Vorbemerkung
Im Februar 2025 bin ich vom Bürgermeister gebeten worden, zur 950-Jahrfeier den Text für eine Festschrift zu fertigen. Das Motto war etwa „Wie lebt und lebte man in Hunderdorf …“ Der nachstehende Text wurde abgeliefert, aber als zu umfangreich erachtet. Sodann wurde der Text zur beliebigen Verwendung in der dann erschienenen Festschrift zur Verfügung gestellt.
Die Ideen des Entwurfsverfassers zum geplanten Bürgerhaus
Selbstbewusst und selbstverständlich sucht der Entwurf eine Antwort auf die heterogene bauliche Umgebung.
ln Anlehnung an die Typologie von Stadelbauten, die verschiedene Nutzungsbereiche in einem großen, ruhigen Baukörper einfach und klar gliedern, besetzt das Bürgerhaus als giebelständiges, zweigeschossiges Gebäude das Baugrundstück.
Durch die plastisch ausgebildete markante Giebelfassade zeigt sich die öffentliche Nutzung des Bürgerhauses. Unter einem weit überstehenden Dachvorsprung führt der Weg entlang des Gebäudes vom Vorplatz zum Haupteingang. Der geschützte Bereich, der die Gred von Bauernhäusern interpretiert, wird von langen Sträucherhecken begleitet. Baumreihen, Heckenstrukturen und verschiedene Beläge (Pflaster, Rasenpflaster, Kiesflächen, Holz) differenzieren den Außenraum, der sich zwischen dem Bürgerhaus und dem neuen Kindergarten bildet.
Der Maibaum, Symbol für alle Vereine und öffentlichen Einrichtungen von Hunderdorf, findet am Haupteingang seinen Platz. Den Vorplatz des Bürgerhauses markiert ein Solitärbaum mit einer Rundbank.
Der Gastgarten, ein Freibereich für die Radtouristen, wird wieder durch eine Hecke und eine Baumreihe gefasst.
Das Gebäude ist traufseitig erschlossen. Ein zweigeschossiges Foyer erstreckt sich durch die gesamte Tiefe und verbindet die beiden Außenräume miteinander.
Der Veranstaltungsraum, der das gesamte Raumvolumen einnimmt, öffnet sich über eine flexible Trennwand zum Foyer. Der Kiosk orientiert sich zum Radweg hin. Über ein markantes Rundfenster ist im geschützten Bereich der Außentreppe (giebelseitig) die Ausgabe möglich.
Bewusst greift der Entwurf die Typologie der Holzstadelbauten mit den flach geneigten, weit auskragenden Dächern der Region auf. Durch seine einprägsame Konstruktion schafft er so eine zeichenhafte Gestaltung, die dem Gebäude eine eigene Identität gibt.
Hunderdorf lebt …
… 950 Jahre
Inhalt
… in der Vergangenheit und der Zukunft
Ja, Hunderdorf lebt, lebt schon lange, wie lange das kann niemand sagen und wird wohl auch nie geklärt werden.
Wie alt sind wir denn?
Das Alter von Orten bemisst sich nach der Existenz und dem Alter von Urkunden, in denen der Name zuerst auftaucht. Bei Hunderdorf ist es eine Schenkungsurkunde des Friedrich von Winneberg und des Aschwin zu Zeitldorn, deren Ausstellung auf das Jahr 1065 datiert wird. Hunderdorf dürfte aber älter sein, sonst wäre es wohl nicht möglich gewesen, zwei Anwesen (von mehreren) an das Kloster Oberalteich zu verschenken.
Hier weiter aus der Festschrift zum 900jährigen Ortsjubiläum: „Eine Tochter des Aschwin war die nobilis domina Hazicaha. Sie übergibt dem Kloster Oberalteich 2 Mansen (Anwesen) in hunderdorf (Monumenta Boica Bd. 12, Seite 21).
Ministerialen des Grafen von Winneberg hatten ihren Sitz in Hunderdorf. Von 1114-1137 waltete ein Quadalrich de Hunderdorf, ihm folgte ein Heinrich Albert de Hunderdorf und ein Marquardus de Prepositus de Hunderdorf, der seine Tätigkeit dem Kloster übergab. Um 1150 schenkte die Domvögtin Livkardis dem Kloster Windberg einen Teil ihrer Güter in Hunderdorf.
Vermutlich hat das Vorhandensein der beiden Klöster Windberg und Oberalteich in unmittelbarer Nähe eine weitere Entwicklung des Ortes Hunderdorf verhindert.
Bereits im Jahre 1184 wurden 3 Höfe in Hunderdorf durch Papst Lucius III. als Besitz dem Kloster Oberalteich bestätigt. 1245 schenkte Mathilde von Gmunden einen Hof in Hunderdorf dem Kloster Windberg.
1274 bestätigte Papst Gregor X. 5 Höfe in Hunderdorf dem Kloster Oberalteich. 1295 erhält das Kloster Windberg von Bischof Konrad von Roteneck das Zehentrecht in Hunderdorf.
Durch diese Schenkungen kam ein Großteil des Gebietes von Hunderdorf unter die Grundherrschaft der Klöster Windberg und Oberalteich.
Die Herren von Windberg hatten ihren Hof in Hunderdorf. Aber auch rings um Hunderdorf lagen die vielen Ministerialensitze (Ministeriale = unfreie Dienstleute im Hofdienst weltlicher oder geistlicher Fürsten). So wird 1114 ein Gezo de salaha (Sollach) bezeugt. 1126 ist ein Adelbrecht de Hovedorf unter den „militantes“ als Zeuge. 1126 ist Hagano de Gezhusen genannt. 1148 wird Albertus de Steineburg, ein Bruder des Hovedorfers bezeugt. Auch Stetten war Dienstmannensitz.
Hofdorf wird durch Schenkung Wirtschaftshof des Klosters Windberg. Durch die dominierende Stellung des Klosters Windberg wurde Hunderdorf für Jahrhunderte in die Bedeutungslosigkeit abgedrängt. 1359 erfolgte der erste nachweisbare Kirchenbau. Die Bedeutung der Pfarrei, die damals schon weit in den Wald hineinreichte, war zweifellos größer als die des Ortes. Erst 1497 finden sich die ältesten vorhandenen Akten von Hunderdorf in Form von Kaufbriefen. Sie liegen im Staatsarchiv in Landshut und stammen aus den Jahren 1497-1598.
Als während des 30jährigen Krieges die Schweden 1633 plündernd in unser Gebiet einfielen, soll ihnen im Pfarrhof von Hunderdorf außer Papier nichts in die Hände gefallen sein. Pest und Hungersnot gingen an Hunderdorf auch nicht spurlos vorüber.
Nach jahrhundertelanger Abhängigkeit vom Kloster Windberg strebte Hunderdorf Ende des 17. Jahrhunderts wieder die Eigenständigkeit an. In den Jahren 1680-1703 prozessierte Hunderdorf in dieser Sache mit dem Kloster Windberg. Aber erst 1803 wird Hunderdorf anlässlich der Säkularisation zur selbständigen Pfarrei erhoben.“
Wann geht’s los?
Die neuere Geschichte von Hunderdorf beginnt mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Säkularisation enteignet die Kirchen und Klöster, Bayern ist dem Weg sein Gebiet neu zu ordnen und Verwaltungsstrukturen aufzubauen, die bis in die heutige Zeit nachwirken.
Das Gemeindeedikt von 1808 fasst die verstreut liegenden Dörfer und Siedlungen zu einer Gemeinde zusammen: Hunderdorf. Es folgen weitere Edikte, die schließlich 42 Gemeinden dem Landgericht Mitterfels unterstellen. 1838 untersteht Hunderdorf dem neugegründeten Landgericht Bogen, in dem noch Justiz und Verwaltung gemeinsam ausgeübt wird. 1862 entsteht das Bezirksamt Bogen und 1879 das Amtsgericht Bogen.
Die Entwicklung beschleunigt sich erst 1896 durch den Bau der Eisenbahnlinie von Straubing nach Miltach über Bogen, Hunderdorf und Steinburg. Die Gasthäuser in Hunderdorf, Ehren und Hofdorf entstehen, Gäste aus Straubing und noch weiter erschließen sich die Schönheiten des vorderen Waldes. In den Mühlen am Bogenbach wird Strom erzeugt, in Hunderdorf und Windberg brennt elektrisches Licht. Aber die beiden Weltkriege hemmen eine raschere Entwicklung.
Am Ende des letzten Krieges bestehen die Gemeinden Hunderdorf, Gaishausen, Au vorm Wald und Steinburg. Die amerikanische Militärregierung verfügt, dass die Kleingemeinden Au, Gaishausen und Steinburg Einwohnern zu einer Gemeinde zusammengefasst werden. Nach dem Ende der amerikanischen Verwaltung erhält Gaishausen wieder seine Selbständigkeit. Au und Steinburg bleiben beisammen. 1958 stellen die Gemeinden Gaishausen, Neukirchen und Obermühlbach einen gemeinsamen Gemeindeschreiber ein.
Im Vorfeld der Gebietsreform 1978 spricht sich Gaishausen für einen Zusammenschluss mit Hunderdorf aus, Steinburg wird trotz Widerstand der Gemeinde Hunderdorf angegliedert. Hunderdorf, Windberg und Neukirchen schließen sich zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammen, der Verwaltungssitz wird in Hunderdorf gebildet. Die anschließenden Bemühungen um Ausweisung als Kleinzentrum sind vom Erfolg gekrönt.
Erster Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft wird Bürgermeister Karl Härtenberger, ihm folgen Heinrich Lobmeier, Gerd Peschke, Hans Hornberger und Max Höcherl. Geschäftsstellenleiter ist Xaver Kern bis ihm Johann Pollmann nachfolgt.
Der Flüchtlingszuzug lässt große Not entstehen und zwingt zum Handeln. Die Möbelfabrik Nolte sucht einen Standort in der Nähe der des Rohstoffes „Holz“ und findet 1951 Hunderdorf als den geeigneten Ort. Arbeitsplätze entstehen, Wohnungen werden benötigt. Die gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft schafft 1954 in Hunderdorf 72 Wohneinheiten in der Ring- und Siedlungsstraße. Die Staatsstraße, die von Bogen über Sollach nach Hunderdorf und weiter über Au vorm Wald nach Steinburg führt, wird neu trassiert. Eine neue geteerte Straße führt ab 1954 von Bogen nach Bärndorf über Hofdorf, an Apoig und Hunderdorf vorbei nach Steinburg.
Es setzt eine bauliche Entwicklung ein, die Einwohnerzahl nimmt zu, die die Nachfrage nach der lebensnotwendigen kommunalen Infrastruktur antreibt: Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Schulen usw.
Warum „Hunderdorf“?
Niemand weiß es. Vermutungen bringen den Namen mit einer möglichen Hundemeute der Grafen von Windberg bzw. Bogen in Zusammenhang, andere sagen es wäre das erste Dorf hinter dem ersten Höhenzug hinter Hutterhof = Hinderendorf. „hunda“ als althochdeutsches Wort für Kriegsbeute muss herhalten oder ist es nur das Tal der hundert Anwesen?
Vielleicht ist es auch nur das Dorf, das unter dem Sitz der Verwaltung (Windberg) liegt, ausgesprochen „s‘ undda doaf“ und daraus ist „Hunderdorf“ geworden, übrigens heißt das jetzige Hunderdorf früher „Unterhunderdorf“.
Kornel Klar, Ehrenbürger der Gemeinde Hunderdorf, hat viele Informationen über die Vergangenheit von Hunderdorf gesammelt und in vielen Schriften der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Ein Blick in die Statistik der Einwohnerentwicklung zwischen 1888 bis 1987 ist ein Aspekt auf das Werden der Gemeinde. (Anhang 2)
Die Wappen in der Gemeinde
1969 erhält die Gemeinde Hunderdorf ihr erstes Wappen: In Blau über einem gesenkten goldenen Wellenbalken ein silberner Windhund, darüber ein schräg gestellter Pfeil. Der Windhund symbolisiert die frühere Zugehörigkeit des Gebietes zum Kloster Windberg. Der Wellenbalken stellt die Lage des Ortes am Bogenbach dar. Der Pfeil, ein Hofmarkszeichen, deutet darauf hin, daß auch weltliche Herren Güter in Hunderdorf hatten, so die Familie Schuß von Sattelpeilnstein, aus deren Wappen der Pfeil entnommen wurde.
1984 erhält Hunderdorf ein neues Wappen nach dem Entwurf von Kornel Klar, in dem die angegliederten Gemeinden Gaishausen und Steinburg Berücksichtigung finden: Durch eine gesenkte, eingeschweifte silberne Spitze, darin ein rotes Stufenkreuz, gespalten; vorne in Blau ein linksgewendeter silberner Windhund, hinten in Blau ein silberner Arm mit einem Pfeil in der Hand. Der Hund entstammt dem vorherigen Hunderdorfer Wappen, der Arm mit dem Pfeil dem Wappen von Steinburg und das Stufenkreuz dem Wappen von Gaishausen.
Die Gemeinde Gaishausen erhält 1969 ebenfalls ein eigenes Wappen: In Silber über einem gesenkten blauen Wellenbalken ein rotes Stufenkreuz“. Der Wellenbalken stellt den Bogenbach dar, das Stufenkreuz symbolisiert die Zugehörigkeit zu Steinburg, die Steinberger hatten in ihrem Wappen ein Stufenkreuz.
Die Gemeinde Steinburg erhält ebenfalls Ende der sechziger Jahre ein Wappen: Geteilt, oben in Silber ein aus der linken unteren Ecke wachsender, rot gekleideter Arm mit einem roten Pfeil in der Hand, unten dreimal schräglinks geteilt von Blau und Silber. 100 Jahre sind die Besitzer des Schlosses in Steinburg die Freiherrn von Schuß auf Sattelpeilnstein, ihrem Familienwappen entstammt der rote Arm mit dem Pfeil, der ein Hofmarkszeichen darstellt, die Farben Blau und Silber sind die Farben der Grafen von Bogen, deren Dienstmannen die Stainberger waren.
Schlösser
Schloß Steinburg
Im Gebiet der jetzigen Gemeinde Hunderdorf haben bis zum 19. Jahrhundert Klöster und weltliche Herrscher Grundbesitz. Zu den weltlichen Herrschern sind die Herren auf Schloss Steinburg und auf Schloss Au zu zählen. Von dem Schloss Steinburg ist nur ein bescheidenes Herrenhaus übriggeblieben. Während des Krieges dient es englischen Kriegsgefangenen und nach dem Kriege Flüchtlingen als Unterkunft, danach steht das Schloss leer.
1984 beginnt der Eigentümer Freiherr von Poschinger-Bray in Irlbach mit der Instandsetzung des ehrwürdigen Schlosses. Die Umgehungsstraße von Steinburg lässt einen guten Blick auf das schöne Schlossgebäude zu. Auch die Schlosskapelle sollte renoviert werden, wartet aber immer noch auf die erforderliche Fertigstellung.
Schloß Au vorm Wald
Die Erbauungszeit eines Schlosses in Au vorm Wald dürfte im 13. Jahrhundert liegen, Schriftliches ist nicht bekannt. Es ist ein kleines Wasserschloss, eine zweiflügelige Anlage, von einem jetzt trockengelegten Ringgraben umgeben. Das Eigentum wechselt durch viele Geschlechter, bis die Gemeinde Au einen Teil davon kauft und 1834 die linke Hälfte bis 1959 als Schulhaus nutzt.
Kirchen
Kath. Kirche St. Nikolaus
Die Pfarrei St. Nikolaus ist eng mit der Prämonstratenser Chorherrenstift in Windberg verbunden. Schon 1245 sind Besitzungen der Abtei im heutigen Pfarrgebiet nachweisbar. Im Oktober 1616 tauscht die Abtei Windberg die Pfarrei Hunderdorf gegen die Pfarrei Viechtach ein. Hunderdorf wird Klosterpfarrei. Damals gehörte auch Neukirchen und Haggn zum Pfarrgebiet.
In der Säkularisation wird das Kloster Windberg aufgehoben und Hunderdorf 1806 eine selbständige Pfarrei. Neukirchen bei Haggn wird aus dem Pfarrgebiet ausgegliedert und selbständig. 1823 wird Rammersberg von Oberalteich nach Hunderdorf und Buchberg von Hunderdorf nach Mitterfels gepfarrt. Um 1900 zählt die Pfarrei etwa 1700 Katholiken.
Die frühere Pfarrkirche St. Nikolaus wird 1699 erbaut und 1700 geweiht. 1857/58 wird sie erweitert und 1859 neu konsekriert. Im Laufe der Zeit wird sie zu klein. 1935/36 wird sie abgebrochen, sie steht an der Hauptstraße hinter dem heutigen Gasthaus Baier-Edbauer.
1935 beginnt man mit dem Neubau der jetzigen Pfarrkirche. Sie ist ebenso dem Hl. Nikolaus, Bischof von Myra, geweiht. In den 80er Jahren wird die Pfarrkirche innen baummäßig gesichert und renoviert, ebenso der einsturzgefährdete Kirchturm. In der Erbauungszeit sind Friedrich Betthausen und Johannes Kiermaier Pfarrer in Hunderdorf. Architekt ist Regierungsbaumeister Karl Wirthensohn, Regensburg , die Baufirma Josef Helmbrecht in Oberaltteich. Grundsteinlegung ist 1935, Fertigstellung 1936. Konsekration 1937 durch Erzbischof Michael Buchberger, Regensburg.
Die Hunderdorfer Kirche ist eine Chorturmkirche, der Altarraum ist unter dem Turm, das rechteckige Längsschiff mit flacher Kassettendecke westlich angehängt. Günther Mauermann, Weiden, gestaltet in den 80er Jahren den Altarraum nach den gebotenen liturgischen Richtlinien: Altar, Ambo und Taufbecken werden aus Kelheimer Marmor geschlagen. Der Altar zeigt das apokalyptische Lamm: „Das Lamm in der Mitte wird sie weiden und zu den Quellen des Lebens führen.“ Der Ambo zeigt das Symbol des Heiligen Geistes, eine Taube, und der Taufstein gibt die Bewegung des Wassers wieder. Der ursprünglich Altar wurde zum Tabernakel. Der Pelikan, ein altes Christussymbol, bekrönt ihn. Engel tragen Kerzen und verehren Christus in der Eucharistie. Das Chorbild von Erwin Schöppl, Regensburg, von 1936 zeigt Christus den Erlöser.
Die Farbfenster im Altarraum, gestaltet von der Firma Schwarzmayr in Regensburg nach den Entwürfen von Heinrich Diermeier, Gilching, zeigen: Maria auf ihrem Schoß das Christkind. Es gibt an den Heiligen Dominikus den Rosenkranz, rechts steht die Heilige Teresa von Avila. Die Farbfenster im links im Schiff: Mutter Anna mit Maria, Barbara und Theresia vom Kind Jesu, Monika und Agnes. Die Farbfenster rechts im Schiff: Jesus mit den Kindern, Georg und Sebastian, Wendelin und Bruder Konrad.
Die Heiligenfiguren, alle in Holz gefasst, stammen aus der alten Pfarrkirche: U. a. Bischof Nikolaus von Myra, Patron der Pfarrkirche mit drei goldenen Kugeln auf dem Buch, der Märtyrer Stefan, Nebenpatron der Pfarrkirche mit drei Steinen, Sebastian mit dem Pfeil und Florian mit dem Wassereimer, eine Immakulata von Zülow in Bodenmais schmückt den rechten Seitenaltar. Der Vater des Künstlers der neuen Altarausstattung, Karl Mauermann, schafft 1964 den Kreuzweg.
Der Turm ist 44 Meter hoch und trägt fünf Glocken der Firma Gugg in Straubing.
Au vorm Wald
In Au v. Wald ist ein kleines Kirchlein beim dortigen Schloss dem hl. Valentin geweiht.
Hofdorf
In Hofdorf steht ein bruchsteinsichtiges Kirchlein aus dem 18. Jahrhundert mit dem Patrozinium der seligen Edigna.
Steinburg
Im Schlosshof in Steinburg steht ein doppelgeschossiges Kirchengebäude, es wird in den 80er Jahren seines Schmuckes entledigt und renoviert. Die Ausstattung ist seither nicht mehr zurückgekehrt. 2022 entscheidet der Gemeinderat über einen Bauantrag „Erlaubnis zum Wiederaufbau der Altaranlage“ für diese Kirche, es ist zu hoffen, das dem Bauantrag ein Bau folgt. Das Patrozinium hält St. Johannes der Täufer, die Steinburger gedenken dem Heiligen jährlich mit einem Gottesdienst und dem anschließendem Kirchweifest.
Hunderdorf
Im alten Friedhof steht die St.-Anna-Kapelle. Im 18. Jahrhundert erbaut, steht sie nach dem Abbruch der alten Kirche 1937 allein im alten Friedhof. 1949 wird daraus ein Leichenhaus, nach dem Neubau eines neuen Leichenhauses im neuen Friedhof 1965 hat sie keine Funktion mehr. In den 90er Jahren wird die Kapelle renoviert und steht nun auf dem Spielplatz des Kindergartens.
Die evangelische Friedenskirche
Hunderdorf ist seit jeher eine rein katholische Gemeinde. Der Flüchtlingsstrom nach dem Krieg bringt auch evangelische Christen nach Hunderdorf. Das Verhältnis zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche ist gespannt. Die evangelischen Christen halten ihre Gottesdienste im Gasthaus Sandbiller, im Gasthaus Deschl oder der Kirche in Hofdorf ab.
Pfarrer Sommer erfüllt den evangelischen Christen in der Umgebung den Wunsch nach einer eigenen Kirche. Innerhalb weniger Monate entsteht 1963 das schöne Kirchengebäude nach den Plänen des bekannten Architekten Franz Lichtblau und wird im selben Jahr als „Friedenskirche“ eingeweiht. Im Jahr darauf wird die Kirche durch eine Mesnerwohnung und den Glockenturm ergänzt.
Die Zahl der Gläubigen nimmt kontinuierlich ab. Die Landesleitung der evangelischen Kirche stellt die Kirchengemeinde in Bogen vor die Wahl, entweder die Hunderdorfer Kirche zu verkaufen oder auf die Renovierung der Bogener Kirche zu verzichten. 2024 kommt es zur Entwidmung und zum Verkauf; das Gebäude soll künftig als Kolumbarium genutzt werden.
Die Orgeln der Hunderdorf Kirche
Bereits vor 1860 ist in der Pfarrkirche in Hunderdorf eine Orgel eingebaut. 1866 baut der Orgelbauer Anton Ehrlich aus Straubing für 950 Gulden eine neue Orgel ein. Die ausgebaute Orgel fand in der Hofdorfer Kirche Verwendung, der man 2017 eine umfassende Renovierung angedeihen ließ.
1922 baut unter Pfarrer Michael Gebhard die Firma Michael Weise aus Plattling für 17 500 Mark eine neue Orgel ein. Diese zieht mit anderen Einbauten 1936 in die neue Kirche um. Aufwendige Reparaturen veranlassen Pfarrer Kiermaier zur Anschaffung einer neuen Orgel, die 1953 von Josef Hiendl in Passau gebaut wird. Sie gehört damals nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den größten Instrumenten des Altlandkreises Bogen.
1979 plant Pfarrer Franz Reitinger im Rahmen der Neugestaltung des Altarraumes eine Neuinstallation der Orgel anstelle des rechten Seitenaltares. Diese Planung wird verworfen. 1982 wird eine neue Orgel eingebaut, die vom Orgelbauer Jann aus Alkofen in der Gemeinde Laberweinting gebaut wird. Am Kirchweihsonntag weiht Bischof Manfred Müller den neuen Altar und die neue Kirchenorgel. So konnte der neue Pfarrherr Anton Högner vollenden, was sein Vorgänger begonnen hatte. Die Hiendl-Orgel von 1953 wird an eine evangelische Kirche in Nürnberg verkauft.
Pfarrheim
Zu den meisten Pfarrhöfen gehört eine Landwirtschaft mit entsprechenden Gebäuden, die dem Pfarrer ein Einkommen und Auskommen garantiert. Von einem Pfarrer, der die Grundstücke selbst bewirtschaftet, ist im 20. Jahrhundert nichts bekannt. Das Wirtschaftsgebäude dient dem Raiffeisenverein als Lagerhaus. Daran erinnern auf den alten Fotos die großen Öffnungen auf der Straßenseite. Das Gebäude stammt in ihren Grundfesten aus der Erbauungszeit des Pfarrhofes im 19. Jahrhundert.
Den Kooperatoren früherer Jahre oblag in den Pfarrgemeinden die christliche Jugendarbeit. Anfang der 60er Jahre ist Pater Wolfgang Vos Kooperator in Hunderdorf. Außer Gasthäusern sind Räumlichkeiten, in der sich die Jugendlichen treffen konnten, kaum vorhanden. Mit dem Bau des Raiffeisenlagerhauses hat der Pfarrerstadel keine Funktion mehr.
Pater Wolfgang ergreift die Initiative und trifft alle Vorbereitungen zum Bau eines Jugendheimes. Der Pfarrerstadel soll dazu umgebaut werden. 1965 wird das Gebäude so weit nicht mehr verwendbar bis auf die Grundmauern abgetragen und ein Stockwerk aufgesetzt. Es entsteht ein Gebäude mit drei Räumen im Obergeschoss und einem Saal mit Bühne im Erdgeschoss, das 1966 auf den Namen St. Wolfgang eingeweiht wird.
1989 erfährt das Jugendheim eine Renovierung, das Dachgeschoss wird isoliert, die störanfällige Heizung erneuert. Das Dachgeschoss ist nur von der Nordseite über eine schmale Treppe zu erreichen, die sanitären Einrichtungen sind zu klein. So entschließt sich die Kirchenverwaltung 2002 das Pfarrheim um ein Treppenhaus und moderne Sanitäranlagen zu erweitern. Bei der Gelegenheit wird ein Vollwärmeschutz angebracht und die Heizung von der Einzelofenfeuerung auf eine Zentralheizung umgestellt. Seit 2022 unterstützt eine Photovoltaikanlage auf dem Pfarrheim die Stromversorgung der kirchlichen Gebäude.
Kriegerdenkmale
Kriege kosten seit jeher Menschenleben, um dieser Menschen bleibend zu gedenken, setzt man Denkmale. Nach dem Ersten Weltkrieg, 1919, erhielt auch Hunderdorf ein Kriegerdenkmal, der Standort war die Einmündung des heutigen Quellenweges in die Hauptstraße bei der Bäckerei Kalm. 1953 wird das Denkmal in die heutige Kirchgasse verlegt. Auf mehreren Marmortafeln sind die Namen der Opfer der beiden Weltkriege zu lesen. Zehn Jahre später müssen die Platten gegen Granittafeln ausgewechselt werden. Eine schwarze Tafel, mit den Namen der Opfer des ersten Weltkrieges ist an der Garage hinter dem Denkmal aufgehängt, früher hatte diese am 2016 erneuerten Leichenhaus ihren Platz. In der Gemeinde Hunderdorf gründet sich im 19. Jahrhundert ein Kriegerverein, dem alle Kriegsteilnehmer der Gemeinde angehörten. Von diesem spaltet sich der Kriegerbund ab. Diesen Initiativen verdankt Hunderdorf das Kriegerdenkmal von 1919.
Die Freiwillige Feuerwehr und die Gemeinde Steinburg wollen ein eigenes Denkmal und stellen es beim Bergerbräu an der Straßengabelung nach Englmar auf. Pfarrer Ruß nimmt 1966 die Weihe des Denkmals vor, bei der Leo Gaschler, der Vorsitzende des Krieger- und Veteranenvereins Hunderdorf die Festrede hält. Bürgermeister Alfons Berger und Kommandant Anton Häusler legen Kränze nieder. Auf dem Ehrenmal steht: „Unseren gefallenen und vermißten Kameraden beider Weltkriege, in dankbarer Erinnerung Gemeinde und FFW Steinburg“.
Auch die Feuerwehr Au vorm Wald widmet den Opfern des Kriege einen Gedenkstein in der Dorfmitte.
Ehrungen verdienter Bürger
Ehrenbürger
Es gibt Anlässe, bei denen einzelne Personen, im allgemeinen Bürger der Gemeinde, für ihr Wirken in der Gemeinde und für die Gemeinde besonders hervorgehoben werden. Eine Art, verdientes Wirken auszuzeichnen, ist die Verleihung der Ehrenbürgerwürde.
1963 ehrt die ehemalige Gemeinde Steinburg den Oberforstwart Johann Petzendorfer von Wegern für seinen Einsatz und Hilfsbereitschaft zum Wohle der Bevölkerung besonders nach dem Krieg. Als Forstwart kann er die Belange der Gemeinde und seiner Bürger in den Kriegs- und Nachkriegsjahren vertreten und durch günstige Holzlieferungen die Not der Flüchtlinge lindern helfen.
1968 ehrt die ehemalige Gemeinde Gaishausen Landrat Xaver Hafner, in der Gemeinde Gaishausen geboren, wird geehrt für seinen Einsatz und die Unterstützung beim Straßenbau, für sein Bemühen um die Erhaltung von Betrieben, für sein Kämpfen um die Erhaltung der Bahnlinie Straubing-Cham mit dem für die Gemeinde Gaishausen so wichtigen Bahnhof Steinburg, für sein Eintreten um die Belange des Landkreises im Grenzland Bayerischer Wald. Anlass ist die Einweihung der Straße von Thananger nach Gaishausen.
1974 ehrt die Gemeinde Hunderdorf den Unternehmer Konrad Nolte. Ihm verdankt die Gemeinde die Gründung der Möbelfabrik Nolte, die der Gegend um Hunderdorf einen großen Aufschwung bringt. Anlass der Ehrung ist die 900-Jahr-Feier der Gemeinde im Jahr 1974.
