauer Berta, Kolonialwaren
Schötz Anna, Kolonialwaren, Spirituosen
Schwarz Maria, Gemischtwarenhandlung
Stahl Franz, Kolonialwaren
Steckler Maria, Gemischtwaren und Drogenwaren
Watzl Arnold, Handel mit Elektroartikel u. Baustoffen
Wurm Anna, Flaschenbierverkauf
Weinzierl Josef, Gemischtwaren
Wittmann Anna, Versandvertretung
Hofdorf
Groß Xaver, Vertretung AGO – Allmann Stahlfenster
Anleitner, Gemischtwaren
Hoch
Lehner Charlotte, Kolonialwaren
Thananger
Mayer Fanny, Gemischtwaren
Bauernholz
Reiner Xaver, Elektrohandel
Lintach
Sachs Otto, Kolonialwarengeschäft
Selbständige und in Fremdbetrieben ausgeübte Berufe sind derzeit:
Maurer, Mechaniker, Vulkaniseur, Chauffeur, Müller, Schreiner, Schuhmacher, Bürstenmacher, Metzger, Gastwirte, Schlosser, Schmied, Schneider, Kunstmaler, Maler, Elektriker, Friseure, Zahnarzt, Bäcker, Verkäufer, Techniker, Viehhändler.
Angestellte sind beschäftigt in der Gemeinde, an der Bahn, der Post, an den Geldinstituten – Zweigstelle der Sparkasse Bogen, Raiffeisenkasse, im Produktenwerk Nolte.
Seit der Gründung der Gemeinde 1812 haben verantwortungsbewußte Männer für das Wohl der Gemeindebürger gesorgt.
Not und Kriegszeiten haben ihnen die Verantwortung erschwert. Oft waren sie gezwungen zur Selbsthilfe zu greifen. Manches erstandene Werkwurde zum Gemeinschaftswerk der Bürger. Das Gelingen solcher Werke spricht nicht nur für die Einsatzfreudigkeit der Bürger, sondern vor allem für die Fähigkeit ihrer Initiatoren.
1. Joseph Lerbl, 1808 unterzeichnet das 1. Gemeindeedikt
1812 1. gewählter Vorsteher
1821 1. Erbauer einer Schule
2. Joseph Rothammer, des Schreibens unkundig, unterzeichnet mit x
Ein Vater der Armen.
3. Joseph Kaspar, 1833 gründet die Lokalschule in Au.
4. Joseph Ring
5. Joseph Bierl, 1855 Erbauer eines neuen Schulhauses
6. Joseph Rothammer
7. Joseph Wurm, 1876
8. Niemeier 01.01.1882
9. Fellinger 01.01.1888
10. Rothammer 01.01.1894
11. Simon Altschäffl 01.01.1900
12. Rothammer 01.01.1912
13. Josef Diewald 01. 01.1912
14. Fruhstorfer 01. 01.1922
15. Johann Hornberger 01. 01.1925
16. Alois Frankenberger 01. 01.1933
17. Max Wittmann, sen. 01. 01. 1935
18. Max Wittmann, jun. 01.04.1945
19. Johann Hornberger 17.07.1945
20. Karl Reiner 15.01.1948
21. Karl Härtenberger 01.05.1966


DAS DORF IN DER „GUTEN, ALTEN ZEIT“
Je mehr man in den Annalen der Geschichte blättert, umso schwerer fällt es, an die gute, alte Zeit zu glauben. Eines allerdings stimmt, sie war ruhiger, die bayerische Gemütlichkeit war keine bloße Redensart. Hoagartn und Greedbenk gehörten zum Leben, wie die Spinnstuben und der Feierabend.
Siegfried von Vegesack besingt diese Ruhe, den Dorffrieden in einem Gedicht.
Ein Ochsenfuhrwerk knarrt, beladen
mit fettem, festgeklopften Mist.
Der Weg vom Düngerhaufen bis zum Acker ist
betupft mit Brocken strohvermengter Fladen,
auf denen eine mißvergnügte Krähe frißt.
In der vom Backofen noch warmen Asche
badet ein Huhn und plustert das Gefieder
und streckt die steifen Glieder,
daß es noch Wärme sich erhasche.
Da stürmt mit schrillem Kriegsgeschrei —
Ein Blitzen von gezückten Säbeln —
mit wildem Flügelschlag und zischend vorgestreckten Schnäbeln
ein Gänseregiment zum Futtertrog herbei,
wo ein gebücktes Weiblein Futter streut …
Wie in jedem niederbayerischen Dorf, gab es auch in Hunderdorf, den Dorfbauern, es hieß einfach kurz: „Beim Bauern“. Sein Hof war größer, seine Gebäulichkeit geräumiger, die Anlage, die eines Vierseithofes. Da sich der Bauer früher mit allem Lebensnotwendigen selbst versorgte, standen um einen großen Innenhof mehrere kleine Nebengebäude. Der Backofen, der Dörrofen zum Obstdörren, die Bleichhütte für die Leinwand, der Haarboden zum Trocknen des Flachses, das Bienenhaus. Scheune, Wagenschupfen, Getreidekasten, Schweinestall standen rechteckig zum Wohnhaus an das meist der Viehstall und der Roßstall angebaut waren. Jeder Hof hatte sein Austraghaus in das sich der Altbauer und die Altbäuerin zurückzogen und das Inhäusl.
Die Anlage stand meist inmitten der eigenen Felder und Wiesen, nichts beengte. In der Nähe des Hauses war der Wurzgarten, hinter der Scheune die Point, ein eingezäunter Weideplatz, der Weiher für das Federvieh und ein ausgedehnter Obstgarten. Da reiften die saftigen Karfola, die knusprigen Morschanzga, die Goldpermene, der rote Eiser, die Rauhfangkehrerl und wie sie alle hießen.

Der ehemalige Ministerialiensitz Stetten, ein typischer Vierseithof.
Es gab aber auch Frauabirn und Butterbirn, Wassabirn und Gute Graue, Weibirn und Hennabirn, Griach und Zweschm fehlten nicht, Kersch und Nuß gabs allerdings nur auf den Höhen.
Am Haus oder am Stadl rankte der Weinstock.

Die alte Bauart birgt wenig Wohnraum. Meistens arbeitete man draußen auf den Wiesen und Äckern und im Winter im Wald, so daß das Haus vor allem als Unterschlupf für die Nacht diente, sowie für die regnerische Zeit.


Vor dem Haus der Wurzgarten.
Im Erdgeschoß war die Stube, die auch Küche war, die enge Schlafkammer für die Eltern und der Stall, daran angebaut der Stadel. Von der Fletz aus ging man die Stiege auf den Hausboden, wo Kasten und Truhen standen, das Brotgetreide neben den hausgebackenen Brotlaiben aufbewahrt wurde, das Geselchte hing und die Kinder in einer eingebauten Kammer schliefen. Nicht alles ist Vergangenheit.
Vor dem Haus die gepflasterte Greed, neben der Haustür die Greedbenk, gegenüber der Haustür der Wassertrog, gegenüber der Stalltür der Misthaufen. Damit die Haustür im Sommer offen bleiben konnte, war vor der Haustür der Hehnagatern.
An der Giebelseite war der Schrot und unter dem vorstehenden Dach nisteten gern die Schwalben. Man sah sie gern; denn sie bringen Glück ins Haus. Unterm Schrot wurde die Holzschar aufgerichtet und an der Hauswand die Stutzbürdl.

Wohnhaus mit Stall und Stadl unter einem Dach, steht bei fast allen Anwesen im Urkataster zu lesen.
Seit Jahren sind nicht nur die Täler, sondern auch die niederen Hänge ringsum mit Äckern und Wiesen bestellt. Dazwischen liegen die kleinen Dörfer, die Weiler und Einöden. überall wohnten einstmals Bajuwaren mit ihren scharfgeprägten Gesichtern, die von Arbeit und Mühsal zerfurcht sind und doch so gerne lachen.

Die größeren Ortschaften in den Tälern sind fast ausnahmslos Haufendörfer, so auch Hunderdorf. Sie reihen sich nicht an einer Straße auf und ordnen sich nicht um einen Dorfplatz oder Gemeindeweiher, sondern sind von Anfang an ziemlich willkürlich durcheinander gebaut worden und gehen locker in die noch heute erkenntliche lockere Streusiedlung über. Erst später haben der Kirchplatz oder eine durchgehende Straße eine gewisse Ordnung in das Dorf gebracht.
An den Berghängen liegen die Weiler mit drei oder vier Gehöften und oft sieben und acht Hütten.
Wir „Bayern“!
Der große Geschichtsschreiber Aventin, der 1534 in Regensburg starb, schreibt über die Bayern oder Bajuwaren: „Das baierische Volk ist kirchlich schlecht und recht, geht und läuft gerne wallfahrten, hat auch viele kirchliche Aufzüge; legt sich mehr auf den Ackerbau und die Viehzucht, als auf den Krieg, dem es nicht sehr nachläuft, trinkt sehr, macht viele Kinder, ist etwas unfreundlicher und eigensinniger, wie es geht bei Leuten, die fit viel hinauskommen, gerne daheim alt werden, wenig Handel treiben und fremde Länder und Gegenden heimsuchen; sie achten die Kaufmannskraft nit, es kommen auch die Kaufleute nicht viel zu ihnen.
Tut sonst was es will, sitzt Tag und Nacht bei dem Wein, schreit, singt tanzt, kartet, spielt, mag Wehr tragen, Schweinspieß und lange Messer. Große und überflüssige Hochzeiten, Totenmahle und Kirchweihen zu haben ist ehrenhaft und unsträflich, gereicht keinem zu Nachteil, bekommt keinem übel.“
1875 schrieb der Schloßbenefiziat und Heimatforscher Josef Schlicht von Steinach sein Buch „Bayerisch Land und Volk“.
Sehr betont leitet er es ein mit dem Vorsatz, nur Gutes über seine Niederbayern aus Wald und Gäu zu schreiben und doch klingt zwischen den Zeilen immer wieder durch, was Aventin so krass ausgesprochen hat. „die nit viel hinauskommen“, gerne daheim alt werden, wenig Handel treiben“. Diese Umstände sind wohl der tiefere Grund weshalb sich bei uns Brauchtum und Sitte zäher vererbt und länger erhalten hat. „Wias da Brauch is“, so feierte man die Taufe mit Gevatter und Gevatterin, schmauste fröhlich beim Kindlmahl, freute sich auf jede Hochzeit, die für alle eine hohe Zeit war, da sie Abwechslung in den Gleichklang der Tage brachte. So eine richtige Hochzeit muß man auch erlebt haben. Wochenlang vorher erschien schon der Hochzeitslader mit seinem Stecken an dem fröhlich die bunten Bänder flatterten.
Mit feierlichem Pathos beginnt er:
Nun hab ich eine freundliche ehrsame Bitte und zwar im Auftrage des heutigen Ehrsamen Brautpaares nämlich des wohlansehnlichen Jungherrn Albert Lang, Landwirtssohn von Lintach und dessen wohlansehnlicher Braut Fräulein Berta Strobl, Bauerstochter von Hofdorf, selbe lassen freundlichst bitten um einen Hochzeitsgast
und zwar am Dienstag, den 28. Januar im Gasthof Schlecht zu Lintach. Dort veranstaltet das Ehrsame Brautpaar eine Hochzeitsfeier mit vormittägigem Festzug zur Pfarrkirche nach Hunderdorf, wo um 10 Uhr Korpolation und hl. Meßopfer stattfindet. Hernach ist wieder Rückkehr zum Gasthof Schlecht wo mittags 2. Uhr ein hochzeitliches Mahl zum Preis von 4 Mark festgesetzt ist. Hoffentlich wird uns aber Gott der Herr den Tag schenken so wie auch jenen Tag zu der Hochzeit zu Kanna, wo er das Wunder wirkte und Wasser in Wein verwandelte. Hierauf hin erbittet sich das Ehrsame Brautpaar mir die Bitte zu gewähren, den Hochzeitstag helfen zu verherrlichen, dem Brautpaar zu Ehren und folgedessen erbitte ich mir einen bestimmten Hochzeitsgast.
Das Versprechen wird feierlich mit Handschlag besiegelt.
In schwungvollen Strichen malt der Hochzeitslader den Straußen an die Tür mit dem Hochzeitsdatum.
Jeden Tag erinnert er an die bevorstehende Freude.
In das Mahl „sitzen“ vor allem die Frauen.
Ist es eine besonders „große“ Hochzeit, so hat der Hochzeitslader noch einen Vers eingefügt:
Da wollet ihr von eurer Behausung in das Gasthaus kommen, all dort ist ein kleines Frühstück oder Gaglhehn zu genießen. Nach demselben wollet ihr sie begleiten helfen mit Musik uns Spiel in das lobwürdige Gotteshaus zu Hunderdorf. Es versprechen aber dieses gottwohlgefällige Werk wieder zu ersetzen viel lieber in der Freude als in der Traurigkeit und ich als Hochzeitslader bitte ganz freundlich um einen ganz gewissen Hochzeitsgast.
Am Hochzeitsmorgen wird zuerst die Braut mit Musik eingeholt, dann die übrigen Hochzeitsgäste so weit möglich.

Da ein Teil der Mahlgäste erst zum eigentlichen Hochzeitsmahl in die Wirtschaft kommen, werden diese ebenfalls eingespielt. Bräutigam und Braut reichen an der Wirtshaustür jedem Gast zur Begrüßung den Maßkrug. Während des Mahles erscheint die Köchin mit verbundenem Arm und einem Schöpflöffel. ,,Köchin hat sich d’Händ verbrennt“, und der Gast legt das Trinkgeld in den Schöpflöffel zum Trost.
Am Abend ist noch das Danken.
Der Hochzeitslader beginnt:
Hochverehrte Hochzeitsgäste!
Ich bitte bei all den heute erschienen Hochzeitsgästen um das Wort.
Somit habe ich den Dank vorzubringen und zwar im Auftrag des heutigen Ehrsamen Brautpaares, nämlich des wohlansehnlichen Jungherrn Albert Lang, Landwirtssohn von Lintach und dessen wohlansehnlicher Braut Berta Strobl, Bauerstochter von Hofdorf als heute selbständig gegenwärtiges Brautpaar.
Aber auch Gott dem Herrn soll der Dank gesagt sein für den heutigen schönen, auserwählten Hochzeitstag.
Ferner wollen wir die ländliche Sitte nicht vergessen und ich will euch hochverehrte Hochzeitsgäste auf das auf den Brauttisch aufgestellte Teller hinweisen, denn daneben sitzt die edle Braut, die bereit ist für jedes schöne Hochzeitsgeschenk die besten Händdrücke und den letzten Ehrenkrug im Brautstand zu reichen. “ Wenn nun jeder heutige hochverehrte Hochzeitsgast seinen Namen hört, so soll er in möglichster Eile an den Brauttisch eilen, denn da selbst wird er freundlichs Gläschen Wein und die freundlichen Blicke unserer lieben Ehrmutter und der Jungfrau Kranzl.
Ferner sei aber auch wohlgemerkt, daß jedes heutige schöne Hochzeitsgeschenk in dankbarster Erinnerung bleibt.
Nun laßt aber auch ihr werten Musiker dem Brautpaar so wie allen heute erschienenen hochverehrten Hochzeitsgästen zu Ehren eure Instrumente hören.
Der Hochzeitslader ruft die Gäste auf, dankt zuerst dem Pfarrer „ welche das hl. Sakrament der Ehe gespendet hat“, dann allen Geladenen in gebührender Reihenfolge. Der Brautführer fügt entsprechende Gsangl ein, die Musikanten spielen und erhalten von jedem Gast beim Zurückgehen ihr Trinkgeld.
Ist der Brautführer ein guter Sänger so kommt es beim Danken zu manch lustigem Duett.
Zu den fröhlichen Hochzeitsbräuchen gehört das Aufhalten des Brautpaares. Die Kinder spannen einen Strick über den Weg und das Brautpaar muß sich mit Kleingeld oder Süßigkeiten den Weg freikaufen. Auch das Brautstehlen darf nicht fehlen. In einem unbedachten Augenblick wird die Braut von einigen Burschen in eine nahe gelegene Wirtschaft entführt. Der Bräutigam muß sie suchen und loskaufen.
Aber nicht erst der Hochzeitstag selber, auch das Kammerwagenfahren ist ein Fest. Meist 2 Tage vor der Hochzeit kommt der Kammerwagen der Braut im Hause des Bräutigams an.
Vom Schreiner und der Näherin festlich gerichtet und begleitet ziehen die Wägen ein. Schlafzimmer und Wohnzimmer sind hoch aufgerichtet, die Bettdecken mit Straußen besteckt.
Meist sind es 2 Wägen, die von festlich geschmückten Pferden gezogen werden. Den Schluß bildet die Kuh, die die Braut als Mitgift mitbringt. Am ersten Sonntag nach der Hochzeit geht das junge Paar in die Heimat der Braut zur „Glücksuppn“. Da wird nochmals fröhlich geschmaust um


dann mit neuer Kraft ganz am eigenen Herd glücklich und zufrieden zu sein. Der Stolz jeder Braut war die „Obere Stubn“. Über der geräumigen Stube, mit dem großen Bauerntisch, den Wänden entlang die Loahbänk, in der Ecke das Kanapee, darüber der Schüsselkorb und daneben der große Kachelofen – alles Wärme und Gemütlichkeit, war die Obere Stubn. Zwei prächtig gefüllte Betten, ein großer Schrank, der Glaskasten in dem alles aufgehoben wurde was Sinn und Wert hatte, die Firmtaler, die Kommunionkerzen, der Brautwachsstock und das schöne Geschirr aus Glas und Porzellan, ein Plüschkanapee, ein großer Tisch und 4 Stühle, das Kreuz unterm Glassturz, das alles gehörte dazu. Die Kammer, das eigentliche Schlafzimmer war meist bescheiden eingerichtet. Die Küche war ganz auf das Praktische eingestellt. Ein Riesenherd, eine Anricht, später einen Küchenkasten, Tisch, Bänke und Stühle waren das Mobilar.
Die Böden waren meist aus Fichtenholz und wurden weiß gescheuert, die Fletz war bis vor ca. 40 Jahren mit Ziegelsteinen gepflastert, neben der Haustüre war das Gußloch, durch das das Wasser beim Hinauswaschen ablaufen konnte.
Ober der Haustür war vielfach ein Kreuz oder eine Heiligenfigur. Der Herrgottswinkel fehlte in keiner Bauernstube.



DIE SCHULE IN HUNDERDORF
Jahrhunderte lang war die Kirche geistiges und kulturelles Zentrum, der Pfarrer der einzige Mann, der lesen und schreiben konnte. 1793 stellte sich neben der Kirche die Schule, neben den Pfarrer der Lehrer. Die Kirche wurde durch die Schule vorerst keineswegs zurückgedrängt, im Gegenteil, sie war größtenteils Träger der Schule. Pfarrer und Lehrer sorgten nun gemeinsam für die geistliche Bildung. Der Lehrer war auch Mesner und Organist. Wie schmal sein Einkommen und wie bescheiden er in seinen Ansprüchen sein mußte, klingt für uns beinahe unmöglich.
Der erste Lehrer war Michael fuchssteiner. Er hauste im Mesnerhaus, das zugleich das erste Schulhaus war. Seine Stube war auch die Schulstube. Da die Hunderdorfer blutarm waren, konnten sie kein Schulgeld entrichten. In Hunderdorf hat nie ein Lehrer einen Nebenberuf ausgeübt. Er mußte von dem leben was ihm Schuldienst, Mesnerdienst und das Spielen der Orgel einbrachten. Gehalt vom Staat gab es damals nicht. In späteren Jahren war der Lehrer auch noch Gemeindeschreiber.
Vom Kloster Windberg bekam Lehrer Fuchssteiner folgende Naturalien:
4 Schäffl Korn
2½ Schäffl Weizen
4 Schäffl Haber
2 Schäffl Gersten
2 Schäffl Linsen
1 ½ Metz Erbsen
3 Schöber Stroh
63 Laiblen Brot
dazu noch Burz- und Schnittholz.
Am 23. März 1795 starb Michael Fuchssteiner und wurde am 25. März beerdigt, 69 Jahre alt.
Sein Sohn Sebastian übernimmt den Schuldienst. Vorher muß er sich einer Prüfung unterziehen.
Eine harte Zeit beginnt für den Lehrer Fuchssteiner mit der Säkularisation des Klosters. Bereits 1804 richtet er ein Bittgesuch an das Landgericht Mitterfels.
„Seit 7 Jahren bei der Pfarr Hunderdorf verheiratet und dermal mit einem Kinde versehen, übernahm ich meine bereits 65 Jahre alte Mutter, noch 2 unversorgte Geschwister mit Lebensbedürfnissen zu unterstützen, eine halbblinde Schwester meines Vaters mit 80 Jahren und einen Bruder meines Vaters mit 70 Jahren. Bisher habe ich sie notdürftig versorgt. freilich eine lästige Lage für mich und einen Schulmann von 150-160 vorhandenen schulfähigen Kindern von welchen ich kaum in der Woche 18 fl erhalte und unter denen sich ¼ von Hausarmen und Zuwohnersleuten befinden, die gar nichts zu bezahlen vermögen. Doch so lange das Kloster Windberg existierte, genoß ich durch dieses eine vielwohltätige Unterstützung, daß ich all den Lasten nicht unterliegen durfte. So genoß ich für die Zehentteilung des Kloster mit Frh. v. Schuß Steinburg von der Pfarrei Hunderdorf die sog. Würz oder Meißgarbe von jeder Getreidesorte und von jedem Stadel. Weiters erhielt ich vom Kloster ein gewisses Brot, Stroh und Brennholz.
Es ist für mich eine Unmöglichkeit die Angehörigen zu unterhalten und dabei den Pflichten eines Schullehrers zu entsprechen nach dem höchsten Willen des Landesvaters.
Eine nächstgelegene und vom Kloster Oberalteich stammende Waldung könnte leicht das Brennholz für meine Schulstube liefern und wenn die ganze Pfarrgemeinde Hunderdorf einen Unterstützungsbeitrag von 150 fl aus dem Gemeindesäckel zu bestreiten kräftig angewiesen würde, so glaube ich und jeder meiner Nachfolger bei diesen Umständen pflichtgemäß bestehen zu können.“
Das Schreiben wurde am 26. März 1804 von Sebastian Fuchssteiner verfaßt. Verzeichnis der Schule in Hunderdorf, welche im Landgerichte Mitterfels Landratsamt Straubing liegt. 1804.
Welche unter der Inspektion des Josef Mühlbauer, Pfarrer zu Perasdorf steht.
Pfarrer Peter Blaim
Lehrer Sebastian Fuchssteiner
Aufgestellt vom Landgericht Mitterfels und Kloster Windberg.
Im Ganzen 155 schulfähige Kinder des Ortes.
Winterschule wurde in den Monaten Nov., Dezember und Januar gehalten. Durch Erlaß des Kurfürsten Maximilian IV, des nachmaligen König von Bayern, wurde am 23. 12. 1802 für ganz Bayern die allgemeine Schulpflicht eingeführt.
Jede Pfarrei sollte einen staatlich geprüften Lehrer haben, so daß sich Schul- und Pfarrsprengel deckten.
21 Knaben -10 Mädchen
Sommerschule –
Industrieschule. Für die Errichtung einer Industrieschule fand sich kein Platz.
Feyertagsschule. Unterricht gibt der Ortspfarrer und der Lehrer.
7 Knaben – 11 Mädchen
Singschule. 6 Mädchen -13 Knaben
Für den Kirchengesang gibt sich der Lehrer große Mühe.
Abgegangen zu Feldbau und Handwerk 55.
Anzeige: Ob der Unterricht dem Lehrer allein überlassen sei oder ob ihn jetzt der Ortsgeistliche in Rücksicht der Moral und Religion unterstützen soll.
In diesem Quartal halfen auch hier oft der Ortspfarrer dem Schullehrer im Schulunterricht in Moral und Religion.
Dem Schullehrer wird großer Fleiß bestätigt. Er liest auch einige gute Bücher, weiß sich die Achtung sowohl der Kinder als der Eltern zu verschaffen und da er kein Gewerbe treibt, kann er sich ganz dem Schulwesen widmen.
Das Schulhaus ist klein, das Schulzimmer auch das Wohnzimmer, folglich können keine ordentlichen Bänke gestellt werden, doch sind die Kinder so viel als möglich in Klassen eingeteilt.
Der gehörige Apparat ist ebenfalls im Schulzimmer vorhanden. Hier erschienen wie in Windberg in den Monaten Mai, Sept. und Okt. verhältnismäßig nur wenig Kinder, doch erst im November mehrten sie sich. (Auch an abgewürdigten Feiertagen). Das Viehweiden, weite Entfernungen, und die öfters schlechte Witterung sind die Hindernisse des fleißigen Schulbesuches. Auch hier wird das Schulgeld unwichtig genommen und von den schulbesuchenden Armen nichts bezahlt, noch weniger von denen, die gar nicht kommen. Übrigens habe ich auch hier die Anzeige zum Landgericht Mitterfels gemacht und wird bereits betrieben.
Die Wirkungen eines guten Unterrichts, vorzüglich an den Kindern, die sehr fleißig den Schulbesuch unterstützen sind hier ebenfalls schon fühlbar. Durch meine Bemühungen sind die vorgeschriebenen Schulbücher größtenteils eingeführt.
Druck- und Schriftlesen, Schön- und Rechtschreiben werden bes. betrieben, im Kopfrechnen werden die Kinder mit sichtbarem Nutzen geübt. Buchstabenkenntnis und Lesen geschieht. Auch die Übungen des Verstandes werden vorgenommen. Christenlehr und Schulgesang sind im Gang und die Kinder fangen an, den deutschen Kirchengesang in der Kirche abzusingen. Das Vorurteil der Eltern, die Schule verliert sich hier auch nach und nach, nimmt ab. Wohltäter der Schule zeigen sich aber nicht.
Der Aberglaube verliert sich auch immer mehr.
Eine Feyertagsschule ist hier zwar errichtet und wird der Unterricht vom Ortspfarrer und Schullehrer erteilt, allein sie wird nur von wenigen und von diesen sehr nachlässig besucht, dies ist umso verdrießlicher, da ich mir doch alle erdenkliche Mühe gab, diesselbe emporzubringen. Ha, ich kann gar nicht begreifen wie sich in einer so großen Pfarre von 12-1300 Seelen wie die hiesige ist, so wenige diesem allgemein erziehlichen Unterricht unterziehen. Da doch in meiner Pfarrei Perasdorf, die nicht mehr als 364 Seelen faßt etwa 60 Personen männlichen und weiblichen Geschlechts mit Freude und allem Eifer meine Feyertagsschule besuchen.
Spinn- und Arbeitsschule war hier wegen Mangel an Platz noch nicht möglich.
Über Unglücksfälle erhalten die Kinder vom Lehrer erziehliche Lehren. Und die im Umlauf gebrachten bes. Bücher verschwinden auch mehr und mehr. So ähnlich lauten alle Inspektions berichte in diesen Jahren.
An die Fürstliche Schul- und Studienkommission in Straubing schreibt der Schulinspektor über seine Schulen und nennt dieselben finstere, schmutzige und vage Kerker.
1805 klagt er: ,,Wenn die Eltern und die Kinder nicht mit mehr Ernst und Strenge zum Schulbesuch angehalten werden, so ist alle Mühe des Schulinspektors, Pfarrers und Schullehrers vergebens.“
Bericht von 1807.
„Allein so fleißig und unermüdlich die Männer waren, so niederschlagend ist es zu sagen, wie die Schulbesucher nach den Schulfähigen berechnet nur sehr gering und unordentlich waren.
Die Winterschule wurde, da gelinde Witterung herrschte und die Kinder so lange das Vieh weiden konnten, erst im Dezember um Weihnachten zahlreich besucht. Verkündigungen auf der Kanzel, Anregungen und Bekehrungen, Drohungen, alles war umsonst. Da von Seite des Landgerichts keine Energie herrschte, so mußte man zusehen wann und wo die Kinder in die Schule geschickt wurden. Kaum zeigte sich der Frühling so blieb auch ein Kind nach dem anderen wieder aus. Die Winterschule dauerte höchstens 3-4 Monate.
Was die Sommerschule betrifft, so hat der Schulunterricht beinahe ganz aufgehört. Die Kinder wurden zum Viehweiden und Feldarbeiten angehalten, auch klagte mir der Schullehrer, daß fast durchaus kein Schulgeld bezahlt wurde. Bei solchen Umständen ist daher auch noch keine ordentliche Prüfung möglich. Übrigens kann man nicht verbergen, wenn nicht strengeres Maßregeln eintrifft, daß der Schulbesuch nach und nach wieder ganz aufhören dürfte.
Ebenso verhält es sich mit der Feiertagsschule. Der Ortsgeistliche versuchte mit allen Kräften dieselbe in Gange zu bringen, aber umsonst. Ein Haupthindernis scheinen mir die sog. Frey-Tänze zu sein.
Alle Sonntage Freytanz und bald da, bald dort ein Tanz und da wallfahrten nicht nur die jungen Leute von 17-20 Jahren, sondern auch von 13-14 Jahren weit lieber auf den Tanzboden als in das Schulhaus. Der Einwurf, man soll jungen Leuten den Schulunterricht leicht und angenehm machen, ist gut, aber man muß auch bedenken, daß man es hier im Wald mit einer äußerst rohen Menschenklasse zu tun hat.
Was den Schulunterricht selbst anbelangt, so wurden die Kinder im Lesen, Schreiben, Kopfrechnen, Tafelrechnen, in der Religion, Naturgeschichte und Singen unterrichtet.
Industrieschule ist wegen Mangel an geschickten Lehrern und Lehrerinnen wegen enger, kleiner, zum Teil einstürzender Schulhäuser (Windberg ausgenommen) noch nicht möglich. Was die Schulgärten betrifft, so ist in Hunderdorf ein kleiner Obstgarten vorhanden.
1808 wird das Schulhaus in Hunderdorf als baufällig bezeichnet. Im Winter 1808 kam ein Befehl vom Landgericht Mitterfels, daß alle nachlässigen Eltern sogleich angezeigt werden, welche ihre Kinder nicht fleißig schicken. Dies wirkte und es ist zum Teil besser geworden. Obwohl noch nicht lange alle schulpflichtigen Kinder erscheinen. Das Schulgeld war nicht ordentlich, von vielen gar nicht bezahlt. Die Feyertagsschulen nahmen überall mit dem Schuljahr den Anfang. In Hunderdorf stieg die Zahl auf 65, nach und nach blieben alle wieder aus. Die Schuld liegt nicht an der Geistlichkeit, noch an dem Schullehrer, sondern man tanzt lieber als man lernt. Wenn das so weitergeht wird sich die Feyertagsschule nur noch auf den Advent und die Fastenzeit beschränken.
(Zwei Mütter kamen, ihre Töchter kämen nach der Feyertagsschule so spät nach Hause. Sie durften das nächste Mal eine halbe Stunde früher gehen. Nächsten Sonntag war Tanz, da blieben sie bis Mitternacht dort und sie kamen den Müttern nicht zu spät nach Hause!!!)
Ein solcher Geist herrscht noch unter hiesigen gemeinen Volk!
1810 total 131 Kinder.
Der Kaplan Michael Schwarzensteiner gibt nicht nur Unterricht in der Moral und Religion, sondern unterstützt auch den Lehrer in den übrigen Gegenständen auf das tätigste.
1813
Der Ortsgeistlichkeit wird vorgeworfen, daß sie geneigt sei, Spielgesellschaften zu sammeln und den Religionsunterricht nicht ordnungsgemäß erteile .
1815
Stellungnahme des Schulinspektors
Nie wurde der Religionsunterricht besser erteilt, als zu der Zeit. Der Umstand, daß die Feyertagsschule aufgehört habe, blieb nicht verborgen und es wurde jedes Jahr in dem Bericht darauf hingewiesen. Auch das Landgericht wurde angegangen und zwar aus dem nicht unbedeutenden Grund: Da es ein Pfarrer nicht bloß allein mit den Herzen der Pfarrkinder zu tun habe, aber man wollte durch unnötige Klage beim Landgericht das Vertrauen mit seinen Kindern nicht zerreißen.
Peter Blaim, Pfarrer und Schulinspektor
4. April 1815
Dem Lokalinspektor wird vorgeworfen, daß er nur die Alten und Kinder gemaßregelt und sonst die Hände in den Schoß gelegt habe. Der Pfarrer wird gemaßregelt und die Behörde verlangt, daß alle notwendigen Schritte eingeleitet werden um die Feyertagsschule wieder zu eröffnen. Es muß eine widerliche Erscheinung entfernt werden.
1819
Die Zahl der schulpflichtigen Jugend ist 196, davon besuchen bereits 134 die Schule. Das Lehrzimmer kann höchstens 60-70 Kinder ordnungsgemäß fassen, wohin mit den übrigen 126?
Ich bin der Ansicht, daß der Schulbericht, der zu Ende des Schuljahres eingeschickt wurde, ungelesen blieb, da bis jetzt noch kein Wort des Trostes oder der Verheißung eintraf.
Mein Gesundheitszustand ist so, daß ich mich nach dem Eintritt in das Schulzimmer sogleich wieder entfernen muß und daher von meinen Seiten die Schulaufsichtspflicht unterbleiben muß. Mein Kaplan glaubt aus der nämlichen Ursache nicht verpflichtet zu sein sich der Aufsicht über die Schule zu widmen und ich halte dafür, daß von Seite des Schullehrers Schlichtung seiner selbst zur Erfüllung seiner Berufspflichten gefordert werden könne, wenn einmal im Lehrzimmer die allerhöchsten Anordnungen hergestellt sind. Es kann erst für einen geordneten Unterricht gesorgt und von den Eltern verlangt werden, daß sie ihre Kinder schicken, wenn ein 2. Lehrsaal und eine 2. Lehrkraft vorhanden sind, denn 190 Kinder kann nicht ein Lehrer unterrichten.
1820
Kostenvoranschlag für das neue Schulhaus. 182 fl für Bruchsteine, Baumstämme, Schallbretter und Schindln.
Der Baumeister von Bogen schreibt dazu:
Wenn zu dem normal bestehenden Schulzimmer auch die anstoßende Kammer, die aber der Lehrer äußerst notwendig braucht, dazu genommen wird, so würde das entstehende Lehrzimmer doch noch viel zu klein.
Würde der Dachstuhl abgetragen und die Zwischenwand unten herausgerissen, so ist Gefahr, daß das ganze Gebäude einstürzt. Die Kosten sollten von den Schulgemeinden bestritten werden, diese sind aber durch die Kriegs- und Teuerungsjahre ganz verarmt. Hätten sie es leisten können, sie hätten es längst getan.
Pfarrer Lehr an das Landgericht Mitterfels
Lage Schulzimmer 18 x 14, anschließend Kammer 18 x 7. Pfarrer und Lehrer können nicht gerade im Zimmer stehen.
Der Platz ist zu klein zum Erweitern und auch wenn man die Kammer dazu nimmt bekommt man nur 378 qm. Wenn man auf ein Kind nur 3-4 qm rechnet so bräuchte man für 180 Kinder 720 qm und der Schullehrer kann die Nebenzimmer nicht entbehren. Ich schlage daher vor an einem anderen Platz ein neues Schulzimmer herzustellen.
1820 genehmigt die Königliche Regierung einen Zuschuß.
Gesamtkosten 457 fl, Zuschuß 150 fl vom Unterdonaukreis.
Bericht 1820.
In dem neuen Schulzimmer sind keine Schulbänke vorhanden. Im alten Schulzimmer waren nur 2 Bänke und in der Mitte ein schmaler Tisch vorhanden und dieser war ganz ruinös.
Erforderlich sind 24 Schulbänke in 2 Reihen, eine solche Bank 12 m lang kostet 2 fl = 4,80 DM.
1824
Anstellung eines Schulgehilfen.
Der Lehrer Fuchssteinerster verlangt für die vielen Kinder einen Gehilfen, das würde die Herstellung eines 2. Schulsaales notwendig machen. Sollte der Schulgehilfe im gleichen Raum unterrichten, so reicht der Platz nur leidlich hin.
Der Lehrer Fuchssteiner erklärt sich bereit, einem Schulgehilfen Unterkunft, Mittags- und Nachtkost zu geben, Sorge für die Wäsche zu tragen und ihm eine kleine Entlohnung zu verabreichen.
Die Kinder haben sich seit 1820 um 30-40 vermehrt, so daß 195 Kinder in einem Raum unterrichtet werden müssen.
Eduard Schrecknadl ist bereit als Schulgehilfe bei Lehrer Fuchssteiner Verpflegung und Unterkunft zu erhalten, wenn ihm der Kreis einen Jahresgehalt von 50 fl gibt. (120 DM = ein Monatsgehalt von 10 DM). Das Landgericht Mitterfels gibt Anweisung, da ein neues Schulzimmer heuer nicht mehr erbaut werden kann, die Kinder in zwei Abteilungen zu unterrichten.
1825
Paul Fürlbeck kommt für Eduard Schrecknadl als Schulgehilfe nach Hunderdorf. Das Landgericht führt Klage, daß in Hunderdorf so viele Schulversäumnisse zu verzeichnen sind.
Entschuldigungsgründe: Kleidermangel, dreschen, Vieh hüten, Märkte beziehen, häusliche Arbeit, Kinder warten, Witterung, Krankheit. Eine Seßion vertritt vor dem Landgericht die Eltern und führt zu deren Entschuldigung folgendes an:
„Eines anderen Handthierungs- und Nahrungszweigs unkundig, auf einem spröden, kargen Holzgrund einige Tagwerk, die der Eigentümer aus Mangel des Viehes unter Vorspannung seines Weibs und seiner Kinder bearbeitet, läßt sich ohne viel Mühe errechnen wie karg bei ihnen das Einkommen oder vielmehr wie groß bei ihnen die Not und Armut sei. Wie viele begüterte 1/16, 1/8, ¼, ½ und ganze Bauern befinden sich in einer nicht besseren Lage. Zwei Jahre nacheinander wurden sie vom Hagelschlag getroffen.
Hinsichtlich des Dreschens. Wer Kenntnis von der schweren Arbeit des Dreschens hat, der muß einsehen, daß beiden nur allein dastehenden Eltern eine außerordentlich große Erleichterung und Entspannung bei zu großer Ermüdung bekommen, wenn eine 3. Person und ist es nur ein Kind, mitdrischt durch Einhalten des Taktes.
Da eine gemeinschaftliche Viehhütung wegen der abgeteilten und kultivierten Felder nicht mehr möglich ist und um den Lohn für einen fremden Hüter zu sparen, verwenden die Eltern ein Kind.
Märkte beziehen. Ein Brotkramer nimmt sein Kind mit auf den Markt, da es daheim allein nichts zu essen hätte, ein Schuhmacher nimmt es mit, damit das Kind mit seinem Weibe auf einem anderen Markt wie er die Schuhe anbiete.
Die Seßion wird 1826 unterzeichnet von
x Zeichen für Joseph Rothhammer, Vorstand
Von den 19 Sessionsmitgliedern unterzeichnen 10 mit Kreuz.
1826: 209 schulpflichtige Kinder.
Das Schulgeld beträgt 36 kr. für ein Kind == 1,44 DM
Das Schulgeld gibt Anlaß zu ständigen Reibereien zwischen Eltern und Lehrer.
,,Stehen Eltern gegen die Schule und Lehrer, wird der gute Same des öffentlichen Unterrichts zertreten. Dieses Leid stellt sich im grellsten Licht in der Gemeinde Hunderdorf, und mehr oder minder bei den eingeschulten Gemeinden Gaishausen, Au und Steinburg. Bei diesen Gemeinden ist nicht zu verkennen, daß Mißgunst die Haupttriebfeder ist, welche auf die Herabsetzung des Schulgeldes tendiert, aber sie selbst entstand doch nur aus dem scharfen Gegensatz des Wohlstandes des Lehrers mit den ärmlichen Verhältnissen des Landmannes.
„Die Gegend mir Armsind und Taglöhnersfamilien übersät ist, in hoher Dürftigkeit lebt und meistens der Tageserwerb kaum hinreichen mag, bezieht der Lehrer gleichmäßig das Schulgeld von einer Überzahl der Kinder und erfreut sich der wohlfeilen Zeit.“
Daß er sich erst während seiner Bedienstung in Hunderdorf zum Besitztum Ökonomie schwang und Kapitalien aufliegend hat, daß sein Vater mit der verarmten Familie unbemittelt war und ärmlich lebte, wird übersehen. Man teilt mit dem einschlägigen Patrimonialgericht Au und Steinburg die Erbitterung. Es wäre zu wünschen, daß unter anderer Benennung das Schulgeld eingehoben würde und dem Lehrer als Gehalt weitergegeben wird. Solange das Schulgeld besteht, werden die Reibungen bestehen und die Anfeindungen gegen den Lehrer fortdauern.“
1828
Johann Fuchs Hilfslehrer
1830
Alois Wilhelm Chor- und Schulgehilfe
1830
Joseph Muggenthaler
1832
In Steinburg soll eine Lokalschule errichtet werden, der Plan scheitert am Fehlen des entsprechenden Platzes.
Mit der Gründung einer Lokalschule hatte man einen Schulhausneubau in Hunderdorf nicht mehr für notwendig gehalten, nachdem aber diese Gründung gescheitert, wird der Schulhausneubau in Hunderdorf weiterbetrieben. allerdings der Schulinspektor Lehr hält ihn nicht für notwendig.
Kinderzahl 262 davon 144 Knaben. Die Kinder sollen nach Geschlecht abgeteilt werden, ,,dann hat jeder seine Kinder beisammen.“
1833 Max Widmann, Schulgehilfe
1834
Ein Teil des Schlosses Au wird erworben und als Schulhaus eingerichtet. 1835
Johann Nep. Wittmann, Schulgehilfe
1836
Bericht über das Schulhaus. ,,Fußboden schlecht, Schulbänke sehr schlecht, Ofenschlauch feuergefährlich, die Dachung ganz schwarz, die Mauerbretter verkohlt.“
1837
Alois Ebenherr, Schulgehilfe
1838
Einkünfte des Lehrers
Dienstgebäude von Schul- und Mesnerdiensten.
¼ Tagw. Gras, Gemüse- und Obstgarten.
3 15/32 Tgw. Ackerland in Geldanschlag
1 18/32 Wiesen
Hierzu der allenfalsige Ertrag der Graserei auf dem Friedhof. Die Gebäude, Haus, Stallung, Stadel und Keller gehören der Pfarrkirche Hunderdorf und werden von dem Lehrer als Mesner gratis benützt.
Als Mesner an Läutgeben in Geldanschlag
1 Schäffl Weizen 12 fl.
2 Schäffl Korn a 8 fl.
3 Schäffl Haber 4 fl.
2 Metzen Gerste 6 fl.
zusammen 38 fl
Für gestiftete Gottesdienste, für Reinigung der Kirchenwäsche, für Hochzeiten, Taufen, Leichen, für Aufziehen der Kirchenuhr 179,51 fl.
Aus dem Kreisschulfond
a) für den Lehrer 50 fl.
b) für den Schulgehilfen 52 fl.
1835
Lehrer Fuchssteiner baut sich das spätere Großhaus. Im Keller desselben befindet sich noch die Erinnerungstafel an das Baujahr.
1841
Am 7. Juni stirbt der Lehrer Sebastian Fuchssteiner an Entkräftung. Er war 68 Jahre und 8 Monate alt und war 46 Jahre Lehrer in Hunderdorf. Sein Nachfolger ist Franz Paula Schmatz, der bereits seit 1837 als Schulgehilfe in Hunderdorf war.
1842
Aus dem Testament des Lehrers Fuchssteiner erhält die Pfarrkirche eine Stiftung.
1843
Nachdem die Pfarrstelle verwaist, erhält von den 13 Antragstellern Joseph Luschner die Pfarrei Hunderdorf und wird damit auch Schulinspektor.
1851
Das bestehende, aus Holz gebaute Mesnerhaus, Wohnung des jeweiligen Schullehrers kann nicht anders zu einem Schul- und Mesnerhaus vereinigt werden, als durch einen Neubau.
Zum Mesnergürt Hausnr. Oa gehörte das Wohnhaus, Stall und Stadl, dann Schupfe und Hofraum und Brunnen. Es gilt als „Unfürdenklicher Besitz“. Die Baulichkeiten werden zur Hälfte von den Kirchenvermögungen und zur Hälfte von den Schulgemeinden unterhalten.
Zum Schulhaus Hausnr. 3b gehört das Gebäude mit Waschhaus, ein Gras und Obstgarten mit Backofen. Das Schulhaus war 1820 erbaut worden. Das Schulhaus wird wie das Schulhaus in Au von den Schulgemeinden unterhalten.
Plan für das neue Schulhaus:
Im Erdgeschoß Wohnung für den Schullehrer, im 1. Stock zu beiden Seiten je 1 Schulzimmer für 100 schulpflichtige Kinder.
1852
Das königl. Pfarramt Hunderdorf an das königl. Landgericht Bogen. Schulhausbau in Hunderdorf.

Man beehrt sich das Protokoll im obigen Betreff geziemend mitzuteilen. Es ließ sich voraussehen, daß von den 4 Gemeinden der Pfarrei zur Offert gemacht werden mit welchem man ohne Ehre bei der königl. Regierung vorkommen könne. Es ist daher das Klügste sich aus der Bettel- und Hadergeschichte herauszuziehen. Pfarrer Luschner.
Die vereinigten Schulgemeinden Hunderdorf, Gaishausen, Steinburg und Au.
Pfeffer, Steinburg
1853 erklärt die Behörde das Mesnerhaus für äußerst ruinös. Der Bauplatz für ein neues Schulhaus ist zu ermitteln. Noch im Dezember 1852 schickt der Lokalschulinspektor folgendes Schreiben an das Landgericht Bogen.
Die k. Prüfungskommission fand alljährlich das Schulhaus zu Hunderdorf in schlechtem Zustande und sehr feucht und ungesund.
Allein wie aus dem beiliegenden Schreiben des Pfarramtes und der Lokalschulinspektion deutlich hervorgeht, die Gemeinde retorisch sehr arm, weigert sich zu einem Neubau etwas herzugeben und die k. Regierung wird allein aus Schulfondsmitteln den Bau nicht herstellen.
Das Schulhaus müßte entweder neu hergestellt oder aufgeschüttet und bedeutend erhöht werden, wenn es nicht die Note schlecht und gesundheitswidrig behalten soll.
Urban, Schulinspektor
Das königl. Pfarramt Hunderdorf an die königl. Schuldistriktinspektion Bogen-Schwarzach.
Nov. 1852
Drei Jahre habe ich den Schulhausbau abzulehnen gesucht aus Gründen, welche Befürchtungen für die Zukunft und zwar namentlich wegen Feuersgefahr besorgen ließen, welche sich ja nicht verwirklichen mögen. Indes hat meine letzte Ablehnung nicht mehr Gehör gefunden und der Antrag zum Bau eines neuen Schulhauses muß geschehen.
Der Schulhausbau in Steinburg der königl. Distriktsschulinspektion in Schwandorf in der Oberpfalz aus Kreismitteln, läßt umso mehr die Herstellung eines Schulhauses in Hunderdorf aus denselben Mitteln hoffen, als der Notstand hier möglich größer ist als dort.
Ich mache nur einen Beitrag zu den Motiven der Lokalinspektion um das Bild der Armuth hiesiger Pfarrei zu vervollständigen und zwar
I. die Gemeinde Hunderdorf.
1, Lindtach, bestehend aus 32 Häusern erbaut auf abgeschwendeten, todten Klosterholzgründen, die in besten Jahren einen vierfachen Samen geben, mit Kornbodenzins beschwert, sah auf jedem dieser Häuser 2 Familien durchschnittlich in Ganth geraten und die dritten Familien mit wenigen Ausnahmen der Ganth nahe. Zahlen sollen dies beweisen.
a) Georg Soller hat nach Ausbau in diesem Jahr einen Vierling Korn zur Speise übrig.
b) Arnold hat nach Ausbau nichts mehr und das Weib muß Brod sammeln.
c) Schmid Josef hat nichts mehr von seiner Erndte.
d) Schmitzberger Wolfgang fleißig und genügsam reicht mit der Speise auf ein halbes Jahr.
e) Lohr, der größte Gutsbesitzer, fleißig und häuslich hatt noch zum Rentamt an der Schuld für Speisgetreidt von den letzten theuren Jahren nachzuzahlen.
Dieses ist das Schicksal aller 32 Besitzer in Lindtach.
Mehrere junge Familien sind schon der Gemeinde zur Last und man kennt noch nicht jene älteren Ganthleider, welche sich nicht mehr ansässig machen
konnten und allmählich bei der Gemeinde um Unterstützung aufsuchen. Nur ein paar Familien in Lindtach sind schuldenfrei.
2, Hoch mit 12 Häusern und mehr Familien teilen dasselbe Schicksal. Darunter kenne ich nur eine Familie, welche durch Geschick und Segen schuldenfrei geworden ist.
3, Lindfeld mit 5 Familien, welche sämtliche in Schulden stecken.
4, Hunderdorf zählt 16 neue Familien und Häuser, welche aus dem Pfarrwiddum und dem Bauernhofe hervorgegangen sind, sämtlich in großer Noth. Mithin hat die Gemeinde Hunderdorf 63 und wohl noch mehr neue Häuser, in denen meist noch eine Inwohnerfamilie wohnt.
II. die Gemeinde Au.
Sie hat 18 Leerhäusler mit 1 bis 3 Tagwerk Grund unter 33 Hausbesitzern also über die Hälfte nebst vielen Familien in Herberg. Sie haben sämtlich kein Holz, aber Stift an die Grundherrschaft und ans Rentamt zu zahlen. Daher die Ablösung so schwierig geworden ist, daß sie seit drei Wochen nicht beendigt, sondern in Streit begriffen ist.
III. die Gemeinde Steinburg.
ist die ärmste und am meisten belastete. Es treffen auf den Steuergulden schon jährlich 37 Kreuzer Armensteuer. Man kann nicht sagen, daß die Ablösung auf die Gemeinde wohltuend gewirkt habe. Durch den Verkauf der gräfl. Bayrischen Realitäten behaupten die Steinburger, daß ihnen nun das Recht der Viehweide geschmälert wurde und das königl. Landgericht Mitterfels wendete sich beschwerend an das höchste Ministerium, daß die Gutsverwaltung Steinburg eine ungeheure Ablösungssumme der Beitragspflicht für die Armen entziehen will.
IV. die Gemeinde Gaishausen
gegenwärtig aus 30 Häusern nebst inwohnenden Familien bestehend hat für Ellaberg ein Schmidanwesen, auf dem seit seinem kurzen Bestehen die·fünfte Familie der Gant nahe ist und bezieht schon Unterstützung aus dem Distriktsarmenfond.
Dieses ist das Bild der Pfarrei Hunderdorf.
Es ist also kein Wunder, wenn vom Landgericht Straubing auf Beschwerde des Distriktsarmenrates in der Plenarsitzung vom vorigen Jahre durch das königl. Landgericht Bogen die Aufforderung an die Gemeinde Hunderdorf ergangen ist, die dahinschwärmenden Bettler anzuzeigen um sie in Dienst oder Arbeitshäuser unterzubringen. Was natürlich der Gemeinde Hunderdorf nicht möglich war, da sie die Angehörigen stets wechselnder Bettler und Landstreicher nicht kennen kann und auch kein durchgreifendes radikales Mittel der Abhilfe aufzufinden im Stande ist, weil sie diese Mißstände nicht selbst herbeigeführt hat, sondern der Ungunst der früheren Zeitverhältnisse zuschreibt. Ich umgehe was die Dorfgemeinde Hunderdorf an den armen Schulkindern die unter Mittag in den Häusern ihr Stück Brot suchen, für eine Last hat. Die Medicinen für die Armen der Gemeinde Hunderdorf betragen in diesem Jahr allein 30 Gulden. Im Advent holt jeder Arme ein Schüßlein Korn aus den Häusern, welche selbst nicht für die Speise reichend haben, sodaß ein Söldner in dieser Zeit gewiß an Hunderte mehrere Metzen verabreicht.
Ich schweige von dem gereizten Gefühle der braven, genügsamen und fleißigen Parochianer, welche die Übel sehen, aber keine Mittel zur Abhilfe wahrnehmen, und welche Aufgabe es für einen Pfarrer ist, die gute Stimmung, das Vertrauen und den Muth zu erhalten.
Es wird außer Zweifel gestellt sein, daß diese Bettelpfarrei, welche ein Drittheil Parochianer (Pfarrangehörige) zählt, die gänzlich oder teilweise von Unterstützung leben, keinen Geldbeitrag zum Schulhausbau liefern kann.
In aller Ehrfurcht
Josef Luschner, Pfarrer
1854
wird unter Vorstand Bierl und Lehrer Schmatz der Schulhausbau in Angriff genommen.
1855
Das obere Stockwerk (aus Holz) des 1. Schulhauses wird am 27. Juni um 285 fl versteigert und auf das heutige Amananwesen in Apoig als 1. Stock aufgesetzt.
1857
Nachträglich wird noch bemerkt, daß die Colonie Lindtach besonders durch fleißigen Schulbesuch seitens ihrer pflichtigen Kinder die Wohltat eines neuen Schulhauses dankbar anerkennt.
Ja Kinder von verworfenen und in jeder Beziehung herabgekommenen


Eltern haben durch Fleiß und sittliches Betragen den Pfarrer, der gründlich satt geworden ist in Hebung so vieler Mißstände sehr erquickt.
Luschner, Pfarrer
1858
Die Pfarrei soll zur Tilgung der Schulden vom Schulhausbau ein größeres Kapital aufbringen.
An die Gemeinde Hunderdorf.
Die hiesige Kirchenstiftung würde bereitwillig ein Kapital refundieren, wenn ihre Mittel dazu reichten. Das Pferd ist da, das Geschirr wird dazu leichter zu finden sein.
Luschner, Pfarrer 1870 stirbt Pfarrer Luschner und wird in Hunderdorf begraben. Sein Vermächtnis gilt seiner Pfarrei. Mit seinem Vermögen, das er als Stiftung hinterließ und dem dazugehörigen Haus mit 14,09 Tagw. wird seinem Wunsch und Willen gemäß die „Pfarrer Luschnersche-Stiftung“ errichtet. Mit ihr sollte ein dreifacher Zweck erfüllt werden.
1.Die Speisung der armen Kinder in der Mittagspause. Sie sollten nicht mehr bettelnd von Türe zu Türe gehen müssen.
2. Die Errichtung einer Kleinkinderbewahranstalt.
3. Eine von Klosterfrauen geführte Mädchenschule.
Was blieb von der Stiftung?
Das Schulbrot bekamen die armen Kinder nach dem Willen des Stifters und eine alte Hofdorferin erzählte, daß sie noch von der Luschnerschen Stiftung gegessen habe.
Die Kleinkinderbewahranstalt erstand bei der Planung des Mädchenschulhauses im Plan.
Das Waschhaus und die Holzlege beim Mädchenschulhaus wurden von der Stiftung gebaut, ,,da diese Gebäulichkeiten auch die Klosterfrauen brauchen.“ Die Reihe der Schullehrer aus denen später die Schulleiter wurden ist lückenlos feststellbar, nicht aber die Reihe der Schulgehilfen. Zwischen Alois Eberherr und Georg Beisel ist eine Lücke von ca. 50 Jahren. Die Aufzählung selbst ist lückenlos.
Schullehrer – Schulleiter
Michael Fuchssteiner
Sebastian Fuchssteiner
Franz Paula Schmotz
Franz Friedl
Adalbert Ruby
Joseph Reith
Hermann Mayr
Eduard Scheininger
Georg Englbrecht
Franz Ortner
Max Deinböck
Franz Hösl
Käthe Reitberger
Karl Wünderlich
Erich Schmid
Franz Hösl
Schulgehilfen
Eduard Schrecknadl
Paul Fürlbeck
Johann Fuchs
Alois Wilhelm
Joseph Muggenthaler
Max Widmann
Joh. Nep. Wittmann
Alois Eberherr
Georg Beisel
Alfons Rädlhammer
Johann Gernegroß
Josef Wagner
Franz Schwarz
Franz Schiedermeier
Sebastian Loibl
Josef Breu
Franz Stoiber
Karl Friedl
Hilfslehrer früher Schulgehilfe
Fellermayer Josef
Schweiger Alois
Schröder Max
v. Hueb Anna
1874
Bericht der Lokalkommission
Die Schule ist, eine ungeteilte, hat 2 Lehrer und wird in 3 Klassen abgeteilt. Jede derselben umfaßt a) einen Begründungs- und b) einen Übungskurs. Die Vorbereitungsschule und die 1. Klasse unterrichtet ein Hilfslehrer, die 2. und 3. Klasse der Schullehrer.
1) In weiblichen Handarbeiten erteilt die sehr gut befähigte Lehrerstochter Franziska Friedl den Unterricht.
Das Gebäude ist zugleich Schul- und Mesnerhaus.
Es wurde 1856 aus Ziegeln um 4080 fl erbaut, ohne Berechnung der Hand und Spanndienste.
Nebengebäude: Stall und Stadel.
Von einem Werktagsschüler werden im Jahr 1 fl 36 kr. und von einem Feyertagsschüler 48 kr. Schulgeld verlangt.
1876
Die Errichtung eines 3. Schulsaales und somit der Bau eines neuen Schulhauses wurde immer dringender. Da die Behörden eine Trennung der Kinder nach Geschlechtern verlangt, wird angeregt ein Mädchenschulhaus im Sinn der Luschnerschen Stiftung zu bauen.
Sollte der Plan nicht ausgeführt werden können, so soll die Errichtung eines neuen Schulsprengels und die Ausschulung von Kindern in Erwägung gebracht werden.
4.8.76
Beschluß des Schulsprengels.
Binnen 2 Jahren muß ein neues Mädchenschulhaus gebaut werden und 2 Lehrschwestern dort angestellt werden.
Das Bezirksamt regt die Errichtung einer neuen Schule in Lintach an. Kinder von Hunderdorf und Oberalteich sollten ausgeschult werden und in der Nähe des Gasthauses in Großlintach soll eine Schule errichtet werden.
Die Distriktsschulinspektion spricht sich wegen der schlechten Wegverhältnisse dagegen aus.
Der Schulsprengel Hunderdorf beschließt, da die Pfarrer-Luschnersche Stiftung nur zum Teil in Anspruch genommen werden könnte, vorerst vom Bau einer Klosterschule abzusehen und ein Mädchenschulhaus zu bauen. Der Aufbau auf das 1820 erbaute Schulhaus wird erwogen.
Bauprogramm: 2 Schulsäle, 2 Zimmer für die Lehrerin, 1 Zimmer für die Hilfslehrerin, Küche, Mädchenkammer und sonstige Lokalitäten.
Von der Luschnerschen Stiftung werden für den Bau 2838 M freigegeben und deshalb eine Kleinkinderbewahranstalt eingeplant.
Ein großes Zimmer für den Aufenthalt der Kinder, ein kleineres Zimmer für schlafende Kinder, ein Wohn- und Schlafzimmer für die Wärterin. Spielplatz und Küchengarten standen ebenfalls im Plan.
Die Regierung verlangt am 16. 3. 1879 Vereinfachung des Bauplanes. Da die Luschnersche Stiftung nur zum Bau einer Klosterschule bestimmt ist, ist es gesetzlich nicht gestattet aus ihr Mittel zum Bau zu verwenden. Die Finanzierung wird wie folgt festgelegt:
Baukosten:
2655,53 Schulsprengel für Hand- und Spanndienste in bar.
6181,59 durch Umlagen
7000,00 als Zuschuß bewilligt.
Am 24. 11. 1881 wird der Kauf des Edbauerschen Anwesens für ein Schulhaus in Erwägung gezogen.
Die Pfarrpfründe tritt ein Grundstück für den Schulhausbau ab, als Bauplatz wird damit ein anderes eingetauscht.
Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 10 821 M.
Der Bau wird im Sommer 1884 ausgeführt und im Herbst fertiggestellt. Der Kostenvoranschlag wird um 385,45 M überschritten.
Es wird für das neue Schulhaus eine 3. Lehrkraft beantragt.
Am 13. März 1885 sind auch die letzten Innenarbeiten abgeschlossen und am 1. April übernimmt Therese Kellner (eine Tante von Käthe Reitberger) den Unterricht.
1890 Elise Duschl
1891 Babette Sträußl
1893 Anna Dachs
1895 Amalie Eisner
1896 Anna Kiesl
1901 Pauline Beer
1901 Ottilie Knab
1902 Clotilde Stubenrauch
1903 Therese Weber
1903 Therese Geiger
1908 Therese Hofmarksrichter
1926 Margareta Walbrunn
1938 Käthe Reitberger
Der häufige Wechsel in den ersten Jahren war bedingt durch die ungünstigen Wohnungsverhältnisse und die Überforderung durch die viel zu große Kinderzahl. Vor allem Letzteres geht als Notstand durch die Geschichte der Schule Hunderdorf.
1902 wurde deshalb wieder der Gedanke aufgegriffen in Lintach ein Schulhaus zu bauen.
Pfarrer Mühlbauer von Oberalteich befürwortet ebenfalls den Schulhausbau in Lintach und dazu die Errichtung einer Expositur oder Benefiziatenstelle, damit die Kinder nicht die ganze Woche ohne Gottesdienst sind. Schulinspektor Gruber greift wiederum auf die Luschnersche Stiftung zurück, fürchtet aber den Umbau des Mädchenschulhauses in ein Schulhaus mit Schwesternwohnung.
10.3.1903
Plan von Schuhbauer.
Aufbau eines Stockwerkes auf das Mädchenschulhaus, im oberen Stock ein 2. Lehrsaal.
1903
Bei dem Mädchenschulhaus wird ein Waschhaus und eine Holzlege um 1338 M erbaut. 1000 M werden der Luschnerschen Stiftung entnommen, „da mit diesen Bauvorhaben der etwaigen zukünftigen Errichtung einer Klosterschule entsprochen wird.“
1903
Bisher war nur eine ordentliche Lehrstelle genehmigt und die hatte der jeweilige Lehrer inne. Erst 1903 wurde eine 2. ordentliche Lehrstelle genehmigt. Das Bauprojekt wird aufgegeben, es werden lediglich die sanitären Anlagen ordnungsgemäß angebaut.
Schülerzahl:
1901/02 188
1902/03 214
1903/04 212
1904/05 197
1905/06 192
1906/07 184
1912 stellt die Lokalkommission eine Vernachlässigung der Schulen fest.
1932
Errichtung einer 4. Lehrstelle.
Schulleiter Deinböck schlägt am 2. 8. 32 den Umbau des oberen Schulhauses des einstigen Mädchenschulhauses vor. Er sieht den seit Jahren erteilten Abteilungsunterricht als Notstand und Übel an und beantragt einen 4. Schulsaal und damit eine 4. Lehrstelle. Als Notlösung der Raumfrage sieht er die Unterbringung einer Klasse in der „Oberen Stube“ des Gasthauses Baier oder im Sandbillersaal.
Die Bewohner von Lintach und Rammersberg streben einen Notstandssaal in Lintach an.
Am 3. 4. wird mit dem Umbau des oberen Schulhauses begonnen. Die Lehrerwohnung wird in das Dachgeschoß eingebaut und in das Erdgeschoß ein 2. Schulsaal. Der Eingang wird verlegt.
Am 16. 4. 33 wird eine 4. Lehrstelle genehmigt. Lehrer Ernst kommt als Aushilfslehrer, nach ihm Lehrer Engelhardt.
Zahl der Lehrkräfte:
Von 1793 bis 1824 1 L.
1824 bis 1885 1 L. und ein Schulgehilfe
1885 bis 1933 1 L. und 2 Lehrkräfte = 3 L.
1933 bis 1939/ 40 4 L.
1945/46 3 L. Flüchtling
1946/47 4 L. 3 Fl.
1947/48 5 L. 5 Fl.
1948/49 6 L. 2 Fl.
1950/51 6 L. 1 Fl.
1952/ 53 6 L.
1953/54 7 L. 1 Fl.
1958/59 8 L. und eine Planstelle für eine Ha. H. L.
1966/67 9 L.
1967/68 10 L.
1968/69 13 L. Verbandsschule
1937 beschließt die Gemeinde das Grundstück Plan Nr. 6 1637 mit einer Gesamtfläche von 77 Dezimal von Josef Blasini zur Errichtung einer Lehrerdienstwohnung zu kaufen.
Kaufsumme 3850 M. Die Gemeinde verpflichtet sich, sollte der Bau nicht zustande kommen, das Grundstück unentgeltlich an den Besitzer zurückzugeben.
Schülerzahl
1932/33 240 Kinder
1942/43 253 Kinder
1965/66 314 Kinder
1966/67 339 Kinder
Bis 1943 schwankt die Schülerzahl stets um ca. 10-15 Kinder das spricht für die Stabilität der Bevölkerung.
Ab 1934/35 wird die Fortbildungsschule auf den Samstag Vormittag verlegt.
1937
Allerheiligen und Allerseelen sind gewöhnliche Unterrichtstage. Regierungsbeschluß vom 14.5.1938
„Sämtliche Katholische Schulen des Bezirksamtes Bogen werden mit sofortiger Wirksamkeit in Gemeinschaftsschulen umgewandelt.“
1938
Der „Lehrerstadel“ wird abgebrochen.
September 1943
Eine große Zahl Hamburger Kinder, welche im Zuge der Kinderlandverschickung zum Teil mit ihren Müttern nach Hunderdorf kamen, veranlassen zur Eingabe um eine Hamburger Lehrkraft.
Bis der Hamburger Lehrer Unkrodt eintrifft sind bereits ein Teil der Kinder wieder abgezogen. Es wurde eine Sammelklasse gebildet mit Kindern aus Hamburg, München und Nürnberg.
Am 1. 12. 43 wird der Schulaufsichtsbezirk Bogen dem Schulamt Straubing unterstellt.
1944
Der Krieg wird immer mehr spürbar. Die Sommerferien beginnen am 14. Juli. Die Lehrer müssen vom 17.-22. Juli zu einer Arbeitstagung nach Straubing, erhalten anschließend 14 bzw. 20 Tage Urlaub, der Rest der Ferien muß mit Sammeln von Heilkräutern durch die Kinder unter Leitung der Lehrkräfte, ausgefüllt werden.
Schuljahr 1944/45
Lehrer Unkrodt wird zur Leitung des KLV-Lagers nach Eisendorf berufen. Für ihn trifft der Hamburger Lehrer Ringel ein.
Vom 8. 1. 45 an sind Kohlenferien, vorerst auf unbestimmte Zeit. Zur Überbrückung werden Schulappelle angeordnet. Das Verlassen des Dienstortes ist den Lehrern verboten.
Dienstag und Freitag werden in jedem Schulhaus für jede Klasse eine Stunde Appell gehalten. Ab 2. Februar für die 1. und 2. Klasse 2 Stunden, da die Kinder zu wenig in lesen, schreiben und rechnen gefördert werden. Die Appelle sind meist gut besucht. Manche Eltern gebrauchen die Ausrede, daß sie keine Schuhe für ihre Kinder haben.
Das häufige überfliegen des Ortes beunruhigte die Eltern, so daß die Appelle nicht mehr Nachmittag sondern Vormittag gehalten werden. Der 6. März 1945 brachte nachts 10 Uhr einen großen Flüchtlingsstrom nach Hunderdorf, 140 Schlesier, die bis zu ihrer Verteilung in den einzelnen Ortschaften und Häuser in den Lehrsälen der beiden Schulhäuser untergebracht werden. Einige Wochen später kommen neue Flüchtlinge aus Wien, die lange Zeit im oberen Schulhaus bleiben mußten.
Als Unterrichtsraum dient die zur Zeit unbenützte Schreinerwerkstätte von Härtenberger und das Nebenzimmer des Gasthofes Edbauer.
Wegen Parteizugehörigkeit wurden die 3 einheimischen Lehrkräfte, die bereits vor Kriegsausbruch an der Schule tätig waren, aus dem Schuldienst entlassen, Lehrer Deinböck wurde versetzt nach Pfelling.
Schuljahr 1945/46
Mit Verfügung vom 15. 5. wird die Schulleitung dem Dienstältesten, an der Schule tätigen Lehrer übertragen. Das ist in Hunderdorf Lehrer Wünderlich. Am 1. März 1945 mußte er Heimat, Hab und Gut wegen Annäherung der russ. Armee verlassen und landete mit dem Flüchtingsstrom am 6. März in Hunderdorf. Im Pfarrhof wohnt er mit seiner Frau und einer erwachsenen Tochter in einem Raum.
Schuljahr 1946/ 47
Die Schule zählt 354 Schüler.
Auf Anordnung der Regierung müssen allmonatlich alle Kinder von 6-16 Jahren gemessen und gewogen werden.
Am 14. 1. 47 ordnet das Schulamt an, sofort mit dem Unterricht in englischer Sprache zu beginnen.
Am 26. 4. 47 ruft Lehrer Wünderlich die Erziehungsberechtigten seiner Klasse auf zur Besprechung akuter Fragen. Von 89 Erziehungsberechtigten erschienen acht.
1947/ 48
Von 358 Kindern sind 44 evangelisch.
Auf Anordnung des Schulamtes vom 6. 8. 47 soll eine evangelische Klasse gebildet werden. Mit Rücksicht auf die Verhältnisse wird vorerst darauf verzichtet.
Am Ende des Schuljahres zählt die Schule 289 einheimische und 76 außerbayerische Kinder.
Lehrer Wünderlich wird in Bayern nicht mehr in den Staatsdienst übernommen und scheidet mit Ende des Schuljahres schweren Herzens aus dem Schuldienst aus.
1948/49
336 Schüler
Lehrer Erich Schmid übernimmt am 1. 10. 48 die Schulleitung.
1949/50
303 Schüler
Berufsschule 37 männliche, 41 weiblich
1950/51
264 Schüler davon 27 evangelisch
Am 15. April übernimmt Lehrer Hösl die Schulleitung. 8 Jahre war er fern der Heimat in Kriegsdienst und Gefangenschaft.
1951/52
231 Schüler
Juni Kartoffelkäferaktion
1952/53
211 Schüler
Einführung der Lehrmittelfreiheit
Durch den Bezug der neuen Siedlung schnellten die Zahlen einzelner Klassen im Laufe des Jahres in die Höhe.
1953/54
290 Schüler
Hunderdorf erhält eine Rektoratsstelle. Hauptlehrer Hösl wird Rektor.
1954/55
261 Schüler – Jahresende 263 Schüler
1955/56
261 Schüler
Die Berufsschule wird in den Berufsschulverband Bogen eingegliedert.
1956/57
Am 13. 5. 57 Baubeginn des neuen Schulhauses, Grundsteinlegung am 8.Oktober 1957
Die Bausumme beträgt 501 000 DM.
Einweihung des Schulhauses am 17. Februar 1959.

Chronologische Aufstellung der Schulleiter in Hunderdorf
Michael Fuchssteiner 1793-1795
Sebastian Fuchssteiner 1795-1841
Franz Paul Schmotz
Johann Michael Koppelth 1869-1873
Franz Xaver Friedl 1874-1881
Joseph Reith 1881-1882
Adalbert Rüby 1882-1894
Hermann Mayr 1885-1905
Eduard Scheininger 1905-1919
Georg Englbrecht 1920-1926
Franz Ortner 1926-1932
Max Deinböck 1932-1939
Franz Hösl 1939-1940
Käthe Reitberger 1940-1945
Erich Schmid 1945-1946
Karl Wünderlich 1946-1948
Erich Schmid 1948-1951
Franz Hösl 1951
Diese Aufstellung ist zwar zeitlich lückenlos, läßt sich aber an einigen Stellen aktenmäßig nicht belegen.
Die Lücken wurden nach der Überlieferung geschlossen.

Mit dem Einzug in das neue Schulhaus am 18. 2. 59 werden 2 Veteranen abgelöst .
Das „untere Schulhaus“ wurde als Kindergarten umgebaut.
Das „obere Schulhaus“ wird Gemeindeamt.
Am 5. 4. 59 wird die Kanzlei bezogen.
Von 1793-1843 Vereinigte Schulgemeinden: Hunderdorf, Steinburg, Au, Gaishausen.
Von 1843-1885 Schulsprengel Hunderdorf mit Gaishausen und Oberalteich.
Ab 1885 Schule Hunderdorf mit Schulgemeinde Gaishausen, Oberalteich. Ab Schuljahr 1968/69 Verbandsschule Hunderdorf-Steinburg.
Bereits 1967 begannen die Verhandlungen. Nachdem Sternburg nicht abgeneigt war sich zu dem Schulverband Neukirchen-Pürgl-Obermühlbach zu entscheiden, wurden die daraus sich entwickelnden Schwierigkeiten, besonders hinsichtlich der seelsorglichen Betreuung aufgezeigt. Steinburg hatte erst 1960 ein neues Schulhaus gebaut und es wurde von Anfang an geplant, die Räume desselben für die Grundschule der Verbandsschule zu verwenden.

Vorentwurf vom 25. 6. 66
Vollausgebaute 12-klassige Verbandsschule Hunderdorf-Steinburg (Au). Zu den vorhandenen Klassenräumen werden benötigt: 5 Lehrsäle, davon 3 Klassenzimmer, 1 Naturlehre, 1 Werk- und ein Handarbeitsraum, eine Turnhalle, 1 Raum für Kursunterricht und ein Arztzimmer. Ein Schulbus muß eingesetzt werden.
Ein Schulverbandsausschuß wurde gegründet. Da durch das neue Schulgesetz der Bürgermeister nicht mehr automatisch als Vorstand desselben galt, mußte ein Vorsitzender gewählt und weitere Mitglieder bestimmt werden. Als Vorsitzenden schlug man Bürgermeister Härtenberger, als seinen Stellvertreter Bürgermeister Gall von Gaishausen vor.
Der Schulhaushalt belief sich 1967 auf 51 600 DM während er 100 Jahre vorher nicht ganze 300 fl. betrug.
Tonfilmgerät und Fernsehapparat, die Ergänzung der Lehrmittel, die Anschaffung und Ergänzung der Werkeinrichtung, der Kauf von Webrahmen und Schulbücher, sollen die Schule auf zeitgemäße Ebene bringen. Im Sommer 1967 können die Mißverständnisse zwischen den Gemeinden beseitigt werden und es wird einstimmig die Gründung der Verbandsschule Hunderdorf-Steinburg von Seiten der Gemeinden beschlossen.
Der letzte Schulhausbau kostete 501 000 DM davon wurden 298 000 DM als Eigenleistung erbracht, 203 000 DM durch Zuschüsse.
Für den notwendigen Erweiterungsbau wird ein kleiner Architektenwettbewerb durchgeführt. Der Kostenaufwand für eines der entworfenen Modelle beläuft sich auf ca. 2,5 Mill.
Der Bewertungsausschuß entschied sich am 23. 4. für das von Architekt Gruber, Straubing, entworfene Modell.
Der Anbau wird sich in Südwesten an den bestehenden Neubau anschließen. Neben dem Nordeingang wird eine Fahrradhalle erstellt. Zwischen Fahrradhalle und Eingang führt ein überdachter Gang zum Nebenbau, in dem Hausmeisterwohnung, 5 Unterrichtssäle, 1 Handarbeitsraum und ein Naturlehresaal untergebracht werden. Am oberen Ende des Anbaues wird die Pausenhalle angegliedert und neben der Turnhalle ist ein Lehrschwimmbecken vorgesehen.
Mit dem Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes am 1. 2. 69 ist Hunderdorf Grund- und Hauptschule für Hunderdorf, Hauptschule für die angegliederten und zum Schulverband gehörigen Gemeinden: Steinburg (Au), Neukirchen und Windberg.
Der gesamte Aufwand für den Erweiterungsbau mußte neu überrechnet werden und beläuft sich auf ca. 3 Millionen.
Mit Beginn des Schuljahres 1968/69 trat bereits ein Teil der Neuorganisierung in Kraft. Die Verbandsschule Hunderdorf-Steinburg nimmt die oberen Jahrgänge der Schule Neukirchen und Windberg auf. Die Klassenräume der Schule in Steinburg werden mitbenutzt. Neukirchen und Windberg behalten die Grundschule, die die Jahrgänge 1-4 umfaßt.
Für die Kinder, die von Steinburg nach Hunderdorf und für die, die von Hunderdorf nach Steinburg zur Schule müssen ist seit Schuljahrsbeginn 1968/69 ein Schulbus eingesetzt.
Nach 126 Jahren begann für die Steinburger Schulneulinge die Schule wieder in Hunderdorf. Um den ersten Schultag in der Verbandsschule schmackhafter zu machen, bekommen die Steinburger Kinder, von dem Hunderdorfer Bürgermeister Riesenbretzen als Geschenk.
Während damals fast 200 Kinder in einem Raum unterrichtet wurden, stehen jetzt allein der 1. Klasse mit 88 Kindern 2 Lehrsäle und 2 Lehrkräfte zur Verfügung.
DAS PFARRDORF
Fassion von 1858
„Schulort Hunderdorf in 43 Wohngebäuden, 257 Einwohnern, welche größtenteils als kleine Gütler, Ackerbau und Viehzucht, als Ernährungsquellen haben. Doch gibt es auch einige Gewerbetreibende: 2 Gasthäuser, 3 Krämer, einen Metzger im Ort, so daß für das Lebensnotwendige gesorgt ist. Das Klima ist gemäßigt, weil der Ort in einem 6/8 Stunden breiten und einer Stunde langem schönen, romantischen Tale liegt, das nur gegen Südosten etwas geöffnet ist.
Im Ort ist der Pfarrsitz mit der Pfarrkirche, in welcher täglich Gottesdienst gehalten wird.
Durch den Ort führt die Distriksstraße, die nächste Postexpedition ist in Bogen und die nächste Eisenbahnstation in Straubing.“
So bildete das Pfarrdorf durch Jahrhunderte die geistige Mitte, mit der Errichtung der Schule 1793 die kulturelle Mitte und seit je die wirtschaftliche Mitte.
Pfarrer und Lehrer waren die einzigen „Gstudierten“ und man brachte ihnen ganz selbstverständlich die nötige Achtung entgegen.
Seit altersher gehörte zum Dorf der Wirt. Die älteste nachweisbare Taferngerechtigkeit besaß der zum Kloster gehörige „Hartlhof“. Metzger- und Krämergerechtigkeit lagen im Bereich des Pfarrwiddums (Edbauer-Hornberger) bis 1803.
Der sonst übliche Dorfschmied ist in Steinburg, aber nicht in Hunderdorf nachweisbar. Wahrscheinlich mußten die zum Kloster gehörigen Höfe ihre Pferde nach Windberg in die Klosterschmiede zum Beschlagen bringen, bei den übrigen Bauern war die Kuh, höchstfalls ein Ochse, das Zugtier.
Von 1820-45 hatte Hunderdorf einen Bäcker, ab 1837 einen Schreiner. Wagner und Drexler waren für Hunderdorf in Windberg. Die Müller waren auf den Mühlen in Gaishausen, Oberhunderdorf, Apoig und Hofdorf, die Schuster und Schneider waren Inwohner, ebenso alle übrigen Gewerbe und Handeltreibenden. Viele Berufe wie Schleifer, Strohflechter, Glaser, Lumpensammler wurden als Wandergewerbe ausgeübt. Schneider, Schuster, Sattler ab 1837 waren mehr auf der Stöhr als in der eigenen Werkstatt. Sie waren besonders gern gesehene Leute. Es gab unter ihnen typische Originale. Durch ihr Wanderleben sahen und hörten sie mehr, als die seßhaften Bauern und sie würzten das Gehörte beim Weitererzählen oft mit den gehörigen Zutaten.
Am Abend nach Feierabend versammelte man sich im Schein der Öllampe oder des Kienspans um sie und sie erzählten, Wahrheit und Dichtung reichlich vermischt. Je später es wurde umso gruseliger und unglaublicher wurden ihre Geschichten. Lag ein Toter in einem Hause, so wurden sie gern zum „Aufbleiben“ geholt. Erst wurden 3 Rosenkränze gebetet, dann mußte man sich stärken und um die Zeit des Aufbleibens abzukürzen, ließ man sich erzählen.
Der Wirt war meist auch Dorfmetzger. Um die Zeit vor Weihnachten, wenn der Weihnachter gestochen wurde, hatte er es am notwendigsten. Er half dann auch die Leber- und Blutwürste machen und den Preßsack, den Leberkäs gab es nur in seiner Fleischbank.