1993 ehrt die Gemeinde Hunderdorf den Konrektor Kornel Klar. Sein Leben ist erfüllt von der Erforschung der Vergangenheit, insbesondere der Gemeinde Hunderdorf und umliegender Gemeinden, der Herrschaften auf den Schlössern in Au und Steinburg und darüber hinaus. Er schafft vielen Schriften zu diesen Themen. Der Landkreis ehrt sein Schaffen mit der Josef-Schlicht-Medaille. Anlass für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft ist der Jahresabschluss der Gemeinde 1993.
Pater Wolfgang Vos kommt in den 50er Jahren mit zwei Mitbrüdern nach Windberg, um das Kloster Windberg zu beleben. Seit dieser Zeit ist sein Leben mit der Gemeinde Hunderdorf verbunden, sei es als Kooperator oder Aushilfe in der Pfarrei oder zuletzt als Pfarrer von Hunderdorf. Er liebt die Hunderdorfer und diese ihn. Die Ehrung erfolgt anlässlich seines Abschiedes als Pfarrer von Hunderdorf in der Sitzung des Gemeinderates am 29. September 2005.
Andere Ehrungen
Herausragende Ehrungen werden Hunderdorfer Bürgern auch von anderer Seite zuteil.
1979 erhält Xaver Baier von Hofdorf den Verdienstorden der Bundesrepublik.
1986 wird das Engagement im sozialem Bereich von Martha Hofmann durch die Verleihung der Bayerische Staatsmedaille anerkannt.
2014 erhält Jürgen Tanne die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber, Waldfriede Holzapfel erhält 2018 den Bayerischen Verdienstorden als Anerkennung für die aufopferungsvolle Pflege ihres Bruders, des Fuß- und Mundmalers Günther Holzapfel.
Diese Nennungen sind nicht vollständig aber herausragend, weitere Ehrungen z. B. wie die kommunale Verdienstmedaille oder Ehrungen im Ehrenamt kommen vielfach auch Hunderdorfer Bürgern zugute.
Wem Ehre gebührt
In Gaishausen lebt ein Mann, dessen Wiege in Unterwachsenberg steht, Ludwig Hieninger, der durch seine Mundartdichtungen weit über die Grenzen des Landkreises bekannt ist. Während der Kriegsgefangenschaft entstehen seine ersten Verse. In den späten 50er Jahren wird das Reimemachen zu seinem liebsten Hobby. Anlässe dazu gab es genug, ist doch seine Heimat reich an Festen und Bräuchen, die er in Versen verewigte. Seine „Hirmonwallfahrt“ wurde sogar im Bayerischen Rundfunk gesendet. Zu seinen Dichtungen gehören auch Theaterstücke, Liedertexte, Fahnenprologe u. a.
Zu den markantesten Persönlichkeiten der früheren Gemeinde Steinburg gehört auch ohne Zweifel der ehemalige Bürgermeister Alfons Berger. Er ist Brauerei- und Gasthofbesitzer und 22 Jahre lang (1956-1978) Bürgermeister der Gemeinde Steinburg. Als Kommunalpolitiker erwirbt er sich große Verdienste um die Gemeinde. Ihm verdanken die Steinburger u. a. den Wasserleitungs- und Tiefbrunnenbau, den Schulhaus- und Lehrerwohnhausbau, den Ausbau der Straßen, die FFW-Gerätehäuser in Steinburg und Au vorm Wald. Unvergesslich ist auch sein Humor und sein herzhaftes Lachen. 1981 verstirbt er im Alter von 68 Jahren.
Gemeinde- und Ortepartnerschaft
St. Johann am Wimberg
1984 hat die Jugendblaskapelle des Musikvereines Hunderdorf einen großen Auftritt bei der Eröffnung des letzten Teilstückes der Autobahn A3 zwischen Steinach und Metten. Die Tatsache, dass nun eine durchgehende Verbindung zwischen den Niederlanden und Österreich besteht, hat auch in den Medien in Österreich seinen Niederschlag gefunden.
Rudi Dorner vom Musikverein St. Johann am Wimberg sucht schon lange einen Kontakt zu einer Musikgruppe in Bayern, wird in der Zeitung auf die Eröffnung der Autobahn aufmerksam, in der die Jugendblaskapelle groß im Bild ist. Es entstehen gegenseitige Kontakte und Besuche der beiden Musikvereine, später auch anderer Vereine der beiden Gemeinden.
Das fünfjährige Gründungsfestes der Jugendblaskapelle Hunderdorf 1987 bildet den Hintergrund zur Gründung der Ortspartnerschaft zwischen St. Johann am Wimberg und Hunderdorf, die Partnerschaftsurkunden werden durch die Bürgermeister Radler und Weinzierl unterzeichnet. Seither ist man gegenseitig Gast bei wichtigen Ereignissen der beiden Gemeinden und erneuert die Partnerschaft.
Steinburg/Süderau
Es gibt nur wenige Orte mit dem Namen „Steinburg“. Es ist der Heimat- und Fremdenverkehrs-Vereins Steinburg der die ersten Kontakte zu dem Ort Steinburg in der Gemeinde Süderau im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein herstellt. Gegenseitige Besuche führen zu freundschaftlichen Kontakten.
Das 20jährige Jubiläum des Heimat- und Fremdenverkehrs-Vereins schließlich ist der Anlass, diese Partnerschaft auch zwischen den Gemeinden zu besiegeln. Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden durch die Bürgermeister Weinzierl und Lindemann sind der Höhepunkt des Festes. Ein Jahr später bekräftigen die Steinburger aus Hunderdorf beim Gildefest in Steinburg-Süderaudorf die Ortspartnerschaft.
Groß gefeiert mit gegenseitigen Besuchen finden im Juni 2016 das 50-jährigen Jubiläum des Heimat- und Fremdenverkehrsvereins und 2018 in Steinburg in Sachsen-Anhalt das 35jährigen Parkfestes statt.
Steinburg in Sachsen-Anhalt
1996 bilden sich enge Kontakte mit Steinburg in der Gemeinde Finneland im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt an. Es hat rund 100 Einwohner und beherbergt auch ein altes Schloss. Es erfolgen einige Kontakte, sie münden aber nicht in einer offiziellen Partnerschaft der Gemeinden.
Patenschaft
Die Gemeinde Hunderdorf übernimmt 2009 die Patenschaft über der 5. Kompanie des Panzerpionierbataillons 4 in Bogen zum 50jährigen Bestehen des Pionierbataillons.
Zukunft
Die Führung der Gemeinde trachtet ständig danach, die Gemeinde als einen liebenswerten Ort zu erhalten, an dem das Vergangene erhalten wird, in dem auch in Zukunft gerne gelebt und gearbeitet wird. Die Investition in das geplante Bürgerhaus ist gegenwärtig ein Beitrag dazu, die gute Gemeinschaft der Gemeinde und den Gemeinschaftssinn weiter durch ausreichende Raumversorgung für die diversen Aktivitäten der Vereine zu fördern und zu erhalten. Es ist sicher eine wichtige Investition für eine gedeihliche Zukunft und das vielfältige Leben in unserer Gemeinde.
… in der Verwaltung und Versorgung
Ein großes Ziel nach der Schaffung des Königreiches Bayern ist der Aufbau einer gegliederten Verwaltung in Bayern. Unterste Ebene sind die selbstverwalteten Gemeinden, die sich um das Kirchen- und Volksschulwesen sowie die Armenpflege und die Ordnung überhaupt kümmern.
Nach der Gründung der Gemeinde Hunderdorf 1818 werden die Gemeindegeschäfte im Haus des Bürgermeisters erledigt. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wird eine Gemeindekanzlei im unteren alten Schulhaus, dann im Hause des Spenglers Steckler und schließlich im Nachbargebäude der Gastwirtschaft Edbauer eingerichtet.
Mit dem Bau des neuen Schulhauses 1957/58 wird das obere Schulhaus in der Kirchgasse 8 frei, um die Gemeindekanzlei aufnehmen zu können. 1971 teilt die Gemeinde die Räume mit der neu geschaffenen Arztpraxis von Dr. Jürgen Lichte. Nach dessen Auszug in die neu erbaute Praxis im Quellenweg steht das ganze Haus der Gemeindeverwaltung zur Verfügung.
Die Verwaltung der Verwaltungsgemeinschaft wird in demselben Gebäude untergebracht wie vorher die Gemeindeverwaltung. Mit dem Neubau des Rathauses in der Sollacher Straße 4 erhält 1990 die Verwaltung großzügige und moderne Räume. Die bisherigen Räume dienen nach gründlicher Renovierung seither dem Arzt Dr. Michael Hartmann als Praxis- und Wohngebäude.
Die Verwaltungsgemeinschaft ist ein neues Instrument der gemeindlichen Verwaltung und belässt Gemeinden in der Selbständigkeit, die von ihrer Einwohnergröße her nicht für leistungsfähig genug gehalten werden, eine eigene gegliederte Verwaltung zu unterhalten. Ihr Wirken unter der Leitung von Xaver Kern wird argwöhnisch beäugt, gibt es eben auch solche Verwaltungsgemeinschaften, die ihre Existenz nach langem Streit bereits aufgegeben haben. Erster Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft wird Bürgermeister Karl Härtenberger, ihm folgen Heinrich Lobmeier, Gerd Peschke, Hans Hornberger und Max Höcherl. In der Verwaltungsgemeinschaft Hunderdorf leben drei Gemeinden von Anfang an in friedlichem Einvernehmen zum Wohle aller zusammen. Der derzeitige Leiter ist Johann Pollmann, dessen Vater bereits als Gemeindediener und zuletzt als Kämmerer beschäftigt ist.
Informationen
Von 1979 an erscheint ein gemeinsames Bekanntmachungs- und Informationsorgan unter dem Namen „Aus dem Perlbachtal“. Alle zwei Wochen erscheint es mit den Nachrichten aus der Verwaltung, den Vereinen und im Titel mit Beiträgen von Kornel Klar über Geschichtliches aus den Mitgliedsgemeinden. Mangelnde Anzeigen und Abonnenten führen Mitte 1990 zur Einstellung diese Informationsblattes. Seit 2015 lässt die Gemeinde an alle Haushaltungen 4 mal im Jahr den „Hunderdorfer Gemeindeboten“ verteilen.
in der Erziehung
Schulen in Hunderdorf
Seit wann gibt es eine Schule in Hunderdorf? 1795 stirbt Michael Fuchssteiner mit 69 Jahren, er ist der erste geschichtlich greifbare Lehrer in Hunderdorf. Sein Nachkomme Michael Fuchssteiner bekleidet das Lehreramt in Hunderdorf. Die Besoldung des Lehrers ist dürftig, der Lehrer ist deshalb nicht nur Lehrer, sondern auch Mesner und Organist oder übte einen Handwerksberuf aus.
Eine Schule im heutigen Sinn ist nicht vorhanden, der Unterricht findet im Wohnraum des Lehrers statt. Der Lehrer wohnt im Mesnerhäusl, es befindet sich nördlich der alten Kirche. Es gibt eine Schulpflicht, jedoch hält sich kaum jemand daran. Kontrollen oder Sanktionen erfolgen nur spärlich. Dies bessert sich im Laufe der Zeit durch einen Anbau an das Mesnerhäusl, ein Schulraum ist vorhanden, aber von der Größe unzureichend.
Nach der Gründung der Gemeinden 1818 waren alle Gemeinden im Bereich Hunderdorf zur Schulgemeinde Hunderdorf zusammengeschlossen, 1820 wird in der Nachbarschaft des Mesnerhäusl ein Schulhaus erbaut, 195 Schüler werden in einem Raum unterrichtet, an eine Geschlechtertrennung ist nicht zu denken. Erst 1834 erhält Au eine Lokalschule, sie wird im Schlossgebäude in Au untergebracht.
1854 wird mit dem Bau des unteren Schulhaus begonnen, im Obergeschoß befindet sich die Lehrerwohnung. Es wurde später das Knabenschulhaus genannt und weicht dem 1982 erbauten Kindergarten in der Hauptstraße 26.
1870 stirbt Pfarrer Luschner und vermacht sein Vermögen der Pfarrei u. a. zur Errichtung einer von Klosterfrauen geführten Mädchenschule und einer Kleinkinderbewahranstalt (Kinder-garten). Aus dem Plan einer Klosterschule für Mädchen wird vorerst nichts, es wird 1884 ein neues Schulhaus gebaut, zu dem die Pfarrpfründe das Grundstück abtrennen. Es ist das Mädchenschulhaus in der Kirchgasse 8. Ein Vorschlag in Lintach ein Schulhaus zu erbauen, in dem auch die Oberalteicher Schüler zu unterrichten wären, wird wegen der schlechten Wegeverhältnisse verworfen.
Die beiden Schulhäuser erleben Umbauten, bestehen aber bis Anfang der sechziger Jahre. 1937 werden die katholischen Schulen in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Eine im unteren Schulhaus untergebrachte Gemeindekanzlei zieht in das Hornbergerhaus in der Hauptstraße 20. In den letzten Kriegswochen und kurze Zeit nach dem Krieg dienen die Schulräume Flüchtlingen und Soldaten als Unterkunft.
1955 besuchen 261 Schüler in sieben Klassen die Schulen, es stehen aber nur 4 Räume zur Verfügung. Der Zuzug von Flüchtlingen hat die Schülerzahlen ansteigen lassen, es wird nach Lösungen für die Raumnot gesucht. 1956 kauft die Gemeinde von Bäckermeister Hastreiter ein Grundstück für den Neubau einer Schule. Nach der Gemeinderatswahl 1956 wird Lehrer Hermann Maier zum 2. Bürgermeister gewählt. In dieser Eigenschaft reist er nach München, um sich für die Gemeinde Zuschüsse für einen Schulhausneubau zusichern zu lassen.
Bereits im Oktober 1957 wird der Grundstein für die neue Schule (heute Grundschule) gelegt. Architekt Schnierle aus München zeichnete für den Entwurf und Architekt Hirsch aus Hunderdorf für die Ausführung verantwortlich, ein paar Wochen später ist Richtfest. Im Schuljahr 1958/59 wird die neue Schule bezogen, am 17.2.1959 weiht Weihbischof Hiltl die neue Schule ein.
Die Architektur der Schule ist in unsrem Raum für diese Zeit einzigartig, sie gilt als die schönste Schule Niederbayerns. Während in herkömmlichen Gebäuden die Schulräume an den beiden Seiten eines Gebäudes angeordnet sind, bleibt hier eine Seite frei und ist verglast. Ein Drittel der Grundfläche bildet die doppelgeschossige Aula, die auch als Pausenhof dient. Im Keller sind ein Brausebad für die Kinder und geflieste Dusch- und Badekabinen für die Bevölkerung eingebaut. Wochenlang besuchen Scharen von Lehrern und anderen Interessierten Hunderdorf, um die neue Schule zu besichtigen.
Die neue Schule macht die beiden bisherigen Schulhäuser frei. Durch Umbau des Mädchen-schulhauses wird aus dem Erdgeschoss die Gemeindeverwaltung und später eine Arztpraxis, im Obergeschoss entstehen ein Sitzungszimmer und weitere Räume für die Gemeinde. Das untere Knabenschulhaus, das weiter von Rektor Hösl bewohnt wird, wird von Geistlichen Rat Kiermaier in einem Kindergarten gewidmet.
Ende der 60er Jahre werden durch die große Schulreform die kleinen Schulen in größere Verbandsschulen zusammengefasst, zur Verbandsschule Hunderdorf gehören die Gemeinden Hunderdorf, Steinburg, Gaishausen, Windberg, Neukirchen und Obermühlbach. 1970 wird begonnen die neue Verbandsschule zu bauen. Turnhalle und Schwimmbad, Hausmeisterwohnung und Schulsportplatz sind darin integriert. 1974 erfolgt die Einweihung im Zusammen-hang mit der 900 Jahrfeier der Gemeinde Hunderdorf. Es ist in Bau in der Flachdach Architektur dieser Zeit, die in der Folgezeit noch kostenträchtige Probleme machen wird.
Die höchste Schülerzahl wird erreicht: Im Schuljahr 1972/73 werden in 21 Klassen 745 Kinder unterrichtet. Ende der 70er Jahre sinken die Schülerzahlen kontinuierlich. Im August 1980 erhält die Sport- und Freizeitanlage in Hundertdorf den kirchlichen Segen. Diese Anlage ist als Schulsport- und Breitensportanlage konzipiert.
Ende der 90er Jahre werden insgesamt mehr als 5 Millionen Mark für die Sanierung der bei-den Schulgebäude aufgewendet. In einer großen Feier wird der Abschluss dieser Arbeiten begangen. 2020 wird Matthias Wallner Schulverbandsvorsitzender. 2022 erhält die renovierte Schulturnhalle ihren Segen.
Nachstehende Namen erinnern an die Leiter der Schule: Scheininger, Max Deinböck, Karl Wünderlich, Erich Schmied, Franz Hösl, Alois Czerwenka, Magnus Walden, Reinhard Dietz, Kornel Klar, Heidi Leidl, Matthias Kerscher.
Schule Au vorm Wald
Wie bereits erwähnt, wird 1834 in Au vorm Wald eine Schule eingerichtet, die die Raumnot in Hunderdorf mildert. Dazu wird ein Teil des Schlosses in Au von der Gemeinde Steinburg erworben. Der Text des Briefprotokolls von 1934 lautet wie folgt:
„Das königl. Landgericht Mitterfels beurkundet, daß beim demselben nachstehender Kaufvertrag verlautbart wurde, geschehen Mitterfels 17.5.1834.“
Da der Schulsprengel zu Hunderdorf sehr ausgebreitet und eine übergroße Kinderzahl vor-handen ist, sodass das Schulhaus zu Hunderdorf nicht mehr Raum genug hat, so wurde die Entscheidung getroffen, dass im benachbarten Orte Au v. Wald eine Filial-Schule errichtet werden soll. Man hat daher die Gemeindevorsteher des Schulsprengels Hunderdorf, Sebastian Dirrigerl von Hunderdorf, Johann Steinbauer von Gaishausen, Georg Steinbauer von Steinburg und Josef Obermeier von Au vorgeladen und diesen Schlossanteilkauf mit Georg Herrmann Vogl von Au wie folgt definiert und protokolliert:
„Georg Herrmann Vogl, Gutsbesitzer von Au und Josefa, dessen Ehefrau, verkaufen an die Schulgemeinde Hunderdorf die Hälfte des Schlosses Au, beim Eingange links, samt dem auf dieser Seite fallenden Garten zum Behufe eines Schulhauses, und mit diesem Schloßanteil verkaufen sie auch an die besagte Schulgemeinde die dort befindliche Kirche samt Turm, Sakristei und Glocken um die Summe von 450 Gulden unter folgenden Bedingnissen.
Dem Gutsbesitzer Vogl verbleibt als Wohnung das obere Zimmer nebst der noch herüberfallenden Abteilung.
Die Verkäufer verlangen ausdrücklich, daß die Schloßkirche der Andacht der Gläubigen und dem Gottesdienste gewidmet bleiben solle.
Der Schloßgraben ist Eigentum des Kronfeldner, jedoch hat derselbe die Verbindlichkeit, solchen immer unter Wasser zu lassen. Auch der Weiher am Schafberg soll ein Eigentum des Kronfeldner sein.
Die Schulgemeinde hat einen Eingang in das Schulhaus auf seinem erkauften Grunde herrichten zu lassen. Der Schloßhof selbst soll als solcher zur gemeinschaftlichen Benützung und Einfahrt bleiben, jedoch nicht zum Eingang für die Schulkinder.
Hiermit wird beschlossen und dabei angefügt, daß Georg Herrmann Vogl diesen Kontrakt schon unterschrieben und dessen Ehefrau Josefa beim kl. Landgerichte Tegernsee am 2. Juli 1834 die Zustimmung zu diesem Verkauf zu Protokolle gegeben hat.
Am 17. Mai 1834, Unterschriften: Johann Obermeier, Georg Steinbauer, Johann Steinbauer, Sebastian Weinzierl; vom Gericht: Maier und Ruhlander.“
In diesem Gebäude vollzieht sich bis zum Jahre 1959 der Unterricht für die Kinder aus Au, Gaishausen und Steinburg. Einem Neubau einer Schule in Steinburg begegnen Widerstände aus Au, die den Sitz der Schule weiterhin gerne in Au haben würden. Schließlich erfolgt im August 1958 der erste Spatenstich. Die Schulräume in Au werden an Max Schötz, dem Eigentümer des Schlosses verkauft.
Architekt ist Adolf Schnierle aus München, der auch die Schule in Hunderdorf geplant hat. Der Baukörper ist ein rechteckiger Bau mit einem Pultdach, das von einem innen liegenden Lichthof unterbrochen ist. Die Bauleitung hatte auch hier Architekt Hirsch aus Hunderdorf. Der linke Gebäudeflügel beherbergt die Geschäftsräume der Gemeinde mit Gemeindesaal, Warteraum und Kanzlei. Gegenüber liegt der hervorragend ausgestattete Werk- und Handarbeitsraum, an welchen sich eine Schulküche anschließt. Gleichzeitig mit dem Schulhaus wird ein Lehrerwohnhaus errichtet.
Anfang Oktober weiht Weihbischof Josef Hiltl die Schule ein. Die örtliche Presse lobt „Es ist, als wollte Steinburg mit seinem herrlichen Schulhausbau die Nachbargemeinde Hunderdorf übertrumpfen. Architekt Schnierle schuf hier ein Werk, das man die schönste Schule in Niederbayern nennen möchte.“ Weiter: „Die Gäste waren bei der Besichtigung des herrlichen Baues des Lobes voll. Die neue Schule Steinburg ist nicht bloß ein moderner Bau, sondern sie ist ein Kunstwerk aus modernem Geist, ein Werk, das nicht veraltet, nicht ein Steinhaufen mit Fensterstöcken, sondern Licht und Luft und Wärme im Architektonischen eingefangen.“
Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Die bevorstehende große Schulreform beschert ach der Schule Steinburg keine lange Lebensdauer. Mitte der 70er Jahre werden auch die Stein-burger Kinder im Hunderdorf unterrichtet. Das Schulhaus hat seine ursprüngliche Funktion verloren. Es wird versucht die freien Räume gewerblich zu vermieten. Schließlich verkauft die Gemeinde Hunderdorf das Schulgebäude an einen Künstler, der es als Atelier und Wohnhaus nutzt.
Volks- und Schülerbücherei
Bereits in den 1930er Jahren unterhält die Gemeinde Hunderdorf eine Gemeindebücherei. Sie wird nach 1945 zuerst im oberen alten Schulhaus untergebracht. Später findet sie sich in einem dafür angebauten Raum an der rechten Seite des Garagengebäudes. Büchereileiter ist Lehrer Ludwig Häusler.
Im Rahmen der 900-Jahrfeier und der Weihe des Hauptschulgebäudes wurde im neuen Schulhaus auch eine Volks- und Schülerbücherei eröffnet. Als Büchereileiter fungiert Rektor Alois Czerwenka. Das Ausleihverfahren wird acht Jahre bis 1982 von Frau Hildegard Klar wahrgenommen. Die Nachfolge tritt Ingrid Hentschirsch an. Der Buchbestand ist kontinuierlich von 1500 Büchern angewachsen. 1974 sind über 5000 Ausleihungen festzustellen. 2016 gründet sich der Förderverein Bibliothek. Seither freuen sich die Kinder über ein vielfältiges Pro-gramm, das vom Bibliotheksteam angeboten wird, der Bestand, der nicht nur Bücher umfasst, hat die 10tausener Grenze überschritten.
Kindergarten
Schon Pfarrer Luschner, 1843 bis 1870 in Hunderdorf, ist es ein Anliegen, die Kinder in einer eigenen Anstalt zu erziehen, allein es fehlt ein Gebäude. Im Dritten Reich betreiben im Schötzhaus „Braune Schwestern“ einen Kindergarten bis Kriegsende. Auch in Steinburg wird von einem Kindergarten berichtet, deren Eltern in der Konservenfabrik arbeiten.
Erst der Bezug der neuen Schule 1959 macht das untere Schulhaus frei, um es für einen Kindergarten umzubauen. Zwei Franziskanerschwestern aus Wien werden von Pfarrer Kiermaier gebeten, den Kindergarten zu betreiben. Nach dem Tod von Schwester Josefine 1974 ruft das Mutterhaus die Schwester Adolfine nach Wien zurück.
Unter der Regie der Kirchenstiftung führen weltliche Kräfte von da ab den Kindergarten. Große finanzielle Defizite und großer Renovierungsbedarf des Gebäudes veranlassen Ende der 70er Jahre Pfarrer Reitinger, der Gemeinde den Kindergarten anzutragen. Die Gemeinde errichtet einen Ersatzbau und gleicher Stelle und übergibt das Gebäude 1982 der Pfarrei. Eine Defizitregelung ermöglicht es der Pfarrei weiter die Trägerschaft des Kindergartens zu über-nehmen. Zum Sprengel des Kindergartens gehören bis zu dieser Zeit auch die Gemeinden Neukirchen und Windberg.
Die zwei Räume des neuen Kindergartens sind vormittags und nachmittags belegt. Die wach-sende Bevölkerung fordert die Erweiterung des Kindergartens. 1994 wird der Anbau bezogen, es stehen nun vier Gruppenräume zur Verfügung. In Neukirchen wird ein Kindergarten eröffnet, die weiter wachsende Kinderzahl veranlasst die Kirchenstiftung im Windberger Schulhaus eine weitere Gruppe einzurichten, die im Jahr darauf in die Trägerschaft der Gemeinde Windberg übergeht.
Anfang der 2000 der Jahre wird der Wunsch der Eltern immer stärker, auch Kinder unter drei Jahren zu betreuen. Dem kommt die Bildung jahrgangsgemischter Gruppen entgegen, bis die Zahl der Krippenkinder die Einrichtung einer Krippe erforderlich macht.
Die Gemeinde kauft das südliche Nachbargrundstück des Kindergartens und errichtet 2012 darauf ein Gebäude mit einer Kinderkrippe. Schnell füllt sich diese Gruppe und neue gesetzliche Regelungen drängen auf die Erweiterung der Kinderkrippe. Ein Anbau 2017 erweitert die Kapazität auf 27 Krippenplätze.
2022 nötigt die Anzahl der Krippenkinder zur Einrichtung einer Notgruppe für Krippenkinder im Kindergarten. Die kirchliche Aufsicht über die Kindergärten erlaubt die Erweiterung des Kindergartenbetriebs auf neun Gruppen mit der Maßgabe, dass der bauliche Teil und der Unterhalt an die Gemeinde abgegeben wird. 2023 wird die leere Hausmeisterwohnung in der Schule für eine Kindergartengruppe hergerichtet.
2024 erwirbt die Gemeinde das östliche Nachbargrundstück und veranlasst den Umbau des bestehenden Wohngebäudes für den Kindergartenbetrieb und sorgt für den Neubau eines Gebäudes, das zwei Krippengruppen aufnehmen kann. 2025 können die Gebäude genutzt werden, die Anzahl ist zwischenzeitlich auf mehr als 150 betreuter Kinder angewachsen.
Kinderspielplätze
In den 70er Jahren werden von jungen Leuten in Hunderdorf viele Häuser gebaut, aber Kinderspielplätze sind Mangelware. Zwar wird mit dem Sportzentrum ein Kinderspielplatz eröffnet, um diesen von den Baugebieten zu erreichen, muss die Staatsstraße überquert werden. Ein Versuch, eine Baulücke im Baugebiet zeitweilig als Spielplatz zu nutzen, scheitert am Widerstand der unmittelbaren Nachbarn.
1991 kann schließlich an der Ecke Lindfelder Weg – Quellenweg ein großzügiger Kinderspielplatz mit Schlittenberg und Seilbahn eröffnet werden. Die günstige Lage sorgt für eine hohe Benutzerfrequenz.
Auch in Steinburg kann nach dem Bau der Umgehungsstraße ein Kinderspielplatz eröffnet werden, in Gaishausen wird die Siedlung Ehren um einen Spielplatz reicher. Die Kinder im Süden Hunderdorfs freuen sich seit einigen Jahren über den neuesten Spielplatz in der Martinstraße.
in der Gesundheit
Apotheke
1971 lässt sich Dr. Jürgen Lichte in Hunderdorf nieder. 1987 kommt als zweiter Arzt Dr. Michael Hartmann nach Hunderdorf. Ärzte verschreiben Medikamente, die man sich in einer Apotheke besorgen muss. Bogen und Mitterfels sind die nächsten Orte mit einer Apotheke.
1979 erbaut der Apotheker Holzner von Bogen in Hunderdorf eine Apotheke, mitten auf das freie Grundstück des verfüllten Pfarrerweihers. Die Familie Schubert betreibt als erste diese Apotheke und gibt sie 1989 an Sylia Sosnowski weiter, bis Dr. Thomas Kammermeier diese erwirbt.
Zahnarzt
Nach dem Krieg eröffnet 1948 Hugo Kvech in Hunderdorf in der Bahnhofstraße eine Zahn-arztpraxis. Hugo Kvech gibt 1975 aus Altersgründen seine Praxis auf. Dem Bemühen des Bürgermeister Karl Härtenberger ist es zu danken, daß 1981 wieder eine Zahnarztpraxis in dem neu erbauten Gebäude der Raiffeisenkasse eröffnet. Am 5. März 1981 beginnt der Be-trieb in der Praxis von Gisela Sandmann. 1998 erfolgt der Umzug in das Gebäude Sollacher Straße 5, 2008 kommt Dr. Ralf Peiler als Kollege hinzu. Dr. Sandmann ist auch bekannt durch ihre wiederholten caritativen Einsätze in Lateinamerika.
Arzt
1971 lässt sich Dr. Jürgen Lichte als erster Allgemeinarzt in Hunderdorf nieder. Die Gemeinde baut dazu das Gebäude in der Kirchgasse 8 so um, dass neben der Gemeindeverwaltung auch eine Arztpraxis Platz hat. In den 80er Jahren zieht Dr. Lichte in ein neu errichtetes Praxis- und Wohngebäude im Quellenweg. Derzeit führt sein Sohn Jörg die Praxis.