Er selbst stach meistens eine „Sau“, selten ein Kalb oder ein Stück Rind. Mußte ein Stück Vieh notgeschlachtet werden, so wurde es im Haus ausgehauen“. In der ganzen Gegend wurde eingesagt und dabei gebeten, doch davon zu kaufen.
Unsere Vorfahren waren ganz an ihren Boden gebunden und das was er ihnen gab. In Sollach wurden Ton und Tegel ausgewertet, auf dem Thananger lebte der Hafner von seiner Lehmgrube. Die Kerbezäuner legten in den Sumpfgründen ihre Weiden und Erlen an, die Weber waren vor allem in Lintach zuhause. Der karge Boden war mehr zum Flachs als zum Getreidebau geeignet. Im Ölschlag wurde in der später zur Säge umgebauten Mühle, das Öl aus dem Flachs geschlagen.
Auch die Nahterin gehört zum alten Bestand. Bis vor ca. 100 Jahren mußte sie, wie der Schneider alles mit der Hand nähen. Mit der Erfindung und Einführung der Nahmaschine bekam sie es leichter. Die ersten Nähmaschinen waren ganz auf Handbetrieb eingestellt und erforderten eine große Geschicklichkeit. Da eine Hand das Schwungrad treiben mußte, war nur eine Hand zum Halten der Arbeit frei.
Allerdings hatten sie den großen Vorteil, daß sie sich leicht transportieren ließen. Man konnte sie unter den Arm nehmen und damit über Land gehen. 1870 wanderte aus der Tschechei ein Messerschmied und Instrumentenmacher ein. Die Besenbinder, Kerbezäuner und Strohflechter fertigten meist im Winter ihre Waren, luden sie im Frühjahr auf eine Kraxen oder in eine Kirm und gingen über Land. Sägfeiler, Schleifer, Mühlrichter und Mühlenärzte genannt, Musiker und Strohflechter waren meist unterwegs. Der Beruf vererbte sich vielfach vom Vater auf den Sohn, wie auch der Erstgeborene den Namen des Vaters und die erstgeborene Tochter den Namen der Mutter erhielt. Eine Lehrzeit war für die Berufe, für die eine eigene „Gerechtigkeit“ = Berechtigung, nicht vorgeschrieben war, auch nicht notwendig. Zu den alten Berufen gehörte auch der Binder. Der letzte Binder war Georg Fuchs. Er übte lange in Hofdorf als Fuchsen Girgl sein Handwerk aus und starb 1939 in Lintach. Die Kirchabitterin und das Brotwei waren außer der Nahterin die weiblichen Gewerbetreibenden, auch Kramerinnen gab es, die allen Kram feilboten. Die Kirchabitterinnen zogen aus um zur Leich zu bitten. Hatte ein Bauer das Zeitliche gesegnet, so schickte die Witwe zur Kirchabitterin. Diese wurde beauftragt für das Kirchabitten zu sorgen. Es zogen dann mehrere Frauen, jede in anderer Richtung von Ort zu Ort, von Gehöft zu Gehöft und sagten ein: ,,Steinbäuerin z‘ Hunderdorf laßt bitten ihrem Mann morgen um 9.00 Uhr in d’Leicht auf Hunderdorf, Herr gib ihm die ewige Ruh!“ ,,Was hat ihm denn gfehlt“, war die übliche Antwort. Dann bekam die Kirchabitterin ihre 2 Pf. und ein Stück Brot und ging weiter.
Die letzte hauptamtliche Leichenbitterin war wohl die Wintermena und das letzte Brotwei die alte Schleinkoferin. Ganz gebückt ging sie unter ihrer Spitzkirm von Haus zu Haus mit ihren Wecken und Semmeln. Zu unterst sammelten sich dann die Eier, mit denen die Bäuerinnen bezahlten. Auch der Bandlkramer zog mit seiner kleinen Ware hinaus in die Gehöfte, aber alles strebte wieder dem Dorfe zu, gemeint war dabei immer das Pfarrdorf. Ging ein Hofdorfer oder Steinburger ins Dorf, so war es Hunderdorf. Hatten auch Hofdorf, Steinburg, Au und Lintach, früher auch Gaishausen und später Rammersberg selber ein Wirtshaus, so zog es doch alle wieder dem Dorfe zu. Daß ein ganzer Hof durch eine Wirtshaustür im Dorf gehen kann, mag vielleicht nur in Hunderdorf passiert sein. Der Stettnerhof war ein alter Dienstmannensitz. Seine Anlage ganz die eines reichen niederbayerischen Vierseithofes. Seine Äcker und Wiesen breiteten sich ringsum und alles was heute Stetten heißt, war einst im Besitz dieses Hofes, das bezeugte bis vor kurzem die einzige Hausnummer für ganz Stetten, an die lauter Bruchteile angehängt waren. Als Hoferben des stolzen Besitzers blieben 3 stattliche Söhne, aber alle 3 liebten das Bier und eine gute Brotzeit mehr, als ein Mädchen. So blieben sie frei und ledig und um sich nicht mit dem Kochen plagen zu müssen holten sie sich beim Brunnerwirt die Brittsuppn mit dem Kesslfleisch und der Suppnwurst. Der Wirt schrieb auf und um die Rechnung rasch zu begleichen bezahlten sie von Zeit zu Zeit mit Tagwerken. Der Hof wurde kleiner, die Arbeit weniger, sie bekamen es schöner. Die Äcker des Brunnerwirt vermehrten sich und einer davon trägt heute noch den Namen Brittsuppenacker. Sie selbst begriffen erst als es zu spät war, dann gingen sie zum Brunnerwirt um den Türstock zu messen; denn sie konnten es nicht glauben, daß da der ganze Hof durchgegangen war. Um 1860 kaufte ein Boiger den restlichen Hof, der noch heute in Familienbesitz ist.
NOCHMALS EIN STÜCK GUTE, AL TE ZEIT
Ja das Land vorm Wald, hatte doch früher mehr vom Wald, als von der fruchtbaren Ebene.
Soweit als nur der Himmi blau,
von Passau bis nach Grafenau,
von Straubing bis nach Böhm,
da tuats die Waldler gebn.
Im Wald da herrscht Gemütlichkeit,
da is d’Kultur no nöt so weit,
da werd’n no echte Holzschuh g’schnien und aar a guata Schmalzier griebn .
D’Hoanzlbenk gehörte früher zum Haus und der Holzschuhschuster zum Dorf. Nach Weihnachten, wenn es draußen still wurde, das Troad droschen war, holte der Bauer die Hoanzlbank in die Stube und fing zu bitzeln und zu schnitzeln an. Die Rechen wurden gerichtet, alles Gerät im Haus und im Hof wurde instandgesetzt.
Blieb dann noch Zeit, so gab es einmal neue hölzerne Teller, neue Löffel oder gar einen neuen Spinnrocken für die Bäuerin.

So wie er da auf der Hoazlbank sitzt, so war er, der von Arbeit und Not geprägte Landmann des 19. Jahrhunderts, wortkarg und fleißig, den Schnurrbart über der Lippe, die Zipflmütze auf dem Kopf, barfuß in den Holzschuhen. Schnitten auch viele ihre Holzschuhe selber, so gab es doch noch einen eigenen Holzschuhschuster.
Er durfte mit dem Holzschuhmachen nicht warten bis nach Weihnachten. Schon im Herbst kamen sie anmarschiert, die Buam und Deandla, mit einem Scheit unter dem Arm, ein Paar alten Stiefeln, die noch einige gute Lederflecke hatten und einem Trumm von einem alten Mantel, um sich die Holzschuhe anmessen zu lassen. Sobald sie nicht mehr barfuß zur Schule gehen konnten, kamen sie in Holzschuhen. Im unteren Gang des Schulhauses war ein eigenes Regal für die Holzschuhe aufgestellt; denn die Schulstube durfte man damit so wenig betreten wie jede andere Stube. Man zog sie da einfach vor der Stubentür aus und stellte sie in der Fletz neben die Tür. In den dicken Strümpfen, die die Mutter aus selbstgesponnener Wolle gestrickt hatte, konnte man in der warmen Stube auch ohne Schuhe sein und brauchte man nicht mehr hinaus, so schlüpfte man in die Strohschuhe, die der Strohflechter aus ungedroschenem Stroh geflochten hatte. Die Bäuerin zog gerne Leder- oder Holzpantoffel an, aus denen konnte man schnell aus und einschlüpfen.
In Lindfeld hat lange ein Holzschuhschuster gearbeitet, heute gehört dieser Beruf der Vergangenheit an.
So einfach und genügsam der Landmann lebte, so kannte er doch seine stillen Freuden und hatte seine heimlichen Genüsse.
„Wenn Herz und Mund sich laben, muß die Nase auch was haben“, dachten unsere Großväter.

Außer einer frischen Maß galt von altersher eine Prise als Hochgenuß. Das Schnupfen war allgemein früher üblich als das Rauchen.
In Bayern war das Tabakrauchen, Tabaktrinken nannte man es früher bis ins 17. Jahrhundert verboten, wogegen weder Behörden noch Ärzte etwas gegen das Schnupfen hatten, im Gegenteil. Schnupfen erhält die Sehkraft bis ins hohe Alter und hilft gegen Kopfschmerzen. Die Landgerichte und Hofmarken gingen sogar mit Strafen vor gegen das Rauchen. Ein Mesner aus niederbayerischen Gefilden, wurde bestraft, weil er in der Taferne geraucht hatte. In München durfte 1829 im Hofgarten, in der Ludwigsstraße und am Odeonsplatz noch nicht geraucht werden „wegen der schönen baulichen Anlagen“. Kein Wunder, daß man umso lieber zur Tabakdose griff, einen kräftigen Schober auf den Handrücken haute und ihn mit genießerischem Aufziehen in die Nase brachte. Kam der Nachbar und hatte etwas zum „Schmatzen“, so bot er dem Andern als Einleitung eine Pris und meinte dazu: ,,Nehma a Pris dawei.“
So kam es auch, daß einem Pfarrer in der Religionsstunde folgendes passierte: ,,Na Kinder, wer von euch kann mir sagen, wieviele Sakramente euer Vater schon empfangen hat?“ ,,Ich, Herr Pfarrer“, meldet sich der Maxi. ,,So, das ist schön, zähl sie auf.“ ,,Die Taufe, die Beichte, die hl. Kommunion, die Firmung, die Ehe und die Priesterweih.“ ,,Ja Maxl, was redst denn daher, dein Vater ist doch kein Geistlicher“, meint der Herr Pfarrer. ,,Wie kommst denn da drauf?“ Aber der Maxi ist seiner Sache sicher. ,,Sooft unser Nachbar kimmt, sagt er zu unserm Vater: ,,Also Nachbar, nehmen wir uns a Pris dawei.“ Die Schmalzlerfreuden halfen über manches Leid hinweg und der beste Schmai war der selbstgeriebene. In vielen Bauernstuben war an der Weißdecke ein Haken zum Einhängen des Knüppels zum Tabakreiben. Die Arbeitsmethode bei der Herstellung des Schmais war ebenso einfach wie praktisch. Beim Kramer kaufte man sich ein Stück Brasilstrang, das man in Scheiben schnitt. Der Bauer setzte sich rittlings auf eine hölzerne Bank, vor sich einen großen irdenen Hafen, aus dessen Mitte ein Zapfen ragte. Außer dem kleingeschnittenen Tabak waren in dem Hafen einige Brocken gebrannten und gelöschten Kalks, ohne den sich der feuchte Brasiltabak nicht reiben ließe. Nun begann der Bauer mit dem von der Decke hängenden Knüppel herumzumahlen, wobei er streng darauf achten mußte, daß der Tabak nicht zu heiß wurde. Nach dem Reiben wurde der Schmai durch ein feines Haarsieb geschüttet und das Brasilmehl mit Schmalz angemacht. Der genußfertige Schmai wurde in eine große Rinds- oder Schweinsblase gefüllt und damit ja nichts verloren ging, hatte der Brasilreiber hinter sich auf der Bank ein Gefäß mit Federn stehen.
Es wurde immer nur das Wochenquantum gerieben, da das verwendete Rindsschmalz schnell ranzig wurde. Die „Saupladern“ mit dem Schmai mußte an einem kühlen Ort aufgehängt werden.
Im Sommer setzte sich der Bauer nach Feierabend gern auf die Greed zum Reiben.
Das Tagesquantum wurde in die Schnupftabaksdose gefüllt, deren Stopsel in der Mitte eine Öffnung hatte, in der der „Fuchsschwanz“, meist ein Stück Kaibeschwanzl steckte. Das Schwanzl brauchte man als Besen für die Nase. Es gibt auch heute noch Schnupfer, allerdings wenig. In Grafenau, Straubing und Regensburg gibt es Schnupftabakfabriken, aber noch manch alter Waldler macht sich seinen Schmai nach Hausrezept.

KRIEG – NACHKRIEGSZEIT UND WIEDER KRIEG
1914 Krieg gegen England und Frankreich. Bereits im September kamen die ersten Gefallenenmeldungen. Noch 1914 starben 8 aus der Gemeinde den Heldentod. Auch in den folgenden Kriegsjahren folgt Gefallenenmeldung auf Gefallenenmeldung. Zur Not kam das Leid und zum Leid immer mehr Not.
Ende August 1916 erklärt auch noch Rumänien den Krieg. Von nun an herrscht Petroleummangel. Ende des Jahres werden alle bisher militärisch Untauglichen einberufen und dazu die erst 18-jährigen.
Am 14. Dezember sind überall Siegesfeiern; denn Bukarest ist eingenommen. 1917 werden die Lebensmittel sehr wenig, besonders in den Städten. Auf dem Land werden freiwillige Lebensmittelsammlungen gehalten, auch in Hunderdorf. Lebensmittelausschüsse werden gebildet an deren Spitze die Seelsorgsgeistlichen stehen. Der Winter ist sehr kalt. Das Getreide bleibt kurz, das Futter wenig. Alles muß gesammelt werden: Altpapier, Lumpen, alte Kleider, Beeren und Obstkerne. Die Leute müssen barfuß gehen oder in Stroh- und Holzschuhen. Eine Verordnung des Generalkommandos und der Wirtschaftsstellen schlägt die andere. Die Leute verlieren die Geduld und reden von Revolution. Rußland hat Deutschland längst den Krieg erklärt, nun auch Amerika und Griechenland. Im Juli holt man den Leuten das letzte Getreide aus den Häusern. Die Kirchenglocken sollen bis 1. 7. abgeliefert sein, es kommen zunächst 2 in Betracht.
1918
Der Winter ist streng wie seit Jahren nicht mehr. Es werden noch die letzten grauen Männer einberufen. Im Frühjahr geht die Offensive gut, jedoch im Lauf des Sommers wird sie zur Defensive. Die letzten Glocken sollen geholt werden. Die Schulferien müssen verlängert werden. Im Dezember ist Kriegerbegrüßungsfeier.
Das Jahr 1919 hat einen dunklen und ungewissen Anfang. überall Unsicherheit in Politik und Ernährung. Auch in Hunderdorf hat sich ein Arbeiter- und Bauernrat gebildet. Im Februar sind die Reichstagswahlen. Am 21. Februar wird in München das Attentat auf Kurt Eisner verübt. Große Erregung für und gegen Eisner. Im April Revolution in München. Ausrufen der Räterepublik. überall sind Plakate angeschlagen mit Drohungen furchtbarer Strafen. Todesstrafe und Geiselmorde!
Im Mai Befreiung Münchens: Aufruf zur Reichs- und Einwohnerwehr. Aber die meisten sind resigniert und stumpf. Die wirtschaftliche Lage ist schlecht. Man bekommt nichts, selbst die wenigen Gramm auf Lebensmittelmarken können nicht abgegeben werden. Alles treibt Schleichhandel. Das Fleisch wird nach auswärts verkauft. Es wimmelt von Hamsterern aus weiter Ferne. Von München, Nürnberg, ja bis von Sachsen kommen sie her. Die Lebensmittelpreise sind entsetzlich gestiegen: 1 Pfund Butter 25 M, ein Ei 50 dl, Schweinefleisch 5 M. Kein Mensch will mehr arbeiten. Am 15. 7. sind Gemeindewahlen. Es gibt 4 Bürgermeisterkandidaten: Diewald, Fruhstorfer und Groß von den Ordnungsparteien, Volkspartei und Bauernbund und Klein von den Sozialisten. Am Wahltage werden Plakate angeschlagen gegen den Lehrer und den Gemeindeschreiber und dessen Weib, die alles dirigieren. Überall Hetze! Auch noch im Schulhaus bei der Wahl ein Auftritt. Endlich wurde der alte Bürgermeister Diewald wiedergewählt.
Nach einer guten Ernte geht das Jahr ruhiger zu Ende als es begonnen. 1920 scheint der Krieg vergessen. Im Fasching sind 37 Hochzeiten, überall werden Tänze abgehalten, zum ersten Mal haben die Leute Geld. Die Lebensmittel werden immer noch teurer. Ein Ztr. Obst kostet 50 M, ein Ztr. Hafer und Weizen 60 M, Holz 150 M die Klafter.
Das waren Auszüge aus dem Protokollbuch der Kirchenverwaltung.
Nach der Tat des Grafen Arco, er war es, der Eisner erschossen hatte, rissen die Radikalen die Macht an sich. Es wurde die Räterepublik ausgerufen. Der Landtag mußte nach Bamberg fliehen und verfaßte dort eine neue Bayer. Verfassung. Am 14. Aug. 1919 trat die „Bamberger Verfassung“ in Kraft. Anfang Mai hatten bereits die Reichstruppen München besetzt und die Ordnung wiederhergestellt. München und mit ihm ganz Bayern jubelten dem Freikorps der Weißen Garde und mit ihm Ritter von Epp zu. Der Schatten der Inflation und der Wirtschaftskrise zeichnete sich immer mehr ab. Die Geldentwertung fand ihren Höhepunkt als die Billion eine Parität zur Mark aufwies.
Die Regierungszeit der Ministerpräsidenten waren von kurzer Dauer. In die Regierungszeit des Graf von Lerchenfeld fiel die Stabiliesierung der Währung und der Übergang zur Rentenmark. Auch der Schatten des Hitlerputsches fällt in diese Ära. In der Nacht vom 8. zum 9. Nov. 1923 brach der Putschversuch im Feuer der Reichswehr und Landespolizei zusammen.
Die Inflation hatte viele bettelarm gemacht. Um nicht verhungern zu müssen, hatten viele ihren Besitz für Billiarden und Trilliarden verkauft. Ein Stück Butter bekamen sie am nächsten Tag für ihr Vermögen. Besonders hart traf die Inflation die alten Leute und die älteren Dienstboten. Alles Ersparte war wertlos geworden. Unter Ministerpräsident Held trat eine gewisse Erholung nach so viel Unruhe ein. Von kulturhistorisch größter Tragweite war der Abschluß des Konkordates zwischen dem Päpstlichen Stuhl und dem Freistaat Bayern. Am 29. März 1924 unterzeichneten dieses Konkordat auf der Seite der Kurie Eugenio Pacelli, der damalige Nuntius in Deutschland und spätere Papst Pius XII. und auf der Seite des Freistaates Bayern Ministerpräsident Held. Das Konkordat sollte wie ein Friedensschluß zwischen Staat und Kirche sein. Dr. Heinrich Held war bis 1933 Ministerpräsident von Bayern.
Auf eine Zeit der Scheinblüte folgte 1929 die Erwerbslosigkeit. Ein 20 Pfennigstück galt schon als Geld. Ein Menu kostete 80 Pf., ein Glas Bier 23 Pf., eine Semmel 2½-3 Pf., ein Pfund Butter 1,60 RM. Arbeiter und Studenten demonstrierten auf den Straßen, ein Heer von Bettlern bevölkerte das Land. Mit 16,75 RM Stempelgeld mußte ein Arbeiter eine ganze Familie ernähren.
1932 war das Heer der Arbeitslosen auf 8 Millionen gestiegen. Die Lage schien aussichtslos. Die Elektrifizierung und die Motorisierung machten riesige Fortschritte. Das war der Boden für das 3. Reich. Das wichtigste Propagandainstrument Hitlers war das jüngst erfundene Massenmedium, der Rundfunk. Seine Erfindung verdanken wir dem Italiener Marconi. Der „SträußlKramer“ war in Hunderdorf der erste Rundfunkbesitzer. Mit Kopfhörer und Kabeln ausgerüstet brachte der geheimnisvolle Kasten nicht nur das Neueste vom Tage, sondern auch eine Unmenge Nebengeräusche.
Man spricht zwar nicht gerne vorn Dritten Reich, aber es war und ist eine unleugbare Tatsache. 1933 nahm Ludwig Siebert Dr. Held die Regierung aus der Hand. Er war bis 1942 Ministerpräsident. Neben ihm gab es noch Reichsstatthalter General Ritter von Epp und eine Reihe von Gauleitern. Hitler versprach seinen Anhängern Arbeit und Brot und gab es ihnen. Aus dem Freiwilligen Arbeitsdienst machte er einen Pflichtarbeitsdienst, mit den Reichsautobahnen beschäftigte er Hunderttausende, er erweiterte die Reichswehr und führte dann die allgemeine Wehrpflicht ein.
Am 5. 3. 1933 waren überall die Wahlen bei denen es nur noch Ja und Nein-Stimmen gab. Hunderdorf hatte 2 Neinstimmen. Am 25. 11. 33 war die Reichstagswahl aus der die N.S.D.A.P. mit 96 Prozent Stimmen hervorging. Am gleichen Tag wurde in Hunderdorf eine B. D. M. Gruppe gegründet, der 16 Mädchen beitraten. Da sie selbst keine „fähige“ Führerin hatten, wurde dazu ein Mädchen von Bogen geholt.
Immer mehr zeigte sich das wahre Gesicht der führenden Männer. 1937 war es bereits so weit, daß an Allerheiligen und Allerseelen Schule gehalten werden mußte. Mit Beschluß vom 14. 5. 38 wurden „Sämtliche deutsche Schulen des Bezirksamtes Bogen mit sofortiger Wirkung in Gemeinschaftsschulen umgewandelt.“
Die Verhältnisse spitzten sich zu. Im März 1938 wurde Osterreich an das Großdeutsche Reich angeschlossen, darnach folgte die Annektierung des Sudetenlandes und schließlich die Protektoratserklärung über Böhmen und Mähren. Gleichzeitig wurde fieberhaft am Westwall gebaut, die Judenhetze und Judenverfolgung grausam fortgesetzt, Hunderttausende politisch anders Gesinnter schmachteten in den KZ-Lagern. Aus der Rentenmark war längst eine Reichsmark geworden. Alle diese politischen Ereignisse fanden auch ihren Niederschlag. Viele traten aus Angst der Partei bei und die Nichtmitglieder mußten ständig in der Angst vor dem braunen Nachbarn leben. Unschuldige Männer wurden in Untersuchungshaft gesetzt, mußten sich Hausdurchsuchungen gefallen lassen und dergleichen Schikanen mehr. Der Prediger auf der Kanzel war vor Spitzel ebenso wenig sicher wie der Lehrer in der Schule und der Bauer auf seinem Hof.
Am 1. September 1939 brach dann der Krieg über Deutschland herein. Nach einem Streit an der polnischen Grenze wird der Kriegsgrund und mit dem Streit um Danzig der Vorwand geschaffen.
15 Millionen Soldaten blieben auf dem Schlachtfeld, darunter 80 aus Hunderdorf. Mit dem Meer von Blut floß auch ein Meer von Tränen. Jeder, der 80 Heldenopfer hat seine ihm eigene Tragik. Nach großartigen Siegen in Polen und Frankreich brachte Stalingrad 1943 die Wende. Es gab kaum noch Hoffnung auf Sieg, wenn es die „Vaterlandstreuen“ auch behaupteten. 1945 im Frühjahr kam es zur bedingungslosen Kapitulation. Wie kaum in einem Krieg mußte das ganze Volk den Zusammenbruch miterleben und miterleiden.
April 1945
Seit 6. März waren die Schulsäle beider Schulhäuser mit Flüchtlingen aus Schlesien und Wien belegt. Tag und Nacht überflogen feindliche Kampfverbände das Dorf in Richtung Straubing. Die Häuser erzitterten durch das Aufschlagen der Bomben in den Nachbarstädten. Von den das Dorf umgebenden Höhen konnten zahlreiche Brände beobachtet werden. Am 18. April wurde Straubing schwer bombardiert. Man sah die Brandbomben fallen. Das Dorf war in großer Aufregung. Immer näher kam der Feind. Die Tieffliegergefahr wurde, weil im Dorf und in den benachbarten Orten, deutsche Wehrmacht (Nachrichtendienst) einquartiert war, so groß, daß die Schule geschlossen werden mußte, um nicht das Leben der Kinder zu gefährden. Am frühen Morgen 2.15 Uhr des 25. April floh der Wehrmachtsverband CO.K.H. Inspektion 15, dessen Kommandierender Oberst v. Geldern im Pfarrhof einquartiert war, aus dem Dorfe in Richtung Deggendorf. Am 25. April gegen 17 Uhr traf schon eine feindliche Abordnung, 2 amerikanische Offiziere, von Mitterfels-Steinburg herkommend, im Dorfe ein, nachdem bereits ein Flugzeug Zettel mit der Aufforderung zur kampflosen Übergabe abgeworfen hatte. Auf dem Kirchturm und an allen Häusern, wurden raschestens die weißen Fahnen (Bett- und Handtücher) gehißt, und der Bürgermeister Max Wittmann übergab das Dorf dem Feinde. Dieser gab Befehl sämtliche Waffen, Fotoapparate, Ferngläser in der Kanzlei abzugeben.
Am frühen Morgen des nächsten Tages weckten schwere Detonationen die Bevölkerung. In Bogen und Straubing waren die Donaubrücken von der SS (Hitlers Sicherheitstruppe) bzw. vom Volkssturm, gesprengt worden. Die Annäherung des Feindes sollte damit erschwert werden!
Gegen 8 Uhr rückte die amerikanische Besatzungstruppe im Dorf ein. Eine Menge Panzer und Lastauto flutete auf der Straße von Steinburg heran. Am Nachmittage mußten die Leute aus ihren Wohnungen heraus. Die amerikanischen Soldaten suchten die Häuser nach deutschen Soldaten aus, beschlagnahmten die Häuser und hausten darin einige Tage „echt feindesgemäß“. Die Bauersleute durften wohl ihr Vieh versorgen, aber die Wohnräume nicht ohne Erlaubnis betreten. In den wenigen, nicht vom Feind besetzten Häusern suchten die Ausgewiesenen Unterschlupf. Man durfte sich nur für 2 Stunden auf der Straße sehen lassen. Jede Ansammlung von Leuten auf der Straße war verboten. An der Bekanntmachungstafel waren Aufrufe und Befehle angeschlagen. Aus den besetzten Häusern schauten aus allen Fenstern die feindlichen Soldaten. Mit besonderer Vorliebe schleppten die Ami Einrichtungsgegenstände, Geschirr und Eßbestecke von Haus zu Haus. Sie streiften beständig zu Fuß oder flitzten mit Yeeps in und um das Dorf herum und verlangten bei den Bauern die Abgabe von Eiern und Hühnern. Sie fingen alle deutschen Wehrmachtsangehörigen ein, die von ihren Truppenteilen abgesprengt oder flüchtig gegangen waren und nun massenhaft auf großen Umwegen um das Dorf schlichen. Viele hielten sich in den umliegenden Wäldern versteckt. Es war streng verboten sie in die Häuser aufzunehmen. Aber eingedenk eines eigenen, dem gleichen Schicksal ausgelieferten Sohnes, brachte es mancher Bauer und manche Bäuerin nicht übers Herz, solch einem Soldaten die Tür zu weisen und mancher Hof brauchte in diesen Tagen ganze Körbe voll Brot und Eier, um die verfolgten, hungernden deutschen Soldaten zu sättigen. Unter eigener Lebensgefahr ließen sie die Bauern in ihren Scheunen nächtigen.
Am 30. April verließ die Besatzungs- bzw. Kampftruppe das Dorf gegen 18 Uhr in Richtung Bogen. Mehrmals hatten schon Panzer, schwere Geschütze und Autos die Straße passiert. Der Feind war gut gerüstet! Ein Widerstand hätte unserem Dorf den Garaus gemacht. Wohl waren die besetzten Häuser arg mitgenommen und manch harter Verlust an Wert und Gebrauchsgegenständen war zu beklagen, doch vor Beschuß und Zerstörung blieb das Dorf verschont. Es konnte jeden Tag die hl. Messe gelesen werden, an der immer wieder auch amerikanische Soldaten teilnahmen. Hätten sich Bogen und Straubing nicht kampflos ergeben, so wäre· Hunderdorf trotz allem schlimm mitgenommen worden. Es wäre unter Beschuß der Artillerie gestanden. In Apoig waren bereits die schweren Geschütze gegen Bogen in Stellung gebracht. Nach dem Abzug der „Ami“ wurde im Dorf und in der Umgebung die gewohnte Arbeit wieder aufgenommen. Es sausten zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit die Auto der amerikanischen Polizei durchs Dorf, hielten auch häufig vor der Gemeindekanzlei um dort Befehle abzugeben oder Auskünfte über verschiedene Einwohner zu erhalten. Es wurde fieberhaft nach Mitgliedern der ehemaligen N.S.D.A.P. (National-Sozialistische-Deutsche-Arbeiterpartei) gefahndet, besonders nach ehemaligen Funktionären derselben, welche sich zu verantworten hatten und größtenteils in Gefängnisse und Lager geschafft wurden, da man sie als „Verbrecher“ ansah. Einquartierung gab es vorläufig keine. Am 15. Mai, Fest Christi Himmelfahrt, rollte gegen 15 Uhr eine Autokolonne von Bogen her und stoppte im Dorf. Eine Kampftruppe sollte hier Rast halten und begann sogleich sich in den beiden Schulhäusern einzurichten. Die Lehrerschaft mußte augenblicklich die Dienstwohnung verlassen. Im unteren Schulhaus hatten seit dem 30. April, die im Dorfe und in der Umgebung arbeitenden Polen ein Lager aufgeschlagen und mit Musik und Tanz viel Lärm gemacht. Sie und die im oberen Schulhause wohnenden Wiener Flüchtlinge wurden von den Amis in benachbarte Flüchtlingslager geschafft. Die Räume des unteren Schulhauses wurden Militärstation für Kranke, die des oberen Schulhauses als Schlafsäle für die gesunden Soldaten eingerichtet.
Vor dem oberen Schulhaus wurde ein großes Zelt für Waffen und Munition aufgeschlagen. Schon nach 8 Tagen wurde die Truppe plötzlich abberufen. Die Schulhäuser galten noch für einige Zeit als beschlagnahmt. Aber es folgte keine weitere Besatzung mehr nach. Die Dienstwohnungen wurden wieder bezogen, die Lehrsäle dienten weiterhin Flüchtlingen und Polen als Quartier. Als es die Polen gar zu bunt trieben, sie waren jetzt im oberen Schulhaus, wurden sie nach 10 Tagen in ein anderes Flüchtlingslager abgeschoben.
Am 26. Sept. wurde ein Teil des Schulunterrichtes aufgenommen. Der· bisherige Bürgermeister Max Wittmann mußte kurz nach dem Einzug der Amerikaner sein Amt niederlegen. Zuerst übernahm sein Sohn die Vertretung und ab 15. Juli Herr Johann Hornberger, Bauer in Hunderdorf.
Am 27. Januar 1946 wurde er durch eine, von der Militärregierung befohlene Wahl als rechtmäßiger (demokratisch gewählter) Bürgermeister, bestätigt. Es hatten· sich bis dahin bereits wieder verschiedene bürgerliche Parteien gebildet, welche, von der Militärregierung genehmigt, Wahlvorschläge einreichen konnten. In Hunderdorf gab es damals nur die Christl. Soz. Union, CSU, welche mit 293 gültigen Stimmen Hornberger als Bürgermeister verlangte. Gleichzeitig wurde ein 10 Mann starker Gemeinderat gewählt.
Allmählich kehrten die Kriegsteilnehmer heim. Zuerst meist die jüngeren Jahrgänge, die noch zuletzt einberufen worden waren und erst nach und nach die anderen. Viele kamen schwach und krank, besonders jene, die in Rußland gekämpft hatten. Von dort wurden sie ja nur entlassen, wenn sie vollkommen arbeitsuntauglich waren.
1946
Inzwischen entfaltete die Militärregierung in Bogen eine rege Tätigkeit. Alle Parteimitglieder wurden auf die Richtigkeit ihrer Mitgliedschaft geprüft. Es gelang auch manche freiwillige und unfreiwillige Falschangabe aufzuspüren. Verhöre, Verhandlungen und Freiheitsentziehung von 3-6 Monaten, folgten auf solche Entdeckungen. So wurden eines Tages der Bauer Xaver Baier, Hofdorf und der Gastwirt Otto Edbauer von Hunderdorf nach Mitterfels gebracht, weil sie schon zu einem früheren Zeitpunkt Parteimitglieder waren, als sie in gutem Glauben angegeben hatten. Ein ähnliches Los traf Josef Hornberger und Xaver Sagstetter. Im Sept. 46 wurde die Aburteilung aller Parteimitglieder deutschen Stellen übergeben. Es wurden sog. Spruchkammern gebildet, für den Kreis Bogen in Bogen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, dort alles zu melden, was die Parteimitglieder verbrochen hatten. Ein schlimmes Denunziantenwesen wurde dadurch ins Leben gerufen.
Im Spruchkammerverfahren wurden die Nazisünder mündlich oder schriftlich in die Klasse der Mitläufer, Minderbelasteten, Hauptschuldigen und Aktivisten eingereiht. Alle Betroffenen wurden ihrer Ämter enthoben und das Vermögen gesperrt. Dazu wurden auf Anordnung der Militärregierung die Betroffenen von den Wohnungskommissionen zu Gunsten der Flüchtlinge, Nichtbetroffenen und Naziverfolgten, gar sehr in ihren Wohnungen beschränkt. Mehrmals wurde das Dorf in Schrecken versetzt weil ein ehemaliger Angehöriger der SS der Militärregierung verraten und dann plötzlich von der CIC (amerik. Polizei) geholt wurde.
Furchtbar endete eine Hetzjagd auf einen Herrn, der bei seiner Schwester zu Besuch war. Er wollte vor der Polizei flüchten, wurde zwischen Steckler und Baier angeschossen und dabei so schwer getroffen, daß er am nächsten Tag im Krankenhaus starb. Noch grausamer, ja grauenerregend war ein anderer Fall. Ein junger SS-Mann aus dem Rheinland, der sich in Großlintach versteckt hatte, wurde verraten. Dem Gemeindeschreiber setzte ein Ami die Pistole auf die Brust, damit er aussage, wo der junge Mann versteckt sei. 15 Mann waren in einem Panzerspähwagen erschienen. Der Gemeindeschreiber Sagstetter wußte nichts und konnte sich mit den Ami auch nicht verständigen. Seit März 1945 wohnte ein aus Wien stammender Flüchtling, Baron Pawel-Ramminger in Hunderdorf. Er beherrschte die englische Sprache gut und konnte öfter vermittelnd eintreten. Dieser wurde geholt, er konnte die Lage klären, mußte aber dann mit Sagstetter dem Ami den Weg nach Großlintach weisen. Der junge SS-Mann wurde vor dem Hause des Landwirts erschossen und dort in der Erde verscharrt. Erst später konnte seine Leiche in den Friedhof nach Oberalteich überführt werden. Allmählich wurde das Leben friedlicher. In der verdienstarmen Zeit wurde die Errichtung neuer Betriebe von vielen begrüßt, so auch die Werkstätte, die sich die Firma Greiert im großen Saal des Gasthofes Sandbiller einrichtete. Im September 1946 verlegte der Holzwarenfabrikant seinen ganzen Betrieb von Bischofsreuth nach Hunderdorf und beschäftigte da 350-400 Angestellte. Herr Greiert trug sich sogar mit dem Gedanken in Lintach eine große Siedlung mit Kirche zu bauen, auch ein Krankenhaus wollte er errichten und den Betrieb dazu nach Lintach verlegen. Die Gemeinde sollte ein größeres Kapital zusteuern und eine Straße nach Lintach bauen. Es zeigte sich aber bald, daß Herr Greiert nicht imstande war, seine Pläne auszuführen.
1947
Die Not der Nachkriegszeit wurde immer bedrückender. Zu allem Elend kam eine große Kälte. Der Bezirksarzt stellte die Bedürftigkeit aller Kinder nach Gruppen fest. Es wurde ein Ausschuß gebildet, der aus Pfarrer, Bürgermeister und gewählten Mitgliedern bestand. Eine Schulspeisung für die Kinder wurde eingeführt.
Am 19. Dezember 1947 wurde Hunderdorf mit dem Ortsnetz an die Überlandzentrale angeschlossen. Vorher wurde eine Lichtgenossenschaft gegründet. Vor Weihnachten wollten die Ami den Schulkindern eine besondere Freude machen. Es sollte eine Weihnachtsfeier gehalten werden und im Rahmen derselben wollten sie Päckchen verteilen. Im Gasthof Baier führten dann die Kinder das Weihnachtsspiel: ,,Ein Stern geht im Osten auf“, auf. Jedes der 360 Schulkinder bekam ein Päckchen mit Schokolade und anderen damals ganz unbekannten Süßigkeiten. Wer dazu in der Lage war, mußte nachher dafür 2 RM bezahlen.
1948
Die ersten Tage waren überschattet von dem Tod des erst 57jährigen Bürgermeisters Johann Hornberger. Der damalige 2. Bürgermeister Karl Reiner von Lindenbrunn übernahm das Amt des 1. Bürgermeisters. Der 20. Juni brachte die Währungsreform in der ganzen Westzone. Der Umtausch von 60 RM in 40 DM machte mit einem Schlage alle gleich arm. Die Vermögenssummen, die genau angegeben werden mußten, wurden im Verhältnis 10:1 entwertet. Dadurch sollte der zu dieser Zeit in höchster Blüte stehende Schwarzhandel unterbunden werden. Gleichzeitig wurden Tausende von alten und erwerbsunfähigen Menschen um ihre Spargroschen gebracht. Eine Inflation mit anderem Namen. Das neue Papiergeld, ganz ohne künstlerischen Wert wurde in½, 1, 2, 5, 10, 20, 50 und 100 Markscheinen ausgegeben. Eine Zeitlang galten noch die 50 Pf. und die 10 Pf. Stücke den 10. Teil ihres ehemaligen Wertes.

EIN DORF WÄCHST
Die Währungsreform war der Schlußstrich unter eine dunkle, schicksalsschwere Zeit. Mit dem neuen Geld begann die neue Zeit.
Man war arm, aber man hatte wieder Boden unter den Füßen. Am 12. November 1948 holte das Lastauto von Berger in Steinburg aus der Glockengießerei Gugg in Straubing die neuen Glocken ab. Im Februar 1949 wurde das Gesetz zur Gewerbefreiheit erlassen. Dem zufolge erstanden neue Geschäfte. Die Krämerei Weinzierl wurde von einem Flüchtling Julius Weigl übernommen. Am 12. März wurde eine weitere Krämerei eröffnet, die siebte im Dorf. Ein Friseursalon entstand in Apoig und im August wurde hinter Klein-Schlosser ein Cafe eröffnet.
Da es im Dorf an einem geräumigen Saal fehlte, riß der Baierwirt die Kegelbahn ab und erbaute an ihrer Stelle eine 14 m lange, 10 m breite und 4 m hohe Halle. Später sollte in sie eine Theaterbühne eingebaut werden. Am 16. Dezember 1949 ertönten die Glocken zum ersten Mal mit elektrischem Geläut. In der alten Kirche wurden sie im Läuthäusl, das unter dem Turm war, geläutet, in der neuen Kirche mußte der Mesner jedesmal auf den Kirchenboden steigen.
1950
Ende März wurde das Kriegerdenkmal, das in den letzten Jahren sehr verwahrlost war, vom VdK ausgebessert und verschönert.
Für die Gemeinde wurde das Schulhausproblem aktuell. 4 Schulsäle waren für 370 Kinder viel zu klein.
Am 30. Juli wurde die Seelenkapelle, die als Leichenhaus umgebaut worden war, der allgemeinen Benützung übergeben. Der Widerstand der einheimischen Bevölkerung gegen ein Leichenhaus war von Anfang an groß.
1951
Die Errichtung einer Appreturanstalt stand zur Debatte. Das Wasser des Bogenbaches hat nur 4 Prozent Härtegrade. Für den Unternehmer war der Härtegrad des Wassers ausschlaggebend, für die Bevölkerung, besonders für die angrenzenden Grundstücksbesitzer fiel die damit verbundene Verunreinigung des Baches, der dann als Fischwasser unbrauchbar würde, ins Gewicht. Ein fachmännisches Gutachten bestätigte die Befürchtungen und damit scheiterte das Unternehmen.
Am 24. Oktober wurde beschlossen, die Brücke in Hofdorf als Betonbau auszuführen. Zur gründlichen Ausbesserung der Gemeindewege erwarb die Gemeinde vom Landwirt Bugl in Hofdorf 1 Tgw. Steinbruch.
1952
Im April wurde der Bau der Wasserleitung beschlossen. Der Kostenvoranschlag lautete auf 100 000 DM.
Von Schambach siedelte im Juni die Firma Skoula nach Hunderdorf über. Sie erwarb eine Baracke des früheren Greier-Betriebes und stellte dort Gebrauchsartikel her, vor allem für den Haushalt.
Der Neubürger Walter Myrtek eröffnete am 16. Juni ein Fuhrunternehmen. Ein Gemischtwarengeschäft wurde von Frau Anna Schötz eröffnet und bei Weinzierl in Apoig das Cafe.
1953
In ganz Niederbayern führten die Braunkohlenwerke von Schwandorf systematisch Bohrungen durch. Im allgemeinen stieß das Bohrgerät bei 50 m Tiefe auf Urgestein, in Hunderdorf konnte es bis zu 150 m vordringen. Die gesuchte Braunkohle fand man leider nicht.
Als am 12. März mit dem Bau der Straße nach Steinburg begonnen wurde, war es vor allem notwendig, die beiden, kaum mehr befahrbaren Brücken zu entlasten. Eine neue Brücke wurde erbaut, der Bach umgelegt. Mit dem Durchschneiden des weißen Bandes übergab Regierungsbaudirektor Dalcho die Brücke dem Verkehr. H. Dekan Kiermaier erteilte der Brücke die kirchliche Weihe. Bei der Einweihung wurden die Anwesenden von dem bis dahin verschwundenen und verschollenen Brückenheiligen St. Nepomuk überrascht. Zwei Handwerksleute hatten ihn entführt, renoviert und in der Nacht vorher heimlich aufgestellt. Sie wollten unerkannt bleiben, doch wo kann man etwas heimlich tun? Und nun: ,,St. Nepomuk, treib s’Wasser z’ruck!“

Die vorstehenden Aufzeichnungen sind Frl. Oberlehrerin Käthe Reitberger zu verdanken. 45 Jahre ihres Lebens stand sie im Dienst an der Jugend, davon 18 Jahre in Hunderdorf. Sie starb am 8. März 1957 in Straubing.
Hunderdorf hat wie kaum eine andere Gemeinde in den letzten 15 Jahren eine rapide Umschichtung erlebt. Es wurde aus einem kleinen unscheinbaren Dorf zur 2. größten Gemeinde des Landkreises, das Dorf selbst zu einer Ansiedlung von Geschäftsleuten, Angestellten und Arbeitern. Man möchte trotz aller Fortschrittsfreudigkeit fast dankbar sein, daß sich das Leben auf den umliegenden Höfen und Weilern vielfach noch in seiner ursprünglichen Art erhalten hat.


Hunderdorf liegt 333 m ü. M., also nur 15 m höher als die Donauebene.
Bis zur Donau beträgt die Strecke nur 5 km, im Westen und Osten steigen die Hügel von 390-430 m.
Die Bodengütezahlen schwanken im NWO zwischen 28-50, im Süden zwischen 50-63.
Die Gemeinde Hunderdorf umfaßt 526 ha Ackerland, 335 ha Wiesen und 124 ha Wald, insgesamt 1064 ha.
Bei der statistischen Landeszählung 1965 hatte es 1990 Einwohner. Diese Einwohnerzahl hat sich inzwischen wenig verändert, sie kreist ständig um 2000.
1939 waren noch 2/3 der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, 1962 nur noch 1/5.
Diese soziale Umschichtung ist begründet in den ortsansässigen Betrieben, besonders im Produktenwerk der Firma Nolte.
1962 besaßen noch 112 von 170 landwirtschaftlichen Betrieben weniger als 5 ha.
Diese kleinen Betriebe ließen sich nur halten, indem der Mann in die Arbeit ging und nach seiner Schicht der Frau bei der Bewirtschaftung der Landwirtschaft half.
Mehrere Besitzer kleiner Anwesen, haben in den letzten Jahren ihre Gründe verpachtet, es entstanden mehr Mittelbetriebe, die die Anschaffung rationeller Maschinen, ermöglichen.
1962 hatte Hunderdorf 365 Einpendler
272 Auspendler
192 Nahpendler
8o Fernpendler.
Viele kleine Anwesen, wie sie vor dem Kriege bestanden hatten, könnten heute keine Familie mehr ernähren. Daß es in Hunderdorf nicht zur Abwanderung kam, ist vor allem der Firma Nolte zu verdanken.

Durch Herrn Landrat Hafner wurde Herr Konrad Nolte 1949 auf den Landkreis Bogen aufmerksam gemacht. Unter 15 vorgeschlagenen Gemeinden konnte Hunderdorf durch Vermittlung von Herrn Landrat Hafner den Betrieb bekommen.
EIN „ WERK“ ENTSTEHT
Es gibt Menschen voll großer Ideen. Nur wenigen von ihnen ist es gegönnt, ihre Ideen zu verwirklichen. Für gewöhnlich ist es so, je lautstärker die Ideen verkündet werden, umso eher verrinnen sie im Sande. Zu diesen Menschen gehörte Werner Greiert. Im September 1946 war er nach Hunderdorf gekommen. Kinderspielzeug, Anhängsel und „Bayer. Dörfer“, stellte er in Mengen her. Es war damals eine willkommene Arbeitsmöglichkeit; denn auch Frauen und Mädchen konnten beim Bemalen beschäftigt werden. In der armen Zeit fanden diese Dinge guten Absatz. In Hunderdorf und Bischofsreuth hatte er zusammen 350-400 Arbeiter beschäftigt. Die großartigen Gemeinschaftsabende, die Weihnachts- und Geburtstagsfeiern machten auf die Bevölkerung einen imposanten Eindruck. Zuerst war der Betrieb nur im Saal des Gasthofes Sandbiller untergebracht, dann baute er in dessen Nähe Baracken, später Werkhallen.
Von der Spielzeugfabrikation ging er zur Herstellung kleiner Haushaltgegenstände und langsam auch zur Möbelherstellung über.
Die Gemeinde Hunderdorf sollte durch ihn „blühen und gedeihen“. Unter dem Motto „ Wir glauben“ nahmen seine Pläne Gestalt an. In der illustrierten Zeitung „Heute“ erschien unter dem Titel „Menschen mit Ideen“ 1947 eine Reportage über seine weitgespannten Pläne. Die Werkhalle baute Greiert mit einem Flüchtlingskredit von 30 000 DM. Seine dynamische Art hatte auf die Bevölkerung gewirkt und es war die Enttäuschung umso größer als nach der Währungsreform der finanzielle Zusammenbruch des Greiertschen Werkes kam. Alle seine Pläne fielen ins Nichts zurück. Die Angestellten und Arbeiter mußten nacheinander entlassen werden, da auch der bei der Gewerbebank Straubing aufgenommene Kredit nicht mehr ausreichte, die Betriebsunkosten zu decken. Der Betrieb war der Bank total verschuldet. Am 2. März 1951 verschied Werner Greiert auf einer Geschäftsreise nach München. Er starb an Herzschlag.
Am 15. März 1951 stellte die Fabrik „Greiert“ ihren Betrieb vollständig ein. Auch die Lehrlinge erhielten ihren Lehrvertrag gekündigt. Die Werkhallen wurden dem Verfall preisgegeben. Sie mahnen noch heute als Ruinen. Neben der Straße nach Straubing aber, ragt ein mächtiges Werk. Daß dieses segensreiche Werk in die Gemeinde kam, ist letzten Endes Werner Greiert zu verdanken. Die Ruinen seiner Werkhallen waren zum Verkaufe ausgeschrieben und der Besitzer der westfälischen Fabrik „Nolte-Möbel“, kam dadurch nach Hunderdorf. Er fand zwar nicht die Ruinen geeignet für ein neues Werk, erwarb aber ein unbebautes Grundstück auf dem Gelände zwischen Straubing und Hunderdorf.
Die Firma Nolte hatte seit 1948 im Bayer. Wald große Mengen an Rundholz gekauft und nach Westfalen verladen. Da für den enorm großen Holzverbrauch in den Werken keine Grundstoffbasis vorhanden ist, wurde für die rohstoffverarbeitende Abteilung ein Gelände in der hiesigen Gegend gesucht, um dem Rohstoff näher zu sein. Diese Verlegung wurde von vornherein mit dem Ziel unternommen, zu einem späteren Zeitpunkt alle nach Süddeutschland gehenden Fertigmöbel hier zu erstellen. Es wurden daher Erkundigungen über passende Fabrikgelände eingezogen. Im Oktober 1951 wurden, nachdem im letzten Moment die Grundstücksverhandlungen abgeschlossen werden konnten, die ersten Bauarbeiten begonnen. Es entstand zunächst das Sägewerk, anschließend die Fertigungshalle mit einem Ausmaß von 30 x 120 m. Zusätzlich wurden 6 Trockenräume mit je 20 qm gebaut. Begreiflicherweise waren die Anlaufschwierigkeiten für den Betrieb groß, da die meisten Beschäftigten erst auf ihre Arbeit vorbereitet werden mußten.
Nach einem schweren Start lief der Betrieb im August 1952 an. Ein Jahr später wurde das Kesselhausprovisorium von einem Neubau mit 300 qm Grundfläche abgelöst. Gerade diese Anlage war für das Werk von entscheidender Bedeutung. Mit der Kapazität des Dampfkessels steht oder fällt der Betrieb. Der alte Kessel von 95 qm Heizfläche wurde durch einen mit 150 qm Heizfläche ersetzt. Dieser Kessel, in der Fachsprache Warmwasserwälzer genannt, erzeugt Heißwasser bis zu 150 Grad. Dieses wird in einem Röhrensystem in die Werkgebäude geleitet, um dort eine für den Arbeitsprozeß nötige, konstante Temperatur von 20 Grad zu erzeugen. Hauptaufgabe des Heißwassers jedoch ist, die von einem Ventilator über die gerippten Heizröhren angesaugte Frischluft auf 100 – 120 Grad zu erwärmen und sie den Trockenkammern zuzuführen. Mit Hilfe dieser Heißluft wird hier Schnittholz in kürzester Zeit ausgetrocknet und zu einwandfreier Verarbeitung vorbereitet. Dieses Heißwasser, das bei diesem Vorgang nur einen geringen Temperatur- und Mengenverlust aufzuweisen hat, wird nun dem Kessel wieder zugeführt, wo es nach genügender Erwärmung seinen Kreislauf wieder antritt.
Äußerst ökonomisch verläuft auch die Anheizung des Kessels selbst. Starke Ventilatoren saugen schon an den Arbeitsplätzen Sägespäne und kleinere Holzteile an und drücken sie durch große Röhren in einen 4 m hohen Zyklon. Dort sinken die schweren Holzteile ab, während die Luft aus dem einen Windkamin entweicht.
Brand und Wiederaufbau
Nachdem der Betrieb angelaufen und die ganze Betriebsmaschinerie eingespielt war, zerstörte ein Großbrand vom 9. zum 10. Juni 1954 Werkhallen, Trockenkammern und Büroräume vollständig. Unverzüglich ging die Firma an den Wiederaufbau. Was hier die Belegschaftsmitglieder, Maurer und Zimmerleute, Mechaniker, Schlosser und Glaser in 2½ Monaten leisteten, war für hiesige Verhältnisse einmalig. Am 2. September lief die Produktion wieder, wie sie vor dem Großbrand gelaufen war. Da nun die Arbeit mit geschulten Kräften begonnen hatte, wurde auch gleich die Vergrößerung des Betriebes für die Möbelfertigung durchgeführt. Mitte November war die Betriebshalle fertig, sie war 165 m lang und 51 m breit. Ende November wurde eine Versuchsabteilung mit dem Bau von Fertigmöbeln beauftragt. Die Zahl der weiblichen und männlichen Arbeitskräfte wurde von 180 auf nahezu 300 erhöht.
Vom Rundholz zum fertigen Möbelstück
Ein Rundgang durch das Werk bringt eine Vorstellung des Arbeitsganges. Einen Großteil des 1 ½ km langen Werkgeländes nimmt der Holzlagerplatz ein. Hier sind einige tausend Festmeter Rundholz gestapelt. Weitaus größere Mengen Rundholz liegen noch auf Lagerplätzen des Bayer. Waldes. Täglich bringen einige Langholzfahrzeuge die Baumriesen an. Schon nach dem Abladen wird das Holz nach Qualität und Größe sortiert, und am Schnellgatter, das eine tägliche Schnittleistung von etwa 100 Festmetern aufweist, geschnitten. Hinter dem Sägewerk liegt eine Gleisanlage auf der mehrere Rollwagen das gestapelte Holz sogleich in die Trockenkammern bringen und damit den natürlichen Trockenvorgang auf großen, im Freien gestapelten Holzstößen erübrigt. Dieser Vorgang erspart nicht nur viel Zeit, sondern vor allem eine große Stapelfläche, die bei den großen Verarbeitungsmengen, unbedingt notwendig wäre. Durch die Trockenanlage, die sehr teuer, aber auch sehr modern ist, braucht das Holz vom Gatter weg nur mehr einmal angefaßt zu werden, da es nach Verlassen der Kammern sofort auf Fließbändern weiterverarbeitet wird. Sämtliche Gebäude auf dem langen Werksgelände sind so angeordnet, daß die einzelnen Arbeitsvorgänge ineinander greifen und das Material, das an keiner Stelle mehr zurücktransportiert wird, dabei schon in Fluß kommt. Dieser Fluß setzt sich vom Rundholz angefangen bis zum fertigen Möbelstück fort und geschieht nach einem genau festgelegten Arbeitsplan.
Nach der Trocknung wird das Holz in die verschiedenen Abteilungen über Geleise und durch Schiebetüren gefahren und in die betreffende Halle hineingebracht. In einer Halle wird das getrocknete Schnittholz zu Tischlerplatten verarbeitet.
In einer anderen Halle werden aus dafür schon vorher bestimmten Hölzern die Rohholzteile für die Möbelfertigung in Westfalen verarbeitet, in der 3. Halle geschieht die Fertigung der eigenen neuen Möbel, so daß am Ende des Betriebes aus 2 Hallen Rohteile und Tischlerplatten für die westfälische Produktion und aus der 3. Halle die fertigen Möbel zur Verladung kommen. Täglich stehen schwere Lastzüge mit Anhängern an den großen Schiebetüren der Südseite um die Erzeugnisse abzutransportieren.
Die Produktion im Werk Nolte, nahm durch Jahre laufend zu. 1961 konnten 600 Arbeiter beschäftigt werden. Die Folge war eine zwangsläufige Einengung in den Räumlichkeiten. Die Aufenthaltssäle und Sozialräume wurden notgedrungen zweckentfremdet. Ein neuer Erweiterungsbau mußte geplant werden. Im Frühjahr 1961 wurde damit begonnen. Die neue Werkhalle mit 225 m Länge und 20 m Breite wurde im Stahlbau ausgeführt. Sie ist mit ihren 4500 qm die größte zusammenhängende Halle des Werkes. Das abfallende Gelände ließ es zu, daß die Hälfte unterkellert werden konnte. Es wurde dadurch Platz für den Maschinensaal und für die Edelfurniererei gewonnen. Für Fundamente und Betondecke waren ca. 4000 cbm Kies und 240 000 kg Armierungsstahl notwendig.
Im September 1961 wurde der Bau dieser Halle vollendet und seinem Zweck zugeführt.
Vor der Jahrhundertwende war es eine Selbstverständlichkeit, daß Möbel aus Massivholz hergestellt wurden. Die vornehme Bürgerschicht ließ ihre Möbel aus edleren Hölzern wie Eiche, Buche, Esche und Lärche arbeiten. Die breite Schicht war mit dem gewöhnlichen Holz zufrieden, das dann angestrichen und masriert wurde. Masriert, die Maserung des Holzes auf Leimfarbe mit Lasur behelfs verschiedener Pinsel, nachgeahmt. Die masrierten Teile mußten dann lackiert werden, damit die Maserungsschicht geschont blieb. Allmählich führten sich furnierte Möbel ein. Gewöhnliches Holz wurde mit einer Furniere, einer dünnen Schicht aus Edelholz beklebt. Das Furnieren war für die Schreiner damals ein schwieriger und langwieriger Arbeitsprozeß. Er erforderte besondere Einrichtungen und eine große Sorgfalt.
Der steigende Wohlstand erforderte eine steigende Erzeugung. Das Holz mußte richtig abgelagert sein, das aber bei der stark wachsenden Produktion fast nicht mehr möglich war.
Rationelle Arbeitsweise, Verbilligung des Produktes und der zunehmende Mangel an guten Hölzern führten die Industrie zur Herstellung der Spanplatte. Hierzu kann gesundes Holz in jeder Größe und Menge verarbeitet werden. Das Holz wird zunächst zerkleinert und in einer Holzmühle eine bestimmte Spangröße erzeugt, die für die spätere Festigkeit der Spanplatte ausschlaggebend ist. Das Material wird sodann gesiebt und der Staub abgeleitet. In einem Trockner wird den Spänen die Feuchtigkeit entzogen, damit beim fertigen Produkt keine Verwerfungen auftreten können. Anschließend werden die Späne mit Leim bedüst und in einen Sammler geleitet. Von hier aus wird die notwendige Menge kontinuierlich in die Pressen abgeleitet.
Im Frühjahr 1962 wurde im Produktenwerk eine Halle zur Herstellung von Spanplatten gebaut. Die Spanplattenanlage arbeitet fast vollautomatisch. Die Spanplatten sind ausschließlich für die eigene Produktion, sowohl in Hunderdorf wie in Rheda bestimmt. Bei der Ausnützung der vollen Kapazität ist das Werk in der Lage täglich eine Spanplatte von 3 km Länge herzustellen.
Die Errichtung des Spanplattenwerkes brachte auch erhebliche, innerbetriebliche Umstellungen mit sich z. B. die Erweiterung der Stromversorgung, den Umbau der Energieversorgung, die Erweiterung der Heizkapazität, den Umbau der Energieversorgung, durch die Umstellung der Kesselanlagen auf Ölfeuerung. Rund 470 kw, die mit Elektromotoren installiert wurden, ergeben einen Strombedarf wie ihn ein mittleres Dorf braucht. Mit dem Heißwasserbedarf könnte eine ganze Reihe von Wohnblöcken versorgt werden. Fünf Maschinenfirmen aus ganz Deutschland leisteten Zubringerdienste. Manche Teile mußten mit Spezialfahrzeugen der Bundesbahn und mit Hebekränen an Ort und Stelle gebracht werden. Im Dezember 1962 wurde das Spanplattenwerk in Betrieb genommen.
Am 31. Juli 1963 brach wieder ein Großfeuer in der Möbelfabrik Nolte aus. Der Brandherd lag in der Lackiererei und in der Poliererei. Das Feuer konnte sich wegen der dort vorhandenen Nitrolackbestände, Nitrolackabfälle und der rasch brennenden Poliermittel mit Windeseile entwickeln. Ein Nachteil war, daß gerade Betriebsurlaub war, so daß die Werksfeuerwehr nicht so schnell wie sonst zur Stelle sein konnte. Das rasche Eingreifen der Hunderdorfer Feuerwehr und das Anrücken weiterer Löschzüge auch aus Bogen und Straubing, konnten das Übergreifen auf die anderen Werkhallen verhindern. Trotz der 10 Feuerwehren, die im Einsatz waren und der Feuerwehrmänner, die auch bei der größten Rauchentwicklung aushielten, kam es für das Werk zu einem Schaden von weit über 100 000 DM. Schweißarbeiten hatten das Feuer ausgelöst.
In unglaublich kurzer Zeit wurde die Halle wieder aufgebaut und die Produktion wieder aufgenommen.
Die Fa. Nolte-Möbel ist für Hunderdorf und die ganze Umgebung zu einem großen Segen geworden. Sie gab der arbeitswilligen Bevölkerung in der Heimat Arbeit und Brot. Eine Abwanderung wurde damit vermieden. Sie verhalf vielen Einheimischen zu einem gewissen Wohlstand, der Gemeinde zu großem Ansehen. Manches Projekt in Hunderdorf hätte nicht in Angriff genommen werden können, wäre nicht die Steuerkraft des Werkes, seiner Angestellten und Arbeiter als Rückhalt vorhanden gewesen.
Das Dorf wächst weiter
Das Dorf aus kleinem Kern gewachsen, hatte sich langsam, sehr langsam durch Jahrhunderte entwickelt, ist zur Lebens- und Schicksalsgemeinschaft geworden.
Es war für die Neubürger nicht leicht hier eine neue Heimat aufzubauen, doch sie akklimatisierten sich immer mehr und vermischten sich langsam mit der einheimischen Bevölkerung. Für die konservativen Hunderdorfer war es keine Kleinigkeit sich mit ihnen zu verstehen, doch Leid und Not halfen überbrücken und es wuchs langsam eine neue Gemeinschaft. Ganz anders ist die Situation wenn mit einem Schlage ganze Wohnblocks von Auswärtigen in einer Siedlung bezogen werden, sodaß sich von selbst eine eigene Gemeinschaft ergibt.
Das Produktenwerk machte eine solche Siedlung notwendig. Zunächst sollten zwischen Hunderdorf und Apoig auf einer Fläche von 1670 qm 6 Wohnhäuser mit 48 Zwei- und Dreizimmerwohnungen entstehen. Das Produktenwerk Nolte steuerte einen beträchtlichen Arbeitgeberbeitrag bei, die Wohnungsbaugenossenschaft, als der eigentliche Träger, verlangte, daß 12 Wohnungen für Lagerauflösungen frei gehalten werden.
Der Siedlungsbau war die Ursache, daß der Wasserleitungsbau nicht mehr hinausgeschoben werden konnte. Für Hunderdorf war der Zuzug von 140 Personen nicht unbedeutend. 40 Haushaltsvorstände von auswärts bezogen die neue Siedlung und 8 Familien aus der Gemeinde zogen ein. Im November 1952 bekam das Siedlungswerk seine kirchliche Weihe. Am 15. Januar 1954 waren weitere 6 Siedlungshäuser bezugsfertig. Nach den Bestimmungen durften mit den 20 heimatvertriebenen Familien nur 4 einheimische einziehen. 17 dieser Familien verdienten ihren Lebensunterhalt im Nolte-Werk. Weitere 10 Häuser wurden als Werksiedlung erstellt und wurden teils von Angestellten, teils von der Firma Nolte als Eigentümer übernommen.

Die in 3 Bauabschnitten erstellte Siedlung ist ebenfalls ein Werk des nimmermüden Herrn Landrates Hafner.
MEILENSTEINE IN DER ENTWICKLUNG
13 59 erster belegbarer Kirchenbau
1699 Kirchenbau an derselben Stelle im alten Friedhof 1857 Anbau der Kirche
1899 Renovation
1935 Kirchenneubau
SCHULE
1793 Fassion des Lehrers Michael Fuchssteiner. Schulstube ist Wohnstube des Lehrers im Mesnerhaus.
1821 Erbauung des ersten Schulhauses mit einer Schulstube. Lehrer Sebastian Fuchssteiner – Vorsteher Joseph Lerbl
1855 Schulhausneubau mit 2 Schulräumen. Lehrer Franz Schmatz – Vorsteher Bierl
1884 Erbauung des Mädchenschulhauses mit einem Schulsaal und einer Dienstwohnung (jetziges Gemeindeamt) Lehrer Franz Friedl- Vorsteher Joseph Wurm
1933 Erweiterung des Mädchenschulhauses: 4. Unterrichtsraum Lehrer Max Deinböck – Bürgermeister Frankenberger
1957 Richtfest am Schulhausneubau
1959 Einweihung der neuen Schule mit 8 Klassenzimmern, sowie Fach- und Nebenräumen Rektor Franz Hösl – Bürgermeister Reiner, 2. Bürgermeister OL. Maier
VERKEHR UND TECHNIK
1896 Eisenbahn
1960 Erweiterung des Bahnhofsgebäudes
1905 Telefonanschluß
1967 Errichtung der Telefonzellen im Ortsbereich.
STRASSENBAU
1826-35 Herstellung einer Brücke, Erhebung der dortigen Wegstrecke. Rep. 164 Verz. 15 Fasz. 98
1839-43 Gemeindeverbindungsweg von Hunderdorf über Apoig nach Windberg. Rep. 164 Verz. 15 Fasz. 100
1840-41 Hand- und Spanndienst für Wegemachen Rep. 164 Verz. 15 Fasz. 50
1844 Distriktstr. Bogen-Hunderdorf-Steinburg
1844-62 Gemeindeverbindungsweg von Hunderdorf nach Ehrn
1854 Weg von Hunderdorf über Gaishausen nach Ehrn
1859 Distriktstraße Hunderdorf-Steinburg-Haggn-Obermühlbach Englmar.
1820-37 Vizinalstr. von Bogen über Hunderdorf-Haggn-Englmar nach Viechtach. Rep. 164 Ver. 15 Fasz. 98
1870-71 Straße Bogen-Hunderdorf
1896 Straße Bogen-Hunderdorf, Legen eines Grundbaues
1897 Straße Bogen-Hunderdorf
1900 Straße Bogen-Hunderdorf mit Korrektion in Eglsee
1959 Straße beim neuen Friedhof erweitert
1959 Teil der Straße im Baugelände der Bahnhofssiedlung befahrbar gemacht
1961 Ortsteerung und Siedlungsteerung mit Hand- und Spanndienst
1961 Teerung des Bahnhofsplatzes
1962 Teerung der Straße Hunderdorf—Windberg durch den Kreis
1962 Teerung der Ortsstraße Hunderdorf/West
1962 Teerung Straße Apoig in Richtung Windberg
1962 Zufahrtsstraße zur Eichenfeldsiedlung
1963 Straße Hunderdorf—Lintach
1964 Ausbau der Anschlußstraße nach Lintach beim Feuerlöschteich.
1964 Ausbau der Straße zur Hochfeldsiedlung
1964 Teerung der Wege zur Kirche und der Vorplätze vor Schule und Gemeindeamt.
1966 Errichtung eines beidseitigen Bürgersteiges entlang der Bahnhofstraße bis Bahnhof.
1967 Parkplätze beim Feuerlöschteich und vor dem Gemeindeamt.
1968 Straße nach Thananger
1968 Industriestraße zum Möbelwerk Nolte
1968 endgültiger Ausbau und Teerung der Straße vom Bahnhof zum und im Siedlungsgebiet (Baugelände Bahnhofsiedlung)
BRÜCKENBAU — KANALISATION — WASSERLEITUNG
1826-35 Herstellung einer Brücke zu Hunderdorf Rep. 164 Verz. 15 Fasz. 98
1870-71 Verlegung der Brücke Rep. 169 Verz. 1 Fasz. 49
1953 Einweihung der neuen Brücke
1968 Erbauung einer neuen Brücke in Richtung Windberg durch den Kreis
1962 Projektierung einer Kanalisation
1965 Kanalisation — Ausbau eines Teilstückes in der Bahnhofsiedlung 268 000 DM
1840 Wasserleitung Hunderdorf—Windberg, gemeinsame Tag- und Nachtwachen Rep. 164 Verz. 15 Fasz. 50
1952-53 Bau der Wasserleitung über Windberg nach Hunderdorf
1962 Gründung des Wasserzweckverbandes „Bogenbachtalgruppe“
1962 1. Tiefbrunnen angeschlossen, Bohrung 1961
1962 2. und 3. Tiefbrunnen gebohrt
1965 Maschinenhaus am Tiefbrunnen in Betrieb einschließlich Aufbereitungsanlage
1966 Einweihung der Wasserversorgungsanlage
LICHTVERSORGUNG
1925 Elektrisches Licht von der Mühle Apoig
1947 Anschluß an die überlandwerke (Obag)
1954 Ortsbeleuchtung
1961 Neue Ortsbeleuchtung ferngesteuert
1967 Erweiterung der Ortsbeleuchtung in Hunderdorf und Bahnhofstraße
1968 Erweiterung der Ortsbeleuchtung in Bahnhofsiedlung und Hofdorf
FINANZWESEN UND VERWALTUNG
1916 Gründung des Spar- und Darlehenskassenvereins
1956 Filiale der Kreissparkasse Bogen wird errichtet
1964 Die Raiffeisenkasse wird mit dem Lagerhaus hauptamtlich verwaltet
1959 Umbau des Mädchenschulhauses zum Gemeindeamt
1963 Innenrenovierung
1966 Modernisierung
SOZIALE EINRICHTUNGEN
1959 Kindergarten errichtet
HILFSORGANISATIONEN
1872 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
1967 Feuerwehrgerätehaus neu erbaut, Weihe des Mannschaftslöschfahrzeuges LF 8
1958 Gründung der Rot-Kreuzgruppe
SIEDLUNGSBAU
1951 1. Siedlung der gemeinnützigen Baugenossenschaft
1953 2. Siedlung der gemeinnützigen Baugenossenschaft
1954 3. Siedlung der gemeinnützigen Baugenossenschaft
KIRCHLICHE GEBÄUDE UND EINRICHTUNGEN
1835 Erbauung des Pfarrhofes an Stelle des hölzernen
1963 Renovierung und Modernisierung
1950 Seelenkapelle wird Leichenhaus
1965 Neues Leichenhaus erbaut
1957 Neue Friedhofanlage
1966 Jugendheim St. Wolfgang erbaut
EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE
1963 Bau der Friedenskirche
1964 Gemeinderaum und Mesnerwohnung werden angebaut
ERINNERUNGSMALE
1919 Kriegerdenkmal errichtet
1964 Kriegerdenkmal verlegt und umgestaltet
1966 Floriansbrunnen

EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE
Im 16. Jahrh. galt der Satz: ,,Cuius regio, eius religo“, d. h. wem das; Land gehört, der bestimmt seine Religion. So kam es, daß zur Zeit der Glaubensspaltung der neue Glaube vor den Toren Niederbayerns Halt machte. Da die bayer. Herzöge, die später das Königreich begründeten, am alten Glauben festhielten, blieb Niederbayern katholisch.
Hunderdorf war eine rein katholische Ortschaft bis zum 2. Weltkrieg. Mit den Evakuierten und Heimatvertriebenen erst kamen Angehörige anderer Konfessionen in die Gegend.
Die Not der Kriegs- und Nachkriegszeit half die Glaubensunterschiede überbrücken und was einst unmöglich schien, wurde zur Selbstverständlichkeit.
,, Wir haben schon zu lange gegeneinander gebetet,
Wir sollten uns endlich überzeugen, daß wir an denselben Gott glauben.“
Aus dieser Gesinnung heraus erwuchs die Friedenskirche, die von der evangelischen Gemeinde in Hunderdorf erbaut wurde.
Am 9. September 1963 wurde mit dem Bau begonnen und am 22. September der Grundstein gelegt. Pfarrer Sommer, der Initiator des Kirchenbaues verlas bei der Feierstunde die Urkunde mit folgendem Wortlaut:
Urkunde
Im Jahre 1945 als durch die Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten viele Schlesier, Ostpreußen und Angehörige anderer deutschen Ostseestämme in das Gebiet des Bayerischen Waldes und des Vorwaldes einströmten entstand auch in Hunderdorf eine evangelische Gemeinde.
Diese Gemeinde wurde von Straubing versorgt.
Durch das Entgegenkommen des katholischen Pfarrers und der Gastwirtsleute Sandbiller, konnten Gottesdienste in der katholischen Pfarrkirche in der Kapelle in Hofdorf und im Saal des Gasthofes Sandbiller gehalten werden.
Wegen der fehlenden Berufsmöglichkeiten mußten im Laufe der Jahre viele unserer Glaubensgenossen wieder abwandern.
Doch durch die Ansiedlung der Möbelfabrik Nolte wurde diese Abwanderung beendet und kamen mit dieser Fabrik wieder neue Familien her.
So hat sich eine kleine evangelische Gemeinde am Ort gebildet.
Für diese Gemeinde soll die Kapelle, zu der wir heute den Grundstein legen, eine kirchliche Heimat sein.
Wir danken es dem evangelischen Kirchenrat und allen weltlichen Behörden, daß wir diesen Bau erreichen konnten.
Die Planung für diese Kapelle hat Herr Architekt Franz lichtblau, München, erstellt.
Die örtliche Bauausführung steht unter der Aufsicht des Herrn Architekt Pfeiffer Bogen und wird von der Firma Hans Schuhbauer Bogen getätigt. Am heutigen Tag ist Bischof unserer Bayerischen Landeskirche D. Hermann Dietzfelbinger, der Kreisdekan ist Herr Oberkirchenrat Wilhelm Koller, der die Grundsteinlegung vornimmt ist Dekan Rudolf Meiser, der Pfarrer der Kirchengemeinde Bogen ist Hans Sommer. Bundespräsident ist Heinrich Lübke, Bundeskanzler Konrad Adenauer, Ministerpräsident ist Alfons Goppel, Landrat des Landkreises Bogen ist Xaver Hafner und Bürgermeister der Gemeinde Hunderdorf Karl Reiner.
Jesus Christus gestern – heute – und derselbe auch in Ewigkeit.
Der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Bogen.
Bogen, den 22. September 1963
das evang.-luth. Pfarramt Bogen, Hans Sommer, Pfarrer
Diese Urkunde wurde in einer Kupferkapsel in den Grundstein gelegt, dazu ein Gesangbuch, ein Satz Pläne, eine Tageszeitung und die üblichen Münzen.
Am 22. Dezember wurde der Kirchenbau mit der feierlichen Weihe, seiner Bestimmung übergeben.
Die katholische Kirchengemeinde stiftete als Zeichen brüderlicher Verbundenheit das Kreuz für den schlichten Altarraum.
Im Juni 1964 wurde neben der Kirche im 2. Bauabschnitt der Pfarrsaal und die Mesnerwohnung erstellt und im 3. Bauabschnitt erhielt die schmucke Kapelle noch einen Glockenturm.
Am Brunnen vor dem Tore konnten die Hunderdorfer nie singen. Sie hatten ihre Wiedenbrunnen und mehrere Häuser hatten von ihm die Wassergerechtigkeit. So stand ein Wiedenbrunnen bei dem heutigen Anwesen Knott, der Hofbauer hatte seinen eigenen Brunnen, auch beim Mesnerhäusl war ein Brunnen und bei dem jetzigen Anwesen Schätz gab es einen Pumpbrunnen, aber die Romantik des Dorfbrunnens fehlte. Zu hart waren sie geprägt und zu herb war ihre Lebensweise, als daß sie nach Feierabend am Dorfbrunnen sich versammelt hätten zu frohem Tanzen und Singen.
Ihre Brunnen waren einfach, meist aus Holz oder Stein. Sie hatten nicht den künstlerischen Wert wie der gotische Samariterbrunnen aus dem Jahre 1513, der noch im Klostergarten in Windberg erhalten ist. Auf dem Brunnen sind Christus und die Samariterin dargestellt.

Unweit d:eses Brunnens ist einer der seltenen „Schalensteine“ mit 9 Vertiefungen, in denen man im Mittelalter Kerzen für die verstorbenen Fremdlinge zu opfern pflegte.
So lange die Bevölkerungszahl nicht wesentlich zunahm und die natürlichen Quellschüttungen ihre Kraft behielten, ging alles gut. Freilich in heißen Sommern gab es oft Wassernot, die Brunnen trockneten ein, Mensch und Vieh mußten dürsten. Im Winter, wenn die Kälte gar so grimmig wurde fror der Brunnen ein und mußte mühsam aufgetaut werden.
Schlimm war es wenn Reparaturen notwendig wurden oder wenn die Quelle versiegte und ein neuer Brunnen gegraben werden mußte. Zuerst wurde der Rutengänger geholt, der mit seiner Wünschelrute eine Wasserader suchen

mußte. Und dann das Ausschachten, das Ausmauern und was alles dazu gehörte. Der Beruf des Brunnenmachers, ein wahrhaft gefährlicher Beruf! Schon im Krieg und noch mehr nach dem Kriege, als die Einwohnerzahl durch die Flüchtlinge stieg, wurde der Wassermangel zur ständigen Sorge.
Im April 1952 entschlossen sich die Gemeindeväter zum Bau der Wasserleitung, 100 000 DM sollte der erste Bauabschnitt kosten. Der Staat gewährte 65 000 DM Zuschuß, 10 000 DM sollte die Grundförderung erbringen, 20 000 DM die Eigenleistung und 15 000 DM mußten als Darlehen aufgenommen werden.
Im August 1952 war der Bau von Windberg her schon so weit fortgeschritten, daß nur noch die Verlegung durch den Bach fehlte. Diese mußte hinausgeschoben werden, da der Bach gerade Hochwasser führte.
Der Wasserleitungsbau war für Hunderdorf besonders schwierig, da es in der Gemeinde selbst an geeigneten und ergiebigen Quellen fehlte. Bei Farnloh mußten deshalb drei Quellen zusammengefaßt und dort ein Quellsammler erstellt werden. Von dort aus wurde das Wasser in die Entsäuerungsanlage nach Windberg geführt und dann in den Meß- und Unterbrecherschacht weitergeleitet. Allein bei diesen Arbeiten wurden ca. 4200 cbm Erdbewegungen gemacht und mehr als 50 cbm Beton verarbeitet. Vom Unterbrecherschacht aus wurde dann eine Rohrleitung über Apoig nach Hunderdorf geführt. Auf dieser Strecke mußten 48 Hausanschlüsse abgezweigt werden.
Der zweite Bauabschnitt schloß die Versorgung des übrigen Ortsteils und des Produktenwerkes ein. Im Zuge des 2. Bauabschnittes wurde in Ried ein Hochbehälter erstellt. Die Wasserversorgung geschah nun durch 3 Quellen, von denen die eine beim Feiertagshof 16 Liter in der Minute ergab, die beiden anderen im Haimerlhof 36 Liter in der gleichen Zeit.
Im Windberger Hochbehälter wurde das Wasser durch die Filtrierung durch Marmorkies verwendungsfähig.
Der Windberger Behälter hatte eine Kapazität von 100 cbm.
Um den Bedarf für Hunderdorf zu sichern, zeigte es sich als notwendig einen eigenen Hochbehälter anzulegen.
Im Frühjahr 1954 wurde das ganze Bauvorhaben abgeschlossen und die Hunderdorfer brauchten ihr Wasser nicht mehr in Eimer pumpen, sondern konnten den Hahn aufdrehen und sich des sprudelnden Wassers freuen. Manche stille „Häuschen“ verschwanden aus dem Ortsbild, aber manch Konservativer blieb der alten Gewohnheit treu. Die Hunderdorfer sind an das Sparen gewöhnt und warum auch noch dafür Geld ausgeben.
Sparen und Darlehen, das waren für die Hunderdorfer wahrlich keine Fremdwörter und so fiel die Idee Raiffeisens schon 1912 auf guten Boden und es wurde von 16 Männern der Spar- und Darlehensverein gegründet. 1818 wurde Friedrich Wilhelm Raiffeisen geboren. Er hat mit seinen Ideen, die für Hungersnot und Überfluß galten, Vertrauen auf die Bauernhöfe und in die Dörfer gebracht. 1867 gründete er einen Hilfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte. Die Bauern griffen damit zur Selbsthilfe. Schon 1864 war mit der Gründung und dem Aufbau des Darlehenskassenverein Hadersdorf ein Markstein in der Entwicklung der Ideen Raiffeisens gesetzt worden.
Den 150. Geburtstag Raiffeisens feierte man nicht nur in Deutschland, sondern in über 50 anderen Ländern, in denen seine Idee Nachahmung fand. Als in Hunderdorf 1962 das 50jährige Gründungsfest gefeiert wurde, konnte es keiner der Gründer mehr mitfeiern. Laut Protokollbuch unterzeichneten am 7. Januar 1912 folgende Mitglieder:
Johann Maier
Alfons Steckler
Albert Laschinger
Michael Eckl
Xaver Barth
Xaver Gütlhuber
Johann Falter
Sixt Michael
Michael Feldmer
Wolfgang Gruber
Johann Fuchs
Joseph Kraus
Ludwig Poiger
100 Mitglieder zogen unter den Klängen der Musik zum Gotteshaus, wo für die verstorbenen Mitglieder ein Gottesdienst gehalten wurde.
In Hunderdorf hatte der Raiffeisenverein, wie er heute heißt, schon viele Jahre ein Lagerhaus und früher auch den „Dampf“.
Das Lagerhaus wurde nebenamtlich betreut und war dadurch nicht mehr konkurrenzfähig. Das alte Gebäude war baufällig geworden, man hatte es durch ein neues ersetzt, aber es fanden sich nicht die entsprechenden Kräfte zur Verwaltung. Der Verband entschloß sich das Lagerhaus hauptamtlich zu besetzen. Im Sommer 1963 wurde das Dach des Lagerhauses gehoben und eine Dienstwohnung für den Verwalter eingebaut. Im Erdgeschoß wurde ein Büro eingerichtet und die Lagerräume umgestaltet. Im Büro werden Der Dampf ist da! Die Drescher werden vom ganzen Hof empfangen. 1912 nicht nur Ein- und Ausgaben verbucht, sondern es ist zum Geldinstitut für die ländliche Bevölkerung geworden.
1964 wurde der Umbau abgeschlossen und damit auch in dieser Hinsicht ein Schritt nach vorne getan.