1987 kommt als zweiter Arzt Dr. Michael Hartmann nach Hunderdorf. Zuerst befindet sich die Praxis im Lindfelder Weg, bis der Rathausneubau 1990 das Haus in der Kirchgasse für eine Arztpraxis frei macht.
Krankenversorgung
Reinhold Steininger übernimmt in der Bahnhofstraße 7 die vorhandene Praxis für physiotherapeutische Behandlungen. Eine weitere physiotherapeutische Praxis betreibt Gerhard Plötz in der Sollacher Straße.
Für die Behandlung von Sprach- und Sprechstörung und aller Störungen, die mit der Lautäußerung zusammenhängen steht die Praxis von Beatrice Murer in der Hauptstraße bereit.
Krankenpflege
Seit Jahrzehnten gibt es den Pflegedienst Marianne Maier in Rammersberg, die diesen wegen Ruhestand abgibt. Nun firmiert er unter neuer Leitung als „Mobile Krankenpflege Hunderdorf“ in „Am Sportplatz 4“, heute betreibt „Qxylis“ die Krankenpflege, die an weiteren Standorten in Deutschland zu finden ist.
im Verkehrswesen
Post
Von einer „Post“ im Sinne eines Postverkehrs kann in unserer Region erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gesprochen werden. Hintergrund dieser Entwicklung war der allmähliche Aufbau und die Verdichtung einer Verwaltung, wie es sie vorher nicht gab. Das aufkommende Pressewesen ließ in gewisser Regelmäßigkeit Zeitungsnachrichten erscheinen, die ihre wenigen Empfänger auf dem Lande suchten. Briefe schreiben war ein Luxus. Zwar lernte die Mehrheit durch die allgemeine Schulpflicht Lesen und Schreiben, aber einen Brief zu verfassen und diese zu lesen, war dennoch eine Kunst. Zu vergleichen ist dies mit den Schwierigkeiten, die wir heute mit dem Lesen und Schreiben der deutschen Schrift haben, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts allgemein in Gebrauch war.
Regelmäßig verkehrende Postkutschen wurden durch die Eisenbahn und später durch Kraftomnibusse abgelöst, die unter der Regie des königlichen Verkehrsministeriums bzw. Postministeriums fuhren. Vor der Einrichtung einer Postagentur im Jahre 1903 in Hunderdorf erfolgte die Zustellung von Briefen und sonstigen Nachrichten in fest organisierten Zustellbezirken über Postboten vom Bogen, dem Sitz des Landgerichts, aus.
Dem Postagenten oblag auch die Auslieferung der eingehenden Nachrichten an die Empfänger in seinem ihm zugeteilten Bezirk, der sich nicht an irgendwelchen Grenzen orientierte. Eine öffentliche „Telephonstelle“ gehörte auch dazu.
Der Standort der Postagentur war im Ortsbereich des alten Hunderdorf, der Standort des Bahnhofes war Apoig. Die Eisenbahn dominierte den Verkehr und dieser spielte sich vermehrt in Apoig ab. So war zu erwarten, dass sich die Stimmen mehrten, die auch die Postagentur in der Nähe des Verkehrszentrums Apoig sehen wollten. So wurde 1908 entschieden, den Sitz der Postagentur von Hunderdorf nach Apoig zu verlagern. Die Betreuung der Postagentur wurde der Familie Sandbiller übertragen.
Johann Wölfl wird ab 1909 bis 1945 Postzusteller in Apoig, erbaut sich ein Haus in der Bahnhofstraße 19 und stirbt 1953.
Postagent war Josef Sandbiller, der Urgroßvater des heutigen Metzgermeisters Adolf Sandbiller, dessen Nachfolger wurde 1943 sein Sohn, ebenfalls Josef Sandbiller. Nach dem Kriege 1945 musste Sandbiller die Postagentur abgeben, sie wurde von Blasini für kurze Zeit übernommen. Darauf war die Poststelle im Hause Schötz in Hunderdorf in der Hauptstraße 4, bis sie am 21.10.1945 wieder in das Haus Sandbiller nach Apoig zurückkehrte.
Maria Gall (1914-2006) wurde als Posthalterin eingestellt. Ihr folgte Maria Axinger (1916-2000) Anfang Februar 1948 nach. 1956 erstellte Sandbiller ein neues Gebäude südlich seines Gasthauses, das von da ab die „Post“ für die Gemeinde Hunderdorf war. Die Poststelle er-fährt im selben Jahr eine Aufwertung und wird Postamt. Maria Axinger wird als Angestellte von der Post angestellt und wohnte im Obergeschoß dieses Gebäudes.
Im Erdgeschoß stehen der Post rund 80 Quadratmeter zur Verfügung. Zum ersten Mal sind Postfächer für die Kunden vorhanden, eine Telefonzelle ist im Schalterraum eingebaut. Das Postamt ist werktags vormittags und nachmittags geöffnet, der Schalterdienst wird von der Betriebsleiterin Maria Axinger wahrgenommen.
1965 umfasst der Einzugsbereich des Postamtes Hunderdorf eine Fläche von knapp 24 Quadratkilometern, diese wird in einem Ortszustellbezirk und drei Landzustellbezirken bedient. 6 Briefkästen in diesem Bereich werden täglich geleert. Zusteller sind Xaver Aumer, Anton Linsmeier, Ferdinand Schötz und Helene Thannhäuser, die 1967 ihren Dienst beendet und von Franz Söldner abgelöst wird.
1966 erhält Hunderdorf die erste Telefonzelle in der Hauptstraße gegenüber den Wohnblöcken in der Ringstraße. Windberg erhält 1972 seine erste Telefonzelle, zwei Jahre später stehen in Hunderdorf drei Telefonzellen (vor dem Postamt, in der Hauptstraße 2 und in der Hauptstraße 24 in der Nähe der ehemaligen Raiffeisenbank.
1974 verabschiedet sich Maria Axinger nach längerer Krankheit in den Ruhestand, ihre Nach-folge tritt Anton Blindzellner aus Bogen an.
1976 erweitert Adolf Sandbiller das Postgebäude, der Schalterraum wird modernisiert und erhält eine Sicherheitsverglasung. Dieses Ereignis ist Anlass für eine große Feier mit Einweihung durch Pfarrer Franz Reitinger und Pfarrer Künzel (Bogen) sowie einem „Tag der offenen Tür“.
1979 nimmt Blindzellner Abschied vom Dienst, nachdem er 1975 die Ehrung für eine 40jährige Dienstzeit für das Deutsche Reich und die Bundesrepublik entgegennehmen konnte. Bei seinem Abschied wird bemerkt, dass er 45 Jahre lang keinen Tag vom Dienst gefehlt hat. Sein Nachfolger wird Josef Breu, bis dahin Betriebsleiter beim Postamt Mitterfels.
1983 werden die Zustellgrenzen bereinigt mit der Folge, dass die Zustellung von der Poststelle Steinburg nach Hunderdorf verlagert wird und die Grenzen des Zustellbereichs nun mit den Grenzen der politischen Gemeinden Hunderdorf und Windberg übereinstimmen. Im Zuge dieser Maßnahme wird die Postleitzahl von 8441 auf 8447 geändert.
1986 erhält Anton Linsmeier seine Rente, nachdem er seit 1964 beim Postamt Hunderdorf seinen Zustelldienst versehen hat.
1989 wird Brigitte Lutz mit der Betriebsleitertätigkeit beim Postamt Hunderdorf betraut, nachdem zuvor Josef Breu die Betriebsleitung beim Postamt Bogen übertragen bekommen hat. Die Postreform im Jahr 1989 teilt die Deutsche Bundespost in drei Sparten auf: DBP-Postdienst, DBP-Postbankdienst und DBP-Telekom.
1994 entsteht aus der Deutschen Bundespost Postdienst die Deutsche Post AG. Sie gliedert sich in drei Bereiche: Brief, Paket und Vertrieb. Diese Reform hat Auswirkungen bis in das kleinste Dorf. Als Aktiengesellschaft ist die Post keine Behörde mehr und deshalb gibt es auch kein Amt mehr, aus dem Postamt Hunderdorf wird eine Postfiliale.
In der Folge werden Postfilialen geschlossen und private Betriebe und Geschäfte gesucht, die die Postdienstleistungen künftig in privaten Postagenturen anbieten sollen. So auch in Hunderdorf. Am 20. September 1997 schließt das frühere Postamt Hunderdorf. In der Tankstelle Betzlbacher in der Hauptstraße 1, die Roman Kiefl gepachtet hat, bietet dieser von da ab die Postdienstleistungen an. Der Zustelldienst verbleibt bis auf weiteres als Zustellstützpunkt im bisherigen Postgebäude.
Aber der Rationalisierungsdruck lässt auch den Zustelldienst nicht in Ruhe. Im Gewerbegebiet an der Thanangerstraße baut Architekt Walter Hornberger ein Gebäude, das den neuen Zustellstützpunkt Hunderdorf beherbergen soll. In diesem Zustellstützpunkt werden die Zustellbereiche der Gemeinden Hunderdorf, Mitterfels und Neukirchen zusammengefasst. Am 4. November 1998 hatte das 1956 errichtete Postgebäude bei Sandbiller für die Post ausgedient.
Nach dem Auslaufen des Pachtvertrages für die Tankstelle mietet Roman Kiefl das Eisenwarengeschäft Hagn in der Hauptstraße 1. Die Postagentur zieht mit Kiefl in die neue Adresse um. Nachdem Kiefl die Vertragsbedingungen für die Postagentur nicht weiter akzeptierte, kommt die Postagentur 2005 in den REWE-Markt in der Hauptstraße 32, bis diese 2015 schließt. Es findet sich kein weiterer Postagenturbetreiber im Ort Hunderdorf, so dass im Ort keine Postdienstleistungen mehr angeboten werden. Im Ortsteil Ehren wird im Getränkemarkt Hausler bei Therese Kreuzer eine Postagentur eingerichtet, in der sie bis 31. Januar 2024 verbleibt. Daneben war im Gewerbepark im Edeka Markt Buchbauer für kurze Zeit eine weitere Postagentur eingerichtet. Da sich in der Gemeinde Hunderdorf längere Zeit niemand findet, der eine Postagentur betreiben will, eröffnet die Post schließlich auf Druck der Regulierungs-behörde im Herbst 2024 in der Hauptstraße 13 eine Postfiliale, die werktags nachmittags und samstags vormittags zwei Stunden öffnet.
2015 entsteht im Gewerbegebiet Bärndorf ein neuer großer Zustellstützpunkt mit Platz für rund 30 Zustellbezirke. Von diesem Zustellstützpunkt aus wird ein Bereich von Mariaposching bis St. Englmar bedient, auch Hunderdorf ist dort untergebracht.
Steinburg kann auf eine schon früher beginnende Postgeschichte verweisen. Bereits am 1. Oktober 1892 wurde dort eine Postablage eröffnet, die an der Postroute Bogen-Englmar gelegen war. Ab Juli 1893 verkehrt ein Postomnibus auf dieser Strecke. 1896 mit der Eröffnung der Lokalbahnstrecke von Bogen nach Steinburg wird die Postablage im Ortsteil Ehren im dortigen Gasthaus eingerichtet. 1910 kauft Karl Solcher das Gasthaus und übernimmt die Postagentur. Nach dem Krieg wird im Hause Hanner eine Poststelle mit Zustellung eingerichtet und von Helena Hanner betreut. Die Zustellung verbleibt in Steinburg bis zur Neuorganisation der Zustellung beim Postamt Hunderdorf im Jahre 1983. Aus der Poststelle I Steinburg/Niederbay. wurde eine Annahmepoststelle und schließt endgültig im Jahr 1983.
Bahn
In Deutschland sind bereits einige tausend Kilometer Eisenbahnlinien gebaut, bis auch der dünn besiedelte Bayerische Wald an die Reihe kommt. Wie immer, wenn etwas Neues entstehen soll, gibt es lange und kontroverse Diskussionen. Es geht unter anderem um die Strecken-führung über Bogen und Steinburg nach Mitterfels und Miltach. 1896 wird die Linie Bogen-Steinburg eröffnet, nachdem sie bis 1895 von Straubing nach Bogen gebaut wird.
Im Bereich Hunderdorf sind zwei Bahnhöfe geplant, einmal in Hofdorf und zum anderen in Hunderdorf bei der jetzigen Kreuzung des Radweges mit der Hauptstraße. Hofdorf ist des-halb interessant, weil in Hofdorf sich von alters her die Wege Bärndorf-Hofdorf-Hunderdorf und Bogen-Sollach-Hofdorf nach Windberg bzw. nach Hohenthann-Irensfelden kreuzen.
Gegen die Planung eines Bahnhofes in Hofdorf regt sich Widerstand aus der Windberger Seite, die den Bahnhof gerne in Apoig sehen wollen. Endlich wird entschieden, statt der beiden Bahnhöfe nur einen Bahnhof in Apoig zu errichten, was von den Hunderdorfern nicht gerne hingenommen wird, weil sich das Leben Hunderdorfs einige hundert Meter weiter im unteren Dorf abspielt.
Das Gasthaus Sandbiller bzw. die damalige Lenz’sche Restauration verdankt seine Entstehung dem Standort des Bahnhofes. Es wird wie an anderen Orten auch als Bahnhofsrestauration errichtet, weil die Fahrgäste von weit her zu Fuß kommen und hier einen Rast- und Warteplatz finden, weil die Bahnhöfe nicht als Warteräume ausgebaut sind. Schließlich wird in Apoig ein kleines hölzernes Bahnhofsgebäude errichtet, das 1960 durch einen Ziegelbau er-setzt wird. Der Bahnhofsplatz wird geteert und beleuchtet.
Wir erinnern uns an die am Bahnhof Hunderdorf tätigen Fahrdienstleiter bzw. im Schalter-dienst tätigen Personen: Georg Hirtreiter, Johann Mager, Heinrich Sagstetter, Hans Schmied 1978 Erika Höpfl. In Steinburg sind es Georg Hirtreiter, Martin Eineder, Hans Wirth, Eduard Heigl, Josef Tannhäuser, Pius Kötterl, Willi Eisenschink und Hubert Beck.
Die Bahn hat eine große Erschließungsfunktion. So wird der Steinburger Bahnhof gerne auch der Englmarer Bahnhof genannt, weil dort die Leute aus dem Bereich bis Englmar zusteigen bzw. in Steinburg Transporte für Englmar entladen werden, während der Bahnhof in Bärndorf der Schwarzacher Bahnhof ist. Zu dieser Zeit gibt es ernsthafte Überlegungen einen Bahnanschluss zwischen Metten und Bärndorf herzustellen, was aber an den finanziellen Mitteln scheitert.
Große Aufregung verursacht Anfang der siebziger Jahre die Absicht der Bahn zur Erhöhung der Sicherheit den mittleren Bahnübergang aufzulassen und die Hauptstraße an der westlichen Seite des Bahngleises bis zum Übergang an den Lindfelder Weg zu führen. Widerstände lassen diese Lösung nicht zu, so dass mit großem finanziellen Aufwand der Gemeinde der nördliche Bahnübergang bei Härtenberger mit einer Blinklichtanlage versehen wurde.
Die technische Entwicklung löst das dampfgetriebene „Bockerl“ ab. Moderne Triebwagen, die besonders in den Morgenstunden beim Schüler- und Arbeiterverkehr gut besetzt waren , ersetzen es. Mehr als hundert Fahrgäste in Hunderdorf sind die Regel. Die technische Entwicklung fördert aber auch den Individualverkehr, die Menschen haben Arbeit, leisten sich ein Auto und benutzen es, um zur Arbeitsstelle zu kommen. Die Fahrgäste der Bahn nehmen drastisch ab.
Anfang der 80er Jahre verdichten sich Gerüchte über den Abbau der Bahn in diesem struktur-schwachen Gebiet. Über die Abnahme der Auslastung der Bahn kann nicht hinweg gesehen werden, alle Einwände nützen nichts. Ende September 1984 stellt die Bahn den Personenverkehr zwischen Steinburg und Miltach ein, ersatzweise werden Busse eingesetzt. Die fortgesetzten Rationalisierungsmaßnahmen der Bahn enden schließlich am 29.11.1986 mit der letzten Fahrt des Schienenbusses zwischen Steinburg und Bogen, 90 Jahre nach der Eröffnung der Bahnstrecke.
An die ehemalige Bahnstrecke erinnert heute noch der Fuß- und Radweg, der sich nach dem Abbau der Gleisanlagen auf der Trasse der Bahnstrecke von Bogen bis nach Miltach schlängelt. Der Platz, an dem der Bahnhof stand, ist heute eine Omnibushaltestelle, die Fläche des Bahnhofes ist ein großer Pendlerparkplatz geworden und erlaubt einmal im Jahr das Hunderdorfer Volksfest aufzunehmen.
Geldverkehr
Das Spar- und Kreditwesen beginnt in Hunderdorf 1911 mit der Gründung der Selbsthilfeeinrichtung „Spar- und Darlehensverein Hunderdorf“. Die Geschäfte werden anfangs in den Privaträumen des Rechnungsführers abgewickelt bis die Raiffeisenkasse 1958 in der Hauptstraße 25 ein Lagerhaus baut, aus dem nach Umbau und Erweiterung die Raiffeisenbank entsteht. Mit dem Tod von Norbert Wurm, dem Leiter der Windberger Raiffeisenkasse kommt es 1964 zur Fusion der beiden Vereine. 1962 feiert die Genossenschaft mit rund 100 Mitgliedern das 50jährige Bestehen. 1963 wird ein hauptamtlicher Geschäftsführer, Sebastian Biegerl, angestellt. 1970 fusioniert Raiffeisen Neukirchen mit Hunderdorf. 1979 wird eine Zweigstelle in Bogen eröffnet. Von Anfang an versorgt der Verein seine Mitglieder mit allem, was zur Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen erforderlich ist. Später wird dieses Geschäft für alle geöffnet, das Lagerhaus in Ehren angekauft und um einen Bauwarenhandel erweitert. 1981 entsteht am Quellenweg zwischen dem Pfarrhofgrundstück und der Apotheke ein neues Bankgebäude, das auch eine Zahnarztpraxis beherbergt. 1992 fusionierte die Raiffeisenbank Hunderdorf mit der Raiffeisenbank Straubing, die nunmehr unter VR-Bank Ostbayern Mitte firmiert. 2022 erhält die Raiffeisenbank einen digitalen Bankschalter, die Bedienung erfolgt in Hunderdorf ausschließlich nur mehr durch Automaten.
Träger der Sparkassen sind die kommunale Körperschaften, die Kreise. Diese wurden im 19. Jahrhundert angehalten, Sparkassen zu gründen oder sich an benachbarte Sparkassen anzuschließen. 1956 eröffnet die Sparkasse Bogen eine Zweigstelle in Hunderdorf in der Bahnhof-straße. 1978 erstellt Paul Hornberger in der Sollacher Straße ein Sparkassengeschäftsgebäude mit einer Wohnung im Obergeschoß. Bis 2024 wurden Kunden in der Geschäftsstelle bedient, seither erfolgt dies auch hier ausschließlich durch Automaten.
Öffentliche Buslinien
ÖPNV, der öffentliche Personennahverkehr ist ein Wortungetüm aus der jüngeren Zeit und beschreibt die Möglichkeit, ohne eigenes Fahrzeug von seinem Wohnort mit öffentlichen Verkehrsmitteln Ziele in anderen Orten zu erreichen. Hunderdorf ist durch drei Buslinien an das ÖPNV-Netz im Landkreis Straubing-Bogen angeschlossen: Linie 11: Bogen-Miltach / Miltach-Bogen, Linie 13: Steinachern-Rattenberg-Steinburg-Bogen-Straubing, Linie 14: Neukirchen-Perasdorf-Windberg-Bogen-Straubing. Derzeit befindet sich die Linie 58, die die Strecke Bogen-Viechtach stündlich befährt, in einer Erprobungsphase.
Mietwagen – Carsharing
In Kooperation mit der Firma mikar GmbH & Co. KG bietet die Verwaltungsgemeinschaft Hunderdorf ihren Bürgerinnen und Bürgern, den Firmen und Institutionen mit mikarshare® eine neue Form der Mobilität. Jedermann kann gegen ein Nutzungsentgelt ein Fahrzeug nutzen.
in der Ver- und Entsorgung
Wasserversorgung
Hunderdorf hat mit dem Bogenbach viel, manchmal zu viel, Wasser vor der Haustür. Das ist jedoch kein sauberes Trinkwasser, das man aus der Leitung beziehen will. Von 1840 wird berichtet, dass eine Wasserleitung von Windberg nach Hunderdorf gebaut wird. Bis Anfang der 60er Jahre bezieht Hunderdorf sein Trinkwasser aus Quellen, die östlich von Windberg bei Feiertaghof liegen, in einem kleinen Hochbehälter bei Ried wird es gesammelt.
Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre tritt Wassermangel auf. Die bauliche und wirtschaftliche Entwicklung steigern den Wasserbedarf und herrschende Trockenheit verringern den Zufluss, nicht nur in der Gemeinde Hunderdorf, auch in der Nachbargemeinde Mitterfels. In Hunderdorf wird 1960 erfolgreich ein Tiefbrunnen gebohrt, für Mitterfels liefert die Bundeswehr mit Tankwagen Wasser von Bogen in den Hochbehälter in Hinterbuchberg.
Landrat Xaver Hafner wirbt für die Gründung eines Verbandes, der die Aufgabe hat, die Mitgliedsgemeinden Hunderdorf, Gaishausen, Oberalteich, Mitterfels, Haselbach und Landasberg ausreichend mit Trinkwasser zu versorgen: Der „Zweckverband zur Wasserversorgung der Bogenbachtalgruppe“ wird am 19. März 1962 geboren, der erste und letzte im Landkreis Bogen. Karl Härtenberger als Vorsitzender des Verbandes treibt mit der Bohrung weiterer Tiefbrunnen, der Verlegung vieler Kilometer Wasserleitungen, dem Bau der Wasseraufbereitungsanlage in Hunderdorf und der Errichtung zweier Hochbehälter den Aufbau dieser Wasserversorgung voran.
Durch die stete bauliche Entwicklung steigt der Wasserbedarf in den Mitgliedsgemeinden kontinuierlich an. In den 70er Jahren werden zwei weitere Tiefbrunnen abgeteuft, später ein weiterer Hochbehälter gebaut, der Wasserbezug von der Fernwasser Bayerische Wald vertraglich geregelt.
Die gemeindlichen Wasserversorgung Steinburg bezieht das Wasser aus zwei flachen Tief-brunnen bei Steinburg, früher auch von Quellen am Buchaberg. Qualitätsprobleme, die nur durch große Investitionen zu lösen sind, veranlassen die Gemeinde, die eigenständige Wasser-versorgung Steinburg an den Wasserzweckverband anzuschließen. Die Erweiterung des Wasserwerkes und der Bau einer großen Verbindungsleitung zwischen Hunderdorf und Steinburg erlauben nach der Schließung der Möbelfabrik Nolte nun auch die Ansiedlung der Firma Thyssen Polymer. Der Bau eines zusätzlichen Hochbehälters in Hinterbuchberg mit einem Volumen von 1700 cbm in den 2010er Jahren helfen, den trockenen Sommerspitzen Herr zu werden. Stete Investitionen in die Anlagen erlauben für die Zukunft eine sichere Wasserversorgung vorherzusagen.
Die Leitung des Zweckverbandes liegt 22 Jahre in den Händen von Karl Härtenberger, dem Bürgermeister Werner Lang von Mitterfels nachfolgt. 1996 löst ihn Bürgermeister Peschke ab, seither wechselt der Vorsitz zwischen den Bürgermeistern von Hunderdorf und Mitterfels.
Gasversorgung
Durch den Bau einer Niederdruckgasleitung von Bärndorf nach Hunderdorf in den 2010er Jahren erhält Hunderdorf einen Anschluss an das Gasnetz. Vereinzelt nutzen Betriebe und Private diese Energie für Produktionsprozesse oder Wohnraumbeheizung. Das Netz wird von der Energie Südbayern GmbH betrieben.
Stromversorgung
Das öffentliche Stromnetz betreibt in der Gemeinde die Bayernwerk AG, eine Tochter der E.ON. Diese sorgt auch für die Straßenbeleuchtung. Die Anfänge der Stromversorgung liegen in Privathand, der Strom wird in den Mühlen in Hofdorf und Steinburg erzeugt.
Durch die Anpassung der Gesetze können die Flächen neben der Autobahnen nun bevorzugt für die Anlage von Photovoltaikanlagen verwendet werden. Diese Chance wird von Firmen und Grundstückseigentümern ergiebig genutzt, an der Nordseite der A3 sind alle geeigneten Flächen mit PV-Platten belegt.
Telekommunikation
Für das Telefon ist seit jeher die Post zuständig. Dankbar nehmen die Hunderdorfer die Auf-stellung der ersten Telefonzelle im Jahr 1966 an, weitere folgen. Der kontinuierliche Ausbau des Telefonnetzes und rasante Entwicklung der Nachrichtentechnik führen schließlich zur Unrentabilität und zu Abbau der Telefonzellen.
Die Aufspaltung der Post in einzelne Sparten-Aktiengesellschaften teilt der Deutschen Telekom die Aufgabe der Telekommunikation zu. Diese ist auch Partner der Gemeinde für den Ausbau der Breitbandversorgung für ein schnelles Internet.
Abwasserentsorgung
Die rasche Siedlungsentwicklung in Hunderdorf verlangt von der Gemeinde auch die Lösung des Abwasserproblems. In den 60er Jahren lösen Kanäle die Sammelgruben ab. Werden an-fangs die Abwässer nur grob geklärt dem Bogenbach zugeführt, bringt die erste Kläranlage hier eine erhebliche Besserung. Sie wird ab 1974 gebaut und gemeinsam mit der Gemeinde Windberg finanziert. Sie solle der Abwasserbehandlung der beiden Gemeinden Hunderdorf und Windberg dienen. Die Planung sieht zu dieser Zeit für die Bereiche Gaishausen und Steinburg eine eigene Kläranlage vor.
In den 80er Jahren ändert sich der Plan: In einer Pumpleitung kommen auch die Abwässer aus dem Bereich Steinburg und Gaishausen dazu und ersparen eine früher geplante Kläranlage in Steinburg. Die gesamte Anlage erfüllt nun nicht mehr die gesetzlichen Anforderungen bezüglich der in den Bogenbach eingeleiteten gereinigten Wässer. Sie wird überplant, in drei Bauabschnitten werden die Planungen umgesetzt: Überlaufbecken, Aufrüstung verschiedener technischer Einrichtungen, Neubau Betriebsgebäude, Nachklärbecken und Schlammsilos, Neubau Belebungsbecken und Zulaufpumpwerk.
Nach über einem Jahrzehnt Bauzeit und einem Kostenaufwand von knapp 2,5 Millionen Euro kann 2008 die Einweihung der nun neuen Kläranlage erfolgen. War sie früher auf 4000 Einwohnergleichwerte ausgelegt, so beträgt die Kapazität nun 5500. Sie reinigt die Abwässer aus den Gemeinden Hunderdorf und Windberg und kleinen Teilen der Gemeinde Neukirchen und der Stadt Bogen (Autobahnraststätte). Höhere gesetzliche Anforderungen verwandeln die Kläranlage das weitere Jahrzehnt wieder in eine Baustelle: Eine Phosphatfällungsanlage wird erstellt, Maschinenhaus, Sand- und Fettfang und ein Regenüberlaufbauwerk errichtet.
Anfangs geht es darum, die vorhandenen und geplanten Baugebiete mit Kanälen zu erschließen und die Abwässer des gesamten Dorfgebietes der Kläranlage zuzuführen. Als nächstes gilt es die Abwässer aus Steinburg und Gaishausen zu sammeln. Über ein Jahrzehnt vergeht, bis alle Ortsteile Zug um Zug, Strang für Strang erfasst sind. Nur vereinzelt dienen Hausklär-anlagen der Abwasserreinigung, bei denen das Abwasser vor Ort gereinigt wird und der Schlamm mit Tankwagen zur Klärung abgefahren wird.
Müllentsorgung
Das frühere Wirtschaften kennt das Problem einer Müllentsorgung nicht. Alles wurde selbst entsorgt, Brennbares wird verheizt, Abfälle aus der Küche werden verfüttert oder kommen auf den Misthaufen, Eisen und Blech, alles was einen Wert hatte, wird gesammelt, bis ein Eisenhändler oder Lumpensammler es gegeneinen kleinen Betrag abholt. Was nicht verrotten kann, das findet sich eine Grube oder sonst von Brennnesseln bewaldeter Ort, wo es abgelagert wird.
Mit der zunehmenden Besiedlung mit Wohnhäusern auf kleinen Grundstücken ist diese Art der eigenen „Abfallbewirtschaftung“ nicht mehr möglich. Die Gemeinde ist gefragt. In den Sechzigern wird eine gebührenpflichtige Müllabfuhr eingerichtet. Der Müll wird in einer Deponie in Kleinlintach abgelagert, zu der jeder auch selbst seinen Müll verbringen konnte.
1978 übernehmen die Kreise diese Aufgaben und organisieren die Müllabfuhr. In unserem Raum schließen sich Stadt Straubing und der Landkreis zu einem Zweckverband zusammen. Anfangs werden die bestehenden Deponien der Gemeinden aufgefüllt und abgedeckt. Der Gedanke, den Müll endgültig aus der Welt zu schaffen, lässt in Schwandorf ein Müllkraftwerk entstehen, in dem aus dem Müll mehrerer Landkreise in Niederbayern und der Oberpfalz Strom erzeugt wird. Dieser vernünftige Gedanke ist heute höchst umstritten.
Das später folgende Abfallwirtschaftsgesetz priorisiert die Wiederverwertung vor der Verbrennung. Es werden Container für Glas ausgestellt, es folgen Container für Papier und Pappe. Schließlich werden in den einzelnen Gemeinden Wertstoffhöfe eingerichtet, bei denen wiederverwertbare Materialien sortiert abgebeben werden können. In anderen Kreisen werden alle Wertstoffe in gelben Tonnen oder Säcken gesammelt und zentral sortiert.