Der Dampf ist da! Die Drescher werden vom ganzen Hof empfangen. 1912
Bereits 1956 hatte die Kreissparkasse Bogen in Hunderdorf eine Zweigstelle errichtet. Der ehemalige Viehstall des Viehhändlers Wurm wurde umgebaut und geschmackvoll eingerichtet.
Am 15. Oktober 1956 war die offizielle Einweihung. Herr Dekan Kiermeier sprach am Schluß der Feierstunde über den Konflikt des Priesters bei der Einweihung eines Geldinstitutes, der aber dort zur Fiktion werde, wo sich das Geld zum Wohle des Menschen auswirkt.
DER „MÜHLHIASL“

Was wäre eine Heimatgeschichte von Hunderdorf ohne den Mühlhiasl? Viele haben die Ortsnamen Hunderdorf und Apoig nur im Zusammenhang mit ihm gehört.
Es war von je ein Rätselraten um den Mühlhiasl. Schon viel wurde über ihn geschrieben und nachgeforscht und doch weiß man von ihm nur, daß es ihn eben gab. Er selbst, noch seine Zeitgenossen, konnten weder lesen noch schreiben und die Klosterherren des Klosters Windberg, hätten wegen des Mühlhiasl, obwohl sie dieser Kunst schon lange mächtig, gewiß keine Feder in die Tinte getaucht.
Pfarrer Landstorfer war lange Jahre Pfarrer in Pinkofen und starb 1949 in Oberalteich. In Pinkofen lernte er Pfarrer Mühlbauer kennen. Dieser war von 1887-1904 Pfarrer in Oberalteich und starb am 18. Mai 1921 mit fast 94 Jahren. Pater Isfried Mühlbauer war ein Onkel von ihm und zur Zeit der Säkularisation Prämonstratenser in Windberg. Also zu einer Zeit, da der Mühlhiasl noch lebte. Der Vater des Pfarrers Mühlbauer soll ein spezieller Freund vom Mühlhiasl gewesen sein. So dürfte die Forschung von Pfarrer Landstorfer auf eine ziemlich sichere Quelle zurückgehen.
Pater Norbert Backmund aus dem Kloster Windberg, hat in seinem Buch „Hellseher schauen die Zukunft“ den Hellseher Matthias Lang vulgo Mühlhiasl einer kritischen Würdigung sowohl nach seiner Person, als auch seiner Gesichte, unterzogen.
Paul Friedl, genannt Baumsteftenlenz, verquickt in seinem Roman „Waldprophet“ den Mühlhiasl mit einem anderen Seher aus der Zwieseler Gegend. Mag sein wie es wolle … der Mühlhiasl hat gsagt …
Es ist in unserer Gegend noch heute Sitte, wenn man etwas erzählt oder bestätigen will, fängt man an: ,,Der Schmied von Hofdorf hat immer gsagt“ … Da man ja die Leute durch die Überlieferung auch dem Charakter nach kannte, wußte man gleich wie die Rede zu bewerten sei. Jedenfalls dürften viele Überlieferungen aus der Vorradiozeit glaubwürdiger sein, als vieles, das heute oft „geschrieben“ steht.
Es galt damals noch das Wort. Sicher kam es zu Drehungen und Wendungen und durch den verschieden ausgesprochenen Dialekt auch oft zu Entstellungen. Aber was tats … der Mühlhiasl hat gsagt !
Lange Jahre war er in Vergessenheit geraten und erst als der Zug um die Jahrhundertwende durch den Wald fuhr, erinnerte man sich wieder lebhaft des alten Waldpropheten und Sehers. Die hier angeführten Voraussagen stammen zum Teil aus den Sammlungen der Pfarrer Landstorfer, z. Teil direkt aus dem Volk.
„Ihre lebt allweil aus der Zeit, und wer in der Zeit lebt, schaut über seine Füß nicht hinweg. Mich aber hat der Herr herausgenommen aus der Zeit, daß ich schaun kann was kommt, als wärs schon da. Es kommt eine Zeit, da werden die Leut allweil gscheiter und allweil narrischer, das ist die erste Zeit. Wenn sich d’Bauersleut gwanden wie die Städtischen und die Städtischen wie d’Narren, wenn d’Bauern mit gwichste Stiefl in d’Miststatt neistehn, d’Hennerl und d’Gäns selber fressen, wenn d’Weiberleit Schuhwerk tragn, daß man sie wie d’Geißn spürt, wenn die roten Hausdächer aufkomma, nacha is nimmer weit. Wenn die schwarze Straß von Passau heraufgeht, wenn die eiserne Straß über die Donau herüberkommt und ins Böhm nei lauft, wenn der eiserne Hund von der Donau heraufbellt, wenn d’Wägn ohne Roß und Deichsel fahren, wenn d’Leut mit zweiradrige Karrn fahrn, so schnell, daß kei Roß und kei Hund mitlaufa kann, wenn d’Leut wie die Vögl in der Luft fliegen, wenn ein großer weißer Yogi kommt übern Wald her, nacha is nimmer weit, nacher is die Zeit bald da.
Ein grausamer Krieg wird ausbrechen. Blutrot wird es zugehen. Sogar die Totenschädel werden noch keine Ruhe geben und aufeinander keifen und einander beißen. Ein rauschendes Blutbachl wird getal rinnen, das wird die morschen Mühlräder wieder aufschrecken, die im Geröll ausgetrocknet und in wildklustigen Rinnen erdürstet sind.
Die Mühlräder werden auf ein Zeitl nochmals zu werkeln anfangen und die grauen, steinmüden Mühlen für ein Weierl wieder wackeln.
Hernach werden die Mannsbilder so wenig sein, daß sie mitsammen unter einer Birke stehen können. Neunundneunzig Weiber werden um einen einzigen Mannshaxen raufen. Wer eine Krowittstaudn sieht, geht drauf los, als wenns ein Mensch wäre.
S’Geld wird keinen Wert mehr haben. Um 200 Gulden wird man keinen Laib Brot kriegen. S’Gold geht zu Eisn. Um ein Goldstück kann man noch einen Bauernhof kaufen. Geld wird gemacht so viel, daß man’s gar n:cht mehr kennen kann. Wenn’s gleich lauter Papierflanken sind, kriegen die Leut nicht gnug davon. Auf einmal gibts keines mehr. Balds angeht is einer übern andern, raufen tut alles. Wer was hat, dem wird’s gnommen, in jedem Haus is Krieg. Jeder wird einen anderen Kopf haben. Die reichen und noblen Leut werdn umbracht, wer feine Händ hat, wird tot g’schlagn. Der Stadtherr lauft zum Bauer aufs Feld und sagt: ,,Laßt mich ackern!“ Der Bauer schlägt ihn mit der Pflugreuthn …
Der Glaube wird so klein werdn, daß man ihn unter einen Hut hineinbringt. Den Herrgott werden sie von der Wand reißen und in Kasten einsperren. Die Kleinen werden groß und die Großen klein. Den Bettelmann wird der Teufl nicht derreiten können. Die Mannsbilder werden sich tragn wie die Weiberleut und die Weiberleut wie die Mannsbilder, daß man sie nicht mehr auseinander kennt. Die Bauern werden sich hohe Zäun ums Haus machen und aus dem Fenster auf die Leut schießen. Zuletzt werden sie noch Steine zu Brot backen und betteln gehn. Über die Brück, den schwarzen Regen, werden Soldaten reiten, über den Hühnerkogl, den Falkenstein und den Rachel werden sie kommen und rote Janker werden sie anhaben. Und dann kommt das große Abräumen. Das Bayernlandl wird verheert und verzehrt, s’Böhmerlandl mit dem Besen auskehrt. Wo heut Dörfer sind, werden Schutthaufen, Trümmer und Steinhaufen liegen. Aus den zerbrochenen Häusern und gestürzten Gebäuden werden Fichten und Tännlinge wachsen und Birken und Vogelbeeren aufschießen und aus den Fensterbrüsten die Brennessel und Brombeeren wuchern. Kirchen, Kapellen und Beinhäuser werden Roßställe und Gesindelunterschlupf sein und zu Fuchs und Wolfshütten werden. Überall werden wieder die Wölfe und Bären daheim sein und scheusam grunsen. Der Wald wird öd und licht werden, wie des Bettelmanns Rock. Auf jeden Stein wird ein Jäger sitzen und vom Hühnerkogl bis zum Rachl wird man durch keinen Wald mehr gehen brauchen.
Wenn’s aber einmal kommen, muß man davonlaufen mit drei Laib Brot. Wenn man beim Laufen einen verliert, darf man sich nicht bücken, muß man ihn auch hintlassn – und kanns auch mit einem noch aushalten. Wer’s überlebt muß einen eisernen Kopf haben. Die Kinder werden es nicht erleben und die Kindeskinder auch nicht, aber denen ihre Kinder gewiß. Wenn der eiserne Hund unten von Klautzenbach bellen wird, dann kommt der große Krieg. Wenn man auf den Bergen steht, wird man im ganzen Wald kein Licht mehr sehn. Wenn man herüber der Donau noch eine Kuh findet, der muß man eine silberne Glocke anhängen, ein Roß, dem muß man ein goldenes Hufeisen hinaufschlagen. Im Wald krähn noch die Gickerl.
Der Hirt wird seinen Stecken in den Boden schlagen und sagen: ,,Hier ist ein Dorf gestanden.“ Auf d’Letzt wird ein gestrenger Herr kommen und den armen Leut die Haut abziehen.

Apoiger Mühle. In ihr lebte, arbeitete und sinnierte der Waldprophet.
Wer war nun der Mühlhiasl, der so viel Trauriges und Schauriges prophezeit hat? Von dem auch manches schon in Erfüllung ging. Nach der Überlieferung lebte der Mühlhiasl von Mitte des 18. Jahrhunderts bis Anfang des 19. Jahrhunderts, in den beiden Klostermühlen der Prämonstratenser. Nach den Hunderdorfer Pfarrbüchern saß tatsächlich 1795 ein Matthias Lang als Klostermüller auf der Apoiger Mühle. Er war seinem gleichnamigen Vater gefolgt und seit 1788 mit Barbara Lorenz von Racklberg verheiratet. Von 1789-1800 stehen von ihm 8 Kinder verzeichnet. Die Apoiger Klostermühle wurde 1799 von Abt Joachim von Windberg an einen Matthias Lang verstiftet, der aber schon längere Zeit dort beschäftigt war. Die Summe, die er dafür zu entrichten hatte, wurde ihm „armutshalber“ auf 75 Gulden herabgesetzt, die er in 5 Jahresraten, abzahlen sollte. Nach 2 Jahren hatte er noch keinen Kreuzer davon bezahlt. Da der neugeweihte Abt überall mit der Mißwirtschaft aufräumte, die unter seinem Vorgänger geherrscht hatte, so wurde auch Matthias Lang, mit dem man auch sonst in vielen Dingen unzufrieden war, seines Amtes als Klostermüller 1801 enthoben. Die Apoiger Mühle bekam nun ein Lettl und auf die Klostermühle kam ein Vetter des Mühlhiasl, ein Georg Lang.
Vermutlich hat Hiasl nach seiner Entlassung eine Zeitlang bei seinem Vetter gelebt und sich von da an, als Mühlrichter betätigt.
Auch der Überlieferung nach, war Hiasl nicht besonders arbeitsam, sondern war lieber auf Wanderschaft. Nachdem er von der Klostermühle gekommen war, hat er sich einem unsteten Wanderleben hingegeben und sich als „Mühlenarzt“ betätigt. Seine Familie stand ihm dabei nicht im Wege, entweder wohnten sie als „Inwohner“ oder hatten ein eigenes „Häusl“ und fristeten als „Häuslleut“ ihr Leben. Da der größte Teil der Hunderdorfer damals ja sehr arm war, fiel dabei Hiasls Familie nicht auf. Zwischendurch soll er auch an der Klosterpforte gebettelt haben. Da ihn der Pförtner fortschickte und meinte, er solle lieber arbeiten als betteln und den Leuten alles Mögliche vorsagen, da hat der Hiasl geantwortet: „Ich gehe, aber ihr müßt noch davonlaufen.“ Unrichtig ist die überlieferte Folgerung. Man erzählt sich, die Patres hätten bei der Säkularisation so schnell aus dem Kloster fort müssen, daß 2 Patres, die in Gaishausen beim Fischen waren, nicht mehr in ihr Kloster zurück konnten.
Die Patres wurden nicht mit Gewalt aus dem Kloster getrieben. Die Aufhebung des Klosters kam auch nicht so überraschend für sie; denn schon ein halbes Jahr vorher, wußten sie, daß nichts mehr zu retten sei und daß ein gewaltsames Widersetzen vollkommen sinnlos wäre. Ein Teil der Patres lebte noch fast ein Jahr in Miete bei dem neuen Besitzer. 1799 fand im Kloster eine Visitation statt. Alle Konventualen und Klosterbediensteten wurden verhört, der Hiasl gehörte damals auch zu ihnen. Bei diesem Verhör hat er keine Prophezeiung ausgesprochen. (Hätte er es getan, so wäre das die einzige aufgeschriebene geworden). Zeit und Ort des Todes von Mühlhiasl sind nicht bekannt.
Nach der Überlieferung ist er in der Klostermühle gestorben. „Ich komme euch tot noch aus“, soll der Hiasl gesagt haben. Bei seiner Beerdigung war das Wetter sehr schlecht, die Feldwege naß und glitschig. Nach damaliger Sitte wurde der Tote im Haus aufgebahrt, erst vor dem Begräbnis wurde die Leiche zum Friedhof getragen. Die Hohlgasse durch und den Berg hinunter hatten es die Träger mit dem Hiasl nicht leicht und plötzlich kamen sie ins Rutschen, der Sarg kippte und der Hiasl kam ihnen tatsächlich aus. Er kugelte die Höhe hinunter und die Träger hatten Mühe ihn einzufangen. Daß Hiasl in der Klostermühle starb, ist nicht ausgeschlossen, wurde sie doch von seinem Vetter bewirtschaftet.
Um den Mühlhiasl wie er gelebt hat und wie und wo er gestorben ist, wird es immer ein Rätselraten bleiben. Sicher ist, daß er einer der originellsten Gestalten des Vorwaldes war. Seine Voraussagen passen sich seiner Zeit an und würden heute in vielem anders lauten. Schade ist, daß seine Prophezeiungen so viel von ihrer Würze verlieren, wenn sie geschrieben und nicht in der heimischen Mundart erzählt werden.
UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNs HEUTE
Wenn in unserem Dorfe sich auch vieles geändert hat, das Leben in den Höfen und Weilern blieb sich in vielem gleich. Trotz der Industriealisierung und der fortschreitenden Entwicklung kann man überall noch eine gewiße Bodenständigkeit feststellen. Das einst rein bäuerliche Blut fließt eben doch noch in den Adern und rührt sich, wenn es um Väterglauben und Vätererbe geht.
So gehört in jede Stube der Herrgottswinkel. Am Kreuz steckt die Palmgertn und neben der Stubentüre hängt der Weihbrunnkessel.
Manche Familie ist der alten Sitte treu geblieben und betet noch gemeinsam den Tischsegen und das abendliche Familiengebet.
Unsere Vorfahren, die so hart mit ihrem Boden ringen mußten, beteten sicher aus tiefer Überzeugung: ,, Unser tägliches Brot gib uns heute.“
Auf den Höhen von Starzenberg begegnen wir noch heute den Schnittern und Schnitterinnen, die ihr Korn mit der Sichel schneiden.
Schuhhoch bleiben die „Heim“ stehen und werden später mit der Sense gemäht.
Dazu braucht man eine gute Schneid.

In der Ebene sind Sichel und Sense verschwunden, die Mähmaschine hat beide verdrängt. Mit den Kühen zu fahren schämt man sich längst und so ein gemütliches Ochsenfuhrwerk gehört im Tal dort der Vergangenheit an. Der Traktor löste die Pferde ab und angehängt sind zum Teil noch Mähbinder oder schon Mähdrescher. Nur wenige Bauern haben einen eigenen Mäh




drescher, viele dreschen miteinander. Freilich kommt es dann bei ungünstiger Witterung zu oft recht verdrießlichen Verzögerungen. Der Dampf hat um die Jahrhundertwende den Dreschflegel abgelöst und nun ist dieses schwarze Ungetüm etwas, das nur noch die ältere Generation kennt, die Jugend noch vom Hörensagen. Der Dreschwagen existiert noch, wird aber meist von einem Elektromotor betrieben.
Genauso ist es mit dem Futterschneiden. Wie mühsam mußte mit der Hand die Futtermaschine getrieben werden, zwei Personen waren beschäftigt, eine mit dem Einlassen, die andere mit dem Treiben. Und das Gsott schneiden. Im Hof war der Göppel. 2 Ochsen oder Pferde wurden davorgespannt und die mußten ständig im Kreis angetrieben werden, während der Bauer an der Maschine einließ. Das Gsott mußte dann mit der Kirm auf den Gsottboden getragen werden, der über dem Stall lag.
Wie einfach ist das heute! So viele Arbeitsvorgänge waren notwendig um das Gras von der Wiese oder den Klee vom Feld in den Futterbarren zu bringen. Beim Morgengrauen zog man aus und wie mußte man sich plagen. Heute fährt ein Mann mit seinem Traktor hinaus und bringt das geschnittene Futter heim.
Der Backofen steht noch vereinzelt.

Das Brotbacken war die Arbeit der Bäuerin, den Backofen heizen und den Kierwisch richten, mußte der Bauer.
Gingen die Brotloab bald aus, mußte das „Ura“ angerührt werden. Der Backtrog wurde vom Boden geholt und in das vorgewärmte Mehl das Ura geschüttet. Wenn das Ura schön ganga war, konnte man backen. Die Bäuerin stand früh auf und knetete den Teig. Das Brotkneten war eine schwere Arbeit. Bis sie ihre häuslichen Morgenarbeiten verrichtet hatte, mußte der Teig „gehen“. Der Bauer hatte lange Scheite im Backofen aufgeschichtet und aus dem Wald einen Büschel frischer Fichtenzweige geholt. Diese wurden als „Kierwisch“ an eine lange Stange gebunden.
War der Teig gegangen und die Backbretter vorbereitet, so wurde er ausgemacht. Während das Feuer im Backofen knisterte reihte die Bäuerin einen Laib an den anderen. Um dem Brot einen frischen Glanz zu geben, wurden alle Laibe zuletzt mit Wasser abgewaschen. Manche Bäuerin machte mit Stechformen oder Küchengabel Muster auf ihre Brotlaibe. Hatte sie einen besonders guten Tag, steckte sie in einen Laib ein Stück Geselchtes. War das Feuer niedergebrannt, wurde die Glut mit dem Kierwisch aus dem Backofen gekehrt, der Kierwisch in einen Eimer Wasser getaucht und der Backofen noch sauber nachgekehrt. Das Wasser schüttete man dann schnell über die Glut; denn die Kohlen brauchte man in das Kohlenbügeleisen zum Wäschebügeln.

Und nun konnte es an das „Einschießen“ der Laibe mit der Backschüssel gehen. Manchmal war ein Rest des Brotteiges noch dünn ausgewalkt, ganz vorne hingelegt, zu Zeiten gebacken. Der Backofen wurde dann gut verschlossen.
Man wußte genau, wann man Zelten und Brot herausholen durfte. Die noch heißen Laibe kamen mit der Backschaufel heraus und wurden auf dem Dachboden in den Brotkorb gestellt.
War es gerade Herbst, so kamen noch die doagaten Birn in den Backofen; denn im Winter aß man gern zu den Dampfnudeln Kletznbrüh und an Weihnachten gehörte das Kletznbrot zum Festgebäck.

Blättert man in den alten Akten der Schulchronik, die zurückreichen bis an die Wende des 19. Jahrh., so findet man immer wieder vermerkt, ,,daß die Errichtung einer Industrie und Spinnschule wegen Platzmangel in Hunderdorf nicht möglich ist.“
Beide Forderungen der Behörden wurden nie erfüllt. Die Industrieschulen sollten die Mädchen vorbereiten im Nähen und anderen weiblichen Fertigkeiten, Waggerl würde sagen „hexerischen Weiberkünsten“, die ihnen dann hälfen in einem Industriebetrieb ihr Brot zu verdienen. Man verstand darunter vor allem Webereien wie im unteren Wald, vor allem um Wegscheid. Da es diese nicht gab, verstummte auch bald der Ruf nach der Errichtung einer Industrieschule, während die Forderung nach einer Spinnschule immer lauter wurde.
Viele der kleinen Landwirte bauten Flachs, besonders in nördlicher Richtung und auf den Höhen von Hoch und Lintach. Da ja nach der Säkularisation 40 kleine Anwesen entstanden, die aus kargem Waldboden der Klöster Windberg und Oberalteich wuchsen und nur ½, 1, 2 oder 3 Tgw. hatten, die Leute damals allen Eigenbedarf selbst decken mußten und der Flachs mit magerem Boden zufrieden ist, entwickelte sich der Flachsbau immer mehr. Die Weiler und Höfe boten für die Flachsverarbeitung die nötigen Voraussetzungen. Jede Ortschaft oder größere Hof hatte ein Brechhaus, in das die kleineren ihren Flachs zum Brächa bringen konnten. Die sonst noch nötigen Geräte bitzelte im Winter der Bauer auf der Hoazlbank selbst.
Waren Kartoffeln und Rüben geerntet, wurde der Flachs gerauft, d. h. mit der Wurzel ausgerissen. In armdicken Bündeln wurde er zum Trocknen auf dem Felde aufgestellt. Nach der Einfahrt wurde er in der Tenne aufgerichtet. Waren die Feldarbeiten beendet, ging es ans Flachsriffeln. Die Stengel wurden durch den Riffelkamm gezogen, wobei die Samenkapsel abgestreift werden.
Die Samenkapsel brachte man in den Ölschlag.

Der Ölschlag war bei der Säge im Perlbachtal bei Steinburg, die im Besitz des Grafen Bray von Steinburg war und deren letzter Pächter H. M. Sperl war. Heute sieht man dort nur noch ein Stück vom Wehr, das Haus wurde abgebrochen und die Talmulde aufgeforstet.
Im Ölschlag wurde das Leinöl aus den Leinsamen geschlagen. Leinöl und Leinsamen waren wirksame Hausmittel.
Die Flachsstengel mußten weiterverarbeitet werden. Jedes Häusl hatte seinen Weiher oder wenigstens seine Hilm (Wasserloch). Da hinein wurde der Flachs gelegt zum Rotten.
Ein anderes Verfahren war die Taurotte, dazu wurde er auf der Wiese ausgebreitet. Die Taurotte dauerte bedeutend länger als die Wasserrotte. Waren die holzigen Teile der Stengel „verrottet“, so kam die glitschige Masse in das Brechhaus. Das Brechhaus war meist ein 6 mal 6 m großes, aus rohen Balken gezimmertes Häusl, in der Mitte stand ein ungeheurer Lehmofen und ringsherum Gerüste aus Stangen, darauf wurde der Flachs zum Dörren gelegt. Der Ofen wurde die ganze Zeit geheizt, am Abend versammelte sich die Familie und betete in der Stube den Allerseelenrosenkranz, damit kein Feuer ausbreche und einer der Männer mußte die Nacht über Feuerwache halten.
Durch die Hitzeeinwirkung sprangen die holzigen Stengelteile auf und war dann am nächsten Tag der Flachs zaunkrachatdürr, ging es ans eigentliche Brächa. Ein Buschn Flachs kam in die Bräch und die Bräch wurde zugeschlagen. So wurden die holzigen Stengel teile immer mehr gebrochen.

Nach dem Brechen wurde der Flachs geschwungen, wobei die Holzteile weggeschleudert wurden. Das Schwingen geschah mit dem Schwungrad oder mit der Hand.
Die stark verwirrten Flachshaare mußten vor dem Spinnen gehechelt werden. Die Fasern wurden durch eiserne Bürsten gezogen, der Grob- der Mittel- und Feinhechel.
Beim Hecheln gab es viel Abfall. Der lange gekämmte Flachs wurde zu den Leinenfäden versponnen, der Abfall, das Werg zu groben Fäden, die dann zu rauhen Stoffen, den Rupfen, verwebt wurden.
Schnurre, schnurre Rädchen,
Spinne mir ein Fädchen.
Der schön geschnitzte Rocken am Spinnrad war der Stolz eines jeden Mädchens. Die Burschen schnitzten sie an den Winterabenden und schenkten sie ihrer Liebsten.
Die Spinnstube, die zum Hoagarten wurde, war wirklich ein Stück gute,


alte Zeit. War das Stroh gedroschen, die Holzstrah daheim, der Flachs gebrochen und gehechelt, kamen die heimeligen Abende. Abwechselnd traf man sich in den Stuben beim Spinnen. Während die Frauen und Mädchen die Rädchen surren ließen, schnitzten und malten die Burschen und Männer. Mit vorgerückter Stunde wurde es stiller und man begann zu erzählen. Viele dieser alten Geschichten, von denen manche gar gruselig war, sind vergessen, manche leben noch als Volkserzählungen oder Legenden weiter.
Das fertige Fädchen wurde auf der Haspel aufgewunden, abgelotet und zum Strang gedreht.
Wie alles, so wollte auch das Spinnen gelernt sein und da keine eigene Spinnschule bestand vererbte sich die Kunst von der Mutter auf die Tochter. In manchen Häusern, besonders in der Lintacher Gegend, stand auch ein Webstuhl. Manch flinkes Weberschifflein flog durch die Fäden, doch das Weben war Arbeit der Männer. Sie webten das Leinen für die „Leintücher“, aber auch für ihre leinenen Hemden und die Hemden der Frauen, die zur Tracht gehörten. Im Sommer trugen sie gefärbte Leinenröcke und über die leinenen Hemden ärmellose Leibl. Die Hemdärmel reichten fast bis zu den Ellbogen und blühweiß mußte das Leinen sein.
„Auf die Bleiche bringt das Mädchen, was der Winterfleiß gesponnen“, so konnten die Mädchen auch hier singen.
In Wegscheid hat sich das Weben feiner Leinenstoffe mit der Hand bis heute erhalten. Bei uns wurden die Gewebe immer gröber und zum Schluß webte man nur noch Fleckerlteppiche.

Bis in unser Jahrhundert wurde die Tracht für den Werktag mit der Hand genäht. Das Pfoad, der Innerkittl, der Kiel und das Fürta, meist auch noch das Leibe für d’Werta nähte jede Hausfrau selbst. Da es sich meist um gerade Stücke handelte, brauchte man dazu nicht all zu viel Anleitung. Freilich die harbene Leiwad war ein Schatz in der Truhe, mit dem man sparsam umgehen mußte.
Wie der Lein, so gehörte auch das Schaf auf jedes Gütl.
Freilich war die Wolle leichter und schneller zu gewinnen wie der Flachs, doch ihre Verarbeitung machte mehr Sorge. Handgestrickte Strümpfe waren eine Selbstverständlichkeit. Man braucht nicht zu glauben, daß die Frauen vor uns weniger eitel waren. Sie färbten ihre Garne mit Pflanzen und Wurzeln oder anderen natürlichen Farbstoffen und strickten sich Reifchen und kunstvolle Muster in die Strümpfe. Das Heimatmuseum auf dem Bogenberg hat heute noch welche verwahrt. Besonders anstellige Mädchen leiteten andere an und es bildeten sich aus dem Volke die „Strickfräulein“ und „Stricklehrerinnen“ heraus. So wird in Hunderdorf als erste Stricklehrerin die Tochter des Lehrers Friedl genannt und als besonders geschickt geschildert. Erst spät wurden Strickstunden in der Schule eingeführt, aber eigens ausgebildete Lehrkräfte gab es noch im ersten Viertel dieses Jahrhunderts auf

dem Lande kaum. Da man mit der Verfeinerung der Mode nicht nur stricken, sondern auch nähen lernen wollte, übernahm dieses Amt meist die Dorfnäherin. Bis in unsere Tage gab es dieselben noch, wenn auch nur noch vereinzelt. Als nebenamtliche Lehrkräfte wurden sie im Laufe der Zeit angestellt und haben der Jugend und der Schule 1½ Jahrhundert treue Dienste geleistet. Heute sind an ihre Stelle meist ausgebildete Fachlehrkräfte getreten, so auch in Hunderdorf. Was diese treuen Seelen oft unter primitivsten Verhältnissen den Kindern beibrachten, können wir nur ahnen.
DER BOGENBACH – UNSER BACH!
Deine Wasser rauschen wie in alter Zeit …
Seit der Antike zählt Wasser zu den vier Elementen.
,,Sei gelobt mein Herr, durch Bruder Wasser,
Der so nützlich ist, gering und köstlich und keusch“,
singt Franziskus in seinem Sonnengesang.
Wasser, diese köstliche Fülle, findet man sie nicht überall in Niederbayerns Gauen, sei es im breiten Bett der Donau, die sich am Fuß des Bogenberges
in zwei Arme teilt und mitten in der Stadt Bogen den nassen Segen des Waldes, den der Bogenbach mitbringt, aufnimmt.
Es gibt am Rande des Waldes keine bedeutenden Seen, aber mancher, früher beinahe jeder Hof, hatte seinen Weiher, in der Fletz der alten Bauernhäuser sprudelte das frische Quellwasser in den Trog und im Hof konnte man in der Sommerhitze am „laufenden“ Wasser sich kühlen.
Hunderte und Aberhunderte von Quellen gaben durch Jahrhunderte ihr kühles Naß für Menschen und Vieh. Noch vor 30 Jahren wurden Brunnen gegraben und es war für den Rutengänger nicht leicht die rechte Wasserader zu finden, die reich genug war Generationen Wasser zu spenden. Neben der Straße nach Grün und oft mitten im Wald hörte man das Plätschern ungefaßter Quellen, deren frisches, klares Wasser im Boden verrieselte.
Viele Quellen sind inzwischen versiegt. Aus dem Grundwasser muß heute das köstliche Naß gepumpt werden. Die Menschen wurden mehr, doch die Natur blieb die gleiche.
Und auch unser lieber Bogenbach: Ist doch nach ihm unser ganzes Heimatfleck! ,,Bogenaua“ benannt worden. Er fließt noch wie einst, wenn auch an manchen Bögen die Menschen regulierend eingriffen, so auch in Hunderdorf beim Straßenbau. Was könnte er uns doch alles erzählen: Von seinem Ursprung in Espenzell bis zu seiner Mündung in die Donau.
Die Perlfischer haben durch Jahrhunderte stellenweise nach seinen Perlen gefischt und er hat sie alle hergegeben. Aber seine Fische hat er behalten und hat jeder Verunreinigung um ihretwillen getrotzt. Aber nicht nur zu Spiel und Freude ließ er seine Wasser fließen. Wohl haben sich die Kinder im Sommer in ihm getummelt, die Fischer sich über ihren Fang gefreut, doch er brachte auch Leid, oft viel Leid mit. Wenn die Wetter des Waldes sich in ihn ergossen, so trug er seine nasse Last heraus in die Ebene, überschwemmte Wiesen und Felder und vernichtete oft, was Menschenhände mühsam bereitet.
Und doch gab auch er tägliches Brot. Nicht nur den Fischern, nicht nur den Bauern, deren Wiesen er feucht hielt, nein, die Menschen haben ihn ge


nützt. Sie bauten an seine Ufer die Mühlen und Sägen, und manch schweres Wasserrad mußte er treiben. Im Ölschlag die Ölmühle, in Steinburg die Hammerschmiede, in Oberhunderdorf die Mühle, in Ehrn die Säge, in Gaishausen die Mühle, in Hunderdorf die Messerschmiede, in Apoig Mühle und Säge und ebenso in Hofdorf. Noch fließen seine Wasser, doch in Ölschlag steht verlassen das Wehr, die Hammerschmiede in Steinburg ist längst umgestellt, ebenso die Mühle in Oberhunderdorf.
Beim Steckler Messerschmied drehte sich seit 1870 das Wasserrad. Ein Josef Steckler wanderte damals aus der CSSR ein und baute sich am Bachufer die Messerschmiede. Bald waren seine handgeschmiedeten Messer

weitum bekannt und es kamen immer mehr Aufträge. Von 1930-39 erreichte die Messerschmiede eine Blütezeit. Es arbeiteten bis zu 7 Beschäftigten in der Werkstatt. Das Geschäft besteht heute noch, doch arbeitet es nicht mehr mit der Kraft des Wassers. Das Wasserrad könnte nicht verkraften was heute verlangt wird. Mit dem Wasserantrieb könnte bei den heutigen Preisen einem Mann nur ein Stundenlohn von 50 Pf. bezahlt werden, während ein Metallarbeiter in der gleichen Zeit 4,50 DM verdienen würde.
Auch den Strom hat man mit dem Wasser in der Messerschmiede erzeugt.
Das seltene Handwerk wird noch betrieben, das alte Haus der Messerschmiede steht noch, aber in ihm werden keine Messer mehr geschmiedet. Der Betrieb hat sich an anderer Stelle seiner Zeit angepaßt.
Doch der Bach fließt weiter. An der Wende, wo er nach Apoig abbiegt, hat man sein Bett etwas verändert. Auch den Steg hat man ihm genommen, an den die Frauen zum Schwoam“ gingen. Doch sonst blieb er gleich, nicht aber seine Umgebung.
Die Mühle in Apoig, einstiger Klosterbesitz, ist ihm altvertraut. Mit hölzernen Hämmern wurden die Körner zermahlt als der Mühlhiasl aus und ein ging.

In einem Grundbuch des Klosters Windberg von 1305 wurde die Ansiedlung an seinem Ufer Achpeug genannt. An seiner Beuge standen neben einer Mühle zwei „curiae“, das waren Höfe und zwei ,, fedoa“ Lehen, eine Hofstatt, Holz und Acker, die alle unter der Grundherrschaft des Klosters standen. Für die damalige Zeit eine dichte Besiedlung. Es dürfte sich um die Vorgänger der Anwesen handeln, die vor dem 2. Weltkrieg nach der Brücke standen. Die Brücke wurde erst im vorigen Jahrhundert erbaut und die Kinder dieser Anwesen mußten bis dahin nach Windberg zur Schule. Die Gemeindegrenze wurde erst später festgelegt. Zu Ende des 18. Jahrh. reichte Unterhunderdorf bis zur Brücke und dann mußte man abboigen nach Windberg.
Auch der Bach mußte abboigen und so hieß man aus der Mundart kommend die Ansiedlung Achpeug – Appoig – Apoig. Aus den wenigen Höfen ist eine Siedlung geworden, die den Namen Eichenfeldsiedlung trägt und der Ortsname Apoig steht nur noch in den Büchern, die der Vergangenheit angehören. Hunderdorf heißt jetzt auch die einstige Ortschaft Apoig, in deren Mitte ja auch der Bahnhof Hunderdorf steht.
Im November 1968 wurde die äußere Verschmelzung zum gemeinsamen Namensträger. Das Ortsnamensterben gehört zur heutigen Siedlungsentwicklung.
Der Mühlhiasl wird sich weder als Hunderdorfer noch als Apoiger gefühlt haben. Sein Leben war unstet. Wenn der Bogenbach reden könnte, ließe sich manches Dunkel aufhellen um diesen absonderlichen Menschen, der an seinem Ufer Frau und Kinder darben ließ, während er in der Gegend herumschweifte und seine seltsamen Erzählungen verbreitete. In dieser Mühle hat der Bach nicht nur das Mühlrad getrieben zum Mahlen, der Müller stand auch am Säggatter und durchschnitt mit der Kraft des Wassers die Stämme des Waldes. Meist waren es gesunde, feste Stämme, doch auch kranke Stämme brachte man zu ihm.
Was ist doch alles aus den Brettern in damaliger Zeit geworden! Der große Tisch für die Stube, der Kammerwagen für die „Oberstubn“, der mächtige

Eichentisch für die Wirtsstube mit seinen Einbuchtungen an den vier Seiten, sodaß man sich beim Kartenspiel gemütlich in den Tisch legen konnte. An seinen abgerundeten Ecken hatte er sogar ein Fach zum Ausziehen für den Maßkrug, damit er nicht im Wege stand und doch griffbereit war.
,,Bretter hab i selber“, sagte der Bauer zum Schreiner, wenn er eine Bettstatt, ein Kanapee, eine Anricht, einen Schüsselkorb, Loahnbänk oder Greedbenk anfriemte. Auch die Wiegen in die die Bäuerinnen und Häuslweiber ihre Kinder legten, der Schemel auf dem das Brautpaar den Elternsegen empfing, die Bretter für den Sarg, waren oft aus dem eigenen Holz.
Auch der Zimmerer holte sich aus der Säge nicht nur die Balken für den Dachstuhl, sondern auch die Bretter für den First und den Schrot.
Der Drechsler kam von Windberg herunter und der Wagner von Apoig. Alle holten sie an den Ufern und der Bach brauste weiter, vorbei an den gefällten Stämmen und drehte ruhig und selbstverständlich das schwere Wasserrad.
1925 wurde seine Kraft noch mehr ausgenützt. Er mußte nicht nur Brot und Wärme geben, sondern auch Licht. Mit seiner Hilfe wurde in der Mühle von Apoig der Strom für Hunderdorf und die Umgebung erzeugt. Da hatte er es oft schwer. Bei Hochwasser reichte seine Kraft nicht mehr aus, sich zu bewegen und es gab kein Licht. Im Winter bettete man das Wasserrad fest ein und doch sind seine Traufen oft festgefroren. Wie schwer war es dann für den Müller und seinen Knecht sie vom Eise zu befreien.
Wenn er an ruhigen Stellen ganz zugefroren war, kamen die Wirte und

pickelten und schlugen das Eis auseinander. Auf hohen Fuhren geladen, fuhren sie dann den armen, erstarrten Bach, in ihre Eiskeller. An den seichteren Stellen, an denen sich schneller eine Eisschicht bildete, ließ man ihm erst recht keine Ruhe. Groß und klein kam zum Eisstockschießen. Ähnlich wie in Apoig ging es auch in der Mühle in Hofdorf, nur daß dort nie ein berühmter Hellseher lebte.
Der letzte Müller von Apoig lebte bis November 1968, als ein Neunzigjähriger und wirkte wie ein Denkmal aus vergangener Zeit. Den Mühlhiasl hat freilich auch er nicht mehr gekannt, aber all die Änderungen der Zeit hat er miterlebt.
Sein Sohn fiel im Kriege und so ist es still geworden in der alten Mühle. Die gute alte Müllerin ist längst heimgegangen. Nie kam man in ihr Haus, ohne daß sie nach altem Brauch ein Stück kräftiges Hausbrot abschnitt, das man gerne mit einem „Vergelts Gott“ nahm. ,,Segn das Got“ gab sie zur Antwort. Dem Hobmeier Müller wurde 1964 die Ehre zuteil am Gründonnerstag im Hohen Dom zu Regensburg, sich als „Apostel“ vom Bischof die Füße waschen zu lassen. Als ältester Bürger der Gemeinde segnete er 1968 das Zeitliche.
In der Hofdorfer Mühle haben die Besitzer gewechselt, aber die Mühle tut noch ihre Pflicht. Dort treibt noch das Mühlrad das Gatter und du, lieber Bogenbach treibst es mit deiner Kraft.
Nicht nur die fruchtbare Scholle und das Wasser, auch der Boden gab Arbeit und Brot.

In Sollach war die Ziegelbrennerei Rothammer und die Tongrube Sträußl. Ursprünglich hat man beim Sträußl die Ziegel und beim Rothammer die Daschn gebrannt.
Die Brennereien hörten durch den langsamen Abbau der Tongruben auf, die Tongrube von Sträußl, die fetten, blauen Tegel förderte, wurde ganz ausgebeutet, doch wurde der Ton nicht mehr selbst verarbeitet, sondern mit 8 Pferden zum Bahnhof Hunderdorf transportiert und von dort mit der Bahn nach Straubing in die Ziegelei gebracht.
Der Tageslohn für einen Tongrubenarbeiter betrug 1,50 M.
Die Gemeinde nützte die leere Tongrube als Schuttablageplatz. Links vom heutigen Neumeierhof war die Tongrube.
Auch in Thananger wurden Lehm und Tegel verarbeitet. Der Hafner drehte auf seiner Töpferscheibe Zeitlhaferl in denen eine Noagl Milch aufbewahrt wurde. Auch die Schmalzhäfen, die Mehlhafen waren irden, also aus der Erde geformt. Die älteste Konservierung von Früchten geschah in irdenen Töpfen. Der heute wieder modern gewordene Rumtopf ist eine Nachbildung der irdenen Häfen, in denen die frischen Früchte gelegt, mit hochprozentigen Schnaps übergossen und luftdicht verschlossen wurden. Auch der Sirup, der früher statt Zucker verwendet wurde, wurde in irdenen Töpfen aufbewahrt und die Eier wurden zum Frischhalten ebenfalls in die irdenen Töpfe gelegt und mit Kalk übergossen. Man aß aus irdenen Schüsseln und die „Gstecklte“ wurde nur in Irdenem gut.
Der Rahm wurde im irdenen Hafen aufbewahrt bis man genügend, beisammen hatte zum Ausrühren. Dann wurde das Rührfaßl geholt und mit viel Geduld oft eine Stunde und länger gerührt bis sich die gelben Butterknollen bildeten. Da sich Butter ja nicht lange frisch hält wurde sie ,,ausgelassen“ und zwar so lange bis nur noch das reine Fett zurückblieb. Das wurde in den Schmalzhafen gegossen und glücklich die Bäuerin, die im Winter einen großen Schmalzhafen im Keller hatte. Heute werden in Thananger keine Milchhäferl und dergleichen mehr gemacht. Noch existiert der Hafner, doch er hat sich ganz auf Bleamescherm umgestellt. Den Lehm holt er aus der eigenen Loamgrubn, den Tegl muß er sich bis von Hengersberg holen. Maschinell wird die Masse vermischt und je nach Topfgröße ausgepreßt und abgeschnitten. Auch das Drehen erfolgt maschinell. Die rohen Töpfe müssen sehr gut durchgetrocknet sein bis sie gebrannt werden können. Im Ofen haben bei normaler Topfgröße 10 000 Stück Platz, sind es kleine Töpfe bringt man bis zu 48 000 unter. Der Ofen wird zugemauert und bis zu 1100 Grad erhitzt. Solange mit Holz und Kohlen geheizt wurde, brauchte er fast 2 Wochen zum Auskühlen. Heute wird er mit Öl geheizt und man kann schon nach ein paar Tagen in seine Nähe um ihn zu entleeren und aufs neue zu füllen. Die fertigen Blumentöpfe und Schälchen werden an Gärtnereien in ganz Bayern geliefert.
Landwirtschaft und Handwerk waren bis zum 2. Weltkrieg eng verbunden und prägten die gesamte bayerische Wirtschaft. Der Wald spielte dabei eine große: Rolle. Gab es auch bei uns nach der Säkularisation keine großen Waldungen mehr, so wußte man die kleinen Hölzer zu schätzen und zu nützen. Eichen, Buchen, Birken, auch Eschen, standen nicht nur im Wald, sondern vereinzelt in den Gehöften. Zum Teil waren sie Überreste der ehemaligen Wälder, zum Teil wurden sie eigens gesetzt. Man liebte den Schatten und freute sich die Stämme wachsen zu sehen. Waren sie wohl geraten so gaben sie schwere Läden für den Schreiner, der ja nur Massivholz verarbeitete. Die gewöhnlichen Einrichtungsstücke waren aus Fichtenholz, aber man wußte einen eichenen Tisch zu schätzen, und war von der Qualität eines eichenen Türstocks überzeugt.
Große Scheite brauchte man für den Kachelofen in der Stube, der kleinere Ofen war mit gewöhnlichen Scheitln zufrieden und zum Anheizen waren die Stutzbürdl unentbehrlich. Beim Holzkliam wurde darauf geachtet, daß der kienhaltigste Stock aufbewahrt wurde für die Christnacht als Mettenstock. Das Kea macha war meist die Arbeit des Großvaters. Er konnte die schönsten Kienspäne schnitzen.
Wurde früher auch sehr vieles vom häuslichen Bedarf selbst hergestellt, so bedurfte man doch einiger Handwerker.
Vor allem waren es die holzverarbeitenden Berufe, dazu gehörte ab 1837 der Schreiner und der Wagner. Seit wann Zimmerer und Binder ihr Handwerk ausüben läßt sich nicht feststellen.
Der Fuchs Girgl, der letzte Binder, war eines der alten Originale. Sein Vermögen war eine Kuh. Während der Woche arbeitete er an seinen Fässern. Ein Krautfaßl brauchte man in jedem Haus, dann ein kleineres Faßl zum Fleischeinsuren und eines für die Hirgstmilch, dazu kam noch das Rührfaßl und in den Höfen mit größeren Gärten das Mostfaßl. Also Arbeit genug für einen Binder. Am Sonntag hielt er den Tag des Herrn. In der Frühe warf er der Kuh einen Berg Futter hin und meinte dazu wohlwollend: „Wenn du dirs einteilst, hast den ganzen Tag was, wenn net, mußt schaun wiast auskimmst.“ Dann ging der Girgl in sei Kirch und ins Wirtshaus. Wichtig waren für die Bauern Wagner und Schmied, während Schuster und Schneider schon zweitrangiger waren.
Schlosser und Spengler gab es später und den Mechaniker beinahe zuletzt. Der Fortschritt und die Entwicklung änderten so vieles. Aus dem Kracherlmacher wurde der Mineralwasserfabrikant, Wagner, Schmied, und Sattler starben aus, der Thafernwirt wurde zum Gasthofbesitzer, der Schlosser zum Mechaniker, die Bäcker kamen ins Dorf und machten das Brotwei überflüssig, der Kramer wurde zum Kaufmann und der Bauer, der sich früher nur von der eigenen Scholle ernährte zum Arbeiter im fremden Betrieb. Und doch wurde dieser Fortschritt zum Segen und gibt wieder das tägliche Brot.
DIE ERSCHLIESSUNG DES VORWALDES FÜR DIE TECHNIK
Während in anderen Gegenden längst das Maschinenzeitalter eingesetzt hatte, blieb unsere Gegend in der Zeit zurück. Teilweise war die Randlage des Gebietes, seine bewegten Landschaftsformen und die konservative Einstellung der Bevölkerung schuld.

Straubing einst Sorviodurum genannt, im 6. Jahrh. gab ihm die Stammessippe Strupo den Namen „Strupinga, 1218 gründete Herzog Ludwig der Kelheimer die Neustadt.
So erschien der Bau der Eisenbahn wenig rentabel.
Die Städte waren noch klein. Straubing hatte 1840 nur 7600 Einwohner. 1848 wurde von einer privaten Gesellschaft die Eisenbahnstrecke MünchenLandshut eröffnet und im Jahre darauf bis Straubing weitergeführt. 1860 wurde die Donaubahn von Straubing nach Passau gebaut. Erst 1894 wurde dann die Strecke Straubing-Cham in Angriff genommen. Am 9. 12. 1895 fuhr der erste Zug bis Bogen, am 16. 5. 1896 wurde die Strecke weitergeführt über Hunderdorf nach Steinburg.
In Hunderdorf konnten sich die Grundstücksbesitzer nicht einigen, sodaß der Bahnhof schließlich nach Apoig gebaut wurde. Ursprünglich sollte er auf die Edbauerwiese gegenüber Zollner kommen.
Am 5. 12. 1896 fuhr das Dampfroß das erste Mal bis Konzell-Süd und erst am 1. 6. 1905 weiter bis Miltach.
An den Einweihungstagen durften die Einwohner kostenlose Probefahrten machen.
Über 50 Jahre empfand man die Einrichtung als wohltuend und für die Strecke ausreichend. Doch mit wachsender Einwohnerzahl erwies sich der Bahnhof, vor allem der Wartesaal mit seinen·20 qm, als zu klein. Nicht nur, daß er durch seine dunkle Holzverschalung außen, recht primitiv wirkte, auch innen trug er noch Spuren der Nachkriegszeit. 1952 schlug man der Bundesbahn vor, das Bahnhofsgebäude nicht mehr zu renovieren, sondern auf der rechten Seite des Geleises, der Ortsmitte näher gerückt, ein neues Gebäude zu errichten. Der Weg zur Ortsmitte wäre wesentlich gekürzt, man hätte keine Gleisüberquerung mehr und die Trittbretthöhe von 50- 60 cm ließe sich verringern.
Fast 8 Jahre dauerten die Verhandlungen. Im September 1960 wurde dann der alte Bahnhof umgebaut. Der frühere Bau wird nur noch als Geräteraum für die Bahnmeisterei benützt. Der Neubau umfaßt einen 20 qm großen Betriebsraum, einen 30 qm großen Warteraum und einen überdachten Vorplatz.
Am 5. Oktober 1960 wurde der Richtbaum aufgesetzt und Anfang Dezember konnten die neuen Räume in Betrieb genommen werden.
Auch die landwirtschaftlichen Maschinen setzten sich nur langsam durch. Die Einführung wurde nicht nur durch das zum Teil schon recht bergige Gelände erschwert, sondern auch durch die vielen kleinen Betriebe, die so kostspielige Anschaffungen nicht verkrafteten.
Nach der Eisenbahn war das nächste technische Ereignis der Telefonanschluß. Da die Post in der Nähe der Bahn sein mußte, wurde sie im Gasthof Sandbiller eingerichtet. 1905 erhielt die Post Telefonanschluß. Den ersten privaten Anschluß bekam Kaufmann Sträußl. Er war für derartige Neuerungen der aufgeschlossenste Bürger, schaffte er sich doch schon 1928 einen Rundfunkempfänger an.
1906 fuhr Graf Bray von Straubing mit dem ersten Auto durchs Dorf, der erste Hunderdorfer Autobesitzer wurde 1930 Alois Frankenberger. Der „Poiger Schuaster“ eines der Hunderdorfer Originale, wagte sich als Erster auf ein Fahrrad und bediente in Hunderdorf den ersten Fotoapparat. So originell wie er, waren seine Aufnahmen.
Waren die früheren Ansichtskarten alle gezeichnet, der Poiger Schuaster hielt Hunderdorf auf seiner Platte fest und setzte unter das Bild das wohlklingende Wort: ,,Hunderdorf, wie liegst du so lieblich im Tal“.
Hirtreiter Jakob von Apoig, Lederwarenfabrikant hatte das erste Postscheckkonto und 1954 wurde bei Sandbiller der erste Fernsehapparat installiert.
Man möchte sagen: ,,Leute wie die Zeit vergeht, Leute wie die Welt sich dreht“, wenn man die Rundfunkhörer, die Fernsehempfänger und die Autobesitzer in der Gemeinde zählen würde.
Eine schier hektische Entwicklung. Und doch! Es gab Dinge die der rasanten Entwicklung nicht folgen konnten, das war vor allem die Wasserversorgung. Bis 1959 konnte die Wasserleitung den anfallenden Bedarf decken, war aber einer größeren Belastung wie sie eine wachsende Gemeinde mit sich bringt, nicht gewachsen. Zur Trockenperiode im Sommer 1959 kam auch noch die chronische Trockenperiode im Geldsäckel der Gemeinde. Man erging sich in Überlegungen. An Bogen konnte man sich nicht mehr anschließen, da dieses Projekt für beendet erklärt war. Die neu erschlossenen Quellen bei Windberg wiesen zu viele Darmkolibakterien auf, das Landratsamt riet wegen der hohen Kosten vom Bau eines Tiefbrunnens ab. Eine Möglichkeit wäre der Anschluß an die Steinburger Leitung gewesen, doch das Landratsamt empfahl, Windberg solle sein Wasser versilbern.
Am 15. 7. 1959 befaßte sich der Gemeinderat eingehend mit dem Problem. Trotz der Finanzsorgen wurde es immer klarer, daß nur ein Tiefbrunnen Abhilfe schaffen könne. Ein Wünschelrutengänger fand auf der Sandbillerwiese in Riedholz ausgiebige Quellen. Diese Feststellung allein genügte nicht, ein Geologe von München mußte sie bestätigen.
1960 wurde der Wasserausschuß gebildet. Noch im gleichen Jahr wurde eine Tiefbohrung zwischen Hunderdorf und Hofdorf vorgenommen. Sie ergab bei 100 m die nötige Wasserfündigkeit.
Am 4. 1. 1961 erläuterte Dr. Osthelder die weiteren Schwierigkeiten der Wasserversorgung. Wenn auch der Tiefbrunnen noch in diesem Jahr angeschlossen würde, eine reguläre Einplanung und Aufbereitung könne erst 1962 erfolgen. Im Januar 1961 lud Landrat Hafner alle Bürgermeister der Umgebung und eine Reihe Fachexperten zu einer Sitzung nach Hunderdorf ein. Er schlug den Bau einer Ringleitung zur Wasserversorgung vor und die Gründung eines Zweckverbandes. Schon nach 6 Wochen mußte das Projekt für gescheitert erklärt werden. Mitterfels und Steinburg sahen sich finanziell überlastet, nur Hunderdorf nahm keine ablehnende Haltung ein. Die Gemeinde sah sich gezwungen in eigener Sache zu handeln.
Am 28. 6. 1961 wurde der provisorische Anschluß des Tiefbrunnens, sowie der weitere Ausbau der Wasserversorgung beschlossen der voraussichtlich 120 000 DM verschlingen soll.
Im November 1961 wurde der 1. Bauabschnitt an die Firma Riepl, Regensburg vergeben. Anschließend soll der Bau der Maschinenanlage erfolgen. Weiterhin ist eine Unterwasserpumpe vorgesehen, die das Wasser durch die Hauptleitung zum Hochbehälter treibt, eine Schaltuhr, die bei Wassermangel in Betrieb genommen wird, ein Strömungsschalter, der die Wasserzufuhr bei ausreichender Reserve wieder unterbindet. Am 17.11.1961 wurde das Problem der Gründung eines Zweckverbandes wieder aufgegriffen. In Mitterfels hatten sich inzwischen die neu in Erwägung gezogenen Quellen als nicht ausreichend gezeigt und in Haselbach ist inzwischen Wassernot eingetreten.
Nach 2 ergebnislosen und einer 5-stündigen Sitzung einigten sich die Gemeinden zur Gründung eines Zweckverbandes. Einstimmig wurden die bereits vorbereiteten Satzungen angenommen. Als vorläufige Vorstandschaft wurde gewählt:
2. Bgm. Karl Härtenberger, Hunderdorf
Bürgermeister Hafner, Mitterfels
Als Vorstandschaftsmitglieder:
Bürgermeister Mandl, Haselbach
GR. Edbauer, Hunderdorf
Stahl, Mitterfels.
Neuland betraten die Mitglieder als sie im Juni 1962 zu ihrer ersten Versammlung zusammentraten. Die Vorstandschaft wurde, wie vorgeschlagen, gewählt.
Als erster Beschluß wurde die Bohrung eines 2. Tiefbrunnens gefaßt und ein Ingenieurbüro beauftragt, Vermessungen nach Mitterfels vorzunehmen, damit die Hauptleitung bald erstellt werden könne.
Da die Brunnenuntersuchungen in Gaishausen mit der Ortschaft Rammersberg, in Oberalteich mit den Ortschaften Vorder-, Mittel- und Hinterschieda, Groß- und Kleinlintach, Häuslberg und Hintermenach vom Gesundheitsamt negativ ausfielen, da es sich dort größtenteils um Oberflächenwasser handelte, für das in größerem Maße die radioaktive Verseuchung gegeben ist und da in all diesen Ortschaften das nötige Wasser zum Feuerschutz fehlte, wurden die Gemeinden mit diesen Ortschaften ebenfalls in den Zweckverband aufgenommen.
Schon Anfang August, ging der Tiefbrunnen, der in der Nähe des ersten gebaut wurde, seiner Vollendung entgegen. In einer Tiefe von 56 m wurde ein Filter eingebaut und an der Außenwand Quarzsand aufgefüllt.
Sperrohre halten das Oberflächenwasser vom Einsickern in den Schacht ab.
Vom neuen Brunnen sind 10 l pro sec. zu erwarten.
1962 wurde noch der Brunnenschacht vom 1. Brunnen fertiggestellt, dann die Anschlußleitung nach Hunderdorf, ein Transformatorenhaus errichtet und eine Starkstromleitung zugeführt. Zuletzt wurde die Pumpstation eingebaut und die Schaltanlage installiert. Am 10. August kam das Untersuchungsergebnis vom bakteriologischen Institut, daß es sich um einwandfreies Trinkwasser handelt.
Um 12 Uhr Mittag schaltete der Vorstand die Pumpstation ein … und das Wasser floß.
Um die Wasserversorgung auch für Mitterfels sicher zu stellen, sollte so

gleich mit dem Bau eines Tiefbrunnens begonnen werden. Durch die anhaltende Trockenheit wurde die Wassernot im Herbst 1962 in Mitterfels zur Katastrophe. Bei bestem Willen war es dem Tankfahrzeug der Bogener FFW nicht mehr möglich, genügend Wasser nach Mitterfels zu bringen . Durch die Unterstützung von Landrat Hafner gelang es dem Zweckverband 5 Tankwagen der Bundeswehr zu bekommen. Mit je 4,6 cbm Wasser beladen brachten diese Fahrzeuge in mehreren Fahrten täglich mehr als 100 cbm Wasser von Hunderdorf nach Mitterfels. Die Tankwagen mußten eigens von Nürnberg angefordert werden. Sogar das Bayer. Fernsehen brachte einen Bildbericht über diese Hilfsaktion. Wegen der Kuba-Krise mußte sie leider vorzeitig abgebrochen werden, da sofort alle Fahrzeuge an ihre Standplätze beordert wurden.
Am 7. Dezember 1965 lud die Vorstandschaft alle Wasserabnehmer und Interessenten zum Tag der offenen Tür.
1966 fand das Unternehmen seinen Abschluß. Zunächst wurde noch eine zusätzliche Verbindungsleitung Haselbach-Mitterfels gelegt. Die restlichen Ortschaften wurden angeschlossen, in Hunderdorf: Breitfeld, Oberhunderdorf. Neben dem Maschinenhaus entstand eine Gerätehalle. Die Wasserstandsfernmeldeanlage zur Überwachung des Wasserstandes in den Hochbehältern wurde eingerichtet. Das Maschinenhaus erfuhr seine künstlerische Ausgestaltung mit einem Sgraffito und ein Erinnerungsdenkmal als Florianbrunnen wurde geschaffen.
Technisches auch für den Laien verständlich.
Aus der „Festschrift zur offiziellen Einweihung der Wasserversorgungsanlage der Bogenbachtalgruppe“.
Die neue Anlage besitzt 3 Tiefbrunnen, die 50,56 und 62 m tief sind. Unterwasserpumpen fördern das Wasser. Die 3 Brunnen liefern zusammen maximal 25 Liter pro sec., das sind 90 cbm pro Stunde. Die Pumpen sind auf 20 1 pro Sekunde eingerichtet, was eine Stundenleistung von 72 cbm ergibt. Damit ist die Anlage auf die doppelte Leistung dessen berechnet, was in absehbarer Zeit benötigt werden kann.
Im Maschinerihaus befindet sich die Aufbereitungsanlage. In ihr wird mit Hilfe von Filterkies dem Wasser der Eisengehalt entzogen. In einem Verdüsungsraum wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert.
Von den 3 Hauptpumpen im Maschinenhaus, die das Wasser der Versorgungsleitung zuführen, leistet jede 20 1 in der Sekunde. Sie werden zur Zeit abwechselnd in Betrieb genommen.
Die Gesamtanlage wird elektrisch und vollautomatisch gesteuert. Zur Überbrückung von Stromausfällen steht ein Dieselaggregat bereit. Eine Kontrollanlage warnt rechtzeitig beim Auftreten von Störungen. Auch in der Wohnung des hauptamtlichen Wasserwarts Alois Beck, Hunderdorf, befindet sich eine Kontrollanlage mit akkustischen und optischen Warngeräten. Die Wasserstandsfernmeldeanlage ermöglicht die genaue Kontrolle des Wasserstandes in den wichtigen Hochbehältern in Hoch und Mitterfels. Das Versorgungsgebiet ist in 2 Zonen eingeteilt. Die Niederzone (Hunderdorfer Gebiet) wird aus dem Hochbehälter in Mitterfels befördert. Die Leistung beträgt 15 1 pro Sekunde. Die Hochzone wird aus dem Hochbehälter in Hinterbuchberg versorgt. Er faßt 500 cbm. Dazu kommen noch die 200 cbm Fassungsvermögen des alten Hochbehälters, sodaß hier zusammen 700 cbm in Reserve stehen.
Die Gesamtkosten des Projektes beliefen sich auf DM 4 696 423,74.
,,Dem der fragt: für welche Zeit wird denn das, was ihr jetzt gebaut habt, reichen? Dem sollte man ruhig sagen: Nicht für alle Zeiten, aber für lange! Was wir bauen, bauen wir für heute und morgen; wer große Worte liebt, sagt wohl auch: für die Zukunft. Gut – für die, die nach uns kommen, müssen wir planen und das haben wir auch getan. Was ihre Aufgabe sein wird, wissen wir noch nicht, aber jedenfalls haben wir dafür gesorgt, daß es ihnen an Wasser nicht fehlen wird.“
München, den 19. Oktober 1966
German Frick
Regierungsbaudirektor am Bayer. Landesamt für Wasserversorgung und Gewässerschutz

Ein großes Werk ist vollendet!
So stand über den Einweihungsfeierlichkeiten am 10. November 1966. Das große Werk konnte nur vollendet werden durch den gesunden Gemeinschaftssinn aller beteiligten Gemeinden, durch die Opferbereitschaft aller beteiligten Bürger und durch die großzügige Unterstützung von Staat und Landkreis.
Der Floriansbrunnen, den die junge Straubinger Künstlerin Marianne Worliczek geschaffen, soll an das gelungene Gemeinschaftswerk erinnern. Wohltätig ist des Feuers Macht …
Feuer war die natürliche Quelle des Lichtes. Man rieb Holz auf Holz und nahm trockenen Lorbeer und Efeu als Zunder. Oder schlug Stahl und Stein, benutzte Feuerstein und Schwefelkies oder Brenngläser aus Bergkristall. In Feuerpfannen sammelten die Höhlenbewohner Holz, Späne, Wachs, Pech und Baumharz. Aus der Feuerpfanne wurde die Lampe. Solange das Feuer, die helle Flamme gesichert war, ging das Licht nicht aus. Man verbesserte es, sammelte Kien, harzige Äste und Tannenzapfen. An vielen Stellen war man auf Erdöl gestoßen. Ohne recht zu wissen, was man damit anfangen konnte, erkannte man sehr bald seine leichte Brennbarkeit und benutzte es zum Füllen von Kännchen und Krügen. Die Dochte wurden aus Fasern gedreht. Erst 1550 wurde in die Lämpchen eine eigene Dochtleitung eingebaut. Der nächste Schritt war das Wachs und der Talg. Das Wachs fiel bei der Honiggewinnung an, der Talg war Abfall in der Küche. Talgkerzen wurden vor allem der Billigkeit wegen, gebraucht. 1826 tauchte der Gedanke eines neuen Lichtes auf, das Kalklicht, es war der Vorläufer der Leuchtgaslampe. Kurz vorher waren die ersten Petroleumlampen aufgetaucht, die in unserer Gegend zur Selbstverständlichkeit wurden. Noch bis in die vierziger Jahre dieses Jahrhunderts waren sie die Lichtquelle in mancher Einöde.

1878 entstand die erste Glühlampe. Bei uns war sie etwas fremdes und vorerst nicht Gebrauchtes. Anders war es mit Karbid. Karbid ist ein Typus chemischer Verbindungen von Kohlenstoff mit Metallen. Karbidlampen leuchteten heller als Petroleumlampen.
Mit der Erfindung der Glühbirne war dem elektrischen Licht die Bahn gebrochen. In unserer Gegend war es schwer. Die Leute waren arm. Die Elektrizität mußte durch Wasserantrieb erzeugt werden. Die größte Schwierigkeit und somit auch der Grund weshalb sich der Anschluß mancher Gemeindebürger bis nach den 2. Weltkrieg hinausschob, war die Verästelung und Verzweigung der Gemeinde. Im Dorf selbst wurde das elektrische Licht 1925 eingerichtet und die Kraft in der Mühle zu Apoig erzeugt. Manch konservative Seele konnte sich lange nicht entschließen, sich elektrisch beleuchten zu lassen.
1947 wurde die Stromleitung an die Überlandzentrale angeschlossen und von da an erst die Anschlüsse an die kleinen Weiler und Einzelgehöfte hergestellt.
1948 wurden die Leuchtröhren eingeführt und in vielen Betrieben haben sie die Glühbirne verdrängt.
1954 bekam Hunderdorf eine Ortsbeleuchtung. Im Januar 1962 hat die Obag die Straßenbeleuchtung umgestellt. Statt der bisherigen Birnen erstrahlen Leuchtstofflampen. Die Ortsbeleuchtung wird von der Zentrale in Deggendorf aus mit Sender ferngesteuert.
Die Hofdorfer hatten schon lange den Wunsch, nicht mehr im Finstern leben zu müssen und so wurde dafür gesorgt, daß ihnen im Sommer 1968 das Licht auf der Straße aufging .
SOZIALE EINRICHTUNGEN UND HILFSORGANISATIONEN
Der Kindergarten
Schon Pfarrer Luschner hatte in seiner Stiftung die Errichtung eines Kindergartens vorgesehen.
Vor dem Krieg war es das Bestreben von H. GeistL. Rat Kiermeier, SchwesterN zu gewinnen und einen Kindergarten zu errichten. Zuerst fragte er bei den Englischen Fräulein an und da dieselben ihre Schwestern alle voll eingesetzt hatten, rieten sie ihm bei den Sternfrauen in Augsburg anzufragen. Als Gebäude hatte sich damals das Haus von Altmann ResL angeboten, gegenüber dem Pfarrerweiher. In der Nazizeit wurde dann von „Braunen Schwestern“ im Schötzhaus ein Kindergarten eingerichtet. NS-Schwestern waren auch in der ambulanten Krankenpflege eingesetzt. Manche Mutter war während des Krieges um diese Einrichtung froh. Zur Zeit des Umsturzes löste sich alles von selbst auf.
Als der Schulhausneubau begann, sah der unermüdliche Seelsorger eine neue Chance für den Kindergarten.

Landrat Hafner und Bürgermeister Härtenberger bei den jüngsten Bürgern der Gemeinde.
Das untere Schulhaus gehörte zur Hälfte der Kirche und zur Hälfte der Schulgemeinde. Nach Absprache mit den beteiligten Gemeinden Hunderdorf und Oberalteich ging das Schulhaus ganz auf die Pfarrei über. Die Umbauarbeiten wurden rasch begonnen, nachdem das Schulhaus als solches nicht mehr gebraucht wurde.
Unten wurden die Räume für den Kindergarten, die Küche und ein Raum eingebaut, der als Gruppenzimmer oder Behandlungszimmer für eine Krankenschwester vorgesehen war. Der obere Stock wurde Schwesternwohnung und die Wohnung des derzeitigen Rektors.
Bei einer Umfrage hatten sich 60 Kinder gemeldet. Franziskannerinnen mit dem Mutterhaus in Wien, konnten für die Betreuung der Kinder gewonnen werden. Für einen Monatsbeitrag von 6 DM sollen die Kinder ganztägig betreut werden.
Bereits im Juli 1959 konnte H. Domkapitular Grötsch von Regensburg im Rahmen einer Feierstunde dem Kindergarten die kirchliche Weihe geben. H.Domkapitular nannte in seiner Ansprache die Errichtung eines Kindergartens und seine Übergabe, einen Markstein in der Geschichte von Hunderdorf. Das Werk, das hier vollendet wurde, hat große Opfer gekostet, es möge daher auch viel Segen bringen.“ H. Monsignore Brehm, der Direktor des Caritasverbandes, dankte allen, die mitgeholfen haben das Werk zu errichten, bezeichnete es aber als die größere Schwierigkeit es zu erhalten. Nicht nur die Schwestern, die ganze Pfarrei, müsse sich das zur Aufgabe machen. Er hoffe, daß sich an die Tätigkeit der Schwestern im Kindergarten auch noch eine weitere Aufgabe anschließe, die ambulante Krankenpflege. MdL Reiner wies in seiner Ansprache darauf hin, daß es besonders für die Kinder im Grenzland von großer Wichtigkeit sei, sehr früh positive Erziehung zu erfahren und damit sehr frühzeitig eine gute Ausbildung eingeleitet werde.
Am nächsten Tag wurden 66 Kinder für den Kindergarten gemeldet. Wohl gab es in den ersten Tagen bei manchen Kleinen Tränen ob der ungewohnten Umgebung und bei den Müttern schwere Herzen, doch schon nach 2 Wochen hatten sich die Kinder an die Schwestern gewöhnt und freuten sich ihres Lebens bei Spiel und Sang.
Schw. Josefine sorgt für die Küche und Schw. Adolfine betreut die Kinder. Im Sommer 1960 wurde für die Kleinen ein Planschbecken angelegt und ein Sandhaufen umbaut. Für die Mittagsruhe wurden Liegebettchen angeschafft. Mit dem Austritt der Schulneulinge stellten sich schon im ersten Jahr Nachwuchssorgen ein. Diese Sorgen wurden von Jahr zu Jahr größer.
Das obere Schulhaus, der zweite Veteran, der abgelöst wurde, erhielt ebenfalls eine neue Aufgabe. Es soll als Gemeindeamt umgebaut werden. Den Titel „Rathaus“ wird es nie bekommen, doch werden in ihm viele Probleme beraten, vor allem darf es nie zum Rasthaus für die Gemeindeväter werden.
In dem nach Süden gelegenen Schulsaal wurde ein Sitzungsraum eingerichtet, daneben ein Raum mit Schalter für den Gemeindesekretär und ein Zimmer für den Gemeinde-,,Kämmerer“.
Der nach Norden gerichtete Schulsaal dient vorerst als Werkraum für die Schule.
HUNDERDORF UND SEINE HILFSORGANISATIONEN
Die Freiwillige Feuerwehr ist wohl eine der segensreichsten Einrichtungen und man kann mit Genugtuung feststellen, daß es in Hunderdorf seit der Gründung nie an einsatz- und opferbereiten Männern gefehlt hat.
1872 wurde sie ins Leben gerufen. Wer die heutige Hunderdorfer Wehr kennt, kann sich kaum vorstellen, wie primitiv ihre Ausrüstung durch Jahrzehnte war.
Es wäre falsch zu glauben, daß es den früheren Wehrmännern an Einsatzmöglichkeiten fehlte und sie deshalb mit solch bescheidener Ausrüstung zufrieden sein konnten. Im Gegenteil. Viel öfter als heute erscholl der Ruf: ,,Feuer!“ ,,Brenna tuats!“
Der erste Weg war dann zum Mesner und zum Kommandanten. Der Kommandant blies auf seinem Horn meistens zu einem Dachfenster hinaus und rannte dann so schnell als möglich zu dem Bauern, den es gerade zum Einspannen traf. Der Mesner läutete inzwischen Feuer, der Bauer, der Baierwirt oder der Edbauer, das waren die 3 Pferdebesitzer im Dorf, ließ die Arbeit fallen, schirrte die Pferde, die Bäuerin rannte inzwischen um die Uniform, einer hatte schon das Spritzenhaus aufgesperrt, von allen Seiten kamen die Feuerwehrmänner, die Hilfsbereiten und die Neugierigen gerannt und auf ging es zum Brandplatz. War der Bach oder ein Weiher in der Nähe wo die Spritzenschläuche Wasser fassen konnten, gelang es zu retten, was noch zu retten war oder wenigstens das übergreifen des Feuers auf umliegende Gebäude zu verhindern, doch oft mußte man wegen der Wassernot ,·dem Feuer tatenlos zusehen. Die Wehrmänner konnten nur noch helfen die wenige Habe zu bergen und für ein Unterkommen der Abbrandler zu sorgen. Unterstützt wurde das Feuer von der früheren Bauweise. Waren doch nur die unteren Mauern aus Stein und alles andere Holz. Durch die Ziegelei Rothammer in Sollach führten sich die Dachziegel schneller ein als woanders, aber in der Gründungszeit der Feuerwehr waren noch viele Häuser mit Stroh und Schindeln gedeckt. Eine weitere Gefahr, vor allem Brandgefahr, war das offene Licht. Mit dem Kienspan leuchtete man gar so gerne bei Nacht auf den Boden. Auch Petroleum und Karbid konnten gefährlich werden und im Sommer vor allem der Blitz.
Die Hilfsbereitschaft der Feuerwehr erstreckt sich nicht auf die eigenen Gemeindegrenzen, sondern setzt überall ein wo Feuer gesichtet und wo Gefahr droht. Wenn sie auch beim Löschen auf das Wasser angewiesen ist, so sind es doch wieder die hilfreichen Feuerwehrmänner, die bei Hochwasser Katastropheneinsatz leisten.
Die Feuerwehr stellt aber auch den örtlichen Ordnungsdienst dar. ,,Was Uniform hat, hat a Gsicht!“ So ist es der Stolz der Wehrmänner bei festlichen Anlässen in ihrer Uniform zu erscheinen und wenn not, auch ,,Ehrengarde“ zu spielen.
,,Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!“
Unter diesem Motto stehen alle Unternehmen. Es ist daher für die Feuerwehr als Hilfsorganisation eine besondere Verpflichtung in der Zeit und mit der Zeit zu leben, das heißt sich den Anforderungen der Zeit entsprechend auszurüsten.
Im November 1959 beschaffte die Gemeinde eine neue Motorspritze. Die Spritze weist eine Leistung von 800 Litern pro Minute auf und kostete 4000 DM.
In 97 Jahren standen der Hunderdorfer Wehr nur 8 Kommandanten vor. Der Gründer der Wehr Joseph Hösl war 25 Jahre im Amt.
1872-1897 Josef Hösl
Anton Poiger
Karl Härtenberger, sen.
Xaver Baier
Rupert Betzlbacher
Josef Schaubeck
Karl Härtenberger, jun.
Xaver Anleitner
Hunderdorfs Feuerwehr hatte nie Nachwuchssorgen. Immer fanden sich junge, einsatzbereite Männer, die bereit waren zum Einsatz für den Dienst am Nächsten, die aber auch dann noch die Treue hielten, wenn die Kraft nachließ. Eine der ehrenvollsten Aufgaben der Vorstandschaft ist die Ehrung ihrer Mitglieder.
Gar manche Generalversammlung konnte schon für 50jährige und 25jährige Treue das Treuezeichen übergeben und eine ganze Reihe junger Wehrmänner hat sich in den letzten Jahren das Leistungsabzeichen verdient. Wehrmänner müssen für ihren Einsatz geschult werden. Und das ist oft hart und mühevoll.
Doch die beste Ausbildung nützt nichts ohne die entsprechende Ausrüstung. Im Laufe der Zeit wurde das Feuerwehrhaus immer baufälliger, die Schläuche verstockten, die Geräte verrosteten.

1963 wurden die ersten Schritte zum Bau eines neuen Gerätehauses unternommen. Nachdem die ersten Pläne fehlgeschlagen waren, konnte auf einem Grundstück des Gastwirts Baier ein neues Gerätehaus erbaut werden.
Am 9. 7. 1967 bekam es seine kirchliche Weihe.

Das neu erbaute Feuerhaus ist ein Gemeinschaftswerk. Die Feuerwehrmänner schließen sich innerhalb ihrer Organisation zu einem Verein zusammen. Kommandant und Vorstand haben viele gemeinsame Aufgaben. Ist es in 1. Linie Sache des Kommandanten die Wehr einsatzfähig zu machen, so ist es Sache des Vorstandes die Männer zu „vereinen“ und das geschah besonders beim Bau des neuen Gebäudes.

Der Stolz der Wehr ist aber nicht nur das neue Gerätehaus, sondern auch das neuerstandene Löschgruppenfahrzeug. Sogar die Handsirne, die die „Blasn“ abgelöst hatte, wurde in den Ruhestand versetzt. Seit März 1964 ist auf der Bäckerei Schmidbauer eine Einheitssirene installiert, die einen Hörbereich je nach Windrichtung von 3 – 5 km hat.
Zu den niederbayerischen „Volksfesten“ gehören die Fahnenweihen. Am 22. Mai 1955 wurde die 3. Fahne der FFW Hunderdorf geweiht. 55 auswärtige Wehren waren zu diesem Festtag gekommen. Man muß es erlebt haben, dieses festliche Bild, wenn ein halbes Hundert Wehren sich hinter ihren Fahnen gruppieren. Jede hat ihren Taferlbuben mit dem bekränzten Taferl voraus, dann die Fahne mit den Festjungfrauen und die Wehrmänner in ihren Uniformen.
Allen voran, die noch verhüllte Fahne, die Fahnenmutter mit den Ehrenjungfrauen, auf einem Seidenkissen das reich gestickte Fahnenband, hinter ihr im strahlenden Weiß die Fahnenjungfrau mit ihren Begleiterinnen und alle tragen die Schärpen mit den Feuerwehrfarben. Die Vorstandschaft, die Behörden und die Musikkapelle, so ziehen sie nach dem Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Mitglieder zum Festmahl. Nachmittags setzt sich der große Festzug in Bewegung und nach einer Feierstunde auf dem Festplatz gibt es noch ein frohes Beisammensein bis sich die Festgäste schließlich heimspielen lassen. Auch die Niederbayern halten es mit Goethe: ,,Saure Wochen, frohe Feste!“
Henri Dunant rüttelte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts mit seinem Buch „Erinnerungen an Solferino“, das Gewissen der Menschheit wach. Er forderte vor allem Schutz und Betreuung für die waffenlosen Kriegsopfer und Pflege für alle, die ihrer bedürfen. Die Idee dieses großen Menschenfreundes wurde in der Genfer Konvention 1863 aufgegriffen und erfuhr dort internationale Anerkennung.
Seitdem hat das Rote Kreuz, wie sich die so entstandene Hilfsorganisation nannte, von Genf aus über ganz Europa und darüber hinaus Hilfsgruppen gegründet, überall entstanden Ortsgruppen, die die Idee Dunants weitertrugen.
Auch in Hunderdorf wurde 1958 eine Ortsgruppe gegründet. Kreiskolonnenführer Klar und Sozialdienstleiterin Frau Hofmann mühen sich seitdem das Vorbild des großen Menschenfreundes auch in Hunderdorf zu verwirklichen und vor allem auch junge Menschen in diesem Geist zu schulen und zu bilden.
Seit der Gründung wurden laufend Grundausbildungslehrgänge und Sanitätskurse, Ausbildungskurse in häuslicher Krankenpflege und Übungsstunden abgehalten.
Die noch junge Gruppe zählt zu den bestausgerüsteten des Landkreises. Die Liebe zu den Menschen hatte den Gründer hellhörig gemacht für die menschliche Not. Diese Liebe läßt die Ortsgruppe bei jeder Gelegenheit Gestalt annehmen, besonders in den Altentagen, die alljährlich um die Weihnachtszeit abgehalten werden.
Dunant wollte in der Stille helfen, in der Stille wirken. So wäre es auch nicht im Sinne des Gründers, wenn alles was bisher so still und selbstverständlich geschah, plötzlich ins Rampenlicht gerückt würde. Außer der Hilfsorganisation hat Hunderdorf auch seine Vereine. 1887 wurde von Joseph Kraus der Krieger- und Veteranenverein gegründet. Er hatte im Laufe der Jahre eine wechselvolle Geschichte.
Der bedeutendste Tag und der Markstein derselben war die Einweihung des Kriegerdenkmales am 3. August 1918, damals an der Ecke neben Groß in Richtµng Bogen.
Zum 50. Gedächtnistag dieser Denkmalenthüllung wurden die Teilnehmer beider Weltkriege geehrt.
Den Kriegsteilnehmern von 1914/18 wurde eine Urkunde mit folgendem Wortlaut verliehen:
URKUNDE
Ehrenurkunde und Besitzzeugnis
zu dem Kriegerehrenzeichen·
verliehen dem Mitglied und Kriegsteilnehmer
von 1914/18 Herrn
SCHINDLMEIER SEBASTIAN
aus Anlaß des 5ojährigen Jahrestages der Kriegerdenkmal-Enthüllung
Hunderdorf, den 3. August 1969
Krieger- und Soldatenkameradschaft Hunderdorf
Gaschler Leo
1. Vorsitzender
Die Teilnehmer des Krieges 1.939/ 45 erhielten dieselbe Urkunde jedoch zum Ehrenzeichen in Gold.
Folgende Teilnehmer des I. Weltkrieges konnten die Ehrenurkunde in Empfang nehmen:
Schindlmeier Sebastian
Hornberger Josef
Bornschlegl Josef
Reiner Karl
Zitzelsberger Jakob
Marchl Rupert
Tremmel Anton
Spranger Ludwig
Maier Ludwig, Grabmühl
Feldbauer Johann
Jobst Alois
Bugl Jakob
Wanninger Franz
Sperl Max
Weber Josef
Mandlinger Xaver
Kaldoneck Roman
Miedaner Karl
Die 19 Teilnehmer des I. Weltkrieges konnten die Urkunde zum Kriegerehrenzeichen erhalten, die 129 Mitglieder, Teilnehmer des 2. Weltkrieges erhielten die Urkunde zum Ehrenzeichen in Gold.
Die Freiwillige Feuerwehr ist neben der Hilfsorganisation auch ein Verein. An seiner Spitze steht der Vorstand und sorgt als Ausgleich für den oft recht schweren Einsatz für Geselligkeit und brüderliche Kameradschaft.
Der VdK nimmt sich vor allem der Hinterbliebenen der Kriegsopfer an und steht ihnen jederzeit ratend und helfend zur Seite.
Mit Idealismus und Gemeinschaftssinn pflegt der Trachtenverein die Erhaltung des echten Brauchtums. Die Errichtung der Waldkapelle auf der Anhöhe von Hoch und das Totenbrett als Gedenkbrett für die verstorbenen Mitglieder, sowie die Erneuerung der Tracht geben ein beredtes Zeugnis.