Eingesammelt wird in der Gemeinde in Tonnen getrennt der Restmüll, das Altpapier und fakultativ Biomüll.
in der letzten Ruhe
Friedhof
Der alte Friedhof in Hunderdorf befindet sich um die frühere Kirche nördlich des Anwesens Baier/Edbauer. Mitte der 1950er Jahre macht Pfarrer Kiermaier die Gemeinde auf die Not-wendigkeit aufmerksam, einen neuen Friedhof anzulegen. 1959 wird mit der Anlage begonnen, 1959 wird der neue Friedhof eingeweiht. Hierzu wird ein Grundstück der Kirchenstiftung genutzt.
Der Friedhof wird vor der Kirchenstiftung verwaltet. Ende der 1960er Jahre wird die Verwaltung an die Gemeinde abgegeben. Zur Vergrößerung des Friedhofes kauft die Kirchenstiftung auf der westlichen Seite ein Grundstück an und überlässt es der Gemeinde.
Die Gemeinde wächst weiter, mit den steigenden Einwohnerzahlen steigen auch die Sterbefälle. Dies macht eine weitere Vergrößerung des Friedhofes in südlicher Richtung erforderlich. 1987 erfolgt die Einweihung des neuen Friedhofteiles durch Pfarrer Högner.
Die Einäscherung von Leichen ist in dieser Zeit noch ein Ausnahmefall. Anfang der 2000er Jahre verstärkte sich der Ruf nach einer Urnenwand wie diese auf anderen Friedhöfen bereits entstanden sind. Es werden einzelne Stelen in Gruppen aufgestellt, die die Urnen aufnehmen können. In einer Himmelsleiter, wird eine Reihe von Urnengräbern angelegt.
Die Urnenbestattung ist heute zu Regel geworden. Die Grabreihen im Friedhof werden immer lichter. Grabdenkmäler, die vom Material her Jahrzehnte überdauern könnten, werden nach Ablauf der Liegezeit entfernt, die Gräber eingeebnet. Grabpflege, eine besondere Kultur eines Volkes, verkommt, sie ist lästig, sie ist zu einer Last geworden.
Leichenhaus
Früher war es so: Der Tote wird in seinem Haus aufgebahrt. Am Tag der Beerdigung wird er „vom Haus aus“ in einer Bittprozession abgeholt und direkt zum Friedhof gebracht. Die Beerdigung findet regelmäßig vor dem Trauergottesdienst statt.
Nach dem Krieg ändert sich der Ablauf. In den Gemeinden werden Leichenhäuser errichtet, in der der Tote nach der Freigabe der Leiche nach der Überführung (vom Sterbeort zum Leichenhaus) bis zur Beerdigung aufbewahrt wird. Hunderdorf verfügt im alten Friedhof an der Hauptstraße über eine Kapelle, die nicht mit der Kirche abgebrochen wird. 1950 läßt Pfarrer Kiermaier die Eingangstür vergrößern und die Kapelle als Leichenhaus umfunktionieren. Hunderdorf ist eine der ersten Landgemeinden, die damit über ein Leichenhaus, eine „Seelen-kapelle“ verfügt. Wie jede Neuerung findet auch diese keine allgemeine und breite Zustimmung.
Hunderdorf wächst und der bestehende Friedhof, der durch den Abbruch der alten Kirche eine gewisse Entlastung erfährt, wird zu klein. Am Ortsende am Weg in Richtung Lintach lässt Pfarrer Kiermaier einen neuen Friedhof auf dem Pfarrgrundstücken anlegen. Die Pläne für ein Leichenhaus sind fertig, die Finanzierung steht, da verstirbt Pfarrer Kiermaier 1962. Pfarrer Georg Ruß wird der neue Pfarrer und lässt das Leichenhaus im neuen Friedhof unter der Regie der Gemeinde errichten. 1965 erfolgt die Weihe.
Das Leichenhaus ist in die Jahre gekommen, hat keine Kühlung und bedarf einer gründlichen Renovierung. Schließlich beschließt die Gemeinde, das bisherige Leichenhaus zu entfernen und 2016 eine neue zeitgemäße Trauerhalle zu errichten. Diese Trauerhalle kann bestuhlt werden und erlaubt kleinere Trauerfeiern darin abzuhalten.
in der baulichen Entwicklung
Seit 1960 gibt es ein Baugesetz für ganz Deutschland und löst frühere Bauvorschriften der Länder ab. Vor diesem Zeitpunkt liegt es mehr am Ermessen der Bauherrn und der Gemeinden, wo und wie gebaut wird, geringer Erschließungsaufwand bevorzugt eine vorhandene Straße. Vor dem Krieg entstehen die Häuser an der Bahnhofstraße in Richtung Hofdorf, in den 50er Jahren die Siedlung an der Ring- und Siedlungsstraße und in den 60er Jahren an der Hochfeldstraße und der Friedenstraße. Bebauungspläne wie wir sie heute verstehen, benötigen das Baugebiet an der Windberger Straße und Eichenfeldstraße.
Es folgen nach entsprechendem Grunderwerb in den 70 Jahren die Bebauungspläne Bahnhofsiedlung 1 (Friedenstraße), 2 und 3 (Baumstraßen) , ab den 80er Jahren Hochfeldsiedlung, zuerst Hochfeld-, Mitterfeld- und Hinterfeldstraße, dann die Vogelstraßen und weiter Lindfeld und Hofdorf. Und nach der Jahrtausendwende entstehen das Wagnerfeld, Florian- und Martinstraße und später Falken- und Hubertusstraße und Brunnenstraße.
Die Erschließung mit Abwassereinrichtungen tragen dem Wunsch der Außenbereiche Rechnung, auch dort neue Wohnbebauung zu ermöglichen. Zwischen Gaishausen und Ehren werden Baumöglichkeiten im Baugebiet Ehren um den aufgelassenen Bahnhof zu schaffen. In Steinburg liegt die Entstehung der Baugebiete Wegern 1 und 2 in den 60er und 70er Jahren, Die Bauplätze am Günther-Holzapfel-Ring sowie am Försterweg entstehen in der jüngeren Vergangenheit.
Verschiedene Einbeziehungs- und Außenbereichssatzungen in den Ortsteilen erlauben im Außenbereich eine Lückenbebauung.
Gewerbliche Bauten
Die Firma Nolte wächst kontinuierlich dem Bedarf folgend bis Ende der 70er Jahre, als sich das Ende abzeichnet. Josef Doblinger übernimmt nach der Schließung des Betriebes das Gelände und parzelliert es zum Gewerbepark Bayerwald um, das großen auch kleineren Bedarf an Gewerbeflächen gerecht wird. Ein freier Platz an der Staatsstraße lässt eine Tennishalle entstehen, die zwischendurch auch eine Disco beherbergt, wegen der Lärmentwicklung aber Ärger erregt. Mit Edeka Buchbauer gewinnt schließlich Hunderdorf einen attraktiven Einkaufsmarkt.
Östlich des Nolte-Geländes kauft die Bogener Firma Thyssen-Polymer, die Profilstangen aus Kunststoff für den Fenster- und Türenbau herstellt, Anfang der 90er Jahre Grundstücke und erstellt große Hallenflächen, die überwiegend der Lagerung dienen. Mit der Erstellung des Bauhofes in den 80ern kann eine Gewerbefläche für die Firma Myrtek ausgewiesen werden, die ein LKW-Transportgewerbe betreibt. Eine kleinere Fläche nimmt für viele Jahre den Zustellstützpunkt der Deutschen Post auf. Im Norden erbaut Karl Härtenberger eine große Halle um in die Profilummantelung einzusteigen. Dieses Unternehmen wird nicht vom Erfolg begleitet bis schließlich verschiedene auswärtige Firmen die Hallen anmieten. Auf der anderen Seite der Thananger Straße erweitert die Tanne Kunststofftechnik ihre Produktion, die vorher im Breitfelder Weg stattgefunden hat. In der letzten Zeit wurde diese Flächen erweitert und bieten kleineren Firmen Platz.
Straßenbau
Die erste befestigte, asphaltierte Straße wird 1953 zwischen Steinburg und dem Produktenwerk Nolte gebaut, weil hier der größere Verkehr durch die Holzanlieferung mit Fuhrwerken aus dem bayerischen Wald herrscht. Ein Jahr später wird die Staatsstraße zwischen Bärndorf und Hunderdorf errichtet und 1955 eingeweiht. Der Lückenschluss der Staatsstraße zwischen Apoig und Nolte sowie der Bau der Brücke über den Bogenbach erfolgen später. 1958 wird die Staatsstraße zwischen Bogen und Hunderdorf über Sollach abgestuft und von der Gemeinde übernommen, aber erst in den Siebzigerjahren ausgebaut.
Karl Härtenberger nimmt das Vorhaben, die erste Straße in Hunderdorf, die Hauptstraße zu teeren, in die Hand. Die Anlieger finanzieren 1960/61 die Asphaltierung der Hauptstraße, Hand- Spannendienste werden geleistet. Die zunehmende Automotorisierung erhöht den Verkehr und beansprucht die Straßen stärker als je zuvor. Der Aufwand für den Unterhalt der Straßen steigt erheblich, besonders im Frühjahr nach dem Frostaufbrüchen. Die folgenden Jahrzehnte widmet sich die Gemeinde daher dem Ausbau der meistbefahrenen Gemeindestraßen.
1962 erfolgt die Teerung der Straße nach Windberg, 1963 von Hunderdorf nach Lintach, 1967 die Straße Hunderdorf-Thananger, 1968 folgt die Straße Thananger-Gaishausen. 1971 wird das untere Teilstück der Straße Hunderdorf-Hoch und 1979 Ortsdurchfahrt in Hofdorf errichtet, später die Straße nach Lindfeld.
1984 erfolgt die Einweihung der Autobahn und schließt die Gemeinde Hunderdorf mit einer Auffahrt an das Autobahnnetz an. Im Vorfeld des Baues und der Eröffnung der Autobahn A3 werden im Autobahneinzugsbereich viele Wege und Straßen gebaut. Zu dieser Zeit soll durch eine allgemeine Flurbereinigung der Straßenbau auch im übrigen Gemeindegebiet forciert werden. Jedoch organisiert sich hier ein Widerstand, der dieses Vorhaben vereitelt. Dies bedeutet, dass der Straßenausbau und die Erschließung der einzelnen Ortsteile eine längere Zeit in Anspruch nimmt.
1986 folgen die Straße Stetten nach Lintach und das Reststück von Hoch Richtung Rammersberg. Die Strecke Hauptstraße (bei Tankstelle)-Quellenweg-Sollacher Straße bis Kreisverkehr in Kleinlintach wird vom Landkreis als SR71 ins Kreisstraßennetz aufgenommen. Die Stilllegung der Bahnstrecke Bogen-Steinburg beschert der Gemeinde einen Radweg auf der früheren Bahntrasse, der durch den Landkreis realisiert wird. 1991 wird dieser Radweg von Bogen nach Mitterfels eingeweiht. 1993 wird die Eisenbahnbrücke in Gaishausen abgebrochen und steht eine Verbreitung der Straße nicht mehr im Weg.
Fast zwei Jahrzehnte nimmt der Bau des Geh- und Radweges von Hunderdorf über den Gewerbepark bis nach Steinburg in Anspruch, der in mehreren Teilstücken errichtet wird.
Es folgen der Straßenbau in Hoch und nach Hochholz sowie Weinberg.
In Hunderdorf wird begonnen, eine Ortskernsanierung durchzuführen. Die Verkehrsströme sollen im unteren Dorf über die Hauptstraße in Richtung Thananger und im oberen Dorf über die Hauptstraße-Quellenweg in Richtung Sollach geführt werden. Das Teilstück zwischen Kindergarten und Pfarrheim soll durch Einengung und Pflasterung verkehrsberuhigt werden. Dabei werden weitere Straßenflächen mit Granitpflaster ausgebaut, was nicht auf allgemeine Zustimmung stößt. 2024 wird im Zuge der Aufwertung des Kirchenumfeldes zwischen Kindergarten und Pfarrheim ein durchgehender Gehsteig angelegt und die Straße verbreitert. Den Ausbau der Straße nach Breitfeld wünschen sich die Anlieger für die nahe Zukunft.
Der Bauhof
Die Pflege und die Instandhaltung der Gemeindewege ist früher die Aufgabe und Pflicht der Anlieger und Benutzer der Wege, die auch die Werk- und Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Im frühen Frühjahr werden die Frustaufbrüche und Schlaglöcher beseitigt. Der zunehmende Verkehr mit immer schwereren Fahrzeugen erhöht den Aufwand für den Unterhalt. Die erste Straße in Ortsbereich Hunderdorf wird erst 1960 asphaltiert, vorher gibt es nur Schotterstraßen.
In den 1970er Jahren wird erstmals ein gemeindlicher Arbeiter eingestellt. Dessen Ausrüstung und später auch das Fahrzeug (VW-Kombi) findet Platz in den Garagen neben der Gemeindeverwaltung in der Kirchgasse. Zunehmende Aufgaben erfordern eine Ausweitung der Ausrüstung. Die Garagen in der Kirchgasse reichen nicht mehr aus. Zusätzliches Personal wird eingestellt.
1984 errichtet die Gemeinde unter Bürgermeister Karl Härtenberger den Bauhof, der es erlaubt alle Werkzeuge und Fahrzeuge der Gemeinde unterzubringen. Eine Wohnung für den Leiter des Bauhofes ergänzt die Gebäude, sie wird von Franz Bugl bezogen. Die großen Räume und der Platz davor eignen sich für größere Veranstaltungen der Vereine und werden dazu ausgiebig genutzt.
Straßenböschungen und -gräben sind früher gerne genutzte Grünfutterquellen und werden an kleine Landwirte verpachtet. Die Bewirtschaftung ist Arbeit, die mit der Hand auszuführen ist. Mit dem Rückgang der Landwirtschaft, vor allem der kleinen Betriebe, erlischt die Nach-frage, so dass die Pflege dieser Flächen auf die Gemeinde zurückfällt.
Die Winter sind früher schneereich und länger als heute. Durch die örtliche handwerkliche Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im Winter sind ausreichend Leute im Dorf, um die Straßen und Gangsteige befahr- und begehbar zu halten. Auch hier wachsen der Gemeinde Auf-gaben zu.
Neue und größere Aufgaben erfordern entsprechendes Gerät, Unimog, Radlader, Bagger, Schneepflug werden beschafft und immer wieder erneuert.
… in Gewerbe und Arbeit
Von Firmen, die vor dem Krieg in größeren Umfang Leute beschäftigten, ist in Hunderdorf nichts bekannt. In Ehren existiert eine Konservenfabrik, die in nennenswerten Umfang Leute beschäftigt. In den Gemeinden des heutigen Hunderdorf sind, wie in anderen Gemeinden auch, Handwerker angesiedelt, die Werkzeuge oder Waren des täglichen Lebens herstellen, der Absatz ist auf den unmittelbaren Nahbereich beschränkt: Schmiede, Wagner, Schreiner, Schuhmacher, Schneider, Weber, usw. Teilweise sind sie aufeinander angewiesen, so sind Wagner und Schmiede immer ziemlich nah benachbart.
Von eine „Industrialisierung“ mit all seinen Facetten kann erst nach dem Krieg gesprochen werden. Hier auf alle Betrieb einzugehen, würde den Umfang dieser Würdigung sprengen. Deshalb soll diese lebendige und sich immer in Bewegung befindliche Thema branchenweise betrachtet werden.
Holzverarbeitung
1946 siedelt in Apoig der Holzverarbeitungsbetrieb Greiert an und beschäftigt mehr als einhundert Leute. Werner Greiert hat große Pläne, will ein Dorf mit Kirche und Schule gründen, um das Flüchtlingsproblem zu mildern. Am 2. März 1951 stirbt er, sein Werk bricht zusammen, alle Angestellten sind arbeitslos. Ist das der Ausschlag, warum Nolte sich in Hunderdorf angesiedelt hat, nachdem er doch mehrere Standorte im Angebot hat?
Durch den Flüchtlingszustrom nach dem Krieg entsteht in Hunderdorf große Not an Wohn-raum und Arbeitsplätzen. Der Zusammenbruch der Firma Greiert trägt seinen Anteil dazu bei. Im Jahre 1952 wird das „Nolte-Produktenwerk“ gegründet und damit der wirtschaftliche Ausschwung in Hunderdorf und der Umgebung begründet. Dem Einsatz von Landrat Franz Xaver Hafner, dem Landrat des Landkreises Bogen, ist diese Ansiedlung zu verdanken, ebenso die Gründung der Kreiswohnungsbau, die die Wohnblöcke in der Ringstraße errichtet.
Die Schäden zweier großer Brände 1954 und 1963 werden rasch beseitigt und können den steten Aufstieg der Firma nicht beeinträchtigen. Werden anfangs Wohnzimmermöbel in Furniertechnik gefertigt, stellt die Firma im Laufe der Zeit auf neue Produktionsverfahren um und produziert im großen Umfang Schlafzimmer. In den besten Zeiten sind bei Nolte mehr als 600 Personen beschäftigt.
Die Konkurrenz aus dem Osten und andere Einflussfaktoren beeinträchtigen Anfang der 80er Jahre die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, es kommt zu Kündigungen und schließlich 1989 nach knapp vier Jahrzehnten zur Einstellung der Produktion.
Noch heute sind in der Gemeinde mehr Schreinereien ansässig als im Durchschnitt aller Gemeinden im Landkreis. Die Ansiedlung des Produktenwerkes Nolte, aus der später die Nolte-Möbel wurde, hat die Entwicklung in unserem Raum entscheidend geprägt. Hunderdorf wird zum Zentrum der Holzver- und -bearbeitung: Es wird Fachpersonal für den Umgang mit Holz herangebildet, Schreinerbetriebe wachsen und übernehmen Zulieferaufträge an die Firma. In der Folge entstehen mehrere Schreinereien, in der heutigen Sprache ausgedrückt: Die Schreinereidichte in Hunderdorf ist die höchste im ganzen Landkreis.
Drechslerei
Indirekt mit der Möbelherstellung hat die Drechslerei Mauritz zu tun, die 1982 von Ittling nach Steinburg in die Halle der früheren Schneiderei umgezogen ist. Sie verkauft anfangs im gegenüberliegenden leeren Schulgebäude Geschenkartikel aus Holz, aber auch industriemäßig hergestellte Drechslerarbeiten.
Holzschnitzerei
In Wegern ist der Sitz der Holzschnitzerei des Künstlers und Bildhauers Richard Pernsteiner. Aus seiner Werkstatt kommen Kreuze, Madonnen, Heiligenfiguren, profane Darstellungen, die ausschließlich handgeschnitzt sind. Jedes Jahr ist er auf dem Christkindlmarkt in Straubing vertreten.
Josef Schleinkofer aus der Apoiger Straße hat sich als Armamputierter dem Hobby der Schnitzerei hingegeben.
Metallverarbeitung
Karl Härtenberger errichtet in der Verlängerung des Gewerbegebietes „Am Bauhof“ einen Betrieb, in dem u. a. Leisten aus Holzwerkstoff für die auswärtige Möbelindustrie hergestellt werden. Der Betrieb erlebt keine Blüte, muss schließen und steht unter fremder Verwaltung. In der Folge werden dort Lautsprecher für Kfz hergestellt, bis der Hauptbetrieb in Straubing eingestellt wird. Seit 2008 mietet die Firma Willig die Produktionsstätte und beginnt hier im Blechbearbeitungszentrum mit der Anfertigung von Rohtanks und umfangreichen Vorfertigungsarbeiten für Tankfahrzeuge, die im Werk in Straubing fertig gebaut werden.
Seit 2014 hat die Heiche Bayern GmbH in der Thanangerstraße auf dem Grundstück des vormaligen Betriebes „VEIT GmbH Kunststofffenster und Bauelemente“ eine Produktionsstätte, in der in modernen Anlagen die Oberflächen verschiedener Bauteile für Kunden der Automobil-, Maschinenbau- und Elektroindustrie veredelt werden. In diesen Anlagen zur kathodischen Tauchlackierung von Metallen erhalten die Bauteile eine gleichmäßige und strapazierfähige Lackschicht.
Kunststofftechnik Werkzeugbau
1952 zieht Albin Skoula mit seinem Betrieb, den er 1946 in Schambach gründet, nach Hunderdorf in einer der Greiert’schen Hallen. Der Produktionsbereich sind Haushalts- und Gebrauchsartikel, u. a. Blechausstechformen für Weihnachtsgebäck. Jürgen Tanne heiratet die Tochter des Firmengründers, die Firma Askota entsteht im Breitfelder Weg. Die Zeit des Plastikkunststoffes bricht an, Skoula entwickelt Maschinen mit der sich aus Kunststoff Gegenstände für alle möglichen Anforderungen formen lassen und produziert diese für alle möglichen Branchen. Die spätere Tanne Kunststofftechnik GmbH expandiert Ende der 90er Jahre in der Thanangerstraße. Sie stellt im eigenen Werkzeugbau die Maschinen her, mit denen sie die gefragten Produkte liefert.
Früchteverwertung
In Ehren entsteht um die Jahrhundertwende die Konservenfabrik „Fruchtia“, sie verarbeitet Pfifferlinge, Steinpilze, Heidelbeeren, Himbeeren und Preiselbeeren und andere Obst- und Gemüseerzeugnisse. 1923 übernimmt Dr. Kurt Philipp mit anderen Gesellschaftern den Betrieb. Über die Größe des Betriebes ist nichts greifbar, aber es gibt während des Krieges einen Kindergarten in Steinburg, damit die Mütter dort arbeiten können.
In Hengersberg betreibt Philipp seinen Hauptbetrieb „Bayerwald“ und zieht in den 70er Jahren den Betrieb von Ehren nach Hengersberg ab. 1975 übernimmt die Firma „Georg Waldstein, Konservenfabrik-Frühstücksdienst“ den Betrieb in Ehren, sie ist auf die Herstellung von Konfitüre- und Wurst-Portionen spezialisiert. 1987 übernimmt die Firma LOMA-Lebensmittelvertrieb GmbH den Betrieb. Ein Jahrzehnt später wird der Betrieb eingestellt.
Schneiderei, Näherei
Ein Schneider gehört wie ein Schuster in jedes Dorf. Früher hat eigentlich niemand sein Handwerk allein betrieben, es gehört immer eine kleine Landwirtschaft dazu. Damit ist der Handwerker selbst sein Lebensmittelproduzent und widmet sich dem Handwerk wenn es die übrige Arbeit erlaubt.
Wird ein Kleidungsstück gebraucht, geht man zum Schneider, dieser nimmt Maß und stellt die verschiedenen Stoffe zur Auswahl. Dies ändert sich mit dem Aufkommen großer Schneidereien. Kleidungsstücke werden in verschiedenen Größen, Farben und Formen konfektioniert und in Kleidergeschäften angeboten. Durch die Serienfertigung sind die vorgefertigten Anzüge günstiger – zum Nachteil der Schneider.
In Steinburg, aber auch in anderen Gemeinden, beginnt die Firma Walker 1959 im Bergersaal eine große Schneiderei, die bis zu einhundert Frauen Beschäftigung bietet. 1963 zieht der Betrieb in den Neubau an der Bogenbachbrücke um. Der Betrieb floriert bis Anfang der 70er Jahre, ausländische Konkurrenz arbeitet billiger, schließlich wird der Betrieb 1977 eingestellt.
Als Schneider sind in Steinburg die Schneider Bielmeier und in Hunderdorf Feldbauer zu nennen.
Töpferei
Hunderdorf sitzt auf einem Bodenschatz. Das Tal bzw. das Becken, das der Bogenbach durch-fließt, beherbergt hervorragende Tonvorkommen, das sich im Laufe der Erdgeschichte hier gebildet hat. In Thananger siedelt schon lange eine Töpferei. 1950 baut der Hafnermeister Johann Feldmeier seine Töpferei aus und erweitert sie. Die Kapazität dieser Töpferei erlaubt in den Öfen bis zu 20.000 Töpfe herzustellen. Wegen der hervorragenden Tone haben die Töpfe eine besondere Qualität. Der Einzelhandel und die Gärtnereien in ganz Niederbayern gehören zum Absatzgebiet dieser Töpferei, die vielen Arbeitnehmer Lohn und Brot bietet.
1951 übernimmt Paul Feldmeier den Betrieb von seinem Vater. 1959 vernichtet ein großer Brand die Töpferei fast völlig. Es wird wieder aufgebaut und weiter getöpfert, aber nicht mehr in dem vorherigen großen Umfang. Kunststoffe beginnen die tönernen Blumentöpfe zu verdrängen, billigere Importe besorgen das Übrige. Die Töpferei ist seit Jahrzehnten geschlossen.
Brauerei
Bis in die siebziger Jahre wurde in der Brauerei Berger in Steinburg Bier gebraut, die Brauerei geht bis auf das Jahr 1840 zurück. 1891 ist Johann Berger als Pächter, später als Besitzer des Hauses „Berger-Bräu“ beurkundet. Anstelle der ursprünglichen Gebäuden entsteht ein kleines Hotel, aus dem Brauereigasthof wird der „Landgasthof zum Berger-Bräu“ und 2022 geschlossen, heute dient es dem Staat dazu, Asylanten unterzubringen.
in der täglichen Versorgung
Krämer
In früheren Zeiten gilt die Devise der Selbstversorgung: Zu jedem Haushalt gehört eine kleine Landwirtschaft, deren Erzeugnisse der eigenen Versorgung dient. Obst und Gemüse werden haltbar gemacht, damit es auch im Winter zur Verfügung steht. Gekauft wird nur das, was man nicht selbst erzeugen oder herstellen kann. Bei den Lebensmittel wäre hier beispielsweise Salz zu nennen, bei den Werkzeugen Messer oder andere Gegenstände, die örtliche Handwerker nicht herstellen können. Diesen Bedarf deckt der Händler bzw. der Krämer ab, ist etwas nicht vorrätig, kam es bei ihm bestellt werden. 1858 wird von drei Krämern allein in der Ortschaft Hunderdorf berichtet, daneben gibt es solche auch in Apoig, Hofdorf, Lintach, Hoch, Steinburg usw., nach dem Krieg gibt es allein in Hunderdorf sieben. Zu berücksichtigen ist hier, dass die Krämerei eigentlich nie alleine ausgeübt wurde, ein handwerklicher Beruf oder eine weitere wirtschaftliche Betätigung gehörte immer dazu.
Im Laufe der Zeit spezialisieren sich die Händler bei zunehmender Artikelzahl zu Fachgeschäften. Zu nennen wäre hier Geschäfte mit Eisenwaren und Werkzeugen von Josef Steckler, mit Schuhen von Xaver Anleitner oder Textilien bei Joachim Kaldonek.
Nicht zu vergessen sind hier die Hausierer, Händler, die von Haus zu Haus gehen, die ihr Warenangebot bei sich tragen. Dabei handelt es sich naturgemäß nicht um große oder schwere Gegenstände, sondern solche des täglichen Bedarfs, z. B. Kurzwaren, Knöpfe, Zwirne, Schürzen und andre Kleintextlilien usw.
Größere Geschäfte mit Selbstbedienung verdrängen diese kleinen Händler, weil sie die Waren günstiger anbieten können. Meist werden die kleinen Geschäfte nach dem Erreichen einer gewissen Altersgrenze der Inhaber nicht mehr weiter geführt oder finden keinen Nachfolger.
Beschleunigt wird dieser Prozess durch die Öffnung eines HL-Marktes im Jahre 1990 an dem Platz der früheren Schreinerei Härtenberger. Dieser Markt ist nach 25 Jahren schon wieder geschlossen. Heute beherrschen den Lebensmitteleinzelhandel zwei große Ketten mit Filialen, Netto und Edeka, günstig an der Staatsstraße gelegen auf dem Gelände des Gewerbeparks Bayerwald. Auch das Modegeschäft Kaldonek schließt zum Ende des Jahres 2024 seine Pforten. Diese Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf Hunderdorf, sie ist in allen Gemeinden, auch größeren, zu beobachten.
Bäckerei
Früher ist es auf dem Land üblich, das tägliche Brot für mehrere Wochen in einem Backofen auf dem eigenen Anwesen oder einem gemeinsamen Backofen zu backen. Es gibt auch Backöfen, die der Dorfgemeinschaft gehören. Erst allmählich beginnen Bäcker für andere Leute Brot zu backen. Dazu wird das Getreide zur Mühle gebracht und von dort das Mehl an den Bäcker geliefert. Dieser nimmt die entsprechende Menge Mehl und bäckt das Brot, dafür erhält er einen Backlohn. Solche Bäckereien gibt es schon lange, neue entstehen zwischen den beiden Kriegen, 1929 die Bäckerei Schötz in Schafberg, 1933 die Bäckerei Hastreiter im Quellenweg, 1937 die Bäckerei Xaver Kalm im Quellenweg neben dem dortigen Kriegerdenkmal. Neben der Bäckerei wird eine Krämerei mit betrieben. Diese Betriebe existieren auch noch nach den Weltkrieg, 1958 fügt Franz Stahl dem Lebensmittelgeschäft in der Hauptstraße 1 eine Bäckerei an. Das Backen aus eigenem Mehl für Backlohn nimmt ab, das Brot kann beim Bäcker gekauft werden.
Heute bäckt nur mehr die Bäckerei Kalm und ergänzt seine beiden Läden um jeweils um ein Cafe. Ähnlich der Bäckerei Weber in Bogen, die seit 1998 eine Verkaufsfiliale in der Sollacher Straße 5 unterhält.
Das Brotbacken besorgen heute immer mehr industrielle Großbäckereien, die ihre Produkte in den Einkaufsmärkten anbieten, die zudem mit Backautomaten bestückt sind, die vorproduzierte Teiglinge vor Ort fertigbacken.