Der Gesangverein konnte im Sommer 1969 auf sein 20jähriges Bestehen zurückblicken. Mit einem festlichen Konzert wurde im Berger-Saal in Steinburg der Jahrestag der Gründung begangen.
Der jüngste Verein in Hunderdorf ist der Sportverein. Am 3. August 1969 konnte der Sportplatz eingeweiht werden. Verbunden mit dem Festakt wurde ein Volks- und Heimatfest gefeiert.
WIAS DA BRAUCH IS !
Trotz allem Fortschritt und Tempo der Zeit hat sich manch alter und schöner Brauch erhalten. freilich holt man das Bier nicht mehr mit dem Krug, aber den edlen Gerstensaft liebt man wie eh. Früher konnte man ihn sich nicht als Haustrunk leisten und so kam es, daß in manchem Wurzgarten eineHopfenstaude rankte und die vorsorgliche Hausfrau ihr eigenes Bier braute. Am Sonntag war es den Frauen selbstverständlich, daß die Männer „zum Bier gehen.“ Beim Bier ließ sich alles besser ausreden. Manchmal wurde auch mit den Maßkrügen geredet und wenn es dem Wirt gelang mit dem Ochsenfiesel zu schlichten, so war das Ganze nicht der Rede wert. Mancher konnte nach beendeter Schlacht sagen: ,,Mit einem blauen Auge davon gekommen!“ Ja die Sitten der Hunderdorfer!
Wenn man sagt, die Niederbayern haben in einer Hand das Messer, in der anderen den Rosenkranz, dann werden damit nicht nur die Hunderdorfer ,,mit ihren rohen Sitten“ gemeint sein.
Den Rosenkranz hielten sie fest, wenn sie Wallfahrten gingen und das nicht selten. Schon 1702 hielten sie 12 Prozessionen, dazu gehörte auch der Bittgang auf den Bogenberg.
Sie wallfahrteten zu St. Erhardi und Ruperti nach Gaishausen, zum hl. Valentin nach Au, zum hl. Sixtus nach Hofdorf, zu St. Blasi nach Windberg, dorthin gingen sie besonders gern an Blasi; denn da gab es auch noch die Blasiuszeltl, die für alle Halsleiden halfen. Die größte Wallfahrt war am Pfingsttag auf den Bogenberg. Schon bei Nacht kamen die Waldler betend durch das Dorf gezogen in Richtung Bogen und in Gruppen schloß man sich im Laufe des Vormittags an sie an. Man wollte rechtzeitig in Bogen sein, wenn die wachseme Stang kam. Diese 13 m hohe und 125 Pfund schwere

Pfingstkerze wird schon seit 1492 einem Gelübde zufolge, jedes Jahr am Pfingstsonntag auf den Bogenberg getragen und alles weitum beteiligt sich an dieser Wallfahrt.
In der Wallfahrtskirche, die das älteste Marienheiligtum Bayerns birgt, wird seit 1204 die „hoffende Mutter“ verehrt.


Der Donau Flut mit Gottes Segen
Dein Bild, Maria uns entgegen.
In seiner Schloßkapelle hier
Hat Aswin, Bogens frommer Held,
Es dir zu Ehren aufgestellt.“




Wallfahrten die einen am Pfingstsonntag auf den Bogenberg, so gingen die anderen am Pfingstmontag zum Englmarisuchen. Jedes Jahr am Pfingstmontag wird der selige Englmar in feierlicher Prozession im Walde abgeholt und mit dem Ochsenfuhrwerk zur Kirche gefahren und seit Jahrhunderten ziehen die Gläubigen aus nah und fern mit.





In den ersten 3 Maitagen ging man früher nach Heilig Kreuz zum Triduum.
1693 hatte dort Johann Georg Seidenbusch aus Aufhausen, ein Freund von Abt Franziskus Knott von Windberg ein Kreuz errichten lassen und 1695 ein Kirchlein erbaut. Später wurde eine Klause angeschlossen und noch jetzt lebt dort der „Oasiedl“ und betreut Kirche und Pilger.

Hunderdorf selbst hatte nie eine Wallfahrt oder ein berühmtes Gnadenbild, doch an manchem Haus stand in einer Nische eine Heiligenfigur oder ein Kreuz.
Seine Anliegen trug man in die ringsum liegenden Wallfahrtskirchen und wurde man in seiner Not erhört, so opferte man ein Votivbild oder eine Votivgabe aus Wachs.
Wie der Brunnen so gehörte früher der Imkenstock zum Hof.

Aus den duftenden Waben wurden die Kerzen. Freilich mit Wachskerzen war man sparsam, sie waren kostbar und teuer. Der Wachsstock wurde nur bei besonderen Anlässen gebraucht. Der reich verzierte Brautwachsstock wurde bei den Familienkostbarkeiten im Glaskasten verwahrt. Beim Rosenkranz und bei der Leich eines Familienangehörigen wurde der Wachsstock gebrannt und am Allerheiligentag abends, wenn die Glocken von 7-8 Uhr läuteten, zündete man den Wachsstock an und kniete nieder zum Rosenkranzbeten. Die verzierte und mit Bildern geschmückte Kommunionkerze wurde aufbewahrt als Sterbekerze.
Der Honig galt als Arznei und das Honiggetränk der Met, wurde an Ostern und Allerheiligen gebraut, wenn das Patenkind zu Gdot kam.
Auch für die Lebzeltn brauchte man Honig.
Was man übrig hatte verkaufte man dem Honigbäcker in der Stadt und dem Lebzelter und die Waben trug man zum Wachszieher. Der Günther in Bogen goß in alte Model das flüssige Wachs und bemalte es mit frohen Farben. Man konnte solche Wachsbildl erstehen und sie opfern als Votivgabe, wenn man Wallfahrten ging. In der Bogenberger Kirche waren früher Wachshände, Wachsfüße und dergl. neben zahllosen Votivkerzen und anderen Votivgaben aus Wachs aufgestellt.
Ganze Figuren wurden aus Wachs gegossen und kostbare Wappenbilder erstellt.

TOTENBRETTER
Unfürdenklich steht die Reihe hin am Wege angepfählt.
Und des Ortes stiller Weihe ist Besinnung beigesellt.
Auf den Brettern sind gelegen Braut und Jüngling, Frau und Mann,
schritten auch auf unseren Wegen, bis man sie zu Grab getan.
Standen auch vor ihrer Lieben letzten harten Liegestatt;
so ist’s stummer Brauch geblieben, den der Tod verordnet hat.
Unter Altem ragt die Frische, was schon morsch und umgeweht,
duldet neues Farbgemische, das in Nesseln aufrecht steht.
Was gefallen, bleibt hier liegen, arm und reich wird nicht gezählt;
jeder findet sein Begnügen, daß sein Brett nur Jahre hält.
Andreas Mühlbauer

Das Totenbrett wird zum Gedenkbrett.
Das Totenbrett war die letzte Liegestatt bevor einer in den Sarg kam. Der Verschiedene wurde nach dem Hinscheiden auf ein Brett aus Weichholz gelegt und in der Kammer oder in der Stube aufgebahrt. Erst vor dem Begräbnis wurde er von den Trägern in den Sarg gehoben.
Schon im ältesten Bayer. Gesetzbuch, dem Lex Bajovariorum, das im Kloster Niederalteich niedergeschrieben wurde und im Nibelungenlied, diesem alten deutschen Heldengesang wird eine Art Totenbrett erwähnt. Die Urform war das rohe Brett. Die Seite, auf der der Tote gelegen, wurde mit drei Kreuzen gekennzeichnet. Aus dem Heidentum stammend, von den Christen beibehalten aber sinngemäß umgedeutet wurde auch das Totenbrett. Ursprünglich wurden die Totenbretter im Friedhof oder sippenweise in der Nähe von Siedlungen aufgestellt. Der Platz an dem die Totenbretter standen, galt als Stätte des Todesschatten und war dem Volke heilig.
,,Die Totenbretter erweisen sich als die Uranfänge monumentaler Kunst, die in der vollen Naivität des grauen Altertums, hier in unsere gesittete Welt hineinragt. Nicht christlichen Ursprungs ist der Gedanke, daß der Tote so lange zur Verwesung brauche und erst dann erlöst werde, wenn das Brett vermodert ist. Aus diesem Grunde wurde später Weichholz verwendet. Hatte sich doch unter dem Einfluß der Kirche die frühere Furcht vor den Toten in Liebe und Fürsorge verwandelt.“
Mit dem im 19. Jahrh. sich immer mehr verstärkenden Brauchtumswandel wurde das Totenbrett oft zum Gedenkbrett.
Mitunter der Körperform angepaßt und nachgeschnitten, vielfach bemalt, mit den Daten des Verstorbenen versehen, dessen es gedenkt. Mit Reimaufschriften ausgestattet, die sich auf das Leben und den Tod des Abgeschiedenen beziehen oder zur allgemeinen Besinnung führen, bezeugen diese Totengedenkbretter fromme und ehrende Gesinnung, die dem Andenken des Verstorbenen galt.
In späteren Zeiten wurden die Totenbretter oft bei Wegkreuzen aufgestellt. Jeder größere Bauer hatte sein Feldkreuz. Es stand meist am Wegrand und die Vorübergehenden bekreuzten sich und schenkten denen, die darauf gelegen ein kurzes Gedenken.
Beim Baierkreuz auf der Poigerhöh (jetzt Plötzanwesen) wurde in Hunderdorf das letzte echte Totenbrett aufgestellt. Es erinnerte an die letzte Liegestatt des Baierwirt und wurde gleich nach seiner Beerdigung zum Schreiner gebracht, der es der Sitte gemäß zuschnitt, anstrich und beschriftete.
Seit Hunderdorf ein Leichenhaus hat, ist es nur noch Gedenkbrett. In Breitfeld wurde erst in jüngster Zeit ein solches Mahnmal errichtet.

,,Die Sterne kommen, die Sterne gehn.
Was im Lenz geblüht, muß im Herbst verwehn.
Die Wolken eilen, die Nebel ziehn.
Sie wandern am Fuße des Kreuzes hin.
Die Jahre kommen, die Jahre fliehn,
Das Kreuz sieht die Jahre vorüberziehn,
Das Kreuz, das am Wege Schildwach hält.
Die Zeiten wandern, es wandert die Welt.
Ich selber zog müde vom Wandern vorbei,
Im Schatten des Kreuzes die Kraft zu erneun.
Ich muß wieder ziehen, – das Kreuz steht in Ruh;
Ich selber muß wandern – dem Grabkreuze zu.“
Nach Dr. M. Faulhaber
Geht man den Wanderweg von Hunderdorf nach Windberg so findet man an dem Stadel des letzten Bauernhauses 12 Totenbretter, alle mit dem Namen Trum. Innerhalb 2 Jahrzehnten lag die ganze Familie auf diesen Brettern. Hat man die Höhe von Windberg erreicht so steht man am Wirtsstadel, bevor man in die Ortschaft kommt, wieder einer ganzen Reihe Totenbrettern gegenüber.

In beide Familien hatte sich eine heimtückische Krankheit eingeschlichen, ohne daß die Ansteckungsgefahr erkannt worden war.
Beim Trum hing, wie es damals im Bayer. Wald üblich war, über demTisch eine Glaskugel mit einer eingearbeiteten Taube, die den Hl. Geist versinnbilden sollte, im Volksmund aber, etwas derb „Suppenbrunzer“ genannt wurde. In der Zeit gab es noch zur Morgen- und Nachtsuppen die „Eingerührte“. In eine große Schüssel wurde schwarzes Brot gebrockt und die dampfende Suppe darübergegossen. Der Dampf stieg hoch, legte sich an die Kugel und tropfte erkaltet wieder in die Schüssel. Es war Brauch, daß die Eingerührte von allen aus der Schüssel gelöffelt wurde, auch viele andere Speisen. Für diese wurde die „Goaß“ auf den Tisch gestellt, unten auf die Goaß kam die Rein mit dem Reinmuas, den Mäutaschen, dem Zwirl, dem Erdäpfelschmarrn und was es sonst noch an heimischen Gerichten gab. In den Ring der Goaß kam das Dazuessen, das in gesteckelter Milch, Apfl- oder Hollerkoch, Gletzn oder Zwetschgnbrüh und dergl. bestand. Als beim Trum ein Famil:enmitglied nach dem anderen erkrankte, dahinsiechte und starb, mußte die harmlose Glaskugel schuld sein. Man hatte an ihr eine Spinne entdeckt und glaubte, sie würde durch den aufsteigenden Dampf aufgeschreckt, ihr Gift in die Speisen entleeren.

Wias der Brauch war, tat man ruhig und selbstverständlich. Man ging seiner Arbeit nach, gab dem Vorübergehenden über den Zaun ein kurzes Wort und wenn es Abend geworden, setzte man s:ch vor die Haustür auf die Greedbank. Im Winter schnitzelte und bitzelte der Bauer und ein alter Hunderdorfer Bürger hat sich nach einem erfüllten Leben das Schnitzeln für seinen „Feierabend“ aufgehoben. In Zwiesel im Bayer. Wald holt er sich die vorgearbeiteten Figuren und mit großer Hingabe gibt er ihnen Form und Gestalt.
Wias da Brauch is !
… die Sonnenblumen lächeln hin zum alten Zaun,
als wollten sie den Hagestolz ein wenig foppen
mit einem Blick von schelmenhaften Frau’n.
Wias da Brauch war, kleidete man sich auch. Es gab zwar im Vorwald nicht die bodenständigen Trachten wie im Gebirge, aber die Kleidung hatte auch ihre Eigenheiten. Frühere Trachten kann man auf den alten Votivbildern auf dem Bogenberg, in Hl. Kreuz und in Au sehen. Auch das Heimatmuseum auf dem Bogenberg hat Trachten verwahrt, sie stammen allerdings schon mehr aus dem Gäu. Die Tracht des Waldes war in späterer Zeit dunkel und je mehr man sich dem Gäu näherte, umso mehr hellte sie sich auf. Waren im Vorwald seidene Kopftücher und Fürtücher das höchste an Reichtum, so trug man im Gäu Gold und Gehänge.
DIE TRACHT IM VORWALD
Der Wald und das Gäu, das sind für jeden Bewohner des Landkreises Bogen zwei festgelegte Begriffe. Geht er über die Donau nordwärts, so geht er eben in den Wald, nimmt er die entgegengesetzte Richtung, so gehört er in das Gäu. Diese Begriffe schließen seit Jahrhunderten nicht nur die Landschaft mit ihren Eigenheiten in sich, sondern auch die Menschen. Galt derwaldler als einfach, ja arm und verschlossen, so der Gäubauer als reich und sich seines Reichtums bewußt. Der dürstere Wald gab dem Gemüt des Waldlers etwas hintergründiges, während der weite fruchtbare Boden des Gäus auch im Menschen sich ausweitete.
Die Menschen zwischen Wald und Donau, also die Bewohner des Vorwaldes haben etwas mehr von der rauhen Höhenluft zugeweht bekommen, als von der weiten des Gäubodens und diese Eigenart zeigte sich durch Jahrhunderte in ihrem Gewand.
Daß die Tracht trotz ihrer Beständigkeit auch der Mode unterworfen ist, zeigt sich recht deutlich auf den alten Votivtafeln. Die an den Wallfahrtsorten Bogenberg, Hl. Kreuz und Au aufgestellten Votivtafeln sind die einzigen Zeugnisse der vergangenen Tracht. Auch die Trachtenforscher müssen sich an ihnen orientieren.
Oskar von Zaborsky gab unter großen Schwierigkeiten 1958 das Buch „Die Tracht im Bayerischen und Böhmerwald“ heraus. Auch er hat sich an den Votivtafeln orientiert und an dem, was im Heimatmuseum auf dem Bogenberg zu sammengetragen wurde.
Als Wesentliches zur Tracht in unserer Gegend kann gesagt werden: Nach der Zeit des farbenfrohen Barocks (Anfang des 17. bis Mitte des 18. Jahrh.) wurden die Trachten dunkler, das Schwarz gehörte zur Tracht, es kam das Braun und später das Blau dazu.
Die Tracht nahm einen strengen Stil an. Die Frauenröcke reichten bis zum Boden, Frauen und Männer trugen Jacken mit Schößen. Während die Schöße der Männerjacken in Falten gelegt waren, waren die der Frauen eingereiht. Schürzen gehörten nur teilweise zur Festtracht. Man unterschied zwischen Arbeitskleidung und Festtracht.
Die Männer trugen im Winter lange Hosen aus Barchent oder Leder, ein Leibchen ohne Ärmel, Strümpfe, Bundschuhe oder Holzschuhe, als Kopfbedeckung einen Filzhut oder eine Zipfelhaube.

Im Sommer bestand die Kleidung lediglich aus Hemd und einer leichten Hose und dem Strohhut.
Solange es nur möglich war, gingen die Männer barfuß. Die Arbeitskleidung der Männer wurde meist aus selbstverfertigter Leinwand hergestellt die man blau einfärbte. Unterhosen oder Unterjanker schätzte man nicht. Erst bei ganz großer Kälte zog man die Sonntagshose unter die Werktagshose, sonst aber arbeitete man im Freien bei jedem Wetter oder in der Scheune nur im Leinenzeuge.
Die Frauen trugen zur Arbeit einen abgenähten Unterrock, einen Rock mit Leibchen, dazu einen bis an den Hals geschlossenen Spenzer. Alles von blaugefärbter Leinwand. Um die Brust tragen sie ein Einstecktuch, um den Kopf ein Tuch gebunden, baumwollene oder wollene gestrickte Strümpfe, meist Holzschuhe oder Lederpantoffel.
Zur Sonntagstracht einen Persrock, Mieder und darüber einen Spenzer von schwarzer Farbe, der zu großem Putz weit ausgeschnitten ist, dazu ein seidenes Kopftuch.
Das Kopftuch gehörte zum alten Bestand. Es entwickelte sich aus einem einfachen Hauptentuch zu dem großen diagonalgefalteten Kopftuch. Die Kopftücher waren aus feiner Wolle und später aus Damastseide. Es wurde am unteren Hinterkopfe gebunden, gesperlt und an der Kopfhaut festgesteckt.
Das festliche Kopftuch hatte einen Meter im Geviert und wurde noch bis zum 2. Weltkrieg von älteren Frauen getragen. Die Festtracht wechselte immer mehr zum Schwarz über und bestand zuletzt aus schwarzer Seide. Das kleine Kopftuch wurde auch bei