Metzgereien
In Hunderdorf gibt es mehrere Metzgereien, die erste bekannte bereits 1839 von Martin Ertl. Zwischenzeitlich haben den Betrieb eingestellt: S+G Baier und Josef Baier in der Hauptstraße, Solcher und Berger in Steinburg. 2000 eröffnet die Metzgerei Steinleitner aus Vilshofen in der Hauptstraße 13 einen Verkaufsladen und schließt ihn wegen der nicht erfüllten Umsatzerwartung. In Hunderdorf besteht noch die Metzgerei Sandbiller und die Hofmetzgerei von Markus Gütlhuber, die 2011 eröffnet wird.
Die Metzgereien S+G Baier und Sandbiller sind durch ihre Teilnahme an bundesweiten Wett-bewerben bekannt, sie holen sich hervorragende Preise. Die Metzgerei S+G Baier existiert schon seit 1877 als Gastwirtschaft und Metzgerei des Johann Baier, ein großer Brand 1977 vernichtet die Gebäude. 1975 eröffnet die Firma Waldstein in Ehren eine Konservenfabrik, für die auch Georg Baier produziert. In Straubing wird eine Verkaufsstelle eröffnet. Bekannt wird die Metzgerei Baier nicht nur durch die regelmäßige Prämierung ihrer Qualitätsprodukte durch die DLG, sondern auch ihren hervorragenden Partyservice. Anfang der 90er Jahre stellt die Metzgerei ihren Betrieb ein. Der Verkaufsladen wird von da ab an viele Metzgereien weiterhin vermietet, die diese jedoch nicht lange betreiben.
Adolf Sandbiller beginnt seine Metzgerei 1958, 1965 wird ein moderner Verkaufsladen errichtet. Wiederholt zeichnet die Jury der „Slavatko“ in den Niederlanden die aus der laufenden Produktion der Metzgerei Sandbiller eingesandten Fleischwaren mit Gold- und Silbermedaillen aus. Für die vielen Urkunden reicht der Platz im Verkaufsladen nicht mehr aus. 1997 im Oktober sendet Adolf Sandbiller jun. 13 Produkte an die „Slavakto“, eine der größten Fachmessen der Welt für das Fleischgewerbe ein. Er ist bester Einsender Deutschlands und damit „Deutscher Champion“, er wird für die 13 Produkte mit zehn Gold und drei Silbermedaillen ausgezeichnet. 2010 ist die Metzgerei Sandbiller unter den 400 besten Metzgereien in ganz Deutschland eingereiht. 2014 wird Adrian Sandbiller als bester Jungmetzger Bayerns ausgezeichnet. Die größte Auszeichnung ist hier wohl der Kundenzulauf über die Grenzen der Gemeinde oder gar des Landkreises hinaus.
Mühlen
Hunderdorf liegt im Tal des Bogenbaches, der unterhalb von Rettenbach seinen Namen erhält. Schon früh wurde die Kraft des fließenden Wasser erkannt und genutzt. So entstehen auch am Lauf des Bogenbaches Mühlen, die den Grundherren gehören. Einer Mühle ist ein bestimmter Einzugsbereich zugeteilt, wer in diesem Bereich etwas zu mahlen hatte, musste diese Mühle benutzen (Mühlenbann).
Zwischen Neukirchen und Steinburg steht früher eine Ölschlag- oder Ölstampfmühle, in der aus ölhaltigen Samen Öl (z. B. Leinöl) gepresst wird. Später wird daraus eine Sägemühle, die Holz schneidet. 1960 schließt sie Mühle, die Gebäude werden abgetragen.
Eine weitere Mühle steht in Steinburg, hier wird schon lange nicht mehr gemahlen. Bei der breiten Anwendung des elektrischen Stromes diente die Mühle zur Stromerzeugung, ein eigenes Stromnetz wird erst in den 60er Jahren an die OBAG abgegeben.
In Gaishausen steht die Mühle des früheren Bürgermeisters Gall. Seit den 60er Jahren wird hier nur mehr Strom erzeugt.
In Oberhunderdorf steht die Drexlermühle an einem Seitenarm des Bogenbaches. Hier wird am längsten Mehl gemahlen, zwischenzeitlich dient auch sie ausschließlich der Stromlieferung.
Am bekanntesten ist die Mühle Apoig, nicht wegen eines besonderen Mahlergebnisses, sondern weil sie die Heimat des bekannten Mühlhiasl ist. Auf dieser Mühle lebt und arbeitet er, bis er wegen Überschuldung vertrieben wird. Josef Hobmeier der letzte Müller stirbt 1969, seither wird Strom erzeugt.
In Hofdorf steht eine weitere Mühle, in der schon lange nicht mehr gemahlen wird. Sie dient seit vielen Jahren neben der Stromerzeugung als Holzsägemühle. Der Strom aus dieser Mühle versorgt seinerzeit die Orte Hofdorf, Hunderdorf und Teile von Windberg, bis diese durch die OBAG abgelöst wurde.
An der Gemeindegrenze zu Waltersdorf liegt der Ortsteil Grabmühl. Es gibt zwar keine baulichen Zeugen eines Mühlbetriebes, allein der Name lässt den Schluss zu, dass hier eine Mühle betrieben worden ist.
Tankstellen
Die erste Tankstelle in Hunderdorf betreibt Max Elbinger in der Sollacher Straße 6. Heutige Maßstäbe erlauben diese Bezeichnung nicht mehr. 1954 erwirbt er ein Grundstück in Breitfeld gegenüber der Einfahrt zu Nolte-Möbel und baut hier eine Tankstelle, die er bis 1984 selbst betreibt. Heute firmiert diese Tankstelle unter der Marke AVIA und Josef Laumer führt sie.
1955 baut Rupert Betzlbacher rechts an der Staatsstraße nach Steinburg eine Esso-Tankstelle. Im Untergeschoß des Tankstellengebäudes befinden sich Garagen, im Erdgeschoß repariert er Fahrzeuge. Mehrere Marken wechseln, heute nennt sich die Tankstelle DELTIN.
Auch 1955 beginnt in Wegern Ludwig Berger seine BP-Tankstelle mit Autohaus. Der Betrieb existiert nicht mehr.
… Kultur und Vereinen
in Tradition und Brauchtum
Krieger und Soldatenkameradschaft Hunderdorf
In den 1870er Jahren gründen sich in vielen Gemeinden Vereine, die den gefallenen und vermissten Soldaten der vorausgegangenen Kriege ein ehrendes Gedenken bewahren wollen. Auch in Hunderdorf wird ein solcher Verein ins Leben gerufen.
1912 finden sich 34 Männer zur Gründung des Kriegerbundes in der Restauration Speckner (heute Sandbiller) zusammen, der im selben Jahr eine Fahne weihen lässt. 1919 betreibt der Kriegerbund die Aufstellung eines Kriegerdenkmals. Der Krieger- und Veteranenverein ersucht den Kriegerbund das Denkmal gemeinsam zu errichten und die Vereine zusammenzulegen. Dieser Wunsch wird abgewiesen. Schließlich errichtet der Kriegerbund das Kriegerdenkmal mit 53 eingemeißelten Namen. Der Kriegerbund hat zu dieser Zeit 280 Mitglieder.
1935 beschließt der Kriegerbund, sich dem Reichskriegerbund Kyffhäuser anzuschließen, um das Weiterbestehen des Vereins zu gewährleisten. Erst Leo Gaschler beendet das Nebeneinander von Kriegerbund und Krieger- und Veteranenverein durch die Neugründung des Krieger- und Veteranenvereins im Jahr 1962. 1964 wird eine neue Fahne geweiht. 1969 wird Verein in „Krieger und Soldatenkameradschaft“ umgetauft.
1972 übernimmt Alfons Pfügl die Führung. 1980 feiert der Verein sein 100jähriges, 2005 sein 125jähriges Bestehen. 1985 leitet Gerhard Peschke die Geschicke der Krieger, Johann Petzendorfer, Ludwig Fellinger, Friedrich Steineck und Robert Eberth folgen.
2009 schließt sich die Krieger- und Soldatenkameradschaft der Patenschaft an, die die Gemeinde mit der 5. Kompanie des Panzerpionierbataillons 4 in Bogen eingegangen ist.
Trachtenverein „Die gmüatlichen Perlbachtaler“
Trachtenbegeisterte gründen 1952 den Heimat- und Volkstrachtenverein „Die gmüatlichen Perlbachtaler“. Willi Bauer und Xaver Reiner stehen in der Gründungszeit dem Verein vor. 1958 übernimmt Ernst Sacher die Leitung und ist der Kopf und die Seele des Vereins. 1956 richten die Trachtler als erste größere Veranstaltung das Kreistrachtenfest aus. Ein Jahr später tragen die Mitglieder eine neue Vereinsfahne zur Weihe in die Kirche.
Auf vielen Festen und Feiern in und außerhalb der Gemeinde machen sich die Trachtler mit ihren Volkstänzen einen guten Namen. In Lintach errichtet der Verein 1968 eine Kapelle, die stets gut gepflegt wird und im Mai jeden Jahres der Mittelpunkt einer Marienandacht ist. Seit 1969 ist der Verein Mitglied im Bayerischen Waldgau. 1977 freut sich der Verein in einem Gründungsfest über sein 25jähriges Bestehen.
Eine Kinder- und Jugendgruppe, 1965 gegründet, bereichert das Vereinslebens, ihr wird 1972 die Jugendstandarte geweiht. 1974 umrahmt der Verein die 900-Jahr-Feier der Gemeinde mit Volkstänzen und Liedern.
1982 erhält der Verein eine erneuerte Volkstracht des Bayerischen Waldgaues.
In den letzten Jahren tritt der Verein durch die Ausrichtung von jährlichen Schafkopfturnieren in den Vordergrund, bei denen Hundert und mehr Teilnehmer keine Ausnahme sind.
1995 löste Albert Maurer Ernst Sacher als Vorsitzenden ab, es folgen Werner Fischer (2012), Hans Lobmeier (2019) und 2023 Matthias Müller.
Bayerwaldverein Hunderdorf
Aus einem Stopselclub entsteht 1969 der Bayerwaldverein, dem zu Beginn Helmut Jakob vorsteht. Sein Ziel ist es, das Wissen um den bayerischen Wald zu vertiefen und Kultur und Volksbrauchtum zu fördern. 1972 wird Helmut Lachinger und während des Jahres Hans Glas zum Vorstand gewählt. 1974 wird Hans Achatz Wanderwart. 1976 wird im Wald zwischen Lintach und Hoch ein Kreuz und die ersten vier Totenbretter mit den Namen der verstorbenen Mitglieder aufgestellt, aktuell sind es nun 82 Totenbretter. 1977 erhält der Bahnhof in Hunderdorf eine Wandertafel.
1982 ist Hannelore Hamberger Fahnenmutter der neugeweihten Fahne, 1983 übernimmt Werner Schwarzensteiner den Vorsitz. 1989 richtet der Verein die Aufführung des Freilichtspiels „Der Mühlhiasl“ aus, dessen Autor, Hauptdarsteller und Regisseur Alois Winter ist. Rund 5000 Zuschauer besuchen das Festspiel, vom Reinerlös erhält der Kindergarten 1000 und die Gemeinde für einen Kinderspielplatz 2000 Mark.
1994 feiert der Bayerwaldverein sein 25 jähriges Bestehen im Rahmen des Hunderdorfer Volksfestes. Das Aufstellen von rund 25 Ruhebänken und der jährliche Wandertag beschäftigen den Verein. 2016 übergibt Werner Schwarzensteiner nach 32 Jahren den Vorsitz des Vereins an Ingo Dose. 2018 wird das 50jährige Bestehen gefeiert.
1972 wird der erste IVV-Wandertag durchgeführt. Seit diesem Jahr kommen jedes Jahr Tausende von Wanderern nach Hunderdorf um die Wanderstrecken in den Fluren von Hunderdorf und Windberg zu genießen. Die Wanderbewegung hat seine beste Zeit hinter sich. Die Wanderer von einst sind alt geworden, die auswärtigen Vereine sind schwächer geworden, haben aufgehört zu existieren oder sind nicht mehr gekommen. So blieb keine andere Wahl, als 2020 – auch wegen Corona – den Wandertag nach 47 Jahren einzustellen.
Der Heimat- und Fremdenverkehrsverein Steinburg
1966 verschreiben sich heimatverbundene Männer in Steinburg dem Ziel, die Heimat zu verschönern und den Fremdenverkehr zu fördern. Verschiedene Aktivitäten verdanken ihre Existenz diesem Verein: Steinburger Wappen (1968), Wegweiser aus Holz (1968), Dorfbrunnen (1976), Ruhebänke an landschaftlich reizvollen Plätzen, Maibaumaufstellen, Orientierungstafel, Jägersteg über den Perlbach (1968), Wassertretbecken (1977), Feldkreuz mit Totenbrettern in Wegern (1983), Wandertafel.
Aktuelle Prospekte, anfangs schwarz-weiß, später farbig, stellen die Heimat vor, die der Ver-ein an die anfragenden Urlauber versendet. 1986 schließt man eine Ortepartnerschaft mit dem Ort Steinburg-Süderau in Schleswig-Holstein, 1996 bilden sich enge Kontakte mit Steinburg in der Gemeinde Finneland im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt an.
2007 freut sich der Verein unter der Schirmherrschaft vom 3. Bürgermeister Xaver Neumaier über sein 40jähriges Bestehen und die zwanzigjährige Freundschaft mit Steinburg/Süderau. 2016 wird das fünfzigjährige Bestehen gefeiert, 30- und 15jährige Freundschaft mit den Partnerorten. Um seine Verdienste willen wird Johannes Fuchs 2022 Ehrenvorsitzender, Udo Englmeier übernimmt den Vorsitz, den er 2023 an Karl Liebl abgibt.
Oldtimerverein Hunderdorf
2005 schließen sich Enthusiasten historischer Fahrzeuge, alter Automobile und alter Traktoren, zusammen und teilen das gemeinsame Interesse an der Technik und der Geschichte der Fahrzeuge. Restaurierung und Pflege von Oldtimern sowie der Erhalt des kulturellen Erbes stehen im Vordergrund. Regelmäßige gesellige Treffen und Veranstaltungen sind Ausfahrten und Oldtimerschauen beim Hunderdorfer und anderen Volksfesten und Veranstaltungen. Der Verein erfährt auch Anerkennung bei durchgeführten Feldarbeitstagen und Wettpflügen. Alles dient der Förderung des motorisierten Kulturerbes und dem Austausch von Erfahrungen und Erlebnissen unter Gleichgesinnten. Vorstand ist Alois Knott.
Organisation der Märkte
Kein Verein im eigentlichen Sinn sind die Organisatoren der Hunderdorfer Märkte, des Mühlhiaslmarktes im Frühjahr und des Kirchweihmarktes im Herbst. Nach mehr als zwei Jahrzehnten sind diese Tradition geworden und ziehen jährlich tausende Besucher an. Hans Staudinger, Stefan Härtenberger und Uli Söldner nehmen sich dieser Arbeit an. Ab dem Jahr 2025 legen sie diese Aufgabe in die Hand des Trachtenvereines, stehen diesem aber weiterhin beratend zur Seite.
in sozialen und geselligen Gemeinschaften
VdK – Verband der Kriegs- und Wehrdienstbeschädigten, Behinderten und Sozialrentner Deutschlands
1947, dem Gründungsjahr des VdK, herrscht unbeschreiblich große Not. Viele Heimatvertriebene lebten in unzureichenden Wohnverhältnissen und suchen Arbeit, leben von der Für-sorge sofern sie eine solche erhalten. Der VdK in Hunderdorf /Windberg ist eine Ortsgruppe des bundesweiten Verbandes und stellt sich zur Aufgabe, die Not zu lindern und die Interessen von Menschen zu vertreten, die durch Krieg, Wehrdienst oder andere soziale Umstände benachteiligt sind. In den Anfangsjahren gehören dem Verband über 200 Mitglieder an. Lange Jahre führte Otto Unger den Ortsverband an, gleichzeitig ist er auch Kreisgeschäftsführer des VdK.
Bekannt ist die Hilfsaktion „Helft Wunden heilen“, zu der jährlich Sammler unterwegs sind. Regelmäßig finden Versammlungen zu aktuellen Themen der Sozialpolitik und Rentenfragen statt. Seit 2007 steht dem Verband Jutta Hambauer vor, nachdem ihn Rudolf Karl über 20 Jahre geleitet hat.
VdK-Ortsverband Steinburg
Unter den gleichen Vorzeichen wird in Steinburg nach dem Krieg 1948 der VdK-Ortsverband Steinburg gegründet. Vorsitzender ist Anton Grüneisl bis ihn 1985 Walter Reichardt ablöst. Theresia Hubl wird 1990 für 20jährige Treue und für ihren Einsatz bei der VdK Haussammlung „Helft Wunden heilen“ mit der Ehrennadel in Gold geehrt.
Alljährlich beteiligt sich der VdK auch bei der Gedenkfeier für die Opfer der beiden Welt-kriege und legt einen Kranz am Ehrenmal in Steinburg nieder.
Der Spar- und Darlehensverein Hunderdorf
1911 gründen 17 Bürger aus Hunderdorf und der Umgebung von Hunderdorf die Selbsthilfeeinrichtung „Spar- und Darlehensverein Hunderdorf“. Zu den Initiatoren und Gründungsmitgliedern gehört auch Pfarrer Gruber. Die Pfarrei stellt auch das Pfarrheim als Lagerhaus zur Verfügung, bis eigene Gebäulichkeiten dazu dienen köbbeb. Ludwig Poiger wird der erste Geschäftsführer, in Anschluss daran Anton und später Josef Steckler.
Der Verein betreibt in einem Teil des jetzigen Pfarrheimes ein Lagerhaus, bis ein eigenes gebaut wird, und eine dampfgetriebene Dreschmaschine. Mit dem Tod von Norbert Wurm, dem Leiter der Windberger Raiffeisenkasse kommt es 1964 zur Fusion der beiden Vereine. 1962 feiert die Genossenschaft mit rund 100 Mitgliedern das 50jährige Bestehen.1963 wird Sebastian Biegerl als hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt, das Lagerhaus im unteren Dorf, das später die Bank aufnimmt, wird gebaut und später mit einem Stockwerk aufgestockt. Die Raiffeisenbank ist entstanden.
Rotes Kreuz
1958, am Geburtstag des Rotkreuzgründers Henry Dunant, kommen 15 Interessierte zusammen, um die Rotkreuzgemeinschaft Hunderdorf zu gründen. Es ist eine arme Zeit und es fehlt an allem, die Mitglieder führen Theaterspiele auf, um Dienstkleidung und die erste Unfallhilfestation zu finanzieren. Eine Fahne für die jungen Verein wird beschafft und 1961 geweiht.
Stets ist man bemüht, einen sehr guten Ausbildungsstand zu erreichen und dokumentiert die Erfolge durch die Teilnahme an überörtlichen Wettbewerben. Nach der Einführung von Leistungsabzeichen unterziehen sich die Mitglieder mit Erfolg diesen Prüfungen. An den Wochenenden werden Einsätze im Rahmen des Krankentransportes geleistet. In vielen Erste-Hilfe-Lehrgängen wird das Wissen an breite Bevölkerungsschichten herangetragen.
Ihr 25 jähriges Bestehen kann die Rotkreuzgruppe 1983 mit der Weihe einer neuen Fahne durch Pfarrer Anton Högner feiern: Die Rotkreuzgruppe Steinburg übernimmt die Patenschaft, Bürgermeister Karl Härtenberger die Schirmherrschaft und Kathi Scheibenthaler bekleidet das Amt der Fahnenmutter.
Man trifft sich regelmäßig zu Gruppenabenden, die der Haltung des Bildungsstandes und auch der Geselligkeit dienen. Aber die Euphorie der Gründerzeit, in der Landrat Hafner Kreisvorsitzender des BRK ist flaut ab, es stoßen kaum Junge als Nachwuchs zur Gruppe. Schließlich kommt es zum Erliegen des Vereinslebens, das fünfzigjährige Bestehen des Ver-eins wird nicht mehr gefeiert.
Die Rotkreuzgemeinschaft Steinburg verdankt ihre Entstehung einem Erste-Hilfe-Lehrgang 1964, nach dessen Ende diese Gruppe beieinanderbleiben wollte, um die Ausbildung in der Hilfe am Nächsten zu vertiefen. Uwe Volstedt führte die Gruppe in den Anfangsjahren. Die Übernahme der Partnerschaft beim 25jährigen Bestehen der Rotkreuzgruppe in Hunderdorf ist wohl der Höhepunkt diese Gemeinschaft. 1985 übernimmt Karlheinz Solcher die Führung . Ende der 80er Jahre nehmen die Aktivitäten ab und münden schließlich in der Auflösung dieser Gemeinschaft.
Palmbüscherlbinden für das Projekt „Omnibus“
Kommen Kinder in einer Notsituation in eine Klinik nach München, ist für sie medizinisch gesorgt. Die Eltern stehen aber oftmals neben große finanzielle Belastungen vor dem Problem, eine Unterkunft finden zu müssen. Die Stiftung „Projekt Omnibus“ greift diese Not der Familien kranker Kinder auf, sie nimmt die Eltern kostenlos ohne Frage nach Einkommen, Nationalität, Geschlecht oder Religion in ihrem Haus gegenüber des Dr. von Haunerschen Kinderspitals auf.
Seit nun mehr als 35 Jahren unterstützt eine Gemeinschaft von gut einem Dutzend Frauen dieses Projekt: Sie binden jährlich zum Palmsonntag mehrere Hundert Palmbüscherl und bieten diese vor Geschäften und in der Kirche zum Verkauf. Der Erlös, der sich zwischenzeitlich auf zigtausende Mark bzw. Euro beläuft, wird jedes Jahr dem Projekt „Omnibus“ zugeführt.
Förderverein Bibliothek
Eine Bibliothek gibt es in Hunderdorf schon vor dem Krieg, 1956 wurde die Bücherei in Hunderter wieder eröffnet, 1961 wird von der Erweiterung der Bibliothek auf 300 Büchern berichtet. In den Jahren danach entsteht ein eigener Anbau an der Westseite der Nebengebäude der früheren Gemeindeverwaltung in der Kirchgasse 8. Beim Bau der neuen Hauptschule wird die öffentliche Gemeindebibliothek Hunderdorf-Neukirchen-Windberg im Schulgebäude untergebracht und 2010 erneuert.
2016 erfolgt die Gründung des Förderverein mit dem Ziel, der ideellen und finanziellen Förderung der bestehenden Bibliothek und die Jugend an die Literatur und die Beschäftigung mit dem Buch und den übrigen Bibliotheksmedien heranzuführen. Es findet sich eine harmonische Gemeinschaft um Alrun Steger, die schon vorher die Bibliothek betreut, es werden viele Angebote ausgearbeitet, die sich eines regen Zuspruchs der Kinder und Jugendlichen erfreuen.
Volkshochschule Hunderdorf – VHS
Die VHS ist eine gemeinnützige Einrichtung des Landkreises Straubing-Bogen wovon die VHS Hunderdorf eine Außenstelle bildet. Das Ziel dieser Institution ist das Angebot von Einzelveranstaltungen, Kursen, Workshops oder Vorträgen aus allen Bildungsbereichen wie Wirtschaft, Politik, Beruf, Technik, aber auch Kunst, Kultur und Kreativität, Sprachen und Gesundheit. Jahrzehnte führen Kornelius Klar und später Oskar Kofler die Außenstelle, bis die Leitung über Hans Gstettenbauer 2024 an Julia Hauner übergeht.
Helferkreis
In den 90er Jahren vereinen sich sozial engagierte Mitbürger, um mitzuhelfen, dass die Aus-siedler aus der früheren UdSSR hier in Hunderdorf eine neue Heimat finden bzw. mit Gegebenheiten vor Ort zurecht zu finden. Sie helfen bei Behördengängen oder sonst anstrengenden Lebenslagen und bereiten Zusammenkünfte der Aussiedler vor Weihnachten vor. Zu einer Vereinsgründung kommt es nicht. 2015 erreichen viele Aussiedler unser Land und auch Hunderdorf. Auch hier ist der Helferkreis wieder in Aktion. Die Aktivität verebbt mit dem Hilfs-bedarf wieder. Im Mai 2022 ist wieder die Gründung eines Flüchtlingshelferkreises für die Ukraineflüchtlinge festzustellen.
Bund der Kinderreichen (BdK)
1953 wird in Hunderdorf eine Ortsgruppe des BdK gegründet, Vorstand des Ortsverbandes ist Otto Schulmeister. Sein Anliegen ist die Gleichbehandlung der verschiedenen sozialen Schichten im Hinblick auf die Kindergeldgewährung. Der Verein hat die Aufgabe, die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für kinderreiche Familien zu verbessern. Er will die Schaffung von Wohnungen für kinderreiche Familien, da diese die vorhandenen teuren Wohnungen nicht bezahlen können. Die bevorzugte Einstellung von Arbeitern aus solchen Familien ist neben der Forderung der Zahlung eines Kindergeldes für das 2. Kind ein weiteres Anliegen. Sorge bereitet angesichts des ständigem Geburtenrückganges die Frage nach der Versorgung der älteren Menschen. Josef Proksch folgt 1962 auf Otto Schulmeister. In der Folgezeit schwächen sich die Äußerungen des Bundes der Kinderreichen auf Ortsebene ab, über ein Datum der Auflösung in den 60er Jahren ist nichts bekannt.
Die Stammtische
In fast jedem Gast- oder Wirtshaus gibt es einen Tisch, an dem immer die sitzen, die immer da sitzen. Darauf wird der Gast meist auch durch eine Tafel auf oder über dem Tisch hingewiesen, damit er nicht unerlaubt an diesen Tisch Platz nehme. Früher gab es feste Sitzordnungen an diesem Tisch, die dazu führten, dass der Gast, wenn er seinen Platz besetzt sah, bereits an der Tür wieder umkehrte. Rangordnungen galt es einzuhalten, dass der Knecht nicht am Tisch der Bauern oder der Geselle nicht am Tisch der Meister Platz nehmen durfte.
Im Laufe der Zeit geben sich die Mitglieder der Stammtische Regeln, die es einzuhalten gilt: Sei es dass bestimmte Grußformeln zu sprechen sind, ein Glöcklein zu läuten ist oder ein bestimmte Gegenstand in der Hosentasche mitzuführen ist. Der wohl älteste Stammtisch in unserer Gegend ist der
Stammtisch Lintach-Hunderdorf
Das Gasthaus Schlecht befindet sich nicht auf dem Gebiet der Gemeinde Hundertdorf, sondern unmittelbar an der Grenze auf dem Gebiet der Stadt Bogen. Die Vereinsgründung datiert auf das Jahr 1978, 29 Mitglieder unter Führung von Hans Achatz sind es zu diesem Zeit-punkt, für einen Tisch ist dieser Verein schon längst zu groß. Die Förderung der Geselligkeit, der Kameradschaft und des Gemeinschaftssinnes wollen sie bezwecken. Wanderungen, Ein- und Zweitagesausflüge, Kegeln, Gartenfeste, Grillfeste, Christbaumversteigerungen und Faschingsveranstaltungen, unter anderem eine Faschingshochzeit und eben das Zusammenkommen am Stammtisch dienen dazu. Einen hervorragenden Gemeinschaftssinn entwickeln die Mitglieder im Lauf der vielen Jahre durch das Einstudieren und Aufführen von Theaterstücken, mit dessen Erlösen soziale Einrichtungen in der Gemeinde und darüber hinaus mit vielen tausenden Mark bzw. Euro unterstützen. Anfang der 2000er Jahre werden in der Vorweihnachtszeit Weihnachtsmärkte organisiert.
Unter der Führung von Hans Jürgen Achatz herrscht ein reges Vereinsleben, die Geburtstage des Vereins werden regelmäßig gefeiert und der Verein nimmt auch an den Jahresfesten der anderen Vereine in der Gemeinde teil, er informiert über seine Aktivitäten in einer eigenen Website https://www.stammtisch-lintach-hunderdorf.de/index.html.
Stammtisch der Au‘inger
1978 ist auch das Jahr der Gründung des Stammtisches der Au‘inger im Gasthaus Freudenstein in Au vorm Wald, Helmut Pielmeier ist der erste Vorsitzende. Neben klassischen Stammtischtreffen organisiert er auch spezielle Veranstaltungen wie Weinfesten oder Faschingspartys bis hin zu besonderen Aktionen wie Dorfolympiaden, Bierseminaren 2019 und sogar sportlichen Herausforderungen wie der „Cold-Water-Challenge“ 2018. Gründungsfeste werden regelmäßig begangen, zuletzt das 40jährige. Stefan Kronfeldner steht derzeit an der Spitze.
Tigerfanclub
Wohl aus der Stammtischgemeinschaft in Au ist der Fanclub des Eishockeyclubs „Straubing Tigers“ 1996 als „Tiger Fan Club Blau Weiß Au“ gegründet worden.
Stammtisch Rammersberg
Etwa zur selben Zeit (1978) gründet sich im Gasthaus Gierl in Rammersberg ein Stammtisch, dem Karl Wanninger vorsteht. Der Stammtisch Rammersberg hat keine festen Regeln und widmet sich vornehmlich der Geselligkeit und hier dem Kartenspiel des Grasoberlns. Viele Turniere werden in Rammersberg abgehalten und fleißig auswärtige Grasoberl-Turniere besucht, auch eine vorweihnachtliche Christbaumversteigerung gehört dazu. Der Verein hatte nie einen großen Zulauf, dieser wurde durch den Tod von Karl Wanninger (2008) schwächer, der Tod des Wirtes Johann Gierl (2013) und die Schließung des Gasthauses beendete auch das Leben diese Stammtisches.
Bürgerinitiative Apoig
Das Denkmal vor dem Gasthaus Sandbiller das seit 1996 an „Apoig, die Heimat des Mühlhiasl“ erinnert, verdankt seine Existenz dem Stammtisch beim Gasthaus Sandbiller, der „Bürgerinitiative Apoig“. Einmal im Jahr trifft man sich offiziell zu einer Versammlung, bei der Themen rund um Apoig besprochen werden. Leider hat auch diesem Stammtisch das Schicksal der Schließung des Gasthauses das Lichtlein ausgeblasen.
Ähnlich erging es auch den Stammtischen beim Cafe Weinzierl, beim Gasthaus Baier-Edbauer oder bei Georg Baier oder dem Stammtisch beim Gasthaus Deschl im Hofdorf. Nur der Stammtisch beim Gasthaus Lehner in Hoch, der Stopselclub, fand neues Leben im Bayer-waldverein Hunderdorf.
Sicher gab oder gibt es noch weitere Stammtische, die aber hier keine Erwähnung finden, weil sie nicht in vereinsähnlichen Strukturen auftreten.
in Kirche und Politik
Der Katholische Frauenbund
1910 wird der erste Zweigverein im Bistum Regensburg gegründet, in Hunderdorf war es erst 1968 so weit, der Kath. Frauenverein wird gegründet, Dora Bugl ist Vorsitzende, Pfarrer Ruß der geistliche Beirat, es ist der erste Verein, der den Frauen offen ist.
Es ist etwas ganz was neues, dass Frauen das Haus verlassen und zu einer Versammlung gehen. So ist es auch nicht selbstverständlich, dass „frau“ zu diesem Versammlungen gehen darf. Die Person des Pfarrers als geistlicher Beirat hilft hier vielleicht in manchen ehelichen Diskussionen. Für viele Frauen sind diese Zusammenkünfte die schönsten des Monats. Sie können ihre Sorgen loswerden und hören von den Problemen andere Frauen. Sie bilden sich auf religiösen und gesellschaftlichen Gebiet und nehmen soziale und karitative Aufgaben wahr.
1976 löst Martha Hofmann das Führungsproblem in dem sie den Vorsitz übernimmt, 1982 löst sie Angela Söldner in dieser Position ab.
Es folgen Jahre mit einem anspruchsvollen Programm, das neben den geselligen monatlichen Zusammenkünften Ausflüge und Bildungsfahrten, Besichtigungen verschiedener Firmen und Einrichtungen, Operetten- und Festspielaufführungen, Theaterbesuche und Vorträge enthält, aber das soziales und religiöses Engagement nicht aus den Augen verliert. Mit den Erlösen von Basaren, Faschingstombolen , Kaffee- und Kuchenverkauf usw. werden soziale Einrichtungen unterstützt.
1993, zum 25jährigen Bestehen wird eine Standarte angeschafft und das Jubiläum im Rahmen des Hunderdorfer Volksfestes mit rund 90 Mitgliedern gefeiert. Es werden auch die weiteren Geburtstage des Vereins gefeiert. Der Frauenbund ist immer da, wenn er gebraucht wird, sei es zu Bewirtungen, Seniorenfeiern oder Kinderfasching oder dem Nähen von Ministranten- und Sternsingergewändern.
2018 gibt Angela Söldner ihr Amt ab, es findet sich keine Nachfolgerin, die den Vorsitz allein übernehmen will, ein Dreierteam führt die Geschäfte weiter. 2022 schließlich findet sich kein Team mehr, die Versammlung beschließt das Ende des Zweigvereins des KDFB in Hunderdorf.
Die Mariansische Männerkongregation (MMC)
Die marianische Männerkongregation „Mariä Verkündigung“ in Straubing gibt es seit 1646 und ist eine katholische Gemeinschaft von Männern, die sich der marianischen Spiritualität verschrieben haben. Im Zentrum ihres Engagements steht in der Regel die intensive Verehrung der Jungfrau Maria, die als Fürsprecherin und Vorbild gilt. Die MMC Hunderdorf, ein Teil dieser Gemeinschaft, gehört zum Bezirk Mitterfels und wird im Jahr 1877 gegründet, es gehören ihr derzeit 45 Mitglieder an.
Einmal im Jahr findet eine Versammlung der örtlichen Pfarrgruppe statt, im März jeden Jahres wird zum Haupt- und Titularfest nach Straubing in die Basilika St. Jakob mit einer anschließenden Eucharistischen Prozession eingeladen.
Alois Fuchs von Gaishausen war der letzte Obmann des MMC, seit dessen Tod hat sich niemand mehr um die Leitung des MMC bemüht.
Der Kirchenbau-Verein
Die Pfarrkirche Hunderdorf wird 1935/36 neu erbaut. Die Pfarrei besteht aus den vier Gemeinden, Hunderdorf, Au v. Wald, Gaishausen und Steinburg und die Kirche ist schon seit langem zu klein. Seit mehr als 50 Jahren bittet die Pfarrei um einen Neubau, es reicht aber nur zu einer Renovierung. Es werden sogar schon Gelder angespart, aber die Inflation nach dem ersten Weltkrieg vernichtet das angesparte Vermögen. Endlich kommt es zu einer Genehmigung für einen Kirchenneubau. Die Pfarrei aber ist finanziell nicht auf dieses Vorhaben vorbereitet. Um die Mittel für einen Kirchenneubau zu beschaffen, werden von der Diözese Kollekten in den Pfarreien durchgeführt und in Hunderdorf zusätzlich ein Verein zur Mittelbeschaffung gegründet. Friedrich Betthausen, Pfarrer, Alois Frankenberger, Bürgermeister, Alfons Steckler, Graminger Josef, Deinböck Max, Axinger Josef, Poiger Ludwig, Schneider Jakob, Poiger Maria, Dorfner Anna, Dietl Johann und Karl Härtenberger unterschreiben die Satzung. Nach Errichtung des Kirchenbaues löst sich der Kirchenbauverein wegen Zweckerfüllung auf.
Parteien
Die Parteien sind lokale Zweige der übergeordneten Landes- oder Bundesparteien, welche die Ordnungen dieser gemeindlichen Gliederungen in ihren Satzungen regeln.
SPD – Sozialdemokratische Partei Deutschlands
In den Jahren nach dem Krieg gibt es in Hundedorf keine organisierten Parteien, wohl aber Mitglieder der Parteien. Bei der Gemeinderatswahl existierte eine Liste für die ganze Gemeinde wie sie heute noch bei sehr kleinen Gemeinden üblich ist. Die Kandidaten werden übereinstimmend nach der Bedeutung und Bekanntheit im öffentlichen Leben zur Wahl gestellt.
Mitte der 50er Jahre gründet der aus Breslau stammende Max Grunert mit Unterstützern den SPD-Ortsverein Hunderdorf, wohl um das Schicksal der vielen Flüchtlinge in der Gemeinde zu heben. Seit 1960 tritt die SPD zusammen mit der BHE (dem Bund der Heimatvertriebenen) und nicht in der Partei organisierten Kandidaten zur Gemeinderatswahl an. Nach dem Tod des Bürgermeisters Egon Weinzierl im Jahr 1992 stellt sie mit Gerd Peschke bis 2008 den Bürgermeister der Gemeinde. Vorsitzender ist derzeit Gemeinderat Stefan Diewald.
CSU – Christlich Soziale Union
Die Aktivitäten des SPD-Ortsverbandes in der Gemeinde rufen die Vertreter der CSU auf Kreisebene auf dem Plan, um das politische Feld nicht allein der SPD zu überlassen. Ein Ortsverband der CSU wird ins Leben gerufen. Bei der Gemeinderatswahl tritt die CSU mit nicht organisierten Bürgern zur Wahl an, es gibt von da ab immer mindestens zwei Kandidatenlisten. Der amtierende Bürgermeister bekennt sich zur SPD, Stellvertreter des Bürgermeisters wird Karl Härtenberger von der CSU, der 1966 erster Bürgermeistert wird. Bis 1978 behält die CSU die Mehrheit im Gemeinderat und gibt sie 1984 an die Freien Wähler ab. Vorsitzender ist Lothar Klein.
FWG – Freie Wählergemeinschaft
Als Folge der Zusammenlegung der Gemeinden Steinburg und Gaishausen zu einer Gemeinde Hunderdorf finden die der CSU angehörigen oder nahestehenden bisherigen Gemeinderäte nicht alle auf einer Liste Platz. Um auch die ausreichende Vertretung der Gemeindeteile sicher zu stellen, gründet sich 1977 die Freie Wählergemeinschaft Hunderdorf-Steinburg-Gaishausen und erreicht 1978 drei Sitze und ist seither in jeder Periode im Gemeinderat vertreten. Mit Egon Weinzierl, der die CSU verlassen hat, stellt sie 1984 den Bürgermeister. Iris Hartmann ist die Vorsitzende dieser Partei.
FDP – Freie Demokratische Partei
Ludwig Fellinger eine der treibenden Kräfte der FWG erlangt 1984 keinen Gemeinderatssitz. In der Folge schart er gleichgesinnte Bürger um sich und die bilden 1988 einen Ortsverband der FDP. Im Gemeinderat ab 1990 vertritt Fellinger allein die FDP. Als Ortsvorsitzende fungieren Werner Schwarzensteiner und später Friedrich Steineck. Gegenwärtig ruhen die Aktivitäten auf Ortsebene.
Auf Kreisebene stellt Hunderdorf mit Julian Kofler den Kreisvorsitzenden der FDP.
ÖDP – Ökologisch-Demokratische Partei
1996 wird ein ÖDP-Ortsverein gegründet, der Franz Reiner zum 1.Vorsitzenden wählt. Be-sondere Aktivitäten sind nicht erkennbar.
JU – Junge Union
Die Junge Union Hunderdorf, 1973 gegründet, ist die Jugendorganisation der CSU. Sie tritt durch verschiedene Aktionen sporadisch in den Vordergrund. In den 80er Jahren werden die Preisschafkopfturniere in Hunderdorf ausgetragen, die mehrere tausend Mark an soziale Ein-richtungen fließen lassen. Vor einigen Jahren erscheint jährlich ein Kalender mit Fotomotiven, die sich mit Hunderdorf beschäftigen. Simon Ammer ist der Ortsvorsitzende.
Bürgerverein Steinburg
1978 gründet sich der Bürgerverein zur Pflege von örtlicher Tradition und Gemeinschaft in Steinburg. Auslöser der Vereinsgründung war die Eingliederung der Gemeinde Steinburg im Rahmen der Gebietsreform in die neu gebildete Gemeinde Hunderdorf. Diese wollten die Steinburger nicht hinnehmen und wehrten sich auch gerichtlich gegen diese staatliche Anordnung. Vorstand wird Johann Feldmeier.
Verschiedene Anliegen bringt man vor: Erhaltung der Postanschriften, Errichtung eines Bolz-platzes, Errichtung einer Bushaltestelle in Wegern, Erhaltung des Ortseintrages „Steinburg“ im Telefonbuch, Verbesserung des Fernsehempfanges. Die gute Integration der nunmehrigen Gemeindeteile in die Gemeinde Hunderdorf und deren wirksame Interessenvertretung führen 1997 zur Auflösung des Vereins. Das vorhandene Vereinsvermögen wird an die Steinburger Vereine gespendet.
in den Feuerwehren
Die Gründung der Feuerwehren im ländlichen Bereich in Bayern geschieht nicht aus Freiwilligkeit, sondern ab den 1860/70er Jahren durch staatlichen Anstoß. Ziel ist wie heute noch die Begrenzung der Schäden bei Bränden, nur überwiegt damals die Zahl der Gebäude aus Holz. Wie heute unterstützt der Staat die Anschaffung vom Löschausrüstung. So steigt die Zahl der der Feuerwehren von 278 im Jahr 1869 auf 2227 im Jahr 1875, dabei sind in Niederbayern nur 271 Gemeinden mit einer Feuerwehr gesegnet, das sind nur 27% der Gemeinden.*) Kleine Gemeinden können sich die Anschaffung von Feuerlöschgeräten nicht leisten und schaffen eine Verbindung und Mitgliedschaften zu Nachbarfeuerwehren. Das erklärt das unterschiedliche Alter unserer Feuerwehren. Damals wie heute haben die Gemeinden die Pflicht, gemeindliche Feuerwehren aufzustellen. Hierzu bedienen Sie sich der Freiwilligen Feuerwehren, deren Mitglieder freiwillig und ehrenamtlich den Dienst in der Feuerwehr leisten. Das Pendant zur Freiwilligen Feuerwehr war nicht die Berufs-, sondern die Pflichtfeuerwehr: Finden sich in einer Gemeinde nicht ausreichend Freiwillige für die Feuerwehr, hat die Gemeinde eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen.
Dass heute gleich vier Wehren in der Gemeinde Hunderdorf zum Einsatz bereitstehen liegt an der Tatsache, dass auf dem jetzigen Gemeindegebiet zum Zeitpunkt der Gebietsreform vier Feuerwehren vorhanden sind. Anerkennend ist festzustellen, dass die Feuerwehr heute die Kernzellen des gesellschaftlichen Lebens darstellen.
*) Quelle: Der vierte bayerische Feuerwehrtag in Kempten, am 5. und 6. September 1875
Die Freiwillige Feuerwehr Hunderdorf
Schon im Jahre 1872 wurde in Hunderdorf eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Josef Hösl, der 25 Jahre lang als 1. Kommandant der Wehr vorstand, wird mit als Gründer genannt. Die Gründungsmitgliedern der Wehr sind Urahnen der heutigen Feuerwehrler: Johann Staudinger von Hofdorf, der Maurer Xaver Dorfner von Hunderdorf, der Landwirt Xaver Seitz von Hofdorf, der Landwirt Anton Poiger von Stetten und der Landwirt Josef Schleinkofer von Hunderdorf.
1910 errichtet die Wehr auf dem Grundstück neben Alfons Steckler das erste Spritzenhaus, 1930 weiht man die 1. Fahne unter dem Kommandanten Karl Härtenberger. Patenverein ist die erst 1926 gegründete FFW Gaishausen, 1955 wird eine 2. Fahne geweiht, 1965 wird der hölzerne Schlauchtrockenturm neben dem Friedhof wegen Baufälligkeit abgebrochen, 1967 erfolgt der Neubau des Feuerwehrhauses bei Georg Baier, 1972 feierte die Wehr das 100jährige Gründungsfest.
1982 entsteht ein Schulungsraum sowie Küche und Toilette im Feuerwehrhaus, 1997 wird zum 125. Gründungsjubiläum wieder eine neue Fahne angeschafft. In einem finanziellen Kraftakt der Gemeinde entsteht 2005 das neue moderne Feuerwehrhaus, das zwischenzeitlich durch einige Anbauten ergänzt ist. 2024 wird das 150jährige Gründungsfest gefeiert.
Die Ausrüstung der Feuerwehr wird stets auf einem aktuellen technischen Stand gehalten, bereits 1943 wurde eine Motorspritze angeschafft. Heute füllen viele Fahrzeuge die Garagen in der Florianstraße, nicht zuletzt deshalb, weil die Feuerwehr Hunderdorf auch für den Einsatz auf der Autobahn A3 vorgesehen ist. Zur Bedienung der Geräte werden die Aktiven der Wehr in vielen Übungen ausgebildet und stellen ihr Können immer wieder bei den Leistungsprüfungen unter Beweis.
Vorsitzender ist derzeit Manuel Achatz, der Kommandant ist Michael Krieg. Home-page: https://feuerwehr-hunderdorf.de/
Die Freiwillige Feuerwehr Steinburg
1873 wird die Wehr gegründet und 1875 dafür eine Gründungsfeier ausgerichtet. 1880 wird die erste Spritze gekauft. Die 25jährige Gründung wird 1901 mit einer Fahnenweihe gefeiert. 1950 wird die erste Motorspritze erworben, 1952 wird das Gerätehaus erstellt, 1965 kommt eine zweite Spritze. Seit 1966 erinnert ein Kriegerdenkmal an die Opfer des 2. Weltkrieges. 1976 kaufte die Gemeinde Steinburg ein neues Feuerwehrauto. Seit 1973 freut sich der Verein über eine neue Fahne, die zum 100jährigen geweiht wird, Fahnenmutter ist Kordula Hanner, Pate die FFW Au vorm Wald.
Das neue Feuerwehrgerätehaus ist Anlass für eine 115-Jahr-Feier, der 1998 die 125-Jahr-Feier mit der Weihe der restaurierten Fahne folgt. Den Paten stellt die FFW Au vorm Wald, als Festfrau fungierte Andrea Petzendorfer. 2021 wird der Gerätehausanbau eingeweiht. Vorsitzender ist Christoph Häusler, Kommandant Thomas Röckl. Homepage: http://www.ffw-steinburg.de
Die Freiwillige Feuerwehr Au vorm Wald
Diese Wehr ist die jüngste in der Gemeinde, sie entsteht 1936 unter Vermeidung der ansonsten angedrohten Auflösung der Gemeinde Au. 1937 wird eine gebrauchte Handdruckspritze gekauft, neben dem Gasthaus Wagner wird ein kleines Gerätehaus errichtet. 1950 erfolgt eine erste Fahnenweihe, Ende der 60er Jahre errichten die Auinger ein neues Feuerwehrgerätehaus mit hölzernem Trockenturm, es ersetzt ein zu kleines Häuschen auf dem Grundstück des Gasthofes Wagner. 1969 erfolgt der Ankauf eines Feuerwehrautos. Freudig wird 1974 wieder Fahnenweihe gefeiert.
1986 richtet die FFW Au das 50jährige Gründungsfest aus, ein Gedenkstein für die gefallenen und verstorbenen Mitglieder wird beim Feuerwehrhaus errichtet. 2002 freut sich die Feuerwehr über ein neues Feuerwehrgerätehaus, feiert 2011 das 75jährige Gründungsfest und bekommt 2024 ein neues großes Feuerwehrfahrzeug. Vorstand ist Markus Freudenstein, Kommandant Robert Hornberger.
Die Freiwillige Feuerwehr Gaishausen
1926 erfolgt die Gründung, zur ersten Ausrüstung gehört eine Handdruckspritze, die bei Weinzierl in Röhrnau untergebracht ist. 1929 erfolgte erst die Fahnenweihe, Fahnenmutter ist Franziska Weinzierl, Patenverein die FFW Steinburg, 1927 ersteht ein Feuerwehrgerätehaus. 1954 gibt es einen Einheitstransportwagen und eine Einheitsspritze. 1969 erhält eine neue Fahne ihre Weihe. 1973 beschafft man ein umgerüstetes Tragkraftspritzenfahrzeug.
Im Rahmen der 50jahrfeier erhält die Feuerwehr ein neues Feuerwehrgerätehaus, 1985 ein neues Feuerwehrlöschfahrzeug. 2001 feiert die Wehr ihr 75jähriges Gründungsfest, 2017 ihr 90jähriges. 2016 glänzt ein neues Feuerwehrfahrzeug im Feuerwehrhaus. Florian Fuchs ist Vorsitzender, Tobias Rümmelein Kommandant.
im Sport- und Schützenwesen
Sportverein Hunderdorf
Fußball
1948 ist das Gründungsjahr des ersten Fußballvereins. Interne Differenzen beenden seine Existenz Anfang der 50er Jahre. Hermann Maier gelingt durch jahrelanges Bemühen die Wiedergründung eines Fußballvereins im Jahr 1966. In den folgenden Jahren sind bis zu acht Mannschaften im erfolgreichen Spielbetrieb. Der Bau des Sportzentrums 1980 unterstützt die Aktivitäten der Fußballer und anderer Sportarten. Folgende Namen verbinden sich mit der Leitung des SVH: Hermann Maier, Hugo Kvech, Gerhard Peschke, Joachim Kaldonek, Heinz Hentschirsch, Jürgen Tanne, Franz Hornberger, Peter Henke, Gerhard Peschke, Hans Freundorfer, Heribert Hüttinger (2021), Karl Miedaner (2023).
Eisstock
1973 gründet sich die Eisstock-Abteilung, ein Eisweiher wird errichtet, auf der Sommerstock-bahn treffen sich Stockschießbegeisterte. 1978 werden die Asphaltbahnen in Betrieb genommen, 1992 beginnt der Bau des Vereinsheimes für die Stockschützen. Mit den Stockschützen von St. Johann wird eine jahrelange Freundschaft gepflegt. Ab 2021 führt Xaver Baier die Abteilung, zuvor liegt dieses Amt 14 Jahre in den Händen von Josef Ammer. 1979 gründen die Steinburger einen eigenen Eisstock-Club.
Frauengymnastik
Gegründet wurde die Frauenabteilung im Februar 1971. Im damals leergewordenen Schulhaus in Steinburg wurden zwei Jahre lang die Turnabende abgehalten. Nach der Fertigstellung der Schulturnhalle in Hunderdorf, siedelte man hierher um. Eine ganze Palette von Tätigkeiten steht auf dem Programm dieser Abteilung: Frauengymnastik für jede Altersstufe, Schwimmen, Wanderungen im Sommer und Winter, Radtouren, Faschingsveranstaltungen u.a. Wald-friede Holzapfel wirkte viele Jahre als Trainerin, Heidi Altmann führt die Frauen als Abteilungsleiterin. Sie wird von Anni Kraus als Übungsleiterin unterstützt.
Heute bietet diese Gemeinschaft rund 40 Frauen sportliche Betätigung.
LC Tanne
1974 hat Dieter Klug die Idee, eine Leichtathletik-Verein zu gründen. In der Firma Skoula & Tanne findet er einen Sponsor und die Abteilung nennt sich LC Tanne. Es stellen sich große sportliche Erfolge auf allen Ebenen ein.
Zu den Aktivitäten gehören regelmäßige Lauftreffs im Sommer wie Winter, ein Hallentraining im Winter, jährlich ein zweitägiger Wanderausflug sowie die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen und Aktivitäten der regionalen Vereine und der Dorfgemeinschaft.
Es gehören dazu die Abnahme des Deutschen Sportabzeichens, die Teilnahme und Durchführung von Aktionen wie LAUF 10 und verschiedene Themenläufe wie z.B. Jubiläumslauf 2014, Sommernachtslauf, etc. https://lc-tanne.jimdofree.com/
Tischtennis
1976 entsteht eine Tischtennis-Abteilung unter Leitung von Alfred Reisinger. In der Schulturnhalle findet sie bestens geeignete Voraussetzungen für die Ausübung dieses Sports. Ende der 80er Jahre fusioniert die Abteilung wegen Mitgliedermangels mit den Windbergern. Zwischenzeitlich treten sie wieder als eigene Abteilung auf.
Tennisabteilung
1978 gründet sich unter Führung von Kornel Klar die Tennisabteilung mit 28 Mitgliedern, die bald über hundert Mitglieder hat. Sportliche Erfolge stellen sich ein. 1982 gibt es auch Tenniskurse für Kinder. 1988 entsteht ein Tennisheim, 1996 folgen zwei weitere Tennisplätze. 2021 erhalten die generalsanierten Tennisplätze 3 und 4 den kirchlichen Segen. 2020 wird die Flutlichtanlage modernisiert. Matthias Bugl führt die Abteilung seit 2015.
Volleyball
1998 entsteht eine Volleyball-Abteilung mit 25 Mitgliedern, als Gründungsvorsitzende fungiert Isolde Freundorfer. Die Spieler trainieren in der Schulturnhalle oder bei schönem Wetter auf den Beachvolleyballplatz am Sportplatz. Gegenwärtig bekleidet Teresa Hainz den Führungsposten.
Skiclub Hunderdorf
1970 bildet sich die Ski-Abteilung, Josef Ziesler überlässt der Abteilung die Skihütte in Ahornwies, sie ist der Treffpunkt und erfreut sich großer Beliebtheit. Der Skiclub findet hier optimale Bedingungen: Es kann vor der Haustüre Skifahren, Wandern oder sonstigen Winter-sport ausüben und sich zu Pausen in den Räumen der Skihütte aufhalten. Nach Max Leon-hardt übernimmt 2001 Thomas Ziesler den Skiclub. Fast vierzig Jahre besteht die Abteilung bis ein interner Streit zu einer Abspaltung vom Hauptverein und zur Neugründung eines selbständigen Skiclubs führt, der von Viola Probst geführt wird. https://skiclub-hunderdorf.de/
EC Steinburg
1979 finden sich 18 Personen zusammen, die sich für den Stockschießsport begeistern und gründen den Eisstockclub Steinburg, Walter Sagstetter und Gerd Altmann sind die Führungs-leute der Gründerzeit. Schnell vergrößert sich die Mitgliederzahl und übersteigt bald die Hundertergrenze. Seit über 15 Jahren zeichnet Manfred Aich für die Geschicke des Vereins verantwortlich.
In der Nähe von Öd bei Steinburg befindet sich eine aufgelassene wassergefüllte Tongrube, der Tegelweiher, der im Winter als Austragungsort für Eisstockturniere ideale Voraussetzungen bietet. 1985 stellt der Vereinswirt Karl Solcher eine Eisfläche in Ehren zur Verfügung.
Sommerturniere werden anfangs auf der Asphaltanlage in Hunderdorf ausgetragen, in den 90er Jahren steht dann hierfür in Ehren neben dem Gasthaus eine Asphaltfläche zur Verfügung. Sportliche Erfolge wie der Aufstieg in die Kreisliga stellen sich ein.
Gesellige Treffen wie Gartenfeste, Ausflüge, Kappenabende und Teilnahme an den Festen der anderen Vereine ergänzen die sportlichen Aktivitäten. Mit eigenen Aktionen bereichert der Verein das jährliche Ferienprogramm in der Gemeinde und gewinnt dabei neue junge Mitglieder.
Dass hier der Stockschießsport ernst genommen wird und permanentes Training große Erfolge zeitigen kann, beweist seit mehr als einem Jahrzehnt Katharina Riepl. 2013 belegt sie den 3. Platz bei den Bundesmeisterschaften. Seither belegt sie vorderste Plätze bei den deutschen und internationalen Meisterschaften und schafft es sogar zum Weltmeistertitel. Ausgezeichnete Jugendarbeit führt hier zu einem sensationellen Erfolg.
Floorball-Verein Mad Dogs Hunderdorf e. V.
Floorball ist ein relativ junge Sportart, die in jüngster Zeit auch in Hundedorf Fuß gefasst hat. Dabei handelt es sich um ein dem Hallenhockeyspiel, das mit einem Schläger ausgeführt wird, der am Ende mit einer großen Schaufel ausgerüstet ist. Es ist dem Eishockey ähnlich, nur dass hier nicht ein Puck, sondern ein spezieller, leichter Ball getrieben wird. Vor allem Schüler begeistern sich für diese Sportart, die zur Ausübung auf die Schulturnhalle angewiesen ist. Diese Sportart ist nicht weit verbreitet, deshalb müssen die Spieler zu Vergleichsturnieren mit anderen Vereinen weite Wege zurücklegen.
Kegelclub Hunderdorf
Kegeln ist ein uralter Sport, bei jedem Wirtshaus steht eine Kegelbahn, ihr Poltern an den Sonntagnachmittagen ist weithin zu hören. Es ist der Sport der kleinen Leute und eine schwer umkämpfte Gelegenheit für die Kegelbuben, ihr Taschengeld aufzubessern.
Mit der allgemeinen Zunahme der Kraftfahrzeuge in den 60er und 70er Jahren finden sich andere Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung. Die Kegelbahnen werden weniger genutzt, kaum mehr unterhalten und stehen oft der baulichen Entwicklung im Wege.
Beim Krämer Weinzierl in Apoig wird Anfang der 60er Jahre ein Anbau errichtet, das Cafe Weinzierl, dem auch eine automatische Kegelbahn angegliedert ist. Es bedarf keines Kegelbuben mehr, der die Kugel zurückrollt und die Kegel aufstellt.
In diese Zeit fällt auch die Gründung eines Kegelclubs in Hunderdorf, der aber erst Mitte der 70er Jahre durch die Ausrichtung einer Ortsmeisterschaft in Erscheinung tritt. Erwin Mühl-bauer ist zu dieser Zeit der Vorsitzende. 1987 verstirbt der Inhaber des Cafés, Richard Weinzierl, das Café geht pachtweise auf Erwin Niedermeier über, der auch die Leitung des Kegel-clubs inne hat. Der Verkauf des Anwesens mit dem Gebäuden 1992 und die sich anschließen-de Wohnbebauung bedeuten schließlich auch für den Kegelclub das Aus.
Dartclub Hunderdorf
Ende der 80er Jahre wird im Nebengebäude des Gasthauses Baier im unteren Dorf das Pilspub „Sunset“ eröffnet, das sich sofort regen Zulaufes besonders der jungen Leute erfreut. Nicht zuletzt ist dieses Interesse den dort aufgestellten Spielautomaten zu verdanken, darunter auch Dartautomaten. Mit Begeisterung wird an diesem Automaten gespielt, die die Wurfergebnisse des jeweiligen Spielers oder der Mannschaft sofort ermittelt und anzeigt, es entsteht der Wunsch Meisterschaften auszutragen. Um diese zu organisieren, gründet sich der Dartclub, Ewald Artmann, der Wirt, ist Vorstand.
In monatlichen Turnieren wird festgestellt , wer die meisten Treffer erzielt. Es wird fleißig geübt und bereits 1991 kann man bei der Dart-Liga Plattling Meister werden. Der amtierende Weltmeister Willi Lerndorfer gewann 1993 die „Karlsruhe-Open“. Ab 1995 lädt der Dartclub die Vereine der Verwaltungsgemeinschaft jedes Jahr zu einer VG-Meisterschaft ein. Mit anderen Veranstaltungen wie Sommerfeste, Gartenfeste, Faschingsbälle wird die Geselligkeit unter den Mitgliedern gepflegt. Mit der Schließung des Pilspubs und der Wegnahme der Automaten in der Mitte der des ersten Jahrzehnts der 2000er Jahre verliert der Verein seine Existenzgrundlage und macht Hunderdorf um einen Verein ärmer.
Kartclub Hunderdorf
Josef Doblinger erwirbt Anfang der 90er Jahre die gesamte Immobilie des Noltewerkes und beginnt durch Parzellierung und Verpachtung der Hallenräume den Gewerbepark Hunderdorf auf die Füße zu stellen. Dabei findet eine große fensterlose Halle mit ebenerdigen Zugang keine Interessenten.