der Arbeit getragen, im Winter aus Wolle, im Sommer aus Baumwolle als Sonntüchl. Es gibt zwar in der Gegend heute keine Träger der echten Tracht mehr, aber es gibt noch Truhen, die Spenzer, Kopftücher und Halsgehäng bergen.
Alter Geist in neuen Bahnen ehrt den Hof und ehrt die Ahnen.
Lebt der Bauer, lebt das Land, Segen quillt aus Gottes Hand!
Wer du bist zeigt dein Gewand.
Eugen Hubrich
DAS HEIMATLICHE JAHR IN SITTE UND BRAUCHTUM
Ein Jahr geht durch das Tal. Meist kommt es heraus aus einer großen Stille.
Tausend Stämme tragen diese Halle,
wo die Stille heilge Andacht hält,
Silber tropft mit wunderleisem Schalle
und versprüht im Regenbogenfalle,
Spiegelung aus lichtverklärter Welt.
Und an allen tiefverschneiten Wegen
– nur das Reh schrieb seine leise Spur –
reckt sich Baum an Baum dem Licht entgegen
preisend Gott und die geweihte Flur.
Martin Schmid
I wünsch enk a glückseligs neus Jahr,
s’Christkindl mit krauselte Haar,
a g’sunds Lebn, a langs Lebn
und s’Himmelreich danebn.
I wünsch an Herrn an goldnen Tisch,
an jedem Eck an bachen Fisch.
I wünsch der Frau a goldne Haum,
daß dasteht wie a Turtltaum.
I wünsch enk alle die ewige Freud
und dö ewig Glückseligkeit.
Mit diesem Spruch gingen früher Buben am Neujahrmorgen von Haus zu Haus und erhofften sich für ihre Neujahrswünsche ein kleines Scherflein.
A glückseligs neus Jahr, rief einer dem anderen zu und man tut es heute noch. Meist ist zwar aus dem glückseligen Neujahr, ein gutes Neues Jahr geworden, dem man auch noch gerne anfügt: ,,Daß’d g’sund bleibst.“ Vor Neujahr hat man sich auch all derer erinnert, die zur Verwandtschaft oder Bekanntschaft gehörten. War man sonst nicht schreibeifrig, einen glitzernden Kartengruß sollten sie haben, die Glückwünsche waren ja schon aufgedruckt und man brauchte nur seinen Namen darunter zu setzen. Heute wird die Post meist schon vor Weihnachten erledigt und für beide Anlässe zugleich geschrieben. Die gar so lieblichen Karten wurden zum großen Teil von schönen Motivkarten, oft aus der näheren Heimat, ersetzt. Wird auch das neue Jahr angeschossen und durch andere Geräusche manchmal ziemlich laut angefangen, so macht der Schnee schnell alles wieder still. Die stille Zeit hat stille Freuden und zu denen gehört das Eisstockschießen und das Skifahren.
Die Eisstockschützen müssen Stock und Daube möglichst nah zusammenbringen. Das ist das Ziel des Moar und seiner Moarschaft.
Zu kleinen Skitouren hat man die Skipiste am Windberg wieder entdeckt, freilich die passionierten Skifahrer sind damit nicht zufrieden, aber für sie ist ja Grün und Maibrunn nicht weit.
Die Kinder suchen sich eine Schlittenbahn. Auf der Straße kann man es längst nicht mehr wagen, vor 30 Jahren war es noch möglich, aber es gibt ja auch die Bauemhöh, die schöne Bräuherrhöh ist inzwischen zur Straße geworden. Viel von unserem Brauchtum geht auf unsere heidnischen Vorfahren zurück. Die Missionare gaben den Bräuchen christlichen Sinn. Sie hatten somit ein zweifaches gewonnen. Das Volk konnte seine liebgewonnene Bräuche behalten und hatte dazu die Segnungen des Christentums. Dabei ließ sich freilich nicht verhindern, daß auch mancher Aberglaube erhalten blieb. So behielten die Losnächte und Rauhnächte bis in unsere Tage mehr abergläubischen als christlichen Sinn. Die „Rauhnächte“ sind die letzten 6 Nächte des alten und die ersten 6 Nächte des neuen Jahres. Am letzten Tag der Rauhnächte, am Dreikönigstag wird nach christlichem Brauch, die Hausweihe gehalten. Zur Erinnerung an die Gaben der 3 Weisen aus dem Morgenland, werden in der Kirche Weihrauch, Kreide und Wasser geweiht. Räuchernd und mit dem geweihten Wasser sprengend geht man durch das Haus und der Hausvater schreibt die Anfangsbuchstaben der Hl. Dreikönige an die Türen. Zum Zeichen des Segens werden zwischen die Buchstaben Kreuzchen eingefügt. K + M + B. Auch unsere Vorfahren räucherten nach den Rauhnächten ihr Haus um es vor den bösen Geistern zu schützen und malten an ihre Türe den Drudenfuß, zum Schutz gegen die Drud, die druckt. Es kann noch vorkommen, daß man an einer Türe neben den Namen der Heiligen den Drudenfuß findet, für.alle Fälle, hatte man gedacht.
Um Dreikönig gehen die Buben als die Dreikönige verkleidet von Haus zu Haus und sagen ihren Spruch:
Die heiligen Dreikönig sind hochgebom,
sie reiten daher mit Stiefeln und Sporn.
sie reiten vor des Herodes Haus,
Herodes schaut grad zum Fenster heraus.
Kehrt ein, kehrt ein, ihr Weisen drei,
ich will euch geben Stroh und Heu.
Ich will euch geben einen gedeckten Tisch
Wenn ihr mir sagt, wo Jesus geboren ist.
Kaspar spricht: Nein, nein, wir haben keine Rast und keine Ruh,
Wir müssen heute noch nach Bethlehem zu,
Bethlehem ist eine heilige Stadt, wo Maria das Jesuskind geboren hat.
Vielerorts, seit 1967 auch in Hunderdorf, gehen die Ministranten als Sternsinger, meist von einem Geistlichen begleitet, der den kirchlichen Haussegen betet.
Die Gaben, die für die frommen Wünsche gegeben werden, bleiben mcht mehr Eigentum der Buben, sondern kommen in die Mission.
20. Januar, Sebastiani. Dieser Tag war bei unseren Großeltern noch ein hoher Bauernfeiertag. Noch heute läßt jede Ortschaft ihr eigenes Sebastianiamt lesen, zum Schutz vor Pest bei Mensch und Vieh.
21. Januar, Agnes Scheint am Agnestag die Sonne, wird die Frucht wurmig, ist es aber bewölkt gibt es gesunde Frucht.
22. Januar, Vinzenz Zu Vinzenz Sonnenschein bringt viel Korn und Wein.
25. Januar, Pauli Bekehr Pauli klar – ein gutes Jahr, Pauli Regen – schlechter Segen.
31. Januar
Tanzen im Januar die Mucken, muß der Bauer nach dem Futter gucken. Lichtmeß war der große Tag für die Dienstboten. Bereits nach der Ernte hat der Bauer die Ehhalten gefragt, ob sie wieder bleiben wollen. Auf guten Höfen gab es wenig Dienstbotenwechsel, obwohl die Löhne und die Verhältnisse für uns unbegreiflich karg waren. So schlief der Knecht meist über dem Roßstall, um es gleich zu hören, wenn im Stall etwas nicht in Ordnung war, die Weiberleut dagegen schliefen im Haus meist im 1. Stock und zwar gerne in dem Zimmer unter dem die Miststatt war, da konnte die Leiter nicht so leicht angelehnt werden. Eine von den Weiberleuten mußte dem Knecht den Strohsack schütteln und das Bett machen, dafür bekam sie an Lichtmeß von ihm einen Wachsstock. Beim Essen saßen die Dienstboten am Ehhalten-Tisch. Der 1. Knecht führte das Regiment. Zahltag für das ganze Jahr war an Lichtmeß. 1913 hatte ein Knecht einen Jahreslohn von 250 M, der Mitterknecht 160 M, der Roßknecht 150 M, der Ochsner, die Mitterdirn 80 M, das Hausdeandl 45 M. Zu so vielen Dienstboten war ein Hof von ca. 200 Tgw. notwendig und doch brauchte so ein Bauer für die ganzen Löhne im Jahr nur 1745 M, dazu kamen noch Gewand und Schuh, 200 M für Invaliden- und Wappegeld. Insgesamt kamen die Dienstboten in so einem Hof auf 2200 M. Um diese Löhne aufbringen zu können, mußte der Bauer 360 Ztr. Weizen verkaufen und 200 Ztr. Korn. Damit konnte er dann auch noch die Abgaben und Steuern begleichen. Schon nach dem 1. Weltkrieg änderte sich das Verhältnis auf den Bauernhöfen zwischen Bauern und Dienstboten grundlegend. War bis 1914 das Dienen als Knecht und Dirn selbstverständlich, so erklärten viele Heimkehrer, sie machen keinen Dienstboten mehr und schon damals begann die Abwanderung. Noch viel krasser wurde es nach dem 2. Weltkrieg und heute gibt es Dienstboten von der alten Art überhaupt nicht mehr. Aus den Jahrzehnte dienenden Knechten und Mägden wurden zum großen Teil die Taglöhner. So hat im Grunde nicht die Maschine auf dem Bauernhof den Menschen verdrängt, sondern der Bauer wurde durch die Entwicklung zur Maschine gezwungen. Freilich die einstige Ruhe und Gemütlichkeit ist gewichen, der gemütliche Feierabend fehlt. Man braucht keine Greedbenk mehr und zum „Hoagarten“ gehn, hat man keine Zeit, auch nicht bei Regenwetter. Mit der Maschine ist die Hetze auf den Bauernhof gekommen; denn nicht mehr der Mensch bestimmt das Tempo, sondern die Maschine. Nach Lichtmeß kamen die Schlankltage. War eine neue Dirn eingestanden, mußte ihr der Knecht den Kasten holen. Die Dienstboten wurden in die Gebräuche beim neuen Bauern eingeweiht, in den Tagen nach Lichtmeß durfte man sich Zeit lassen, da brauchte man nur das Notwendigste zu tun. Die Zeit des Aufbruchs in der Natur feierten unsere Vorfahren durch die Fasenächte. Es war obendrein die Zeit vor der strengen Fasten und da wollte man sich noch gütlich tun an allen irdischen Freuden. Auf den Bällen wurde getanzt, auf dem Fraßball dazu noch kräftig gegessen. Jeder Wirt lud eigens zu einem Fraßball, heute meist Hausball genannt. Während es früher ein eigenes Mahl gab, kann sich heute jeder sein Gericht auswählen. Dann gab es noch die Tanzkranzl und die sonstigen Unterhaltungen der Vereine. Manches Jahr wurde auch Faschingshochzeit gehalten, wobei die größte Sensation im Hochzeitszug bestand. 1932 und nach dem Krieg noch einmal fand in Hofdorf eine Faschingshochzeit statt. Besonders die Kinder, aber auch die Erwachsenen gingen Maschkara. Am Faschingsdienstag hält die Schule alljährlich ihren Faschingszug. Da der Winter in unseren Gegenden meist rauh war, die Nächte lang, die Tage düster, sehnte man sich besonders nach diesen Tagen der ungezwungenen Heiterkeit. Obendrein hatte man früher wenig Vergnügen, nur Arbeit und Mühe.
Heute ist das zum Großteil anders und doch hat sich der echte Niederbayer im Grund wenig geändert .
Am Aschermittwoch erinnerte die Kirche wieder an den Ernst des Lebens und legt jedem das Aschenkreuz auf mit den Worten: ,,Gedenk o Mensch, daß du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst.“ An einem Brunnen, auch am eigenen Brunnen, war die Geldbeutelwaschung.
Am Frühlingsanfang gingen 2 verkleidete Männer durch das Dorf und spielten das Winteraustreiben. Sie sangen den Wettstreit zwischen Winter und Frühling und zum Schluß siegte doch der Frühling und durfte Einzug halten.
Um diese Zeit wird auch Josefi gefeiert. Früher hatten fast alle Männer ihren „Tag“. Den Geburtstag übersah man stets, denn daß er einmal war, war eine Selbstverständlichkeit, daß man aber einen besonderen Heiligen als seinen speziellen Schutzpatron bekommen hat, jedoch nicht.
Heute ist Josefstag nicht mehr Feiertag. Die Josef und Sepperl sind wenig geworden, aber als Hausvater wird der hl. Josef immer noch verehrt und seit einigen Jahren auch als Patron der Arbeiter.
Wenn der März nicht tut was er soll,
ist der April der Launen voll.
25. März An Maria Verkündigung, kehrn die Schwalben wiederum.
Reich rankt sich das Brauchtum um Ostern. Es beginnt mit dem Palmsonntag. Früher wurden in der Kirche, jetzt auf dem Platz zwischen Kirche und Gemeindeamt, die Palmgerten geweiht. Die großen Palmgerten, die mit Immergrün und bunten Bändern geschmückt sind, werden vor allem von den Buben getragen, die kleinen Palmgerten, die ebenfalls mit Buntpapier verziert sind, dürfen schon die kleineren Kinder tragen. Nach der Weihe und dem Singen des Evangeliums zieht alles in feierlicher Prozession in die Kirche zur Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem.
Die eigentlichen Kartage beginnen mit dem Gründonnerstag, früher Antlaspfinsta, genannt. In den Kartagen schweigen die Glocken, dafür wird mit der Karfreitaratschn geratscht. In der alten Kirche war in den Kartagen verdunkelt. Bis zur Einführung der neuen Kartagsliturgie war auf dem Seitenaltar das „Heilige Grab“. Große bunte Glaskugeln und bunte elektrische Birnen beleuchteten es. Die Monstranz war ausgesetzt, aber zum Zeichen, daß der Herr im Grab verborgen ist, mit einem Schleier umhüllt. Im Mittelgang der Kirche rutschte man auf den Knien vor, verehrte das Kreuz, das auf den Stufen lag, betete kurz vor dem reichgeschmückten Hl. Grab und ging am Seitengang zurück. Damals war die Feuerweihe noch am Karsamstag in der Frühe. Das Feuer wurde aus einem Stein geschlagen. Die Buben brachten das untere Stück der Palmgerte als Osterscheit mit zur Weihe. Meist hatten sie ein paar Kienbrocken hineingesteckt, damit es besser brannte. Jeder setzte seinen Stolz darein, das best brennende Scheit zu haben. Das Osterscheit wurde mit der Palmgerte auf dem Dachboden aufgehoben um vor Feuersgefahr zu schützen. Die kleinen Palmgerten wurden an das Kreuz im Herrgottswinkel gesteckt. Im Krug wurde am Karsamstag das Osterwasser heimgetragen und Haus und Stall damit besprengt. Gegen Abend war „Auferstehung“. Festlich gestimmt kam man zur Kirche, verehrte nochmals den leidenden Herrn und zog dann in Prozession durch das Dorf. Inzwischen räumte der Mesner das Hl. Grab ab und bis die Prozession zurückkam, stand bereits der Auferstandene oben und alles sang: ,,Jesus lebt“.
Am Ostertag mußte man das „Geweihte“ mitnehmen. Gemeint waren die Speisen, die in der Kirche bei der Speisenweihe besonders gesegnet wurden. Schön gerichtet war in der Mitte das Osterlamperl, dazu kam ein Stück Brot, Kree, Salz und natürlich „rote Ooa“. Alle gefärbten Eier gelten als rote Eier, wohl noch von dem Ursprung des Brauches, da Eier nur rot gefärbt wurden; denn sie wurden als Zeichen der Liebe verschenkt. Auch die Armen bekommen ihre „rotn Oa“.
Zu den Kindern kommt am Ostertag der Osterhase. Der Hase ist Sinnbild des Lebens, das Ei Sinnbild der Fruchtbarkeit. Da jedes Kind weiß, daß die gewöhnlichen Eier die Henner legen, legt die besonderen Eier der Osterhase. Heute sind es meist Eier aus Zucker und Schokolade, die der Osterhase bringt.
Der Ostermontag gilt als Wandertag, er soll an den Gang der Jünger nach Emmaus erinnern. Früher durften die Kinder an diesem Tag zur Dot gehen.
Da gab es allerlei süße Sachen, Kuchen und anderes Gebäck und dazu den Met. Natürlich gehörten auch die „roten Oa“ dazu und beim Abschied bekam man von allem noch reichlich mit.
Die österliche Festzeit endete mit der Feier der Erstkommunion am Weißen Sonntag. In den letzten Jahren wurde die Erstkommunionfeier auf einen Sonntag im Mai verlegt. In früheren Jahren war dieser Tag wohl der große Tag für die Kinder, aber in e:nem schlichten Rahmen. Besuche und Geschenke haben sich erst in den letzten Jahren eingebürgert. In der Osternacht sah man vereinzelt auf den Bergen Osterfeuer. Der Maibaum gehört zum bayer. Dorf. Bei den Germanen war der Baum das Sinnbild des Lebens und der Schöpfung. Eine der schönsten Fichten wird gefällt, bis oben entastet und entrindet und mit den Zeichen der Berufsstände geschmückt. Als Zeichen des Jahres- und Lebenslaufes werden mehrere frische Kränze befestigt. Der schön geschmückte Maibaum wird am Vorabend des 1. Mai aufgestellt oder am 1. Mai. Meist sind damit allerlei Belustigungen verbunden. Das Aufstellen des Maibaumes ist vor allem Sache der Burschen.
Am 3. Mai ist Fest Kreuzauffindung. Aus den kleinen Zweigen der Palmgerte werden Kreuzl geschnitten und auf das Feld gesteckt.
Am 25. April, am Markustag, geht man das erste Mal mit dem Kreuz. Früher ging der Bittgang nach Neukirchen, jetzt nur noch bis Steinburg. Die eigentlichen Bittgänge sind an den Bittagen vor Christi Himmelfahrt. Am Montag betete man früher nach Degernbach, heute nach Windberg, am Dienstag nach Hofdorf und am Mittwoch auf den Bogenberg. Dieser Bittgang ist in einem Wallfahrtsbuch von 1530 schon vermerkt, ist aber sicher noch viel älter.
Am Schauerfreitag ist der große Flurumgang. Mit dem Allerheiligsten geht man durch die Pfarrei, wo inmitten der Felder oder Weiler ein Altar errichtet ist, an dem das Evangelium und der Wettersegen gesungen werden. Es gibt drei verschiedene Prozessionswege, damit jeder Teil der Pfarre; innerhalb drei Jahre umgangen wird.
Eigenartig ist, daß es nur im Bayer. Wald Pfingstbräuche gibt. Seit je gehörte für uns die Kerzenwallfahrt auf den Bogenberg zum Pfingsttag, das Englmarisuchen zum Pfingstmontag und seit der Motorisierung lassen sich manche den Kötztinger Pfingstritt mit der großen Pferdeprozession, wobei die Reiter die alten Trachten tragen, nicht entgehen.
Der Mai ist die Zeit der Wallfahrten. Pilgerte man früher nur zum Oasiedl nach Hl. Kreuz oder auf den Bogenberg, so fährt man schon seit Jahren mit dem Omnibus nach Eding oder gar nach Einsiedeln. Mitte Mai sind die Eisheiligen. Bei Frostgefahr zündete man gerne unter den Obstbäumen rauchende Feuer an, damit der Rauch die Luft erwärme und die Blüten vor Frost schütze.
Des Maien Mitte, hat für den Winter nochmal eine Hütte.
Pankrazi, Servazi und Bonifazi
sind drei frostige Bazi.
Und zum Schluß da fehlt dann nie
die kalte Sofie.
Die erste Liebe und der Mai,
gehn selten ohne Frost vorbei
Gewitter im Mai schreit der Bauer juchhei.
Juni feucht und warm, macht keinen Bauern arm.
Ist der Juni kalt und trocken kommt das Wachstum sehr ins Stocken. Johannesfeuer – ,,Suwendfeuer !“ Die Germanen hielten das Feuer heilig. Sie feierten die Sonnwende mit großen Feuern und ließen brennende Wagenräder von den Bergen rollen. Zur Zeit des Dritten Reiches wurden die Johannesfeuer wieder zu Sonnwendfeuern. Jedes Dorf hatte damals wieder sein Sonnwendfeuer und die alten Bräuche z. B. das Springen über das Feuer, wurden aufgefrischt. Früher gab es eigene Feuersprüche. Der Baumsteftenlenz hat einen aufbewahrt:
,,Hamma uns a Feia ogfriemt,
daß übers Dorf koa Feia kimmt,
daß da Flachs und s’Korn ebbs wird hamma uns a Feia gschürt.
Die kurze Nacht, der lange Tag,
viel Stroh am T ennd, viel Korn im Sack, a so wias jeda Bauer mag.
Wolln ma übers Feia springa,
wird uns Glück und Segn bringa.
Die Hansen bilden sich gern ein bißchen was auf ihren Namen ein: ,,Zwei Hansen – drei Mann.“
Freilich gibt es verschiedene Hansen, den Baptist, den Nepomuk, den Weihnachtshansen und den Hansdampf.
Mit großer Feierlichkeit wird das Fronleichnamsfest, der Prangertag, begangen. Das ganze Dorf prangt im Festschmuck. Die Häuser sind mit Kränzen, Blumen und Fähnchen geschmückt.
Der Prozessionsweg hat sich im Lauf der Zeit etwas verändert, auch die Altäre stehen nicht mehr alle an den früheren Plätzen, aber an Festlichkeit ist nichts verlorengegangen. Früher wurden kleine gebundene Kränzchen aus dem Pranggras Thymian mitgetragen, die nachher im Stall aufgehängt wurden. Manche halten noch an dem Brauch fest und tragen ihr Kränzchen selber. An den Wegen, besonders bei den Altären sind Birken aufgestellt und man nimmt sich gern einen Zweig davon mit, da der Herr so nahe an ihnen vorbeiging. Als die Pfarrei noch 4 Gemeinden hatte, wurde der Himmel von den 4 Bürgermeistern getragen. Heute gehen die 3 Bürgermeister unmittelbar nach dem Himmel. Selbstverständlich werden bei der Prozession alle Vereinsfahnen mitgetragen und spielt die Musik. Die Feuerwehr sorgt für Ordnung und die Rot-Kreuzgruppe ist bereit, wenn irgendwo Hilfe nötig sein sollte. An den Straßen stehen nur selten Zuschauer; denn alles was kann, geht mit.
Um diese Zeit ist das „Heign“ und im Juli beginnt mit Jakobi meist die Ernte. Die Bauern auf den Höhen, die ihre Felder noch mit der Sense oder gar mit der Sichel bearbeiten, können früher anfangen, als die anderen die auf den Mähdrescher warten. Dafür muß das Getreide sehr reif sein. Ist die Ernte eingebracht, denkt man wieder an das Feiern und ringsum sind die „Kirta“ und Volksfeste. Der Neukirchner Kirta spielte früher eine große Rolle. Hatte man Verwandte in einem Waldlerdorf, so wurde man dorthin zum Kirta eingeladen. Es wurde gegessen, getrunken und dazu gab es dann noch Karussel, Schaukel und Schaubuden. Auch die Verkaufsstände fehlten nicht. Die Kirta haben heute meist sehr örtliche Bedeutung, an ihre Stelle sind die Volksfeste getreten.
Früher gab es nur das Straubinger Volksfest. 1812 wurde es erstmals als Landwirtschaftsfest gefeiert. Der König hat damals 700 Gulden gestiftet, damit das Fest programmgemäß mit Zuchtviehschauen, Pferderennen und Preisverteilung ablaufen konnte.
Als Straubing das 50. Volksfest feierte, erstreckte sich das Interesse des Staates auf die ganze Landwirtschaft. Es wurden Preise an Gemeindevorsteher verteilt, die besonders auf die Sauberkeit ihrer Dörfer achteten, die sorgten, daß die Ortswege instand gehalten und Obstbäume gepflanzt wurden.
Später gab es auch Auszeichnungen für jene Dienstboten, die mindestens 20 Jahre beim gleichen Bauern gearbeitet hatten.
1904 wurde das erste Mal ein echtes Volksfest gefeiert mit Eröffnung des Glückshafens, der Geflügel-, Bienen-, Gemüse-, Maschinen-, Wohnungseinrichtungsausstellung von der Kreismuster- und Modellsammlung.
Es gab einen prächtigen Festzug, Festschießen, Dienstbotenehrung, Radrennfahrt und zum Schluß ein großartiges Feuerwerk. Von den Festwirten wurden in den 6 Tagen 700 Hektoliter Bier ausgeschenkt. Den Hagen füllten die Schaubuden, darunter ein Hippodrom, ein Miniaturzirkus, zwei gewöhnliche und ein Dampfkarussell und noch andere, für uns bereits unvorstellbare Kur:ositäten.
Inzwischen ist das Volksfest zum großen Gäubodenfest geworden, auf das nicht nur die Gäubauern in ihre Metropole pilgern, sondern auch die aus der Waldgegend. Zu einem Glanzstück wird jedes Jahr der Festzug. Die Riegelhaube, die Talerweste, das schwarzseidene Kopftuch, das silberne Halsgehänge der Bäuerinnen, die ganze alte Pracht kommt dabei zum Vorschein, harmonisch geeint mit dem Heute.
„Panem et circenses“, Brot und Spiele, wie bei den Römern, mag sich der Stadtturm denken, wenn er auf das Gewühl am Hagen schaut. Aber kaum einer verläßt den Hexenkessel ohne vorher in einem der Mammuttempel des Gottes Gambrinus seinen Durst gestillt zu haben. Die Musik spielt im Fortissimo, die Hähnchen duften am Grill, die Emmentalerräder warten und die Lebkuchenherzen baumeln – wie einst, und auch das Bier fließt wie einst.
Das Hunderdorfer Volksfest, das erstmals vor dem Krieg auf der Schmiedwiese in Apoig gefeiert wurde, nach dem Krieg seinen Festplatz einige Male im Dorf hatte, wo einst der Bahnhof hätte stehen sollen und das jetzt wieder nach Apoig gerückt ist, nimmt sich dagegen wie ein Miniatur-Volksfest aus. Und trotzdem, die Hunderdorfer haben ihr eigenes Volksfest. Der Bürgermeister zapft das erste Faß an und dann schäumt weiß die Wiesenmaß. Die Gickerl vom Wiesenwirt sind genau so saftig und an Belustigungen jeglicher Art fehlt es nicht. Der Bua findet das Herzal fürs Herzal, der Schütze erschießt sich seine Präsente und überall ist Frohsinn und Heiterkeit. Nach der Volksfest- und Kirtazeit fängt es das Herbsteln an. Einzelne treibennoch ihr Vieh auf die Weide. früher gab es eigene Hirten, wahrscheinlich wUFde damals das Vieh gemeinsam gehütet und auch in die Wälder getrieben.
Das Erntedankfest, das Arnfest ist verbunden mit dem Arnmahl. Zum Dankgottesdienst werden Früchte des Feldes in die Kirche gebracht. Zu dem herkömmlichen Arnmahl werden alle geladen, die bei der Ernte mitgeholfen haben. Es gibt Gesottenes und Gebratenes und dann noch allerlei Gebackenes, dazu kann jeder trinken so viel er will. Da Hunderdorf keinen eigenen Kirta hat wird am 3. Oktobersonntag der Allerweltskirta mitgefeiert. Zum Kirta gehört auch der Kirtatanz. Der Kirtamontag ist halber Feiertag.
Allerheiligen und Allerseelen, das sind die Tage der Toten. Von weit her kommen die Angehörigen an ihre Gräber. Am Allerheiligentag abends von 7-8 Uhr läuten alle Glocken und in den Häusern wird der Wachsstock angezündet und der Allerseelenrosenkranz gebetet. Die Gräber werden am Allerseelentag nochmals gesegnet.
Früher gab es die Seelenwecken. Die Bäuerinnen buken ganze Körbe voll und verteilten sie an die Armen. Mit einem „Vergelts Gott für die armen Seelen“, wurden sie gern genommen. Um die dreißiger Jahre gab es rautenförmige Lebkuchen, die als Seelenwecken beim Kramer verkauft wurden. Die schönsten Seelenwecken gab es bei der „Sofie“, die waren mit rosa Zuckerguß verziert.
Die Patenkinder bekamen von ihren Paten einen süßen Seelenwecken. Dann geht es hinein in die stille Zeit. Martini stellt das Hüten ein. Die Tage werden kurz und nebelig. Die Wirte sorgen für Abwechslung, indem sie zum „alten Bier“ laden. früher wurde dafür eigens Bier gelagert. Das alte Bier gleicht dem Fasching. Der Advent galt als kleine Fasten und man wollte sich im voraus etwas schadhaft halten, indem man sich noch ausgiebig an Speis und Trank hingab. Die Wirte verschickten eigene Einladungskarten für die 2 Tage, an denen sie zum alten Bier luden. Es gab für die (Großkopfeten) Gansviertel, Entenhälften und Gickerl. Besonders gut waren die Bratwürst mit Sauerkraut und dazu gab es Baugen, das waren Ringe aus Brezenteig.
Früher wurde um diese Zeit gedroschen. Kraut und Erdäpfel waren ja längst daheim, die Heimfelder waren geackert, die Rüben für den Winter eingeschlagen und so hatte man Zeit zum Dreschen. Man begann schon sehr früh. Wichtig war, daß der Takt gehalten wurde. Je nach der Zahl der Dreschenden wurde im Dreier, Vierer, Fünfer oder Sechsertakt gedroschen. Für die Anlernlinge gab es eigene Versl, damit sie den Takt besser halten konnten. So hieß es z. B. beim Dreier: ,,Bäuerin koch Knödl und Kraut, Knödl und Kraut.“ Hatte man über die erste Lege vor- und rückwärtsgehend darüber gedroschen, so drehte man die Lege um und drosch abermals darüber. Das ausgedroschene Stroh wurde dann in Bündeln gebunden, das Korn durchgereutert und in die Ecke zum Putzen geschafft. Geputzt wurde zum Schluß mit der Staubmühle.
Das drischlgedroschene Kornstroh war sehr begehrt. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es mit Stroh gedeckte Häuser und Scheunen. Ein richtig gebundenes Strohdach hielt seine 40 Jahre aus. Das Hinaufbinden war eine Kunst, die gelernt sein wollte. Bei uns gab es ja eigene Strohflechter. Man brauchte zu einem qm ungefähr 4-5 Büschel Langstroh. Haferstroh eignete sich nicht. Viel Stroh wurde auch gebraucht zum Stopfen der Strohsäcke. Es war der Stolz der Hausfrau prall gefüllte Strohsäcke zu haben. Heute sind die Strohsäcke durch die Matratzen ersetzt, obwohl ich nicht zweifle, daß unter manchem Dach noch ein Strohsack ist. Das Strohsackaufschütteln beim Bettenmachen wollte gekonnt sein.
Nach Kathrein beginnt die stille Zeit.
Kathrein stellt den Tanz ein.
Im Jahre 524 wurde auf dem Konzil von Lerida, einer spanischen Stadt in den östlichen Pyrenäen beschlossen, Hochzeiten vom Dezemberanfang bis Weihnachten zu verbieten. Man sollte eine „stille Zeit“ einhalten, in der kein besonderes Ereignis den Menschen von seiner inneren Hinkehr an den Herrn abhalten sollte. Im Westen Europas begann der Weihnachtszyklus ursprünglich am Martinstag, 11. November. In Gallien, dem heutigen Frankreich, feierte man auf Grund orientalischen Einflusses bereits vor der Einführung des Weihnachtsfestes, das weitaus ältere Epiphaniefest. Dem Tauffest Jesu am 6. Januar mußte ein 40-tägiges Fasten voraus gehen. Da aber in der gallischen Kirche am Samstag und Sonntag nie gefastet wurde, blieben in der Woche nur fünf Fasttage. Es waren also 56 Tage notwendig, die mit dem 11. November beginnen mußten, um die 40 Tage Fastenzeit einzuhalten. In manchen Klöstern hält man bis in unsere Tage noch diese sog. Martinifasten. Dieser frühe Adventanfang wurde später aufgehoben. Die vier Adventswochen, die wir heute begehen, weisen symbolisch auf die 4000 Jahre hin, die die Menschen nach biblischer Zeitrechnung auf das Kommen des Herrn warten mußten.
Die Adventsliturgie ist in ihrer heutigen Form im wesentlichen von Papst Gregor dem Großen (540-604) festgelegt worden. Vorher kannte man keinen Advent in unserem Sinne, nur Höhepunkte der weihnachtlichen Vorbereitung. In der Nacht von Samstag auf Sonntag blieb man bis zum Morgen in den Kirchen betend beisammen. Auch diesen Bußcharakter bekam der Advent erst durch die Übernahme gallischer Gebrauchsformen. Seither beginnt die Adventsmesse mit dem altprophetischen Erlöserruf „Rorate coele“, Tauet Himmel. Nach diesem Ruf wurden die Adventsgottesdienste Rorate und bei uns Englämter genannt. Sie waren besonders feierlich, der Chor sang und bei der Opferung gehörte ein Marienlied wie „Es blüht der Blumen eine“, dazu. Zu den Englämtern kam man schon im Dunklen von den entlegenen Weilern, oft mußten die Kirchgänger durch den Schnee sich erst den Weg bahnen. Die Laterne mußte ihnen den Weg durch die Nacht weisen.
Lichter steigen von den Höhen,
Schwankend, weil von Menschenhand
In Laternen flackernd angebrannt,
Sie mit ihren Trägern gehen.
In die stillen Kirchen zum Rorate.
Jeder Hof hat heut entsandt
Einen Beter, der als Bote stand
Für sein Haus, gleichwie als Pate.
Sieh, die Kirche wird zum Lichtermeere,
Hundert Händ sich falten zum Gebet,
Weihrauchduft steigt auf, verweht,
Und aus hundert Kehlen
singt man Gottes Ehre.
Dann beim letzten Segen knien alle,
Jeder Blick getaucht in die Monstranz,
Die umflossen ist vom Lichterglanz.
Endlich schreiten sie aus dem Portale.
Ausgelöscht in den Laternen
Auf dem Heimweg ist das Licht,
Weil vom hohen Himmel bricht
Zartes Rot aus weiten Fernen!
Jauchzend sehen es die Kinder!
Jeder fühlt: Es ist Advent!
Seht nur, wie die Sehnsucht brennt!
Dessen ist der Himmel Künder!
An Barbara, am 4. Dezember werden die Barbarazweige geschnitten. Wilde Ki:rschen oder wilde Äpfel eignen sich am besten. Wenn sie blühen sollen, muß erst der Frost darübergegangen sein. Die weißen Zweige werden als Sinnbild des neuen Lebens betrachtet, das uns der Erlöser gebracht hat. Im Hinblick auf die hl. Barbara verweisen sie auf den frommen Glauben, der aus dem Herzen still hervorwächst und selbst die Gefängnismauern zu durchbrechen vermag.
Am 5. Dezember am Vorabend des Nikolaustages kommt der Nikolaus. Seine Gestalt und sein Auftreten haben sich im Laufe der Jahrhunderte geändert und hatten oft recht wenig mit dem hl. Bischof von Myra zu tun. Bis zur Jahrhundertwende kam der Nicki mehr als Rupprecht und dabei hatte er den Rauwuckl. Der Nickl verteilte die Gaben: Nüsse, Äpfel, Gletzn und Lebzeltn, der Rauwuckl hatte Sack, Kette und Rute, so haben beide symbolische Bedeutung. Der Nickl ist Sinnbild für das Gute, das der hl. Bischof Nikolaus einst getan, der Rauwuckl versinnbildet den Teufel. Allmählich wurde die Form des Nikolausbesuches, wie ihn die alten Klosterschulen pflegten, übernommen. Noch heute hat der Nikolausbesuch, obwohl er jetzt als Heiliger mit Stab und Mitra kommt, pädagogischen Zweck. Der Nikolaus examiniert die Kinder, gibt Ermahnungen, Anweisungen, erteilt Lob und Tadel. Beim Nikolausbesuch kam von je auch noch die legendäre Fähigkeit des Heiligen zu Hilfe, nach der er an mehreren Orten zugleich erscheinen konnte.
Der 6. Dezember, das Fest des hl. Nikolaus, wird als das Patrozinium der Pfarrkirche gefeiert. Es läßt sich leider nicht feststellen, warum Hunderdorf gerade St. Nikolaus zum Patron hat. Ursprünglich war es Stephanus und Nikolaus der zweite. An den alten Handelsstraßen waren die Kirchen meist St. Nikolaus geweiht. Die Straße, die sowohl Handels- als auch Heerstraße von Bayern nach Böhmen war, verlief von Straubing über Mitterfels Richtung Cham.
Am 13. Dezember, dem Fest der hl. Luzia, ging die Luzia in Stroh gehüllt, mit dem wetzenden Messer von Haus zu Haus und schnitt den bösen Kindern den Bauch auf. Warum gerade diese Heilige, die den Namen, die leuchtende hat, zu so grausamem Handwerk herhalten sollte, ist ungeklärt.
Der Thomastag war der große Schlachttag. Da wurde der fette Weihnachter gestochen, die Mettenwürste hergerichtet und am Abend ging „der blutige Tammerl“ herum. ,,I bin der bluatige Thamer und kim mit mein Hammer.“ In keiner Zeit des Jahres zeigt sich so sehr, wie um die Mitwinterszeit, daß trotz allen religiösen Brauchtums und oft auch bei aller Gläubigkeit, Vorstellungen unserer heidnischen Vorfahren sich auch in uns erhalten haben. Unsere Vorfahren bezogen ihre Vorstellungen meist aus dem Leben der Natur,· die vom Leben und Treiben der Götter erfüllt zu sein schien. Am stärksten fürchtete der Mensch die Finsternis der langen Nächte, das Hereinbrechen des Frostes und Nebels, wenn die Sonne am tiefsten stand. In dieser Zeit kämpfte nach alter Vorstellung das Licht mit der Finsternis.
„In grauer Vorzeit war prophezeit worden, daß der Sonnengott Baldur sterben müsse. Da nahm seine Mutter, Freya, allen irdischen Wesen und Dingen den Eid ab, ihren Sohn zu schonen. Allein die Mistel vergaß sie. Loki, der Listige, schnitzte aus Mistelholz einen Pfeil und gab ihn dem blinden Hödur. Hödur erschoß Baldur beim Spiele der Asen. Die weißen Beeren am Mistelbusch sind die Tränen Freyas, auf deren Flehen die Götter Baldur wieder zum Leben erweckten.“ Die Sage versinnbildet den mittwinterlichen Kampf zwischen dem Licht und der Dunkelheit.
In diesen Wochen der Dunkelheit erhoben sich für unsere Vorfahren überall die Dämonen. Das Christentum trat dem Dämonenglauben entgegen, indem es die Herrschaft des einen Herrn über die Welt verkündete. Sowandelten sich die Vorstellungen und nahmen neue Formen an. Die Umrisse des Brauchtums, in die sie eingebettet liegen, blieben erhalten. Alte Vorstellungen blieben, wenn auch durchbrochen und mit christlichen Elementen durchsetzt erhalten und lebten noch sehr stark bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts bei uns weiter, manche haben sich bis heute gehalten. Der Volksglaube kennt gute und böse Geister, die in der Zeit der Rauhnächte einkehren. Man schützte sich, indem man alle Arbeiten unterließ, die Lärm machten. Manche getrauten sich in dieser Zeit keine Wäsche aufzuhängen, das bringt Unglück. Nach den überkommenen Vorstellungen läßt sich die größte Zahl der Geister durch Lärm: Knallen, Schießen usw. vertreiben. Das Lärmen in der Hl. Nacht und in der Silvesternacht sind ein Rest dieser Vorstellungen.
Wie das Lärmen, so galt auch das Beräuchern und Wassersprengen als Kampf gegen die bösen Geister. Der Mensch, der so nah mit der Natur verbunden ist, hat schon früh die geheimnisvolle Kraft des Wintergrüns oder des Immergrünenden für die eigene Erhaltung zu nutzen gewußt.
Fichte und Tanne waren ihm von jeher Sinnbild des schlummernden Lebens in der Natur, dazu kamen noch Kiefer, Eibe, Wacholder, Buchsbaum und Efeu. Ihre Widerstandskraft sollte auch die heraufziehenden Unholde abhalten.
So legte man Wacholderbeeren auf den Ofen, damit sich ihr Rauch schützend entwickle und in der Absicht die Seelen der Toten zu schützen, pflanzte man auf die Gräber Buchs und Efeu. Immer wieder werden die immergrünen Sträuße verwendet, wenn es um Segnungen geht, die das Haus schützen sollen. So kommt auch an die Palmgerte Immergrün. Der bedeutendste Segenszweig war die Eibe. Heute gibt es nur noch wenige. ,,Vor der Eibe – kein Zauber kann bleibe.“ Die Mistel, die als Schmarotzer auf anderen Bäumen wächst, kommt wieder in Mode.
Der grüne Baum mit seinen Lichtern, ohne den für uns Weihnachten nicht denkbar ist, hat sich vor rund 70 Jahren bei uns eingebürgert, in den Einöden und Weilern noch später. Der Ursprung seiner Symbolik ist nicht ganz geklärt. Man sah schon oft in dem Weihnachtsbaum eine Nachbildung des Baumes im Paradies. So wie der Paradiesesbaum die Menschheit aus dem Paradies vertrieb, so soll der erlösende Weihnachtsglaube sie ins Licht führen. Der Schmuck des Weihnachtsbaumes hat Symbolkraft. Vorläufer des Christbaumes war das Paradeisl, vor allem für die Ärmeren, die sich keinen Baum leisten konnten. Paradeisl und dann Christbaum wurden ursprünglich nur mit Äpfel, Nüssen und Kerzen geschmückt. Im Laufe der Jahre wurde der Baum zu einem „Paradiesesbaum“ gemacht, indem man ihn mit Süßigkeiten, goldenem Flitter und allerlei Beiwerk behängte. Dem Kind in der Krippe brachten die Weisen das Gold. Daran sollen wohl die bunten Glaskugeln, das Lametta und der Glimmer erinnern. Heute verzichtet man teilweise auf den goldenen Baumschmuck und geht wieder mehr auf die Tiefe der Symbolik zurück. ,,Als sie den Stern sahen, hatten sie eine überaus große Freude.“ Man schmückt heute gerne mit Strohsternen, steckt rote Lichter an zum Zeichen der großen Liebe und hängt rote Äpfel dazu und Nüsse. (Sinnbilder des Lebens und der Kraft). Heute steht auch unter vielen
Christbäumen die Krippe. Bei uns gab es früher kaum jemanden, der eine Krippe hatte. Schnitzer gab es nicht und kaufen konnte man sich keine. Auch in der alten Kirche gab es noch kein Kripperl, nur das Wachsjesukind lag auf Stroh gebettet. In der jetzigen Kirche war es noch so bis nach dem Krieg. Ein im Pfarrhof wohnender Flüchtling hat den Krippenstall geschnitzt, H. Jacobi hat ihn und die Rückwand bemalt und ein Straubinger Künstler schnitzte die Figuren.
Wenn auch bei uns die Nüchternheit der Zeit manche Abstriche machte, Weihnachten ist uns geblieben. Die Kinderaugen fragen wie einst: ,,Kimmt s’Christkindl bald?“ Und wenn auch die Gabentische reicher gedeckt sind wie früher, das kleine Kinderherz ist schnell erfüllt und jubelnd und strahlend verkündet es „dös hat ma s’Christkindl“ bracht. Möchten doch die Kinder recht lange diesem heimeligen Zauber leben dürfen, schließlich haben sie ja gar nicht unrecht. Ist nicht Christus – Gott, der Geber aller Gaben. Denkt nicht auch noch der alte Mann gerne an die Weihnachtszeit seiner Jugend. Freilich seltsame Erinnerungen steigen da oft auf. War es doch früher so gut wie selbstverständlich, daß man zum Christbaumstehlen ging. Die Holzbauern selber taten es nicht, sie reuten die Bäume. Es kam da vor, daß einer in eine Stube kam und den Christbaum anschaute. Er meinte dann: ,,I müßt den derschlagen, der mir an solchen Baam abschneidet.“ Alles nickte verständnisinnig, der gute Mann freilich konnte nicht wissen, daß der bestaunte Christbaum gerade aus seinem Holz war.
In der alten, alten Heimat,
da dämmert ein Wald.
Ich hör noch die Axt, die von fern her schallt.
Schlief nicht ein Weiher inmitten
zu jener Zeit,
da wir als Räuber durchs Unterholz glitten?
Oh, wie liegt alles so weit!
Und die Tannen von damals
– dahin, dahin!
Sind neue gewachsen mit altern Sinn:
leben und fallen und leben …
ein ewiges Ja!
Christbäume muß es in Ewigkeit geben.
Ewig sind Kinder da!
Dr. Owlglass
HEILIGE ZEICHEN
Verdingten sich früher die Leute nur als Dienstboten ins Gäu, die meisten nur für die Ernte und fuhren andere nur zum Hopfenzupfen aus ihrer Heimat fort, so suchen heute manche Arbeit und Brot in der Fremde. Nicht jeder mag Väterglauben und Vätersitte treu geblieben sein, mancher hat beides im Lauf eines rauhen Lebens verloren, doch manch einer findet im Alter wieder dazu zurück.
Wie Runen haben sich die heiligen Zeichen und Zeiten der Kindheit in diese bodenständigen Menschen eingedrückt.
Herrgott und Weihbrunn gehören in Stube und Kammer und wenn man sich auch heute bei einem abendlichen Ausgang auch nicht mehr mit dem Besprengen mit Weihwasser vor der Waiz schützen will oder mit dem abendlichen Weihbrunnehrnen vor der Drud, die einem so drucken kann, so bekreuzt man sich doch noch mit dem geweihten Wasser und besprengt die Gräber der Verstorbenen damit. Nicht Abwehr der bösen Geister ist heute das geweihte Wasser, sondern (die Weihe des Segens), den Segen der Weihe möchte man erbitten.
Noch manche Bäuerin drückt den Model mit den drei heiligen Zeichen auf die Brotlaibe und bevor ein Laib angeschnitten wird, bezeichnet man ihn unten mit 3 Kreuzen. Früher versäumten die Holzfäller nicht, den Stümpfen besonders kräftiger Stämme 3 Kreuze einzuhauen.
Das neuerbaute Haus wird ausgesegnet, die Brautbetten empfangen den priesterlichen Segen und die junge Mutter holt sich mit dem Neugeborenen auf den Armen den Muttersegen.
Die Wetterglocke mußte mit ihrem mächtigen Schall die Wetterwände teilen und die Sturmglocke rief „Feurio“ ins Land.
Heilige Zeichen – Heilige Zeiten! Dazu gehörte ursprünglich der Kirta, der Tag der Kirchweihe. Ja, Feste mußten sein, selbst wenn das heiligste Fest mit einer Wettrede mit Maßkrügen und Hakelstecken endete.
Wenn auch der Hakelstecken nicht immer zweckentsprechend gebraucht wurde, wenn in Straubing die „Steckabruderschaft“ ihr Hauptfest feierte, so war er zum geheiligten Symbol.
Heilige Zeichen mahnen den Menschen – heilige Zeiten teilen die Zeit.

QUELLEN- UND LITERATURNACHWEIS
- Der Landkreis Bogen 1966 herausg. politische Bildungsarbeit München.
2. Kloster Windberg. Die letzten Jahre des Klosters Windberg vor der Säkularisation v. P. von Norbert Backmund. - Kunstdenkmäler von Niederbayern. Bezirksamt Bogen XX. Band, Akten aus dem Bayer. Staatsarchiv Landshut.
1793 Rep. XXVIII 250,278,282
1808 Rep. XXVIII Feld 172
1791 Rep. XCVI 5. 222
1840 Rep. 164 Verz. 15
1710 Rep. 105 Verz. 2
1841 Rep. 164 Verz. 15 Fasz. 22, Fasz. 23, Fasz. 62, Fasz. 78, Fasz. 243, Fasz. 399, Fasz. 564.
Akten aus dem Staatsarchiv – Landesarchiv München.
Ortsnamen: II Bezirksamt Bogen (Jahresbericht des hist. Vereins Straubing 6. Jahrg. 1903 Mondschein.)
Bayern“, geographisch-statistisches Handbuch des Königreiches v. Pleikard.Stumpf München 1852.
Pater Wilhelm Fink, Metten 1924
Wilhelm Ertl, Chur-Bayer. Atlas Nürnberg 1690
Das Bayerland XVI 1905
Chur-Geistlich-Bayer. Kalender 1757
Pfarrmatrikel Hunderdorf
Auszug aus dem Protokollbuch der Kirchenverwaltg. Hunderdorf 1563-1919
Hellseher schauen die Zukunft v. Pater Norbert Backmund
Rund um den Bauerntisch v. Gerauer
Lindner, Krippe und Stern
Christlicher Hauskalender 1968
Niederbayerische Hefte
Pscheidl, Tief drinn im Böhmerwald
Silvanus, Sagenkranz des Bayerisch-Böhmischen Waldes
Sieghardt, Bayerischer Wald: Geschichte, Landschaft, Kultur, Kunst
Ortschronik Hunderdorf, Band 1, 2, 3
Schulchronik Hunderdorf ab 1933
Der Landkreis. Herausgegeben vom Landratsamt Bogen 1962
Merian. Der Bayerische Wald 6/XVI
Bayerischer Wald. Süddeutscher Verlag 1962
Der Bogenberg ein altes Heiligtum in Niederbayern 1962
Festschrift zur offiziellen Einweihung der Wasserversorgungsanlage der„Bogenbachtalgruppe“
Urkunden aus Privatbesitz: 1821, 1847, 1866, 1888, 1896.
Die ostbaierischen Grenzmarken 1929
Bayerwald 10/1912 S. 111
Hiereth, Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Bd. 86 (1960) Heft 2
Kirche der Heimat aus „Die Pfarrei Zwiesel“
„Der Bayerische Wald“, Süddeutscher Verlag.
,, HEIMATLICHE SPRACHLEHRE!“
Die Mundart unserer Gegend läßt sich nicht zu Papier bringen. Oft sind es die klanglichen Untermalungen, die zwei gleichen Wörtern einen ganz verschiedenen Sinn geben.
Schmatzen (hell) = miteinander reden
Schmatzen (dunkel) = beim Essen Geräusche von sich geben
Fotzn = Ohrfeige
Fotzn Schimpfname für Mund
Rammerl = knusprige Kante beim Reinmus oder Rohrnudeln
Rammerl = angesammelte Schmutzseharten auf der Haut
ähnlich ist es bei dem kleinen Wörtchen „no“
No kann eine Aufforderung sein weiterzuessen, kann aber auch das Entsetzen zum Ausdruck bringen, daß noch gegessen wird.
Na, mein Lieber, bedeutet Abwehr, mei Lieber ist eine Sympathieerklärung.
Nur bajuwarische Zungen können die Nuancen unserer Mundart zum Ausdruck bringen und nur bajuwarische Ohren vermögen die Feinheiten und den Humor heraushören, der so oft zwischen den Lauten liegt.
Geht einer spät heim und fragt ihn der Nachbar: ,,Was kriagst denn jetzt z’Essen?“ Kann sein, daß der Angesprochene antwortet: ,,Brummesuppn, a Gronfleisch, an Zangdivesalat, a paar große Aug’n, Saumei in Essi und 01.“
Sowie manche Wörter Ohrenschmaus für einen Eingesessenen sind, so sind auch manche Schmankerl nur für seinen Magen bestimmt.
A Zuagroasta kann sich auch schlecht vorstellen, daß Gletzn getrocknete = Birnen sind, Speitl getrocknete Äpfelschnitze
Gselchts = geräuchertes Fleisch
Surfleisch = Pöckelfleisch
Ransch = Reiberdatschi
Sterz Kartoffelbrei
Weimuas = Süßspeise mit Weinbeeren und Semmelbrösel
Erdäpfelnudl = kleine Nudel aus gekochten Kartoffeln
Meitaschen = Strudel
Erdäpfemeitaschn mit Greame = Kartoffelnudel mit Grieben
Eigrührte = Milchsuppe mit Mehl und saurem Rahm
Gstecklte = saure Milch
Zwirl = aus Kartoffeln bereitet und all diese einfachen Gerichte, besondere Genüsse sind.
Ausländern“ sind Einheimischen so selbstverständiche Ausdrücke schlecht zu verdolmetschen. ,,Laß di hoamgeinga, du Gletzndredara Sepp.“
,, Laß dich heim violinspielen du birnengetrockneter Josef!“
Viele Ausdrücke hängen mit Brauchtum und der ursprünglich rein bäuerlichen Lebensweise zusammen.
Suwend = Sonnwend
Auswärts = Frühling
Summa = Sommer
Hirgst = Herbst
Hirgstmuach: Saure Milch wurde im Herbst, wenn die Kühe noch mehr Milch geben in ein eigenes Holzgefäß geschüttet und darin aufbewahrt. Sie wurde zum Anrühren der Eingrührten, die es zum Frühstück, zur Morgensuppn und zur Nachtsuppn, zum Abendessn gab, verwendet. Die Eingerührte wurde grundsätzlich aus der Schüssel gelöffelt. Am besten schmeckte sie, wenn viel schwarzes Brot eingebrockt wurde und reichlich Rahm darin war.
Goaß = Ziege
Goaß = rundes Eisengestell, in das die Schüssel zum Essen gehängt wurde. Da man meist ohne Teller aß, stellte man die Rein (viereckige Backpfanne, auf die „Füße der Goaß“, holte sich abwechselnd einen Brocken aus der Rein und einen Löffel voll aus der Schüssel.
Noch vor 1939 aß eine Familie im Dorf auf diese Weise und zwar stets mit Holzlöffeln.
Noagl = der Rest im Glas oder in der Flasche
Noagl Muach = in ein Zeitlhaferl ging etwas mehr als ein Liter Milch und dieses Maß galt als Noagl.
1 Köpfl Schmalz = 1½ Pfund
1 Schilling Eier = 30 Stück
1 fl. = 1 Gulden = altes Geldstück
1 kr. = 1 Kreuzer = kleine Münze = 4 Pf.
Kreuzerbandl = Baumwollband auch Hadernlumpbandl genannt, da man es vom Lumpensammler für die alten Lumpen bekam und beim Hausierer einen Kreuzer kostete.
1 Zenterling Gselchtes = das Schwein wurde in Stücke in Zenterling geteilt, in die Sur gelegt und dann geselcht.
Gselchtes, Kraut und Knödl waren im Winter Festgerichte.
Brittsupn = nach dem Schlachten wurde der Kessel geheizt, die Brühe, in der das Fleisch vom frischgeschlachteten Schwein, von der gestochenen Sau, gekocht und die Blut- und Leberwürste gebrüht wurden.
Ofaschießl = Rundes Brett mit langer Stange zum Einschießen des Brotes Ofakrucka = Holzgerät zum Zerteilen der Glut im Backofen und Herausholen der Holzkohlen.
Selch = Räucherkammer
Pschoad = über die Ecke geknotetes, quadratisches Tuch, in das die Brotzeit eingebunden war
Zeltn = Länglich geformte Stücke Brotteig, die vor dem Backen des Brotes kurz in den Backofen gelegt wurden
Schornblall = Teig aus Mehl und Wasser, wurde dünn ausgewalkt und nach dem Brotbacken in den Backofen gelegt.
Kindlmahl = Taufschmaus
Leichentrunk = Totenmahl = Essen nach der Beerdigung im Wirtshaus
Glücksuppn = 8 Tage nach der Hochzeit geht das junge Paar in das Elternhaus der Braut zu einem festlichen Essen, darnach wird das Heiratsgut ausbezahlt, mit dem das Paar das eigene Glück versucht.
Umgang = Prozession
Troad = Getreide
Drischflegl = Gerät zum Dreschen mit der Hand
Wache = An der Sense befestigtes längliches Holzgitter, notwendig beim Getreidemähen.
Radern = Viereckiger Korb zum Durchschütteln des gedroschenen Getreides (Rumpelt herum, wia da Schoaß in da Radern)
Born = Barren
Wasser läuten= am Brunnen ziehen wie am Glockenseil
Bummal = Stier
Gsottloch = Loch durch das das geschnittene Heu in den Stall fällt
Singerl = junge Hühnchen
Suggerl = junge Schweine
Heißer! = junge Pferde
Gluckhehn = Bruthenne
Odl = Jauche
Zeitlstuhl = Melkstuhl
Zeitlhaferl = Milchhaferl
Zeitlbitschn = Gefäß, in das gemolken wurde
Kirm = Rückenkorb je nach Form und Zweck Heukirm, Graskirm, Spitzkirm. Das Brotwei hatte eine Spitzkirm
Zisl = Henkelkorb für Obst oder Kartoffeln
Grand = Wassertrog oder Brunnentrog
„Hast dein Grant“ (dunkel) = bist brummig, mürrisch
Grandl = Wasserschiff im Herd
Schrot = Balkon
Fletz = Hausgang
Hehnagodern = Hühnergatter
Greed = gepflasterter Platz vor dem Haus
greed = gerade -Steigerung -schnurrgreed -ganz gerade – schnurtzengreed
Kirta = Kirchweih
Firta = Schürze
Fertn = voriges Jahr
„die ist nicht von fert’n“ -die kommt mit, mit der Zeit
Kiel= Rock
Innakiel = Unterrock
Pfoad = Hemd
Sunnta -Mota -Irta -Migga -Pfinsta -Freita -Samsta
Antlaßpfinsta = Gründonnerstag
Bolmauzerl = Palmkätzchen
Drudenfuß = Pentagramm, fünfzackiger Stern als Abwehrzeichen gegen Druden und Hexen.
Wurde gerne an die Bettstatt gemalt, ,,daß die Drud net druckt“
Schwarzbüchl = Geheimes Büchl mit Zaubersprüchen
dennast = doch
dennast aus = ganz aus
ehnder = eher
gritschn = unscheinbare Arbeit verrichten
gropn = im Finstern hantieren
Hadern = Lumpen zum Putzen
wachet = Schneegestöber
Kirra = Schrei
Kiratz = das Zusammengekehrte
Hoad = der feine Staub beim Zusammenkehren
nafazn = sich in den Tisch legen und einschlafen
knaucka = im Sitzen einschlafen
knautzn = fade Töne von sich geben
lidschafti = kränklich – gebrechlich
liegerhafti = bettlägerig
luren = lauern
lusn = horchen
revierisch = Regiment im Hause führen
Trasch = bei schlechtem Wetter aufgeweichter Boden
Tratsch = ,,aufgeweichtes Gerede“
tratzn = neckn
Trumm = altes Stück
faules Trumm = bequeme Person
üwerdüwa = übermütig
zeiln = melken
Zeitlang = Heimweh
agschmach = fad
Pfändschab = Warnzeichen z. B. ein Weg darf nicht mehr benützt werden Schoad = Futteral
Eingsamt = gut gestellt
Letschn = ekelhaftes Gesicht
Letschn = kleiner, nasser Dreckhaufen – Kuhletschn – Kuhdreck
Ebba = jemand „Is Ebba kemma?“
ebba: = etwa „Ebba so viel?“
Federnschleißen = abschlitzen der Federn vom Kiel
Flederwisch= Flügelfedern, zusammengebunden als Handbesen benützt Flieh = Flügel
Huam = Hilm – Wasserloch
Schnellfeuer = Zündhölzer
Wurzgarten = Gemüsegarten
Hoagartn = zur Unterhaltung in ein anderes Haus gehen
Maltern = längliche, ausgehöhlte Holzschaufel ohne. Stiel zum Einfassen des Getreides
Auf einem Jahrmarkt wurde 1875 folgendes angeboten:
Hasenfelle, Unterjanker, Leinwand, Troddelmützn, Pers, Lamplpelz, Lebzeltn, Drischlhaubn, Wetzsteine, Kümpfe!, Krautfaßl, Gsotstühle, Kleegaißen, Hafnergeschirre aller Art, Schnellfeuer, Spinnräder, Geißelsteckn, Peitschenstiele.
Das Einläuten der Allerseelenoktav am Abend des Allerheiligentages ist ein ebenso seltener wie altehrwürdiger Brauch. Die Einführung desselben soll auf das Kloster Oberalteich zurückgehen und bis in die Anfangszeiten des Klosters reichen.
Die Glocken sollten die hohe Totenfeier einleiten während sich die Möncheund die Gläubigen in ihre Häuser zurückzogen, überall die Türen schlossen und den Psalter beteten.
Es gibt diesen Brauch nur in den Pfarreien um Oberalteich: Hunderdorf, Windberg, Pfelling und Bogenberg.
Bayerland, Heft 9/1903
Die alte weibliche Waldlertracht im Mitterfelser Landgerichte 1913/14. Nach Angaben aufgezeichnet von P. Poiger
Eine eigene Waldlertracht für das weibliche Geschlecht gibt es seit mindestens 60 Jahren nicht mehr; es läßt sich eine solche bis etwa 1850 feststellen, doch war sie niemals so allgemein eingeführt worden, wie z. B. im Oberland, sondern hauptsächlich nur bei Hochzeiten und Taufen und an den höchsten Festtagen des Jahres zeigte man sich in besonderer Tracht der Öffentlichkeit. Nach dem Verschwinden der alten Tracht um das Jahr 1850 trat zunächst an ihre Stelle als Kopfschmuck, die sog. Riegelhaube, eine Handarbeit aus Goldfäden, die noch in manchen Häusern als Erinnerung an die Großeltern aufbewahrt wird. Dazu trug man seidene, meist dunkle Kleider, das Röckl oder den Spenzer mit großbauschigen Ärmeln, am Rücken eine Rosettengarnierung, die Brust gleichfalls reich garniert. Über dem Röckl wurde von wohlhabenden Frauen ein Silbermieder getragen; an demselben befanden sich die Miederhaken. Reichliches Miedergeschnür, Silberketten mit Schnürstift und angeöhrtes Geld waren selten. Die Schuhe waren aus Saffianleder mit roter und blauer Seidengarnierung. Bei Leichenbegängnissen wurde eine Riegelhaube aus schwarzen Perlen getragen.
Die eigentliche alte weibliche Waldlertracht nun bestand in einem ziemlich kurzen rotkamerlotenen Kittl. Derselbe wurde von besonders kunstfertigen Webern auf folgende Weise handgewoben: Das Zettl oder der Schweif war aus selbstgesponnenem Leinengarn, der Einschlag aus selbstgesponnener, kutschenellrot (Cochenille) gefärbten Wolle, abgetönt durch gelben, durchwirkten Wollfaden.
Dazu wurde von Jungfrauen ein weißer Schleierschurz (schleiernes Fürta) mit buntem Taffetband getragen. Die Braut trug den weißen Schurz am Hochzeitstage zum letzten Mal. Die verheirateten Frauen trugen blaue Schürzen mit gleichfalls bunten breiten Taffetbändern, die weit hinunterhingen. Als Kopfputz trugen Jungfrauen und jungfräuliche Bräute das Bendel, d. i. eine diademartige länglich geschweifte Krone aus Silberdraht mit Glasperlen verziert. Im Heimatmuseum zu sehen! Die verheirateten Frauen trugen die sog. Viechtacher Haube, gefertigt aus Spitzenstoff mit 4 langen breiten Bändern, am Ende unten mit Gold- oder Silberspitzen eingefaßt, die bis zur Mitte am Rücken hinunterreichten. Die Braut trug am Hochzeitstag ein gold oder silberstoffenes blumiges Mieder mit buntem Abastecktüchl oder Außenumitüchl, noch früher auch eine weiße Krause oder Gekröse um den Hals. Die Jungfrauen waren bei Hochzeiten und am Prangtag in Hemdärmeln, unter dem Mieder trug man einen farbigen, stark auswattierten Innerleib.