Der Indoor-Kart-Sport erlebt in dieser Zeit in weiter entfernten Gemeinden großen Zuspruch, er war in Mode. An diese Begeisterung will Doblinger anknüpfen und baut die sich nur schwer vermietbare Halle zu einer Indoor-Kartbahn mit einem angeschlossenen Gastraum aus. Das ist auch der Zeitpunkt der Gründung des Kartclubs, der von Doblinger sehr gefördert wird. 1997 wird eine erste Kartmeisterschaft mit 24 teilnehmenden Teams zu je 4 Fahrern ausgetragen. Die Teams kommen von den Vereinen in der Gemeinde, auch Kartsportler von auswärts.
Diese Investition bringt aber nicht den erwarteten Erfolg und den Zuspruch, den der Kartsport anderswo einbringt. Schließlich wird das Equipment nach nicht langer Zeit abgebaut und verkauft. Das Ende des Kartclubs ist besiegelt.
Schützenkameradschaft Hunderdorf
1971 beschließen neun Männer einen Schützenverein zu gründen. Otto Wurm, stellt hierfür das Sportheim zur Verfügung. Einfach und primitiv ist die Einrichtung, mit Spenden wird ein Luftgewehr angeschafft, die neue Vereinskleidung erlaubt ein geschlossenes Auftreten. Schließlich stellt Otto Wurm 1975 seinen Stadel mit Stallanbau zur Verfügung, ein schönes Schützenheim entsteht. Der Tod von Otto Wurm veranlasst einen Umzug in Tanzboden des Gasthauses Deschl in Hofdorf.
1991 feiert der Verein mit 77 Gastvereinen sein 20jähriges Gründungsfest im Rahmen des Hunderdorfer Volksfestes. Karl Liebl übernimmt 1992das Amt des Vorsitzenden. 1996 wird das 25jähtige, 2011 das 40jähige gefeiert. 2000 wird ein neuer Schießstand geplant, 2002 er-stellt die Gemeinde ein neues modernes Schützenheim auf dem Sportplatzgelände. 2021 wird schließlich eine neue elektronische Schießanlage eingeweiht.
Freundschaftliche Kontakte und Besuche bis nach Brandenburg bereichern das Vereinsleben. Die Jugend erlebt jährlich frohe Tage in einem Zeltlager in Österreich. Gesellige Veranstaltungen runden das Jahresprogramm ab.
Hans Schönauer, Ludwig Wagner, Max Höcherl und Karl Liebl sind die Vorstände des gut fünfzigjährigen Vereines.
Schützenverein „Hofdorfer Tal“
1962 wird in Hofdorf der Schützenverein „Hofdorfer Tal“ gegründet. Über den sportlichen Betrieb liegen keine Informationen vor. Zu den Mitgliedern, die 1993 die Auflösung des Ver-eins beschließen, gehören der Kassierer Xaver Anleiter, Georg Deschl, Max Kronfeldner, Georg Meinberger, Hans Grill und Herbert Wirth. Erfreulich ist, dass der in der Kasse vorhandene Betrag von 316,47 Mark an Kirchenpfleger Groß für den Erhalt der Hofdorfer Kirche gespendet wird.
Schützenverein “Geselligkeit“ Großlintach
Den Sitz hat dieser Schützenverein zwar in der Stadt Bogen, nimmt aber am Vereinsleben in der Gemeinde Hunderdorf teil und hat auch Mitglieder aus Hunderdorf. In den 30er Jahren soll bereits ein Schützenverein in Großlintach existieren, Unterlagen hierzu sind aber unter-gegangen. 1949 lebt der Verein unter dem Schützenmeister und Schreinermeister Peter Wanninger wieder auf, schläft auch wieder mangels Interesse wieder ein.
1963 erst gelingt es dem Maurermeister Hans Altschäffl den Verein wieder zum Leben zu erwecken und im Tanzsaal des Gasthauses Schlecht drei zehn Meter lange Schießstände einzurichten. 1975 feiert unter Schützenmeister Ludwig Treimer der Vereins das 25jährige Bestehen.
Schützenmeisters Siegfried Attenberger kann 1984 nach einem Neubau des Saales im Keller eine moderne Schießanlage einbauen. 1990 wird im Rahmen des 40. Gründungsfestes unter der Schirmherrschaft von Landrat Ingo Weiß eine neue Fahne geweiht, Fahnenmutter ist Therese Breu, der Partnerverein die „Nagelsteiner Schützen“ vom Obermühlbach. 2000 freuen sich alle über den 50. Geburtstag des Vereins.
Neben dem Schießsport mit Rundenwettkämpfen und Preisschießen gehören jedes Jahr gesellige Veranstaltungen wie Schützenball und Christbaumversteigerung und der Besuch bei den Festen anderer Vereine zum geselligen Programm. Seit 1993 steht dem Verein Ludwig Schlecht als Schützenmeister vor.
Bogenbachtaler Böllerschützen Hunderdorf-Windberg
Die Bogenbachtaler Böllerschützen Hunderdorf-Windberg sind ein Schützenverein aus den Gemeinden Hunderdorf und Windberg. Der Verein wurde 2013 gegründet und beteiligt sich seither aktiv an lokalen Veranstaltungen, wie beispielsweise dem Neujahrsanschießen oder dem Volks- und Heimatfest in Hunderdorf. Bei solchen Anlässen begrüßen sie das neue Jahr oder eröffnen Feste mit traditionellen Böllerschüssen, um die Gemeinschaft zu stärken und die bayerische Tradition des Böllerschießens zu pflegen. Der Verein wird von Schützenmeister Albert Kuffner geleitet.
Sportliche Gemeinde
Von 1948 bis zur Auflösung 1951 wird in Hunderdorf Fußball gespielt. 1966 wird ein Sportverein wieder gegründet. Der Fußballverein hat kein eigenes Spielfeld, so wechselt der Austragungsort der Fußballspiele mehrmals. Der Wunsch nach einem eigenen Sportplatz liegt na-he. Die Zusammenfassung der Schulen zu einer Verbandsschule in Hunderdorf weckt auch den Bedarf nach Schulsportanlagen, die Realisierung in einer Schul- und Freizeitsportanlage liegt nahe. 1976 erhält Architekt Gruber den Planungsauftrag. Zug und Zug werden die einzelnen Anlagen fertiggestellt, 1980 findet die offizielle Eröffnung durch Staatsminister Dick und die Weihe des Freizeit- und Sportzentrums statt. Die Schaffung dieser Anlage und die Aktivitäten der verschiedenen Vereine werden gekrönt durch die staatliche Auszeichnung Hunderdorfs als „Sportliche Gemeinde“.
mit den Jungen und Alten
Katholischer Burschenverein
1907 gründet sich in Hunderdorf mit 18 Mitglieder der katholische Burschenverein. Karl Härtenberger übernimmt das Amt des ersten Vorstandes. Im gleichen Jahr noch wird das Gründungsfest mit 28 Mitgliedern gefeiert, 2010 folgt die Fahnenweihe. Zu dieser Zeit steht dem Pfarrer regelmäßig ein Kooperator zur Seite, dessen Aufgabe es unter anderem ist, sich um die heranwachsende Jugend zu kümmern und zu betreuen. Im Dritten Reich wird der Verein aufgelöst.
1948 kommt es zur Wiedergründung, Willi Steckler ist der Vorstand. Jährliche Theaterstücke unter Anleitung des jeweiligen Kooperators und regelmäßige Treffen stehen auf dem Pro-gramm. Mitgliedermangel und ein Streit zwischen den Weißhemden (unter 18 Jahre) und Blauhemden (über 18 Jahre) führen 1964 zur Auflösung des Burschenvereins.
Katholischer Jungfrauenverein
Wann es zur Gründung des katholischer Jungfrauenvereins in Hunderdorf kommt, liegt im Dunkeln. Jedenfalls besteht er schon in den 1920er Jahren. Mathilde Härtenberger wird als Leiterin dieses Vereins genannt. Die Einübung von Theaterspielen und die Glaubenslehre beschäftigen die Mitglieder. Im Dritten Reich hört der Jungfrauenverein auf zu existieren, die Mädchen hatten sich im BDM, dem Bund deutsche Mädchen zu organisieren.
Nach dem Krieg entsteht der Jungfrauenverein wieder. Die Schar der Jungfrauen ist so groß, dass sie sich in zwei Gruppen aufteilen. Eigene Räume für Jugendliche stehen nicht zur Ver-fügung, es werden die Schulräume genutzt. 1962 wird eine Jungschar (Buben) und Frohschar (Mädchen) gegründet, die sich später in der neuen Landjugend wiederfinden. Mit dem Bau des Jugendheimes 1966 gibt es nun Räume für die Treffen der Jugend.
Katholische Landjugendbewegung – KLJB
1974 gilt als das Geburtsjahr der KLJB, die Nachfolger der katholischen Jugendvereine in Hunderdorf. Neben den wöchentlichen geselligen Zusammenkünften werden verschiedene Veranstaltungen organisiert: Bildersuchfahrten, Theateraufführungen, Maitanz, Altpapier- und Altkleidersammlungen, Vorträge, Erntedankfest. 2007 erhält die KLJB vom Kreisjugendring die Jugendraute verliehen.
Mit der Erweiterung des Pfarrheimes steht im Keller ein zusätzlicher Raum für die Jugend zur Verfügung. Bildersuchfahrten finden große Resonanz, 2008 wird das hundertjährige Jubiläum gefeiert. Julia Schindler (2009), Natalie Obermeier (2011), Claudia Engelmeier (2014) und Daniel Holzer (2017) folgen als Vorstände. Es folgt eine Zeit, in der die Räume für die Jugend im Pfarrheim nur selten oder gar nicht genutzt werden.
Evangelisch-Lutherischer Jugendtreff
1979 übernimmt Bruder Hasso Tepp die Stelle des Gemeindediakons in der evangelischen Kirchengemeinde Bogen. Er wohnt in Hunderdorf und organisiert hier einen „Evangelisch-Lutherischen Jugendtreff“ für Jugendliche ab 14 Jahre, für die jüngeren ist es die „Jungschargruppe“. Die jungen Leute treffen sich zu Spielenachmittagen, Wanderungen, Fahrten, Diskussionsabenden oder zu Gottesdiensten, die sie selbst gestalten. Nach der Versetzung von Hasso Tepp führt sein Nachfolger Rolf Schrank die Aktivitäten dieser Gemeinschaft mit geringerer Intensität weiter bis sie schließlich bald enden.
Seniorenclub Hunderdorf
In den 50er Jahren ist Martha Hofmann, die in Hunderdorf einen Friseurladen betreibt, als Seniorenbetreuerin beim Roten Kreuz in Bogen engagiert. Zu diesen Veranstaltungen nimmt sie auch ältere Leute von Hunderdorf mit nach Bogen. Zur Freude von Pfarrer Ruhs finden am 7. April 1976 23 interessierte Frauen zur Gründung eines Altenclubs für die Pfarrei Hunderdorf zusammen. Auf dem Programm des Altenclubs stehen Faschingsveranstaltungen, Weihnachtsfeiern, Muttertagsfeiern, Volksfestbesuche, Bastelabende, Bildungs- und Gesundheitsvorträge.
Mit Pfarrer Högner erweiterte sich das Programm um Ausflugsfahrten zu nahe oder ferner gelegenen Kirchen und anderen Zielen. Seit 1987 gehört auch eine 18köpfige Tanzgruppe zum Club. 1998 gibt Martha Hofmann aus Altersgründen die Leitung des Seniorenclubs an Maria Wölfl ab. In schöner Regelmäßigkeit kommen die Mitglieder zu den Seniorengottesdiensten und den monatlichen Versammlungen zusammen, unter die sich auch Ausflüge mischen. 2016 übernehmen Maria Länger und Werner Fischer die Organisation und Führung des Senioren-clubs.
Flugmodellbaugruppe
1959 treffen sich Freunde, die vom Flugsport fasziniert sind, im Cafe Weinzierl zu einer Gründungsversammlung, sie wollen in ihrer Freizeit Flugmodelle bauen, der Windberger Hang bietet ideale Bedingungen für ein Wettfliegen. Bis zu 30 Interessierte der Modellbaugruppe nützen die kalten Wintermonate und basteln fleißig an ihren Modellen.
Der Gründungsvorsitzende Frisch gibt zu bedenken, dass die Jugend durch den Modellbau von der Straße ferngehalten wird und durch diese Beschäftigung eine gewisse Fertigkeit im Handwerklichen erreicht wird. Bei den Wettbewerben gehen nicht nur Segelflugmaschinen, sondern auch motorisierte Flugzeuge an den Start.
Herr Frisch, Segelflieger und Pilot, verstand es, viele Jugendliche für diesen Sport zu begeistern, Vereinslokal ist das Cafe Weinzierl. Mit der Gründung des Fußballvereins 1966 erwächst eine große Konkurrenz in den Freizeitmöglichkeiten, die letztlich zu Gunsten des Ballsports ausgeht, schließlich wird der Verein aufgelöst.
in Musik und Gesang
Musikverein Hunderdorf
1982 kommt es zur Gründung eines Musikvereins. 36 Musik begeisterte Bürger tragen sich als Gründungsmitglieder ein, um die Ausbildung junger Musiker zu ermöglichen. Eine Jugendblaskapelle und eine Akkordeongruppe soll gebildet werden. Musiklehrer ist Toni Niedermeier. Bei vielen Festen und Veranstaltungen stellen die jungen Musikanten ihr Können unter Beweis. Ein besonderes Erlebnis ist in dieser Zeit die Teilnahme beim „St. Jodok-Ritt“, der Pferdewallfahrt in Tännesberg in der Oberpfalz.
Dem Auftritt des Musikvereins bei der Einweihung und Eröffnung des letzten Teilstückes der Autobahn A 3 ist das Schlüsselereignis zur Gründung der Gemeindepartnerschaft mit St. Johann am Wimberg/Oberösterreich. Mit der dortigen Musikkapelle werden besonders freundschaftliche Bande geknüpft, die noch anhalten.
Das fünfjährigen Bestehen wird mit dem Volks- und Musikfest 1987 gefeiert, Vereinsmitglieder sind die Träger dieses Festes. Seiher wiederholt der Verein alle fünf Jahre dieses Gründungsfest zusammen mit dem Volksfest in Hunderdorf. Die Musikkapelle hat erfolgreiche Auftritte, kommt auch im Fernsehen. Aber die Schüler werden älter und werden selbständig, es spalten sich Musiker ab und machen sich selbständig oder werden von anderen Musikkapellen aufgenommen.
Differenzen innerhalb der Vorstandschaft beeinträchtigen die Harmonie des Vereins, der Vor-stand wechselt, der Dirigent hört auf. 1997 schließlich gelingt ein Neuanfang: Es werden junge Schüler gefunden, die Hans Hallmen unterrichtet, eine neue Vorstandschaft mit Hans Pollmann bringt den Verein wieder in Schwung, Lothar Klein, ein Schüler bei der Gründung, übernimmt die Leitung der Blaskapelle. Es geht wieder aufwärts, Auftritte auf vielen Festen, dem Hunderdorfer Volksfest und auch dem Gäubodenfest, heben die Begeisterung der Spieler. Die Blaskapelle St. Johann bietet Musik auf jährlichen Herbstkonzerten vom Feinsten. Höhepunkt ist wohl ein Auftritt in Rom bei der „Papst-Benedikt-Parade“. Ab 2009 im Früh-jahr werden im „Berger-Bräu“ Starkbierfeste organisiert, bis der Saal nicht mehr zur Verfügung steht. 2012 löst Lothar Klein Hans Pollmann als Vorstand ab.
2023 feiert der Musikverein sein 40jähriges und die Blaskapelle ihr 25jähriges Bestehen und die Gemeinde erneuert die 35jährige Partnerschaft mit St. Johann im Rahmen des Hunderdorfer Volksfestes. Zwei CD’s dokumentieren zwischenzeitlich das musikalische Können der Blaskapelle. Mit dem überraschenden Tod von Hans Hallmen beginnt die Suche nach der Nachfolge in der Ausbildung der Musikschüler, es gelingt drei Musiklehrer für den Musikverein zu gewinnen. Nach einem Führungswechsel 2024 löst Christian Michl Lothar Klein nach 12 Jahren als Vorsitzenden ab, Lena Baumgartner folgt Josef Breu nach 27 Jahren als Schriftführer nach. Rund 180 Mitglieder stützen den Verein ideell bei einem Mitgliedsbeitrag von jährlich sechs Euro. https://www.musikverein-hunderdorf.de/
De Andern
In dieser Musikkapelle musizieren u. a. Schüler aus den Gründerjahren des Musikvereins und bilden den Kern der Kapelle. Max Schötz ist der Leiter der Kapelle.
Gaudimax
Die Gaudimax-Band ist eine lokale Musikgruppe, die vor allem bei Volksfesten und traditionellen Veranstaltungen und Bällen auftritt. Ihre Musik spiegelt die heimische Kultur wider, bei Wettbewerben erringt sie beachtliche Plätze, beim Alpen Grand Prix 2007 gehört Gaudimax zu den zehn Besten Deutschlands.
Die Bogenbachtaler – Blaskapelle Bugl
In früheren Jahren beherrschen nicht die englischen benannten Bands die Tanzböden, Blaskapellen spielen auf Bällen, Hochzeiten, Beerdigungen oder Volksfesten. Eine dieser Kapellen ist die Blaskapelle Bugl, die sich aus Mitgliedern der Musikerfamilie Bugl aus Hunderdorf, Windberg und Schwarzach zusammensetzt. Otto Bugl aus Hoch ist später der Organisator dieser Kapelle, der ebenfalls mit Musikern vom Musikverein seine Kapelle verjüngte, die sich später „Die Bogenbachtaler“ nannte. Sein plötzlichen Tod beendet auch die Existenz dieser Kapelle.
Kirchenchor Hunderdorf
Der Kirchenchor in Hunderdorf hat eine lange Tradition. Früher gehörte das Orgelspielen und die Chorleitertätigkeit in der Kirche zu den bezahlten Aufgaben eines Lehrers in der Gemein-de. Davon ist nichts Schriftliches überliefert. Da die Sänger kostenlos auftreten, ist auch kein Beleg über Zahlungen zu finden.
Mit Pfarrer Reitinger kommt Frau Amann in die Pfarrei, die von da ab den Kirchenchor dirigierte. Nach dem Weggang von Pfarrer Reitinger übernimmt Waldfriede Holzapfel den Chor, bis diese die Chorleitung 2015 an Sebastian Obermeier weitergibt. Dem Kirchenchor gehören gut 15 Sängern an, die an besonderen Festtagen die Gottesdienste musikalisch gestalten.
Kinder- und Jugendchor
Seit rund 20 Jahren nimmt sich mit besonderem Eifer und Erfolg Alexandra Dilger um die Kinder und Jugendlichen an und gestaltet Auftritte vor allem in Gottesdiensten. Erlebnisse für die Sänger sind große Chortreffen der pueri cantores in Altötting oder in Rom.
Mannergsangsverein
Im Januar 1992 eröffnet Lothar Kammerl eine Metzgereifiliale im Haus von Georg Baier. Nach der Eröffnungsparty treffen sich im benachbarten Sunset Pilspub drei Mitglieder des Gemeinderates, um den Mannergsangsverein zu gründen. Es wird auch sogleich begonnen eine Satzung zu beschließen, die den Vereinszweck mit der „Förderung alteingesessenen Sagen- und Liedgutes“ definiert. Darin ist auch die Absicht „singa wolln ma bis zum Grab“ niedergelegt. Die Satzung ist an diesem Tag nicht über drei Paragraphen hinausgekommen und trägt nur drei Unterschriften: Xaver Neumaier, Johann Hornberger und Josef Breu.
Die Mitglieder rekrutieren sich vor allem aus den Reihen des Gemeinderates und zählen 14 Männer. Durch die Sitzungen des Gemeinderates sind regelmäßige Gesangsproben nach den Sitzungen angesagt. Die Sänger treten öffentlich bei den Adventsingen in der Kirche oder Maiandachten auf. Zu der CD-Aufnahme „Musikalisches Hunderdorf“, die Ende 1999 durch die Gemeinde veranlasst ist, textet Helmut R. Jakob das Hunderdorfer Heimatlied und findet durch den Mannergsangsverein Platz auf der dieser CD. Auch Gründungsfeste wie das 75zehnteljährige oder das 100zehnteljährige werden gefeiert. Das Ergebnis der Kommunal-wahl 2002 trübt das gute Verhältnis im Gemeinderat, dem der Verein sein Leben verdankt und führt zum Erlöschen der Aktivitäten.
Gesangverein Hunderdorf
1949 vereinen sich sieben Heimatvertriebene unter Oberlehrer Wünderlich und gründen den Hunderdorfer Gesangverein. In wöchentlichen Gesangsübungen stellt sich Lehrer Erich Schmid als Liedermeister zur Verfügung. Der Verein wächst auf 25 Mitglieder und tritt öffentlich auf. Nachdem Schmid nach Straubing zieht übernimmt Franz Hösl, der spätere Rektor der Schule die Leitung des Gesangsvereins, Vorsitzender ist August Höhn. Gastwirt Sandbiller kauft ein Klavier für den Gesangverein. Der Chor wächst auf über 50 Sänger, ein kleines Streichorchester wird angegliedert. Beim 10jährigen Jubiläum zählt der Chor 35 aktive Sänger. Die Faschingsbälle des Gesangvereins sind gefragte Veranstaltungen in Hunderdorf.
1969 feiert man noch das 20jährige Bestehen, Rektor Hösl geht in Pension und zieht nach Straubing. Es wird ruhig um den Verein, er löst sich in den 70er Jahren auf.
Chor „Friends“
Der Chor „Friends“ entsteht in den 90er Jahren aus der Landjugendbewegung, feiert 2014 25jähriges, seine Auftritte sind die Begleitung von Gottesdiensten zu allen Anlässen wie Hochzeit, Familienfeiern, Gründungsfeste, Adventssingen oder Konzerten.
Aus den Jugendlichen werden Erwachsene mit anderen Verpflichtungen und Interessensgebieten und so beschließt der Chor 2019 sich aufzulösen.
bei den Arbeiten mit der Natur
Der Obst- und Gartenbauverein
Ende des 19. Jahrhunderts wird staatlicherseits erkannt, dass der Obstanbau wesentlich zur Volksernährung beitragen kann. Es sind die Pfarrer, die sich um dieses Thema annehmen und die Landwirte anleiteten und das Pflanzen von Obstbäumen beförderten.
In Hunderdorf ist es Pfarrer Gruber, der die Pfarrei von 1895-1916 betreut und einen solchen Verein ins Leben ruft. Nach dem Kriege führt der Krämer i. R. Alois Frankenberger den Ver-ein, dem Johann Dietl von Lindenbrunn folgt. 1955 zählte der Verein über 50 Mitglieder. 1961 ist Georg Gütlhuber Vorstand. In Windberg nimmt sich Norbert Wurm von der Raiffeisenkasse besonders um den Obstanbau an, er installiert eine Obstpresse und sorgt sich um den Absatz des Obstes und des Saftes. Mit dem Tod von Norbert Wurm erleidet der Obstabsatz einen Niedergang, das Interesse am Obstanbau in unserer Gegend nimmt rapide ab. Auch in Hunderdorf steht eine Obstpresse bereit. Anfang der 1960er Jahre versiegen die Nachrichten über einen Obst- und Gartenbauverein.
1996 kommt es zu einer Wiedergründung des Vereins. Bernadette Fries und Franz Wirth übernehmen die Führung des Vereins. Seither werden den Mitgliedern jährlich im Frühjahr und im Herbst lehrreiche Vorträge über die Gartengestaltung, den Gemüse- und Blumengarten, über Obstbäume oder Biogärtnern bei den jährlichen Frühjahrs- und Herbstversammlungen gehalten. Auch ein „Tag der offenen Gartentür“ wird in Hunderdorf abgehalten. Die Kinder werden mit eingebunden, z. B. in Wettbewerbe zum größten Kürbis oder die größte Sonnenblume. 2022 kann der Verein sein 25jähriges Bestehen seit der Wiedergründung feiern. Diese vorbildliche Arbeit hält bis heute an.
Bauernverband
Alle Berufsstände sind zur Vertretung ihrer Berufsinteressen in berufsständischen Organisationen zusammengeschlossen. So organisieren sich die Landwirte und Bauern im Bayerischen Bauernverband, der sich in Kreis- und Ortsverbände verzweigt. Die Gründung eines Ortsverbandes lässt sich in Hunderdorf bis Anfang der 50er Jahre zurückverfolgen, in Steinburg und Gaishausen dürfte die Entstehung der Ortsverbände auch in diesem Zeitrahmen liegen.
In den früheren Jahrzehnten interessieren die Probleme in der Landwirtschaft noch viele Be-triebe, Themen wie Autobahnbau und Flurbereinigung werden heiß diskutiert, Unterschriften werden gesammelt. Die Abnahme der Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die Erledigung der genannten Problemfelder und der kontinuierliche Ausbau der örtlichen Straßen verringert auch den Diskussionsbedarf in diesem Berufsstand. Es ist still geworden, die Probleme der Landwirtschaft gehen nun mehr die große Politik an. Gegenwärtig vertreten den Verband in der Gemeinde Hans Häusler vom Hofdorf und Josef Hacker von Schafberg.
Der frauliche Teil des Bauernverbandes sind die
Landfrauen,
ihre Entstehung in unserer Gemeinde geht zurück auf die 60er Jahre, obwohl die Landfrauen auf Landesebene bereits 1948 gegründet wurden. Ihre Arbeit und ihr Wirken ist nicht spektakulär, sucht eher nach dem Nützlichen für die Frauen, was aber nicht bedeutet, dass die angebotenen Kurse (Schwimm-, Mal-, Bastel- und Kochkurse) und Treffen, die der allgemeinen Bildung dienen, keinen Anklang fänden. Vielfach werden Kurse und Exkursionen zusammen mit dem Frauenbund angeboten, die vielfältigen Angebote sprechen auch Frauen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund an. Zu den Landfrauentagen kommen hunderte Besucher zusammen, um sich die Vorträge gesellschaftlichen Themen oder z. B. Ernährungs- und Gesundheitsfragen anzuhören und sich mit Frauen zu treffen, die die gleichen Interessen haben. Derzeit treten in der Führung der Landfrauen Andrea Gütlhuber von Rammersberg, Jutta Hacker von Schafberg und Frau Petra Hausstreiter von Ebenthann hervor.
Jagdgenossenschaften
Die Jagdgenossenschaften verdanken ihr Leben den Jagdgesetzen. In ihnen sind die Eigentümer der jagdbaren Flächen eine Gemeinde zusammengeschlossen. In Hunderdorf sind es drei Jagdgenossenschaften, weil sich die Gemeinde aus den drei früheren Gemeinden zusammen-setzt und die früher vorhandenen Jagdgenossenschaften weiterbestehen.
Die Jagdgenossenschaften sind für die Vergabe der Jagd an die Jäger zuständig. Der Jäger zahlt einen vereinbarten Preis, den Jagdpachtschilling dafür, dass er die Jagd in seinem Jagd-bezirk über mehrere Jahre ausübt und den Wildbestand hegt und nutzt und regelt. Über das Wirken der Jagdgenossenschaften wacht das Landratsamt im Rahmen der Rechtsaufsicht.
Der jährlich zu zahlende Jagdpachtschilling steht den Grundstückseigentümern zu. Er wird aber auf Beschluss der Jagdversammlung meist nicht ausgezahlt, sondern für Anschaffungen von Geräten und Maschinen genutzt, die sich die einzelnen Landwirte nicht leisten wollen und allen Mitgliedern der Jagdgenossenschaft zustehen. Oft wird das Geld der Gemeinde zur Verwendung für den landwirtschaftlichen Wegebau gegeben oder auch den Landfrauen für ihre Arbeit oder für gemeinnützige Zwecke gespendet.
Imkerverein Steinburg-Neukirchen
Der Imkerverein Steinburg-Neukirchen wird im Jahre 1910 gegründet. Karl Hanner (+1983) ist lange Jahre Vorstand, bis ihn Josef Attenberger ablöst. Die Mitglieder kommen aus vielen umliegenden Gemeinden, 1987 sind es 67 Mitglieder mit 1300 Bienenvölkern.
Bei den Zusammenkünften werden die Belange und Probleme der Bienenzüchter wie Pflege- und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen oder Vermarktungsfragen des Honigs diskutiert. Der Lehrbienenstand in Neukirchen gehört dem Verein. Vorstand ist Josef Brem von Lohhof, dessen Vater schon früheren Jahren in der Vereinsführung tätig ist.
Interessengemeinschaft Modellflieger Hunderdorf-Au
Diese Gemeinschaft mit anfangs bis zu 50 Angehörigen tritt als solche nicht in die Öffentlichkeit, wird Ende der 70er Jahre gegründet – aber bewusst nicht als Verein – und 2019 beendet. Man hört sie in ihrer aktiven Zeit auf einer Wiese in Au mit ihren Modellen fliegen. Das Gut-haben der Kasse spendet sie 2019 an die Kindergärten Hunderdorf und Neukirchen.
auch im Hunderdorfer Volksfest
Volksfeste haben in Hunderdorf eine lange Tradition. So berichtet das Straubing der Tagblatt am 13.7.1951: „Hunderdorf. Am Samstag, 21. 2 und Sonntag, 22. Juli, findet in Hunderdorf (am Bahnhof) wieder das altherkömmliche Volksfest statt. Schiffsschaukel und Karussell sowie Fahrrad- und Autobahn, Schieß- und Wurfbuden werden für Unterhaltung sorgen. Außerdem finden in der Bahnhofswirtschaft an beiden Tagen Gartenfeste statt. Samstag und Sonntag ist auch noch ab 20 Uhr Tanz. Eine bekannte Blaskapelle wird spielen.“
Im Jahre 1952 findet das erste Volksfest mit der Familie Weinzierl statt. Wenn auch das Geld nicht so locker sitzt, kommen doch viele Menschen aus der Umgegend zu dem Volksfest in Hunderdorf, das nicht selten mit gewalttätigen Auseinandersetzungen im Bierzelt endet. 1987 stirbt Richard Weinzierl, der das Volksfest jahrelang ausrichtet.
Dem Bemühen des Bürgermeister Egon Weinzierl ist es zu danken , dass seit 1989 wieder ein Volksfest abgehalten wird, zum ersten Male auf dem Platz des früheren Bahnhofsgeländes. Vier Tage dauern die Volksfeste und beginnen freitags mit einem Standkonzert am Schulhof und Ausmarsch zum Festzelt.
Anhang
Anhang 1
Der Mühlhiasl von Apoig
In unserer Gegend gibt es nicht viele Menschen denen der Name „Mühlhisal“ unbekannt ist. Es wurden schon viele Bücher über ihn und seine Weissagungen geschrieben, ob der Mühlhiasl gelebt hat, wo er geboren und wo er gestorben und begraben wurde. Auch Kornel Klar hat ihm eines seiner Hefte gewidmet. Inzwischen stimmen viele Forscher darin überein, dass der Mühlhiasl in Apoig, einem früheren Ortsteil der Gemeinde Hunderdorf geboren ist und hier auch gelebt hat. Eine Stammtischrunde errichtete ein kleines Denkmal vor der Metzgerei Sandbiller an der Windberger Straße. Dieses ist für Fremde der einzige Hinweis auf den Mühlhiasl in unserer Gemeinde.
Es war ein Artikel im Straubinger Tagblatt von 1923, den der pensionierte Pfarrer Johann Evangelist Landstorfer, gebürtig von Freundorf, früher Gemeinde Oberalteich, jetzt Stadt Bogen, veröffentlicht hat. Er wurde unter anderem auch im Straubinger Kalender vom 1994 abgedruckt. Dieser Artikel hat die rege Diskussion um das Thema „Mühlhiasl“ und seine Weissagungen entfacht. Dieser soll hier wiedergegeben werden.
Ein Zukunftsseher aus Großväterszeiten
Matthias Lang genannt „der Mühlhiasl“ von Apoig
Seit einem Jahrhundert schwirren durch die Nordgegenden von Niederbayern, angefangen vom Laabertal und Gäuboden bis hinein nach Cham und Bodenmais von Mund zu Mund fliegende „Prophezeiungen“, abgerissen und zusammenhanglos, aber hartnäckig sich erhaltend und unausrottbar. Zukunftsverkündigungen von schwerem Ernst, denen der Anspruch anhaftet, die jetzige Gegenwart und Zukunft zeichnen zu wollen und die allgemein einem gewissen „Mühlhiasl“ zugeschrieben werden, von dessen Persönlichkeit und Lebensumständen aber kaum noch Bescheid zu erfragen ist.
Die alten Leute, die seine Äußerungen so oft mit drohender Überzeugtheit im Munde führten, sterben dahin und die jungen schüttelten sich bei diesen gruseligen Predigten unwillig ab und wünschten sie begraben und vergessen. Es war aber auch zu unwahrscheinlich und unmöglich, was da einem zum Glauben zugemutet worden wäre.
Nun sonderbarerweise, bei den letztjährigen Welterlebnissen (gemeint ist der Erste Weltkrieg) begannen diese alten Sprüche wieder kühner aus der Halbvergessenheit aufzutauchen, ja sich gewaltsam in Erinnerung zu bringen, wie eine längst vorhandene Beschreibung der Gegenwart; und siehe da, vieles hat aufgehört, lächerlich zu klingen.
Da mir aus dem Munde des im Wald und Vorwald wohlbekannten 93jährigen Priestergreises Gg. Mühlbauer, ehem. Pfarrer von Achslach und Oberaltaich, dessen 96jähriger Vater noch ein spezieller Freund des „Mühlhiasl“ gewesen, manches eigenartige Wort eingeprägt worden war, nahm ich mir in landsmännischem Interesse einmal die Mühe, noch das Weitere zusammenzutragen und festzuhalten, was in der Erinnerung der ganz alten Leute fortlebte.
Das Ergebnis sind die folgenden Zusammenstellungen, die, wenn auch wohl unvollständig und lückenhaft, wenn nahe bestürzungserregend, doch durch ihre Ursprünglichkeit und wald-urwüchsige Natürlichkeit erfrischen, in ihrer Verflechtung mit wohlbekannten Land- und Ortschaften trauten Heimatgeruch atmen und immerhin in ihrer Gesamtheit ein ausführliches Stück altheimatlicher Kulturgeschichte darstellen.
Personalien
Der Familienname des fraglichen Mannes ist mündlich nicht mehr zu erkunden. Er wird wohl zu Lebzeiten schon kaum mit dem Familien, sondern mit seinem Allerweltsnamen „Mühlhiasl“ genannt worden sein. Gesagt wird nur, daß er ein Müllerssohn von Apoig gewesen sein soll. Tatsächlich weisen die Pfarrbücher von Hunderdorf nach, daß in der betreffenden Zeit um 1800, ein „Hiasl“ auf der Mühle zu Apoig saß, nämlich Matthias Lang, der seinem gleichnamigen Vater auf der Mühle nachgefolgt und seit 1788 verheiratet war mit Barbara Lorenz von Recklberg und von dem 1789-1800 acht Kinder verzeichnet stehen. Die Geburtszeit dieses Matthias müßte in den 1750er Jahren zu vermuten sein, in denen auch verschiedene Müllerskinder Lang sich finden, aber kein Matthias sondern ein Mathäus (1753). Die etwaige Identität dieses Namensträgers mit dem „Propheten“ müßte erkauft werden mit dem Zugeständnis einer Namensirrung, erleichtert durch das mundartliche „Mattheis“. Die Identität mit dem 1788 in die Ehe getretenen Matthias dürfte unzweifelhaft sein.
Die Persönlichkeit, wie sie sich spiegelt in eigenen Äußerungen und fremden Schilderungen, ergibt das Bild eines ausgesprochenen Originals, eines seltsamen und eigenartigen, gemütstiefen und treuherzigen Sonderlings. Kernhaften Glaubens und ernster Lebensauffassung war er der Seßhaftigkeit abhold; auch in regelrechte Alltagsarbeit scheint er nie viel verstrickt gewesen zu sein. Freizügig und sorgenlos durchstreifte er Gottes Welt, im ganzen Wald bekannt, überall daheim, überall wohlgelitten, nirgends vergessend, den Leuten fleißig von der Zukunft zu erzählen. Ob er im Eglseer Weiher fischte, ob er im breiten Mühlwasser von Apoig im Kahn die frohe Jugend spazieren fuhr, ob er von Bergeshöhen über Landstrecken hinblickte, überall fühlte er sich gedrängt, eben im Zusammenhang mit dem jeweiligen Standort, von den nachfolgenden Zeiten zu plaudern und die künftige Gestaltung der Landschaft und des Volkslebens eingehend zu beschreibeiben.
Seine Redeweise ist von kraftvoller Treffsicherheit und farbensatter Urwüchsigkeit, ausgesprochen natürlich in den breiten Kernlauten tiefster Waldvolksmundart, die sich leider ohne Kraft und Saftverlust nicht ins Hochdeutsche übertragen läßt.
Sein Vorsehen und Vorhersagen betraf die nahe und ferne Zukunft. Freilich wurde ihm nicht alles geglaubt, oft überhaupt nichts. Wer hätte vor 100 Jahren, wo Dampf und Elektrizität unbekannt waren, Lust haben sollen, an „fliegende Menschen“, „eiserne Straßen“, „unbespannte Wägen“ etc. zu glauben! So erntete er dann neben mitleidigem Lächeln auch zuweilen unwilliges Auszanken und gereizten Widerstand. Die Prämonstratenser des nahen Klosters Windberg waren ihm ganz wenig gewogen. Bei einer Gelegenheit, sei es, daß er etwas zu essen erbat, sei es, wie andere berichten, daß er einem förmlichen Verhör über seine Weissagerei unterworfen wurde, ward er mit Ungnade des Klosters verwiesen. Ungefragt sagte ihnen der „Hiasl“ das böse Wahr-Wort zurück: „Gerade so, wie ihr jetzt mich hinaustut, tun sie bald euch selber hinaus“. Sechs Wochen später sei die Aufhebung des Klosters erfolgt. Des weiteren rief er noch: „Ich kann gehen, ihr aber müßt laufen; ich darf wieder herein, aber ihr dürft nicht mehr herein und zu euren Fenstern schauen Weiber und Kinder heraus“. Tatsächlich soll die Entfernung der Mönche sich so abgespielt haben, daß dieselben dem ungerechten Ausweisungsdekret vorerst keine Folge leisteten, bis die Exekutivkommission eintraf und straks alle Klosterinsassen heraustrieb, mit so brutaler Dringlichkeit, daß zwei Patres, die im Bach zu Gaishausen gefischt, keinen Fuß mehr über die Schwelle ihres Klosters setzen durften, sondern eiligst entweichen mußten (1. April 1803).
Die fernsehenden Ankündigungen sind beherrscht von der Grundidee eines bevorstehenden großen „Weltabräumens“:
„Eine Zeit kommt, wo die Welt abgeräumt wird, und die Menschen wieder wenig werden“. Um diesen Kern und Mittelpunkt herum gruppieren sich ganze Reihen von Schilderungen, die in scharfen, kurzen Rißlinien ein Zukunftsbild entwerfen: 1. von der vorangehenden Weiterentwicklung und Gestaltung des Volkslebens; 2. vom Einbruch und Verlauf des großen Unheils, das er das „Weltabräumen“ nennt; 3. von dem sich daraus ergebenden Folgezustand, wohlgemerkt, alles, auch das Weltgeschichtliche, nur erfaßt und ausgemalt im Ausschnitt des niederbayerischen Heimatlandes
- Vorher
Anschaulich wird das niederbayerische Weltbild und Volksleben des bevorstehenden (nunmehr abgelaufenen) Jahrhunderts geschildert in einer Fülle von Einzellinien, die sich in folgende Gesichtspunkte einordnen lassen:
Kleidersitten: „—Wenn d‘ Bauern mit gewichsten Stiefeln in die Miststatt hineinstehen — Wenn sich d‘ Bauernleut g’wanden, wie die Städtischen und die Städtischen wie d‘ Narren (oder – „Die Städtischen wie d‘ Affen“ -) – Wenn erst die Rabenköpf kommen (schwarze Kopftücher) – Wenn die Mannerleut rote und weiße Hüte aufsetzen (solche Hüte waren in den 70er Jahren Burschenmode) – Wenn die farbigen Hüte aufkommen – Wenn d‘ Leut rote Schuh haben – Wenn auf den Straßen Gäns daherkommen (schneeweiße Gewandung) – nachher is nimmer weit hin -“
Lebenssituation: „Wenn d‘ Leut nichts mehr tun als fressen und saufen, schlemmen und dämmen, wenn a Bauernleut lauter Kuchen fressen, wenn Bauernleut d‘ Hendl und Gäns selber fressen – wenn Bauern alle Awanter (Grenzraine) umackern und alle Stauern (Hecken) aushauen, wenn Bauern politisieren, nachher is die Zeit da“.
Verkehrssitten: Auf dem Fußweg von Oberaltaich nach Hunderdorf gibt es eine Stelle, oben auf der Höhe der Kleinlintacher Berge beim Holz Bertl, wo man einen prächtigen Ausblick auf das Donautal und den Gäuboden von Plattling bis Regensburg, wo man heute so schön den Dampfschiffen zuschauen und die Schlepper zählen und das Pusten hören kann. Hier stand vor mehr als 100 Jahren der Mühlhiasl und besprach die Passauer Bahn und die zukünftige Waldbahn in Verbindung mit seinem Weltabräumen „- Wenn die schwarz Straß von Passau heraufgeht, wenn die schwarz Straß (auch ,eiserne Straß‘) über die Donau herüberkommt und ins Böhm neinlauft“, „wenn der eiserne Hund in der Donau heraufbellt“, „wenn d‘ Leut in der Luft fliegen können“, „- wenn d‘ Wägen ohne Roß und Deichsel fahren“, – „wenn die meisten Leut mit zweiradeligen Karren fahren:, so schnell, daß kein Roß und kein Hund mitlaufen kann“, nachher stehts nimmer lang an“. . .
In Apoig, der jetzigen Station Hunderdorf, bezeichnete er auf Meter genau den nachmaligen Lauf der „eisernen Straß“ und zeigte her, wie weit sie dem Schötz (jetzt Blasini) in den Garten hineinschneiden werde: „Bis daher und nicht weiter“. Bemerkenswert ist, daß die Einwohner 1893 über den Bogener Brücken- und weiteren Eisenbahnbau nicht viel Entzücken aufbringen konnten, sondern nach dem Eintreffen der ersten auch das angehängte zweite fürchteten: „- Dann steht’s nimmer lang an“ …
Besiedlungswesen: Lintach, eine stundenweit ausgedehnte Kolonie mit zerstreuten Häusern, war um 1800, wie der ganze Wald, mit riesigen, für wertlos erachteten Hölzern bestanden und schwach besiedelt. Der „Hiasl“ behauptete, die Leute und die Häuser würden zuerst recht viel werden: „In der Stadt werden fünf- und sechsstöckige Häuser ‚baut, überall werden Häuser ‚baut, Häuser werden ‚baut, wie d‘ Schlösser und d‘ Pfarrhöf, Schulhäuser werden ‚baut wie Paläst (mit eigener Betonung fügte er dann hinzu – „für d‘ Soldaten! „) – „In Lintach wird alles voller Häuser und Lehmhütten ang’schlöttet, aber nachher wachsen einmal Brennessel und Brombeerdörn zu ’n Fenstern außer.“ Im Umhergehen zeigte er dann viele Orte, wo Häuser erstehen würden: „Da wird ein Haus ‚baut“. Am ehemaligen Weiher zu Eglsee fischend, steckte er an der Weiherecke mit dem Stock ein Viereck ab: „Da kommt ein Haus her“. (Ist heut zu sehen). Rätselhaft ist eine Angabe: Zwischen Hunderdorf und Au zeigte er einen Platz: „Da wird ein Haus ‚baut, wird aber zuvor nicht aus’baut, wenn’s gleich schon lange ‚baut is“. Es steht dort ein eigenes Haus „Breitfeld“. Lange Zeit sind die Balken für eine Altane weggestanden, was ihm ein unfertiges Aussehen gab, die sind jetzt entfernt. Dagegen soll für die nächste Zeit ein Draufbau in Vorbereitung sein – Ferner ein Hinweis: „Wenn der Hochwald ausschaut, wie’m Bettelmann sein Rock“ … (Könnte im Auge haben die schonungslose Abholzung, könnte aber auch hinweisen auf den „Hochwald“ bei Oedwies, der 1870 von einem Sturm „zerflankt“ wurde).
Klimatische Anzeichen: „Wenn die kurzen Sommer kommen – wenn man Winter und Sommer nimmer auseinanderkennt (weil der Winter so warm, der Sommer so kalt).
Religiöses Wahrzeichen: „Zuerst kommen die vielen Jubiläen“ – „Überall wird übern Glauben ‚predigt, überall sind Missionen“ (namentlich seit dem kirchenrechtlich vorgeschriebenen 10jährigen Missionierungsturnus!). „Kein Mensch kehrt sich mehr dran. D‘ Leut wird’n erst recht schlecht. D‘ Religion wird noch so klein, daß mans in ein‘ Hut hineinbringt. Der Glaubn wird so dünn, daß man ihn mit der Geißl abhauen kann. Der Glaubn wird so wenig, daß man ihn mit’m Geißelschnappen vertreiben kann. Übern katholischen Glauben spottn am besten die eigenen Christen.“
Vielleicht hierhergehörend: „Recht‘ Gsetze (= recht viele oder recht üble Gesetze?) werden gemacht, aber werden nimmer ausg’führt“.
Wirtschaftliches: „’s Gold geht zu Eisen und Stahl. Um ein Goldstück kann man noch einen Bauernhof kaufen.“ – „’s Holz wird so teuer wie der Zucker, aber (fügte er bei Weissagungen über große Not hinzu) g’langen tuts“. Einerlei Geld kommt auf. Geld wird gemacht, so viel, daß man’s gar nimmer kennen kann (mit geheimnisvoll hämischen Lächeln betonte er): „Wenns gleich lauter Papierflanken sind, kriegen die Leut nicht genug dran. Auf einmal gibt’s keines mehr.“ Wenn also das alles sich eingestellt hat, dann kommts nämlich:
- Das „Weltabräumen“ selber
Nur rißhaft sind die Phasen angedeutet. Vorausgesetzt ist der „große Krieg“. Der „große Krieg“, ganz waldlerisch ausgesprochen war ein häufiger Wiederholungsposten in seinen Vorhersagen. „Nach dem Krieg meint man, Ruh ist, ist aber keine. Die hohen Herren sitzen zusammen und machen Steuern aus. Nachher steht’s Volk auf.“ „Bal’s angeht, ist einer übern andern. Raufen tut alles. Wer etwas hat, dem wird’s genommen. In jedem Haus ist Krieg. Kein Mensch kann mehr dem anderen helfen.“ Andeutungen von furchtbaren Klassenkämpfen: „Die reichen und noblen Leut werden umbracht. Wer feine Händ hat, wird totgeschlagen.“ (Vorbild: Ausrottungskampf gegen geistige Arbeit in Rußland) – Der Stadtherr lauft zum Bauern aufs Feld und sagt: „Laß mich ackern“ (um nicht erkannt zu werden). „Der Bauer erschlagt ihn mit der Pflugreutn.“
Offenbar auf das Hereinfluten roter Militärmassen von Osten soll hindeuten: „Von Straubing auf den Pilmersberg (Pilgramsberg) hinein wird eine Straß ‚baut“. (Die Gegend war damals so unwirtlich, daß ihm der alte Weiherbauer erklärte, wenn ich alles glaub, glaub ich nicht, daß da eine Straß ‚baut werden kann (die jetzige Straße Straubing—Cham). „Auf der Straß kommen sie einmal heraus, dieselben Roten, d‘ Rotjankerl.“ Wegen dieser Äußerung wurde er viel verlacht, ob’s etwa die rothosigen Franzosen sein sollen: „Nein, Franzosen sind’s nicht, rote Hosen habens auch nicht, aber die Roten sind’s“.
„Wenns aber einmal kommen, muß man davonlaufen, was man kann, muß sich verstecken mit drei Laib Brot. Wenn man beim Laufen einen verliert, darf man sich nicht bücken, so muß es ,schlaun‘ (pressieren). Wenn man den zweiten verliert, muß man ihn auch hintlassen, man kann’s auch mit einem noch aushalten.“ (Daß in kritischen Zeiten jeder Eisenbahn- und Nachrichtendienst aufhören kann, hat die Rätezeit gezeigt).
Als Versteck empfahl er je nach der Gegend z. B. für Mitterfels die großen Wälder im Perlbachtal und die Senkungen beim Buchberg, für Englmar die Käsplatte, für Bodenmais die Bergwerke, für den waldlosen Gäuboden die Weizenmandln.
Zum Schluß ist noch ein besonders unheimlicher Gast in Aussicht gestellt mit einem Originalnamen: „Der Bänke-Abräumer“ . Da man in den Bauernstuben um den Tisch auf Bänken sitzt, zu verstehen als eine die Familienbestände dahinraffende seuchenartige Krankheit: „Auf d‘ Letzt kommt der „Bänk-a-ramer“. Die Wenigen, die übrig geblieben, werden sich schutzsuchend aus der ganzen Umgebung innerhalb der Windberger Klostermauern sammeln. „Wer’s überlebt, muß einen eisernen Kopf haben.“ Wie sieht’s nun nachher aus?
- Nachher
Eine große Verheerung. „Die Leute sind wenig. Grüßen tuns wieder: ,Gelobt sei Jesus Christus‘ und einer sagt zum andern ,Grüß Dich Gott, Bruder, grüß Dich Gott, Schwester‘. Auf d‘ Nacht zündet einer ein Licht, schaut, wo noch jemand eins hat -. Wer eine Kronwittstaude (Wacholder) sieht,“ geht drauf los, ob’s nicht ein Mensch ist. Ein Fuhrmann haut mit der Geißel auf die Erde nieder und sagt, da ist die Straubinger Stadt g’standen.“ (Letztere Äußerung traf ich nur einmal an, fraglich, ob sie dem M. zuzuschreiben ist.) Das Bayerland im besonderen „wird verheert und verzehrt von seinem eigenen Herrn, am längsten wird’s stehn, am schlechtesten wird’s ihm gehn“.
Viehstand: „Wenn man am Donaustrand und Gäuboden eine Kuh findet, der muß man eine silberne Glocke anhängen, ein Roß, dem muß man ein goldenes Hufeisen hinaufschlagen; im Wald drin krähn noch Gickerl“.
Wirkung des Strafgerichts: Nachher, wenn die Welt abgeräumt ist, kommt eine schöne Zeit. Große Glaubensprediger stehen auf und heilige Männer. Die tun viel Wunder, die Leute glauben wieder.
Er sprach auch davon, daß vorher die Geister, die „Waizn“ verschafft werden (allgemeine Volksanschauung, bestärkt durch das Meßschlußgebet und den teufelbeschwörenden großen Exorzismus Leos XIII.). Nachher aber erscheinen wieder Geister und bringen die Leute zum Glauben.
Zeitpunkt: Welchen Zeitpunkt er für den „Großen Krieg“ in Aussicht hatte, ergibt sich ganz beiläufig aus einer unbedeutenden Begebenheit: In Großlintach redete er mit dem damaligen Bognervater vom großen Krieg. Inzwischen wurzelte und knetete er in freundlicher Neckerei das Ohr des dabeistehenden Kleinen, bis dieser den Scherz zu empfindlich empfand und zu weinen anhub. Da tröstete ihn gutmütig der Mühlhiasl mit der Versicherung: „ Du bist beim großen Krieg nimmer dabei, deine Kinder auch nicht, aber denen ihre Söhne kommen gewiß dazu“. Die Bognersöhne waren all beim Ersten Weltkrieg, sie sind die Enkel jenes weinenden Knäbleins.
Allgemeines vorhergehendes Merkmal: „Kein Mensch will’s glauben“.
Würdigung
Es steht jedem Menschen frei, über die Verlautbarungen des eigentümlichen Mannes zu denken, was ihm beliebt, sie erstaunlich oder bemerkenswert oder bedeutungslos oder lächerlich zu finden. Zu letzterem wird neigen, wer allzu buchstäblich den Wortlaut preßt. Solches wäre nicht am Platze. Der gemeine Mann, noch dazu bei dichterischer Veranlagung, liebt es, von beobachteten Vorgängen und empfangenen Eindrücken die Höchstgrade hervorzuheben und übertreibend zu verallgemeinern mit Redewendungen wie „Kein Mensch“, „alle Leut“ u. a. – Beispielsweise einige blühende Bäume im Januar und erreifte Felder im Juni, wie sie in den letzten Jahren mehrfach zu beobachten waren, genügen ihm zwar zur Beurteilung „man kennt Winter und Sommer nicht mehr auseinander“. Kindisch wäre der Einwand, die Äußerungen, soweit sie zutreffen, wären etwa hinterher auf die Ereignisse zurechtgeschnitten und ihnen angepaßt worden, da deren Originalität und Alter durch die aus unseren Kindheitstagen bekannten überererbten Erzählungen der Ahnen hundertfach feststeht.
Daß es übrigens Menschen mit der Gabe des örtlichen und zeitlichen Hellsehens gibt, ist wissenschaftlich erwiesen. Häufiger findet sich die Veranlagung in Westfalen und die inhaltlichen Zusammenklänge der dortigen Vorhersagungen mit den hier angeführten sind oft auffallend. Trotzdem ist die selbständige Ursprünglichkeit beider gewährleistet durch die beiderseitigen heimatverankerten und daher unübertragbaren Lokalweissagungen. Hingewiesen sei, daß inhaltlich ungefähr die nämlichen Gedankengänge und ganz ähnliche Zukunftsausblicke in gehäufter Übereinstimmung sich finden bei anerkannt prophetischen Personen, darunter angesehenen Heiligen, aber kaum je mit solcher Fülle von Einzelmerkmalen, mit dieser markanten Anschaulichkeit und niederbayerisch derbkräftigen Strichzeichnung.
Nachwort
Leider gelang es mir noch nicht, Zeit und Ort vom Lebensende des Matthias Lang klarzustellen. In Apoig starb er nicht, wenigstens weiß die Sterbematrikel Hunderdorf nichts von ihm, auch nicht die von Englmar und Elisabethszell. Doch muß er im Bereich von Englmar, drunten in einem „Loch“ eine Mühle besessen haben: „Ich komm euch als Toter noch aus“. Auf dem Leichenweg sei durch einen Ruck der scheuenden Ochsen der Sarg vom Wagen gefallen und eine Böschung hinuntergerollt, so daß man ihn heraufholen mußte.
Vielleicht könnte eines der an Englmar grenzenden Pfarrämter über den um 1810-1820 vermutbaren Tod dieser so bekannten und unbekannten Waldpersönlichkeit Aufschluß geben. Leicht könnte auch sonst in den inneren Waldgegenden Genaueres über Persönlichkeit und Äußerungen des Landsmannes bekannt sein, geeignet, Obiges zu ergänzen oder richtig zu stellen. Für Mitteilungen solcher Art wäre der Schreiber dankbar.
Quelle: Straubinger Kalender vom 1994
Anhang 2
Entwicklung der Einwohner: 1888 – 1987 – 2024
| Entwicklung der Einwohner: 1888 – 1987 – 2024 | |||||||||
| Ortsteil | Siedlungsform 1888 |
Ein- wohner 1888 |
Ein- wohner 1987 |
Ein- wohner 2024 |
Wohn- gebäude 1888 |
Wohn- gebäude 1987 |
Wohn- gebäude 2024 |
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| Au vorm Wald | Dorf | 99 | 116 | 153 | 18 | 31 | 65 | ||
| Bauernholz | Weiler | 28 | 40 | 44 | 6 | 13 | 16 | ||
| Berndorferholz | Einöde | 3 | 10 | 0 | 1 | 2 | 0 | ||
| Brandstatt | Weiler | 17 | 15 | 24 | 3 | 4 | 9 | ||
| Breitfeld | Einöde | 5 | 23 | 14 | 1 | 6 | 6 | ||
| Ebenthan | Weiler | 17 | 16 | 14 | 3 | 6 | 6 | ||
| Egern | Einöde | 11 | 6 | 5 | 1 | 2 | 2 | ||
| Eglsee | Einöde | 13 | 15 | 6 | 3 | 2 | 3 | ||
| Ehren | Einöde | 10 | 41 | 69 | 2 | 10 | 32 | ||
| Ellaberg | Weiler | 19 | 24 | 21 | 4 | 8 | 11 | ||
| Neidau (Etz?) | Einöde | 4 | 6 | 1 | 1 | 1 | 1 | ||
| Gaishausen | Dorf | 75 | 86 | 101 | 19 | 24 | 38 | ||
| Grabmühl | Einöde | 9 | 8 | 8 | 1 | 2 | 3 | ||
| Grub | Weiler | 19 | 16 | 19 | 4 | 4 | 6 | ||
| Hasenquanten | Einöde | 7 | 21 | 32 | 1 | 5 | 12 | ||
| Hoch | Weiler | 60 | 165 | 177 | 14 | 45 | 62 | ||
| Hochholz | Weiler | 4 | 9 | 6 | 1 | 3 | 3 | ||
| Hofdorf | Kirchdorf | 166 | 99 | 105 | 32 | 30 | 49 | ||
| Hunderdorf & Apoig | Dorf | 369 | 1269 | 1.778 | 62 | 333 | 609 | ||
| Irlach | Einöde | 10 | 9 | 8 | 1 | 2 | 2 | ||
| Lindenbrunn | Einöde | 4 | 5 | 6 | 1 | 1 | 2 | ||
| Lindfeld | Weiler | 34 | 47 | 84 | 6 | 12 | 32 | ||
| Lintach | Dorf | 165 | 120 | 104 | 32 | 33 | 37 | ||
| Oberhunderdorf | Weiler | 16 | 23 | 18 | 3 | 7 | 8 | ||
| Oberstetten | Weiler | 28 | 14 | 10 | 7 | 3 | 3 | ||
| Oed jetzt Öd | Einöde | 7 | 28 | 22 | 2 | 6 | 7 | ||
| Rammersberg | Dorf | 86 | 66 | 70 | 16 | 20 | 30 | ||
| Riglberg | Einöde | 15 | 5 | 8 | 3 | 2 | 3 | ||
| Röhrnau | Weiler | 31 | 17 | 12 | 4 | 3 | 4 | ||
| Schafberg | Dorf | 60 | 130 | 66 | 15 | 34 | 25 | ||
| Sollach | Dorf | 59 | 40 | 21 | 10 | 6 | 8 | ||
| Starzenberg | Weiler | 14 | 36 | 13 | 3 | 9 | 8 | ||
| Steinburg | Dorf m. Schloss | 142 | 138 | 134 | 28 | 36 | 42 | ||
| Stetten | Weiler | 15 | 35 | 34 | 3 | 10 | 12 | ||
| Stockwies | Einöde | 11 | 5 | 1 | 2 | 2 | 2 | ||
| Thananger | Dorf | 71 | 79 | 81 | 15 | 26 | 33 | ||
| Wegern | Dorf | 57 | 150 | 136 | 11 | 38 | 53 | ||
| Weinberg | Einöde | 6 | 5 | 3 | 1 | 1 | 1 | ||
| Summen | 1766 | 2937 | 3408 | 340 | 782 | 1245 | |||
| Quelle: Bayerische Staatsbibliothek, Digitale Sammlungen | |||||||||

